Sommerfest

Jes. 62, 8-10 

Bratwurst, Bier und Blasmusik, als Zudröhnung des Alltagsfrust. Wein, Weib und Gesang tröstet für das, was einem das echte Leben raubt. Fest, weil das Leben Freitagabend ab 18 Uhr, besser zu ertragen ist, als die Woche davor. Da ist ständig etwas, was vom Eigentlichen abschneidet und aushungern lässt. Man schuftet wie ein Wilder und am Ende steht man mit leeren Händen da. Wie bitter ist das denn, wenn man sich unermüdlich in seiner Gemeinde und Bruderschaft einsetzt und es wird weniger statt mehr? Wenn sich bei einem selbst nicht viel bewegt, hilft vielleicht der straffe Zug einer Posaune, damit ein bisschen Leben in die Stube kommt.

Jesaja hat mit den Entzugserscheinungen des Gottesvolkes zu kämpfen.

1. Da haut einer auf die Pauke

Der HERR hat geschworen bei seiner Rechten und bei seinem starken Arm: Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, mit dem du so viel Arbeit hattest, die Fremden trinken lassen, …

Gott stößt zum Gegenzug ins Horn. Seinen Berufenen zeigt er die Faust. Jedoch gilt die Drohung nicht ihnen selbst, sondern denen die die Grundwerte des Lebens bedrohen. Der starke Arm sagt nein zum Mundraub am Leben. Mit dem, mit dem Gott das Leben erhalten und bereichern will, mit der Frucht seines Segens, soll kein Raubbau am Leben mehr getrieben werden. Mit seiner Rechten verteidigt er die Fruchtbarkeit alles Geschaffenen. Nichts und niemand kann mehr Segen verhindern. Wer erwählt ist, kann sich dem Segen nicht entziehen. Gott verbürgt sich für die Existenz des Glaubenden. Er schwört sich, dass Brot und Wein alles Leben erhält. An diese Selbstverpflichtung knüpft er die Berufenen.

Dieses kleine Heiligtum einer Ähre und Traube, wird zum größten Vermächtnis. Die Seinen erben sattes Leben und sind völlig versorgt. Der starke Arm ist der Trommelwirbel gegen leeres Korn und vertrocknete Beeren. Aller Unfruchtbarkeit wird der Marsch geblasen. Aller Anfechtung wird der Taktstock gesetzt. Die beschworene Rechte, garantiert die Ernte, auch bei überschwemmtem Kornfeld, sie verspricht Wein, auch bei größten Erdrutsch. Mit seinem starken Arm zieht er einen dicken Strich, gegen alles, was dem Leben den Gar ausmachen will.

Wenn er auf die Pauke haut…

2. Da verschlägt es anderen die Sprache.

Ich will dein Getreide nicht mehr deinen Feinden zu essen geben noch deinen Wein, die Fremden trinken lassen, 

Das Allerheiligste ist angefochten. Da löckt ständig einer gegen die Berufenen und will ihnen den letzten Nerv rauben. Nachfolge lohnt sich nicht, weil von der Ernte eh nichts übrig bleibt. Glaube ist am Boden der Realität angekommen, wo es doch nichts Großes zu erwarten gilt. Frommsein ist so schrecklich normal, so furchtbar ermüdend, dass man an die Grenzen kommt und glaubt: da draußen ist alles besser.

Wo die Wegfresser mit am Tisch sitzen, fängt die Not an zu vergleichen. Wo Menschen anfangen zu vergleichen, begeben sie sich auf Glatteis. Sie verlassen die eigene Grundlage und schielen auf das, was andere haben. Das Eigene erscheint zu wenig, das andere kommt einem mehr vor. Hier beginnt die Negativspirale des Glaubens. Man glaubt, das Brot und der Wein des anderen schmecken besser. Man steht auf dem eigenen Acker und denkt nur noch: „sollte Gott gesagt haben?“ Im Vergleichen, trennt man sich von dem Segen, der ihm eigentlich zugedacht ist. Man sieht nur noch Steine im Weg und verschlossene Türen. Glaube kann völlig an den Rand kommen, dass alles da ist und trotzdem keine Perspektive vor Augen steht. Da kann durch die Berufung ein großartiger Auftrag entstanden sein, mit Räumen und Einrichtungen vom Feinsten, da ist ein Feld vorbereitet für eine große Ernte und dennoch sind die Glaubenden darin ohne Hoffnung.

