Wir werden träumen

Mitten im Tagesgeschehen, soll jeder einen Glanz von Ostern sehen.

„Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.“
Ps. 126, 1

In der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel wird dieser Traum an den Horizont gemalt. Die untröstlichen Jünger, erfuhren als erstes durch Maria Magdalena von dem auferstandenen Christus. Wo die Gefangenen erlöst werden, geschieht ein unvorstellbarer Durchbruch. Erlösen steht für einen radikalen Wandel, für einen Traumwandel, für etwas Unwirkliches, das sich nur im Traum abspielt. Es ist zu schön um wahr zu sein. Doch diese Verheißung liegt auf Christus. Egal ob gefangen oder weinend und trauernd, dieser Zustand verändert sich durch den Auferstandenen. Da verwandelt eine junge Bruderschaft vor knapp fünfzig Jahren, einen Auffüllplatz und Tierfriedhof zu einem 3 ha großen Garten Eden und Garten der Stille. Junge Leute, mit noch nicht mal zwanzig Jahren, haben mit Nichts begonnen, nur mit ein paar Spaten und Schubkarren, um zwei stattliche Parkanlagen zu schaffen und danach ein Sakral- und Seniorenzentrum ins Leben zu rufen, das heute in der Region einen legendären Ruf hat. …wir werden sein wie die Träumenden. Wenn wir betrachten, wer wir waren, einfache, unstudierte Leute, die meist aus handwerklichen Berufen kamen und lediglich eine Berufung in der Tasche hatten, und jetzt können wir den Traum nicht fassen, der da entstanden ist.

Damit sich Träume verwirklichen, kommt es weder auf die äußeren Umstände an, noch auf die Qualifikation die der Einzelne mit bringt. Es ist die Erlösungskraft des Auferstandenen. Darin liegt das ganze Entwicklungspotenzial eines Lebens. Wir werden dabei immer die Staunenden und Verwunderten bleiben. Wir sind herausgelöst, um den Umständen zu trotzen. Mit dem Auferstandenen brechen neue Maßstäbe an. Da spielt die Situation in der wir uns befinden keine bestimmende Rolle. Da ist immer mehr möglich als die Umstände zulassen. Die Bruderschaft, die dann inzwischen in die Jahre gekommen und in den Lasten des Alters gefangen ist, kann darin ihre Erlösung erfahren, dass das Leben immer noch ein Traum ist. Die Auferstehungskraft bleibt mächtig, auch wenn die Berufenen schwächer werden. Das ist gerade das Spannende, wenn scheinbar nichts mehr geht, die Zukunft wie ein Fragezeichen vor einem steht, ein Träumender zu bleiben, und den Glanz von Ostern in seinen gefangenen Tagen aufleuchten zu lassen.

Glauben wir dieser Verheißung, als solche, die wie die Träumenden sein werden?

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Jubeln in Verzweiflung

Wer glaubt, kann in Verzweiflung jubeln.

„Du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.“
PS. 63, 8

Frohlocken ist das Hochgefühl guter Tage. Festfreude, die voll Dankbarkeit überquillt. Ausnahmezustand, der glückseligen Ausgelassenheit. Die Unbeschwertheit spielender Kinder, der Siegestaumel großer Athleten. Frohlocken beschreibt den Zustand der Glaubenden. Da können wir uns nur fragen, wieviel Tage im Jahr sind wir in solch einer jauchzenden Verfassung? Wie sehr lähmt der tägliche Schmerz, die jubelnde Heiterkeit?

Den unvergesslichsten Ostermorgen, den wir als Bruderschaft erlebten, war beim Osterfeuer in der abgebrannten Hauskapelle. Mit dem Licht der Osterkerze, zogen wir aus dem Tiefkreuzgang, der nach dem Brand mit als erstes wieder in Takt war, in die Ruine der Hauskapelle, in der wir unter freiem Himmel und verkohlten Gemäuern das Osterfeuer entzündeten. Kontraste, die man sich kaum extremer vorstellen kann. Da gaben sich die Hoffnung und die Verzweiflung die Hand. Wir feierten die Auferstehung, mitten im abgebrannten Zuhause. Dort wo das Feuer der Zerstörung, noch vor kurzer Zeit das Herzstück der Gemeinschaft niederbrannte, entzündeten wir das Feuer der Auferstehungshoffnung. Wo wir in Gott sind, können wir in der Verzweiflung jubeln. Da verwandelt sich Not in Hilfe. Da kann der Schreck frohlocken.

