Liebe opfert sich

Hebr. 9, 15, 26b-28

Wenn die Blumenmönche dem Gourmet-Gastronomen in Stuttgart das Empfangsgesteck in der Eingangshalle gestalten, geben sie alles. Da opfert der Florist am Bindetisch sein Leben. Doch nicht dadurch, dass er sich umbringt, sondern indem er seine ganze Hingabe hineinlegt. Er gibt seine Arbeitszeit, seine Lebenskraft, sein ganzes Empfinden für Gestalten, Formen und Farben, letztlich seine ganze Leidenschaft in ein ausdrucksstarkes Kunstwerk. Er sieht die vielen feinen Herrschaften, die sich dadurch erfreut willkommen heißen lassen und sich  das Herz für einen unvergesslichen Abend öffnen. Er weiß, wofür er sich in diesem Moment opfert. Lebendig opfert er seine Liebe zu seinem Beruf und zu seiner Berufung. Genauso wie sich der Gastronom, an seine Gäste hingibt, um damit das Geld zu verdienen, mit dem er dieses Arrangement bezahlt. So dienen wir einander, mit dem, was wir sind und haben. Wir opfern dem anderen etwas von unserem Leben.

 

  • Hingabe, die uns meint

15 So hat Christus den neuen Bund zwischen Gott und uns Menschen vermittelt: Er starb, damit die Sünden aufgehoben werden, die unter dem alten Bund geschehen sind.

Karfreitag, ist schwarzer Freitag. Jesus leidet an der Selbsthingabe Gottes. Da ist Gott, der so sehr liebt, dass er um alles in der Welt nicht für sich sein kann. Er ist Gott, und bräuchte niemand für seine Vollkommenheit, weil er alles und in allem ist. Dennoch sucht er ein Du. Dabei leidet er genau an dem Du, das sich alles sein will, und zeigt, wie fähig es ist, ohne Gott zu sein. Das Kreuz zeigt, wie weit Gott aus sich herausgeht, und wie kaputt die Welt ist. Das Kreuz zeigt den Grund, dass es mich überhaupt gibt, dass er alles gegeben hat, mich ins Leben zu rufen, und es zeigt, wie ich mit dieser Leidenschaft umgehe. Das Kreuz ist Spiegelbild von Gottes und meines Handelns. Es ist der Grund und der Abgrund aller Existenz. Der sterbende Christus bringt zwei Extreme zusammen – den leidenschaftlichen Gott und den distanzierten Menschen.

Christus stirbt aus einer bitteren Notwendigkeit heraus. Gott leidet deshalb, dass der Mensch Mensch sein kann und nicht Gott sein muss. In der Begegnung mit dem Emausjüngern stellte Jesus diese Notwendigkeit mit einer Frage klar: Musste nicht Christus dies alles erleiden? Ja er musste! Es ist ein freiwilliges Leiden, für eine erneuerte Beziehung. Hier glüht Liebe, die alles geben will, um Unvollkommenes mit Vollkommenem zusammenzubringen. Es ist die totale Hingabe, die verlorenes Leben zurückgeben will.

  • Opfer, das lebendig ist

26  Aber er ist jetzt, am Ende der Zeit, erschienen, um ein für alle Mal durch seinen Opfertod die Sünden zu tilgen. 27 Jeder Mensch muss einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht.

