Da jubiliert doch etwas

Das Zwitschern der Vögel am Morgen, ist der unbeschwerte Lobgesang, mit dem der neue Tag, mit all dem was er bringen mag begrüßt wird.

„Lobet den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft! Lobe den Herrn, meine Seele!“
Ps. 103, 22

In der Kombination der Aussage dieses Wortes, zeigt sich wunderschön, Lobgesang ist nichts Menschen gemachtes. Wenn unsere Seele den Herrn lobt, steckt da ein angerührt sein, von einer gewaltigen Macht dahinter. Da sitzt nicht der Münchner im Himmel, der jetzt krampfhaft anfängt zu frohlocken. Wo nicht nur die Seele, sondern auch alle seine Werke den Herrn loben, ist das Lob ein Werk Gottes. Da offenbart sich Gott in seiner Herrschaft und Vielfalt. Da fängt durch Gottes Eingreifen, die Schöpfung an zu klingen. Singende Vögel sind nicht nur die Kommunikation einer Tierart untereinander, das könnte auch unspektakulärer ablaufen. Die Intensität und Kraft die sich morgens um vier Uhr am Waldrand ausbreitet ist geballter Lobgesang, ist der Weckruf ins Leben. So unbeschwert, als ob es in dieser Welt keine Sorgen gäbe, oder sie mit diesem durchdringenden Zwitschern übersungen werden. Wo Lobgesang aufsteigt, wurde die Erde von ihrem Schöpfer geküsst. Gott bezeugt sich selbst in seiner Existenz. Er besingt sein Ja zum Leben. Die von Gott angezupfte Seele kann gar nicht anders als klingen und singen. Hier streicht der Meister den Bogen und das Instrument entfaltet dabei seine ganze Schönheit. Wo die Seele Gott lobt, hat der Heilige Geist ganze Arbeit geleistet. Ihm ist gelungen, einen Menschen zu erfassen, gegen all seinen Widerstand durchzudringen und ein Feuer anzuzünden. Auf solch eine Seele ist das Wort wie ein Same gefallen, der nun anfängt auszutreiben. Die lobende Seele ist das Echo, dass das Werk Christi in ihr angekommen ist.

Dieses Lob ist dadurch völlig unabhängig vom augenblicklichen Zustand des Menschen. Es offenbart sich daher auch in allen Lasten und Trauer. Das Lob hat nichts mit der menschlichen Stimmungslage zu tun. Es ist der Gegenpol zu unserer augenblicklichen Verfassung. Dort wo uns Menschen nicht zum Loben zumute ist und wir aus uns heraus auch gar nicht die Kraft haben, zu irgendwelchen heiteren Stimmungskapriolen, zeigt das wahre Lob, dass es ein Impuls von außen und nicht von innen ist. Menschen können aus sich heraus kein Gotteslob generieren, es bleibt immer ein angerührt sein von Gott selbst. Damit kann das Lob auch unter größten Schmerzen aufbrechen, in schwersten Krankheiten ein Leuchten in die Augen zaubern. Es ist das Phänomen der Gotteswirklichkeit, die sich im Unheil der Welt ereignet. Lob ist der Klang des Lebens, das die Auferstehungsluft atmet.

Loben ist frei von jedem Zwang. Wir müssen nicht loben, es geschieht an uns. Dass sich eine Seele zum Loben erhebt, braucht es keine frommen, disziplinarischen Maßnahmen. Die Seele beginnt von selbst zu loben, wo das Herz sich dem Wort öffnet. Wer sich in seinem Jammer von Christus berühren lässt, kann das Lob nicht mehr aufhalten. Daher empfiehlt Paulus: Lass dich vom Geist erfüllen. Ermuntert einander mit Psalmen und Lobgesängen.

Warum lassen wir uns gerade dort, wo es uns nicht zum Loben zumute ist, nicht viel mehr vom Wort und Geist erfüllen?

