Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft

Wenn die Liebe in Leidenschaft brennt ist Weihnachten.
„Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.“

5.Mose 4, 24
Bei einer Vorstellung von Gott, können wir nur an ein leidenschaftliches Energiebündel denken. Da sprüht und funkt die Liebe an allen Ecken und Enden. Der Eifer um sein Haus hat ihn gefressen. Der Mensch, der immer wieder von ihm abweicht, holt ihn aus der letzten Reserve. Leidenschaft ist ein innerer Brand, der nicht zu löschen ist. Gott ist total verliebt in das Leben und die Menschen. Er will in allem das Beste vom Besten. Er ist angetrieben von Fülle und dass alle mehr als genug haben. Er brennt für den höchsten Standard des Daseins. Er glüht gegen Halbheit und Mittelmaß. Ein für das Gute Eifernder, wird sich nicht mit Ausschuss abfinden. Gott kann es nicht mit ansehen, wo der Mensch an seiner eigentlichen Bestimmung vorbei geht. In ihm bäumt sich alles auf, wo eine Blume die zum Blühen gedacht ist dahinwelkt.  
Lange Zeit hat man aus dem verzehrenden Feuer und eifernden Gott ein Angstgebäude zusammen gezimmert. Da wurde den „Abweichlern“ gedroht und den Hintern heiß gemacht. Gott als einer, der alles kurz und klein schlägt, wenn einer ihm nicht willens ist. Doch Gott droht nicht mit Feuer, sondern brennt für Rettung. Wer Angst verbreitet, kommt nicht aus der Leidenschaft Gottes. Das verzehrende Feuer liebt sich durch die Nacht der Welt, in den Stall von Bethlehem. Die Krippe ist ein Flügel von Gottes Phantasie, wie er wieder unter die Menschen kommt. Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft. Da hat die Liebe eine angstfreie Zone geschaffen. Stark und zart eifert Gott. Jesus ist das verzehrende Feuer, das sich in Herzen brennt. An der Krippe werden kernige Hirten weich. An der Krippe wird klar, wie Gott mit Unvollkommenheit umgeht. Die Liebe kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern holt die Menschen an ihrer schwächsten Stelle ab. Dem Sünder wird nicht mit Strafe gedroht, sondern das Heil in den Dreck gestellt. Mit Christus eifert sich Gott in Herzen. 
Weihnachten will unser Gottesbild begradigen. Die Leidenschaft will uns heiß machen. Das Stehen an der Krippe, will zur Liebe befähigen. Weil wir abgrundtief geliebt sind, haben wir das, was das Leben braucht – den Mutterschoß. Wer geliebt ist, ist lebensfähig. An der Krippe gibt Gott dem Menschen zurück, was sein ganzes Leben ausmacht. Leidenschaftlich Geliebte können leben und lieben.
Wenn die Krippe das Feuer aller Leidenschaft ist, müssen wir da nicht feiern ohne Ende?

Gesegnete, frohe und leidenschaftliche Weihnachten 

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Vor Güte explodieren

Es sind die vielen kleinen Freundlichkeiten, die die Menschen aufbauen und am Leben erhalten.

