Die Blinde Kuh

24.06.18 – Petr. 1, 8-12 

Spielen wir doch mal die Blinde Kuh! Ein Suchspiel für Kinder, das bereits im Mittelalter ein Gesellschaftsspiel für Erwachsene war und einige Maler zu historischen Werken bewegte. Ein Spieler bekam die Augen verbunden und hatte sich durch den Raum hindurchzutasten, um Mitspieler zu erwischen. Wer von ihm berührt wurde, musste stehen bleiben. Durch das Erspüren des Gesichtes, musste der Mitspieler erkannt werden, um dann als Nächster die Blinde Kuh zu sein.

Nicht sehen und doch den anderen erkennen, ist nicht nur ein interessantes Spiel, sondern offenbart das Geheimnis des Glaubens.

  • Berührt werden

Gott ließ sie wissen, dass diese Offenbarungen nicht den Propheten galten, sondern euch selbst. Nun sind sie euch verkündet worden, und zwar von denen, die euch die rettende Botschaft gebracht haben. Gott hat sie dazu durch den Heiligen Geist bevollmächtigt, den er vom Himmel zu ihnen sandte. Diese Botschaft ist so einzigartig, dass selbst die Engel gern mehr davon erfahren würden.

Wo Gott offenbart, gibt es Geheimnisse, die kein Mensch kapiert. Für Gottes Sache ist die menschliche Intelligenz blind. Wo es um das Reiches Gottes geht, spielt der Mensch Blinde Kuh. Da sind die Augen verbunden; da gibt es nichts zu sehen, nichts zu verstehen und nichts zu begreifen. Mit allem Wissen, mit allen Wissenschaften kann man Gott nicht näherkommen.  Gott ist mit keinem Studiengang zu erforschen. Hinter das Geheimnis Gott kommt kein Mensch. Die Absicht Gottes lässt sich von keinem Computer entschlüsseln. Wer meint, Gott zu verstehen, hat von ihm noch nicht das Geringste verstanden.

Die erste Voraussetzung für eine Gottesbegegnung ist, sich selbst als blind und tastend zu erkennen. Da wo alle Meinungen über Gott wegfallen, geschieht Offenbarung. Wo der Mensch nichts weiß, lässt Gott wissen. Alles Weisheit von Gott ist nicht lernen, sondern Inspiration durch ihn selbst. Der Geist ist der Wächter über Gottes Geheimnisse. Da berührt nicht der Blinde den Schöpfer, sondern wird von ihm berührt.

Wo der Geist berührt, sehen Propheten Dinge, die die Sehenden nicht sehen können. Im Offenbaren geht Gottes Schatztruhe auf. Gott lässt sich ins Innerste seiner umfassenden Heilsgedanken blicken. Wo Gott offenbart, schauen wir in das Herz, das bis zur Selbstaufgabe liebt. Unter dieser Offenbarung redet ein Mensch, als würde er von einem anderen Stern kommen. Das ist so außergewöhnlich, so unfassbar, dass selbst die Engel danach Schlange stehen. Wo Gott sein Heiligstes offenbart, zittert die irdische und himmlische Welt. Da knistert Herrlichkeit auf verbrannter Erde. Da werden Netze prallvoll, und Tausende von ein paar Broten und Fischen satt. Da werden Tote lebendig. Im offenbar werden, platzt die Erde aus allen Nähten. Das Wissen um Gott ist immer das berührt werden durch den Geist. Vollmacht ist das berührt worden sein durch das Wort, das Menschen zum Überlaufen bringt.

Gott berührt die nicht Sehenden.

  • Tasten durch die Blindheit

In ihnen wirkte bereits der Geist von Christus. Er zeigte ihnen, dass Christus leiden müsste und danach Ruhm und Herrlichkeit empfangen würde.

Wo der Geist wirkt, kommt hilfloses Tasten, mit geführt sein zusammen. Da ist einer blind und sieht trotzdem. Er sieht Leiden mit Herrlichkeit zusammen. Es ist herrlich, sich in einem elenden Zustand zu befinden und doch geführt zu sein. Die Erfahrung von Schmerz, von Hilflosigkeit, von ausgeliefert sein, führt unmittelbar zu Gott. Das Tasten durch die Blindheit gehört wie Essen und Trinken zum Leben.

