Schiffbrüchige fallen ins Erbarmen

Gerade die vom Leben Gezeichneten, sind von Gott gezeichnet worden.

_“Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?
Ps. 94, 9

Wer solch eine Frage an das Leben stellt, stellt sie mit großer Weisheit. Er entlarvt damit die menschliche Kurzsichtigkeit und Schwerhörigkeit. Wo der Mensch glaubt, Gott sieht und hört nichts, angesichts der Lasten die auf seinem Leben liegen, dreht der Psalmbeter der Spieß um. Wie sollte einer, der die Sinnesorgane für die Kommunikation geschaffen hat, genau diese ignorieren? Wo Gott äußersten Wert auf die Gemeinschaft mit Menschen legt, wo er alles dazugegeben hat, ihn wahrzunehmen, wo wir ihn schmecken und sehen sollen, wie freundlich er ist, da soll er einen Rückzieher machen? O Mensch, du hast doch etwas an den Augen und Ohren. Hier wird eine tiefe Tragik des Menschen angesprochen. Bei allem was geschieht wird zuerst Gott hinterfragt, bevor man sich selbst hinterfragt. Für die Krankheit, für das Unglück wird ein Schuldiger gesucht, ohne dabei zu sehen, dass eine starke Hand alles zum Besten führen will. Wenn wir Fallen, meinen wir schnell, wir wären aus dieser starken Hand gefallen. Der Mensch hat ein Sehproblem, mit allen dem Schweren, das sich in einem Leben ereignet. Da legt einer seine Hand an uns, um sein Meisterwerk zu gestalten, ein echtes Kunstwerk aus uns zu schaffen, mit einer großen Vision unser Leben in die Zukunft zu entwickeln, und wir klagen den Handwerker an, der mit Hammer und Meißel eine großartige Arbeit macht. Wir hören Gehämmer und meinen, Gott will Krieg mit uns. Wir sehen nur die Brocken wegfliegen und glauben an Zerstörung. Wir sind diejenigen, die ständig in der Gefahr stehen, Gottes Handeln an uns fehl zu interpretieren. Wir klagen den an, der das Heil für uns im Auge hat. Mit unserer Sichtweise wollen wir Gott vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat. Warum lässt Gott es zu, dass Jan Hus als leidenschaftlicher Verkündiger und einer, der die Kirche erneuern wollte, heute vor 603 Jahren auf dem Konzil in Konstanz als Märtyrer stirbt? Nur weil wir nicht hinter Gottes Geheimnisse blicken können, schreiben wir ihm vor, was er hätte anders machen sollen. Unsere Zweifel an ihm sind unser Problem. Die Spannung, zu glauben, auch wenn wir nicht sehen.

Vor was sollte der Glaubende erschrecken, wenn die ganze Lebensgeschichte in Gottes Händen ruht? Wie sollten wir je unter den Eindruck kommen, Gott sieht und hört nicht, wo er selbst der Raum zum Atmen ist? Wie sollte uns einer verlassen, der uns Kinder nennt? Hören und sehen sind die Organe, aus denen Gott gemacht ist. Ihm entgeht nichts. Da gibt es keine Partitionen auf der Festplatte, die irgendwelche Lücken haben. Gott ist uns näher als jeder Herzschlag. Er leidet mit uns jeden Schlag durch, der zur Vollendung unseres Lebens dient. Wenn Gott das Meer ist, braucht kein Seemann einen Schiffbruch zu fürchten.

Warum sollten wir mit Gott hadern, wenn ihm nicht das Geringste aus dem Ruder läuft?

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Eine Glocke will wieder Danke sagen
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Glanz in finsteren Herzen

Die Sonne geht über denen auf, die erkennen, wo ihre Grenzen und Schwachheiten liegen.