Wo es um einen Opfertod geht, geht es gerade nicht um den Tod, sondern um das Leben. Es wäre abgründig, Jesu Leiden auf seinen Tod zu reduzieren. Nicht der Tod, sondern seine Hingabe ist die Botschaft des Kreuzes. Jesus ist nicht gekommen sein Leben zu opfern, sondern er für etwas einzusetzen. Sein Sterben ist sein Dienst an den Menschen. Er ist nicht gekommen um sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und sich als Löseopfer gebe für viele. Diesen Dienst kann er nur mit seinem ganzen Leben erbringen, aber nicht mit dem Tod. Das zeigt die Qualität des Opfers. Er opfert das Allerletzte, um Sünden, die Gottestrennung zu tilgen. Am Kreuz heilt die gefallene Schöpfung. Da ist ein für alle Mal Schluss, dass ein Mensch opfern muss, um einen gnädigen Gott zu finden. Gott braucht kein Opfer mehr, um versöhnt zu sein. Christus beendet damit den religiösen Urreflex der menschlichen Seele, der in allen kultischen Opferhandlungen liegt. Keine Bauchaufschwünge mehr, keine Selbstkasteiungen, keinen Ablass, keine auferlegten Bußübungen oder sonstigen menschlich verkrampften Aktionen. Gott braucht kein Opfer mehr. Sein Opfer hat mit uns zu tun. Es ist das lebendige Opfer für unvergängliches Leben. Es nimmt aller Anklage das Gericht. Dieses lebendige beendet das Sterben nach dem Sündenfall.

Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Es ist wichtig, die Leidensbereitschaft der Liebe nicht in die Erlösungskraft des Leidens zu verkehren! Es wäre ein fatales Missverständnis, den Tod Jesu zu verherrlichen – gerade so als habe Martyrium aus sich selbst heraus einen Wert, als sei Leiden eine Form des Gottesdienstes, als habe Jesus quasi darauf gewartet, endlich für uns zu sterben. Das wäre die religiös perverse Verherrlichung des Selbstmords.“ (Martin Schleske, Der Klang, Klangfarbe der Notwendigkeit, S. 165)

Im Opfertod geht es um Leben.

  • Liebe, die alles gibt

Nun können alle, die Gott berufen hat, das von Gott zugesagte unvergängliche Erbe empfangen, das ewige Leben bei Gott.

Das Kreuz verwandelt alles. Wir verherrlichen an Karfreitag nicht die Erlösungskraft des Leidens, sondern die Leidensbereitschaft der erlösenden Liebe. Wenn Christus für uns gelitten hat, ist nicht das Leiden das große Thema, sondern wie weit seine Liebe geht. Wir stehen erschüttert unter dem Kreuz, betroffen von dieser Notwendigkeit, blicken auf und sagen: Du hast mich in den Himmel geliebt. Das ist das unvergängliche Erbe, das wir am Karfreitag empfangen. Das Kreuz wird zur Kraft meines Lebens. Mit dem Kreuz spricht er über unserem Leben sein es werde und es ward. Da beginnt Neuschöpfung. Damit erschafft die Liebe das Leben zurück. Ich gebe mich ganz, damit es dich gibt. Die Selbsthingabe ist die Liebe, die sich nicht abschütteln lässt.

„Ein Mensch der Liebe sucht, aber nicht bereit ist, auch am Geliebten zu leiden, hat das Wesentliche der Liebe nicht begriffen. Es wäre der armselige Versuch, das eigene Dasein in schmerzfreier Belanglosigkeit zu ertragen. Es wäre ordinär.“ (Schleske)

Der Anfang des Glaubens beginnt am Kreuz. Somit ist Glaube, lebendiges Opfer aus Liebe. Das ist ein Glühen unter Schmerzen. Es ist die Leidenschaft eines Floristen, der einen traumhaften Rosenstrauß bindet, auch wenn ihm manchmal die Dornen die Finger zerstechen. Das ist unvergängliches Erbe, wenn aus dem Opfer am Kreuz, in uns ein lebendiges Opfer wird. Wer liebt, kann sich nur für Großes opfern. Da muss Glaube nicht nur warm und schön sein, da darf er auch schmutzig und hart sein.

Durch das Kreuz sind wir lebendig, weil Liebe sich opfert.

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Total verrückt nach mir

Gott ist total verrückt nach uns.

