Liebe zulassen

Die Liebe ist der Tempel, in dem Gott wohnt.

„Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich dir gebaut habe?“
1. Kön. 8, 27

Diese Worte sprach der weise König Salomo bei der Einweihung des neuen Tempels. Vor der Unfassbarkeit Gottes, kapitulieren selbst die Kirchenbauer. Wenn man die Einzigartigkeit einer Sagrada Familia in Barcelona vor Augen hat und sich dabei vorstellt, dass ein Architekt dabei alles gegeben hat, um mit seinem Bauwerk Gott die Ehre zu geben, übersteigt solch eine Aussage alles, was wir uns von Gott vorstellen können. Selbst das großartigste Kunstwerk, ist ein schattenhaftes Erahnen von dem, was Gott ausmacht. Auch die Steigerung von Himmel, und alles, was unsere Gedanken nicht denken können, kommen nicht im Geringsten an die Größe Gottes. Gott lässt sich selbst auf Ewigkeit nicht festlegen. Für unser Denken bleibt Gott unfassbar. Gott ist alles und in allem. Er entäußert sich in allem. Durch den Drang sich mitzuteilen, sich hinzugeben, zu lieben, wohnt er in allem was lebt. Die Liebe ist die Wohnung, in der Gott gegenwärtig ist. In Christus sehen wir die starke Liebe, des für uns unfassbaren Gottes. Wo diese Liebe ankommt, wohnt Gott. Das ist der Raum, in dem der Mensch Gott als lebendig erlebt und darunter selbst lebendig wird.

Johannes schreibt: Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. Der unfassbare Gott, lebt in vollkommener Liebe in uns. Darin liegt die Sprache unseres Lebens. Unter dieser Liebe werden wir kommunikationsfähig mit ihm und untereinander. Wo diese Liebe wohnt, ist Gott nie weit weg. Wir brauchen Gott nicht suchen, sondern nur seine Liebe zulassen. Das ist das Geheimnis allen Lebens und Glaubens. Seine Liebe zulassen wird zum Gottesdienst. Darin wird der unfassbare Gott für alle sichtbar. Darin geschieht Heil, Erneuerung und Neuschöpfung. Diese vollkommene Liebe will in uns Raum schaffen, will sich vermehren, will sich ausbreiten und verschenken. So aktiv will der unfassbare Gott in uns rumoren.

Wenn wir Gott nicht sehen, nichts von seinen Wirkungen spüren und erkennen, müssen wir uns fragen, ob wir diese Liebe zulassen. Diese ewige Quelle hat nie aufgehört zu sprudeln. Wenn wir aushungern und verdursten, wo schöpfen wir dann? Wenn wir unsere Kälte und Härte spüren, unsere Zurückhaltung und Abweisung, erwürgen wir da nicht gerade diese vollkommene Liebe in uns? Warum tun wir uns oft so schwer, diese formende und umgestaltende Liebe zuzulassen? Gott ist nicht weit weg von uns, wir sind oft zu verschlossen, diese unfassbare Liebe ihre Arbeit machen zu lassen.

Was würde geschehen, wenn diese Liebe sich voll und ganz in uns entfalten könnte?

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Flügel haben Macht

Wer dem Höchsten am Herzen liegt hat nichts zu befürchten.

Der Herr Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird beschirmen und erretten, schonen und befreien.“
Jes. 31, 5

Jerusalem hat einen besonderen Status. Ausgerechnet diese Multi-Kulti-Stadt, mit ihrer bewegten Geschichte, in der alle Weltreligionen zuhause sind, heißt übersetzt: Stadt des Friedens. Von Gott wird sie als seine Braut bezeichnet. Sie ist Bild für die Gemeinde Gottes, und wie Gott sich seine Zukunft mit ihr vorstellt. Jeder Glaubende gehört zu dieser Stadt des Friedens und ist Braut des Herrn. Über dieser spannungsgeladenen Stadt wird maximaler Schutz ausgesprochen. Wer geschützt und gerettet werden muss, dessen Leben steht ständig in Gefahr. Gott weiß genau, wie sehr das Leben seiner Braut angefochten ist, wie brüchig der innerer Friede ist. Seine Allerliebste liegt wie ein junger Vogel im Nest, der allen Gefahren der freien Wildbahn ausgesetzt ist. Da bedrohen Wind und Wetter das schutzlose junge Leben. Da sucht der Kater Michel einen Weg, wie er diese kleinen Delikatessen verschlingen kann. Glaubende stehen in Lebensgefahr. Dieses zarte Pflänzchen, der Liebe zu Gott, steht permanent in der Bedrohung über Bord zu gehen. Gott kennt haarscharf unser inneren Fragen, unsere Zweifel, unsere Unzufriedenheit mit uns selbst und den Widerwärtigkeiten, die über uns hereinbrechen. Er weiß, wie klein der Glaube wird, wenn die Probleme groß werden. Er ist ganz am Puls der Härten, die uns fix und fertig machen und uns am Leben zerbrechen lassen.

