Mit Liebe entwaffnen

Mit Gewalt kann man keine Konflikte lösen.

„Wer den Harnisch anlegt, soll sich nicht rühmen wie der, der ihn abgelegt hat.“

  1. Kön. 20, 11

Der König von Israel lässt dieses Wort dem angriffslustigen und großschwätzerischen König von Syrien ausrichten. Anders ausgedrückt sagt er: Nimm den Mund nicht so voll! Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Doch Syrien erklärt trotzdem Israel den Krieg und ging dabei zweimal heillos baden. Gott stellte sich zu seinem Volk gegen einen scheinbar mächtigen, aufbrausenden Angreifer. Wenn man die großen und kleinen Konflikte der Menschen betrachtet, stellt man sich immer wieder wie Dostojewski die Frage: „Soll man es mit Gewalt anfassen oder mit demütiger Liebe?“ Er sagt: „Entscheide dich immer für demütige Liebe.“ Ein Gottesprinzip, mit dem er die ganze Welt bezwingt. Er bezwingt die Menschheit nicht mit Ross und Wagen, sondern mit Tod und Auferstehung. Gott könnte über der Schuld der Menschen berechtigterweise aufbrausen, doch er leidet das Heil in die Welt hinein. Frieden lässt sich nicht mit Gewalt herbei kämpfen. Gott schafft seinen Frieden mit dem Blutvergießen am Kreuz. Das ist Gottes Art von Konfliktlösung. Er erneuert nicht, indem er das Heil krampfhaft überstülpt, sondern mit ungebrochener Liebe Herzen aufweicht. Er geht auf den an ihm schuldig gewordenen, mit entwaffnendem Erbarmen entgegen.

Auseinandersetzungen müssen sein; Streit ist wie ein Gewitter, das die Atmosphäre entlädt, doch gesteigerter Zorn, Wut und Geschrei schafft weder Recht noch Entspannung. Um Fronten zu bereinigen gehört eine Gesinnung wie Jakobus es ausdrückt: Ein jeder Mensch sei schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn. Dahinter steht die Christus-Gesinnung, der demütigen Liebe. In Christus brauchen wir nicht auf Biegen und Brechen um unser Recht kämpfen, da schafft ein anderer Recht. Wir brauchen nicht die Bedrohung vor einem wortgewaltigen Schwätzer fürchten, wenn wir in dem eigentlichen Wort verankert sind. Unser Stehen und Fallen liegt nicht in den Schlachten, die wir schlagen, sondern im Stehen bei dem, der unsere Schacht schon geschlagen hat. Durch den Glauben können wir Bedrohungen gelassen und stark begegnen.

Ist das nicht eine siegreiche Strategie, mit Liebe zu entwaffnen?

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Das Schwache herzen

Was nicht in Hände und Füße übergeht, hat keinen Wert.
„Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Mund und in deinem Herzen, dass du es tust.“

5. Mose 30, 14
Gott ist keine Idee, Gott ist Ereignis. Seine Worte sind nicht nur großartige, bewundernswerte Gedanken, sie sind Leidenschaft und Kraft. Ein Wort von ihm, und die faszinierendsten Gebirgsketten entstehen. Auf sein Wort wurden Himmel und Erde. Wenn Gott spricht, bewegen sich Welten. Oder die Anfrage bei Jesus, sprich nur ein Wort, dann wird meine Seele gesund. Seine Worte sind keine Rede, sie sind tätige Liebe. Sie füllen nicht nur den Mund, sondern sind die ganze Lebendigkeit seiner Existenz. Das Wort kommt nicht von Gott, Gott ist das Wort. Sein Wort ist Fleisch und Blut geworden. Wo das Wort ist, ist der erlösende Christus. Im Wort fällt Gottes ganzes Erbarmen auf den Menschen. Das Wort hebt aus dem Staub, aus der Erniedrigung der unerlösten Menschheit.
Menschenworte dagegen bleiben oft im Munde stecken. Wieviel großartige Versprechen, wieviel großartige Absichtserklärungen, wieviel ernstgemeinte Vorsätze, die im Konflikt der Pflichten auflaufen. Von unseren großen Worten kommt so wenig an der Basis an. Irgendwo kommt da immer das richtige Leben dazwischen. Plötzlich ist ein lieber Mensch nicht mehr da, den wir immer noch mal besuchen wollten. Wir wissen um die Not, die nach uns ruft, doch das Getriebe in dem wir stehen, hält uns wie einen Gefangenen. 
Allesentscheidend ist der kleine Unterschied. Ist das Wort im Mund oder auch im Herz. Wo das Wort das Herz, das Zentrum allen Wollen und Fühlen erfasst, wird es zur Tat. Fromm reden ist ekelhaft, wenn es nicht gelingt über seinen Schatten zu springen, um den Menschen, der uns verletzt hat zu umarmen. Das Wort im Herzen schafft Persönlichkeiten, die von Versöhnung getrieben sind. Sie reden nicht von Liebe und hochgeistlichen Erkenntnissen, sondern sind diejenigen, die einen wunderlichen, belastenden, altgewordenen Vater nicht nur ertragen, sondern offenherzig und liebevoll auffangen. Das Wort redet nicht, es herzt die Schwachen.
Wo lässt sich erkennen, dass das Wort unser Herz getroffen hat?

