Vergeben ist ein Sonnenaufgang 

Wer Vergehen anrechnet, nimmt sich selbst das Leben.
„Sprich nicht: Wie einer mir tut, so will ich ihm auch tun und einem jeglichen sein Tun vergelten.“

Spr. 24, 29
Bei Gott hat sich Vergelten in Vergeben gewandelt. Denn Liebe rechnet nicht auf, sie verschwendet sich. Schöpferisch leben, heißt neu anfangen, die Sonne über dem Chaos wieder aufgehen zu lassen.
Vor ein paar Tagen machte ich mich mit ein paar lieben Menschen früh auf, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Eine halbe Stunde bevor die Sonne kam, verfärbte sich der Himmel von glutrot in ein leuchtendes Orange am Horizont der schwäbischen Alb. Dann der Moment, als sich die glühende Kugel über den Sattelbogen schiebt und immer größer wurde. Augenblicke, die in andere Welten versetzen und das prägende Alltagsgeschehen vergessen ließen. Der Sonnenaufgang hatte solch eine Kraft von etwas Neuem, das alles Gestern vergessen ließ. In den schönsten Farben war da einfach nur unverbrauchtes Licht.
Vergelten ist, in der Nacht bleiben. Es ist das Festhalten am Alten, an der Schuld von gestern. Vergeben ist der Sonnenaufgang, der den Tag jungfräulich macht. Gott fängt heute neu an, egal was gestern war. Wenn Gott einen Groll schieben würde, würde die Sonne nochmals glühend untergehen und nie mehr wiederkommen. Vergeltung macht dicht. Vergeltung zerstört. Vergeltung ist ein schleichendes Krebsgeschwür. Nur die Vergebung frisst das fressende Ungeheuer in uns. Wo Gott durch Christus vergeben hat, schuf er den Auferstehungsmorgen. Vergeben durchbricht den Sterbensprozess. 
Wer vergibt befreit sich selbst ertmal vom Magengeschwür. Es ist das schlichte offen werden für Neues. Vergebung heilt zunächst uns selbst und kann danach wieder auf den anderen zugehen. Vergebung radiert aus, und schafft einen Zustand, als wäre heute der erste Tag meines Lebens. Vergeben ist die verwandelnde Kraft, die zu neuer Liebe fähig macht. Jeder Sonnenaufgang soll uns daran erinnern; heute ist der erste Tag meines Lebens. Ich kann ihn ausschöpfen, als wäre nie etwas gewesen.
Wenn der Sonnenaufgang solch ein erfrischendes, energiegeladenes Erlebnis ist, warum können wir dann nicht schneller vergeben?

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Lieben statt hauchen

Schwergewichte gibt es in dieser Welt nicht.
„Nur Hauch sind die Menschen, Trug die Sterblichen. Auf der Waage schnellen sie empor, allesamt leichter als Hauch.“

Ps. 62, 10
Ohne Gott verpufft Leben in der Bedeutungslosigkeit. Da ist nichts was trägt, und dem Dasein Gewicht gibt. Erschrecken wir nicht oft, über der Schattenhaftigkeit des Lebens? Was haben wir uns am Jahresanfang für diese Jahr vorgenommen und nun ist bereits das halbe Jahr vorbei. Ruckzuck vergehen die Jahre und wir haben den Eindruck, die Zeit läuft immer schneller. Von dem was wir anpacken wollten, ist so wenig geworden. Der Alltag frisst und belastet. Hauch, Schatten, Scheinblüten, Sterblichkeit. Was bleibt am Ende? 
Unser Wort heute ist auf der Suche nach Beständigkeit, nach etwas was bleibt. Am Ende steht die Sinnfrage. Die Waage zieht Bilanz. Im Rückblick erkennen wir, was hat´s gebracht. Gott richtet unseren Blick auf einen Schreckmoment – empor schnellen. Er will dem Jetzt Gewicht geben. Der heutige Tag soll nicht in der Bedeutunglosigkeit verschwinden. Jesus gegen das Emporschnellen. Dasein hat seinen Wert im Ewigen. Christus ist das Gegengewicht zur Sterblichkeit. Erlösung schafft Sinn. Wert bekommt ein Leben, wenn Christus mehr Raum einnimmt. Das Flüchtige, das sich ständig Auflösende bekommt durch Christus Bodenhaftung. 
Die nach oben schnellende Waage will Glauben wecken. Sie will uns Mut machen, unser Leben vom Ende her zu betrachten. Sie will der flüchtigen Zeit Tiefe geben. Wo wir die Bilanz vor Augen haben, wird Christus in der Zebrechlichkeit unserer Tage bedeutungsvoller. Dem dahinhauchenden Sterblichen, kann nur die Macht der Liebe etwas entgegensetzen. Wo die Christus-Liebe treibt, schnellt keine Waage hoch.
Hauchen wir noch, oder lieben wir schon?