Mit keinem schöneren Bild könnte er die Liebe zu seiner Braut ausdrücken, als mit dem Vogel der seine Flügel ausbreitet. Darin liegt die totale Geborgenheit, mitten in der Angst. Diese Flügel sagen: Ich tue alles für dich. Ich lasse nichts und niemand an dich heran. Ich lasse nicht zu, dass dich jemand aus meinem Schutz reißt. Der Hagel, der dich treffen sollte, prasselt auf mich runter. Ich beschirme, errette, schone und befreie. Nicht du trägst deinen Glauben durch, ich mache das für dich. Darin liegt die Erlösung von Christus, die allen Widerwärtigkeiten trotzt. Gott weiß, wie dick es in unserem Leben kommen kann, daher hat er alles dafür gegeben, dass seine Braut nie aus seiner Liebe herausfallen kann.

Es ist eine Tatsache, dass das Leben hart zuschlagen kann, doch es ist eine viel größere Tatsache, wieviel Schutz uns dafür zur Verfügung steht. Wir sind nur dem Leben Ausgelieferte, wenn wir den Schutz nicht in Anspruch nehmen. Wo wir angstgesteuert leben, wo wir hoffnungslos in unsere Tage blicken, wo wir das Leben beklagen, wie ungerecht es mit uns umgeht, haben wir den Schutz der Flügel verlassen. Wer sich außerhalb davon bewegt, verzichtet auf Schonung und Rettung.

Glauben wir, wir könnten uns in allem selber schützen und brauchen keinen der uns schont und rettet?

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Liebe heilt

Liebende Menschen, sind Gottes Antwort auf das Elend der Welt.

„Die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“
Jes. 58, 7

Wer liebt, dessen Herz wohnt im anderen. Wo Gott liebt, lebt sein Herz im Menschen. In aller erster Linie in den Schwachen, den Leeren und Bedürftigen, in denen, die ihm nichts zu bringen haben. Er geht auf die zu, die unter sich selbst und ihrem Leben zerbrechen. Das Defizit des Menschen zieht regelrecht sein Erbarmen an. Dem Elend der Welt stellt er eine Krippe in den Stall. Alles Sterben überwindet er durch das offene Grab. Weil Gott liebt, sind alle Katastrophen dazu angelegt zum Leben zu führen. Geliebt werden macht lebendig. Lieben heilt und baut auf. An was auch der Mensch zerbricht, da ist immer die gewaltige Gegenbewegung, des „gesund-liebens“. Das Elend und die Liebe sind ein Paar. Das ist die Botschaft allen christlichen Glaubens.

Die Liebe kann sich nicht vom Elend distanzieren. Darin ruht der Dienst der Mutter Theresa Schwestern. Sie leben jeden Morgen aus der Eucharistie, um danach, für die am Straßenrand Liegenden, zur Handreichung der Liebe Christi zu werden. Wer von der Liebe berührt wurde, muss selbst zur Liebe werden. Die Glaubenden werden dadurch in die Not der Welt hineingetrieben. Ihnen geht das Herz auf, wenn für einen anderen die Welt untergeht. Sie werden zu einem Teil der Not des anderen. Da rücken die Flüchtlinge, die Obdachlosen, die Vergessenen ganz dicht in unser Leben. Da werden mir die Menschen mit Schicksalsschlägen zur persönlichen Aufgabe. Da kann die Liebe nicht mehr schulterzuckend vorbeigehen und sagen, das geht mich nichts an. Wer liebt fühlt sich verantwortlich. Der denkt unentwegt für den anderen und überlegt sich, was braucht er jetzt, was kann ich ihm geben.

Wo die Liebe treibt, treibt sie nicht nur zu den Außenstehenden. Sie brennt auch für den Bruder und die Schwester neben mir, in einer Gemeinschaft und Gemeinde. Da kann das Elend, die für uns Schwierigen sein. Mitmenschliche Spannungen sind nichts anderes als in den Straßenrändern der Großstädte zu liegen. Da hat die Liebe die Aufgabe, eine Sprache zur Verständigung zu finden und zu lernen und nicht mit einer kalten Schulter und Ignoranz zu antworten. Wo Gott die Elenden in sein Haus führt, hat die Liebe eine spannende und herausfordernde Aufgabe.

