Schwachheit ist eine Goldgrube

In einem stillen Geheimnis offenbaren sich ungeahnte Kräfte.

Der Herr ist meine Kraft.“
Hab. 3, 19

Meine Kraft kommt gar nicht aus mir. Das was mich stabilisiert und aufrichtet ist der Herr. Das ist die Kräfteverschiebung des Glaubens. Voraussetzungslos handelt da ein anderer. Die Kraftlosigkeit ist die Voraussetzung für das Wirken Gottes. Da wo nichts ist, wird Gott alles. Das Starkmachende liegt nicht in uns. Dieses feine Wechselspiel entsteht bei Menschen, die Gott vertrauen. Da ist eine versteckte Quelle, die sich allein dem Glauben erschließt. Dort wo das Leben in Einzelteile zerlegt wird, Belastungen unerträglich werden, der innere Mut zu einem Häufchen Elend geworden ist, da braucht es mehr, als dass nur das Selbstvertrauen wieder aufgebaut wird. Da braucht es Gottvertrauen. Wo aus den menschlichen Reserven nichts mehr zu schöpfen ist, braucht es die Kraft von anderswo. Wo der Herr meine Kraft ist, ist er das genau dort, wo meine Kraft verpufft ist. Wo ich aus mir heraus nichts erwarten kann. Diese Kraft braucht die Schwachheit, um seine ganze Schönheit zu entfalten. Wo Gott die Kraft ist, befruchtet der Schöpfer. Da fließt die Energie einer anderen Welt. Da werden wir von dem angerührt, der nur ein Wort spricht und es ward. Da wird nicht nur unser schwach gewordener Akku ausgetauscht, da kommt Starkstrom. Da wirkt das Wort, das wie Feuer ist und wie ein Hammer der Felsen zerschmeißt. Hinter dieser Kraft steht die ganze Wucht des Erlöserwillens Gottes. Das ist ein Kräftespiel, das nichts mit menschlicher Anstrengung und Disziplin zu tun hat. Hier will der lebensbejahende Gott dem Tod entreißen. Dieser Funke springt auf den Glaubenden über. Diese Allmacht ist für den, der sich in seiner Ohnmacht erkennt. Es ist die Kraft für die Mühseligen und Beladenen, die nicht das Tischtuch an fünf Zipfeln haben. Es ist die Kraft, die auf den bereiten Schoß der Maria fällt und in ihr den Erlöser zur Welt bringt.

Wo wir uns selbst und anderen etwas vormachen, den starken Max spielen und von niemand abhängig sein wollen, betrügen wir uns um diese Kraft. Wo wir meinen, wir dürften keine Schwäche zeigen, zeigen wir nur unseren Unglauben. Wir sind voll mit uns selbst und haben keinen Platz für das Wirken des Geistes und die Kraft des Wortes. Dort wo wir unsere Stärke demonstrieren, wo wir krampfhaft unsere Probleme selber lösen wollen, demonstrieren wir, wie schwach unser Glaube ist. Wo der Herr meine Kraft ist, verwandelt sich die Schauspielerei in Gelassenheit. Da müssen wir nicht krampfhaft funktionieren, sondern leben in einer getrösteten Verzweiflung. Wir brauchen nicht fehlerlos sein und geschehene Schuld zudecken, sondern können mit vollen Händen aus der Vergebung schöpfen. Wo der Herr meine Kraft ist, kann ich mit großer Gelassenheit mit allen Widrigkeiten umgehen. Dieses Geheimnis schenkt uns der Glaube.

Wollen wir uns nicht an dieser Gnade genügen lassen, dass sich in aller Schwachheit, diese Kraft vollendet?

Auslegungen für jeden Tag
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Augen auf

Die Wege, die wir gehen, sind davon bestimmt, worauf sich die Augen konzentrieren.