Genau darin steht Gottes ich will. Ich will unter der Frucht meines Ackers, allem Unmut, allem Unglauben, allem Vergleichen die Sprache verschlagen. Gerade dort, wo sich der Einsatz scheinbar nicht lohnt, die Ernte auf dem Spiel steht, wo es andere besser haben, will ich genau mit diesem Brot und diesem Wein das Leben durchsetzen.

Die Frucht der menschlichen Arbeit soll zur Eucharistie, zur Danksagung werden. Mit Christus will er allem Ungeist und Trostlosigkeit die Sprache verschlagen. Brot und Wein ist die die Trotz-Mahlzeit. Eucharistie ist der Widerspruch zum Frust.

Wo wir Brot und Wein, wo wir der Gabe Christi, eine zu geringe Bedeutung beimessen, haben wir nichts mehr in uns, was der Anfechtung die Sprache verschlagen kann.

3. Festzelt als Kathedrale

9 die es einsammeln, sollen’s auch essen und den HERRN rühmen, und die ihn einbringen, sollen ihn trinken in den Vorhöfen meines Heiligtums. 10 Gehet ein, gehet ein durch die Tore! Bereitet dem Volk den Weg! Machet Bahn, machet Bahn, räumt die Steine hinweg! Richtet ein Zeichen auf für die Völker!

Essen, trinken und rühmen heißt das Motto zum Fest im Vorhof. Unser ganzes irdisches Dasein ist nicht nur ackern und rackern, sondern ein Durchbruch zum Essen, Trinken und Rühmen. Der Vorhof des Tempels ist nicht nur ein frommes Vorgärtchen, das etwas vom Allerheiligsten erahnen lässt, sondern hatte schon die Unmittelbarkeit der Realpräsenz Gottes. Der Ort, an dem ein Mensch lebendig wird. Der Vorhof ist Tuchfühlung mit Christus. Das Allerheiligste strahlt, verformt und verwandelt somit das irdische Leben. Das Essen von Leib und Blut Christi, heiligt die gefallene Schöpfung. In der Eucharistie ernährt Christus die wunde Welt. Brot und Wein lässt das schlafende und geschlagene Leben auferstehen. Eucharistie wandelt Frust zum Fest.

Damit sitzen wir mitten in aller Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit am festlich gedeckten Tisch. Wer Brot und Wein zu essen bekommt, hat nichts mehr zu jammern. Mit Essen, Trinken und Rühmen beginnt ein Fest der Überwindung. Da lebt Glaube gegen allen Unglauben.

Diese Verwandlungskräfte haben eine gewaltige Wirkung. Im Vorhof liegt der Antrieb für alle Durststrecken. Da wird ein Frustgeprägter zum Segensträger. Die Art und Weise, wie wir mit Krisen und Schwierigkeiten umgehen, verrät, durch welche Türen wir gegangen sind. Unser alltägliches Leben ist die Visitenkarte darüber, ob wir im Vorhof des Heiligtums zuhause sind. Wo wir nur auf die Probleme sehen, haben wir nicht Brot und Wein auf dem Tisch. Da kann nichts lebendig werden, sondern nur beschwerlich, müde und hoffnungslos. Das was wir zu uns nehmen, zeigt wovon wir leben. Jemand, der nur die Last der vielen Arbeit vor Augen hat, verliert die Zukunftsperspektive. Wer durch die Türe des Vorhofs geht, hat Fest, hat Hoffnung und hat Perspektive. Er fängt an, das Leben in die Hand zu nehmen, macht Bahn und räumt Steine aus dem Weg.  Er beginnt, allem Widerstand zum Trotz, Lebens-Zeichen aufzurichten.

Das ist der heilige Auftrag der Glaubenden, dem Fest Bahn zu machen. Im Vorhof fallen alle Ausreden, dass das Leben so beschwerlich, die Umstände zu hart, die Widerstände zu groß, der Sommer zu heiß ist. Da kennen Menschen das Gegenrezept zu aller Ungerechtigkeit, zu aller Bitterkeit, zu allem Frust. Mit dieser Mahlzeit haben wir alles in der Hand, die größten Hindernisse und Anfechtungen zu überwinden. Niemand hat mehr einen Grund, irgendwelchen Mangel auf widrige Umstände zu schieben. Es liegt an uns, ob wir essen, trinken und rühmen. Wir haben alles, um mit Stress und Druck entspannt umzugehen. Im Vorhof wird das Festzelt zur Kathedrale.