Christus musste sich durch die Dunkelheit der Welt leiden, um zum Licht der Welt zu werden. Ohne das Leiden Christi kann keinem Menschen Herrlichkeit offenbart werden. Nur unter dem Zerbruch dessen was uns vor Augen steht, können wir das sehen, was in Gott ist. Herrlichkeit ist so umfassend, so klar, so leuchtend und alles durchdringend, dass alles was nicht nach Herrlichkeit aussieht wegbrechen muss. Die Blinden, die sich durch diese Welt tasten, müssen auf den Kuhstall stoßen, wo Herrlichkeit das Licht der Welt erblickt. In der Krippe fallen zwei Welten aufeinander. Da beginnt der Leidensweg für die Herrlichkeit. Am Tag der Geburt Christi fängt bereits der Kreuzweg an. Das Licht der Welt musste seinen Weg über Golgatha gehen. Das Licht in sich, konfrontiert die Finsternis. In Christus selbst, liegt sein Kreuzweg begründet. Wer aus Herrlichkeit ist und auf Herrlichkeit zugeht, muss die Finsternis zerlegen. Das Kreuz ist für den Glauben unabwendbar.

Dort wo ein Mensch zur Gottesgegenwart in dieser Welt aufbricht, wird der Weg härter und schwerer. Alles in unserem Leben, ist ein umgestaltet werden auf die Herrlichkeit zu. Da reibt sich das Göttliche am Menschlichen. Das geht nicht mit erbaulichen Gesprächen bei festlichem Essen. Um den Leidensweg kommt der Nichtsehende nicht herum. Herrlichkeit will reifen. Herrlichkeit reift in den Konflikten unserer Tage. Sie wächst unter den Schmerzen unserer Krankheit. Sie offenbart sich im Untergang der Welt.

Daher brauchen die Tastenden …

  • Glauben im Wahnsinn

Ihr habt ihn nie gesehen und liebt ihn doch. Ihr glaubt an ihn, obwohl ihr ihn auch jetzt nicht sehen könnt, und eure Freude ist herrlich, ja, grenzenlos, denn ihr wisst, dass ihr das Ziel eures Glaubens erreichen werdet: die Rettung für alle Ewigkeit. 

Glaube ist paradox. Er ist ein Leben im Widerspruch zu sich selbst. Wir lieben Menschen, die wir sehen, wir glauben ihnen, weil wir sie kennen und gehen dabei trotzdem heillos baden. Das geschieht nicht unbedingt, weil wir zu blind oder blauäugig waren, sondern weil wir ihnen trauten. Wenn wir jedoch jemand lieben, den wir noch nie gesehen haben, und ihm glauben und vertrauen, obwohl wir ihn nicht sehen können, sind wir entweder Gaukler oder Selbstmörder. Keine Bank der Welt würde auf der Basis auch nur einen Cent herausrücken.

Glaube baut auf eine Sicherheit, die unsere Grundrechenarten völlig verlässt. In der Liebe zu Christus, kann ein Mensch etwas sehen, was nicht sichtbar ist. Da findet eine Einspeisung der Herrlichkeit statt. „eure Freude ist herrlich, ja grenzenlos“. Herrlich ist der Griff nach Herrlichkeit. Im Glauben an Christus findet der Übergriff in das darüber hinaus statt. Da sind Dinge real, die wir nirgends sehen können. Diese Liebe lebt in ihrer Enttäuschung, in einem enttäuschungssicheren Raum. Sie lebt im ständigen Gegensatz, zu dem was sie sieht. Da ist im Katastrophalen etwas herrlich.

Diese Liebe kann den Menschen mit den Augen betrachten, wie er sein könnte. Da zählt nicht das was jetzt ist und uns vielleicht schrecklich zu schaffen macht, sondern da ist der Umgang von dem geprägt, was Gott in mich und den andern hineingelegt hat, das noch werden soll. Das ist das wahnsinnige des Glaubens, dass er Dinge sieht, die es noch nicht gibt, die ihn jedoch bei allem Tun antreiben. Das ist eine Freude, die nicht das Übel ignoriert und schmerzliche Wege meidet, sondern im Kreuz den Zugang zur Herrlichkeit entdeckt. Ziel des Glaubens ist, dass das wird, was nicht ist.

Im Ja zum Leiden, liegt unsere größte Entwicklung auf Herrlichkeit zu. Es wäre Wahnsinn, Herrlichkeit mit Harmonie zu verwechseln. Wer die Krise meidet, ist nicht bereit, dass die Herrlichkeit an ihm offenbar werden soll. Wer das Leiden verdammt, trennt sich von seiner eigenen Entwicklung, zu dem, was er sein könnte. Deswegen sind wir Sehende auch dort wo wir tasten und leiden. Wir sind Liebende, weil wir in allem das sehen können, was das Leiden für ein großes Ziel hat. Wir glauben als die Wahnsinnigen, weil wir im Schmerz das Herrliche erkennen.