Herr, die Erde ist voll deiner Güte; lehre mich deine Gebote.“

Ps. 19, 64



In kleinen Freundlichkeiten liegt große Kraft. Die Güte des Herrn sind die unscheinbaren Liebesperlen, die tagtäglich auf unsere Teller fallen. Da bringt uns einer ganz unerwartet zum Schmunzeln. Gestern war Nikolaus. Der Gang in den morgendlichen Speisesaal war ein Überraschungseffekt. An jedem Platz stand ein Teller mit einem Schokonikolaus, der auf rotgoldenen eingewickelten Pralinen gebettet war. 20 mal ein unerwarteter Blickfang, der in müde Gesichter ein Strahlen brachte. Gottes Gebote sind Güte und Freundlichkeit, damit muntert er die Welt auf. Güte ist die unverhoffte Liebesgabe, die die Seele streichelt. Da ist eine ausgestreckte Hand, die mir Gutes tut. Eine Kleinigkeit, die Welten in Bewegung bringt. Für einem Moment entgleisen die starren Furchen im Gesicht und formen sich zu einem entspannten Lächeln. Güte erfüllt nicht nur ihre Pflicht, sondern ist das Quäntchen mehr, das Herzen elektrisiert. Da rührt sich das ganze Wohlwollen, die Hingabe zum Du, das den anderen aus der Reserve lockt. Gott ist Güte pur. Er will mit Gutem überraschen, er will mit winzigen Impulsen zum Leben wecken. Da ist ein ständiges Necken und Herausfordern. Gott hat Lust uns mit Gutem zu überschütten, um dadurch unseren Trott zu verwandeln. Da kommen laufend Hallo-Wach-Impulse. Die Krippe ist solch ein Liebes-Impuls, der in die Schockstarre der geängstigten Menschen fällt.
Wo wir seine Gebote lernen, hat das nichts mit Katechismus zu tun. Es ist das Lernen der Güte. Es ist das Tagesgeschehen zu durchbrechen, für einen Moment der Freundlichkeit. Der selbst Beschenkte muss zwangsläufig andere beschenken. Meine Gaben bauen den Nächsten auf. Nach der Nikolaus-Attacke am Morgen, habe ich mich zu einer Blumenüberraschung hinreißen lassen. Der Real-Markt hatte gestern einen Blumenstrauß bestellt, den ich zustellen durfte. Die Empfangsdame mit ihrer Kollegin bedauerten, dass sie nicht selbst die Adressaten für diese Blumen waren. Sie bemerkten beiläufig, dass sie sich auch einmal über eine weiße Rose freuen würden. Ich fuhr in den Laden zurück und nach einer Weile dachte ich: Warum nicht? Kurz darauf stand ich mit zwei weißen Rosen am Empfang und löste einen Freudenschrei aus. Die Kollegin wurde über Mikro herbeigerufen, und dann nur noch eine fassungslose Umarmung. 
Güte und Freundlichkeit sind herrliche Gebote voller Überraschungseffekte. 🙂
Was hindert uns, vor Güte zu explodieren?    

Eucharistie-Geprägte

Am Umgang mit dem Nächsten, lässt sich erkennen, wo einer Zuhause ist.

„Bessert eurer Leben und Tun, so will ich euch wohnen lassen an diesem Ort.“

Jer. 7, 3



Bei Gott wohnen, prägt einen Lebensstil. Die ersten Christen trafen sich täglich in ihren Häusern und feierten das Abendmahl. Gemeinschaft mit Gott, fördert die Gemeinschaft zwischen den Menschen. Gottesdienst hat soziale Auswirkungen. Wo Gott nahe ist, wird einem der andere näher. Wer Gemeinschaft mit Gott pflegt fällt durchaus angenehm unter den Menschen auf. Da wirkt sich etwas Gutes und Wohlwollendes auf den Nächsten aus, vor allem auf die Bedürftigen und Ausgegrenzten. 
Zu Jeremias Zeiten, war der Wurm in der Entwicklung des Volkes drin. Er mahnte an, dass sie fremden Göttern nachlaufen und die Witwen und Waisen vergessen haben. Ihr Gottverlassen hatte katastrophale Auswirkungen. Wo die Gemeinschaft mit Gott nicht mehr den grundlegenden Platz hat, wackelt das Sozialgefüge. Wo andere Themen wichtig werden, schwächelt die Liebe. Man erkennt darin den unmittelbaren Zusammenhang zwischen Gottesbeziehung und dem Elend, das sich in der Welt ausbreitet. Wo der Prophet zur Besserung des Lebens und Tuns aufruft, ruft er in die umgehende Gottesgegenwart zurück. Glaubende stehen immer in der Gefahr, von den Grundlagen abzurücken und sich vom Alltäglichen oder anderen Schwerpunkten bestimmen zu lassen. Da kann die Sorge um die Zukunft, das Mühen um das tägliche Auskommen, oder gar die eigene Fitness zum Gott werden. Bessert euch heißt, sich selbst zu hinterfragen, was beschäftigt mich gerade und was treibt mich an, was füllt mich aus. Bessert euch heißt auch zu erkennen, wirkt mein Glaube noch in die Bedürftigen hinein. Es ist die Selbstprüfung meiner Gottesbeziehung. Es ist die Frage an sich selbst: Bin ich ein Eucharistie-Geprägter? 
Bei vielen Missständen in Gemeinden und Gemeinschaften lässt sich ganz schnell erkennen, dass viele Not aus Gottesentzug entsteht. Nicht mehr bei Gott wohnen macht krank. Da schneidet sich der Mensch vom Heil ab. Besserung tritt dort ein, wo Gott wieder reichlich wohnen kann. Daher können wir nur Platz schaffen, und gegen alles angehen, was  uns sonst beherrschen will.
Ist das nicht für alle eine Bereicherung, wenn wir wieder zuhause sind?

