Der Weg stark zu sein

Die Gaben Gottes erfährt der Mensch in einem Paradoxon.

„Wenn ich schwach bin, so hilft mir der Herr.“
Ps. 116, 6

Von klein auf werden wir trainiert die Stärken auszubauen und die Schwächen zu bekämpfen oder zu entwickeln. Frei nach dem Motto: wer das Leben meistern will, muss stark sein. Schwach sein hat keinen Platz in unserem Leben, damit wird man nicht prahlen. Schwächen werden eher ignoriert und verdrängt. Sie grenzen uns aus und stören das Zusammenleben. Es sind nicht die großen Unterschiede, die eine Beziehung mürbe machen, es sind die kleinen Schwächen. Genau das, was uns gegenseitig am anderen auf den Nerv geht. Schwach sein sind die Grenzen vor Aufgaben und Herausforderungen, denen wir uns nicht gewachsen sehen. Schwachheiten sind auch gesundheitliche Engpässe, die lähmen und uns nicht das tun lassen, was wir sollen. Schwach sein, das was in der Tiefe kein Mensch haben will, darauf hat Gott sein Auge geworfen. Der Mensch an seiner Grenze ist Gottes Anfang. Eigentliche Stärke beginnt bei Gott am Nullpunkt des Menschen. Je weniger der Mensch zu bieten hat, umso mehr kann Gott dazugeben. Das ist das gegenläufige Prinzip des Glaubens, das Paradoxe in der Gotteserfahrung. Nur in der Nacht wirkt das Licht am stärksten. Nur im Chaos und Unfrieden, kann der Friedensstifter seine ganze Macht entfalten. Nur wo der Mensch Gott nichts zu bringen hat, wird ihm Gott alles. Gott freut sich an denen, die schwach sind, mit ihnen kann er am meisten anstellen. An ihnen kann er sich preisgeben. In der Schwachheit wird Gott verherrlicht, weil der Mensch nichts mehr dazugeben kann. Die Schwachheit wird dadurch zur Stunde der Vollmacht. Gerade dort, wo der Mensch eher sein Leben wegwirft, sammelt Gott es ein und beginnt damit ein großartiges Spiel. Er fühlt sich in unserer Schwachheit voll in seinem Element. Ihn hindert nichts mehr seine Gaben und seine Gnade zu entfalten.

Somit werden sich die Potenziale, die Gott an uns entfalten will, an den Starken zerschellen. Wer sich selbst oder Gott etwas beweisen möchte, schließt sich aus den Handlungen Gottes aus. Die Großen des Glaubens, wie Paulus, rühmen am allerliebsten ihre Schwachheit, auf dass die Kraft Christi in ihm wohne. Das Erlösungswerk Christi kann nur in gebrochenen Existenzen wohnen. Schwachheit ist der Schöpfungsmorgen, an dem die Erde wüst und leer war. Wenn Gott das schwach sein liebt, ist es gut, wenn wir uns mit unseren Schwächen anfreunden. Wir brauchen nicht den dicken Max heraushängen wie toll und wie fromm wir sind. Wir können mit unserer ganzen Schauspielerei aufhören, die sich als der Starke aufspielen will. Es ist nicht nötig, uns als die Makellosen zu präsentieren, die fest im Glauben stehen. Bei allem, wo wir lernen und wachsen und uns in unserer Persönlichkeit reifen, ist nötig, uns mit unserer Schwachheit anzufreunden. Das was die Qualitäten des Reiches Gottes ausmacht, können wir nicht lernen, das kann uns nur dazu geschenkt werden. Somit ist schwach sein, das Kapital der Starken.

Woher kommt die Einstellung, wir müssten vor Gott stark sein, dass er etwas mit uns anfangen kann?

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Ich bin dein

Menschsein heißt, mutig aufstehen und entschlossen handeln.