„Mächtig waltet über uns seine Güte, und die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. Halleluja.“
Ps. 117, 2

Ein Lobgesang, bei dem einem Beter die Knie weich werden. Mächtig waltet Güte – da ist einer von der Liebe Gottes erschlagen. Fassungslos steht er vor so viel Gutem. Da glüht sich einer förmlich zu mir durch. Gott hat an mir einen Narren gefressen. Er schäumt über vor Hingabe zu mit. Wo Güte waltet, kennt Gott niemand anders als mich. Es ist das frisch verliebt sein, in dem der eine für den anderen alles gibt. Das ist schon ein Stück unreale Wirklichkeit, in dem man den Partner besser darstellt als er tatsächlich ist. Du bist das Allerbeste für mich, für dich gebe ich alles. Ich löse mich auf für dich, ich halte mich in nichts zurück. Ich gehe in dir auf, du bist mein ein und alles. Kein Preis ist mir zu hoch, um dich nicht mehr zu verlieren. Auch wenn du mich ins Gesicht schlägst, bebt meine Liebe zu dir. Auch wenn du mich verlassen willst, ich verlasse dich nie. Ich hänge an dir mit Leib und Leben. Ich definiere mich über dich. Ich gebe alles, dass du zum Klingen kommst. Ich erleide alle Schmerzen, um dir Freudentöne zu entlocken. Ich binde dir den schönsten Rosenstrauß, auch wenn mir die Dornen die Finger zerstechen. Mächtige Güte ist ein unvergleichliches Glühen. Da sieht man am Kreuz die Liebe leuchten. Um mich zu bekommen, kann Gott gar nicht anders als sein ganzen Lebensopfer zu bringen. In der Passion schreit die Gottesliebe: Ich liebe dich. Ich will dich auf ewig. Mächtig waltet über uns seine Güte, ist die größte Mitgift in dieser Welt. Für dieses Geschenk gibt er nicht nur alles, sondern sich selbst. Mächtige Güte.

Diese Güte will unser Herz weich machen. Wer so geliebt wird, kann nicht kalt bleiben. Da brechen alle Dämme. Da wird unsere Leidenschaft zum Kochen gebracht. Paulus beschreibt diese Konsequenz im Römerbrief: Wo Gott seinen Sohn nicht verschont und ihn für uns dahingibt – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? In dieses Lebensgeschenk sind wir hineingeliebt. Und wenn das Leben eiskalt wird, wenn uns das Herz in Stücke zerbricht, bleibt dieses Herzens Licht. Weil Gott total verrückt nach uns ist, brauchen wir in der Untreue unserer Tage nicht verrückt werden. Die Güte über uns, trägt die Lasten in uns. Wer so beschenkt und geliebt ist, braucht keinen Mangel zu fürchten. Wer geliebt ist und lieben kann, kann mit Schmerzen umgehen. Er weiß, dass zur ganzen Liebe, das ganze Opfer gehört. Diese Güte ist mächtiger als der Tod. Halleluja.

Warum sollten wir daran zweifeln, dass wir so geliebt sind?

Wir sind Premium

Petr. 1, 18-21

Premium ist das Beste vom Besten. Wo uns etwas wichtig ist, ist der Preis zweitrangig. Wenn ich gute Bilder machen möchte und dazu eine entsprechende Kamera und Zubehör brauche, scheue ich kein Opfer, um mir diese als armer Mönch leisten zu können. Anderen geht es so mit einer Gitarre. Oder bei unserem Prior in der Ausbildung hieß es: Für die theologische Literatur, die wir verwenden,  ist uns das Beste gerade gut genug. Premium für Spitzenleistung.

So geht es Gott mit dem Menschen. Für ihn ist das Beste gerade gut genug. Er will mit ihm alles toppen und will ihn nicht in einem Billigsegment verkommen lassen. Wir sind als Premiummarke geschaffen. Wir tragen die höchste Auszeichnung, die je ein Mensch haben kann. Und alles war sehr gut! Und das lässt er sich eine ganze Menge kosten.

