Fröhlich sündigen 

Wo der Geist vor Ehrfurcht still steht, kann nur die unendliche Liebe unterwegs sein.
„Ich will euch mehr Gutes tun als je zuvor, und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin.“

Hes. 36, 11
Wenn Gott das Gute in sich ist, ist noch mehr Gutes, das Höchste der Gefühle. Gott übertrifft sich damit selbst. Wo Gott sich im Guten überschlägt gibt es keine Steigerung mehr vom Allerbesten. Seine Zuneigung zum Menschen ist durch nichts zu toppen. Da kocht die Liebe in  ihrer ganzen Leidenschaft. Mehr Gutes ist der Höhepunkt all dessen, was Gott für die Versöhnung mit Menschen einsetzt. Der Gipfel des Guten ist Christus, mit dem er dem Adamsgeschlecht vergibt. Damit ist der abgrundtiefe Mensch gerecht und vor Gott in Ordnung. Zwischen Gott und Mensch steht kein Makel von Schuld mehr. In diesem mehr Guten, soll der Mensch erfahren, dass alle Gerechtigkeit von Gott ausgeht. Kein menschliches Werk kann mit dazu beitragen. Das ist die reformatorische Botschaft, die wir morgen feiern. Wir erfahren das Gute durch: allein das Wort, allein die Gnade, allein Christus. Durch das mehr Gute, wird der Mensch vor Gott gut, was sonst unmöglich wäre. Damit hat Gott sich selbst übertroffen. Versöhnung mit Gott ist allein sein Werk und in Christus für alle Welt zusammengefasst. Gott hat dadurch nichts mehr gegen uns in der Hand. Wo er vergeben hat, stehen wir makellos vor ihm. Durch Christus steht der sündige Mensch unter der Schöpfungsaussage: Und alles war sehr gut.
Wie tut das Gute so gut. Da formt sich ein Staunen vor so viel unfassbarer Liebe. Da schlägt die Dankbarkeit Purzelbäume. Da kann die belastete Seele befreit aufatmen. Wo wir von diesem Guten übermannt werden, leben wir aus der Gnade. Wir können fröhliche Sünder sein, wie Luther es sagt, weil aus der Vergebung leben. Wir fallen und können sofort wieder aufstehen, als sei nichts gewesen. So natürlich wir sündigen, so selbstverständlich wird uns vergeben. Wer in dieser unfassbaren Liebe des Guten steht, gebraucht Vergebung in höchster Ehrfurcht. Je mehr wir sündigen, umso Christusabhängiger werden wir. 
Was passiert, wenn wir aus diesem Staunen und befreit sein unseren Tag gestalten?

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Lebenslänglich umgeschwenkt

Wir sind eingehüllt in leidenschaftliche Empathie.
„Sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber den Morgen ist Freude.“

Ps. 30, 6
Gott zeigt menschliche Gefühle. Zorn und Gnade, Weinen und Freude umfasst das ganze Menschsein. Gott durchschreitet die Tiefen und Höhen des menschlichen Daseins. Unverkennbar ist dabei seine Leidenschaft zum Guten. Er bleibt nie im Chaos des Menschen stehen. Er ist die totale Gegenbewegung, zu allem was Menschen niederreißen, zu allem was aus dem Ruder läuft. Die Ignoranz Gott gegenüber, die zum Zorn Anlass gibt, verwandelt Vergeltung in Gnade.
Das ist jeden Tag neu, das Größte der christlichen Botschaft. Evangelium voller Leidenschaft und Empathie für das, was sich gegen Gott aufbäumt. Wenn wir dem Begriff Zorn nachgehen, ist das die geballte Energie gegen das Böse. Zorn ist nicht böse, sondern der Aufstand gegen das Böse. Da kocht die Liebe, die sich nicht mit schuldig werden abfindet. Da glüht der Schmerz, einer enttäuschten Seele. Zorn ist das Gegenteil von Belanglosigkeit, der alles egal ist, wie es läuft. Es ist großartig, wie Gott mit Entgleisung umgeht. Seine Wiedergutmachung, sein in Ordnung bringen von verkrachten Lebensumständen, geschieht nicht im Niederschmettern, sondern im Erbarmen. Der Mensch bekommt schon lebenslänglich, doch nicht Strafe, sondern Gnade.  Auf die menschliche Zielverfehlung folgt nicht verdammen, sondern erlösen. Diese geballte Leidenschaft gibt dem Menschen das Leben zurück.  Gottes Leidenschaft bedeutet, den Christus zuwerfen. 
Darin liegt der Umbruch vom Weinen zur Freude. Gott rechnet nicht an, er vergibt. Das entlastet jeden neuen Morgen. Da wird diese Gottes-Emotion zu unserem Tagesbeginn. Diese Leidenschaft der Liebe verändert alles Dasein. Da können wir anders mit eigener Schuld und der des anderen umgehen. Weinen ist in den gestrigen Abend gelegt. Da bekommt der Schmerz eine Antwort. Wer solch einen Morgen erfährt, dessen Tag kann nur gut werden.
Warum wollen wir festhalten, wo Gott schon lange für lebenslänglich umgeschwenkt hat?

