Schwachheit ist eine Goldgrube

In einem stillen Geheimnis offenbaren sich ungeahnte Kräfte.

Der Herr ist meine Kraft.“
Hab. 3, 19

Meine Kraft kommt gar nicht aus mir. Das was mich stabilisiert und aufrichtet ist der Herr. Das ist die Kräfteverschiebung des Glaubens. Voraussetzungslos handelt da ein anderer. Die Kraftlosigkeit ist die Voraussetzung für das Wirken Gottes. Da wo nichts ist, wird Gott alles. Das Starkmachende liegt nicht in uns. Dieses feine Wechselspiel entsteht bei Menschen, die Gott vertrauen. Da ist eine versteckte Quelle, die sich allein dem Glauben erschließt. Dort wo das Leben in Einzelteile zerlegt wird, Belastungen unerträglich werden, der innere Mut zu einem Häufchen Elend geworden ist, da braucht es mehr, als dass nur das Selbstvertrauen wieder aufgebaut wird. Da braucht es Gottvertrauen. Wo aus den menschlichen Reserven nichts mehr zu schöpfen ist, braucht es die Kraft von anderswo. Wo der Herr meine Kraft ist, ist er das genau dort, wo meine Kraft verpufft ist. Wo ich aus mir heraus nichts erwarten kann. Diese Kraft braucht die Schwachheit, um seine ganze Schönheit zu entfalten. Wo Gott die Kraft ist, befruchtet der Schöpfer. Da fließt die Energie einer anderen Welt. Da werden wir von dem angerührt, der nur ein Wort spricht und es ward. Da wird nicht nur unser schwach gewordener Akku ausgetauscht, da kommt Starkstrom. Da wirkt das Wort, das wie Feuer ist und wie ein Hammer der Felsen zerschmeißt. Hinter dieser Kraft steht die ganze Wucht des Erlöserwillens Gottes. Das ist ein Kräftespiel, das nichts mit menschlicher Anstrengung und Disziplin zu tun hat. Hier will der lebensbejahende Gott dem Tod entreißen. Dieser Funke springt auf den Glaubenden über. Diese Allmacht ist für den, der sich in seiner Ohnmacht erkennt. Es ist die Kraft für die Mühseligen und Beladenen, die nicht das Tischtuch an fünf Zipfeln haben. Es ist die Kraft, die auf den bereiten Schoß der Maria fällt und in ihr den Erlöser zur Welt bringt.

Wo wir uns selbst und anderen etwas vormachen, den starken Max spielen und von niemand abhängig sein wollen, betrügen wir uns um diese Kraft. Wo wir meinen, wir dürften keine Schwäche zeigen, zeigen wir nur unseren Unglauben. Wir sind voll mit uns selbst und haben keinen Platz für das Wirken des Geistes und die Kraft des Wortes. Dort wo wir unsere Stärke demonstrieren, wo wir krampfhaft unsere Probleme selber lösen wollen, demonstrieren wir, wie schwach unser Glaube ist. Wo der Herr meine Kraft ist, verwandelt sich die Schauspielerei in Gelassenheit. Da müssen wir nicht krampfhaft funktionieren, sondern leben in einer getrösteten Verzweiflung. Wir brauchen nicht fehlerlos sein und geschehene Schuld zudecken, sondern können mit vollen Händen aus der Vergebung schöpfen. Wo der Herr meine Kraft ist, kann ich mit großer Gelassenheit mit allen Widrigkeiten umgehen. Dieses Geheimnis schenkt uns der Glaube.

Wollen wir uns nicht an dieser Gnade genügen lassen, dass sich in aller Schwachheit, diese Kraft vollendet?

Auslegungen für jeden Tag
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Schwach sein ist Gnade

Bei allem Schrecklichen was passiert, können wir nie tiefer fallen als in Gottes Hand.

