Erben macht ökumenisch

Es ist das größte Zeichen, das die katholische und evangelische Kirche in Deutschland, im Sommer in München gemeinsam in die Welt senden konnte. Kardinal Marx und Bischof Bedford-Strom, verkündeten Jesus Christus als das eine Fundament, das die christlichen Kirchen verbindet.
Hilf deinem Volk und segne dein Erbe und weide und trage sie ewiglich!“

Ps. 28. 9



Wo die Kirche ihr Erbe erkennt, kann keiner mehr seine eigene Suppe kochen. Gottes Erbe ist das größte Vermächtnis an sein Volk. Das alte Israel hat das noch sehr elitär und auf sich bezogen verstanden, doch mit Christus ist dieser lokale Horizont aufgebrochen. Da ging es plötzlich nicht mehr nur um die Schafe im eigenen Stall, sondern auch um die anderen „draußen“. Mit Christus wurde das Erbe Gottes global. Er durchbrach die Mauer zu den anders Denkenden und anders Glaubenden. Für die damalig Auserwählten ein Affront, dass sich Gott damit den „Reingeschmeckten“ zuwendet. Gott denkt mit seinem Erbe umfassend und weltweit. Mit Christus wurde Gott ökumenisch. Wo Christus ist, ist selektives Denken und Glauben nicht mehr möglich. Da ist dieses Erbe der große Schatz aller christlichen Kirchen. Dieses Erbe verbindet weltweite Unterschiede. Dieses Erbe setzt den anderen mit an unseren Tisch. Dieses Erbe ist Mahlgemeinschaft, weil nicht die Kirche zu Tisch bittet, sondern Christus selbst einlädt. Dieses Erbe ist das, was die verschiedenen Konfessionen in diesem Jahr des Reformationsjubiläum, hat wieder näher zusammenrücken lassen. Christus als das Erbe Gottes ist die Basis, den unterschiedlichen Glauben, verschiedenste Traditionen und spirituelle Vielfalt zusammenbringt.
Das Erbe ist Geschenk und Auftrag. Wo Menschen gerne abgrenzen und ausgrenzen, ist das Erbe verbindend. Da wohnt Christus plötzlich in einem Menschen, dessen Glaubensauffassung ich nicht teile, dessen religiöse Praxis ich nicht verstehe. Da kommt einem der andere näher, weil wir in dem Fremden den Bruder erkennen, der mitgeerbt hat. Da weitet sich in uns die Spielwiese Gottes. Da können wir nicht mehr auf unserem Dogma beharren. Da kann es keine engstirnige Frömmigkeit mehr geben. Die Erben Gottes sind unter allen Umständen ökumenisch und multikulturell, weil Christus gegenwärtig ist.
Muss nicht dort, wo dieses Erbe ist, eine Verständigung und Annäherung, auch in den größten Unterschieden möglich sein?

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Behalten hält frisch

Mit der Demenz fängt das Elend an.
„Versiegen die laufenden Wasser aus den sprudelnden Quellen? Mein Volk jedoch hat mich vergessen.“

Jer. 18, 14-15
Mit dem Vergessen fängt jede Beziehungskrise an. Wer vergisst, hat etwas aus dem Speicher verloren. Da fehlt etwas, was da sein müsste. Da ist ein Vakuum. Gott vergessen heißt, dass ein Leben aus dem Ruder läuft. Sein Wort nicht mehr präsent zu haben, heißt, Christus versiegt. Wer vergisst, trocknet aus. 
Es war ein Jammer, wenn wir in den heißen Sommertagen sehen mussten, wie manche unserer Pflanzen trotz gießen, schlapp machten. Manche waren nicht mehr zu retten, weil sie bei der Hitze kein Wasser mehr aufnehmen konnten. Diesen Zustand beschreibt Jesaja von denen die zu Gott gehören. Sie verdorren, weil sie hören und vergessen. Sie nehmen nichts mehr auf. Sie hören noch das Wort, doch sie speichern es nicht mehr. Die gestaltgebende und lebendig machende Kraft geht verloren. Vergessen und versiegen bedingen sich. 
Hören ist das offen sein für Christus. Es ist das an der Quelle bleiben. Es ist Mahlgemeinschaft. Hören und behalten, ist den Christus in mir abspeichern. Ich lasse gerade das nicht los, was mich am Leben erhält. Mit der Eucharistie wirke ich der Demenz entgegen. An Christus bleiben, ist das Gott nicht vergessen. Wo Christus an Bedeutung verliert, werden wir zur verwelkenden Blume. Christus können wir nicht locker nehmen, weil darin das Blühen unserer Existenz liegt. Hören und behalten machen uns zu Tätern. Damit begießt Gott die Menschen. Damit zieht das wieder Aufblühen seine Kreise. Als die von der Quelle Kommenden, werden wir zu Frischzellen für die Welt.
Sind wir noch an der Quelle, oder hat uns die Demenz schon ausgetrocknet?