Muss das nicht ein gewaltiges Sommerfest sein?

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Guten Appetit 

Gaube hat etwas von einem 5 Sterne Menu.
„Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn traut!“

Ps. 34, 9
Gott ist zum Verkosten. Glauben hat mit Essen zu tun. Gottes Güte erfährt man bei der Nahrungsaufnahme. 
Beim Schmecken zergeht uns etwas im Mund, das in uns eingeht und uns im Stoffwechsel zu Kraft und Energie wird. Christus sagt: Ich bin das lebendige Brot. Nahrung ist nicht nur ein Beispiel für den Glauben; im Glauben nehmen wir Christus auf, der satt macht. Im Schmecken liegt ein Genußfaktor. Wir genießen und schlemmen den Christus. Das hat etwas von Lieblingsessen. Wir werden an Leib und Seele satt. Wir befriedigen den Hunger, der Zeichen dafür ist, dass wir nicht aus uns selbst leben.

Lebensenergie kommt nicht aus uns selbst.
Ohne Nahrung hungern wir und der Hunger wehrt sich gegen das Sterben. Wir sind auf nicht in uns liegende Lebensmittel angewiesen. Es müssen sogar Tiere und Früchte sterben, damit wir leben können. Selbst ein Apfel hat in sich die Bestimmung auf den Boden zu fallen um sich dort zu vermehren. Alles, was wir zu uns nehmen muss sterben, dass es uns zum Leben wird.
Wo Christus zum Brot wird, muss er sterben, dass wir nie mehr hungern. Das ewige Leben wird aus diesem Tod geboren. Wo wir den Herrn schmecken, sättigen wir unseren Lebenshunger. Glauben heißt, in der Eucharistie leben. Daraus entfaltet sich das Leben Gottes in dieser Welt. Glauben ist Nahrungsaufnahme ist Brotverzehr. Im Brot essen verstoffwechselt sich Christus in uns, zu einem geheiligten Leben in Gott. Daraus wachsen die Früchte der Barmherzigkeit und Freundlichkeit. 
Gott ist beileibe kein Kostverächter und verachtet gutes Essen für den Leib. Im Gegenteil sollen wir alles was uns auf den Tisch kommt, genüsslich verzehren, weil ihm an unserem Wohlergehen liegt. Er will jedoch noch mehr, als nur den irdischen Hunger stillen, er will uns mit dem Brot des Lebens satt machen. Unser Glaube ist weit mehr, als unser Bio-Rythmus. Der Glaube pflanzt die Freundlichkeiten Gottes unter die Menschen.
Wollen wir uns da nicht dieses Brot reichlich schmecken lassen? 

Vom Ernährungsberater empfohlen

Joh. 6, 30-35

30 »Wenn wir an dich glauben sollen«, wandten sie ein, »musst du uns schon beweisen, dass du im Auftrag Gottes handelst! Kannst du nicht ein Wunder tun? Vielleicht so eines wie damals, als unsere Vorfahren in der Wüste jeden Tag Manna aßen? ….
»Ich bin das Brot des Lebens«, sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben. 

 

Wer gesund leben will, muss sich unter anderem mit seinem Essen auseinandersetzen. Manch einer sagt: Die Gesundheit liegt im Darm. Also dort, wo mein gutes Essen in Einzelteile zerlegt wird. Wir müssen einfach alles einmal vom Darm aus andenken.  „Darm mit Charme“, heißt es heutzutage. Das schwarze Schaf unter den Organen, das einem doch bisher eher unangenehm war. Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einem gestörten Gleichgewicht der Darmflora zusammen. Das heißt umgekehrt: Wenn wir uns in unserem Körper wohl fühlen und glücklicher werden wollen, müssen wir unseren Darm pflegen. Das legen die neusten Forschungen nahe.

Unser heutiger Text will sich mit den Essgewohnheiten der Glaubenden beschäftigen.