Wir wissen nicht, was wir tun sollen, sondern unsere Augen sehen nach dir.“

2.Chr. 20, 12



Wenn du in die Sonne schaust, fallen die Schatten hinter dich, eine altbekannte Weisheit. Wo wir auf Christus schauen, bekommt die Nacht der Welt ein anderes Gesicht. Das was wir anschauen bestimmt uns. Unsere Augen bahnen den Weg zum Licht oder in den Untergang. Der Blick auf Christus, ist die Wende aus dem Chaos. Es ist der Blick, auf Weg, Wahrheit und Leben. Damit steht der Todüberwinder vor Augen. Aus dem Totensonntag wird der Ewigkeitssonntag, bei uns das Christ-König-Fest. Christus im Visier, nimmt dem Elend den Schreck. Es nimmt der Ohnmacht ihre Übermacht. Wo die Augen Christus sehen, bekommt der Glaube einen Wachstumsschub. Es ist wie ein Baum im Frühjahr, der all seine Zweige der Sonne entgegenstreckt und dann anfängt Blätter zu treiben, die unter dem Licht grün und saftig werden. Glaube wächst unter diesem Blick der Augen. Was die Augen fokussieren, entscheidet über stehen und fallen. Glaube ist die Interaktion der Augen mit Christus. 
Wo die Augen nur das eigene Elend, Nöte und Schwierigkeiten im Blick haben, kann kein Glaube gedeihen. Da bleibt das irren und das „nicht wissen, was wir tun sollen“.  Unglaube, Glaubensschwäche, liegt an dem, was die Augen sehen. Was wir anschauen, bekommt Macht über uns, heißt es. Wo wir uns mit Weltuntergangsszenarien beschäftigen, brauchen wir uns nicht wundern, warum wir keine Hoffnung mehr haben. Wo wir nur auf die Schreckensmeldungen der Medien blicken, kann kein Glaube gedeihen. Wo wir in unseren mitmenschlichen Spannungen, die Blick auf Christus verlieren, kann keine Liebe mehr wachsen. 
Wo Glauben wachsen soll, wo wir in den Fragen des Lebens Antworten suchen, geht es um das, was wir anschauen. Die Blickrichtung entscheidet über Hoffnung oder Verzweiflung. Wenn Glaube wachsen soll, braucht man einen Christus vor Augen und entzieht sich somit anderen Blickrichtungen. Darin liegt auch ein bewusstes Abwenden, von dem, was Glaube ruiniert. Der Glaube braucht die Konzentration auf den Ewigkeitssonntag, um den Totensonntag zu überwinden.
Was geben wir heute unseren Augen zu sehen?

Das Schwache herzen

Was nicht in Hände und Füße übergeht, hat keinen Wert.
„Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.“

5. Mose 30, 14
Gott ist keine Idee, Gott ist Ereignis. Seine Worte sind nicht nur großartige, bewundernswerte Gedanken, sie sind Leidenschaft und Kraft. Ein Wort von ihm, und die faszinierendsten Gebirgsketten entstehen. Auf sein Wort wurden Himmel und Erde. Wenn Gott spricht, bewegen sich Welten. Oder die Anfrage bei Jesus, sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund. Seine Worte sind keine Rede, sie sind tätige Liebe. Sie füllen nicht nur den Mund, sondern sind die ganze Lebendigkeit seiner Existenz. Das Wort kommt nicht von Gott, Gott ist das Wort. Sein Wort ist Fleisch und Blut geworden. Wo das Wort ist, ist der erlösende Christus. Im Wort fällt Gottes ganzes Erbarmen auf den Menschen. Das Wort hebt aus dem Staub, aus der Erniedrigung der unerlösten Menschheit.
Menschenworte dagegen bleiben oft im Munde stecken. Wieviel großartige Versprechen, wieviel großartige Absichtserklärungen, wieviel ernstgemeinte Vorsätze, die im Konflikt der Pflichten auflaufen. Von unseren großen Worten kommt so wenig an der Basis an. Irgendwo kommt da immer das richtige Leben dazwischen. Plötzlich ist ein lieber Mensch nicht mehr da, den wir immer noch mal besuchen wollten. Wir wissen um die Not, die nach uns ruft, doch das Getriebe in dem wir stehen, hält uns wie einen Gefangenen. 
Allesentscheidend ist der kleine Unterschied. Ist das Wort im Mund oder auch im Herz. Wo das Wort das Herz, das Zentrum allen Wollen und Fühlen erfasst, wird es zur Tat. Fromm reden ist ekelhaft, wenn es nicht gelingt über seinen Schatten zu springen, um den Menschen, der uns verletzt hat zu umarmen. Das Wort im Herzen schafft Persönlichkeiten, die von Versöhnung getrieben sind. Sie reden nicht von Liebe und hochgeistlichen Erkenntnissen, sondern sind diejenigen, die einen wunderlichen, belastenden, altgewordenen Vater nicht nur ertragen, sondern offenherzig und liebevoll auffangen. Das Wort redet nicht, es herzt die Schwachen.
Wo lässt sich erkennen, dass das Wort unser Herz getroffen hat?

Gedenken lässt aufatmen 

Rückschau holt sich gezielt den Frust Ins Haus.
„Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr´s denn nicht?