„Herr, sei mir gnädig, denn ich bin schwach; heile mich, Herr, denn meine Seele ist sehr erschrocken.“
Ps. 6, 3-4

Schwach sein und erschrecken, kann Menschen am Boden zerstören, oder zum Gebet werden. Wo Ohnmacht auf Gnade trifft, ist Hilfe in Sicht. Ich bin schwach, das ist eine Tatsache. Erschrockene Seelen sind unser tägliches Brot. Wir sind von Trümmerhaufen umgeben. Unser eigenes Leben liegt oft in Scherben am Boden. An Ostern ist ein Segelflieger bei uns abgestürzt, bei dem der Pilot ums Leben kam und sein junger Begleiter mit schweren Kopfverletzungen im Koma liegt. Für die Familien ist das ein totaler Ausnahmezustand. Wir kommen immer wieder an den Rand, bei dem der Schreck alle Lichter ausgehen lässt. Auch der Glaubende ist in solchen Situationen kein Held. Wir sind schwach und wir sind immer neu erschrocken, das ist Realität. Die andere Wahrheit für den Glaubenden ist: „Der Geist hilft unserer Schwachheit auf“. „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Es ist gerade die Schwachheit, in der Gott am stärksten sichtbar wird. Wo ein Mensch aus sich heraus nicht mehr kann, gibt Gott alles. Heil verwirklicht sich an den Zerbrochenen, an denen, die Gott nichts zu bringen haben. An denen, die sich selbst nicht mehr helfen können, verwirklicht sich der Auftrag Jesu. Er ist für die geknickten Rohre gekommen, damit sie nicht zerbrechen. Somit gehören schwach sein und erschrecken mit der Gnade zusammen. Der Geist der über die Schwachheit kommt, ist die Kraft der Auferstehung, die dem Sterben ein Ende gesetzt hat. Der tiefste Punkt unserer Erschütterung ist damit die fruchtbarste Stelle für unser Heil werden. Dort wo für uns die Leidensspirale steil nach unten geht, hebt sie der Geist wieder auf. Die Schwachheit ist damit ein Schöpfungsmorgen, an dem alles neu beginnen kann. An unserem Ende übernimmt der Geist die Führung.

Somit ist Schwachheit bereits Gnade. Da wechseln die Rollen. Wo ich kapituliere, übernimmt der Geist seine eigentliche Aufgabe. Daher ist an dem Punkt, an dem bei uns nichts mehr geht, Gott am nächsten. Der schwache Mensch ist die optimale Voraussetzung, damit sich der Geist nach allen Regeln der Kunst entfalten kann. Da ist Gott in seinem ganzen Element.

Um das zu erfahren, müssen wir uns unserer Realität stellen und der Gottes Realität. Wo wir unsere Schwachheit nicht zugeben, sie überspielen und uns selbst stark fühlen, werden wir die Kraft des Geistes nicht erleben. Wir schmoren im eigenen Saft und das Heil geht an uns vorbei. Nur die Schwachen fallen ganz in Gottes Hand.

Bejammern wir unsere Schwachheit, oder machen wir sie zum fruchtbaren Gebet?