Loben ist lieben 

von dem was kostbar ist, kann man nicht genug bekommen.
„Lobet den Herrn! Denn unseren Gott loben, das ist ein köstlich Ding.“

Ps. 147, 1
Köstliche Dinge erfüllen Herzen. Sie wecken die Leidenschaft der Gemüter. Das sind nicht nur Dinge, die sich genußvoll über unsern Gaumen bewegen, das sind Kostbarkeiten, die durch und durch gehen. Das sind Menschen, die wir lieben, das sind Aufgaben die uns erfüllen. Köstlich ist das was satt macht, was aufbaut, erfüllt und antreibt. 
Gott loben ist köstlich. Eine Kostbarkeit, die uns manchmal fremd ist. Wir danken Gott, für Essen und Trinken, wir danken ihm für Gesundheit und dass es uns gut geht. Wir finden immer wieder Gründe wofür wir ihm danken können und meinen das auch ernst. Loben ist weit mehr als Dank. Wo das Danken immer eine Bezug auf irgendwelche Handlungen Gottes hat, ist Loben zweckfrei. Lob geschieht um Gottes willen. Im Lob feiert unsere Existenz Gottes Gegenwart. Da verliert sich das Herz an seinen Schöpfer. Im Lob verschmelzen zwei Lebensmelodien. In der Anbetung wird der Mensch zum Mensch, der in Gott seine ganze Erfüllung findet. Im Lob kommt das Herz in seinem Zuhause an. Loben ist lieben. Im Loben werden wir zur Geige, bei der Gott selbst den Bogen führt. Im Lob werden aus zwei eins. 
Lobet den Herrn, ist der Zweck unserer Existenz. Dasein ist Gotteslob. Jedes Miteinander, jede Arbeit soll diesen feierlichen Charakter tragen. Ein lobendes Leben baut auf und erfrischt. Dieses Gotteslob ist das Köstlichste was uns in die Hände gelegt ist.
Welche Hymnen sind die Melodien unseres Lebens?

Allmächtig ist grenzenlos lieben

wenn nicht der Allmächtige wäre, hätten wir in den Abgründen keine Chance.
„Alles, was der Herr will, das tut er im Himmel und auf Erden, im Meer und in allen Tiefen.“

Ps. 135, 6
Im Vater Unser beten wir: Dein Wille geschehe im Himmel und auf Erden. In diesem Willen ruht die Allmacht des Schöpfers. Weil Gott will, dreht sich die Erde und atmet der Mensch. In Gottes Willen ruht das ganze Wohlwollen zum Leben. Darin ruht der Morgenglanz der Ewigkeit. Im Himmel ist alles eins mit diesem Willen, das ist die nie endende Anbetung. Auf der Erde verliert dieser Glanz, wo der Wille des Menschen entgegensteht. Unter den Menschen geschieht nicht das was Gott will. Und genau da zeigt sich die Größe des Allmächtigen. Dort wo das Leben zerbricht, weil nicht sein Wille geschieht, will Gott um so mehr. Seine Allmacht greift in die Tiefen aller menschlichen Abgründe. Gott hätte die Macht, den Menschen zum Guten zu zwingen, doch er lässt ihm die Freiheit, ja oder nein zu sagen. Er lässt ihm die Freiheit, sich unter Gottes Willen zu stellen, oder unter seinem eigenen Willen an den Rand zu kommen. Gottes Allmacht ist Liebe und kein Zwang.
Doch Gottes Wille ist so stark, dass seine Liebe bis in unsere Abgründe hineinfällt. Dort wo der Mensch in seinem eigenen Willen in Sturm und Nöte kommt, legen sich bei Gott die Wellen. Gottes Willen, will auch dann noch, wo der Mensch am eigenn Willen zugrunde geht. Gerade in allen Tiefen leben wir aus dem Willen des Allmächtigen. Wir können nicht aus Gottes Grenzenlosigkeit herausfallen. Gott will den Menschen erst recht, wenn er vor ihm schuldig geworden ist. Vor ihm ist nie das Versagen, die Ohnmacht das Mächtigste; seine Allmacht ist immer größer. Das Leben hat auch in größten Katastrophen eine Chance, weil Gott will.
Welchen Grund gibt es, diesem Willen nicht zu glauben?