Der Herr wendet sich zum Gebet des Verlassenen und verschmäht ihr Gebet nicht.“
Ps. 102, 18

Heutzutage muss jeder stark sein, muss funktionieren und seinen Platz ausfüllen. Es geht uns grundsätzlich gut, weil wir ungerne unsere Schwächen nach außen tragen. Wer seine Schwächen vermarktet und ständig über seine Probleme jammert, geht anderen schnell auf den Geist. Schwache werden in der Gesellschaft gerne aussortiert. Solche Menschen fallen oft auf die Nerven, man distanziert sich, um nicht von ihrem Schwermut runtergezogen zu werden. Wir haben gelernt zu stehen, uns durchzuboxen und den dicken Max herauszuhängen. „The show must go on.“ Der Schein muss gewahrt bleiben, dass alles rund läuft. Oft ist dabei mehr Schein als Sein. Nach außen ja keine Blöße geben. Doch was geschieht in den Stunden, in denen wir nicht so stark sind wie wir scheinen? Was passiert in den Momenten, in denen wir fragen: Was mache ich mit meinem Leben? Für wen oder was funktioniere ich denn überhaupt? Was passiert wenn die äußere Routine auf die innere Hilflosigkeit trifft? An der Grenze, an der vieles im Leben sinnlos erscheint, wo wir die ganze Verlorenheit und Verlassenheit in uns erkennen, liegt der Ansatz, in dem Grundlegendes passiert. Die Hilflosigkeit des Verlassenen steht direkt vor Gott. Dieses Gebet der Ohnmacht trifft mitten in Gottes Herz. Es ist der Augenblick, in dem sich der Mensch vor Gott erkennt und wie der Zöllner in dem Gleichnis Jesu an seine Brust schlägt und sagt: Gott sei mit Sünder gnädig! Das ist ein heiliger Moment, wo der Mensch an sich und seiner eigenen Lebensgestaltung zerbricht und erkennt, ohne Gott ist alles haltloser Krampf. Es geht die Sonne auf, wenn ein Mensch erkennt, wo Gott nicht ist, bin ich von ihm und allen guten Geistern verlassen. Wenn wir an diesem dunkelsten Punkt stehen, an dem Jesus am Kreuz war und ausrief: Mein Gott, mein Gott warum hast du mich verlassen, beginnt der Auferstehungsmorgen. In der größten Verlassenheit, wird Gott ganz groß. Im menschlichen Nichts, wird Gott alles. In der Verlassenheit ist die vollkommene Gottesnähe.

Von dem Zöllner heißt es: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus. Diese Gottesbegegnung hat Grundlegendes verändert. Ihm wurde seine Verlassenheit abgenommen. Wo diese Gottverlassenheit weg ist, wird ein Geist fröhlich. Es ist eine gewaltige Befreiung, wenn ich nicht mehr auf meine eigene Rechtschaffenheit angewiesen bin. Da brauche ich nicht mehr krampfhaft um irgendwelche Anerkennungen kämpfen, da bin ich von Gott erkannt und anerkannt. Wo Gott dem Sünder gnädig ist, brauche ich nicht mehr nach gnädigen Menschen zu suchen. In dieser Anerkennung wird ein Leben stimmig und stark. Es wird unabhängig von meinen mehr oder weniger guten Werken, oder dem Wohlwollen der anderen. Wir sind gefestigt, weil wir nicht mehr verlassen sind. Wir sind gerechtfertigt, weil uns niemand mehr anklagen kann. Welch ein Glanz kommt da in finstere Herzen.

Wohin wenden wir uns, wenn wir uns verlassen fühlen?

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Die Haut auf unserem Körper

An Himmelfahrt geht Jesus fort, um noch viel näher zu sein.

„Der Herr wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre.“
Jes. 58 11

Führen ist immer eine tolle Sache, wenn der der führt weiß wo´s lang geht. Führen hat mit umfassender Weitsicht zu tun. Führungskräfte sind starke Persönlichkeiten, ganz dicht an unserer Seite, die das Beste aus uns herausentwickeln. Gute Führung schafft Persönlichkeiten, fördert Gaben und setzt Potenziale frei. Unter guter Führung ist gut leben. Da ist an alles gedacht. Das stärkt in allem Krisenmanagement und baut auf in Dürrezeiten. Das erlebten auch die Jünger, die von Jesus geführt wurden. Für sie war Himmelfahrt ein Drama. Der Meister unter ihnen, von dem sie so viel von der Lebensgestaltung einer anderen Weltanschauung lernen konnten, ist weg. Der, der ihnen zum Lebensinhalt geworden ist, bei dem sie erlebten, wie Menschen von Grund auf gesund wurden, fehlt. Himmelfahrt, aus der Traum von guter Führung. Doch Christus sagt: Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch. Indem er in den Himmel zurückkehrt, wird seine Macht größer und sein Einfluss stärker. Es ist eine Beförderung an den Regierungssitz des Allmächtigen. Seine Führungsrolle ist nicht mehr auf das auserwählte Volk begrenzt, sondern er steht nun über all den Mächtigen auf der Erde. Alle Staatsmänner und Führer dieser Welt, sind ihm unterstellt. Er hat die Seinen nicht zurückgelassen, sondern in einen viel größeren Hoheitsbereich hineingestellt. An Himmelfahrt übernimmt Christus die Weltherrschaft. Da spielt sich nichts mehr ab, was nicht über seinen Schreibtisch läuft. Sein Führen ist dadurch viel weitreichender und umfassender. In ihm liegt die Macht auf alles Einfluss zu nehmen. Seine Hilfe für jeden persönlich ist noch viel wirkungsvoller. Durststrecken im Leben verlieren das Bedrohliche. Auf Wüstenwegen ist immer genug da um satt zu werden. An Himmelfahrt wird Christus zur Haut auf unserem Körper. Er wird zu einem lebenswichtigen Teil von uns. Seine Nähe ist noch viel unmittelbarer geworden.