Daher ist die Blinde Kuh ein aufregendes Spiel.

Advertisements

Wie ein Meisterwerk entsteht

Wir sind dazu geschaffen, herrliche Spuren in dieser Welt zu hinterlassen.

„Um deines Namens willen verwirf uns nicht! Lass den Thron deiner Herrlichkeit nicht verspottet werden!“
Jer. 14, 21

Jeremia formuliert aus der Widersprüchlichkeit des Menschen ein Gebet. Er ringt bei Gott um Gnade, weil sein Volk so anders will als er will. Er drängt Gott zum Aushalten an seinen Erwählten, gerade dort, wo sie aus ihrer Bestimmung ausbrechen und ihn dadurch zum Gespött machen. Der Prophet trauert vor und mit Gott, dass oft so wenig von dem Meisterwerk, das Gott mit jedem Menschen vor hat, sichtbar wird. Der Mensch ist für die Herrlichkeit geschaffen und soll durch das Leben, das ihn bearbeitet zu einem genialen Kunstwerk vor Gott werden. Wenn wir das Ergebnis davon betrachten, bleiben die meisten Menschen weit unter dem Niveau, das sie eigentlich sein könnten und das Gott mit ihnen gedacht hat. Sie verspielen das Profil, ein Mensch der Herrlichkeit Gottes zu werden. In ihnen stecken Potenziale der ganzen Fülle Gottes, die brach liegen und nicht ausgeschöpft werden. Als Michelangelo vor über 500 Jahre seinen David erschaffen hat, der als einer der schönsten Figuren in der Kunstgeschichte eingegangen ist, sind vor ihm schon die namhaftesten Bildhauer seiner Zeit an diesem circa 10 hohen Marmorblock gescheitert. Große Meister standen vor dem Felsen und sagten: es ist unmöglich daraus ein Kunstwerk zu schaffen. Der Stein habe solch einen Faserverlauf, dass er bei der Bearbeitung auseinanderklaffen würde. Michelangelo betrachtete in aller Ruhe diesen Stein und sagte seinen berühmten Satz: „Ich sehe den David, jetzt muss ich nur noch das wegschlagen, was nicht nach David aussieht!“ Dann entstand ein Meisterwerk. Dieses Meisterwerk hat Gott mit uns vor Augen. Er will nur noch das wegschlagen, was nicht nach Herrlichkeit aussieht. Die Schule des Lebens, sind die schmerzhaften Bearbeitungsschritte auf Herrlichkeit zu. Sich zur Ehre, hat Gott ein grandioses Bild von uns, vor seinem inneren Auge. Das Problem jedoch ist, der Mensch schreit unter den Schlägen. Er klagt den Bildhauer an, der sein großes Werk schaffen will. Er sperrt sich gegen das, was für die Vollendung weg muss. Er wehrt sich gegen das Formen und Gestalten. Er will der sperrige, unschöne, grobe Felsen bleiben, der er ist.

Wir sollten uns dieser Tragik bewusst sein, dass wir zu Glanzlichtern in dieser Welt geschaffen sind und oft nur die Rußspuren einer schummrig brennenden Fackel hinterlassen. Wir drücken uns oft um die eigentliche Wahrheit unseres Lebens. Wir stöhnen unter Lasten und meinen, das Leben setzt uns übel zu. Wir kommen nicht auf den Gedanken, dass ausgerechnet die Spannungen in unserem Miteinander, uns ausreifen lassen wollen. Der Schmerz ist ein heiliger Engel, unter dem Menschen ungleich größer geworden sind, als durch alle Freuden dieser Welt, heißt ein altes Wort. Das Kleingedruckte, das Ungemütliche in unserem Leben dient zur Herrlichkeit. Wenn das Beste aus uns werden soll, müssen zuerst die fetten Brocken weg, bis dann am Ende die Feinarbeit beginnt. Paulus weiß um diese Spannung: Wir beten allezeit für euch, dass unser Gott euch eurer Berufung würdig mache.

Sind wir bereit für das Meisterwerk unseres Lebens, oder entziehen wir uns den Schlägen, die das Kunstwerk erschaffen wollen?