 

  • Weil´s besser schmeckt

 

Die Bibel spricht immer wieder lebensfroh von Essen und Trinken. Jesus wird im Gegensatz zu dem asketisch lebenden Täufer, sogar Fresser und Weinsäufer geschimpft (Matth. 11.19). Sicher nicht, weil er ein üppiges Leben führte, doch aber weil er die Gaben seines Vaters lebensfroh genossen hatte. Das alttestamentliche Gottesvolk freut sich über das „Fette Mahl“ und Jesus spricht im Gleichnis vom verlorenen Sohn, von einem großen Fest mit geschlachteten Ochsen und Mastvieh. Wir brauchen Brot. Paulus bekennt in großer Freiheit, ich kann beides, satt sein und hungern, weil mich nichts von der Liebe Gottes trennen kann. Er ist dennoch weit davon entfernt, die Fragen unserer leiblichen Existenz herunterzuspielen. Menschen auf dieser Welt verhungern lassen und sie auf den Himmel zu vertrösten, dafür kann man sich nicht auf Christus berufen.

Hunger ist, wenn es uns weh tut, wenn etwas mangelt und auf den Tod hinweist. Wir haben das Leben nicht in uns, so dass wir es selbst produzieren können. Wir brauchen Nachschub und den Darm, der diesen in Energie umsetzt. Wir leben aus fremdem Leben. Nicht nur wenn wir unser Schnitzel genießen, sondern auch bei den Früchten. Wir entziehen sie bei unserem Verzehr ihrer Bestimmung, zu reifen und sich zu vermehren. Damit wir leben können, muss anderes sterben. Wenn wir essen, ziehen wir etwas nicht Menschliches in unseren Stoffwechsel ein. Alles, was lebt, muss sterben, früher oder später. Wir brauchen das Brot, um nachfolgendes Leben fortzusetzen. Mit dem Brot des heutigen Tages, gibt der Schöpfer einen weiteren Tag unseres Lebens dazu.

Schmerz und Hunger sind alarmierende Signale, dass im Körper irgendetwas nicht richtig funktioniert. Sie erinnern uns daran, dass wir unsere Lebendigkeit nicht aus uns selbst haben und erst recht nicht produzieren können. Der Hunger demonstriert, dass wir von etwas abhängig sind, dass wir etwas anderes brauchen, dass wir immer auf Kosten von anderen leben. Gottes ja zum Leben zeigt sich daran, dass er durch Sterben, Leben erhält. Leben ist die feierliche Schwingung von Geben und Nehmen. Gottfried Voigt sagt in einer Ethikvorlesung: „Einem Christen schmeckt es besser als anderen Menschen.“ Er kann genießen, weil er diese Zusammenhänge versteht.

Wir brauchen das natürliche Brot.

 

  • Üppig vegetieren

 

Menschen richten ihr Leben „artgerecht“ ein. So wie zum Vogel der Nestbau gehört, gehört zum Menschen Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung. Viele leben nur für diese Brotfrage, zur Sicherung ihrer Existenz. Weil Jesus dem Volk in der Brotvermehrung Nahrung verschafft hat, wollten sie ihn zum König machen. Selbst für Glaubensmenschen ist es schwer zu begreifen, dass Jesus viel mehr will, als nur Wunder vollbringen und die Menschen mit dem alltäglichen zu versorgen. Es wird richtig zäh, als er klar machen will, dass nach diesem Brot wieder der Hunger einsetzt.

Ihm geht es um ein Essen das vorhält und den Hunger dauerhaft stillt. Er will nicht nur sattes organisches Leben, er will pralles nie endendes Leben. Wo die Menschen ihr gesichertes Einkommen haben, schickes Haus mit Garten, einen reichlich gedeckten Tisch, haben sie ausgesorgt. Wenn die Schulden weg sind und die Lager voll, können wir entspannt in die Zukunft gehen. Jesus sagt: auch wenn alles gut geregelt ist, die Dinge des täglichen Lebens unser Dasein erleichtern, verschönen, glücklich und reich machen, ist das nicht alles. Der wahre Wohlstand ist für Jesus, das Leben, das ewig ist. Dort wo Leben aus dem Tod überwunden ist, und die Gesetzmäßigkeit des Hungers aufgelöst ist. Auch wenn man alles erreicht, was erstrebenswert scheint, kann man das typisch Menschliche verfehlen. Man kann üppig vegetieren, ohne wirklich zu leben.