Jes. 43, 18-19
Was unsere Gedanken auslösen, wird zur Zeit in vielen Vorträgen und Büchern bearbeitet. Unser Denken bestimmt unser Morgen. Wir sind heute das, was wir gestern gedacht haben. Somit ist das Denken das größte Steuerungsinstrument unseres Lebens, für das wir ganz alleine verantwortlich sind. 
Wer Reich Gottes bauen will, arbeitet mit Senfkorncharakter. Wer da den Blick auf die Kleinheit und Unscheinbarkeit legt, wird nie die Fülle eines großen Baumes erleben. Das Senfkorn hat es in sich, dass es nichtssagend aussieht. Unser ganzes  Mühen scheint oft vergeblich zu sein. Der Blick auf das was ist und war, verdunkelt die Zukunft. Da gibt es nicht vieles, was zu außergewöhnlicher Hoffnung Anlass gibt. Der Blick auf die eigene Ohnmacht, kann keine Perspektive entwickeln.
Wenn Gott Neues schaffen will, legt er unseren Blick auf sein Wirken. Da bekommen wir beim Anblick des Senfkorns nicht mehr die Krise, sondern bekommen wir durch Christus einen Blick für den Baum. Wir blicken in der Unscheinbarkeit bereits auf das was sein wird. Wenn Jesaja dieses Bild aufzeichnet, sagt er dem Volk Gottes: In eure hoffnungslose Situation kommt der Erlöser. Es zählt nicht, was der Mensch vor Augen sieht, sondern was durch das Handeln Gottes in Christus möglich wird. So geht unser Gedenken gezielt weg von uns und unserer Schwachheit, auf das was unser Handeln übersteigt. Das Denken der Glaubenden kann nie im Menschlichen steckenbleiben, sondern sieht in allem das Wirken Gottes. Er sieht das Große im Kleinen. Er sieht mit den Augen dessen, dem alles möglich ist. Geben wir unseren Gedanken die Gottespersektive, die aus dem Senfkorn ungeahntes werden lässt.
Erkennt ihr´s denn nicht?

Der rote Teppich für die Schwachen 

mit Weihnachten haben die Schwachen Kraft.
„Der Bogen der Starken ist zerbrochen, und die Schwachen sind umgürtet mit Stärke.“

1. Sam. 2, 4
Oft werden die Schönen, die Reichen und die Starken beneidet und zum Vorbild erhoben. Manch einer kennt den Wunsch, lieber reich und gesund, als arm und krank. Dieser Aufblick zu den „Großen“ lässt uns klein erscheinen und minderwertig vorkommen. Wir definieren uns über unsere Defizite und Mängel, und meinen, die anderen haben es geschafft. Selbst die drei Weisen aus dem Morgenland suchten den neuen König bei den Großen. Sie steuerten zuerst die Machtzentrale des Landesfürsten an, und entdeckten, Weihnachten entmytologisiert.
Weihnachten stellt die Machtverhältnisse auf den Kopf. Wo Gott in die Geschichte kommt, werden menschliche Hierachieen umgedreht. Da zählen nicht mehr die, die sich nach „oben“ gekämpft oder gedient haben, da dient Gott den Menschen. Mit Christus kommt Gottes wahre Größe auf die Welt. Weltherrschaft beginnt im Stall. Das Geringe, das Niedrige kommt zum Glänzen, das Schwache jubiliert. David besiegt den Goliath. Gott hat sich klein gemacht, um das Kleine groß zu machen. Das, was in der Welt nichts zu melden hat, bringt die Erde zum Zittern. Die Ohnmacht erfährt einen neuen Siegeszug. Mit der Krippe wird dem Unbedeutenden, den roten Teppich ausgerollt.
Weihnachten erfüllt die, die nichts haben und geht an denen vorbei, die meinen, sie hätten alles. An Weihnachten feiert Gott den Mangel, den er mit seiner Gegenwart ausfüllt. Das Kind in der Krippe ist das Symbol, dass eigentliche Stärke in dem von Gott beschenkt werden liegt.
Weil wir Christus haben sind wir jemand. Wir haben eine Stimme. Wir haben Worte, die die Welt bewegen. Wir haben eine Kraft, die Menschen in Atem hält. Wir brauchen uns nicht verstecken, weil Licht aus uns herausstrahlt. Durch Weihnachten sind auch wir nicht mehr bedeutungslos, sondern können die Welt umkrempeln.Unsere Selbstzweifel haben ausgedient.
Wollen wir nicht von der Krippe aufstehen und mit ganzer Macht etwas Heiliges in die Ohnmacht der Welt hineintragen?
Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden für euch alle an diesem Weihachstfest.