Auslegungen für jeden Tag
http://www.ebk-blumenmönche.de
https://brtheophilos.wordpress.com/category/predigt/tageslosungen/

Wenn der Schmerz nachlässt

Gegen das Laster mit dem Lästern hilft nur die erhobene Schlange.

Das Volk kam zu Mose und sie sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bete zum Herrn, damit er uns von den Schlangen befreit. Und Mose betete für das Volk.“
4.Mose 21, 7

Eine altbekannte Geschichte, die uns zeigt, wie Gott mit Schlangen fertig wird. Gott hat ein wirksames Gegenmittel gegen diese giftige Brut. Überall in unserem Miteinander und in unseren Gemeinden haben wir es mit solchen Schlangen zu tun. Da sind Menschen, die Gemeinschaft mit ihren Stichen vergiften. Da wird hinter vorgehaltener Hand gegen Führungskräfte und Gemeindeleiter gelästert und Gottes Führung in Zweifel gezogen. Mose und sein Volk ist auch bei uns. Fast unmerklich werden Autoritäten untergraben und über die Entscheidungen, die Verantwortliche zu treffen haben abgelästert. Es entsteht eine herrlich mulmige, elektrisch geladene Atmosphäre. Auf dem Schlangentrip heißt die alles aushöhlende Frage: Sollte Gott gesagt haben? Damit wird die Existenz Gottes, mit allen, die in seinem Dienst stehen, vergiftet und geschmälert. Damit bringen Menschen zu Ausdruck: Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde alles viel besser laufen. Die Schlange erhebt sich zu Gott. Die Erkenntnis des Menschen kommt dann, wenn sein ausgestreutes Gift ihn selber trifft. Die Schlange braucht die Schlange, um die Wahrheit zu erkennen. Der Mensch muss an seiner eigenen Unwahrheit zugrunde gehen, dass er um Befreiung von seinem Lästermaul bittet. Erst wenn´s ganz dick kommt, wird der Mensch bereit, statt Gott und den andern infrage zu stellen, sich selbst anzuklagen. Wo er von seinem eigenen Gift gebissen wird, ist er bereit nach Hilfe zu schreien. Und die Hilfe kommt. So ganz homöopathisch. Zur Hilfe muss die Schlange, die aufgerichtete Schlange betrachten. Er muss sich die Bedrohung und das Übel vor Augen halten, um in diesem Anblick zu genesen. Er erfährt Befreiung von seiner verdorbenen Art im Anblick des Kreuzes. Um mit dem Elend fertig zu werden, ist der gekreuzigte Christus das Heilserum.

Wo sich der Mensch in seinem anders wollen gegen Gott entdeckt, in seinem Löcken gegen seine Führung, in seinem schnellen Ablästern über das was er nicht versteht, kann nur der Kreuzblick befreien. Johannes sagt: wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Wir werden unfrei und kurzsichtig, wo wir diesen Blick verlieren. Wo sich die Augen nicht auf das Kreuz, auf die erhobene Schlange konzentrieren, dann werden wir von unserem eigenen Lästermaul aufgefressen. Das wird zu einem Geschwür, mit dem wir nicht mehr fertig werden. Dieser Kreuzblick wird zu einer Trainingsaufgabe für unser Heil. Darunter verlieren wir unser schädigendes Gift. Da werden wir frei zu einem Leben in Klarheit und Transparenz. Der aufgerichtete Blick schafft Aufrichtigkeit. Damit lässt sich das Gift in unserm Miteinander heilen.

Ist das nicht bedauerlich, wenn ein Heilmittel da ist, und wir uns weiter vergiften lassen würden?

Auslegungen für jeden Tag
http://www.ebk-blumenmönche.de
https://brtheophilos.wordpress.com/category/predigt/tageslosungen/

Ein Leben nach dem Schmerz

Gerade die schwachen Gemüter und die verwundeten Herzen erfahren Lebenstrank und Segen.