Liebe arbeitet an sich selbst

Persönliche Veränderung ist das Markenzeichen der Christen.
„Hasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der Herr, der Gott Zebaoth, gnädig sein.“

Amos 5, 15
Das ist eine radikale Ansage an das Volk Gottes. Hier geht es um eine menschenverändernde These. Glauben ist keine Ansichtssache, sondern strukturiert Persönlichkeiten von Grund auf um. Wo Gott gnädig ist, bleibt kein Mensch wie er ist. Der gnädige Gott ist der Auslöser für den größten Umbruch, der in einem Menschen stattfinden kann. Indem Gott auf den Menschen zukommt, sich über ihn erbarmt, ihn sein ganzes Wohlwollen spüren lässt, erkennt der Mensch „das Gute“. Wer den Guten erkennt, erkennt seine Christusbedürftigkeit. Er erkennt seine Zwiespältigkeit und seinen Hang zum Bösen. In der Begegnung mit dem gnädigen Gott, kommt es dann zu einem radikalen Entschluss im Leben; Christus zu lieben und das Böse zu hassen. 
Hier wird dann allerdings eine riesige Baustelle aufgemacht. Da geht es ans Eingemachte. Da fängt richtige Arbeit an der Umstrukturierung meiner Person statt. Da können wir nicht mehr sagen: so bin ich halt, ihr müsst mich nehmen wie ich bin. Wer das Böse hasst, zieht mit Paulus den alten Menschen aus: „Legt den Zorn, Grimm, Bosheit, Lästerung, schandbare Worte ab, und belügt euch nicht“. Das geht nicht von selbst, da müssen wir massiv Hand an uns anlegen. Den Christus lieben schaffen noch viele, doch mit dem Bösen zu brechen, da fängt oft die Unglaubwürdigkeit der Christen an. Hier ist entschlossener Einsatz gefordert. Man kann nicht Christus lieben, ohne das zu bekämpfen, was dieser Liebe entgegensteht. Liebe ist in sich, das Gute zu fördern und das Böse zu verabscheuen. Wer lieben will, kann nicht mit intriganten Worten Misstrauen säen. Hier sind die Glaubenden gefordert, sich gegen ihre Unarten zu stellen. Es muss eine ständige Selbstkontrolle und Selbstreflektion stattfinden. Wer auf dem Weg der Liebe unterwegs ist, kommt nicht darum herum, mit sich selbst ungemütliche Wege zu gehen. Das Gute, will die radikale Erneuerung und die kommt nicht von alleine, nur weil ich zu einer Gemeinde gehöre. Die Liebe zu Christus macht uns stark, hart mit uns selbst ins Gericht zu gehen. 
Reich Gottes entsteht mit verwandelten Menschen. Gott will dazu Menschen umbrechen. Eine Christus gemäße Gesinnung wächst in der Liebe zum Guten und im Hass zum Bösen. Dazu können wir die Hände nicht in den Schoß legen, sondern das ist harte Arbeit an uns selbst.
Ist es nicht an der Zeit, dass wir viel mehr Verantwortung für uns selbst übernehmen?