Wir sind in das Leid der Welt gestellt, um mit Liebe zu erwärmen und zu heilen. Warum sollten wir irgendjemand diesen Dienst verwehren?

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Liebe opfert sich

Hebr. 9, 15, 26b-28

Wenn die Blumenmönche dem Gourmet-Gastronomen in Stuttgart das Empfangsgesteck in der Eingangshalle gestalten, geben sie alles. Da opfert der Florist am Bindetisch sein Leben. Doch nicht dadurch, dass er sich umbringt, sondern indem er seine ganze Hingabe hineinlegt. Er gibt seine Arbeitszeit, seine Lebenskraft, sein ganzes Empfinden für Gestalten, Formen und Farben, letztlich seine ganze Leidenschaft in ein ausdrucksstarkes Kunstwerk. Er sieht die vielen feinen Herrschaften, die sich dadurch erfreut willkommen heißen lassen und sich  das Herz für einen unvergesslichen Abend öffnen. Er weiß, wofür er sich in diesem Moment opfert. Lebendig opfert er seine Liebe zu seinem Beruf und zu seiner Berufung. Genauso wie sich der Gastronom, an seine Gäste hingibt, um damit das Geld zu verdienen, mit dem er dieses Arrangement bezahlt. So dienen wir einander, mit dem, was wir sind und haben. Wir opfern dem anderen etwas von unserem Leben.

 

  • Hingabe, die uns meint

15 So hat Christus den neuen Bund zwischen Gott und uns Menschen vermittelt: Er starb, damit die Sünden aufgehoben werden, die unter dem alten Bund geschehen sind.

Karfreitag, ist schwarzer Freitag. Jesus leidet an der Selbsthingabe Gottes. Da ist Gott, der so sehr liebt, dass er um alles in der Welt nicht für sich sein kann. Er ist Gott, und bräuchte niemand für seine Vollkommenheit, weil er alles und in allem ist. Dennoch sucht er ein Du. Dabei leidet er genau an dem Du, das sich alles sein will, und zeigt, wie fähig es ist, ohne Gott zu sein. Das Kreuz zeigt, wie weit Gott aus sich herausgeht, und wie kaputt die Welt ist. Das Kreuz zeigt den Grund, dass es mich überhaupt gibt, dass er alles gegeben hat, mich ins Leben zu rufen, und es zeigt, wie ich mit dieser Leidenschaft umgehe. Das Kreuz ist Spiegelbild von Gottes und meines Handelns. Es ist der Grund und der Abgrund aller Existenz. Der sterbende Christus bringt zwei Extreme zusammen – den leidenschaftlichen Gott und den distanzierten Menschen.

Christus stirbt aus einer bitteren Notwendigkeit heraus. Gott leidet deshalb, dass der Mensch Mensch sein kann und nicht Gott sein muss. In der Begegnung mit dem Emausjüngern stellte Jesus diese Notwendigkeit mit einer Frage klar: Musste nicht Christus dies alles erleiden? Ja er musste! Es ist ein freiwilliges Leiden, für eine erneuerte Beziehung. Hier glüht Liebe, die alles geben will, um Unvollkommenes mit Vollkommenem zusammenzubringen. Es ist die totale Hingabe, die verlorenes Leben zurückgeben will.

  • Opfer, das lebendig ist

26  Aber er ist jetzt, am Ende der Zeit, erschienen, um ein für alle Mal durch seinen Opfertod die Sünden zu tilgen. 27 Jeder Mensch muss einmal sterben und kommt danach vor Gottes Gericht.

