Tragende Glücksmomente 

Freude sind die Perlen, die wie Glücksmomente der Unendlichkeit in unser Leben fallen.
„Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen!“

Sp. 105, 3
Sich tiefgründig freuen, hängt unmittelbar mit der Suche des Herrn zusammen. Freude fällt nicht einfach zu, sondern ist an eine Bewegung geknüpft. Freude ist ein Schatz, der entdeckt werden will. Dieses befreiende Glücksgefühl, in dem die Dankbarkeit in uns überschäumt, liegt nicht einfach auf der Straße. Diese Momente in denen ein Mensch mit sich im Reinen ist, in denen alles passt, wo wir von der Ewigkeit geküsst werden, liegen in unserer Gott-Suche. Freude ist die Ernte der Aufbruchstimmung. 
Suchen kann der Mensch, wenn er etwas vermisst, wenn er einen Mangel verspürt. Dass ein Mensch Gott sucht, hängt mit seiner Sehnsucht nach Erfüllung zusammen. Gott selbst hat in den Menschen den Wunsch nach mehr gelegt.  In uns liegt das Bedürfnis, über uns selbst hinauszuwachsen. Es ist das ursprüngliche Bedürfnis, in all unserer Unruhe,  in Gott zur Ruhe zu kommen. Wenn wir uns zu Gott auf den Weg machen, anfangen ihn zu suchen, dann ist das bereits die Antwort auf die Sehnsucht, die er in uns gelegt hat. Gott zu suchen ist das Echo, dass seine Liebe bei uns angekommen ist. Es ist unsere Gückmeldung; Gott ich habe deine Gegenwart vernommen. Die Suche ist der Drang nach noch mehr Gemeinschaft mit Gott. Es ist der Moment, an dem sich der Mensch an Gott verliert.
Heute ist Sonntag; der Tag, der ganz besonders für die Gott-Suche bestimmt ist. Um Gott nahe zu sein, suchen wir das Wort, suchen wir Christus, suchen wir das Mahl in der  Gemeinschaft der Erlösten. Hier hat der Gottesdienst, hat die Gemeinde  ihre zentrale Bedeutung. Gottesnähe erfahren wir sicher auch in der Schönheit der Natur, doch wo Christus in Brot und Wein in den Menschen eingeht, ist die unmittelbare Berührung mit der Ewigkeit. Wo wir zielstrebig auf diesen heiligen Moment zugehen, hat die Freude ihren Ursprung. Da entfaltet sich genau die Freude, die auch die harten Schläge des Lebens überdauert. Das ist die Freude, die wie ein nie endender Sonnenaufgang über dem ganzen Tag steht. Egal, was an diesem Tag passieren wird, es trägt  die Energie des goldenen Tagesanfangs.
Was suchen wir sonst noch, wenn in dieser Begegnung alles zum Freuen liegt?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

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Sehnsucht treibt

Durst ist schlimmer als Heimweh.
„Mein Gott, betrübt ist meine Seele in mir, darum gedenke ich an dich.“