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Erhebender Gesang

Wer Wunder erkennt, wird Lobsänger.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“
Ps. 98, 1

Es war ein Wunder, dass bei unserem Großbrand niemand ernsthaft verletzt wurde. Wir kennen die tragischen Momente, in denen sich auf wundersame Weise Dinge ereignen, die dem eigentlich Schrecklichen entgegenstehen. Wunder sind nicht nur die spektakulären Weltwunder, z. B. menschlicher Baukunst; Wunder sind auch die vielen kleinen Erlebnisse, die im Alltag wie Glanzlichter aufleuchten. Die Evangelisten berichten von den Wundern Jesu, der oft hoffnungslos Kranke heilte. Bei Johannes sind die Wunder Zeichen, die den Menschen auf ein außergewöhnliches Handeln hinführen wollen. Johannes wollte weniger Geschichten erzählen, wie ein Blinder geheilt werden und ein Gelähmter wieder laufen kann. Wie Wasser zur Spätlese wurde und ein verstorbener, übelriechender Lazarus aus dem Grab herauskommt. Ihm ging es um das Zeichen, das auf uns deutet. Er stellte zwischen jedem Wunder und mir eine Christus-Beziehung her. Da wurde dann nicht irgendein Blinder sehend, sondern meiner Blindheit hat Christus sehende Augen geschenkt. Meine Lähmung, mein Sterben wurde wieder ins Leben zurückversetzt. Die Wunder waren nie eine Schlagzeile für die Bildzeitung, sondern Gottes persönliches Heilshandeln an mir. Das kleine einzelne Wunder steht immer in dem großen Gesamtzusammenhang mit lebensschaffenden Kräften, die an mir wirksam werden wollen. Wo wir das Wunder als dieses Zeichen sehen, entsteht Glaube. Glaube entsteht nicht dadurch, dass ein Verstorbener aus dem Grab kommt, so spektakulär das auch sein mag, sondern entsteht, wo ich selbst durch Christus vom Tod zum Leben durchdringe. Viele haben das Wunder der körperlichen Heilung durch Jesus erlebt, doch von zehn ist nur einer zu einem echten Glauben gekommen. Er hat nicht nur Berge, Seen und Wiesen wieder gesehen, er hat Christus gesehen. Das war das eigentliche Wunder. Wunder geschehen um Glauben zu wecken. Da will Christus an müden und blinden Herzen andocken. Da hebt ein anderer Geist, unsere Herzen zu sich empor.

Wo das Wunder Glauben weckt, fängt das Leben an zu singen. Wo Augen den Christus erkennen und Ohren seine Worte vernehmen, kommt im Herzen etwas zum Klingen. Wo der erstarrte Mensch zum Leben durchbricht, wird sein Atem zum Lobpreis. Daher ist das singet dem Herrn ein neues Lied keine Aufforderung neue Gemeindelieder einzustudieren, das ist fern ab von allem frommen Krampf, sondern das Echo auf das Wunder. Die Christus-Begegnung wird zu einer neuen Melodie. Da ist das ganze Dasein neu eingestimmt worden. Das Wunder das zum Glauben wird, drängt es regelrecht zum großen Halleluja.

Wo das Leben stumm bleibt, wo nichts von diesem neuen Lied zu klingen beginnt, bleibt die Frage: Was ist aus den vielen Wundern in unserem Leben geworden? Haben wir sie nur freudig abgehakt mit einem „Glück gehabt“? Haben wir darin das Zeichen erkannt, das uns ganz neu zum Glauben führen wollte? Gehen wir grundsätzlich zu selbstverständlich mit erfahrenen Wundern um, dass sie das Herz gar nicht mehr berühren?

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Loben macht lebendig

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. Georg Neumark, 1641

„Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil!“
Ps. 96, 2

Dem Herrn singen ist klingendes Evangelium. Wer singt, dem schwingt der ganze Körper. Alle Organe sind der Resonanzraum für den Klang. Gesang geht durch und durch und erfasst den ganzen Menschen. Wo das Evangelium gesungen wird, klingt das lebendige Wort durch Mark und Bein. Gesang ist die lebendigste Form der Mitteilung, auf hoch emotionaler Ebene. Wo man singt, das lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder, sagt der Volksmund. Die christliche Gemeinde war von Anfang an einen singende Gemeinde. Das hat damals schon die Römer verwundert und verunsichert. Wo das Gotteslob erklingt, sprengen bei Paulus und Silas die Ketten im Gefängnis. Da klingt das, von guten Mächten wunderbar geborgen, von Dietrich Bonhoeffer aus der Gestapo Zelle. Im Lobgesang beben Gitterstäbe und schwingen Herzen. Im Lobgesang klingt der Überwindergeist. Wer lobt, überwindet sich selbst, in allen erniedrigenden Umständen. Vor dem Gotteslob zittern alle finstern Mächte. Im Lobgesang wird das Schwache stark. In diesem Gesang entfaltet sich die ganze Macht des Wortes. Da wird der Mensch zum klingenden Wort und erfährt darin die verwandelnde Kraft. Darin liegt ein sich überschlagender Mut, eine geballte Hoffnung und ein liebevoll getröstet werden. Wo wir uns im Lobgesang verausgaben, fließen uns gleichzeitig heilende und aufbauende Kräfte zu. Der Lobgesang verankert aktives Handeln Gottes, in dem was schwach geworden ist. Wer dem Herrn singt, hat die beste Medizin gegen Schwermut und Anfechtung. Lobende Menschen haben die Herzen im Himmel und die Beine auf der Erde.