Loben macht lebendig

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. Georg Neumark, 1641

„Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil!“
Ps. 96, 2

Dem Herrn singen ist klingendes Evangelium. Wer singt, dem schwingt der ganze Körper. Alle Organe sind der Resonanzraum für den Klang. Gesang geht durch und durch und erfasst den ganzen Menschen. Wo das Evangelium gesungen wird, klingt das lebendige Wort durch Mark und Bein. Gesang ist die lebendigste Form der Mitteilung, auf hoch emotionaler Ebene. Wo man singt, das lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder, sagt der Volksmund. Die christliche Gemeinde war von Anfang an einen singende Gemeinde. Das hat damals schon die Römer verwundert und verunsichert. Wo das Gotteslob erklingt, sprengen bei Paulus und Silas die Ketten im Gefängnis. Da klingt das, von guten Mächten wunderbar geborgen, von Dietrich Bonhoeffer aus der Gestapo Zelle. Im Lobgesang beben Gitterstäbe und schwingen Herzen. Im Lobgesang klingt der Überwindergeist. Wer lobt, überwindet sich selbst, in allen erniedrigenden Umständen. Vor dem Gotteslob zittern alle finstern Mächte. Im Lobgesang wird das Schwache stark. In diesem Gesang entfaltet sich die ganze Macht des Wortes. Da wird der Mensch zum klingenden Wort und erfährt darin die verwandelnde Kraft. Darin liegt ein sich überschlagender Mut, eine geballte Hoffnung und ein liebevoll getröstet werden. Wo wir uns im Lobgesang verausgaben, fließen uns gleichzeitig heilende und aufbauende Kräfte zu. Der Lobgesang verankert aktives Handeln Gottes, in dem was schwach geworden ist. Wer dem Herrn singt, hat die beste Medizin gegen Schwermut und Anfechtung. Lobende Menschen haben die Herzen im Himmel und die Beine auf der Erde.

Wo der Lobgesang schwach wird, wo unsere Saiten nicht mehr klingen, fängt ein Klangkörper an zu verstauben. Da verstimmt unser Instrument und hat seine erhebende Kraft verloren. Am Lobgesang lässt sich die Gemeinde und der Einzelne messen. Wo das Lob verstummt, stirbt der Glaube. Zwischen Loben und Leben besteht ein unmittelbarer Zusammenhang. Wer unter seinem Schicksal verstummt, hat kein Instrument mehr, um sich über die Niederungen zu erheben. Klagelieder haben keine Kraft, die Lasten zu durchbrechen. Im singet dem Herrn liegt die Antwort.

Welcher Gesang liegt uns auf den Lippen, wenn die Probleme größer werden?

Unverschämte Hoffung 

Es ist ein Traum, wenn alle guten Vorsätze in Erfüllung gehen.
„Der Herr wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen.“Jes. 25, 8
Was Gott sich vornimmt, das bringt er zu Ende. Allem Widerstand zum Trotz, stimmt bei ihm am Schluss das Ergebnis. Wenn wir uns z. B. für das neue Jahr gewisse Änderungen oder Erneuerungen vornehmen, fragen wir bereits nach 14 Tagen, wird sich da gegenüber dem alten Jahr vieles von dem bisherigen Trott verändern. Voller Hoffnung starten wir in der Silvesternacht ins Neue, verbunden mit allen guten Wünschen und sehen in den Tagen danach, wie Stück um Stück an den Alltäglichkeiten wieder aller Schwung ausgebremst wird. Auf dem Menschen mit seinen Plänen liegt viel Schmach und Schande. Aus anfänglich guter Hoffnung, stellt sich Normalität ein, also Hoffnungslosigkeit. 
Wenn Gott Schmach aufhebt, läuft da etwas grundsätzlich anders. Die Hoffnung, mit der er seine Sache beginnt bleibt. Er hat atemberaubende Pläne, will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen und das mit Menschen, die im dauernd querschießen. Zu all seinen großen Zielen, kommt eine gewaltige Widerstandskraft. Er lässt sich von nichts abhalten, auch wenn die Schuld der ganzen Welt dazwischen kommt. Er überwindet mit Christus die Absackermentalität des Menschen. Christus ist der Hoffnungsverstärker, dass das geschieht, was Gott sich vorgenommen hat. Gott erreicht dadurch alles, was er sich vorgenommen hat. Es steht außer Frage, dass Gottes Jahr gut enden wird.
Mit unserer Schmach zurechtzukommen ist eine Christusfrage. Wo der natürliche Mensch, an den Belastungen des Menschseins immer wieder die Segel streicht und in seiner Intension nachlässt, kommt für den Glaubenden durch Christus, ein immer neuer Hoffnungsimpuls. Da bleibt es nicht bei der anfänglich, einmaligen Hoffnung, die wieder schwächer wird, sondern da erhält Hoffnung einen dauernden Nachschlag. Wo die Widerstände und Lebensschläge kommen, ist dieser Hoffnungsträger in uns, der beatmet, wenn die Luft ausgeht. Wenn Paulus uns Mut macht: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet, dann wirkt hier genau der Hoffnungsträger. Mit Christus hat Gott den Trott der Hoffnungslosigkeit durchbrochen. Unsere Schmach ist weg. Wir können dadurch alles glauben und Unverschämtes hoffen. „Durch Leiden führst du uns zu Freuden; ja, alles, was du tust ist gut.“
Was soll uns hindern, in dieser fröhlichen Hoffnung, alle Schwächen zu überwinden? 