Jetzt erst recht muss Weihnachten werden

Weihnachten wird es gerade in Scherben und Nacht.
„Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der Herr Zebaoth.“

Sach. 4, 6
Von Babylon zurück, sieht das Volk Israel nur auf Trümmerberge und Ruinenreste. In diesem Bild des Jammers will Gott Neues entstehen lassen. Angsicht solchen Jammers vierliert manch einer den Mut und die Hoffnung. Wenn wir nach Berlin schauen, vergehen einem alle Weihnachtsgefühle. Ausgerechnet auf einem Weihnachtsmarkt, wo sich jeder nach etwas Heimelichkeit sehnt und in eine andere Welt eintauchen will, bricht die größte Nacht herein. Eine Kundin sagte gestern, da vergeht es einem Weihnachten zu feiern.
Weihnachten kommt nicht durch Heer oder Kraft. Das was Gott in dieser Welt aufrichten will, richtet er im Chaos, in Finsternis, in allen Unmöglichkeiten unserer Zeit auf. Nicht dort wo die Menschen stark sind und die Sicherheitsdienste alles im Griff haben, nein, genau dort geht ein Licht auf, wo Menschen in Trauer und Unfassbarkeit zerrüttet sind. Dort wo keine Macht der Welt etwas dagegen ausrichten kann, kommt eine Macht, die menschliches übersteigt. Gottes Geist ist die fürsorgliche Kraft, die verwundete Herzen verbindet, die in himmelschreiender Ungerechtigkeit und Brutalität haltlose Seelen auffängt. Dort wo nichts mehr zählt, wo kein gutes Wort mehr verbitterte Herzen erreicht, spricht Gott in seinem Wort. Das Christuskind wird nicht in die stimmungsvolle, gemütliche Feierlichkeit unserer Wohnungen geboren, sondern im Mist der Welt.
Deshalb ist gerade unsere Sprachlosigkeit unsere Ohnmacht der Ort für Weihnachten. Wo Menschen hilflos verstummen, ist Gottes Stunde gekommen. Wo wir nichts mehr im Griff haben, wird Neues durch seinen Geist geschehen. Im Glauben an dieses Wunder, wird die Krippe zur Kraft.
Wollen wir in aller Schockstarre, nicht viel mehr ausrufen:Jetzt erst recht, muss es Weihnachten werden?

Kraft statt Worte

wir bekommen einen Werkzeugkoffer in die Hand, nicht nur eine Betriebsanleitung.

„Du gibst mir den Schild deines Heiiles, und deine Rechte stärkt mich.“
Ps. 18, 36

Glaube ist Hardware. Wir haben als Christen keine Philosophie, keine Lehre und keine Lebensweisheiten in die Hand bekommen, sondern ein Kampfausrüstung. Wir leben nicht von netten Worten, die ermuntern, sondern von einem hochpotensierten Kraftfeld. Es geht bei Gott nicht um noch eine Form von Lifestyleprogramm, es geht um Lebensenergien die fließen.

Gott hat sein Lebensgeheimnis in Brot und Wein gelegt. Mit der ganzen Kraft seiner Gottheit gibt er sich in Fleisch und Blut hin und stärkt unserem Leib, Seele und Geist. Jesus Christus wird zum Kraftfeld im Menschen. Das ist ein Energieaustausch von alt zu neu. Mit Christus wirkt Auferstehung im Sterben. Darin ist der Sitz aller menschlichen Erneuerung. Da sind nicht nur neue Erkenntnisse, die einen antreiben, da wird der machtvolle Gott in uns lebendig. Nicht aus uns entwickelt sich Kraft, sondern in uns fließt Kraft. Was uns stark macht sind nicht irgendwelche starken Worte, es ist der Christus, der uns aus dem Staub aufhebt. Eucharistie entfaltet die Kraft, in aller Zerrissenheit des Lebens. Gott gibt uns alle Mittel in die Hand. Gott gibt sich selbst in uns.

Es kommt nicht darauf an, wie stark oder schwach wir sind. Gelingendes Leben liegt nicht in dem, was uns möglich oder nicht möglich ist. Krisen und die Herausforderungen des Lebens, all die Situationen, in denen wir kämpfen müssen gelingen dort, wo wir Gott zulassen. Unsere Macht ist der Christus in uns, und damit werden wir unschlagbar.

Wie gelingt es, dieses Kraftpotential noch viel mehr auszuschöpfen?