Oster-Katastrophe

Matth. 28, 1-10

 

Oster-Katastrophe

Erdbeben und Tsunami sind die Schrecken der Menschheit. 1960 war das stärkste Beben in Chile, das je auf der Richter-Skala mit 9, 5 gemessen wurde. Schlagartig waren mehrere tausend, bis hunderttausende von Leben ausgelöscht. Am Ende des Dramas winselt die Hilflosigkeit gen Himmel.

Ostern, eine Naturkatastrophe der ganz anderen Art.

 

  • Katastrophaler Totenkult

 

1 Nach dem Sabbat kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Nach Karfreitag war die spektakuläre Jesus-Geschichte abgehakt. Die nahen Angehörigen beginnen mit ihrer Trauerarbeit. Das Grab ist nun der Begegnungsort mit dem Verstorbenen. Am Grab soll die gebrochene Seele Ruhe finden, und den tragischen Schmerz verarbeiten. Trauern ist der Weg zu einer neuen Beziehung, zu dem, der hinausgegangen ist. Zwei Frauen stellen sich dieser standesgemäßen Tradition. Es ist eben Schicksal, dass alles mit dem Tod endet. Alles Leben ist vergänglich und raubt auch allem Glauben die Hoffnung. Tot bleibt tot, da helfen keine schönen Worte. Das wird sogar staatlich besiegelt. Hüter des Todes stehen extra mit am Grab, das ja nichts Dummes passieren kann. Lebendige Todesscheine bestätigen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Doch Gott hält nichts von depressiven Dunstglocken und der Selbstbeweihräucherung des Elends.

 

  • Katastrophales Donnerwetter

 

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber fürchteten sich und erstarrten zu Tode.

Wo Gott zum Leben erweckt, fliegen die Grabsteine. Dieses große Erdbeben verschlingt nicht tausende von Menschen, es wirft den Erlöser in die Welt. Hier toben Naturgewalten, bei denen es drunter und drüber geht, dass gestandene Männer vor Schreck erstarren. Mutige und professionelle Krieger, für den Katastropheneinsatz ausgebildet, werden wie kleine Kinder beim Gewitter. Ein Erdbeben bei dem sich nicht die Gesteinsschichten im Boden verschieben, sondern ein Energieschub vom Himmel fällt. Gegen diesen Engel, der wie ein Blitz sich in die Erde bohrt, ist alles Sterben machtlos. Alle Gesetze, alle Erfahrungen dieser Welt lösen sich in Nichts auf, wenn sie von der schöpferischen Hand berührt werden. Das Leben, das von Gott kommt, kann weder Tod noch seine Wächter aufhalten. Mit der Auferstehung schreibt Gott Unvergängliches in vergängliche Naturgesetze. Gott bebt und donnert über allem, was der Mensch für endgültig erklärt.

Wo Ärzte sagen: Wir können ihnen nicht mehr helfen, sie sind austherapiert; sagt Gott Nein. Es ist kein gruseliger Horrorfilm, wo Tote aufstehen. Wo die Gewalt Gottes auf den Tod prallt, kann nur ein Christus auferstehen. Gottes Liebe braucht Golgatha um die Sünde der Welt los zu werden. Sie braucht den auferstandenen Christus, dass seine Liebe wieder zu den Menschen kommt. Der Auferstandene trennt von der Gottestrennung und somit vom Tod.