Packungsbeilage zum Glück

Frömmigkeit ist der Entschluss, die Abhängigkeit von Gott als Glück zu bezeichnen. Hermann Bezzel
Achtet ernstlich darauf um eures Lebens willen, dass ihr den Herrn, euren Gott lieb habt.“

Jos. 23. 11



Wo der Mensch den Gott der Liebe liebt, entsteht eine win win Situation. Da entfaltet sich die stärkste Macht des Lebens in einem Geschöpf. Wo die Gottesliebe auf die Liebe des Menschen stößt, entsteht Gottesdienst. Da wird Alltag zum Fest. Dass Gott Liebe ist, ist die größte Aussage, die über dieser Erde steht. Über allem was lebt, hat Gott sein „Ja ich will“ gesprochen. Damit hat er alles Leben vollgetankt und in Bewegung gesetzt. Diese Liebe hält die Welt in Atem. Sie vernetzt die Menschheit mit Zuneigung. Darin liegt alle Genesung und Heilung. Wo sich der Mensch dieser Liebe entzieht, beginnt das Elend. Es ist der Ausstieg aus seinem eigenen Lebensraum. Leben ohne Liebe macht krank. 
Wo die Liebe zweier Menschen zerbricht, sind das körperliche Schmerzen. Da brechen oft Existenzen zusammen. Viel mehr noch, wenn die Liebe zu Gott verlöscht; da graben wir uns selbst das Wasser ab. Da fehlt dem Leben das aufbauende Ja. Es fehlt die Zuneigung, die antreibt und in Bewegung setzt. Ohne diese Liebe wird alles Dasein kraft- und saftlos. Da fehlt die Energie zum Leiden und Kämpfen. Ohne die Liebe verliert das Leben seinen Sinn.
Daher heute der Warnhinweis, wie auf einer Zigarettenschachtel: Achtet ernstlich darauf, ohne Liebe ist alles tödlich. Gott zu lieben ist die Fortsetzung der Liebe, die uns getroffen hat. Es ist der Hinweis, sich selbst etwas Gutes zu tun. Es ist eine Empfehlung für unsere seelisch, geistliche Gesundheit. Diese Packungsbeilage ist ein Betrag zu unserem Glück. Gott zu lieben ist das Fitnesskonzept Nr. 1. In der Liebe zu Christus, tut der Gute uns das Beste. In dieser innigen Liebe, reift der Glaubende in das göttliche Lebensprinzip, das anfängt Berge zu versetzen. 
Wo erkennen wir die Stoppschilder in unseren Tagen, die uns neu für diese Liebe heiß machen wollen? 

Teufelskreise durchbrechen

Ein warmes Herz zu entwickeln, ist eine reife Haltung in einem unreifen Menschen.

Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!“

Ps. 112, 5



Ein Anflug von Seligpreisung kommt da auf einen zu. Gott legt einen Umgangsstil an den Tag, der völlig gegen menschliche Prinzipien geht. Für ihn gilt nicht gleiches Recht für alle, sondern Barmherzigkeit gegen Unrecht. Nicht mehr Auge um Auge, Zahn um Zahn bringt die Welt wieder ins Gleichgewicht, sondern Liebe entwaffnet das Unheil. Wo ihm Unrecht geschieht, macht er nicht den anderen fertig, sondern liebt sich selbst zu Tode. Verletzen beantwortet er nicht mit verletzen, sondern mit heilen. Er durchbricht mit seiner Barmherzigkeit den Teufelskreis. Dort wo ein Wort das andere ergibt, sich die Gemüter erhitzen und im Unfrieden auf einem Scherbenhaufen enden, praktiziert er die Größe des Guten. Frieden entsteht nicht, wenn der Gegner niedergestochen ist, sondern wenn Wunden geheilt werden. Mit Christus geht Gott auf den Menschen zu, der ihm ins Gesicht schlägt, beleidigt und entehrt. 
Menschen leben nach dem Jamaika-Prinzip; eigene Positionen durchsetzen wollen und Miteinander platzen lassen. Sie wollen durch Konfrontation entspannen. Jeder wundert sich, warum  man nicht auf einen Nenner kommt. Doch wo jeder nur das Seine will, und kein höheres Ziel einen antreibt, bewegt man sich auf Sandkastenniveau. Jeder ist sich selbst der Nächste und keiner startet zum Höhenflug durch, indem er das große Ganze vor Augen hat. Die vielen kleinlichen Streitereien und gegenseitigen Verletzungen lösen wir nicht auf Augenhöhe, sondern im über sich selbst hinausgehen, um des höheren Zieles willen. Teufelskreise durchbrechen, können nur die Herzen, die größer werden. Barmherzigkeit verlässt das menschliche Maß von Recht und Gerechtigkeit, und spielt in einer anderen Liga. Was mir zum Wohlergehen dient, tut auch dem anderen gut. Wo wir das Gute und Heil erfahren haben, können wir nur heilsstiftend unterwegs sein. Nicht mehr, wie kann ich den andern in seinem Unrecht in die Pfanne hauen, sondern was dient dem andern in seiner Entgleisung zum Guten. Die Barmherzigkeit nimmt uns in die Verantwortung, liebend zu heilen. 
Wäre es nicht unbarmherzig, die selbst erfahrene Barmherzigkeit, nicht dem anderen zukommen zu lassen?  

Liebe ist umwerfend

In der Konzentration auf die Liebe, kommen Menschen und die Welt in Ordnung.

„Ihr sollt nichts dazutun zu dem, was ich euch gebiete, und sollt auch nicht davontun, auf dass ihr bewahrt die Gebote des Herrn, eures Gottes.“

5.Mose 4, 2



Im Bewahren der Gebote des Herrn, liegt der Schlüssel allen Lebens. Da ist der Mensch im Zentrum aller guten Ordnungen. Jesus hat diese Gebote zugespitzt auf das Doppelgebot der Liebe: Liebe Gott und deinen Nächsten, wie dich selbst. An diesem Gebot kann die Menschheit genesen. In ihm sind alle Lebensratgeber der Welt zusammengefasst. Mehr braucht der Mensch nicht, als diese Gebote zu bewahren, hochzuhalten und zu verinnerlichen. Es braucht nicht mehr und nicht weniger als diese eine grundlegende Regel. Mit der Liebe zu Gott fängt alles an, sich zu regulieren. Es ist die Liebe zu seinem Wort. Im Hören und tun werden wir von Christus durchdrungen, der im Wort in uns eingeht und zur bedingungslosen Liebe befähigt. Durch das Bewahren des Wortes geht heilende Kraft von dem Menschen aus. Die Liebe zu Gott wird dadurch ausgelöst, das seine Liebe uns bereits umschlungen hat. Liebe zu Gott ist die Antwort auf erfahrene Liebe, die das Herz aufgeweicht und überwältigt hat. Daran festzuhalten baut Miteinander, baut dieses ganz andere Reich Gottes.
Was Liebe zu Gott und Liebe zum Nächsten auslöst, durften wir gestern im Benefizkonzert für Natalie auf hochemotionale Weise erleben. Da wurde von 150 Leuten, das Eigene zurückgestellt, um einem einzigen Menschen in seinem Kampf mit Querschnittslähmung Mut zu machen. Da legen 3 Musikanten 1000 km zurück, um mit ihrer Kunst und Können Hoffnung zu verströmen. Da liegt auf einer Veranstaltung eine derart aufbauende und verbindende Kraft, die vor lauter Dankbarkeit um Worte ringen lässt. Allen Beteiligten und Besuchern gingen die Gefäße aus, in die sie hätten ihr Staunen über einen historischen Moment hätten legen können.  Dieses eine Gebot hebt die Welt aus den Angeln. Dieses Gebot kann durch keine andere Regel übertroffen werden. Dieses Gebot hat die Kraft eine Geschichte mit Fortsetzung zu schreiben. Es hat die Macht, alles Festgefahrene, alles Verirrte, alles Mutlose zu durchbrechen.
Wie können wir in persönlichen Empfindlichkeiten und Enttäuschungen, uns viel schneller an diesem Gebot festhalten?   