1. Edler als Gold

18 Denn ihr wisst ja, was es Gott gekostet hat, euch aus der Sklaverei der Sünde zu befreien, aus einem sinnlosen Leben, wie es schon eure Vorfahren geführt haben. Er hat euch losgekauft, aber nicht mit vergänglichem Silber oder Gold, 19 sondern mit dem kostbaren Blut eines unschuldigen und fehlerlosen Lammes, das für uns geopfert wurde – dem Blut von Christus.

Der Mensch gehört Gott. Bestes kommt vom Besten. Premium ist die Freiheit des Menschen, die Gott will, die Gott schafft, die aus der Abhängigkeit von Gott kommt.

Für die Meisten ist es schwer zu begreifen, dass Freiheit im Gott gehören liegt. Keiner hat sich weder gewollt, noch hat er sich erschaffen. Die Umstände unseres Lebens wir nicht festgelegt, noch können wir verhindern, dass unser Leben irgendwann wieder vorbei sein wird. Nein, wir haben kein eigenes Leben. Das Leben ist geliehen. Im Sterben geben wir zurück, was uns nie gehört hat. Leben gehört Gott. Uns wird es nur jeden Tag anvertraut und zugemutet. Wo der Mensch denkt, er wäre völlig frei, muss er immer bedenken, dass Freiheit innerhalb von Beziehungen existiert. Wir sind geschaffen, samt allen Kreaturen – wir können nicht ohne andere Kreaturen sein. Was wir sind, das sind wir „innerhalb“ von Natur, Naturgesetzen und Geschichte. Freiheit ist immer bezogen auf.

Wenn Gott das Leben gehört, bekommt Freiheit eine ganz neue Nuance. Dann liegt absolute Freiheit, in der radikalen Bindung an Gott. In dem Einssein mit dem, dem ich gehöre, liegt aller Sinn, alle Freiheit von Sklaverei. Wenn Gott loskauft, will er Premium, will er Menschsein in Vollendung, will er alles ausschöpfen, was er hineingelegt hat. An seine eigene Existenz bindet er die Freiheit und das Loslösen von Gebundenheiten. Ohne diesen Ganzeinsatz, ist der Mensch ohne Gott, also gottlos und unheilig, weil er sich selbst gehört. Sich gehören, ist die Gefangenschaft in sich selbst. Das ist dann gar kein Leben; es ist die Freiheit eines Kanarienvogels im Käfig. Eigenes kann nie freimachen.

Der Freikauf macht´s. Wir müssen unsere Existenz unter dieser, außerhalb von uns liegenden Gnade begreifen. Wo Gott loskauft, entscheidet sich der Mensch, bewusst gegen sich selbst. Im Loskaufen beginnt Glauben. Sowie jemand losgekauft ist, steht er in der Freiheit eines neuen Eigentümers. Von da ab, ändert sich das Leben radikal. Wo eine christliche Kirche nicht in diese Entscheidung führt, beruhigt sie, und erzeugt ein unentschlossenes Sowohl-als-auch. Eine fromme Tradition ist gut, eine christliche Erziehung legt wichtige Grundlagen, doch Glaube ist, das sich täglich bewusst machen, ich gehöre Gott.

Ich bin für diese Freiheit freigekauft. Wir sind von außen auf Gott bezogen, dadurch wendet sich das Innere. Losgekauft ist allerdings keine Frage der menschlichen Einsicht, sondern ein Christus-Ereignis. Durch Christus sind wir wertvoller als Gold.

2. Zum Spitzenpreis erstanden

20 Schon bevor Gott die Welt erschuf, hat er Christus zu diesem Opfer bestimmt. Aber erst jetzt, in dieser letzten Zeit, ist Christus euretwegen in die Welt gekommen. 