Ps. 42, 7
Was uns hier begegnet, ist die Ur-Sehnsucht eines jeden Menschen nach Gott. Es steht im Zusammenhang mit dem Bild vom nach Wasser lechzenden Hirsch. An solch heißen Tagen kann man es nachvollziehen, wie Blumen und Menschen nach Wasser lechzen. Der Hirsch steht am ausgetrockneten Bachbett und kommt angesichts des rissigen Bodens schier um. Die Menschen haben viele Sehnsüchte. Die Sehnsucht nach Freude, nach Gemeinschaft, nach einem verständnisvollen Partner, nach Gesundheit, nach Frieden und vieles mehr, doch die Sehnsucht nach Gott, kann sogar krank machen. Da ist eine tiefe Sehnsucht nach Sinn, nach innerlich zur Ruhe kommen, nach Entlastung, wenn Schuld uns anklagt, die letztlich in all unsere Aktivitäten mündet. Wir sind die, von der Sehnsucht nach Gott Getriebenen. Da ist ein tiefes Lechzen nach erfülltem Leben, das oft mit allem möglichen gestopft wird. 
Der Psalmbeter erkennt, dass diese Sehnsucht nur bei Gott gestillt wird. Er lebt in vertrocknetem Land, im Abseits, in der Verspottung, im ganzen Aufgewühltsein des Lebens, und kommt mit seinem Durst zu Gott. Er spürt und weiß genau um das mehr, um das alles Überragende hinter den Dingen. Er ist an der Stelle, bei der Jesus in seinen Abschiedsreden den Jüngern sagte: Ich komme, ich lasse euch nicht als Waisen zurück. 
Das ist die Antwort auf das Lechzen und auf die Sehnsucht. In aller Dürre ist der Heilige Geist gegenwärtig. Durst findet Stillung an der Christus-Quelle. Mitten in den Rissen unseres Lebens, trägt diese Sehsucht zur Erquickung. Auch wenn das Gras schon gelb wird, die Blumen die Köpfe hängen lassen, die Hitze unerträglch wird, ist diese Sehnsucht, der Weg zur Quelle. Durst ist eine segensreiche Einrichtung; sie bewahrt uns vor dem Austrocknen. Durst ist der Auslöser zur Erquickung. Unsere Sehnsucht treibt uns in die Erfrischung.
Warum sollten wir über Hitze stöhnen, wenn uns die Sehnsucht dadurch zur Quelle zieht?

Zum Glück sind wir durstig

der Durst treibt uns an die Quelle.
„Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?“

Ps. 42, 3
Durststrecken gehören zum Leben. Bei uns gibt es das geflügelte Wort: das Leben ist ein Gehen von Krise zu Krise. Leben verläuft dynamisch; nach Hochzeiten kommen Trauertage. Manchesmal beides gleichzeitig und parallel. Da ist auf der einen Seite die sterbende Mutter, die sich durch ihre letzten Tag quält, auf der anderen Seite ein Neugeborenes, das uns ständig Anlaß zur Freude gibt. Auch der Glaube kennt diese Wellenbewegungen zwischen hoch und tief. Da ist ein großartiges Gemeinschaftserlebnis ein besonderer Gottesdienst, der über uns einen offenen Himmel aufgespannt hat; am nächsten Morgen sind wir über uns selbst verwundert, wie hoffnunglos und träge wir in einen neuen Tag blicken. Von dem Erlebten ist alles verflogen und wir zweifeln an uns selbst.
Ausgehungert und durstig sein hat zwei Seiten. Es zeigt den Mangel, von dem was uns fehlt, es ist jedoch gleichzeitig eine Sehnsucht nach dem, was wir schon einmal hatten. Durst ist nicht nur die Not, sondern auch immer ein Drang. Wenn wir keinen Durst hätten, könnten wir keine Sehnsucht aufbauen.  Wenn wir keine Nachterfahrung hätten, würden wir uns nicht nach dem Licht ausstrecken. Daher treibt uns die Durststrecke direkt in Gottes Arme. Wir müssen den Mangel spüren, damit die Sehnsucht wächst. Wir müssen am Boden liegen, dass unsere Seele nach dem Heil verlangt. Durst ist eine segensreiche Einrichtung. Wenn wir keinen Durst empfinden würden, würden wir sang und klanglos zugrunde gehen.
Es ist gut, wenn wir durstig sind. Das ist der Anfang zur neuen Lebendigkeit. Wo wir uns von Gott weit weg vorkommen, wächst der Drang nach Nähe. Manch einer verspürt, wenn er einige Zeit nicht im Gottesdienst war, – mir fehlt etwas. Genau das ist der Antrieb, nach Wegen zu suchen, wieder einen Gottesdienst zu besuchen. Durststrecken stehen wir mit den täglichen Losungsworten durch. Wo der Durst treibt, ist uns Gott bereits ganz nahe.
Führt uns unser Durst eher in die Verzweiflung, oder verstärkt er die Sehnsucht nach Gottesbegegnung?