Auf und ab findet eine Konstante

O Gott, gib uns immer neu erfrischende Herzlichkeit und schenke uns die Heiterkeit im Glauben.

„Erfreue mich wieder mit deiner Hilfe, und mit einem willigen Geist rüste mich aus.“

Ps. 51, 14
Wer so betet, kennt die Stunden des Absackens im Glauben. Er kämpft mit Trauer und eigener Unwilligkeit. Wie schnell verlieren wir den Glaubensmut, wenn es im Leben dick kommt. Wie schnell geben wir auf und verzagen wir, wenn Unerwartetes über uns hereinbricht. Glaube bewegt sich zwischen Macht und Ohnmacht. Er lebt in der Spannung zwischen Tag und Nacht. Glaube durchlebt die ganze Hinfälligkeit unserer Menschlichkeit. Daher kann sich der Glaube nicht an der menschlichen Gebrechlichkeit entzünden. Glaube kann nicht aus dem Menschen kommen, er entzündet sich an der Gottesgegenwart. Glaube ist Gabe, ist Geschenk, ist das Vertrauen, das Gott weckt. Der Glaube ist das Echo auf den handelnden Gott. Wo der Glaube schwach wird, wo die Zweifel nagen, muss nicht der Mensch seine Anstrengungen verdoppeln, sondern seine Schwachheit zum Gebet werden lassen. Das „erfreue mich wieder“, ist kein Selbstmotivationsprogramm, sondern genau die richtige Adresse für Absacker. Gott baut auf. Das Gebet wird zur Hilfe. Gott selbst ist die Anlaufstelle, wenn wir erkennen, wir hängen ab. Krisen sind normal, dunkle Stunden gehören zum Dasein, doch sie sind der Anfang eines Gebetes. Wo wir an uns selbst verzweifeln wollen, wenn wir erkennen, wie wenig wir zur Liebe und Glauben fähig sind, ist das der Anfang, auf die Hilfe zuzugehen. Wir brauchen regelrecht die Spannungen im Glauben, um unsere Gottabhängigkeit zu entdecken. Erst wenn wir unsere Schwachheit erkennen, kann die Liebe zu Gott groß werden. Wo wir am Ende sind, fängt Gott erst richtig an.
Wo wir unsere Leere spüren ist der beste Augenblick, an dem Gott groß werden kann.  Es sind nicht unsere glaubensstarken Tage an denen uns die Hilfe groß wird, sondern gerade die Wegstrecken, an denen wir ausgelaugt und müde geworden sind. Wo wir mit unserem eigenen Versagen konfrontiert sind, wo wir an Gott und der Welt verzweifeln wollen, wo nichts mehr da ist, kann Gott zu allem werden. In der Dunkelheit entfaltet das Licht seine schönste Wirkung. Daher verkrampfen wir uns nicht, wenn es nicht rund läuft; bitten wir um neuen Glauben, um erfrischende Herzlichkeit, um Heiterkeit und all die Gaben, die nur von ihm kommen.
Ist die Durststrecke im Glauben, nicht der Weg zu viel mehr Hingabe?

Einbildung trennt

Menschliche Größe, kommt nicht aus der Einbildung.