„Der Herr heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“
Ps. 147, 3

Jeder Kranke sehnt sich nach Heilung. Wie lange sind die Wege zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Ringen, Kämpfen und doch verlieren? Hier begegnet Gott den Verwundeten als Arzt. Er heilt etwas, womit sich selbst die Heilkunst der Medizin schwer tut. Verwundete und zerbrochene Herzen sind die tiefen Schmerzen einer Seele, die nicht mehr hoffen kann. Da hat das Leben solche Spuren hinterlassen, dass aller Mut gesunken und die Verzweiflung eingekehrt ist. Zerbrochene Herzen leiden in erster Linie an den Unfällen im menschlichen Miteinander, an gescheiterten Lebensplanungen, an großen Idealen, die sich in Luft auflösten. Da ist so viel danebengelaufen, dass sie dem Leben innerlich kündigen. Wenn ein Herz zerbricht, zerbricht das Lebenszentrum. Das ist der Ort, an dem Gott die Pumpe steuert. Das zerbrochene Herz leidet an einem Mangel an Regeneration. Es leidet in der Tiefe an einem Mangel an Gott. Da ist in der Grundsteuerung etwas verschoben. Wo der Mensch die Herrschaft über das Zentrum seines Leben übernimmt, zerbricht etwas. Daher kann die Heilung dadurch geschehen, wenn Gott die zerbrochene Beziehung zu ihm wieder in Ordnung bringt. Wo Gott heilt, bringt er eine grundsätzliche Lebenseinstellung zurecht. Damit muss ein verwundetes Herz, sich nicht selbst heilen, sondern fließen von dem Arzt die heilenden Kräfte. Dort wo wir selbst nichts ausrichten können, fließt heilender Segen aus einer anderen Quelle. Für die verwundeten Herzen, wird Brot und Wein zur heilenden Medizin. Für die Verletzungen, die dieser Welt zu schaffen machen, liegt in Christus die Genesung.

Es gibt somit ein Leben nach dem Schmerz. Es gibt Hoffnung für Lebensbrüche. Es gibt einen Durchbruch durch die Verzweiflung und durch alle innere Kündigung an das Leben. Niemand braucht sich mit einem zerbrochenen Herz abfinden. Auch wenn menschliche Beziehungen so belastend und verletzend sind und ein geregeltes Miteinander nicht mehr in Aussicht steht, braucht mein Herz nicht zerbrechen und kann gesund werden. Darin bewährt sich das göttliche Heil, dass es mitten in den größten Spannungen, vielleicht nicht die Verhältnisse heilt, jedoch mein gebrochenes Herz. Wo ein anderer mein Herz verletzt, ist er für sein Verletzen verantwortlich, jedoch ich kann im Glauben das verletzt worden sein überwinden. Wo der Herr heilt, kann selbst die größte Demütigung nicht mein Herz zerbrechen. Dieses heil werden durch Christus hat solch eine Macht, dass es in all den Zerbrüchen des Lebens, das Übel überwindet. Wer heil wird, für den entstehen immer wieder goldene Momente, in denen er Segen und Heil auszustreuen kann.

Ist es nicht eine der größten Gaben, in den schwierigsten Situationen heil zu werden und dieses Heil dem Leben zurückzuschenken?

Auslegungen für jeden Tag
http://www.ebk-blumenmönche.de
https://brtheophilos.wordpress.com/category/predigt/tageslosungen/

Weniger ist mehr

Im JA zum Willen Gottes, verliert das Leiden seine Macht.

„Der Herr hat´s gegeben, der Herr hats genommen; der Name des Herrn sei gelobt!
Hiob 1, 21

Schon als Kind hat man uns beigebracht: Sag´ Danke, wenn du etwas bekommst. Doch Danken, wenn man uns etwas nimmt? Was ist das für ein Gottesglaube, der lobt, wenn die eigene Welt zusammenfällt und alles Hab und Gut verloren geht? Bei Hiob kam es ganz dick. Hiobsbotschaften sind gefürchtet. Hier lernen wir eine Seite des Glaubens kennen, die uns nicht so sehr schmeckt. Der Herr nimmt, und das zu seiner Ehre. Er speckt ab zum Gewinn. Er lässt das Lebenswerk einer Bruderschaft abbrennen, und gönnt sich einen Wiederaufbau. Darin liegt Gutes, sagt Paulus. „Wir wissen, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen.“ Somit ist nicht viel oder wenig die Melodie unseres Lebens, sondern die Liebe zu Gott. Das in Gott sein ist der Inhalt des Lebens. Er will unser ein und alles sein, er will sich an uns verwirklichen. Wir sind zu seiner Ehre gemacht. Das war das befreiendste Gefühl nach unserem Brand, von all den persönlichen Dingen nichts mehr zu haben, als die Kleider, die wir auf dem Leib hatten und darin zu erkennen, wir haben mit unserem unversehrten Leben alles, was uns Gott gegeben hat. Ich selbst empfand es als großes Glück und unvorstellbare Freiheit, nichts mehr zu haben und doch alles zu haben. Die sind viele liebgewordene Dinge für immer verloren gewesen, wertvolle Erinnerungen haben sich in Rauch aufgelöst, doch diese Werte waren im Vergleich gering, zu der Erfahrung, dass wir jetzt mit Gott neu beginnen können. Diese wichtige Erfahrung zeigte uns, wir sind nicht mit unserem eigenen Leben und seinen Umständen verheiratet sondern mit Gott. Letztendlich ist alles auf die alleinige Gottesbeziehung heruntergeschrumpft. Somit war alles verlieren gut. Schmerz, Leid und Trauer war gut. Gott wurde zum eigentlichen Gestalter des Lebens.