Liebe erzieht

Gute Erziehung hat mit Liebe zu tun.
„Wen der Herr liebt, den weist er zurecht, und hat doch Wohlgefallen an ihm wie ein Vater am Sohn.“

Spr. 3,12
Erziehung ist keine Stilfrage, sie hat ein Ziel. Erziehung will weder einschränken, noch die Freiheit berauben, sondern aufbauen und stark machen. Sie ist ein Instrument, das Leben fördert und tüchtig macht. Weil Gott liebt, erzieht er. Dabei hat ein Liebender einen weit vorausschauenden Blick, der immer das Ganze im Auge hat.
Wenn wir an unsere Kindererziehung zurückdenken, war das Zurechtweisen meistens unangenehm. Als kleiner Wildfang kenne ich noch abgebrochene Kochlöffel und den Haselnussstecken auf dem Absatz zur Kellertreppe. Da gab es noch das eherne Gesetz, abends um 10 Uhr zuhause zu sein, wo Freunde noch länger bleiben durften. Damals kochte bei manchen Maßnahmen das Gemüt, heute muss ich sagen, meine Erziehung war das Beste, was mir passieren konnte. 
Zurechtweisen ist in der Situation meist eine bittere Pille. Nicht umsonst gibt es unzählige Bücher für Führungskräfte, wie man konstruktiv kritisiert ohne zu verletzen. Auch wenn Gott führt, kann das ungemütlich werden. Härte und Strafe kommen hier nicht aus einer unkontrollierten Persönlichkeit. Wo Gott liebt, will er vor dem Bösen bewahren. Er liebt zum Guten. Er sieht in uns, den heilsträchtigen Menschen. Wo er Hand an uns legt, hat er in uns sein Ebenbild vor Augen. Er liebt das Potential, das er in uns gelegt hat und zur Entfaltung bringen will. Da brennt der Schöpferwille, der uns nicht unter unseren Verhältnissen leben lassen will. 
Erzieherische Eingriffe sind dann hart, wenn das Vertrauen fehlt, dass Gott alles herrlich hinausführen wird. Erziehung fordert Glauben, dass Gott im Augenblick mehr sieht, als ich erkennen kann. Erziehen will für Führung geschmeidig machen. Gott erzieht durch sein Wort, durch seinen Ruf, durch harte Lebensschläge. Alles dient zur Reife, um in seinen weiten Horizont hineinzuwachsen. Die Gangart der Erziehung und der Ertüchtigung, hängt von der Hartnäckigkeit des Menschen ab. Jemand, der sich willig führen lässt, braucht nur geringe Korrekturen. Bei einer harten Schale, muss schon mal ein Nussknacker her. Wer gute Erziehung genießt, erfährt die größte Liebe.
Tritt da mancher innerer Groll, nicht in ein ganz anderes Licht? 

Ein Traum in orange

Wir sollen wie die beste Stunde des Tages sein.
„Den den Herrn lieb haben sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!“

Richter 5, 31
Der Sonnenaufgang ist die goldene Stunde des Tages. Wer ihn bewusst erlebt, saugt sich voll wie ein frisch geladener Akku-Pack. Darin liegt soviel Energie, dass er alle Gewitterstimmungen des Tage überdauert. Sonnenaufgänge sind nicht nur faszinierend anzusehen, sie sind die magischen Momente, die einen ganzen Tag bestimmen. Mit der ersten Stunde, mit dem Erwachen geben sie dem ganzen Tag einen Stempel. Der Sonnenaufgang ist die Auferstehung aus der Nacht. Wer ihn verschläft, raubt sich viel Kraft.
Die Liebe zu Gott, ist die geballte Ladung Sonnenaufgang. Unsere Liebe zu Gott ist keine Aktion, sonder Echo. Weil die Gottesliebe auf uns gefallen ist, weil die Christusenergie in uns aufgegangen ist, werden wir zu dieser Liebe fähig. Sie ist der Rückfluss dessen, was wir empfangen haben. Gott selbst hat uns aufgeladen, umgewandelt und zur Liebe befähigt. Weil Christus in uns Auferstehung feiert, werden wir zum Sonnenaufgang. Die ganze Schöpferenergie, die uns erfasst hat, bringt uns zum Leuchten. Die Liebe zu Gott macht uns zu einer glühenden orangeroten Kugel, die die Nächte der Menschen ablösen und den neuen Tag mit Sonnenaufgangs-Hoffnung erfüllen. Die Liebe zu Gott macht uns zu Auferstehungszellen für die Welt.
Wer wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht, pflegt andere Beziehungen, geht mit Wolkenbrüchen anders um, bringt Wärme in Eiseskälte. Dessen Schritte werden leichter, das Fernsehprogramm wechelst und sein Essen wird gesünder. Sonnenaufgänge prägen alles. In sie sind ganze Tage eingebettet. Solch ein Morgen steht immer vor Augen. 