Wo der Lobgesang schwach wird, wo unsere Saiten nicht mehr klingen, fängt ein Klangkörper an zu verstauben. Da verstimmt unser Instrument und hat seine erhebende Kraft verloren. Am Lobgesang lässt sich die Gemeinde und der Einzelne messen. Wo das Lob verstummt, stirbt der Glaube. Zwischen Loben und Leben besteht ein unmittelbarer Zusammenhang. Wer unter seinem Schicksal verstummt, hat kein Instrument mehr, um sich über die Niederungen zu erheben. Klagelieder haben keine Kraft, die Lasten zu durchbrechen. Im singet dem Herrn liegt die Antwort.

Welcher Gesang liegt uns auf den Lippen, wenn die Probleme größer werden?

Von Gesang getragen

Auch wenn der Mut klein ist, gibt das Singen der zaghaften Hoffnung neuen Atem.

„Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.“

Ps. 119, 172
Wo keine Lieder mehr erklingen, ist die Hoffnung ausgegangen. Der Advent ist eine Klangreiche Zeit, in dem das Wort nicht nur gesprochen wird, sondern durch Straßen und Gassen klingt. Wo es um diese Freudenbotschaft geht, kann es nicht mehr nüchtern, stupide und kalt zugehen. Wo das Wort besungen wird, klingt nicht nur Kopf, Verstand und Geist, da schwingt der ganze Körper. Singen ist eine Herzenssache. Wo die Zunge vom Wort singt, ist Christus beim Menschen auf den Grund gefallen. Da ist ein Mensch von der Wahrheit erfasst, von dem, was ihn in der Tiefe hält und trägt. Da äußert sich nicht mehr die Logik und das was der Geist rational versteht, da verbindet sich die irdische und himmlische Welt. Das Weihnachtsoratorium oder der Messias sind so erhebend, dass sie einen weit über das gewöhnliche Dasein hinaustragen. Mit dem Singen, macht der Glaubende seine Türen hoch und weit. Mit Singen hat sich Luther gegen seine Anfechtungen durchgekämpft, oder Paul Gerhard sich über harte Lebensschicksale tragen lassen. Wo die Zunge den Christus besingt, überwindet der Geschlagene seine Ohnmacht. Da klammert sich das Herz an die Macht der Erlösung. Wo das Wort besungen wird, übertönt es die Schmerzen der eigenen Endlichkeit. 
In einem Altenheim, kann man feststellen, wie die alten Kirchenlieder, selbst in einer Demenz noch tragende Kraft besitzen. Da sind Schätze, die Menschen ein Leben lang getragen haben. Wo das Wort gesungen wird, verleiht es dem Leben Flügel. Mit unserem Gesang haben wir ein Instrument in der Hand, das uns in aller Trostlosigkeit zur Hoffnung hinüberträgt. Es stärkt den Mut, es lässt uns in aller Kälte Liebe wagen. Es bringt das Geheimnis des Christus in uns zum Klingen.
Wo kann uns das „großer Herr und starker König“, noch viel stärker durch unsere schweren Stunden tragen? 