Im Glauben werden wir immer wieder gefragt, woran hängt unser Herz. Wo wir unser Leben als Gottesgabe begreifen, mit dem er sein Werk baut und seine Größe offenbart, werden Kreuzwege zu Segenswegen. Gerade im Untendurch schafft Gott sein Heil. Unsere Tiefenwege dienen nicht unserem Zerbruch, sondern führen zum Eigentlichen. Das was uns genommen wird, dient dem Besten. Wo wir kleiner werden, wird Gott größer. Damit kann sich Leid in Lob verwandeln. Wenn wir klagen, klagen wir uns an das Herz Gottes. Wir rücken im Schmerz näher an Gottes Liebe.

Warum sollten wir Gott verdammen, wenn er uns etwas nimmt, um uns viel Größeres zu schenken?

Auslegungen für jeden Tag
http://www.ebk-blumenmönche.de
https://brtheophilos.wordpress.com/category/predigt/tageslosungen/

Harmoniesucher wollen keine Veränderung

Alle wollen eine Welt ohne Leiden, ohne Tod, ohne Krieg, ohne Grausamkeit, ohne Übel. Unter der Bedingung wollen sie alle an Gott glauben. (Ehrenberg)

„Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.“Jes. 53, 7

Das Bild vom leidenden Gottesknecht, ist ein Herzstück, in der Geschichte zwischen Gott und Menschen. Darin erhält das Leiden seinen höchsten Sinn. Willig leiden ist die unvorstellbare Dimension des Glaubens. An der Stelle, an der für den Menschen das Übel beginnt, an der er Gott und die Welt nicht mehr versteht, beginnt etwas ganz Neues. Um das zu verinnerlichen, hilft das Bild des Weizenkorns. Es muss in die unschöne Erde, in der es feucht, dunkel und ungemütlich ist. Es löst sich komplett in seiner Ursprungsform auf. Außer dem Sprössling und ein paar Wurzeln bleibt nichts mehr übrig. Nach ein paar Monaten steht eine satte Ähre auf dem Feld, die das zigfache des einstigen Korns enthält. Diese Frucht wird zerrieben, um dann zum Brot zu werden. Das ständige Leiden und Sterben erhält das Leben. Christus wird zum Brot des Lebens. Das ist die Passion für das Leben. Die Welt denkt, wenn das Übel weggenommen wird, fängt das Gute an und entsteht das Heil. Doch der Glaubende erfährt in Christus das Geheimnis der Verwandlung. Er macht Menschen anders. Er nimmt nicht das Übel aus unserem Leben weg, sondern führt das Herz vom Übel weg. Also ist mitten im Sterben das Leben und mitten im Unfrieden Friede und Freude, sagt Werner Jetter. Glauben heißt, dass wir aufhören Gott Bedingungen zu stellen. Wir haben uns unter das zu beugen, was Gott auferlegt. Wo das Leiden beginnt, will etwas Neues entstehen. Im Leiden sucht Gott unser Ohr. Wo einfältige Gemüter meinen, Gott könnte uns dabei unsere Sünden heimzahlen, müssen wir erkennen, dass er unser Gehör heilsam verfeinern will. Wo unser schönes Lebensgefühl zerstört wird, wo unser Glaube unsicher wird, fängt nicht gerade da unser Glaube das Tasten nach Gott an? Fängt da nicht eine Bewegung an, die nach Gott sucht?

Das Kreuz ist für den Glauben immer das Lebenszeichen. Das Heilswerk Gottes liegt in den durchbohrten Händen. In der Brutalität des Sterbens, liegt Auferstehung und die Verwandlung zur Herrlichkeit. In dem willig leiden, liegen Gottes Segensspuren. Da bearbeitet der Meister sein Werk und will es zur Vollendung führen.

Wollen wir diese Bearbeitung verhindern und bleiben was wir sind?