Wer zugrunde gehen soll, der wird zuvor stolz; und Hochmut kommt vor dem Fall.“

Spr. 16, 18



Eine biblische Weisheit, die sich umgangssprachlich eingebürgert hat. Dahinter steht eine ungute Selbsterhöhung, die sich über andere setzt. In Stolz und Hochmut liegt eine Überheblichkeit, die sich erhöht und andere erniedrigt. Ein Lebensentwurf des Untergangs. Wer sich selbst zum Maßstab macht, hat bereits den Bezug zur Realität verloren. Die Größe des Menschen liegt in Gott, der ihm seinen Wert gibt. Größe ist Geschenk nicht Verdienst. Wertvoll sind wir nicht durch unsere Leistungen, sondern dass sich Gott über uns erbarmt. Wo sich der Stolze in seinem Erhaben Sein verkalkuliert, rechnet Gott immer die Schwachheit mit ein. Der Mensch ist erst durch die Gottesbeziehung ein Ganzguss. Perfektion kommt nicht durch eigene Verdienste, sondern dass Gott zum Heil begnadet. Die Unvollkommenheit des Menschen wird ihn immer an seine Grenzen führen, er hat sich ständig mit seinem Fallen auseinanderzusetzen. Wo er das nicht einrechnet, kommt er in seiner Einbildung um. Paulus hat diese Spannung treffend beschrieben: Das Gute, das ich tun will, tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht tun will. Das ist das reale Menschenbild. Der Stolze akzeptiert seine Tendenz zum Fallen nicht und wird dadurch erst recht eine Bauchlandung erleiden. Der Stolze ignoriert die Gnade, von der er eigentlich lebt. Stolz kennt nur sich und das kann nicht gut gehen.
Der Stolz ist eine subtile Sache. Es gibt auch frommen Stolz, indem sich die eine Gemeinde besser vorkommt als die andere; indem sich der eine näher an der Wahrheit sieht, als sein Nächster. Gerne erheben wir uns über die Fehler der anderen und beschwichtigen unsere eigenen. Das sich besser dünken als… , ist der Anfang der Zerstörung. Wo wir unsere Gnadenbedürftigkeit verlassen, trennen wir uns vom anderen. Miteinander stirbt, wo einer die Wahrheit gepachtet hat. Die Einbildung ist die Auflösung jeglicher menschlichen und christlichen Gemeinschaft. In dem was wir sind, sind wir immer die Abhängigen der Barmherzigkeit. Darin liegt die geistliche Größe eines Menschen, die keinen ausgrenzt und abwertet.
Wo gehen wir mit eigenen Leistungen hausieren und stellen andere in den Schatten? 

Das Schwache herzen

Was nicht in Hände und Füße übergeht, hat keinen Wert.
„Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.“

5. Mose 30, 14
Gott ist keine Idee, Gott ist Ereignis. Seine Worte sind nicht nur großartige, bewundernswerte Gedanken, sie sind Leidenschaft und Kraft. Ein Wort von ihm, und die faszinierendsten Gebirgsketten entstehen. Auf sein Wort wurden Himmel und Erde. Wenn Gott spricht, bewegen sich Welten. Oder die Anfrage bei Jesus, sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund. Seine Worte sind keine Rede, sie sind tätige Liebe. Sie füllen nicht nur den Mund, sondern sind die ganze Lebendigkeit seiner Existenz. Das Wort kommt nicht von Gott, Gott ist das Wort. Sein Wort ist Fleisch und Blut geworden. Wo das Wort ist, ist der erlösende Christus. Im Wort fällt Gottes ganzes Erbarmen auf den Menschen. Das Wort hebt aus dem Staub, aus der Erniedrigung der unerlösten Menschheit.
Menschenworte dagegen bleiben oft im Munde stecken. Wieviel großartige Versprechen, wieviel großartige Absichtserklärungen, wieviel ernstgemeinte Vorsätze, die im Konflikt der Pflichten auflaufen. Von unseren großen Worten kommt so wenig an der Basis an. Irgendwo kommt da immer das richtige Leben dazwischen. Plötzlich ist ein lieber Mensch nicht mehr da, den wir immer noch mal besuchen wollten. Wir wissen um die Not, die nach uns ruft, doch das Getriebe in dem wir stehen, hält uns wie einen Gefangenen. 
Allesentscheidend ist der kleine Unterschied. Ist das Wort im Mund oder auch im Herz. Wo das Wort das Herz, das Zentrum allen Wollen und Fühlen erfasst, wird es zur Tat. Fromm reden ist ekelhaft, wenn es nicht gelingt über seinen Schatten zu springen, um den Menschen, der uns verletzt hat zu umarmen. Das Wort im Herzen schafft Persönlichkeiten, die von Versöhnung getrieben sind. Sie reden nicht von Liebe und hochgeistlichen Erkenntnissen, sondern sind diejenigen, die einen wunderlichen, belastenden, altgewordenen Vater nicht nur ertragen, sondern offenherzig und liebevoll auffangen. Das Wort redet nicht, es herzt die Schwachen.
Wo lässt sich erkennen, dass das Wort unser Herz getroffen hat?