Die Dürre verliert damit ihren Verwelkungscharakter. Die Trockenheit ist nicht mehr das Sterben der Blumen. Da bleiben die Giftgas werfenden Despoten, da geschieht Unrecht und Unglück, doch unter dieser Führung, ist Leben nicht auszulöschen. Führen und sättigen geschieht gerade am Rande des Wahnsinns und unter ausgetrockneten Kehlen. Dort wo das Leben in Einzelteile zerlegt ist, ist Himmelfahrt die Antwort. Da wird das Erniedrigte in den Himmel gezogen. Da wirken ungeahnte Auftriebskräfte. Unter dieser Führung ist weit mehr möglich, als das, was wir vor Augen haben.

Wenn uns solch eine Nähe garantiert ist, welche Ausweglosigkeiten sollen uns da noch an den Rand bringen?

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Meer-Nähe

Wir sind von unfassbarer Nähe eingehüllt.
„Die mit Schiffen auf dem Meere fuhren und des Herrn Werke erfahren haben und seine Wunder auf dem Meer: Die sollen dem Herrn danken für seine Güte und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut.“

Ps. 107, 23-24, 31
Um die Nähe Gottes aufzumalen gibt es kaum ein besseres Bild als das Meer. Wenn Gott das Meer ist, dann ist jedes Schiff von nichts anderem als von Gott getragen. Wer sich auf das Meer begibt, schwimmt auf Nähe. Jeder Augenblick wird zum Wunder, weil die scheinbare Gefahr, von Gottesgegenwart erfüllt ist. Es besteht nur das eine Risiko, dass wir in Gott fallen. Das Hinausfahren zu unbekannten Ufern wird nicht zur Lebensbedrohung, sondern zu einem Hineinfahren in den sichersten Halt. Je mehr wir die Stürme zu fürchten haben, umso mehr hüllen uns die Wellen in die Nähe Gottes. In den Gefahren des Alltags ist mehr Gott drin, als wir je vermuten. Das Unberechenbare wird zum Gottesereignis. Die Herausforderungen unserer Tage zum Wunder.
Nähe Gottes ist absolut. Im Lehrtext heißt es: Er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Woher kommt es dann, dass uns Gott manchmal so weit weg erscheint? Wenn Gott da ist, der Christus in Brot und Wein in uns eingeht, dann ist er sogar mitten in uns. Er ist uns näher als wir uns selbst sind. Nähe Gottes ist so selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Wenn Gott da ist, können wir uns nur fragen, wo sind wir dann? Wo Gott uns weit weg vorkommt, können wir den Spieß nur umdrehen und die Frage an uns richten. Nähe Gottes ist nicht die Frage an Gott, sondern an den Menschen. 
Wir sollen die Wunder unserer Tage entdecken. Es geht um ein Hineinspüren in die Güte, die uns umgibt. Wir werden zu Wunder-Suchern in unseren Stürmen. Die Dankbarkeit wird zum Klangkörper in den Wellen, die über uns zusammenschlagen. Die scheinbare Gottesferne wir zur Erfahrung von Nähe, weil das Unheil von dem Heil aufgefangen wird. So gilt es dankbar zu werden, weil wir wissen und erfahren, dass Gott seine Schiffe auch bei Gegenwind in den Hafen bringt.
Wenn so viel Nähe in uns ist, wo sollten wir da über Verlassenheit klagen?