Heiliger Schmerz

Röm. 5, 1-5

Heiliger Schmerz

Schmerzen können die Hölle sein. Schmerzen treiben Menschen in den Wahnsinn. Manche Schmerzen wecken eine Todessehnsucht. Wann ist endlich Schluss, mit dieser betäubenden Macht? Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr! Mir raubt das alles den Verstand. Wie viele endlosen Diskussionen gibt es, ab wann Leben nicht mehr lebenswert ist, und ab wann man es legal beenden kann. Zum Glück passiert in der medizinischen Forschung sehr vieles, für eine wirkungsvolle Schmerztherapie.
Doch Schmerz bleibt ein Problem, auch Fromme haben ein Problem mit dem Leid. Leid ist ein Makel, das es zu bekämpfen gilt. Leiden ist schlecht und muss schnellstens aus einem Leben verbannt werden.
Paulus sieht das anders.

1. Gut ist schon klasse

„Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Wir können ihm vertrauen, er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen. Und mehr noch: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit Freude und Stolz.“
Solche Worte hören wir gerne – so völlig schmerzfrei. Sie sind das Hosianna des Christentums. Auf dieser Fülle der Gottesoffenbarung steht unser Glaube. Hier stehen wir mitten in der von Christus überwundenen Welt, am Anfang eines neuen Daseins. Gott wohnt in einem heiligen Raum. Erschreckend schön, erschreckend erhaben, erschreckend perfekt. Gott verwirklicht sich in der Fülle von Heil. Gott ist die Fülle von Heil. Christus nimmt uns mit hinein, in einen Raum voller Glanz. Wir dürfen da rein, wir sind privilegierte Dauerkartenbesitzer für Gottes heilige Welt. Sie ist kein Wunschtraum, sondern viel wahrhaftiger, als der Mensch sich träumen kann. Da gibt es einen Frieden, der sich jetzt bereits verwirklicht. Da gibt es das heilige Geheimnis, von etwas Ewigem, das schon unter Menschen aufkeimt. Da ist ein unfassbares Licht, das jetzt schon unter Menschen aufblitzt. Das ist Gottes Realität für geschüttelte Menschen.
Damit sich das alles verwirklicht, ist das mühsame Arbeit für beide Seiten. Das geht nur mit einem tiefgreifenden Umbau. Für das Heilige, muss Gott das Unvollkommene auf den Kopf stellen. Das Unheilige des Menschen, verträgt sich nicht mit seiner Herrlichkeit. Er braucht dazu den Schreck, dass der Mensch oft ein Geisterfahrer auf der Straße des Lebens ist. Gotteserkenntnis und das umgeformt werden in diese neue Welt, wird unter Schmerzen geboren.
Gut ist schon klasse, doch