Gedenken lässt aufatmen 

Rückschau holt sich gezielt den Frust Ins Haus.
„Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?

Jes. 43, 18-19
Was unsere Gedanken auslösen, wird zur Zeit in vielen Vorträgen und Büchern bearbeitet. Unser Denken bestimmt unser Morgen. Wir sind heute das, was wir gestern gedacht haben. Somit ist das Denken das größte Steuerungsinstrument unseres Lebens, für das wir ganz alleine verantwortlich sind. 
Wer Reich Gottes bauen will, arbeitet mit Senfkorncharakter. Wer da den Blick auf die Kleinheit und Unscheinbarkeit legt, wird nie die Fülle eines großen Baumes erleben. Das Senfkorn hat es in sich, dass es nichtssagend aussieht. Unser ganzes  Mühen scheint oft vergeblich zu sein. Der Blick auf das was ist und war, verdunkelt die Zukunft. Da gibt es nicht vieles, was zu außergewöhnlicher Hoffnung Anlass gibt. Der Blick auf die eigene Ohnmacht, kann keine Perspektive entwickeln.
Wenn Gott Neues schaffen will, legt er unseren Blick auf sein Wirken. Da bekommen wir beim Anblick des Senfkorns nicht mehr die Krise, sondern bekommen wir durch Christus einen Blick für den Baum. Wir blicken in der Unscheinbarkeit bereits auf das was sein wird. Wenn Jesaja dieses Bild aufzeichnet, sagt er dem Volk Gottes: In eure hoffnungslose Situation kommt der Erlöser. Es zählt nicht, was der Mensch vor Augen sieht, sondern was durch das Handeln Gottes in Christus möglich wird. So geht unser Gedenken gezielt weg von uns und unserer Schwachheit, auf das was unser Handeln übersteigt. Das Denken der Glaubenden kann nie im Menschlichen steckenbleiben, sondern sieht in allem das Wirken Gottes. Er sieht das Große im Kleinen. Er sieht mit den Augen dessen, dem alles möglich ist. Geben wir unseren Gedanken die Gottespersektive, die aus dem Senfkorn ungeahntes werden lässt.
Erkennt ihr´s denn nicht?

Der rote Teppich für die Schwachen 

mit Weihnachten haben die Schwachen Kraft.
„Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.“