Richtig lebendig werden wir dort, wo wir zum Person sein erwachen. Dort wo wir zum verantwortlichen Ich gegenüber dem Du werden. Leben entfaltet sich, wo wir das Dasein in seinen Chancen und Aufgaben begreifen und ergreifen. Glaubende wirken die Werke Gottes. Das ist weit mehr als Selbsterhaltung und Daseinsbefriedigung. Leben ist die Antwort auf die Anrede Gottes. Gemeinschaft mit Gott, macht menschlich. Weil Gott uns gefunden hat, sind wir befreit von dem nur Natürlichen. (Leben, um zu essen, essen, um zu leben)

Etwas davon haben die Leute in Kapernaum begriffen. Leben kommt nicht aus der Welt, sondern aus dem Brot vom Himmel. Ihr Hunger verlangt mehr als das irdische Brot. Und trotzdem liegt ihnen am Brot. Sie suchen die besondere Gabe Gottes, die unablässig satt macht. Sie suchen das immerwährende Manna das vom Himmel fällt. Sie konzentrieren sich voll auf das „mehr als Brot“ und merken nicht, dass es um das Brot selbst geht.

Jesus selbst ist diese Gabe vom Himmel. Das Mannawunder, das sie von ihm erwarten, ereignet sich gerade in dem Christus, der vor ihnen steht.

 

  • Mehr als essen

 

35 »Ich bin das Brot des Lebens«, sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben.  

Ihr wollt Brot, ihr wollt, dass ich euch etwas gebe, ihr wollt mich zum Wundertäter degradieren?  Ich bin das Brot. Ich gebe euch kein Brot, ich bin es, sagt Jesus.

Hier kommt ein gewaltiger Knick in das fromme Ernährungsverständnis. Das „mehr als Brot“, ist keine weitere Produktveredelung, keine Steigerung des bisher servierten, es ist eine Beziehung. Lebenshunger wird in einer lebendigen Begegnung mit Christus gestillt. Hier wird kein weiteres neues Lebensmittel auf den Markt geworfen, mit dem man an diesem anderen, christlichen Leben Anteil hat, sondern Christus selbst ist dieses Lebensmittel. Ich bin das Brot, ist gleichbedeutend mit, ich bin der Weg, ich bin die Auferstehung und das Leben. Christus bringt hier nichts, er ist es.

Wie das Brot unentbehrlich für den Leib ist, ist Christus unentbehrlich für das Leben im Glauben.  Jesus ist nicht nur eine große oder kleine Bereicherung für ein frommes Leben, das man sich dazu buchen kann, wenn man das will. Wenn er Brot ist, ist er das bedingungslos. Mein Auto fährt nur mit Super 98 und nicht mit Rapsöl oder Kuhmilch. Auch wenn alle Kreaturen auf dieser Erde dadurch bestehen, dass Gottes Schöpferwort über ihnen ausgesprochen ist, besteht der Mensch nicht nur aus dem Wort, das über ihn, sondern an ihn ergangen ist. Christus will in uns eingehen, dass wir die Gemeinschaft mit Gott nicht verfehlen.

Wir haben Leben nicht aus uns selbst, wir empfangen es. Leben als Eucharistie. Wo der gekreuzigte Christus in uns verstoffwechselt wird, feiert der Glaube seine Auferstehung. Wir leben aus fremdem Leben; wir leben aus diesem Tod, der uns lebendig macht.

Voigt: Gäbe der vom Himmel Gekommene sich nicht in unser gegen Gott verschlossenes Leben hinein, dann blieben wir in der Tat von der Quelle des Lebens abgeschnitten. Wenn alle unsere Wünsche in Erfüllung gingen, und Christus mit seinem Wort nicht in uns einginge, wäre der Hunger nach dem echten Leben unstillbar. Christus will auch nicht allein das Gespräch mit ihm, er will in uns ein- und in uns aufgehen. Wir verschlingen ihn, um dienen zu können. Wir werden selbst zur Gottes-Gabe für die Menschen.

Bei solch einer Ernährung beginnt das ewige Leben schon jetzt.