„Ich bin dein, hilf mir!“
Ps. 119, 94

Ich bin dein, ist die Liebeserklärung an seinen Schöpfer. Da hat ein Mensch seinen Platz und seine Bestimmung gefunden. Er ist im Herzen Gottes zuhause. Enger, fester und klarer, kann man eine Beziehung nicht ausdrücken. Ein Mensch erkennt sich selbst und sein in-Gott-sein. Er tritt von sich selbst zurück und stellt fest, ich gehöre nicht mir. Ich bin ein Teil des großen Liebenden. Dies ist die wichtigste Erkenntnis im Leben. Mein ich bin, hat immer ein stärkeres du bist mein. Das ist das Entscheidende in meinen schwachen Tagen. Wo meine Seele wie dürrer Sand dahinfliegt, ist in diesem Gegenüber guter fester Boden. Wo die Knie zittern, die Angst mich in Schach hält, bin ich an einer kräftigen Hand, die zu mutigen Schritten führt. Mit dem „ich bin dein“ beginnt ein Überwinder-Glaube. Da verliert meine ängstliche Schwachheit ihr falsche Zurückhaltung. Hier beginnt der Durchbruch zu einem befreiten Dasein, das nicht an den Engpässen des Lebens Halt macht. Das gab Hans und Sophie Scholl als junge Menschen den Ansporn, sich nicht von einem Nazi-Regime einschüchtern zu lassen. Wo Menschen in Gott sind, werden gewaltige Widerstandskräfte freigesetzt. Da ist nicht die Bedrohung des Bösen der Auslöser zum Rückzug, da kann kein Tod mehr schrecken, da bestimmt der, der den Tod überwunden hat. Ich bin dein heißt, der Christus, der die Welt überwunden hat, ist in mir. Er verwandelt selbst die Angst vor der eigenen Schuld. Im Glauben an Christus haben wir nichts mehr zu fürchten, weder eigenes Versagen noch irgendwelche Androhungen und Befürchtungen von außen. Darin liegt Stehvermögen, wenn der Boden wegbricht. Darin liegt alle Hilfe, die je einem Menschen zur Verfügung steht. Wer dieses hilf mir schreit, hat bereits seine eigene Ängstlichkeit überwunden.

Angesichts dieses Wortes können wir feststellen, welch ein eingeschüchtertes und ausgebremstes Dasein wir führen. Da ist oft so wenig von dem mutigen Voranschreiten und so viel von dem ängstlichen Abwarten. Wir ziehen uns zurück und beklagen die schlimmen Situationen, die uns das Leben schwer machen. Wir bejammern unsere Opferrolle, wo die Tragödien wieder mal so hart zugeschlagen haben. Wir stöhnen unter unserer Hilflosigkeit, dass uns die Hände gebunden sind, und wir nicht die Kraft haben, hier etwas zu ändern. Da singen wir am heutigen Sonntag Kantate eine Jammerarie des Unglaubens.

Das neue Lied heißt: Ich bin dein! Im Glauben erhält jeder schreckliche Verlauf der Geschichte eine Wende. Da können Menschen in der Kraft des Überwinders ihr Leben in die Hand nehmen und kühne Schritte wagen. Da hat das Bedrohliche seine bestimmende Macht verloren und das Auferstehungsleben gesiegt. Für den, der in Gott ist, ist mehr Hilfe da als alle Angst der Welt kaputt machen kann. Ergreifen wir diesen Mut und handeln wir entschlossen. Wir haben allen Grund dazu.

Was ist das für ein Glaube, der in der Todesgefahr das Leben aufgibt?

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Verschwendung baut auf

Verschwendete Herzen werden stark.

Des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“
2.Chr. 16, 9

Gott hält nach dem Echo Ausschau. Er hat hochbegabte Menschen auf die Erde geworfen und wartet auf den Aufschlag. Die Leidenschaft seiner Liebe hat die Erde entzündet und er sucht nach dem Feuer, das sich ausbreitet. Gott schaut und fiebert, was aus seiner Sache geworden ist. Er sucht nach Menschen die brennen. Er sucht die Heißen, die Feurigen, die Treuen, diejenigen, die ihre erhaltenen Gaben verschwenden. Er hält Ausschau nach der Frau, die Jesus zu Füßen liegt, seine Füße beweint, sie mit ihren Haaren trocknet und dem teuersten Salböl salbt. Geballte Emotionen, in denen sich Gottes Liebe wie ein rollendes Erdbeben über die Erde ausbreitet. Gott sucht nach der Leidenschaft, die er ausgelöst hat. Er durchsucht alles nach Liebe. Er will wissen, wie die Herzen schlagen, wonach sie sich sehnen.