Das ist dann kein krampfhaftes, gequältes oder gezwungenes Jauchzen, das ist ein befreites Jubilieren des Leidenden. Da bleibt der Schutt, da bleibt die mühevolle Aufbauarbeit, die einer sowieso ausgelasteten Gemeinschaft bevorsteht, doch in die Belastung kommt eine zuversichtliche Unbeschwertheit. Wo Gott mein Helfer ist, tröstet Christus in der Verzweiflung. Da werden Freud und Leid Geschwister. Wo Gott mein Helfer ist, gibt es keine Katastrophe, in der nicht das Osterfeuer entzündet wird. Da übernimmt die Hoffnung die Herrschaft über Schutt und Asche. Der Schatten deiner Flügel, nimmt dem Schmerz den bitteren Geschmack. Die Ruine ist mit Adlerschwingen bedeckt, unter denen die Kinder jubilieren können.

Unter welchen Flügeln finden wir unsere Zuflucht, wenn unser Haus abbrennt? Was macht uns gelassen, dass wir wieder jubilieren können?

Wir können wieder blühen

Wach auf mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen. (Lorenz Lorenzen)

„Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst: Gesegnet bist du in der Stadt, und gesegnet bist du auf dem Feld.“
5.Mose 28, 2-3

DaChristus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Das ist der Ruf, der von Christus ausgeht, der spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig. Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Das ist die Stimme, die an Ostern durch Stadt und Feld tönt. Damit wird alle Nacht übertönt und es bricht ein Morgen an, der von seiner Leuchtkraft einzigartig ist. Wenn du auf die Gewalt dieser Stimme hörst, dann beben die Grabsteine und die Erde zittert. Ab heute tritt ein neues Gesetz in Kraft. Die Stimme des Herr verkündet die Auferstehung. Das ist noch viel mehr als der Umbruch vom Winter zum Frühjahr, wo jetzt aus toten, vertrockneten, matten und unscheinbaren Zwiebeln, farbenfrohe Narzissen, Tulpen, Hyazinthen und Blausternchen sprießen. Vor ein paar Wochen brauchte man noch viel Phantasie, um an dieses Blühen zu glauben. Aus der nassen kalten Erde, kommt fast schlagartig ein heiteres Hups, da bin ich! Es erinnert an Goethes Osterspaziergang: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche. Da zieht sich der Winter in kahle Berge zurück und die Menschen werden wieder bunter und beleben Straßen und Gassen. Mit der Ruf der Auferstehung, fließt Segen auf die dürren Wiesen und vertrockneten Schollen. Die Stimme des Herrn, ruft dieses Erwachen, diese neue Lebendigkeit übers Land. Das sind nicht nur Frühlingsgefühle, die die Schmetterlinge im Bauch aufwecken, das ist ein Glaubensauf- und umbruch. Da schmilzt das Wintergepräge, das standardmäßig das Genick einzieht und sich gegen den eisigen Wind in dicke Decken einmummelt. Auferstehung ist Frühling im Glauben. Da übernimmt die Sonne die Führung. Der Winter wird eingemottet.

Diese Stimme, diese Botschaft begegnet uns an Ostern. Wer diese Stimme hört, bricht innerhalb weniger Tage, von einem dürren Holz zu einem prall gefüllten, leuchtend gelben Forsythienzweig auf. Diese Stimme verwandelt unseren müden Alltag. Da bricht Ewigkeit in alles Sterben hinein. Wer diese Stimme hört und sich darauf einlässt, wird in Segen gehüllt. Da kommt in alles beschwerliche Mühen in Stadt und Feld ein dazu geschenktes Gelingen. Wer diese Stimme hört, und sich an ihr fest macht, sie ins Gedächtnis einbrennt, dass er sie nicht mehr vergisst, erlebt Kraftströme, die tote Äste und vertrocknete Zwiebeln zum Austreiben bringt. Sich dieser Stimme verschließen, belässt das dürre Holz in seinem jämmerlichen Zustand. Der frierende Mensch bleibt in seiner eisigen Genickstarre und kämpft gegen seine grauen kalten Tage. Hören bringt Segen.