Wo es um einen Opfertod geht, geht es gerade nicht um den Tod, sondern um das Leben. Es wäre abgründig, Jesu Leiden auf seinen Tod zu reduzieren. Nicht der Tod, sondern seine Hingabe ist die Botschaft des Kreuzes. Jesus ist nicht gekommen sein Leben zu opfern, sondern er für etwas einzusetzen. Sein Sterben ist sein Dienst an den Menschen. Er ist nicht gekommen um sich dienen zu lassen, sondern dass er diene und sich als Löseopfer gebe für viele. Diesen Dienst kann er nur mit seinem ganzen Leben erbringen, aber nicht mit dem Tod. Das zeigt die Qualität des Opfers. Er opfert das Allerletzte, um Sünden, die Gottestrennung zu tilgen. Am Kreuz heilt die gefallene Schöpfung. Da ist ein für alle Mal Schluss, dass ein Mensch opfern muss, um einen gnädigen Gott zu finden. Gott braucht kein Opfer mehr, um versöhnt zu sein. Christus beendet damit den religiösen Urreflex der menschlichen Seele, der in allen kultischen Opferhandlungen liegt. Keine Bauchaufschwünge mehr, keine Selbstkasteiungen, keinen Ablass, keine auferlegten Bußübungen oder sonstigen menschlich verkrampften Aktionen. Gott braucht kein Opfer mehr. Sein Opfer hat mit uns zu tun. Es ist das lebendige Opfer für unvergängliches Leben. Es nimmt aller Anklage das Gericht. Dieses lebendige beendet das Sterben nach dem Sündenfall.

Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Es ist wichtig, die Leidensbereitschaft der Liebe nicht in die Erlösungskraft des Leidens zu verkehren! Es wäre ein fatales Missverständnis, den Tod Jesu zu verherrlichen – gerade so als habe Martyrium aus sich selbst heraus einen Wert, als sei Leiden eine Form des Gottesdienstes, als habe Jesus quasi darauf gewartet, endlich für uns zu sterben. Das wäre die religiös perverse Verherrlichung des Selbstmords.“ (Martin Schleske, Der Klang, Klangfarbe der Notwendigkeit, S. 165)

Im Opfertod geht es um Leben.

  • Liebe, die alles gibt

Nun können alle, die Gott berufen hat, das von Gott zugesagte unvergängliche Erbe empfangen, das ewige Leben bei Gott.

Das Kreuz verwandelt alles. Wir verherrlichen an Karfreitag nicht die Erlösungskraft des Leidens, sondern die Leidensbereitschaft der erlösenden Liebe. Wenn Christus für uns gelitten hat, ist nicht das Leiden das große Thema, sondern wie weit seine Liebe geht. Wir stehen erschüttert unter dem Kreuz, betroffen von dieser Notwendigkeit, blicken auf und sagen: Du hast mich in den Himmel geliebt. Das ist das unvergängliche Erbe, das wir am Karfreitag empfangen. Das Kreuz wird zur Kraft meines Lebens. Mit dem Kreuz spricht er über unserem Leben sein es werde und es ward. Da beginnt Neuschöpfung. Damit erschafft die Liebe das Leben zurück. Ich gebe mich ganz, damit es dich gibt. Die Selbsthingabe ist die Liebe, die sich nicht abschütteln lässt.

„Ein Mensch der Liebe sucht, aber nicht bereit ist, auch am Geliebten zu leiden, hat das Wesentliche der Liebe nicht begriffen. Es wäre der armselige Versuch, das eigene Dasein in schmerzfreier Belanglosigkeit zu ertragen. Es wäre ordinär.“ (Schleske)

Der Anfang des Glaubens beginnt am Kreuz. Somit ist Glaube, lebendiges Opfer aus Liebe. Das ist ein Glühen unter Schmerzen. Es ist die Leidenschaft eines Floristen, der einen traumhaften Rosenstrauß bindet, auch wenn ihm manchmal die Dornen die Finger zerstechen. Das ist unvergängliches Erbe, wenn aus dem Opfer am Kreuz, in uns ein lebendiges Opfer wird. Wer liebt, kann sich nur für Großes opfern. Da muss Glaube nicht nur warm und schön sein, da darf er auch schmutzig und hart sein.

Durch das Kreuz sind wir lebendig, weil Liebe sich opfert.

Total verrückt nach mir

Gott ist total verrückt nach uns.

„Mächtig waltet über uns seine Güte, und die Treue des Herrn währt in Ewigkeit. Halleluja.“
Ps. 117, 2