Wo er das Echo seiner Liebe entdeckt, legt er noch einen drauf. Er macht die stark, die sich total für ihn verausgaben. Denen die alles geben, gibt er noch mehr. Er überschüttet die, die sich verschwenden, die mit seinen Gaben wuchern. Das ist das Gesetz der Liebe, die immer reicher wird, je mehr sie verschwendet wird. Am Herzen Gottes verarmt niemand. Da braucht sich niemand zurückhalten und schonen, dass die Kräfte reichen. Wo die Liebe brennt, wird ein Feuer unauslöschbar. Es geht um das ganze Herz, um den ganzen Eifer, um die totale Leidenschaft, die stark machen. Halbherzig bleibt schwach. Wo sich Herzen von Gott zurückziehen, gehen die Lichter aus und kühlt die Erde ab. Die starke Hilfe in aller Schwachheit, ist das ganze Herz bei Gott. Zwischen ganz und halb entscheidet sich Stärke und Schwäche. Halbherzige Liebe kann kein Feuer entfachen. Wo unsere Herzen nur bei uns sind, wo sie mit sich selbst beschäftigt sind, können keine neuen Kräfte fließen.

Wo Gott Ausschau hält, an welche Herzen er sich verschenken kann, wo er noch mehr dazu geben kann, ist wichtig, dass wir unser Herz untersuchen. Für was schlägt unser Herz? Ist es unter den Lasten schwach und müde geworden? Brennt das Feuer noch, das Gott einmal angezündet hat? Gott wartet mit ganzer Leidenschaft auf ganze Herzen. Er will dazugeben was fehlt.

Ist uns dort wo das Feuer ausgegangen ist, nicht angeraten, unser Herz untersuchen zu lassen?

Geschichten machen stark

Wer kraftvoll und hoffend in die Zukunft gehen will, braucht eine lebendige Geschichte.
Gott, wir haben mit unseren Ohren gehört, unsere Väter haben´s uns erzählt, was du getan hast zu ihren Zeiten vor alters.“

Ps. 44, 2
Der Blick in die Geschichte macht Gott groß. Der Mensch lebt aus der Vergangenheit. Stark werden wir da, wo wir uns auf unsere Wurzeln besinnen. Vergangenheit gehört nicht immer abgehakt, sondern ganz bewusst ausgegraben. „Wir müssen zu unserer Geschichte stehen und aus der Geschichte heraus leben, um die Herausforderungen unserer Zukunft zu meistern“, sagte gestern Bundespräsident Steinmeier zum Tag der deutschen Einheit. Die Geschichte, das was die Väter erzählen, hält uns am Leben. Wie Gott handelt, und wie er in Zukunft handeln wird, daran können wir nur glauben, wenn wir auf das schauen, wie er gehandelt hat. Aus den früheren, bereits gewesenen Handlungen, kommt die Kraft für das Heute und Morgen. Der Glaube steht nicht im Nichts, sondern in der Geschichte der Väter. Im Zurückhören und Rückbesinnen, entdecken wir den Gott, der mit Menschen seine Geschichte schreibt. Im Hören auf die Väter erkennen wir den Gott für Heute.
Wenn Paulus zurück schaut, sieht er auf die Propheten, die im Glauben Königreiche bezwungen haben, Gerechtigkeit geübt, Verheißungen erlangt und Löwen den Rachen gestopft haben und noch vieles mehr. Die Väter sind Vorbilder die antreiben. Wir leben aus der Geschichte des Volkes Israel mit seinem Gott. Wir leben aus der Kirchengeschichte, von gestandenen Männern und Frauen des Reiches Gottes. Wir leben aus der Geschichte mit Jesus Christus. Das Hören ist immer das Hineinhören in die Geschichte. Das Neue lebt aus dem Alten. Wo wir uns von unseren Wurzeln trennen, fehlt die Kraft das Morgen. Entschlossen und kraftvoll im Glauben aktiv werden, können wir nur dort, wo wir auf einem klaren Fundament stehen. Wenn wir nur auf das jetzt schauen, weil wir im Jetzt leben, können wir keine Hoffnung für die Zukunft entwickeln. Wo wir ohne unsere Geschichte leben, können wir nur ein blasses Bild von Gott bekommen und einen farblosen Glauben leben. 
Um Sterbende zu trösten, um Hoffnungslose zu begleiten, um Fremden Heimat zu bieten, um tiefe Gräben zu versöhnen, braucht es Menschen, die eine starke Geschichte haben. Je stärker wir uns in die Geschichte Gottes mit den Menschen verwurzeln, umso kraftvoller wird unser Glaube, umso entschlossener der Gang in eine hoffnungsvolle Zukunft.
 Wo sind unsere starken Geschichten, die uns zu wagemutigen und standfesten Menschen machen?