Genießen ist Lob

Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er auf´s Eis zum Tanzen.
„Wenn du isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den Herrn vergisst.“

5. Mose 6, 11-12
Hüte dich heißt: Schütze dich vor deiner eigenen Dummheit. Menschen haben ein großes Problem, sie vergessen, wenn sie satt sind. Der Esel vergisst die Verhältnisse in denen er lebt und wird übermütig. Manch einer hat sich in einer schweren Krankheit geschworen: Wenn ich hier davon komme, wenn ich das überlebe, wenn ich wieder gesund werde, gehört mein Leben Gott. Als er gesund war, hat er dann sein Versprechen schnell wieder vergessen. 
Doch nicht nur die Not soll uns beten lehren, sondern erst recht wenn wir satt sind, wenn der Segen fließt. Hinter dem Satt werden, steht nicht der Zufall, sondern der, der uns alles zufallen lässt. Jeder gedeckte Tisch, jedes delikate Essen, jeder vollmundig, fruchtige Spätburgunder ist die Frucht der menschlichen Arbeit und des Segens von Gott. Segen ist immer ein Zusammenspiel Schöpfer und Geschöpf. Wir können vieles tun, wir können uns anstrengen und uns Mühe geben, jedoch der Erfolg ist dadurch noch nicht garantiert. Wenn nicht Gott das Gelingen schenkt, können wir uns noch so sehr abstrampeln. Satt werden ist zutiefst im Segen verankert. Satt werden ist eine Gottes Gabe. Daher musste die sozialistische These in die Hose gehen: „Ohne Gott und Sonnenschein, bringen wir die Ernte ein.“  Das war nur dumm, das war vergessen, das war vermessen. 
Jesus Christus selbst knüpft das satt werden im Reich Gottes an Brot und Wein. Gott ist der Vollversorger. Aus ihm fließt alles, was den Menschen satt macht. Satt ist Segen. Im Satt werden hat Gott seine Kammern aufgerissen. Daher ist jeder Bissen Brot und jeder Schluck kaltes Wasser, Lobpreis uns Gottesdienst. Essen und genießen ist eine heilige Handlung in Dankbarkeit. Satt werden ist Anbetung.
Warum sollten wir da nicht aufpassen, dass wir das nie vergessen?

Wohlwollen schmeckt klasse

bei Gott ist mehr als an alles gedacht.

„Aller Augen warten auf dich, und du gibst ihnen ihre Speise zur rechten Zeit. Du tust deine Hand auf und sättigst alles, was lebt, nach deinem Wohlgefallen.“
Ps. 145, 15-16

Gott macht satt. D.h. es ist immer mehr als genug da. Wir erleben hier Gott, von seiner ganz sozialen Seite. Wo er Leben gibt, lässt er es nicht umkommen. Gottes Wohl umfasst den ganzen Menschen, nicht nur seine geistig, geistliche, fromme Seite. Er versorgt Leib, Seele und Geist. Er hat Freude an gutem und reichlichen Essen. Die Bibel wehrt sich gegen alle Unterernährung, gegen allen fast food, gegen alle Geschmacklosigkeit und Leibfeindlichkeit. Wo Gott sättigt, sind die Tische reich gedeckt. Wo Menschen hungern, ist das kein Problem von Gott, sondern von sozialen und politischen Gefügen, von Menschen, die mit diesem „genug für alle “ unsauber umgehen.

Auch wo wir Menschen das Evangelium bringen, geht das nur, wenn ihnen nicht der Magen knurrt. Bei uns in der Bruderschaft gibt es den Grundsatz: Kurze Andacht, lange Wurst.
Es ist schrecklich, die Menschen fromm zuzutexten, wo sie vor dem gedeckten Tisch sitzen. Wir können niemals sagen, das die ‚himmlische‘ Speise mehr Wert ist, als die Irdische. Gottes Geist, will in einem gesättigten Körper wohnen.

Solange wir auf dieser Erde leben, liegt Gottes Bestreben in der Sättigung von Beidem;  dem Heil schaffen und der Versorgung des Leibes, was eben zu diesem Erden Dasein dazu gehört. Distanzieren wir uns von der Leibfeindlichkeit der alten Kirche. Freuen wir uns, wenn Gott seine Hand auftut und unseren Tisch reichlich deckt.

Wollen wir immer noch dieses grandiose Wohlwollen Gottes, mit Verachtung strafen und meinen es reicht eine Hühnerbrühe, wo Gott uns mit einem schmackhaften Menü Freude machen will?