Christus ist auferstanden! Kann das nicht viel Totes in uns zu neuem Leben erwecken?

Mit dem Zweiten sieht man besser

Mit dem richtigen Blick sehen wir auf dem zwanzig Euro Schein hohe gotische Fenster, mit feinem Maßwerk und Brücken, die die Völker Europas verbinden.

„Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen.“
Jer. 31, 8

Was Jeremia hier aufleuchten lässt, ist der weite, umfassende Blick des Glaubens. Es ist ein Spiegelbild für alles, was mit Reich Gottes zu tun hat. Die Menschen sind in ihren Tagen mit Lasten unterwegs und man sieht überhaupt nicht viel vom „lieben Gott.“ Auch das Volk Gottes sieht auf seinem Weg viel Jammer und Elend. Da ist oft so wenig von dem zu sehen, was die Erfüllung des Glaubens ausmacht. Da menschelt es eben wie überall. Da sieht man so wenig von dem Glauben, der Berge versetzt. Der Blick fällt auf Blinde und Lahme, auf die demente Mutter, die einen nicht mehr kennt, aber einfach nicht sterben kann. Leid ohne Ende, Zank zwischen Glaubensgeschwistern, und die Lasten der Arbeit, die nicht zu bewältigen sind. Wo lassen sich da die Erneuerungskräfte spüren, die uns verheißen sind? Den Blick, den Jeremia hier entwickelt, dass er in all dem Elend eine große Gemeinde sieht, die sich wieder versammelt, kommt nicht aus dem, was er wirklich vor Augen hat. Die große Gemeinde erkennt der, der die Gesamtzusammenhänge der Bibel versteht. Jeremia zeichnet hier eine Christus-Spur. Er bringt Passionswege mit dem Osterglauben zusammen. Die Augen des Glaubens sehen immer beides, das Kreuz und das leere Grab. Da beginnt das Sammeln der großen Gemeinde unter den widrigsten Umständen, genau dort, wo man eigentlich noch gar nichts davon sieht. Wege des Glaubens stehen immer im Zusammenhang mit der Vollendung. Von dem Christus-Wirken ist immer mehr da, als wir im Augenblick erkennen können. Es entsteht oft in größter Armseligkeit mehr Reich Gottes, als wir erahnen können. Vieles geschieht angefochten und verborgen, auch wenn man nichts davon sieht, ist Gottes Handeln nicht aufzuhalten.

Jesus sagt: Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder; sie sind schon reif zur Ernte, auch wenn es bis dahin noch vier Monate sind. Der Glaubende bekommt einen zweiten Blick. Mit dem zweiten sieht man besser! Es ist der Blick der Passion und Ostern zusammenbringt. Darin erkennt er die Notwendigkeit der Passion, auf dem Weg zur Herrlichkeit. Er erkennt bereits im März die Ernte des Juli. Der Glaube kann nicht das eine ohne das andere sehen. Er sieht die große Gemeinde auch dort wo die Kirchenbänke leerer werden. Da ist immer mehr Hoffnung da, als die Umstände zulassen. Diesen Blick entwickelt der Glaube, auch wenn es noch so menschelt. Dieser Blick sieht den zwanzig Euro Schein nicht nur von einer Seite.

Warum sollte bei solch einer Verheißung, unser Glaube nicht viel mehr sehen als nur das, was vor Augen ist?

Oster-Katastrophe

Matth. 28, 1-10

 

Oster-Katastrophe

Erdbeben und Tsunami sind die Schrecken der Menschheit. 1960 war das stärkste Beben in Chile, das je auf der Richter-Skala mit 9, 5 gemessen wurde. Schlagartig waren mehrere tausend, bis hunderttausende von Leben ausgelöscht. Am Ende des Dramas winselt die Hilflosigkeit gen Himmel.

Ostern, eine Naturkatastrophe der ganz anderen Art.