Ein Lobgesang, bei dem einem Beter die Knie weich werden. Mächtig waltet Güte – da ist einer von der Liebe Gottes erschlagen. Fassungslos steht er vor so viel Gutem. Da glüht sich einer förmlich zu mir durch. Gott hat an mir einen Narren gefressen. Er schäumt über vor Hingabe zu mit. Wo Güte waltet, kennt Gott niemand anders als mich. Es ist das frisch verliebt sein, in dem der eine für den anderen alles gibt. Das ist schon ein Stück unreale Wirklichkeit, in dem man den Partner besser darstellt als er tatsächlich ist. Du bist das Allerbeste für mich, für dich gebe ich alles. Ich löse mich auf für dich, ich halte mich in nichts zurück. Ich gehe in dir auf, du bist mein ein und alles. Kein Preis ist mir zu hoch, um dich nicht mehr zu verlieren. Auch wenn du mich ins Gesicht schlägst, bebt meine Liebe zu dir. Auch wenn du mich verlassen willst, ich verlasse dich nie. Ich hänge an dir mit Leib und Leben. Ich definiere mich über dich. Ich gebe alles, dass du zum Klingen kommst. Ich erleide alle Schmerzen, um dir Freudentöne zu entlocken. Ich binde dir den schönsten Rosenstrauß, auch wenn mir die Dornen die Finger zerstechen. Mächtige Güte ist ein unvergleichliches Glühen. Da sieht man am Kreuz die Liebe leuchten. Um mich zu bekommen, kann Gott gar nicht anders als sein ganzen Lebensopfer zu bringen. In der Passion schreit die Gottesliebe: Ich liebe dich. Ich will dich auf ewig. Mächtig waltet über uns seine Güte, ist die größte Mitgift in dieser Welt. Für dieses Geschenk gibt er nicht nur alles, sondern sich selbst. Mächtige Güte.

Diese Güte will unser Herz weich machen. Wer so geliebt wird, kann nicht kalt bleiben. Da brechen alle Dämme. Da wird unsere Leidenschaft zum Kochen gebracht. Paulus beschreibt diese Konsequenz im Römerbrief: Wo Gott seinen Sohn nicht verschont und ihn für uns dahingibt – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken? In dieses Lebensgeschenk sind wir hineingeliebt. Und wenn das Leben eiskalt wird, wenn uns das Herz in Stücke zerbricht, bleibt dieses Herzens Licht. Weil Gott total verrückt nach uns ist, brauchen wir in der Untreue unserer Tage nicht verrückt werden. Die Güte über uns, trägt die Lasten in uns. Wer so beschenkt und geliebt ist, braucht keinen Mangel zu fürchten. Wer geliebt ist und lieben kann, kann mit Schmerzen umgehen. Er weiß, dass zur ganzen Liebe, das ganze Opfer gehört. Diese Güte ist mächtiger als der Tod. Halleluja.

Warum sollten wir daran zweifeln, dass wir so geliebt sind?

Verschwendung baut auf

Verschwendete Herzen werden stark.

Des Herrn Augen schauen alle Lande, dass er stärke, die mit ganzem Herzen bei ihm sind.“
2.Chr. 16, 9

Gott hält nach dem Echo Ausschau. Er hat hochbegabte Menschen auf die Erde geworfen und wartet auf den Aufschlag. Die Leidenschaft seiner Liebe hat die Erde entzündet und er sucht nach dem Feuer, das sich ausbreitet. Gott schaut und fiebert, was aus seiner Sache geworden ist. Er sucht nach Menschen die brennen. Er sucht die Heißen, die Feurigen, die Treuen, diejenigen, die ihre erhaltenen Gaben verschwenden. Er hält Ausschau nach der Frau, die Jesus zu Füßen liegt, seine Füße beweint, sie mit ihren Haaren trocknet und dem teuersten Salböl salbt. Geballte Emotionen, in denen sich Gottes Liebe wie ein rollendes Erdbeben über die Erde ausbreitet. Gott sucht nach der Leidenschaft, die er ausgelöst hat. Er durchsucht alles nach Liebe. Er will wissen, wie die Herzen schlagen, wonach sie sich sehnen.

Wo er das Echo seiner Liebe entdeckt, legt er noch einen drauf. Er macht die stark, die sich total für ihn verausgaben. Denen die alles geben, gibt er noch mehr. Er überschüttet die, die sich verschwenden, die mit seinen Gaben wuchern. Das ist das Gesetz der Liebe, die immer reicher wird, je mehr sie verschwendet wird. Am Herzen Gottes verarmt niemand. Da braucht sich niemand zurückhalten und schonen, dass die Kräfte reichen. Wo die Liebe brennt, wird ein Feuer unauslöschbar. Es geht um das ganze Herz, um den ganzen Eifer, um die totale Leidenschaft, die stark machen. Halbherzig bleibt schwach. Wo sich Herzen von Gott zurückziehen, gehen die Lichter aus und kühlt die Erde ab. Die starke Hilfe in aller Schwachheit, ist das ganze Herz bei Gott. Zwischen ganz und halb entscheidet sich Stärke und Schwäche. Halbherzige Liebe kann kein Feuer entfachen. Wo unsere Herzen nur bei uns sind, wo sie mit sich selbst beschäftigt sind, können keine neuen Kräfte fließen.