Zerschlagen ist, erneuern lassen

Im Zerbruch ist Gott am Nächsten.

„Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“

Ps. 34, 19



Genau da, wo wir ihn am Wenigsten vermuten ist Gott nahe. Im Scherbenhaufen und den Katastrophen unsers Lebens. Die Lebensbrüche sind nicht die Aus-Zeiten, in denen Gott weit weg ist, sondern unsere Brüche und seine Nähe sind eins. Die Ohnmacht des Menschen ist Gottes Stunde.
Anhand der Saulus – Paulus – Geschichte sehen wir den Sitz von Zerbrüchen. Da begegnet Christus einem studierten Pharisäer. Der wurde von soviel Licht geblendet, dass er dabei blind wurde und 3 Tage nicht essen und trinken konnte. Ihn hat die Christusbegegnung an den Rand gebracht und außer Gefecht gesetzt. Der innere Zerbruch, der einen Christenverfolger zum Christusnachfolger machte, war ein Akt der Gottesnähe. Das Niederschmettern war der Anfang seiner Gottesbestimmung. Gott hatte mit Paulus großes vor und hat ihn durch körperliche Exzesse auf den Weg gebracht. Sicher nicht die feine englische Art, doch die Reich Gottes trächtigste. Gerade im Zerbruch, will Gott nicht zugrunde richten, sondern seine unvorstellbaren Ziele verwirklichen. Damit Gott zum Heil kommt, muss menschliches zerbrechen. Für die Erlösung der Welt, musste Christus zerbrechen. 
Gott bricht Herzen, um sie zu gewinnen. Gott ist dort am Nächsten, wo der Mensch vor ihm kapitulieren muss. Hier kommt die Wende, in denen Christus das Verwundete verbindet. Wo er einen Hananias zu Paulus schickt, dass er ihm die Hände auflegt, um ihn wieder sehend zu machen. In den zerschlagenen Herzen liegt Gottes größtes Heil. Da ist der Mensch offen, sich auf Gott einzulassen. Das Zerbrechen ist der Abschied von unserer Christuslosigkeit. Genau da werden wir zu dem, den Gott für seine Sache bestimmt hat.
Wenn wir ein zerschlagenes Gemüt haben, klagen wir den ungerechten Gott an, oder geben wir ihm Raum, uns zu erneuern?
Gott segne euch an diesem Sonntag.

Wenn Finsternis schreit 

Unser Jammer gehört an die richtige Adresse.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.“

Ps. 22, 2
Sich von Gott verlassen fühlen ist oft der Grund, dass wir uns zurückziehen. Wer kennt nicht die einsamen Stunden, die verzeifelten Situationen, in denen wir hilflos ausgeliefert scheinen. Da sind Tage, Wochen und Monate, in denen Gott so weit weg ist, wo überhaupt nichts zu spüren ist von seiner Macht. Alles ist so grau und so sinnlos. Da ist ein Dahinsiechen eines alten Menschen in seiner Demenz, da sind Schmerzen die kein Ende nehmen, da ist Gottverlassenheit. Eine Situation voller Nacht und Zweifel, voller Hoffnungslosigkeit. Die Bewegungen werden lethargisch, die Gedanken depressiv, hilflose Schreie verfuffen in der Leere.
Für diese Gottverlassenheit gibt es nur einen Platz, Gott selbst. Der Psalmist macht seine Nacht zum Gebet. Verlassenheit bekämpft man nicht mit Rückzug, sondern Hinwendung. Wo alles um uns Nacht ist, kann der Jammer in die Nacht nicht zur Hilfe werden, das geht nur auf dem Weg zum Licht. Wo wir uns von Gott verlassen fühlen, kann nur das Anrufen helfen. Dieses Gebet, waren Jesu letzte Worte am Kreuz. Er hat sein abgeschnitten sein von Gott, Gott geklagt. Der dunkelste Punkt der Seele gehört an das Herz Gottes. Da wird die Verlassenheit zur Erlösung. Da offenbart sich in der Finsternis Gottes Nähe. Da gibt sich Gott in der ausweglosesten Lage zu erkennen. Wer sein verlassen sein vor Gott ausklagt, erfährt wie allesdurchdringend Gott gegenwärtig ist. Verlassen sind wir nur dort, wo unsere Verlassenheit nicht zum Gebet wird. Gerade solche tiefen Wege wollen neues Vertrauen wecken. Sie wollen den Glauben fördern und in der Einsamkeit zeigen, wie nahe Gott ist.
Woher sollten sonst unsere Schreie aus der Nacht Erhörung finden?