Wer auf Starkes sieht, wird stark

es liegt an der konzentrierten Sichtweise, ob wir Hoffnung haben.
Der Herr ist deine Zuversicht.

Ps. 91, 9
Auf was schauen wir, wenn die Wellen hoch schlagen und die Stürme pfeifen? Zuversicht ist eine Umleitung zu etwas, was den Blick in eine andere Richtung lenkt. Von etwas weg, zu etwas hin. Es ist der Blick auf das was noch stärker ist, als das, was mächtig über mich hereinbricht. Die stärkste Zuversicht sehen wir bei Jesus am Kreuz. In seiner größten Gottverlassenheit schreit er zu seinem Gott. Er macht seine größte Not zum Gebet. Mein Gott, warum hast du mich verlassen? Kurz zuvor sagt er zu dem Mitgekreuzigen: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein. Zuversicht hat im Schrecken eine Perspektive. Wo sich der Blick Gott zuwendet, verliert die Bedrohung ihre Macht.
Zuversicht ist das was uns vor Augen steht. Wenn wir dem Elend in die Augen schauen, können wir keine Hoffnung haben. Wenn wir auf das Unrecht der Welt sehen, haben wir keine Zukunft. Wenn wir unsere Einschränkungen betrachten, sind wir beschränkt. Wo uns Gott vor Augen steht, sind wir nicht mehr schicksalsbestimmt. Die Blickrichtung, „zu dem Herrn“, führt in stürmischen Wellen durch das Meer. Wo wir zu Gott sehen, verändern sich nicht die Situationen, sondern wir verändern uns, im Umgang mit den Situationen. Zuversicht lässt Aufstehen, in dem was uns auf den Boden wirft. Zuversicht gibt dem Handeln Gottes Raum in aller Ohnmacht.
Auf was richten wir unsere Augen, wenn´s ungemütlich wird?

Kraft im Überfluss 

unser kraftvoll sein geht nicht von uns aus.
„Herr, du bist meine Stärke und Kraft und meine Zuflucht in der Not!“

Jer. 16, 19
Welch ein Bekenntnis. Hier hat eine Kräfteverschiebung stattgefunden. Der Herr ist das, was mich ausmacht. Ein Mensch, der nicht in seiner Saftlosigkeit steckengeblieben ist, sondern aufgebrochen ist zur Kraft. Menschen sind wie Accus, die sich im Betrieb verbrauchen und entleeren. Ihre eigentliche Energie erhalten sie aus der Ladestation. Ohne Ladestation ist der beste Accu kein Kraftpaket mehr. Es geht um die eigentliche Quelle von Energie. Ohne Nachladen leuchtet irgendwann kein Handydisplay mehr. Ernergie haben hängt immer mit Energie tanken zusammen. 
Menschen haben aus sich heraus nicht den Strom, über alle Maßen kraftvoll zu sein. Ihnen gehen immer wieder die Lichter aus. Wir leben in einer energieraubenden Welt. Schöpfung verbraucht sich, durch ihren Sterbensprozess. Anklage und Selbstszweifel gehören zu unserem Spannungsabfall. 
Du bist, ist die Energiewende. Gott baut ein Kraftfeld auf. In uns fließt ein Saft von anderswo. Unsere Funktionstüchtigkeit kommt aus der Schöpferquelle. Da wirkt eine andere Kraft. Da baut sich in uns der Starke auf. Es kommt nicht darauf an, wer wir sind, sondern in wem wir sind. In all unserem Schwachen und Unheiligen, belebt uns der Heilige. 
Wer von dem Erneuernden berührt wird, kann aufatmen, kann sich aufrichten, wird lebendig. Da bestimmt nicht die Not und Schwachheit, da ist immer mehr Kraft als nötig vorhanden. Da kann keine innere oder äußere Not uns Angst machen. Wo du bist, sind wir den widrigsten Umständen gewachsen.
In welchen Situationen stehen wir unter dem Eindruck, die Kraft würde nicht reichen und wir sind den Herausforderungen nicht gewachsen?  