Der Umbruch im Kopf

Glaube ist weit mehr, als ein billiges „Kopf hoch!“
„Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen.“

Jes. 40, 26
Aus einer Augentherapie wird eine Glaubenstherapie. Manch einer kennt noch das Kinderspiel; ich sehe was, was du nicht siehst. Da steht einem etwas vor Augen, was die anderen erraten müssen. Der Prophet macht ein ähnliches Spiel, doch mit viel größerer Wirkung. Er löst im Denken des Gottesvolkes einen Dammbruch aus. In der Verbannung, in der der Blick nur auf Verfolgung, Ausbeutung und Erniedrigung liegt, reißt er die Köpfe herum. Seht nicht auf das, was euch vor Augen steht und das Leben schwer macht, sondern hebt den Blick. Seht nicht auf das Handeln von Menschen, seht auf das Handeln Gottes. Die Änderung der Blickrichtung ist der Weg des Glaubens. Der Glaube verdreht den Kopf. Er sieht Dinge, die in Gottes Macht stehen. Er sieht Wege, die es noch garnicht gibt. Er sieht das ganze Volk, befreit im verheißenen Land. Der Glaube lebt mit dieser Blickrichtung bereits in einer erfüllten Sehnsucht. Da ist etwas Realität, was noch garnicht da ist.
Wenn ein schwer Kranker, der all die leidvollen Behandlungen einer Chemotherapie durchlebt hat, die Nachricht bekommt: wir haben es geschafft, geschieht etwas Gewaltiges. Er bekommt schlagartig in all seiner Schwachheit und seinem Elend einen unvorstellbaren Energieschub. Der Ausblick auf Rettung, der Blick auf Heilung, multipliziert die Genesung. Der Blick auf das was Gott tut und tun wird, setzt eine Revolution in Gang. Der Glaube ist ein Umbruch im Kopf. Da lebt bereits die Zukunft in der Gegenwart. Da ist der jetzige Augenblick immer größer und weiter, als alle Kurzsichtigkeit. Wer die Augen aufhebt, hat die Hoffnung mit im Boot. Im Aufblicken stellt sich schöpferische Macht gegen menschliche Ohnmacht.
Unsere Blickrichtung entscheidet über Kraft oder Schwäche, über Glaube oder Verzweiflung. Worauf schauen wir?

Ein Schrei gegen das Abstumpfen

Leidenschaft und Sehnsucht reißen Türen auf.
„Erhöre uns nach der wunderbaren Gerechtigkeit, Gott, unser Heil.“

Ps. 65, 6
„Erhöre uns,“ spricht eine starke Sprache. Es steckt voller Nachdruck, voller Leidenschaft, voller Kühnheit. Es ist kein bescheidenes, hör mir mal zu, sondern, mach endlich was, ich kann es kaum erwarten, ich brauche dich! Dahinter steht ein Mensch in seiner ganzen Sturm und Drangphase. Es ist ein Schrei nach Gerechtigkeit und Heil. Hier findet sich einer nicht mit erlebtem Unrecht und Unheil ab. Hier geht innere Not, Zerrissenheit, und die Auflehnung über unerträgliche Zustände auf die Barikaden. Es ist ein Aufbruch und Ausbruch zu Gott. Das erhöre uns, schreit die Ohnmacht zum Himmel. Es ist der Schrei gegen die innere Müdigkeit, gegen alles verzagen, gegen alles abstumpfen und kalt werden.
Das eigentliche Elend der Menschen beginnt dort, wo sie sich mit dem Elend abfinden. In dieser Gleichgültigkeit stirbt jede Hoffnung, jede Liebe und Freude. Wo das Schreien zu Gott verstummt, entsteht kein Heil mehr. Wo das erhöre mich nicht mehr zum Himmel steigt, sind Gott die Hände gebunden. Gott wartet auf unseren Schrei, weil er auf leidenschaftliche Menschen wartet. Er öffnet sich denen, die ihr ganzes Vertrauen auf ihn setzen. Unsere Sehnsucht nach Erlösung, kann nur diese eine Adresse haben. Gerechtigkeit und Heil steht denen offen, die von ganzem Herzen danach brennen.
Wo haben wir uns mit Zuständen abgefunden, die uns lähmen, mürbe gemacht haben und uns abstumpfen lassen? Wie  können wir daraus einen neuen Schrei nach Gerechtigkeit machen?