Mit Liebe entwaffnen

Mit Gewalt kann man keine Konflikte lösen.

„Wer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat.“

  1. Kön. 20, 11

Der König von Israel lässt dieses Wort dem angriffslustigen und großschwätzerischen König von Syrien ausrichten. Anders ausgedrückt sagt er: Nimm den Mund nicht so voll! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Doch Syrien erklärt trotzdem Israel den Krieg und ging dabei zweimal heillos baden. Gott stellte sich zu seinem Volk gegen einen scheinbar mächtigen, aufbrausenden Angreifer. Wenn man die großen und kleinen Konflikte der Menschen betrachtet, stellt man sich immer wieder wie Dostojewski die Frage: „Soll man es mit Gewalt anfassen oder mit demütiger Liebe?“ Er sagt: „Entscheide dich immer für demütige Liebe.“ Ein Gottesprinzip, mit dem er die ganze Welt bezwingt. Er bezwingt die Menschheit nicht mit Ross und Wagen, sondern mit Tod und Auferstehung. Gott könnte über der Schuld der Menschen berechtigterweise aufbrausen, doch er leidet das Heil in die Welt hinein. Frieden lässt sich nicht mit Gewalt herbei kämpfen. Gott schafft seinen Frieden mit dem Blutvergießen am Kreuz. Das ist Gottes Art von Konfliktlösung. Er erneuert nicht, indem er das Heil krampfhaft überstülpt, sondern mit ungebrochener Liebe Herzen aufweicht. Er geht auf den an ihm schuldig gewordenen, mit entwaffnendem Erbarmen entgegen.

Auseinandersetzungen müssen sein; Streit ist wie ein Gewitter, das die Atmosphäre entlädt, doch gesteigerter Zorn, Wut und Geschrei schafft weder Recht noch Entspannung. Um Fronten zu bereinigen gehört eine Gesinnung wie Jakobus es ausdrückt: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Dahinter steht die Christus-Gesinnung, der demütigen Liebe. In Christus brauchen wir nicht auf Biegen und Brechen um unser Recht kämpfen, da schafft ein anderer Recht. Wir brauchen nicht die Bedrohung vor einem wortgewaltigen Schwätzer fürchten, wenn wir in dem eigentlichen Wort verankert sind. Unser Stehen und Fallen liegt nicht in den Schlachten, die wir schlagen, sondern im Stehen bei dem, der unsere Schacht schon geschlagen hat. Durch den Glauben können wir Bedrohungen gelassen und stark begegnen.

Ist das nicht eine siegreiche Strategie, mit Liebe zu entwaffnen?