Frequenzen die überlagern

Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer. Sacharja 9

„Singet dem Herrn ein neues Lied, seinen Ruhm an den Enden der Erde.“

Jes. 42, 10



Das neue Kirchenjahr beginnt trotz Terrorwarnung über den großen Weihnachtsmärkten mit „Tochter Zion, freue dich“. Gott setzt dem Schrecken der Welt ein Feuer entgegen. Wie bei unserem Großbrand, der sich morgen zum 14ten Mal jährt, bei dem solch eine Glut war, dass ständig an einer neuen Stelle helle Flammen aufbrachen. Die Kraft des Feuers war so stark, dass man 2 Tage gegen das Auflodern kämpfte.  Advent ist das Aufflammfest. Ein Aufleuchten und ein Aufbrechen, allem Widerstand zum Trotz. Da kommt Christus mitten ins Elend und sein Licht ist nicht aufzuhalten. Die zerfallende Welt wird mit einer Durchsetzungskraft von Leben konfrontiert, die kein Schicksal auslöschen kann. Allem, was die Kehle zuschnürt zum Trotz, erklingen im Gaumen neue Töne. Wo Christus kommt, wird wie bei den Hirten der Alltag zum Gesang. Die Krippe ist Gottes Widerspruch zum Untergang dieser Welt. Gott zupft verstummte Saiten an, denen längst das Klingen vergangen ist. Gott spielt eine neue Melodie in den Misstönen der Menschheitsgeschichte. Er schafft sich unter den Menschen neue Resonanzräume. Wenn er einen Ton anschlägt, bringen diese Schwingungen die Umgebung zum Klingen. Wenn er den Erlöser ankündigt, wird der Advent zum klangstärksten Raum. Daher hat die Adventszeit solch eine musikalische und emotionale Kraft. Gott hat ein neues Lied angestimmt und bringt die Seinen in Resonanz. Die Gemeinde ist durch die himmlischen Heerscharen in Schwingung geraten. Sie wird von diesem Gesang selbst zum Klingen gebracht. Denken wir nur an die gewaltigen Werke des Weihnachtsoratoriums von J. S. Bach, das Sänger und Zuhörer in seinen Bann zieht. 
Advent heißt: Wir haben Grund zu singen, allen Drohungen und aller Angst zum Trotz. Da klingt ein feines Lied in alle Disharmonien hinein. Gott will in uns Saiten zum Klingen bringen, die schon lange keiner mehr angezupft hat. In uns soll ein Klangraum entstehen, gegen alle Bitterkeit und Enttäuschungen, die uns das Singen abgewöhnt haben. Das neue Lied im Advent hat eine Durchsetzungskraft, gegen allen Anschein und gemachte Erfahrungen. Dieses neue Lied singt in einer Frequenz, die alle Trauerarien überlagert.
Klingt mit diesem neuen Lied, nicht Gesang in unsere verstummten Alltäglichkeiten? 

Einen gesegneten und klangreichen 1. Advent wünsche ich euch. 

Erhebender Gesang überwindet

An unserem Gesang erkennt man, für was unser Herz brennt.
„Herr, erhebe dich in deiner Kraft, so wollen wir singen und loben deine Macht.“

Ps. 21, 14
Singen und loben hat einen Grund. Es entsteht aus den Schwingungen des Herzens. Was uns begeistert, was das Herz bewegt, bringt uns in Bewegung, davon reden und singen wir. Davon ist der ganze Mensch angezündet und das sprudelt aus dem Mund. Beim Gotteslob, hat Gott Feuer gelegt. Wo Lippen den Herrn loben, hat Gott Herzen überwältigt. Lobgesang ist die Resonanz von Erhebung. Gott hebt Menschen in einen neuen Stand und ganz anderes Dasein. Er versetzt uns in das Reich seines Sohnes. Wo Gott menschliches Sein in seine Wirklichkeit heraushebt, sprudeln die Herzen. Das erlebt man oft bei neu zum Glauben Gekommenen. Da ist die überschwängliche Begeisterung kaum zu bremsen. Da bebt und klingt die ganze Person. Da singt und klingt es, da gibt es nur noch ein Gesprächsthema, da ist ein Angezündeter durch Erhebendes angefüllt.
Leidenschaftliche Menschen erkennen wir daran, wovon sie schwärmen. Als passionierter Fotograf begeistern mich Lichtstimmungen. Eine Landschaft in der Morgenstimmung mit entsprechendem Seiten- oder Gegenlicht lassen mich tanzen wie ein Rumpelstilzchen. Für andere ist es der Sport oder der Urlaub, was sie heiß machen. Das was uns bewegt, was uns erhebt, davon schwärmen und singen wir. Was den Mund zum Klingen bringt, ist das was im Herzen antreibt. Unser Lob verrät, was uns erhebt. Unsere Tage erzählen, was in uns brennt.
Wo das Gotteslob verstummt, erhebt anderes. Das Jauchzet, frohlocket, entzündet sich, wo wir im Alltäglichen an Christus Feuer fangen. Wo er sich kraftvoll über unsere Menschlichkeit erheben kann. Wenn solch ein Lobgesang in uns klingt, hebt er uns über das Kleingedruckte unseres Lebens hinweg. Unser Mund besingt, woran unser Herz glaubt.
Welche Mächte besingen wir? 