Real ist das Unmögliche 

das geht nicht, gibt es nicht!
„Ach Herr, siehe, du hast Himmel und Erde gemacht durch deine große Kraft und durch deinen ausgereckten Arm, und es ist kein Ding vor dir unmöglich.“

Jer. 32, 17
Gott ist grenzenlos. Bei Gott geht alles. Gott spielt mit den Elementen und es entsteht eine Milchstraße. Dort entstehen Galaxien, woanders Sterne, die Lichtjahre entfernt sind. Sichtbare und unsichtbare Welten, einfach aus dem Nichts geschöpft. Wie Kinder mit Bauklötzen spielen, entwirft Gott mal schnell den Kosmos. Einen Raum voll Größe, Kraft und unausschöpfbarer Energie. Sein Volk führt er kurz mal durch das rote Meer, lässt sie trockenen Fußes entkommen. Seine Verfolger saufen in den Wellen ab. Da ziehen Wolken über Deutschland einfach nicht weiter und geben Wassermassen von sich, mit denen niemand mehr fertig wird. Das ist große Kraft, das sind ausgestreckte Arme, die Menschen das Staunen und Fürchten lehren. Da gibt es Dinge, die darf es eigentlich gar nicht geben. Das sind Handlungen, gegen alle Naturgesetze. Da sind Tote, die kurz mal wieder lebendig werden. Man kann sich bei Gott nicht mehr auf seinen Verstand und seine Erfahrung verlassen. Da gehen Dinge, da geht die Wissenschaft in die Knie. Wahrscheinlich lacht Gott darüber wie kleinlich wir denken.
Wer auf dieser Welt maßt sich an, zu sagen, das ist unmöglich? Wer kann sich erlauben zu sagen, das ist hoffnungslos? Wer kann sagen, die Heilungschancen betragen 1%. Das sind Menschen, die bisher keine anderen Erfahrungen gemacht haben. Menschen, die das was sie tagtäglich erleben, zur Wahrheit erkohren haben. Wo wir nicht mehr weiter wissen, heißt es ganz schnell, – unmöglich. Wer sind wir, dass wir derart Gottes Handlungsspielraum begrenzen wollen? 
Vor 30 Jahren hätte auch noch niemand geglaubt, dass wenn das Kind in Sydney ist, es mit uns zuhause in Wort und Bild über skype in Echtzeit kommunizieren kann, als würde es mit am Tisch sitzen.
Bei Gott ist das Unmögliche real. Wir müssen glauben und einrechnen, dass morgen etwas geht, was heute aussichtlos scheint. Das was wir uns nicht vorstellen können, ist morgen die neue Realität. Unser Glaube ist die Trotzreaktion gegen unseren Verstand. Der Glaube hilft zu einer neuen Blauäugigkeit. Das Unmögliche ist real. Wir müssen lernen an das „Verrückte“ zu glauben, an eine Realität, die erst noch geschaffen werden muss. Der wahre Gottesglaube muss kühn uns unverschämt sein. Der Glaube legt seine eigenen Grenzen ab und ergreift das Unmögliche.
Fängt der Glaube nicht an, sich selber loszulassen und durch ein mutiges Gottvertrauen, neue Realitäten zu schaffen? 