Das Schwache herzen

Was nicht in Hände und Füße übergeht, hat keinen Wert.
„Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.“

5. Mose 30, 14
Gott ist keine Idee, Gott ist Ereignis. Seine Worte sind nicht nur großartige, bewundernswerte Gedanken, sie sind Leidenschaft und Kraft. Ein Wort von ihm, und die faszinierendsten Gebirgsketten entstehen. Auf sein Wort wurden Himmel und Erde. Wenn Gott spricht, bewegen sich Welten. Oder die Anfrage bei Jesus, sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund. Seine Worte sind keine Rede, sie sind tätige Liebe. Sie füllen nicht nur den Mund, sondern sind die ganze Lebendigkeit seiner Existenz. Das Wort kommt nicht von Gott, Gott ist das Wort. Sein Wort ist Fleisch und Blut geworden. Wo das Wort ist, ist der erlösende Christus. Im Wort fällt Gottes ganzes Erbarmen auf den Menschen. Das Wort hebt aus dem Staub, aus der Erniedrigung der unerlösten Menschheit.
Menschenworte dagegen bleiben oft im Munde stecken. Wieviel großartige Versprechen, wieviel großartige Absichtserklärungen, wieviel ernstgemeinte Vorsätze, die im Konflikt der Pflichten auflaufen. Von unseren großen Worten kommt so wenig an der Basis an. Irgendwo kommt da immer das richtige Leben dazwischen. Plötzlich ist ein lieber Mensch nicht mehr da, den wir immer noch mal besuchen wollten. Wir wissen um die Not, die nach uns ruft, doch das Getriebe in dem wir stehen, hält uns wie einen Gefangenen. 
Allesentscheidend ist der kleine Unterschied. Ist das Wort im Mund oder auch im Herz. Wo das Wort das Herz, das Zentrum allen Wollen und Fühlen erfasst, wird es zur Tat. Fromm reden ist ekelhaft, wenn es nicht gelingt über seinen Schatten zu springen, um den Menschen, der uns verletzt hat zu umarmen. Das Wort im Herzen schafft Persönlichkeiten, die von Versöhnung getrieben sind. Sie reden nicht von Liebe und hochgeistlichen Erkenntnissen, sondern sind diejenigen, die einen wunderlichen, belastenden, altgewordenen Vater nicht nur ertragen, sondern offenherzig und liebevoll auffangen. Das Wort redet nicht, es herzt die Schwachen.
Wo lässt sich erkennen, dass das Wort unser Herz getroffen hat?

Liebe arbeitet an sich selbst

Persönliche Veränderung ist das Markenzeichen der Christen.
„Hasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der Herr, der Gott Zebaoth, gnädig sein.“

Amos 5, 15
Das ist eine radikale Ansage an das Volk Gottes. Hier geht es um eine menschenverändernde These. Glauben ist keine Ansichtssache, sondern strukturiert Persönlichkeiten von Grund auf um. Wo Gott gnädig ist, bleibt kein Mensch wie er ist. Der gnädige Gott ist der Auslöser für den größten Umbruch, der in einem Menschen stattfinden kann. Indem Gott auf den Menschen zukommt, sich über ihn erbarmt, ihn sein ganzes Wohlwollen spüren lässt, erkennt der Mensch „das Gute“. Wer den Guten erkennt, erkennt seine Christusbedürftigkeit. Er erkennt seine Zwiespältigkeit und seinen Hang zum Bösen. In der Begegnung mit dem gnädigen Gott, kommt es dann zu einem radikalen Entschluss im Leben; Christus zu lieben und das Böse zu hassen. 
Hier wird dann allerdings eine riesige Baustelle aufgemacht. Da geht es ans Eingemachte. Da fängt richtige Arbeit an der Umstrukturierung meiner Person statt. Da können wir nicht mehr sagen: so bin ich halt, ihr müsst mich nehmen wie ich bin. Wer das Böse hasst, zieht mit Paulus den alten Menschen aus: „Legt den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte ab, und belügt euch nicht“. Das geht nicht von selbst, da müssen wir massiv Hand an uns anlegen. Den Christus lieben schaffen noch viele, doch mit dem Bösen zu brechen, da fängt oft die Unglaubwürdigkeit der Christen an. Hier ist entschlossener Einsatz gefordert. Man kann nicht Christus lieben, ohne das zu bekämpfen, was dieser Liebe entgegensteht. Liebe ist in sich, das Gute zu fördern und das Böse zu verabscheuen. Wer lieben will, kann nicht mit intriganten Worten Misstrauen säen. Hier sind die Glaubenden gefordert, sich gegen ihre Unarten zu stellen. Es muss eine ständige Selbstkontrolle und Selbstreflektion stattfinden. Wer auf dem Weg der Liebe unterwegs ist, kommt nicht darum herum, mit sich selbst ungemütliche Wege zu gehen. Das Gute, will die radikale Erneuerung und die kommt nicht von alleine, nur weil ich zu einer Gemeinde gehöre. Die Liebe zu Christus macht uns stark, hart mit uns selbst ins Gericht zu gehen. 
Reich Gottes entsteht mit verwandelten Menschen. Gott will dazu Menschen umbrechen. Eine Christus gemäße Gesinnung wächst in der Liebe zum Guten und im Hass zum Bösen. Dazu können wir die Hände nicht in den Schoß legen, sondern das ist harte Arbeit an uns selbst.
Ist es nicht an der Zeit, dass wir viel mehr Verantwortung für uns selbst übernehmen?