 

  • Katastrophaler Totenkult

 

1 Nach dem Sabbat kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Nach Karfreitag war die spektakuläre Jesus-Geschichte abgehakt. Die nahen Angehörigen beginnen mit ihrer Trauerarbeit. Das Grab ist nun der Begegnungsort mit dem Verstorbenen. Am Grab soll die gebrochene Seele Ruhe finden, und den tragischen Schmerz verarbeiten. Trauern ist der Weg zu einer neuen Beziehung, zu dem, der hinausgegangen ist. Zwei Frauen stellen sich dieser standesgemäßen Tradition. Es ist eben Schicksal, dass alles mit dem Tod endet. Alles Leben ist vergänglich und raubt auch allem Glauben die Hoffnung. Tot bleibt tot, da helfen keine schönen Worte. Das wird sogar staatlich besiegelt. Hüter des Todes stehen extra mit am Grab, das ja nichts Dummes passieren kann. Lebendige Todesscheine bestätigen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Doch Gott hält nichts von depressiven Dunstglocken und der Selbstbeweihräucherung des Elends.

 

  • Katastrophales Donnerwetter

 

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber fürchteten sich und erstarrten zu Tode.

Wo Gott zum Leben erweckt, fliegen die Grabsteine. Dieses große Erdbeben verschlingt nicht tausende von Menschen, es wirft den Erlöser in die Welt. Hier toben Naturgewalten, bei denen es drunter und drüber geht, dass gestandene Männer vor Schreck erstarren. Mutige und professionelle Krieger, für den Katastropheneinsatz ausgebildet, werden wie kleine Kinder beim Gewitter. Ein Erdbeben bei dem sich nicht die Gesteinsschichten im Boden verschieben, sondern ein Energieschub vom Himmel fällt. Gegen diesen Engel, der wie ein Blitz sich in die Erde bohrt, ist alles Sterben machtlos. Alle Gesetze, alle Erfahrungen dieser Welt lösen sich in Nichts auf, wenn sie von der schöpferischen Hand berührt werden. Das Leben, das von Gott kommt, kann weder Tod noch seine Wächter aufhalten. Mit der Auferstehung schreibt Gott Unvergängliches in vergängliche Naturgesetze. Gott bebt und donnert über allem, was der Mensch für endgültig erklärt.

Wo Ärzte sagen: Wir können ihnen nicht mehr helfen, sie sind austherapiert; sagt Gott Nein. Es ist kein gruseliger Horrorfilm, wo Tote aufstehen. Wo die Gewalt Gottes auf den Tod prallt, kann nur ein Christus auferstehen. Gottes Liebe braucht Golgatha um die Sünde der Welt los zu werden. Sie braucht den auferstandenen Christus, dass seine Liebe wieder zu den Menschen kommt. Der Auferstandene trennt von der Gottestrennung und somit vom Tod.

Wenn an Ostern die Erde bebt, ist das eine…

 

  •   Katastrophe zum Heil

 

der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. …

Mit Ostern beendet Christus das Unheil. Die Frauen wollten nach dem Grab sehen und treffen auf einen Engel und dann auf Christus. Ostern heißt: Christus sehen. Auf dem Weg zum Toten stehen sie vor dem Lebendigen. Sie erschrecken und ihre ganzen bisherigen Vorstellungen kommen ins Wanken. Sie trauten ihren Augen nicht und gingen vor Christus in die Knie. Die Christusbegegnung wird zu einem heilsamen Schock. Sie waren auf Totenehrung programmiert, und werden nun sehr lebendig gegrüßt. Als die Trauernden werden sie vom Leben getröstet. Das mehrmalige fürchtet euch nicht, ist der Trost des Heils über allem Unheil. Es ist der Ruf, dass die menschliche Katastrophe, eine unerwartete Wende gemacht hat. Die Sünde ist gestorben, es triumphiert das Leben.

Jeder Katastrophe ist seit Ostern das fürchte dich nicht entgegengerufen. Alle Erschütterungen des Lebens sind der Ort, am dem wir Christus begegnen. Mit der Auferstehung gibt es keinen Weltuntergang mehr, der uns erschrecken könnte. Wir werden immer von viel Elend umgeben sein, die das Kennzeichen einer gefallenen Welt sind, aber wir können auf Sterbenswegen immer auch dem Auferstandenen begegnen. Seit Ostern können wir uns nicht mehr hinter dem Tod verstecken. Jede Ausrede wegen unerträglichen Lasten, muss an dem fürchtet euch nicht zerschellen. Gerade auf dem schweren Weg unserer Endlichkeit, stoßen wir am Ostermorgen auf Christus.