Danke, wenn´s weh tut

Luk. 21, 25-33
Der Wirtschaftsberater Edgar Geffroy, der Unternehmen zukunftsfähig macht, stellt am Anfang seiner Vorträge immer die Frage: „Von 10 Personen, wie viele haben Angst vor Veränderung?“ Einmal war die Antwort: 11. Das kommt der Realität ziemlich nahe. 9 von 10 Menschen haben Angst vor Veränderung. Menschen lieben die Ruhe, sie wollen Beständigkeit und geregelte Abläufe. Ja nicht das verlassen, was sich bewährt hat. Neues ist riskant. Keiner weiß, was kommt. Niemand gibt die Garantie, dass es richtig ist. Ein neuer Weg könnte gefährlich sein, und außerdem müssten wir uns in vielem komplett umstellen.
Leben ist immer Bewegung, ist immer Umbruch, ist ständiges Wachstum und Erneuerung. Was sich nicht mehr bewegt, ist mausetot. Wir dürfen uns auf eine fröhliche Auseinandersetzung einstellen.

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1. Keine Angst vor Veränderung

„27 dann werden alle Völker sehen, wie der Menschensohn in den Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit kommt. 31  So könnt ihr sicher sein, dass Gottes neue Welt nahe ist, wenn all diese Ereignisse eintreffen. 32  Ja, ich sage euch: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor das alles geschieht. 33  Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber gelten für immer.“
Wenn Christus kommt, steht die Welt Kopf. Da ist nichts mehr wie es war. Wenn Gott seine neue Welt aufrichtet, gibt das ein spektakuläres, weltweites Ereignis. Von New York bis Moskau wird das die Schlagzeilen auf den Titelseiten der Tageszeitungen füllen. Das ist dann keine eingeschränkte Geschichte mehr für ein auserwähltes, israelisches Volk und eine christliche Kirche, sondern für alle. Gott wird Christus zeigen, einer ganzen Welt präsentieren, ob sie glaubt oder nicht. Die größte Zuneigung die ein Mensch je erfahren kann, wird den letzten Ungläubigen konfrontieren. Gottes Gedanken, von dem was gut ist, werden als geltendes Recht auf der Erde zum Maßstab gesetzt. Seine Auffassung von Frieden, wird Kriege beenden. Mit Christus setzt er einen Schlussstrich unter den Fluch des Sterben Müssens. Vergängliches wird umgewandelt, weiterentwickelt, zu etwas, was immer bleibt. Er will sich mit seiner ganzen Schöpfung verewigen. So träumt Gott von seiner Welt.
Wir existieren nicht nur im Jahr 2014, sondern in gewaltigen Zusammenhängen eines übergreifenden Geschehens, das unsere und die kommende Welt umfasst. Diese neue Welt, ist unser Zuhause. Wir fühlen und schmecken, wir erleben Räume, an die wir bisher geglaubt und gehofft haben, oft im trotzigen Widerspruch zu dem, was wir an uns und der Welt wahrnehmen. Advent legt uns die Baupläne und den roten Punkt auf den Tisch. Der Bau beginnt, die Veränderung kommt. Jede kosmische Veränderung beginnt mit der Umgestaltung im Kleinen, mit einem einzelnen Menschen. Advent beginnt bei uns. Die neue Welt fängt in veränderten Menschen an. Wenn große Umbrüche uns umwühlen, haben wir nichts mehr zu verlieren. Jeder Dreckhaufen wird der Beweis sein, dass wir auf dem Weg sind alles zu gewinnen.