Wenn an Ostern die Erde bebt, ist das eine…

 

  •   Katastrophe zum Heil

 

der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. …

Mit Ostern beendet Christus das Unheil. Die Frauen wollten nach dem Grab sehen und treffen auf einen Engel und dann auf Christus. Ostern heißt: Christus sehen. Auf dem Weg zum Toten stehen sie vor dem Lebendigen. Sie erschrecken und ihre ganzen bisherigen Vorstellungen kommen ins Wanken. Sie trauten ihren Augen nicht und gingen vor Christus in die Knie. Die Christusbegegnung wird zu einem heilsamen Schock. Sie waren auf Totenehrung programmiert, und werden nun sehr lebendig gegrüßt. Als die Trauernden werden sie vom Leben getröstet. Das mehrmalige fürchtet euch nicht, ist der Trost des Heils über allem Unheil. Es ist der Ruf, dass die menschliche Katastrophe, eine unerwartete Wende gemacht hat. Die Sünde ist gestorben, es triumphiert das Leben.

Jeder Katastrophe ist seit Ostern das fürchte dich nicht entgegengerufen. Alle Erschütterungen des Lebens sind der Ort, am dem wir Christus begegnen. Mit der Auferstehung gibt es keinen Weltuntergang mehr, der uns erschrecken könnte. Wir werden immer von viel Elend umgeben sein, die das Kennzeichen einer gefallenen Welt sind, aber wir können auf Sterbenswegen immer auch dem Auferstandenen begegnen. Seit Ostern können wir uns nicht mehr hinter dem Tod verstecken. Jede Ausrede wegen unerträglichen Lasten, muss an dem fürchtet euch nicht zerschellen. Gerade auf dem schweren Weg unserer Endlichkeit, stoßen wir am Ostermorgen auf Christus.

 

Ist es nicht eine viel größere Katastrophe, an Ostern nicht in das leere Grab zu schauen?

Am Nullpunkt beginnt Ostern

es ist nie zu spät, neu anzufangen.
„Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend, ehe die bösen Tage kommen und die Jahre sich nahen, da du wirst sagen: „Sie gefallten mir nicht.““

Pred. 12, 1
Spätestens, wenn die ungemütlichen Tage im Leben kommen, hat der Mensch vieles nicht mehr in der Hand. Wo man in jungen Jahren vieles aus sich heraus frisch und aktiv angepackt hat, sind es im älter werden die Krankheiten und Beschwerden, die den Handlungsspielraum einschränken. Der einst Aktive, wird zum leidenden Elend. Wenn die bösen Tagen kommen, gleichen wir dem Übeltäter der neben Jesus am Kreuz hing und sprach: Jesus gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! 
Das „Denk an deinen Schöpfer in deiner Jugend“, wird von Jesu Gedenken am Kreuz überdeckt. Wo Menschen ihr Gedenken von klein auf an Gott vergessen und verlassen, gedenkt Gott an uns. Wo wir unter der Last unseres Lebens leiden, nicht zuletzt aus der Folge des Gott verlassens, leben wir allein aus seinem Gedenken. Der Tod Christi am Kreuz ist die Antwort auf die bösen Tage, aus denen er uns herauslösen will. Unsere bösen Tage können wir nicht selbst überwinden, wir können sie nur durchschreiten, weil Christus unser gedenkt. Er wird uns erlösen, von allem, was in unserem Leben vom Zerfall und Auflösung gezeichnet ist.
Wo Christus, selbst in unserer letzten Stunde an uns denkt, da ist es nie zu spät. Da ist der Zerbruch unseres Lebens noch voller Hoffnung. Da kommt nicht das große, schwarze Loch; da kommt an unserem Nullpunkt Ostern. So ist das Ende Christi am Kreuz, Gottes großes Gedenken an unsere bösen Tage. In den bösen Tagen offenbart sich nicht unser Ende, sondern Gottes Neuanfang.
Wenn Gott so an uns denkt, müssen wir da noch an Tagen, die uns nicht gefallen, in Grund und Boden versinken?
Einen gesegneten Karfreitag wünsche ich euch.