Wo Gott Ausschau hält, an welche Herzen er sich verschenken kann, wo er noch mehr dazu geben kann, ist wichtig, dass wir unser Herz untersuchen. Für was schlägt unser Herz? Ist es unter den Lasten schwach und müde geworden? Brennt das Feuer noch, das Gott einmal angezündet hat? Gott wartet mit ganzer Leidenschaft auf ganze Herzen. Er will dazugeben was fehlt.

Ist uns dort wo das Feuer ausgegangen ist, nicht angeraten, unser Herz untersuchen zu lassen?

Freude nach dem Frost

Die Freude an dem Herrn, ist unsere Stärke.

„Die Befehle des Herrn sind richtig und erfreuen das Herz“
Ps. 19, 9

Bei den Befehlen des Herrn, sind wir Christen des Neuen Testamentes ganz schnell von den zehn Geboten des Mose, beim Gesetz Christi: Liebe mich, und deinen Nächsten wie dich selbst. Das ist das Gebot, das Gott den Menschen gegeben hat, in dem alles verankert ist, was Leben ausmacht. Jesus lieben, ist ein Gesetz das aufbricht und nicht gefangen nimmt. Aus der Liebe heraus ordnen sich alle Beziehungen. Unter diesem „Befehl“ kommt ein Mensch zur Ruhe und schweigen seine Sorgen. Wer Christus liebt und von ihm geliebt ist, hat für sein Leben die Geborgenheit eines Mutterschoßes. Das Gesetz der Liebe baut auf. Es tut seinem Nächsten das, was zu seinem Besten dient. Das sind keine Befehle, die erniedrigen, da kommen Worte, die Mut machen und dahinschmachtende Seelen aufrichten. Da sind Worte, die wachrütteln und in die Erkenntnis der Wahrheit führen. Wo die Befehle von Menschen belasten und das Herz schwer machen, richten diese Worte belastete Gemüter auf. Diese Befehle sind eine Tankstelle für Leib und Seele. In der Liebe Christi findet der Mensch seine Unbefangenheit wieder. Da schmilzt die Eiseskälte, die das Miteinander erstarren ließ. Da werden Gefrustete, in aller Bitterkeit mit Freude aufgetankt. Das Gesetz Christi ist der anbrechende Frühling am zugefrorenen Wasserfall. Da brechen aus dem matten Boden, zarte farbige Krokusse auf. Diese Freude, lässt die Minusgrade der zurückliegenden Tage vergessen. Es ist Umbruch- und Aufbruchstimmung. Da fangen die Gesichter wieder an zu lachen, da klingen fröhliche Lieder auf den Lippen. Die Poeten lassen die blauen Bänder wieder fliegen.

Die Befehle des Herrn legen einen mächtigen Schalter um. Auf die Nacht von gestern, folgt der neue Tag von heute. Beim Sonnenaufgang liegt die Last der Nacht zurück. Bei den ersten wärmenden Strahlen, sind die trübenden Schleier durchbrochen und eine neue Freude kann aufsteigen. Wo die Liebe Christi uns erfasst, kommt die Freude zurück, die im Müll des gestrigen Tages erstickt ist. Die Befehle des Herrn haben solch eine reinigende Gewalt, dass sie Lust machen, verbrannte Erde neu zu beackern, verkrachten Beziehungen einen jungfräulichen Anfang schenken. Unter dem Gesetz der Liebe, muss der Hass dahinschmelzen.

Ist das nicht ungeheuer spannend, mit den Befehlen des Herrn, die Freude wieder sprießen zu lassen?

Liebe ist besser

Wenn Gott wissen will, wie sehr ich ihn liebe, dann fragt er nicht mich, sondern meinen Nächsten. Walter Lüthi

„Besser ein Gericht Kraut mit Liebe als ein gemästeter Ochse mit Hass.“
Spr. 15, 17