Diese Freiheit zu der wir bestimmt sind, gehört zur Grundarchitektur der Schöpfung. Bevor ein Mensch die Erde betreten hat, bestand bereits das Christus-Opfer, das Menschen zu Premium-Geschöpfen macht. Das Opfer war bereits vor dem Sündenfall, also bevor es überhaupt nötig gewesen wäre. Es ist weder ein menschliches Werk, noch eine Laune des Chefs, dem die Menschheit im Laufe der Jahre aus dem Ruder gelaufen wäre. Echte Freiheit ruht in dem Opfer Christi.

Wir befinden uns in der Passionszeit, bereiten uns 7 Wochen auf das Erlösungswerk Christi vor. Das Opfer am Kreuz, ist jedoch nicht auf die vorösterliche Zeit bestimmt, sondern ist Grund der ganzen Menschheitsgeschichte. Es ist ein von Ewigkeit her gefasster Plan, der die Voraussetzung allen christlichen Lebens ist. Premium-Leben, lebt jeden Tag und für alle Zeiten aus dem Opfer Christi.  „Der Glaube sieht den gekreuzigten Christus vor sich ganz real, in einer geradezu bedrückenden Weise wirklich; aber er weiß zugleich: was hier geschieht, ist nicht ein Unfall oder Missgeschick in der Geschichte zwischen Gott und Menschen, sondern ein längst Vorbedachtes, Geplantes, Gewolltes, sinnvoll im Ganzen des Heilswirken Gottes.“ Gottfried Voigt

Das Abgleiten in die Banalität, in Gefangenschaft und Versklavung ist so mächtig, dass Gott diese Christusopfer für nötig hält. Es geht um Rettung, es geht um das Beste im Leben. Wer diesen hohen Preis gering achtet, verharmlost die Sünde und Gefangenschaft im ich. Ein Auge zudrücken ist keine Bereinigung. Jede Lösung, die die Sünde und ihre Folgen gering schätzt, ist keine Lösung. Der Konflikt muss ausgetragen werden, Schuld muss ausgeräumt und Gefangenschaft losgekauft werden. Dafür hat Gott für uns den höchsten Preis bezahlt.

3. Für ein Leben in größter Freiheit

21 Durch ihn habt ihr zum Glauben an Gott gefunden. Gott hat Jesus Christus von den Toten auferweckt und ihm seine göttliche Herrlichkeit gegeben. Deshalb setzt ihr jetzt euer Vertrauen und eure ganze Hoffnung auf Gott.

Wir sind heilig. Das ist Premium. Das ist kein überheblich frommer Status, sondern zeigt eine Beziehung, zeigt, wem wir gehören. Losgekaufte leben in allen Lebensbezügen ungebunden. Glaubt an eure Freiheit. Lebt als die Befreiten und bleibt nicht in der Vorläufigkeit eurer Fehler stecken. Lasst euch nicht dadurch einschüchtern, dass wir alle dem Tod entgegenleben, und durch das sterben müssen unter Lasten gehen. Wir leben in der Welt und sind ungebunden von ihren Sehnsüchten, Begierden, Bestrebungen, Tendenzen und Trends.

Christen unterscheiden sich.  Losgekauft sein liegt darin, dass Leben in dieser Welt, ein Aufenthalt in der Fremde ist. Alle unsere Aufgaben liegen in dieser Welt, von der wir uns dennoch nicht bestimmen lassen. Oft lassen wir uns von unserer Umgebung beeinflussen. Wenn uns jemand feindlich gesinnt ist, tun wir uns schwer, ihm unbefangen und wohlwollend zu begegnen. Lobt uns jemand, werden wir mutig. Verurteilt uns jemand, fangen wir an, uns zu verteidigen. Es fällt uns schwer fröhlich zu sein, wenn alles gegen uns steht. Doch genau hier beginnt die Freiheit. Aus dieser Freiheit übertragen wir das losgekauft sein in die Spannungen unserer Tage. „Wir haben dies auf unsere Existenz-vor-Gott zu übertragen. Wie es zwischen Gott und uns steht, wird für das, was wir sind und tun, von alles entscheidender Bedeutung sein.“ (Gottfried Voigt, homiletische Auslegung, Reihe IX – die himmlische Berufung S.162)