 

Ist es nicht eine viel größere Katastrophe, an Ostern nicht in das leere Grab zu schauen?

Vergeben befreit für Neues

wer kein Vergeben kennt, tut sich immer mit einem Neuanfang schwer.
„Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?“

Jer.  8, 4
Wer in der Schule viele Fehler macht bekommt schlechte Noten. Da wird der Eindruck erweckt, wer Fehler macht ist nichts wert. Ein schlechter Schüler bekommt permanent vermittelt, du taugst nichts. Sein Minderwertigkeitskomplexkonto steht gefühlt auf -25 Grad. Dabei sind Fehler das Normalste der Welt, für eine gute Entwicklung. Ein kleines Kind das laufen lernt, haut sich ziemlich oft die Nase an, bis es aufrecht und stolperfrei gehen kann.
Aufstehen ist Gottes Prinzip mit dem Menschen. Seit Ostern, steht auf schuldig nicht mehr Strafe, sondern vergeben und Neuanfang. Gott hat sich mit seiner Vergebung einen neuen Zugang zum Menschen verschafft.  Vergeben zieht dem Hinfallen und Irregehen den Stachel. Kreuz und Auferstehung trennen uns von den Schuttbergen menschlicher Existenz. Der Ostermorgen ist das größte neu anfangen für die Menschen. Jesus fragt Pertrus dreimal: Hast du mich lieb? Genauso oft, wie er zuvor von ihm verleugnet wurde. Jesus schlägt Brücken zum „Versager“. Die Frage nach der Liebe, ist das bewusste Vergessen, dessen was vergeben ist. Die Frage der Liebe zeigt, dass wir jetzt eine Situation haben, als sei nie etwas gewesen.
Dort wo Glaubende sagen: Vergeben will ich schon, aber vergessen kann ich nicht, betrügen sie sich selbst. Was vergeben ist, ist weg. So weit weg, als sei nie etwas passiert. Mit Ostern hat eine Phase des frisch verliebt seins begonnen. Neuanfang, Aufstehen, wieder zurechtkommen, neues Vertrauen wagen, sind die Wege nach Ostern. Vergebung ist das Wunder, dass das Alte nicht mehr da ist und die Liebe ihren Platz eingenommen hat. Als Petrus die Frage der Liebe mit Ja beantwortete, hat Jesus ihm die Führungsaufgabe für seine Gemeinde anvertraut. Das ist Gottes Führungsstil; in Liebe zu vergeben, dass Gefallenes wieder aufstehen kann.
Wie geht das Aufstehen für uns nach Ostern weiter?

Leben hört nicht auf

wo es den Tod nicht mehr gibt, verschwindet der Stachel aus dem Leben.
„Er wird den Tod verschlingen auf ewig.“

Jes. 25, 8
Welche Macht der Tod hat, erfährt gerade eine Mitarbeiterin von uns, die innerhalb von 10 Wochen, bei 5 Beerdigungen war. Dabei waren einige Todesfälle 50+. Hier verstummt die Seele in der Sprachlosigkeit. Da geht unter den Füßen der Boden auf. Wir alle kennen das Gefühl von Entsetzen, wenn der Tod seine Opfer verschlingt.
Jetzt spricht Jesaja von einem Rollentausch. Nicht mehr der Tod verschlingt uns, sondern er wird verschlungen. Hier beginnt das Ostergeheimnis zu leuchten. Da ist Christus, der mit dem Tod abrechnet. Der Tod, der vom Leben trennt verliert seine Macht. Mit Christus beginnt ein Leben ohne Tod. Da ist der Abbruch von Gott, der der Tod ist ausgeschaltet. Tod ist nur die Folge, des von Gott getrennt seins. Wenn Christus diese Trennung aufhebt, ist auch der Tod verschwunden. Da ist das Sterben nur ein Seitenwechsel, vom einen Leben zum anderen Leben. Da fällt der Schrecken und das Entsetzliche, weil wir nicht mehr aus dem Leben herausfallen können. Mit Chrsitus entspannt sich die Todesnot.
Da kann ein Paul Schneider aus seiner Todeszelle auf den Apellplatz hinausrufen: Und er ist wahrhaftig auferstanden. Oder Hans Scholl ruft vor seiner Enthauptung: Es lebe die Freiheit. Wir denken an die vielen Märtyrer unserer Zeit, die mit dieser Wahrheit vor Augen, sich durch keine Erniedrigung mehr einschüchtern lassen. Wer mit Christus im Leben steht, für den ist der Tod gestorben. Wir gehen die Leidenswege mit innerer Standfestigkeit und unerschütterlicher Lebendigkeit. 
Christus hat den Tod verschlungen. Welches Sterben sollte uns da noch einen Schrecken einjagen können?