2. Schlimmer ist besser

Wir danken Gott auch für die Leiden, die wir wegen unseres Glaubens auf uns nehmen müssen. Denn Leid macht geduldig,  Geduld aber vertieft und festigt unseren Glauben, und das wiederum gibt uns Hoffnung. 
Danken für Leiden? Welch ein Irrsinn. Wir danken für das Gute, für Geschenke, für das was uns aufbaut und voranbringt. Wir danken Gott für sein Heil und sein Erlösungswerk, für das, dass er uns für seine heiligen Räume vorgesehen hat. Und jetzt danken für das Schlechte, für das was kaputt  macht, für die Ausgeburt des Bösen, die sich an uns austobt? Danken für das Elend, für das Missverstehen, für unerträgliche Schmerzen, die unseren Glauben durchschütteln, und unser Gebet verstocken lassen?
Glauben muss leiden, sagt Paulus. Nicht, das kann unter Umständen auch einmal vorkommen, nein, Glauben und Leiden gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Wer glaubt, kommt nicht um Leiden herum. Leid ist die Trauer einer von Gott abgefallenen Schöpfung. Es ist das ausgeliefert sein an das sündige Menschsein. Es ist das Aufleiden, wie Rilke es ausdrückt, des Unfalls im Garten Eden. Leiden ist das große Los des Unvollkommenen. Leiden isoliert betrachtet, wäre der Untergang des Guten. Leiden im Angesicht Gottes betrachtet, nährt die Hoffnung und baut das Gute. Leiden stellt zuerst unter Gott. Es führt den Menschen an seine Grenze und verschafft Gott einen größeren Handlungsspielraum. Leiden führt direkt zum 1. Gebot.
Das Leiden ist eine Leistung, eine Aufgabe, die es zu bearbeiten gilt. Im Leiden lernen wir, dem Leben keine Fragen zu stellen, sondern mit unserem Leben zu antworten. Gott will unsere Antwort, und ringt im Ausnahmezustand unseres Lebens um unser ja.
Viktor Frankl schreibt aus seinem KZ-Erleben: „Wir lehnten es ab, das Leid zu verharmlosen oder zu verniedlichen und uns darüber hinwegzutäuschen etwa durch billigen verkrampften Optimismus. Für uns war das Leiden zu einer Aufgabe geworden, die wir nicht mehr als sinnlos betrachten wollten. Tränen bürgten dafür, dass einer den größten Mut hatte: den Mut zum Leiden.“
Diesen Mut hatte Christus. Sein Leiden hatte den Sinn, eine ganze Welt von Schuld zu befreien. Reich Gottes wird in die gottlose Welt hineingelitten. Leiden ist nicht nur menschlich, sondern christlich, sogar göttlich. Leiden ist die Fruchtblase aus der neues Leben geboren wird. Wer Leiden als Leistung, als Aufgabe erkennt, wird darin nicht zerstört, sondern darunter ausreifen und in ein verändertes Dasein hineinwachsen. Wo sich Menschen dem Leiden stellen, gedeihen die Geistesgaben, von denen Paulus an anderer Stelle spricht. Leid macht geduldig, vertieft und festigt den Glauben und gibt Hoffnung. Die eigentliche Tragfähigkeit im Leben geschieht nicht durch die Geschenke, die wie Öl an uns herunterlaufen, sondern durch Lasten, die unsere Stabilität erhöhen.
Wer sich gegen Leiden wehrt, verabscheut das Kreuz Christi. Wer nur einen Halleluja Christus will, ist ein Flachwurzler, den es bei jedem Windhauch umhaut, der nicht für die Ewigkeit geschaffen ist. Er untergräbt seinen eigenen Tiefgang und die Ausreifung zur Herrlichkeit. Leid ist eine Wunderwaffe im Reich Gottes, die die eigentlichen Voraussetzungen für einen gefestigten Glauben und eine atemberaubende Hoffnung legt.
Darum ist Schlimmes so gut, weil es das Beste für uns vorhat.

3. Unmenschliche Reife

Und diese Hoffnung geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“
Ohne Leiden wäre der Mensch hoffnungslos. Vieles ist dadurch sinnlos und leer, weil wir voll sind. Es findet keine Verformung zu einem Gefäß statt, das er mit Liebe füllen kann. Wo diese Lebensprozesse ausfallen, oder Menschen unter dem Leid eine Opferrolle einnehmen, ist der Zerbruch vorprogrammiert. Das Leid schickt den Menschen nicht in die Wüste, sondern in das Heilige Land. Der Luftleere Raum, die Perspektivlosigkeit, das mürbe und ausgelaugte, will er ausfüllen mit seinem Geist. Durch den Kreuzweg will er seine Christus-Stationen in uns aufbauen. Es reicht nicht, alles über die Erlösung von Christus zu wissen, und Gott dankbar zu sein, für all das großartige, das er schafft uns mit uns vorhat, er will Reich Gottes in mir. Gott ist kein Unterhalter, dem alle zuschauen, was er für tolle Sachen macht, und darüber in Verzückung geraten, das ist nicht Kirche und Gemeinde, sondern dort wo Gott im Schmerz sich im Einzelnen vergegenwärtigt. Leiden ist die Platzreservierung des Heiligen Geistes in mir. Unter den Lasten buchstabiert sich der Christus in die Nacht unserer Tage.
Genau durch diese scheinbar kontraproduktive Praxis breitet sich in uns ein Kraftfeld aus, das wir aus uns nicht generieren können. Es erschließt sich ein heiliges Reservoir, für den, der Gott nichts mehr zu bringen hat. In uns reifen Gaben heran, die wir uns niemals antrainieren können. Unser Leben gewinnt eine Qualität, an der sichtbar wird, dass hier eine andere Welt wirkt. Diese hoffnungsvolle Ausstrahlung kann nur ein Leben zum Ausdruck bringen, das ein Ja zu einem heiligen Schmerz findet. Leid ist nicht schlecht, sondern die wichtigste Nahrung, dass Gottes Geheimnis in uns reift. Schmerzen müssen sein, damit ein Raum entsteht, den Gott mit Liebe füllen kann.
Kann man sich da noch ein nur gesundes, harmonisches Leben wünschen, wenn wir gerade unter Lasten hoffen und glauben lernen?