Wo wir unfrei sind, wo uns die Spannungen unseres Miteinanders gefangen nehmen, haben wir Gottes Spitzenpreis vergessen, den er bezahlt hat. Der Preis für ein Premium Leben ist bezahlt, die Freiheit ist da, das Opfer dafür, kann niemand mehr aus der Welt schaffen. Wir leben in größter Freiheit, nicht wegen uns, wegen des Spitzenpreises, der für uns bezahlt wurde. Wir leben frei, nicht von widrigen Umständen, sondern in widrigen Umständen. Wir sind Premium, das können wir glauben und damit können wir hoffen und befreit leben.

Mit sich im Reinen

Wer mit dem Wort in Einklang ist, wird sein eigener Freund.
„Gehorsam ist besser als Opfer.“

1. Sam. 15. 22
Mit „besser als“ wird eine Wertung und Gegenüberstellung gemacht. Etwas ist näher an dem Guten als das andere. Opfer ist schlechter als Gehorsam. Dem Hören auf das Wort, wird mehr Bedeutung zugemessen, als allem Einsatz und Hingabe im Reich Gottes. 
Wo das Wort in uns Raum gewinnt, bringt es uns mehr und mehr in Einklang mit Gott. Im Gehorchen liegt nicht nur das hören, sondern das Eingehen auf das Gehörte. Da wird das Innerste bewegt und geformt. Damit gibt sich der Glaubende, den gestaltenden Kräften seines Schöpfers hin. Gehorsam ist das stückchenweise Einswerden mit Christus. Das ist eine persönlichkeitsverändernde Maßnahme, zum Bau dieses neuen Reiches. Durch den Gehorsam wird der Nachfolger mit sich selber stimmig. Eim Einklang mit dem Wort zu sein, macht den Menschen zu seiner ursprünglichen Person. Er ist mit Gott und sich im Reinen. Die Hingabe an das Wort ist größer, ist tragfähiger als die Hingabe im Dienst.
In einer Bruderschaft kann man das im Alltag beobachten. Da gibt es Brüder und Schwestern, die bringen einen gnadenlosen Einsatz. Sie arbeiten bis zum Umfallen. Sie geben das Letzte, bist fast zum körperlichen Zusammenbruch. Man kann wirklich sagen, bei ihrer Hingabe zur Sache fehlt es an nichts. Doch ihr Opfer hat sie nicht durchgetragen. Einige davon sind nicht mehr in der Gemeinschaft. Manch einer hat sich über sein Opfer definiert. Mein Einsatz, mein Glaube, meine Hingabe. Dabei waren sie bei allem Opfer nicht mit sich und Gott im Einklang. 
Gott will nicht unsere Leistung, er will unser Herz. Er will, im Hören auf ihn verwandeln, was das weit größere Opfer ist. Wo wir uns nur hingeben ohne zu hören, verliert Gottes Gestaltungskraft in unserem Leben. 
Ist ist da nicht gut, wenn wir einen Vergleich anstellen, wie es mit unserem Gehorsam steht?

Das Ende leerer Hände 

wo Schuld abgenommen wird, kann der Schuldige verschont werden.
„Herr, schone dein Volk und lass dein Erbteil nicht zuschanden werden!“