Liebe erzieht

Gute Erziehung hat mit Liebe zu tun.
„Wen der Herr liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.“

Spr. 3,12
Erziehung ist keine Stilfrage, sie hat ein Ziel. Erziehung will weder einschränken, noch die Freiheit berauben, sondern aufbauen und stark machen. Sie ist ein Instrument, das Leben fördert und tüchtig macht. Weil Gott liebt, erzieht er. Dabei hat ein Liebender einen weit vorausschauenden Blick, der immer das Ganze im Auge hat.
Wenn wir an unsere Kindererziehung zurückdenken, war das Zurechtweisen meistens unangenehm. Als kleiner Wildfang kenne ich noch abgebrochene Kochlöffel und den Haselnussstecken auf dem Absatz zur Kellertreppe. Da gab es noch das eherne Gesetz, abends um 10 Uhr zuhause zu sein, wo Freunde noch länger bleiben durften. Damals kochte bei manchen Maßnahmen das Gemüt, heute muss ich sagen, meine Erziehung war das Beste, was mir passieren konnte. 
Zurechtweisen ist in der Situation meist eine bittere Pille. Nicht umsonst gibt es unzählige Bücher für Führungskräfte, wie man konstruktiv kritisiert ohne zu verletzen. Auch wenn Gott führt, kann das ungemütlich werden. Härte und Strafe kommen hier nicht aus einer unkontrollierten Persönlichkeit. Wo Gott liebt, will er vor dem Bösen bewahren. Er liebt zum Guten. Er sieht in uns, den heilsträchtigen Menschen. Wo er Hand an uns legt, hat er in uns sein Ebenbild vor Augen. Er liebt das Potential, das er in uns gelegt hat und zur Entfaltung bringen will. Da brennt der Schöpferwille, der uns nicht unter unseren Verhältnissen leben lassen will. 
Erzieherische Eingriffe sind dann hart, wenn das Vertrauen fehlt, dass Gott alles herrlich hinausführen wird. Erziehung fordert Glauben, dass Gott im Augenblick mehr sieht, als ich erkennen kann. Erziehen will für Führung geschmeidig machen. Gott erzieht durch sein Wort, durch seinen Ruf, durch harte Lebensschläge. Alles dient zur Reife, um in seinen weiten Horizont hineinzuwachsen. Die Gangart der Erziehung und der Ertüchtigung, hängt von der Hartnäckigkeit des Menschen ab. Jemand, der sich willig führen lässt, braucht nur geringe Korrekturen. Bei einer harten Schale, muss schon mal ein Nussknacker her. Wer gute Erziehung genießt, erfährt die größte Liebe.
Tritt da mancher innerer Groll, nicht in ein ganz anderes Licht?