1. Sam. 2, 4
Oft werden die Schönen, die Reichen und die Starken beneidet und zum Vorbild erhoben. Manch einer kennt den Wunsch, lieber reich und gesund, als arm und krank. Dieser Aufblick zu den „Großen“ lässt uns klein erscheinen und minderwertig vorkommen. Wir definieren uns über unsere Defizite und Mängel, und meinen, die anderen haben es geschafft. Selbst die drei Weisen aus dem Morgenland suchten den neuen König bei den Großen. Sie steuerten zuerst die Machtzentrale des Landesfürsten an, und entdeckten, Weihnachten entmytologisiert.
Weihnachten stellt die Machtverhältnisse auf den Kopf. Wo Gott in die Geschichte kommt, werden menschliche Hierachieen umgedreht. Da zählen nicht mehr die, die sich nach „oben“ gekämpft oder gedient haben, da dient Gott den Menschen. Mit Christus kommt Gottes wahre Größe auf die Welt. Weltherrschaft beginnt im Stall. Das Geringe, das Niedrige kommt zum Glänzen, das Schwache jubiliert. David besiegt den Goliath. Gott hat sich klein gemacht, um das Kleine groß zu machen. Das, was in der Welt nichts zu melden hat, bringt die Erde zum Zittern. Die Ohnmacht erfährt einen neuen Siegeszug. Mit der Krippe wird dem Unbedeutenden, den roten Teppich ausgerollt.
Weihnachten erfüllt die, die nichts haben und geht an denen vorbei, die meinen, sie hätten alles. An Weihnachten feiert Gott den Mangel, den er mit seiner Gegenwart ausfüllt. Das Kind in der Krippe ist das Symbol, dass eigentliche Stärke in dem von Gott beschenkt werden liegt.
Weil wir Christus haben sind wir jemand. Wir haben eine Stimme. Wir haben Worte, die die Welt bewegen. Wir haben eine Kraft, die Menschen in Atem hält. Wir brauchen uns nicht verstecken, weil Licht aus uns herausstrahlt. Durch Weihnachten sind auch wir nicht mehr bedeutungslos, sondern können die Welt umkrempeln.Unsere Selbstzweifel haben ausgedient.
Wollen wir nicht von der Krippe aufstehen und mit ganzer Macht etwas Heiliges in die Ohnmacht der Welt hineintragen?
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden für euch alle an diesem Weihachstfest.

Stellvertretend beatmet 

Stellvertretung sorgt für Kontinuität.
„Herr, ich leide Not, tritt für mich ein“!

Jes. 38, 14
Bei Ausfall braucht es Ersatz. Wenn im Unternehmen jemand krank wird, muss ein anderer einspringen. Schön ist es, wenn sogar die Mitarbeiter selbst ihren Vertretungsdienst regeln. Manche Abläufe müssen einfach laufen, sonst läuft nichts mehr. Da hat ein Stellvertreter eine oft lebenswichtige Aufgabe. Unsere Atmung muss gewährleistet sein, ansonsten brauchen wir stellvertretend eine Herz-Lungen-Manschine, die uns Atem spendet.
Das Gebet ist die unablässige Verbindung mit Gott, die nicht unterbrochen werden soll. Wenn wir unser Beten anschauen, sehen wir, wie lückenhaft das abläuft. Auf die Atmung übertragen, wäre uns schon längst die Luft ausgegangen. Unser Beten kennt die kraftlosen Tage, die lauten Stunden, die alle Stille übertönen, die innere Müdigkeit, die zu keinen großen Formulierungen mehr in der Lage ist. Beten unterliegt den Höhen und Tiefen unseres Lebens. Durch Christus ist die Kontinuität sichergestellt. Wo das Beten aussetzt, sacken wir nicht ab in das Bodenlose. Da ist einer, der uns vertritt. Christus springt ein, wo bei uns die Puste ausgeht. Durch Christus fallen wir selbst in größter Not nicht aus der Gottesbeziehung.
Wir können und dürfen schwach sein. Ein Anruf genügt und Christus springt für uns ein. Wir brauchen uns nichts vormachen. Wir brauchen nicht die Helden spielen, wir brauchen nur einen würdigen Vertreter, wo wir schwach sind. Wo wir nicht mehr beten können, oder nicht mehr wissen, wie wir beten sollen, wird unsere Not zum Gebet, das durch Christus und den Geist vollendet wird. Wo unsere Schwachheit Christus anruft, haben wir eine gesicherte Atemspende.
Für die Vertretung ist gesorgt. Wollen wir sie nicht in Anspruch nehmen, wenn uns die Luft ausgeht?