Nicht nur in der Küche gilt der Maßstab, Liebe geht durch den Magen, sondern es ist das Markenzeichen der Glaubenden. Wo der Tisch perfekt gedeckt ist, das Buffet eine Vielfalt präsentiert, der Wein vom Besten ist, die gehobene Gesellschaft edel sich die Gläser zuprostet, kann der Schein sehr groß und die Atmosphäre eiskalt sein. Menschen können sich mit Perfektion, mit eindrucksvollen Gesten sehr viel vormachen und ihre Herzlosigkeit überspielen. Der gemästete Ochse soll blenden, soll Eindruck schinden, soll etwas zeigen, was gar nicht da ist. Im Gegenteil, wir können die schönsten Worte machen, mit Engelszungen reden, und offenbaren dabei wie rücksichtslos und lieblos wir sind. Mit ganz süßen Worten, wird der andere super freundlich abserviert. Im lächelnden Gesicht, zeigt sich ein abgrundtiefen Charakter. Fromm und verschlagen, das wird sehr oft den Glaubenden vorgeworfen. Hinter einen schönen Maske heulen die Wölfe. Wenn eine bürgerliche Gemeinde, einer siebenköpfigen Flüchtlingsfamilie gönnerhaft eine alte Wohnung anbietet, in der an den Wänden das Wasser vom oberen Stockwerk herunterläuft und keine Heizung funktioniert, ist das alles andere als eine liebevolle Geste.

Gott sagt, die Liebe ist das Markenzeichen des Glaubens. Da ist die Begegnungsebene das Herz, der Sitz der ganzen Persönlichkeit. Gott selbst ist durch und durch getriebene Liebe zum Leben. Seine Handlungen wollen Herzen erweichen. Unter ihm geschmeidig gewordene Menschen, wollen in ihrer ganzen Schwachheit, von dieser Liebe lernen, zu der wir nur so schwer in der Lage sind. Die Liebe ist die einzige Annäherung zu Menschen, mit denen wir uns auf anderer Ebene nicht mehr austauschen können. Die Liebe versteht jedes Kind, es versteht jeder alte und demente Mensch. Aus unserem Haus Geborgenheit kennen wir die Schicksale, in denen die alten Väter in ihrer beginnenden Verwirrung, die Söhne und Töchter beschimpfen, dass sie allein gelassen worden sind und von ihnen abgeschoben wurden. Da kommen Vorwürfe noch und nöcher, die nur noch verletzend sind. Hier hilft kein Gespräch, keine noch so sachliche Auseinandersetzung oder Diskussion, dass es das Beste wäre, was Kindern ihrem Vater tun könnten; es kann nur die Liebe zaghafte Brücken bauen. Die Liebe kann gelassen mit den Beleidigungen und Verletzungen umgehen, um den brummenden Vater in den Arm nehmen. Das ist besser als rechthaberische Gespräche zu führen. Ein Liebe, die wir schweren Herzens, am Herz Gottes lernen können.

Ist es nicht besser, diese Liebe zu lernen, und kleine Brücken zu bauen, wo sonst nur noch Hass regieren würde?

Rohware soll Liebe werden

Geprüftes Holz, kann zum Klavier werden.

„Ich weiß, mein Gott, dass du das Herz prüfst, und Aufrichtigkeit ist dir angenehm.“
1.Chr. 29, 17

Wer etwas prüft, will dass es funktioniert. Wenn ein Auto die Prüfung nicht besteht, ist es schrottreif. Bei nicht bestandenem Abitur, reicht´s nur noch zum Gärtner. Gott testet die Qualität des Menschen. Er testet das Holz, das er in den Händen hält, was er daraus machen kann. Ein Haus, ein Sideboard, oder eine Flöte. Von Michelangelo sagt man, er habe in einem Felsblock bereits „seinen David“ gesehen. Beim Prüfen, sah er bereits die fertige Skulptur. Seine Aufgabe war es dann „nur noch“, alles was nicht nach David ausgesehen hat, wegzuschlagen. Wo Gott auf Herz und Nieren prüft, sucht er die ursprüngliche Eigenart. Er sucht das Kunstwerk, das es herauszuarbeiten gilt. Es ist ein Eignungstest, um die Liebe aus der Rohware herauszuholen. Da soll nichts vergeudet oder unterqualifiziert verarbeitet werden. Was ein Klavier geben könnte, sollte nicht auf dem Brennholzstapel landen. Wo Gott prüft, will er das Optimale. Wo Gott prüft, ist der Meister am Werk. Er prüft Lebenseinstellungen. Wie tickt das Herz? Wie geschmeidig liegt es in meiner Hand? Welchem Einfluss ist es ausgesetzt? Wo Gott das Herz prüft, spürt er ab, inwieweit er es formen und gestalten kann. Inwieweit diese Herz brauchbar für seine Idee der Liebe ist. Er spürt der Offenheit dafür nach. Er tastet nach den Bereitwilligen und Aufrichtigen. Der Aufrichtige hat nichts anderes vor, als den formenden Händen standzuhalten. Aufrichtig ist der butterzarte Ton, der sich auf der Töpferscheibe, zur Vase aufziehen lässt. Unaufrichtig ist der verunreinigte Lehm, halbtrocken, mit Steinen vermischt, der mit bestem Willen nicht zu bearbeiten ist. Wo Gott prüft, sucht er unsere Geschmeidigkeit für seine großartige Sache.