Gutes entsteht im Kampf gegen sich

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achte auf dein Herz und deine Gedanken wohin sie dich treiben.

„Herr, neige mein Herz nicht zum Bösen.“
Ps. 141, 4

Hier erkennt ein Mensch welche Gefahr in ihm steckt. Wir neigen von Grund auf Gott davonzulaufen. Im Menschen liegt die Tendenz, Nein, zu Gott zu sagen. Unsere Persönlichkeit bevorzugt, das zu tun, was nicht aus Gott kommt. Das Böse ist unser „ich will nicht“ zu Gott. Es sind die vielen Ausreden, mit denen wir uns an Gottes wegen vorbeitrixen. Böse ist alles, wo die Erneuerung, das Auferstehungserleben nicht durchbrechen kann und blockiert wird. Es ist das Ausgliefert sein an die Schlange, die uns die Gegen-Gott-Alternativen schmackhaft machen will, die Striche ziehen will, mit sich und anderen. Wir neigen zur Anfechtung. Wir stehen, was die Dinge um Gott anbelangen auf wackeligen Füßen.

Dieser Tatsache muss sich ein Glaubender bewusst sein. Der Psalmist geht damit sehr offensiv um. Er verzweifelt nicht, wo ihm das vor Augen steht, sondern ruft seinen Herrn an. Er stellt sich gegen sich selbst, und schreit nach Erlösung. „Ich brauche einen, der mich aus dem Bösen befreit und zurückholt.“ Ich brauche den Herrn, ich brauche einen Christus. Den Kampf gegen die Anfechtung gewinnen wir nicht mit Vernunft und Anstrengung, sondern mit dem Ruf zu Christus. Die Versuchung gehört zum täglichen Brot, die hinter jeder Ecke lauert, darum muss unser Gebet sein: Herr, neige mein Herz zu Christus.

Das Gute tun, kann der, dessen ganze Persönlichkeit sich auf den Guten ausrichtet. Wollen wir diese Auseinandersetzung gegen uns selbst nicht aktiv führen?

Frieden trotz Unglück

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Losung

was geschieht mit unserer Angst?

„Unter dem Schatten deiner Flügel habe ich Zuflucht, bis das Unglück vorübergehe.“
Ps. 57, 2

Es gibt einen Umgang mit dem Unglück. Die Spannungen unseres Lebens haben einen geschützten Raum. Die Angst unserer Tage muss uns nicht auffressen. Der Glaubende hat eine Zuflucht. Unter dem Schatten deiner Flügel, welch ein wunderschönes Bild. Mitten in allem Unfrieden gibt es einen Platz, den wir aufsuchen können. Es ist der Platz nach Ostern. Es ist der Raum des Auferstandenen. Es ist der Ort an dem Jesus die Welt überwunden hat. In allem was passiert, umgibt uns der Schatten dieser anderen Welt Gottes. Inmitten unserer Angst sind wir die vom Ewigen Eingehüllten. Das ist für uns ein realer Ort, der uns in aller Aufregung zur Ruhe kommen lässt, an dem wir tiefen Frieden zugesprochen bekommen.