Das Drinnen kommt raus

nur ein Anflug von Gottesnähe setzt Welten in Bewegung.
„Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend.“

Ps. 84, 11
Vorhof kann man sich vorstellen wie das Vorzimmer zum Chef. Früher durften nur die Juden in den Tempel hinein; in die Vorhöfe durfte jederman. Nun beginnt hier der Psalmist über die Vorhöfe zu schwärmen, also über die Vorstufe zum Allerheiligsten. Bevor es zum Eigentlichen geht, wirkt sich „draußen“ schon etwas von dem aus, was drinnen ab geht. Nur eine Türe trennt vor der absoluten Gegenwart Gottes. Diese Türe ist Jesus Christus. 
Jesus verbindet unsere Welt mit der Göttlichen. Durch ihn durchdringen sich Räume und Welten. Wo er diese Türe ist, ist der Vorhof nicht mehr vom Allerheiligsten ausgeschlossen. Da ist ein ein herüber und hinüber möglich. Wo diese Türe aufgeht, klingt die Musik bereits im Vorhof. Da ist mehr von dem Handeln Gottes zu erfahren, als man denken kann. Christus ist der Berührungspunkt, an dem die gewaltige Gottesnähe zu allen Menschen kommt. Keiner ist mehr von den Wirkungen des Heiles ausgeschlossen. Wo wir diese Türe kennen, sind wir selbst im „Abseits“ direkt bei Gott. Gottes Nähe kommt dadurch an Stellen, die noch weit weg von ihm scheinen. Gerade da, wo wir noch nicht in heiligen Räumen stehen, wo wir unter der Vorzimmeratmosphäre leiden, geht die Türe auf. Wir sind in Christus nirgends mehr ausgeschlossen, von all dem was in Gott ist. Da beginnen schon im Vorhof unsere besten Tage.
Wenn wir in solch einer Nähe zum Allerheiligsten leben, weshalb sollten wir nicht auf diese Türe zugehen?

Unvermutete Nähe 

manch einer ist mit seinen Schmerzen verheiratet.
„Er wird mich ans Licht bringen, dass ich seine Gnade schaue.“

Mich. 7, 9
Jeder kennt die düsteren und schweren Tage. Da sind Zeiten, in denen man im eigenen Saft schmort und keinen Ausweg sieht. Dauerstress und Probleme, die sich einfach nicht regeln lassen. Das ist wie bei den Jüngern, die sich nach Ostern nur noch in einem Loch verkrümeln wollten, um mit dem ganzen Erlebten fertig zu werden. Ihr Meister ist am Kreuz geendet und somit hat für sie nach verheißungsvollen Zeiten ebenso ein Kreuzweg begonnen. Überall nur Klage, Ach und Weh.
Unbemerkt begegnet ihnen Jesus auf diesem Rückzugsweg in die eigenen vier Wände. Sie nehmen ihn mit und laden ihn zum Essen ein. Beim Brotbrechen, o welch ein Wunder. Sie erkennen den Auferstandenen. Mitten in ihrer verzweifelten Situation ist Christus gegenwärtig. Da geht in der Nacht ein Licht auf. Da werden sie vom Erbarmen Gottes umschlossen. Mitten in aller Hoffnungslosigkeit feiert Christus mit den Seinen Eucharistie. Gerade wenn uns alle Lichter ausgehen, geht sein Licht an. Christus ist viel näher an unserer Not, als wir je wahr haben. Wir erfahren Gnade mitten in den beklagenswerten Umständen unseres Daseins. Dort wo menschlich der Ofen aus ist, ist schon längst die Wärme Christi da. Dort wo wir anfangen, uns mit unserem Elend zu arrangieren, feiert Christus seine Gegenwart. 
Wir trauern über dem Schicksal. Wir suchen Jesus im Grab, das er längst verlassen hat. Wir wundern uns immer neu, das er Tod, Grab und Nacht hinter sich lies und bleiben in unserem Trauer stecken. Wir müssen vergegenwärtigen, dass er gerade in unserem Jammer gegenwärtig ist. Somit ist genau dort, wo wir es nie vermuten, das Licht und die Gnade.

