In den Spiegel schauen hilft

Um den Grund der Dinge zu erkennen, brauchen wir Zeit, das bewegte Wasser klar werden zu lassen.

„Halte meine Augen davon ab, nach Nichtigem zu schauen.“Ps. 119, 37

Ein Beter ringt um Tiefgang. Er schüttet vor Gott sein Herz aus, dass er ständig in der Gefahr steht, sich von Äußerlichkeiten bestimmen zu lassen. Scheinbar wertvoller Glanz verdeckt das Eigentliche. Da sind so viele Klänge, die die Grundmelodie des Lebens überdecken. Da ist ständig so viel Dringendes, das dem Wort des Lebens keinen Gestaltungsraum mehr lässt. Vor lauter Stimmen, dringt die eigentliche Gottes Stimme nicht mehr durch.

Ein alter Mönch stand einst an einem Brunnen und schöpfte Wasser, als einige Menschen vorbeikamen und bei seinem einsamen Anblick neugierig wurden. “Was für einen Sinn siehst du in denn in einem Leben der Stille und Meditation“ fragten sie ihn. Lächelnd erwiderte der Mönch: “Schaut in den Brunnen. Was seht ihr?“ Die Menschen blickten neugierig in den Brunnen. “Wir sehen gar nichts“. Nach einer kurzen Weile forderte der Mönch die Menschen erneut auf in den Brunnen zu blicken. Erstaunt antworteten diese: “Ja, nun sehen wir tatsächlich etwas. Uns selbst“. Der Mönch antwortete: “Nun, als ich vorhin das Wasser schöpfte, war das Wasser noch unruhig. Jetzt ist es ruhig“. Er wartete wiederum einen Moment und fragte erneut: “Schaut wieder in den Brunnen. Was seht ihr nun?“ Die Menschen blickten erneut in den Brunnen: “Jetzt sehen wir die Steine auf dem Grund des Bodens!“. Lächelnd entgegnete der Mönch: “Seht ihr, das ist die Erfahrung der Stille und Meditation. Wenn man lange genug wartet, sieht man den Grund der Dinge.“

Ständig stehen wir in unsern „lebenswichtigen“ Herausforderungen. Da sind die täglichen Verpflichtungen, die z.B. einen Unternehmer umtreiben. Wo sind meine Baustellen, die Mitarbeiter, die gebraucht werden, die Betriebsabläufe, die gestrafft und klarer strukturiert werden müssen, die richtigen Produkte, nach denen die Kunden fragen, die Ware, die gepflegt werden muss.

Dieses Getrieben sein, durchbricht der Psalmbeter, indem er nach dem Wort ausschaut. Er hält inne und sieht er auf den Grund. Im Eindringen in das Wort, erkennt er Gott und sich selbst. Wir müssen unser ständig beschäftigt sein, gezielt unterbrechen, um Orientierung zu erhalten. Gott will in unsere Tiefe dringen. Er will unserem Leben Erfüllung und Richtung geben. Er will, dass wir nicht in der Betriebsamkeit untergehen. Unsere Tage brauchen die Einkehr. Sie brauchen das Ausschauen auf das Wort, um Wichtiges vom Nichtigen zu unterscheiden.

Kommt nicht vieles orientierungslose Umherirren, aus mangelhafter Ausrichtung auf das Wort?

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