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2. Liebe deinen Schmerz

25  „Zu dieser Zeit werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen Unheil verkünden. Die Menschen fürchten sich und wissen nicht mehr weiter, weil Sturmfluten und Katastrophen über sie hereinbrechen. 26  Ungewissheit und Angst treiben sie zur Verzweiflung. Sogar die Kräfte des Weltalls geraten durcheinander. 29  Dann erzählte Jesus ein Gleichnis: „Seht euch den Feigenbaum an oder die anderen Bäume. 30  Wenn ihre Zweige Blätter treiben, dann wisst ihr, dass es bald Sommer ist.“
Neues und Angst sind wie Geschwister. Bauen macht Grauen! Das kennen wir. Jesus will uns nicht mit bevorstehenden Katastrophen einschüchtern oder erschrecken. Er stellt einfach klar, dass man Unheil und Chaos kräftig beackern muss, wenn man Neues erreichen will. Dass Schuld aus der Welt kommt, braucht es Gottes ganze Leidenschaft zum Heil. Gott setzt das Kreuz, damit Hoffnung entsteht. Mutterglück entfaltet sich, wenn die Wehen durchgestanden sind. Wo wir auf Neues zugehen, brauchen wir eine Liebe zum Schmerz. Leid, Unheil, Verzweiflung, Nacht, sind goldene Samenkörner für unser Reifen. Ohne Widerstand entsteht keine neue Kraft. Wer einem Schmetterling beim Schlüpfen aus dem Kokon hilft, macht ihn lebensuntüchtig. Er muss kämpfen und sich durchquälen, um am Leben zu bleiben. Leid kommt nicht einfach so, es dient uns, es steht in einem größeren Zusammenhang und hat einen zukunftsgerichteten Sinn. Die Tragik unseres Lebens, will uns veredeln.
Viktor Frankl: „ In der Art, wie ein Mensch sein unabwendbares Schicksal auf sich nimmt, eröffnet sich in den schwierigsten Situationen eine Fülle von Möglichkeiten, das Leben sinnvoll zu gestalten. Jeder Mensch kann innerlich stärker sein, als sein äußeres Schicksal.“
 Leiden ist die Qualifizierung für das Neue. Viele baden sich in ihren Problemen und lassen sich emotional gefangen nehmen, bis sie bewegungsunfähig werden; Glaubende sehen mehr. Sie sehen in allem Leiden die Baumaßnahme zur Reife. Krisen bieten uns wichtige Lehren und machen uns stärker. Es gibt keine Krise, die nicht ein Geschenk für uns in den Händen hält. Es gibt keinen Schmerz, hinter dem nicht eine Goldgrube verborgen wäre. Wir beschreiben manches als Katastrophe, weil wir nur einen kleinen Ausschnitt eines großen Bildes sehen. Es bringt nichts, sich gegen das Reifen zu wehren. Wir werden nur lebensmüde und zerbrechen unter den Lasten. Ohne Ja zur Tragik, gibt es keinen Advent. Ohne Schrecken gibt keine Hoffnung. Liebe deine Schmerzen und du wirst zu einer neuen Liebe heranreifen.

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3. Verändern macht stark

28  „Deshalb: Wenn sich dies alles ereignet, dann seid zuversichtlich – mit festem Blick und erhobenem Haupt! Denn eure Befreiung steht vor der Tür.“
Wer im Advent lebt, hat Zukunft. Für Glaubende sind Katastrophen nur Wegbegleiter aber nie das Ende. Je finsterer das Tal, je aussichtsloser die Lage umso näher bin ich Christus. Schwierigkeiten sind nicht unser befürchtetes Aus, sondern machen stark, weil sie uns mit dem Auferstandenen verbinden. Weil wir wissen wer kommt, brauchen wir uns weder verkriechen, noch irgendwelche Deckung aufsuchen, wenn die Pfeile tiefer fliegen. Wir stehen und wir sind aufgerichtet. Das will Christus bei uns erreichen.
Advent macht zuversichtlich. Advent stärkt den Rücken. Advent zieht den Kopf hoch. Wir haben eine große Zukunft.
Mit Christus im Blick, lösen wir uns von dem Belastenden der äußeren Umstände. Diese Entscheidung liegt allein bei uns. Wir stehen und können in den Stürmen dieser Welt unsere Verantwortung wahrnehmen. Verzweifelte Menschen brauchen die Standfesten, die mit klarem Kopf, neue Wege aufzeigen. Adventsmenschen wirken wie die Blauäugigen, die den Ernst der Lage verkennen, jedoch sind sie die Zuversichtlichen, die dem Schicksal seinen eigentlichen Platz zuweisen. Mit Advent verliert die Tragik ihre Macht. Egal ob wir die Grenze überschreiten, in dem wir sterben, oder in dem wir den Welt-Advent erleben, wir werden auf Christus zugehen. Das Chaos braucht Orientierung, es braucht befreite Menschen, die Schmerzen lieben und Heiterkeit in unseren Kummer bringen. Seien wir zuversichtliche Menschen, die große Veränderungen an sich zulassen. Seien wir dankbar, auch wenn es weh tut. Dann wird jeder Augenblick eine Goldgrube, weil er voller Zukunft ist.