Christus lässt sich in seiner Fremdheit erkennen, wo wir mehr mit dem Schmerz vertraut sind.
Warum sollten wir in unserer Verzweiflung stecken bleiben, wenn bereits so viel Licht unter uns ist?

Menschenfreundlichkeit will uns liebkosen

Nähe ist ein kostbarer Schatz.
„Meine Wohnung soll unter ihnen sein, und ich will ihr Gott sein, uns sie sollen mein Volk sein.“

Hes. 37, 27
Mit manschen Menschen zusammen zu kommen ist ein Glückszustand. Ihre Nähe tut einfach gut und baut auf. Solch eine Nähe suchen wir und lassen sie uns gefallen. Auf der anderen Seite kann eine Begegnung mit anderen die totale Belastung und Frust sein kann.
Gott sucht Nähe. Gott will in Christus zu unserer Familie gehören. Bei Tag und Nacht, in guten und bösen Tagen, will er bei uns wohnen. Er kommt nicht nur ab und zu an besonderen Festen, nein, er teilt unseren Lebensalltag. Ganz dicht am Puls unseres Daseins. Er will nicht nur ein angenehmer Partner sein, er will Gott sein. Da ist das pulsierende, heilsbringende Leben, ganz in unserer Mitte. Da sind wir in Wohlwollen eingehüllt. Da wird uns Gutes und Barmherzigkeit ein Leben lang verfolgen. Da ist ständig einer da, der uns aufbaut. Diese Nähe ist das Glück unserers Lebens. Diese Nähe hält uns in unseren stürmischen Tagen. Diese Nähe schafft den aufgescheuchten Seelen Ruhe. Christusgegenwart ist das Beste, was uns passieren kann. Wir sind von Güte umschwärmt. Uns liebkost die Menschenfreundlichkeit Gottes.
Diese Nähe mit Christus erhalten wir uns durch das Wort. Jede Eucharistie ist Nähe Total. Der Gottesdienst ist unverzichtbarer Wohnraum seiner Nähe. Die Gemeinschaft mit Glaubenden soll eine Christusbegegnung sein. Wenn unser Leben reich von Gottes Güte sein soll, muss unser Christus alltagstauglich sein. Seine Nähe sucht den Ort, an dem wir sind.
Wieviel von dieser Nähe lassen wir in unserem Leben zu?

Eine Präsenz wie Atemluft 

sich verlassen vorkommen ist hart, aber es ist nur ein Gefühl.
„Der Herr sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will.“

Jes. 49, 3
Gottes Absicht ist klar, er will sich unter allen Umständen an Menschen verherrlichen. Eine Zusage, wie in Stein gemeiselt. Ein Treueschwur, der nicht rückgängig gemacht werden kann. Ein Bündnis, das nie geschieden wird. Menschen die einmal erwählt wurden, bleiben immer erwählt, in allen Kapriolen des Lebens. Eigentlich unvorstellbar wie enttäuschungsresistent Gott ist. Sein Wille, sich an Menschen zu offenbaren ist unerschütterlich. Da gibt es kein Ereignis, das ihn von dieser Absicht zurückschrecken lässt. Auch wenn du mein Volk eigne Wege gehst, kann das meine Hingabe zu dir nicht stoppen. Seine Gegenwart, seine Präsenz ist wie die Atemluft, die uns umgibt.
Seine Glaubenden sind nicht verstoßen, wenn Nebel aufzieht und die Zukunft schwärzer als die dunkelste Nacht aussieht. Das Leben besteht aus Schwingungen, aus Höhen und Tiefen, aus Zeiten, in denen wir uns von Gott und allen guten Geistern verlassen vorkommen. Zeiten in denen alles sinnlos erscheint, in denen wir nichts von dieser Gottesnähe spüren. Selbst Jesus klagte am Kreuz über diese Gottverlassenheit. Ganz schnell klagt der Mensch in solchen Durststrecken und zweifelt an allen Zusagen und starken Erfahrungen, die er bereits mit Gott hatte. Da zählt plötzlich nicht mehr, dass wir noch gestern auf Händen getragen wurden.
Gerade in solchen hungrigen Zeiten gilt diese Zusage: Ich will mich an dir verherrlichen. In der Ohnmacht will Gott sein Licht anzünden. Im Nebel will er seine Wege aufzeigen. In der Verlassenheit ist seine Nähe am Stärksten. Heil entsteht im Unheil.
Wo machen uns unsere Gefühle diese Gottesnähe immer wieder madig?