Schwach ist ganz groß

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nur in dem Schwachen, kann wirkliche Kraft sichtbar werden.

„Herr, lass den Geringen nicht beschämt davongehen.“
Ps. 74, 21

Welche Einsichten haben wir von uns selbst? In vielen Situationen unseres Lebens kommen wir uns so hilflos vor. Da ist nicht viel von großen Glaubenshelden zu sehen. Da kämpfen wir schnell mit unseren Zweifeln, mit dem, das wir manchen Herausforderungen nicht gewachsen sind, mit all den Begrenzungen unseres Daseins. Gerade wir Glaubenden stehen wir in der Spannung, dass wir wissen, was Gott alles möglich ist und doch so wenig davon in unserem Leben sichtbar wird. Wir ziehen beschämt das Genick ein und versinken im Mittelmaß.

Doch die Schwachheit ist gerade das Fundament auf dem Gott aufbaut. Er kann sich nur in Ohnmacht verwirklichen. Er braucht die Habenixe, um alles zu geben. Das Geringe ist nicht das Nutzlose, sondern die Voraussetzung, dass sich das Gewaltige entfaltet. Wir müssen unsere Hilflosigkeit viel mehr wertschätzen lernen, dass sie die Leere ist, die mit Christus ausgefüllt werden soll. An den Könnern, kann Gott nichts verwandeln. Er braucht die Armen, die die an sich selber zweifeln und sich in Frage stellen.

Vollmacht haben die, die gerade in der Ohnmacht glauben. Die Umwandlung von Schwachheit erleben die, die innerlich bebend, das Unmögliche von Gott erwarten. Darin steckt Eucharistie, der Christus, der das Geringe aus dem Staub auffhebt.
Wir sind darin mächtig, dass wir Gott Dinge zutrauen, vor denen wir selbst vor Angst zurückschrecken würden. Darin entsteht eine Kühnheit des Glaubens, die nicht von menschlichen Befindlichkeiten abhängig ist. Dadurch entsteht im Geringen die Verherrlichung Gottes, die mutig und dankbar macht.

Was bremst uns aus, wenn auf dem Geringen solch eine Verheißung liegt?

Wo der Mensch seine Ohnmacht erkennt

können wir solch einer Gegenüberstellung standhalten?

„Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns alle heute schämen.“
Dan. 9, 7

Da wird ein mächtiger Pfoten in die Erde gerammt. Der Herr, ist gerecht! Da wird nicht einfach gesagt, Gott ist gerecht, sondern der Herr. Das umfasst Gott in seiner ganzen Macht, das beinhaltet seine Vaterschaft, die er Jesus Christus gegenüber hat und wenn jemand „du Herr“ spricht, ist somit auch das Wirken den Heiligen Geistes mit inbegriffen, der uns diesen Gott erschließt. Von diesem dreieinigen Gott entsteht die Erkenntnis: Du bist gerecht. Das ist die Maxime, dessen, was auf der Erde und im Himmel geschieht. Das ist der Maßstab zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis. Das ist die Gegenüberstellung von sichtbarer und unsichtbarer Welt, zwischen Mensch und Gott.

Diese Erkenntnis schließt unser Menschsein auf. Wenn der Herr gerecht ist, ist außerhalb von ihm Unrecht, Finsternis und alles, was in die falsche Richtung führt. Wenn der Herr gerecht ist, ist das für uns die ethische Grundlage, an der wir alle Stöhmungen und Entwicklungen einmessen können. Unter diesem Erkennen, endecken wir uns selbst und wie wir zu Gott stehen. Wir endecken, wie unwillig wir ihm gegenüber sind. Wir müssen uns schämen, wieviel von Gottes Werten bei uns übrig bleibt. Wo der Herr gerecht ist, erkennt der Mensch seine Ohnmacht. Er erkennt, dass er nie diesem Recht und diesem Richtigen entsprechen kann. Wir sind immer auf sein „gerecht sein“ und dadurch sein gerecht machen angewiesen. Dazu brauchen wir ihn als den Herrn, der sich in Christus uns gezeigt hat.

Wir selber leben aus dieser Erkenntnis, die ein täglicher Erneuerungsprozess bedeutet. Um gerecht zu werden, sei unser Leben, wie Luther es ausdrückt, eine tägliche Rückkehr, eine tägliche Buße.

„Du, Herr, bist gerecht“, ist unser größter Durchbruch zu einem erneuerten Leben. Wollen wir dieses Erkennen unserer Unwilligkeit, nicht jeden Tag neu, von diesem Herrn durchbrechen lassen?