Das Unglück passiert zwar, wir müssen es überstehen und durchstehen, doch wir sind nicht mehr der Frosch vor der Schlange. Wir haben den Schatten seiner Flügel. Egal wie dick es kommt, der Schreck ist weg. Wir sind seit der Auferstehung Jesu nicht mehr die schutzlos Ausgelieferten. Wir leben in dem Bewusstsein, der Friede, den uns Christus gegeben hat ist stärker als das Unglück, das mir Angst machen will. Der Auferstandene gibt auch uns Stehvermögen, in allem was uns zu Fall bringen will.

Deshalb müssen wir in den Tagen des Unglücks um diese Zuflucht wissen und sie bewusst aufsuchen. Im Unglück brauchen wir erst recht den Schatten seiner Flügel.

Warum sollen wir uns mit unseren Ängsten herumquälen, wenn uns die Geborgenheit Gottes so herrlich umhüllt?

Unser Mann

1. Kor. 15, 1-11 
 
Offenes Grab, Leichenraub, der Friedhof von seiner dunkelsten Seite. Ein Grab, und der Frischbeerdigte ist weg. Wo Blumen waren, ein großes schwarzes Loch. Schrecklich! Unser Geliebter, einfach fort. War der Abschied schon brutal und jetzt das noch…
Ich werde wahnsinnig! Was hat sich Gott dabei gedacht? Na denn, frohe Ostern!
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1. Christus im Wort

3  Zuerst habe ich euch weitergegeben, was ich selbst empfangen habe: Christus ist für unsere Sünden gestorben. Das ist das Wichtigste, und so steht es schon in der Heiligen Schrift. 4  Er wurde begraben und am dritten Tag vom Tod auferweckt, wie es in der Heiligen Schrift vorausgesagt ist.“
Ostern kann man nicht begreifen. Christus kann man nicht verstehen. Das Geheimnis um Christus lässt sich nur empfangen. Die Heilige Schrift erzählt nicht von Christus, sie bringt ihn. Das Wort ist der Christus Träger. Jesus ist das Wort, das sich ereignet. Wir empfangen Gottes Handlungen im Wort. „Christus ist für unsere Sünde gestorben“ ist keine historische Aussage, sondern der Gott, der sich jetzt gerade aktiv über einen Menschen erbarmt. Der Christus im Wort bringt die verkrachte Situation des Menschen in Ordnung. Dieses Wort verbindet das menschliche Aufbäumen mit Gnade. Im Wort setzt sich unablässig das Heils Christi frei. Dieses Wort wurde beerdigt und auferweckt. Es hat die tiefsten Abgründe der Menschlichkeit erfasst, sich dann aber von aller Vergänglichkeit getrennt.
Auferstehung ist kein biologisches Geschehen. Es hat nichts mit der Reanimierung eines Toten zu tun. Hier ist niemand rückwärts gestorben und dadurch wieder lebendig geworden. Das Wort, der Christus hat eine unvergängliche Form angenommen. Das ist von der Eigenschaft eine neue Materie, die gar nichts mehr mit irdischen Abläufen zu tun hat. Durch die Auferstehung wirkt die unmittelbare Welt Gottes. Christus ist jetzt einer von der anderen Seite. Das Wort hat einen ewigen Wirkstoff. Diese Verwandlung geschieht in Auferstehung. Christus hat nichts mehr mit der sterblichen Welt zu schaffen, sondern begründet den Anfang der neuen Menschheit. Er ist „unser Mann“; er hat unsere Hölle auf sich genommen und gibt sie uns als neue Leiblichkeit zurück, als etwas von der anderen Welt Gottes. Christus schenkt in unsere irdische Daseinsform etwas von dem zukünftigen Reich Gottes. Das Wort vergegenwärtigt Ewiges in Vergänglichem.