Die Bereiten sollen wachsen. Sie sollen kein Trugbild ihres eigenen Lebens sein. Wer bereit ist sich prüfen zu lassen, möchte sich zum Christus-Bild formen lassen. Die Klarheit von Licht und Wahrheit, soll von ihm ausstrahlen. Das geprüfte Herz wird zum heiligen Feuer, das Unwahrheit verzehrt. Geprüfte Herzen entlarven die Lügen an sich und anderen. Von ihnen geht ein Aufschrei aus, gegen alles, was die Welt auf den Kopf stellt. Sie werden zu Störenfrieden gegen allen Schein. Die Liebe kann Unehrlichkeit nicht ertragen. Geprüfte Herzen eifern aufrichtig, für die Wertschöpfung, die Gott einem jeden Leben geben will.

Was kann die Lebensqualität mehr steigern, als diese Prüfung?

Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft

Wenn die Liebe in Leidenschaft brennt ist Weihnachten.
„Der Herr, dein Gott, ist ein verzehrendes Feuer und ein eifernder Gott.“

5.Mose 4, 24
Bei einer Vorstellung von Gott, können wir nur an ein leidenschaftliches Energiebündel denken. Da sprüht und funkt die Liebe an allen Ecken und Enden. Der Eifer um sein Haus hat ihn gefressen. Der Mensch, der immer wieder von ihm abweicht, holt ihn aus der letzten Reserve. Leidenschaft ist ein innerer Brand, der nicht zu löschen ist. Gott ist total verliebt in das Leben und die Menschen. Er will in allem das Beste vom Besten. Er ist angetrieben von Fülle und dass alle mehr als genug haben. Er brennt für den höchsten Standard des Daseins. Er glüht gegen Halbheit und Mittelmaß. Ein für das Gute Eifernder, wird sich nicht mit Ausschuss abfinden. Gott kann es nicht mit ansehen, wo der Mensch an seiner eigentlichen Bestimmung vorbei geht. In ihm bäumt sich alles auf, wo eine Blume die zum Blühen gedacht ist dahinwelkt.  
Lange Zeit hat man aus dem verzehrenden Feuer und eifernden Gott ein Angstgebäude zusammen gezimmert. Da wurde den „Abweichlern“ gedroht und den Hintern heiß gemacht. Gott als einer, der alles kurz und klein schlägt, wenn einer ihm nicht willens ist. Doch Gott droht nicht mit Feuer, sondern brennt für Rettung. Wer Angst verbreitet, kommt nicht aus der Leidenschaft Gottes. Das verzehrende Feuer liebt sich durch die Nacht der Welt, in den Stall von Bethlehem. Die Krippe ist ein Flügel von Gottes Phantasie, wie er wieder unter die Menschen kommt. Das Kind auf Stroh ist Leidenschaft. Da hat die Liebe eine angstfreie Zone geschaffen. Stark und zart eifert Gott. Jesus ist das verzehrende Feuer, das sich in Herzen brennt. An der Krippe werden kernige Hirten weich. An der Krippe wird klar, wie Gott mit Unvollkommenheit umgeht. Die Liebe kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern holt die Menschen an ihrer schwächsten Stelle ab. Dem Sünder wird nicht mit Strafe gedroht, sondern das Heil in den Dreck gestellt. Mit Christus eifert sich Gott in Herzen. 
Weihnachten will unser Gottesbild begradigen. Die Leidenschaft will uns heiß machen. Das Stehen an der Krippe, will zur Liebe befähigen. Weil wir abgrundtief geliebt sind, haben wir das, was das Leben braucht – den Mutterschoß. Wer geliebt ist, ist lebensfähig. An der Krippe gibt Gott dem Menschen zurück, was sein ganzes Leben ausmacht. Leidenschaftlich Geliebte können leben und lieben.
Wenn die Krippe das Feuer aller Leidenschaft ist, müssen wir da nicht feiern ohne Ende?

Gesegnete, frohe und leidenschaftliche Weihnachten