Das Ende des Amoklaufes 

Frieden kommt nicht von guter Politik, oder der Friedensbewegung.
„Die zum Frieden raten, haben Freude.“

Spr. 12, 20
„Es kann kein Mensch in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Wir kennen das. Vor kurzem gedachte unser Land an 70 Jahre Frieden. So lange kein Krieg ist eine Leistung. Aber haben die Menschen in unserem Land wirklich Frieden? Hat die Welt Frieden? Täglich erleben wir das Gegenteil. Der nicht endende Krieg in Syrien. Die Treppenschupser in der Berliner U-Bahn, oder der Sattelschlepper auf dem Weihnachtsmarkt. Wir erleben die ständigen Streitereien in den Ehen und Familien. Wir hören von einem Schlosser, der vor Gericht gezogen wird, weil ein Gartenzaunpfosten ein paar Zentimeter falsch gesetzt war.

Wir müssen feststellen, richtig echter Frieden in der Welt geht nicht. Unfrieden liegt in der Unruhe der Menschen. Solange da irgendetwas brodelt, kann keine Politik und keine Friedensbewegung Frieden schaffen.
Frieden kommt nicht von außen, Frieden kommt von innen. Unser Herz ist solange unruhig in uns, bis es seine Ruhe in Gott findet, sagt Augustin. Frieden hängt mit Gott zusammen. Wo eine Seele in Gott zur Ruhe kommt, ist sie Zuhause angekommen. Gott stellt in die eigentlichen Lebenszusammenhänge, dass man nicht mehr um sein Recht kämpfen muss. Frieden ist das Ende des Amoklaufes gegen Gott.  Christus heißt die Friedensstifter selig, die Kinder Gottes geworden sind. Wo die Familienverhältnisse mit Gott in Ordnung gekommen sind, kann es auch in unseren Familien Frieden geben. Die „friedliche Revolution“ bei der Wiedervereinigung kam nicht in erster Linie von der Politik, sondern aus den Kirchen mit Lichtern und Gebeten. So kann sich Frieden ausbreiten. Frieden ist die Revolution am Herzen Gottes, an der Menschen Freude erfahren.
Wollen wir nur Frieden schaffen ohne Waffen, oder Menschen in ihr wahres Zuhause führen?

Wer Sehnsucht weckt führt gut

wahre Güte zeigt sich nicht in der Holzhammer Methode.
„So spricht der Herr: Ich gedenke der Treue deiner Jugend und der Liebe deiner Brautzeit, wie du mir folgtest in der Wüste, im Lande, da man nicht sät.

Jer. 2, 2
Wieviel Charme, wieviel Herz springt uns aus diesem Wort an. Das Vork Israel wieder einmal in einer goßen Krise und von Gott kommt kein Vorwurf. Nicht Zorn, nicht Enttäuschung, sondern liebevoller Wehmut. Oft meinen wir in unserer Erziehung und Menschenführung, es müsse klar gesagt werden, wo es lang geht. Es müsse unmissverständlich deutlich werden, wer hier der Chef ist. Wir haben oft aus Gott einen autoritären Aufpasser gemacht. „Pass auf kleine Hand was du tust.“ Da werden die Menschen erschreckt mit einem Gott der die Sünden rächt. Da wird mit Fegefeuer und ewiger Verdammnis gedroht und Menschen vom Glauben davongescheucht.
Hier begegnet uns Gott in seiner endlosen  Güte. „Weißt du noch, damals, als wir frisch verliebt waren?“ Gott korrigiert nicht Entgleisungen, er weckt Sehnsucht nach Gutem. Er sieht, dass man das Herz nicht mit Druck, sondern viel mehr mit Sog erreicht. Er prügelt nicht zum Glück, er lockt das Herz an. Herzen berührt man nicht mit Gewalt, sondern dort wo sie anfangen über das was sie verloren haben zu trauern. Der Mangel muss so schmerzen, dass er den Wille zur Veränderung auslöst. Umdenken schafft man nicht mit Knüppeln, sondern wo man sich seiner Unvollkommenheit bewusst wird und sich nach Erlösung seht. Weißt du nicht, dass es Gottes Güte ist, die zur Umkehr bewegt, sagt Paulus.
Ist Güte nicht das viel stärkere Führungsinstrument, als ein Maßnahmenkatalog für Verfehlungen?