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2. Christus in den Zeugen

5  Er hat sich zuerst Petrus gezeigt und später allen zwölf Jüngern. 6  Dann haben ihn mehr als fünfhundert Brüder zur gleichen Zeit gesehen, von denen die meisten noch heute leben; einige sind inzwischen gestorben. 7  Später ist er Jakobus und schließlich allen Aposteln erschienen. 8  Zuletzt hat er sich auch mir gezeigt, der ich es am wenigsten verdient hatte. 9  Ich bin der unbedeutendste unter den Aposteln und eigentlich nicht wert, Apostel genannt zu werden; denn ich habe die Gemeinde Gottes verfolgt. 10  Alles, was ich bin, bin ich allein durch Gottes vergebende Gnade.“ 
Christus zeigt sich in Menschen. Auch da ist er genauso wenig ein Stück Geschichte, wie in dem Wort von damals. Die Aufzählungen, an wem er wann und wie handelte sind keine Referenzliste, mit der Jesus haussieren geht. Er braucht keine geistliche Hitliste von Trophäen im Reich Gottes. Von solch einem Zeugnis kann kein Mensch leben, wenn er weiß, welchen Rang Mose oder Billy Graham in Gottes Geschichte hat. Glaube entzündet sich nicht am Glauben anderer. Ein Glaube, der aus der Erfahrung eines anderen leben will kann nicht lebendig sein. Stellvertretend glauben gibt´s nicht. Wir sollten nie vom Glauben anderer abhängig sein, sondern immer wie sich Christus durch sie selbst bezeugt. Und Christus bezeugt sich an Menschen. Was uns an anderen überzeugt ist nicht ihre Gläubigkeit, sondern der Christus, der durch sie zu uns kommt. Im Zeugnis des Anderen findet eine Selbstoffenbarung des Christus statt.
Auch das apostolische Zeugnis bindet uns an Christus. Wo das Evangelium verkündet wird, entsteht jetzt und heute ein lebendiges Gespräch mit Gott. Dieses Gespräch ist immer rückbezogen auf das, was Gott in Christus für alle Zeit an mir getan hat. Der heute mit uns redende Gott ist kein anderer, als der, der sich in Christus zu erkennen gibt. Der gestorbene Christus zeigt sich als der Lebendige in der Liste der Augenzeugen, zu denen wir jetzt dazu gehören. Wem Christus erscheint, der wird dem anderen zum Christus. Wir haben es auch bei den Zeugen immer mit einem gegenwärtigen Christus zu tun.
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3. Christus in mir

1  Liebe Brüder und Schwestern! Ich möchte euch an die rettende Botschaft erinnern, die ich euch verkündet habe. Ihr habt sie angenommen und darauf euer Leben gegründet. 2  Ganz gewiss werdet ihr durch diese Botschaft gerettet werden, vorausgesetzt, ihr bewahrt sie genau so, wie ich sie euch überliefert habe. Sonst glaubt ihr vergeblich und erreicht das Ziel nicht.“
Ostern gibt es nur in dem sich so offenbarenden und rettenden Christus. Ohne den sich im Wort und Zeugnis ereignenden Christus in der Glaube ein luftleeres Ei. Ostern ist ein Christusereignis. Dieses Ereignis findet in jedem Gottesdienst statt. Somit ist jeder Sonntag ein Auferstehungsfest. Wir leben nicht aus den Jesuserinnerungen, sondern erfahren in Wort und Sakrament eine Jesusbegegnung, eine Begegnung mit dem Auferstandenen. Nur dieses Ostergeheimnis trägt den Glauben. 
Das ist das Ende allen frommen Machwerks, hier wirkt kein Mensch mehr, sondern allein die unvergängliche Welt Gottes. Nur die Christuswirkungen geben überhaupt unserer irdischen Welt etwas Tragfähiges. Dazu dient Kirche, Ostergeheimnisse in Menschen zu pflanzen. Da ist unser persönliches Erlebnis und gleichzeitig unser Auftrag. Hier entzündet sich das Osterfeuer, das sich in die Welt hinaus ausbreitet. Es gibt keinen Grund, ein Schattendasein zu führen, es gibt keine Ausrede, dass irdisches Leben mühsam und schwer ist; seit Ostern wirkt Christus. Die unerlöste Welt hochzuhalten, hieße, die Auferstehung hätte doch etwas mit Scheintod zu tun. Doch wenn Ostern ein Christus-Ereignis ist, stellt das alle unsere Erfahrungswerte auf den Kopf. Da geschehen Handlungen, die nicht von dieser Welt sind.
Wir sind eine österliche Kirche, wir sind österliche Menschen, deshalb ist Christus unser Mann.
Amen.