Lob verkleinert Klagen

Anbetung ist die Kunst, sich in Gottes Größe fallen zu lassen.
„In Gottes Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.“

Ps. 95, 4
Wo der Mensch versucht, der Größe Gottes gerecht zu werden, greift er nach Bildern, die ihm selbst vor Augen stehen. Unser ganz natürlicher Lebensraum, diese Erde mit ihren grandiosen Gebirgszügen und endlosen Meeren. Für mich war erst kürzlich die Kombination von Bergen und Seen am Lago Maggiore ein Traum. Wenn wir solche grandiose Schöpfung erleben, läuft das Herz über und wir erahnen einen Funken schöpferischer Macht. Daher haben solche Orte auch ihre magische Anziehungskraft, weil hier Größe, Schönheit und Wunder spürbar wird.
Das alles liegt in Gottes Hand. Noch eine Steigerung dieser Unfassbarkeit. Das was uns in Staunen versetzt, ist kleiner als die Hände, in die alles eingebettet ist. Kann man ein stärkeres Bild für Größe und Geborgenheit erhalten? Nichts was in dieser Welt geschieht, fällt aus diesen Händen.
Darin liegt ein tiefes zur Ruhe kommen in allen Stürmen. Darin entwickelt ein Johann Sebastian Bach sein: Großer Herr und starker König,, oder ein Georg Friedrich Händel das große Halleluja. Wer diese Geborgenheit erfährt, kann nur jubeln. Zur Ruhe kommen ist Anbetung. Da ist der Mensch in seinem Zuhause angekommen. Wo das Lob Gottes größer wird, werden meine Klagen kleiner. Anbetung ist auch eine Form von Sorgen-Therapie. Lassen wir uns von dem Geborgen sein in diesen Jubel führen.
Was müssen wir sonst noch „machen“, wenn alles schon in diesen Händen ruht?

Loben ist sinnvoll

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Beim singen und loben werden wir zu Gott hingerissen

Leben ist dadurch sinnvoll, dass es in allem Gott verherrlicht.

„Das soll mein Ruhm und meine Wonne, mein Preis und meine Ehre sein unter allen Völkern auf Erden, wenn sie all das Gute hören, das ich Jerusalem tue.“
Jer. 33, 9

Das Gute hören, schlüsselt das Leben vom Grund auf. Es ist die Saat, die der Bauer im Frühjahr in den Boden bringt und damit Generationen ernährt. Es ist wie die Geburt eines Kindes, das das Licht der Welt erblickt und seinen ersten eigenen  Atemzug macht. Im Guten legt Gott seinen erlösenden Christus in ein kleines Volk. Im Guten hören, entfaltet Gott die Überwindung der Welt. Das ist die zentrale Botschaft, die das Geknickte aufrichtet und das Sterbende lebendig macht. Hier entfaltet sich die unfassbare Macht von Evangelium. Diese unscheinbare Tat an einem winzigen Ort, hat kosmisches Bedeutung. Damit hat Gott einen heiligen Samen in die Erde gelegt und allem Leben eine unsterbliche Würde gegeben. Das Christusereignis ist zum Aufatmen der ganzen Menschheit geworden.

Damit ist Leben ein reines Gotteslob. Alles steht in Beziehung zu dieser Keimzelle, die zur Verherrlichung ihres Schöpfers heranwächst. Jeder Atemzug ist Anbetung. In jeder Handreichung offenbart sich Gott, der sich dem Nächsten zuwendet. Leben ohne diese umfassende Einbettung ist undenkbar. Leben das nicht mit allen Fasern seiner Existenz Verehrung Gottes ist, ist ein verkrüppeltes Geschwür, ein verfaultes Samenkorn. Wir sind durch und durch lebendige Anbetung. Darin liegt der Sinn menschlicher Existenz. Unsere Worte, unser Schweigen, unsere Handlungen, unsere Liebe, unser Singen und Beten, sind die laute und leise Verehrung des Allerhöchsten.

Wenn wir in den Spiegel schauen, können wir da erkennen, was der Sinn unseres Lebens ist?