Lechzen hat ein Ende

Durst ist schlimmer als Heimweh.
„Die Elenden und Armen suchen Wasser, und es ist nichts da, ihre Zunge verdorrt vor Durst. Aber ich, der Herr, will sie erhören.“

Jes. 41, 17
An solch heißen Tagen wie zur Zeit, spüren wir was Durst ist. Wer da nicht genug trinkt, dem schwächelt der Kreislauf und der Kopf brummt. Wasser ist lebensnotwendig. Durst ist Dürre und Armut. Da kommt der Mensch an die Grenze seiner Existenz. Diese Suche nach Wasser ist die Sehnsucht nach aufbauendem, wohltuenden, erfrischenden Leben. Das Dasein ist oft eine Wüstenwanderung. Viele Ereignisse im Leben trocknen uns aus. Menschliches Miteinander lässt uns aushungern und viele Sehnsüchte bleiben ungestillt. Da ist so wenig Frisches, was erquickt. Da wird vieles in uns träge und wir dörren dahin und finden uns mit manchem Elend einfach ab.
Dagegen steht Gottes ABER. Gott will erhören, will Sehnsucht stillen. Das Aber löscht den Durst. Dürre ist nicht der außer Kraft setztende Zustand. Aber bringt an die Quelle, ist ein Wasserfall. Aber setzt Armut und Elend außer Kraft. Egal was uns ausdörrt, das ist nie das Letzte. Für die, die Zunge heraushängen ist mehr als genug Wasser da. Bei Gott hört die Suche nach Erquickung auf. 
Christus sagt: Kommt, es ist alles bereit. Kiergegaard sagt sogar: Du bist nicht nur die Quelle, die sich finden lässt, du bist die Quelle, die selbst den Dürstenden und Verirrten sucht. 
Genau die Tage, an denen wir auf dem Zahnfleisch daherkommen, haben diese Verheißung über sich. Wo brauchen wir mehr von dieser Quelle, dass unser Lechzen ein Ende hat?  

Sehnsucht lässt blühen

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nur die Sehnsüchtigen bekommen mehr.

„Ich breite meine Hände aus zu dir, meine Seele dürstet nach dir wie ein dürres Land.“
Ps. 143, 6

Wenn wir nach einem heißen Wochenende montags ins Blumenhaus kommen, gilt der erste Blick den Hortensien. Sie erhaschen die meiste Aufmerksamkeit, durch ein Bild des Jammers. Blüten und Blätter hängen fast bis zur Unkenntlichkeit über den Topfrand herunter. Sie lechzen nach Wasser.

Ein eindrückliches Bild für Menschen ohne Gott. Wo Gott fehlt ist dürres Land. Gottesmangel ist Wüste. Deshalb offenbart sich Gott immer wieder als Quelle, als Meer, als erquickendes Wasser. Nur der, der die Oase kennt, kann Sehnsucht danach entwickeln. Gott hat uns die Sehnsucht ins Herz gelegt. Da ist niemand, der ein unbefriedigendes Leben führen will, jeder streckt sich nach Erfüllung und Sattheit aus. Augustinus sagte: Unser Herz ist so lange unruhig, bis es seine Ruhe in Gott findet. Dieser Drang und dieser Sog ist dem Menschen in die Wiege gelegt. Sehnsucht ist die Sucht nach Erfüllung, nach Vollkommenheit.

Der Zielpunkt der Sehsucht liegt allein in Gott, wie für die Hortensie im Wasser und nicht Red Bull. Jeder Versuch Sehnsucht mit anderen Mitteln zu stillen, lässt Dürre zurück. Für den Glaubenden gibt es nur eine Richtung, in die er seine leeren Hände ausstreckt. Erquickung der vom Leben ausgehungerten gibt es allein in Christus. Wir sind nicht der Wüste ausgesetzt, sondern wir werden in der Eucharistie gesättigt. Der nach Gott Lechzende findet das aufbauende Wort, erfährt den belebenden Christus. Auch wenn die Hitze noch so groß ist, der Boden erschreckende Risse von Trockenheit hat, sind wir von einer Quelle umgeben, die die Blüten wieder straff werden und die Farben leuchten lässt.

Von welchen Quellen ersehnen wir sonst noch Erquickung?