Joel 2, 17
Wer solch eine Bitte ausspricht, hat die Ohnmacht seines Lebens erkannt. Es beschreibt trefflich die Situatuon zwischen Gott uns Mensch. Da ist einer, der sich in der Erbfolge Gottes sieht. Einer, dem ein rießiges Vermögen anvertraut wurde, das sinnlos verwirtschaftet wurde. Das ganze Gottesvolk steht in der Gefahr sein Erbe zu verspielen. Alles was Gott gegeben hat, verpufft. Wo das Leben verspielt ist, wartet der Tod. 
Auch als Glaubende müssen wir uns diese Tragik immer wieder bewusst machen, dass es ohne Schuld nicht abgeht. Wir können mit dem von Gott gegebenen nicht umgehen, auch wenn wir uns das schönreden. Täglich verspielen wir das Erbe und sind nicht an dem Platz, am dem Gott uns haben will. Das menschliche Naturell ist nicht Reich Gottes tauglich. Wenn das Erbe verprasst ist, sitzen wir normal mit leeren Händen da.
Doch Gott hat die Bitte nach Schonung bereits erhört. Wir enden nicht am Schweintrog. Wo der Sohn mit leeren Händen dasteht, streckt der Vater ihm offene Arme entgegen. Wo der Erbfolger schonungslos dem Elend entgegenrennt, schont Gott seinen Erlöser nicht, um dem entgegen zu wirken. Schuld muss aus der Welt getragen werden. Gott geht seinen Passionsweg. Seine Leidenschaft für das Leben geht bis zum Tod. Er opfert sein Liebstes, damit uns der Himmel wieder offen steht. Das Osterlamm gibt das verprasste Erbe zurück. Mit Christus sind wir verschont, das wir die Folgen unseres Verwirtschaftens selber tragen müssen. In Christus können Schuldige aufatmen. Dafür hat Gott sich selbst geopfert.
Verzweifeln wir noch, oder leben wir schon?

Erhöhung ist der größte Leidensweg

Erhöhung geht bei Gott ganz schön tief.

„Dein, Herr, ist das Reich, und du bist erhöht zum Haupt über alles.“
1. Chr. 29,11

Mit diesem Bekenntnis: Dein ist das Reich, das wir aus dem Vater unser kennen, bekommen wir einen Einblick in Gottes umfassendes Wirken. Dass Gottes Reich entsteht, dass er zum Haupt über alles wird ist nicht selbstverständlich. Gottes Herrschaft ist keine Diktatur in der er alles für sich vereinnahmt. Sein Reich entsteht durch Erhöhung. Das ist der größte Leidensweg aller Zeiten. Erhöhung ist Karfreitag, ist elendes Sterben, ist Tod. Es ist die radikale Auslöschung der Sünde; nicht der Sünden, irgenwelcher Einzeltaten, sondern dieser Bruch der Menschen mit Gott. Nur wo dieser kaputte Zustand begradigt und neu gemacht wird, kann Neues entstehen. Der erhöhte Jesus ist nicht die Erniedrigung durch die Schuld von Menschen, sondern Gottes ganzes Engagement sein Reich aufzurichten. Dieser schreckliche Leidensweg, ist Gottes geballter Wille, Menschen aus dem Tod zu lösen. Das Kreuz Christi zeigt einen Gott, der die Menschen unter allen Umständen will. Hier baut er sein Reich und macht Christus zum Haupt über alles. Mit Christus hat sich Gott zu den Menschen durchgelitten, und damit die tote Welt mit seinem Leben versöhnt.

Reich Gottes entsteht nicht durch menschliches Entgegenkommen, durch unsere Leistung oder irgendwelche Bußübungen, sondern durch den erhöhten Christus. Es gibt keine andere Religion, in der Gott sich derart mit Menschen versöhnt und auf sie zugeht. Das ist einzigartig im Christentum, dass Gottesherrschaft durch Gottesopfer geschieht. Der Mensch kann nichts zum Reich Gottes beitragen. Es ist sein Reich, mit dem er uns versöhnt hat und dadurch über alles herrscht.

Dieses Reich geschieht an uns durch unser Lob, durch unsere Anbetung des Christus. Durch Christus wird das Unvollkommene vollkommen und das ist Reich Gottes.

Was wollen wir sonst noch zu unserem Heil beitragen?