Wollen wir nicht die Gitarren anheizen

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wo jemand zum Leben zurückgefunden hat, geht der Punk ab.

Der Herr hat mir geholfen, darum wollen wir singen und spielen im Hause des Herrn!“
Jes. 38, 20

Wo der Herr hilft, geschieht nichts Normales. Hilfe des Herrn ist die totale Reanimierung ins Leben. Da erfährt der hoffnungslos Todgeweihte die Auferstehung. Wo der Herr hilft geschieht eine Radikalsanierung. Die Gesetze der Verzeiflung, in einer katastrophalen Welt sein Dasein durchbringen zu müssen, sind durchbrochen. Die Last, der Ohnmacht unserer Tage ausgeliefert zu sein, ist weg. Diese Hilfe ist Auferstehungsglauben. Mitten im Chaos, in Perspektivlosigkeit beginnt das Leben neu zu erwachen. Wo die Nacht noch dunkel ist, schenkt diese Hilfe das Morgenrot. Es ist der Blick in den anbrechenden Tag, über dem die Sonne allem Leben die Farbe und Fülle wiedergibt. Der Herr ist der Christus, der uns durch schöpferische Ursprünglichkeit belebt, inmitten irdischer Vergänglichkeit.

Wieder mitten im Leben angekommen zu sein, ist ein Fest. Wo ich diese Hilfe erfahre, fange nicht nur ich an zu singen und zu musizieren, sondern die ganze Gemeinschaft derer, die diese Hilfe erfahren haben. Erfahrene Hilfe schafft Gemeinschaft. Wo ‚ich‘ Hilfe erfahre, sind ‚wir‘ die Feiernden. Christus erfahren wird zum Du-Erlebnis. Da entsteht Gemeinde. Wo der Herr mir hilft, ist das nicht nur für mich, das zieht unwillkürlich Kreise. Wer singt und spielt ist total außer sich, der steht unter Ansteckungsgefahr. Erfahrene Hilfe hat Explosionskraft. Jubel und Freude reißt mit.

Der Herr hat mir geholfen ein ganz neues Leben zu führen unter ganz anderen Gesetzmäßigkeiten. Wen wollen dazu mit unserem Jubel heute mitreißen und die Gitarren anheizen?

Singen statt jammern

wir haben keinen Grund zu jammern und zu klagen.

„Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für.“
Ps. 89, 2

Gnade und Treue kennzeichnen den Karfreitag. Gott erbarmt sich über seine Menschheit. Gott kann das Chaos der Welt nicht mit ansehen. Seine Gedanken mit seiner Schöpfung waren ganz andere, als das, was die Menschen daraus gemacht haben. Er wird sich nie damit abfinden, dass die Welt im Unheil erstickt. Dort wo wir von ihm abrücken und damit das Elend auslösen, lässt er nicht locker. Treue ist das Stehen für uns. Gott weicht keinen Augenblick von unserer Seite, auch wenn wir weichen, uns zurückziehen und zweifeln. Diese Treue ist das stärkste Ja, gegen alles Nein. Er leidet sich gegen allen Widerstand zu uns durch. Diese Treue vollendet sich in seiner Gnade. Sein Stehen zum Menschen, legt er in das Kreuz Christi. Mit Christus zeigt Gott, dass er nicht unversöhnt mit Menschen leben will. Weil er gnädig und treu ist, ist Heil für uns greifbar. Nur dadurch kommen Lebensbrüche in Ordnung. Gnädig und treu, lassen uns wieder voll und ganz im Leben stehen. Da sind Blockaden und Anklagen weg, da beginnt unser Aufatmen.

Wer aufatmet, ist aufgerichtet und kann singen, kann reden, kann verkündigen. Gnade und Treue bringen ein Leben in Aufbruch. Wer Gnade und Treue erfährt, ist ab jetzt ein Lobsänger und das für alle Zeit. Das ist eine ganz neue Bestimmung, ein ganz neuer Antrieb, da passiert etwas mit unserem Mund. Der kann einfach nicht mehr still sein. Wir sind wie Angezündete, wie Begeisterte über dem, was von Gott, von Christus auf uns zukommt. Wo Gnade und Treue auf einen Menschen fallen, wird aus Jammern ein Singen, aus Klagen ein Verkündigen.

Kann die Welt an uns entdecken, dass uns Christus wieder mit Gott versöhnt hat?