Die Glaubenden sie die Sonnenaufgänge, die diese hektische Welt durchstrahlen und mit Energie versorgen. Welch ein glanzvoller Auftrag!
Ist die Sonne in uns schon aufgegangen, dass unsere ganze Umgebung von dieser Schönheit und Kraft zehrt?
Einen kraftvollen und gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Liebe ist der Pulsschlag

Nur wer liebt, lernt den andern richtig kennen.
„Achtet genau darauf, dass ihr den Herr, euren Gott liebt und wandelt auf allen seinen Wegen.“

Josua 22,5
Die Liebe ist wie ein Schlüssel. Damit dringt Gott in seine Menschen ein und will sie zu Wesen seiner Liebe machen. Gott will Menschen zu etwas inspirieren, was nicht in ihnen liegt. Seine Liebe will unser Wort, will der Griff unserer Hand, der Tritt unserer Füße sein. Liebe soll Lieblosigkeit durchdringen, will Lichtstrahl in aller Trostlosigkeit sein. Wo Liebe lebt, entstehen magische Momente, die alles Leben über das Dasein hinausheben. 
Diese Wesensart Gottes will überspringen. Es ist die Wesensart Gottes, die im Menschen Auferstehung feiern will. Es ist die Energie, die alles antreibt. Liebe ist Feuer und Flamme für alles was lebt. Gott ist nur damit unterwegs, Menschen anzuzünden. Er will sie brennend machen für das Gute. Mit dieser Liebe will er den Menschen aus der Reserve locken. Unsere Liebe ist das Echo, dass Gott uns berührt hat und bei uns angekommen ist.
„Achtet genau darauf“, will heiß machen auf Gott. Es will uns an diese Liebe binden, auf diese Liebe verpflichten. Darin liegt die Warnung, dass wir ganz schnell eiskalt werden können, wenn wir uns dieser Liebe entziehen. Diese Wort geht gegen unsere Trägheit und Gleichgültigkeit. Es will unsere Alltagsroutine durchbrechen. Es will uns unterbrechen, wo unser Dasein in der Belanglosigkeit verschwindet. Hier steht ein Stopp-Schild gegen das kalt werden und mit Gegebenheiten abfinden.
In der Liebe zu Gott erkennen wir ihn und uns selbst. Die Liebe zu Gott schlägt eine Schneiße durch die Lieblosigkeit der Welt. Da wird das Leben ein Lobpreis und die Handlung Gesang. Da tanzt das Licht und Wege werden klarer. Da klingt die Melodie der unsichtbaren Welt in die Kälte unserer Tage.
Achten wir darauf, dass die Gottesliebe unser Pulsschlag ist?

Vom Liebe verzaubert 

Gottesfurcht, inszeniert weltbewegendes Kino.
Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“

Ps. 85, 10,11
Ein Liebesfilm der besonderen Klasse läuft hier vor unseren Augen ab. Eine Beziehung, eine Leidenschaft, wie aus einer anderen Welt. Ein Küssen und Begegnen, das schon einen weltfremden Touch hat. Wenn Gerechtigkeit und Frieden sich küssen, sind wir doch im falschen Film? Güte und Treue turteln verliebt umher. Ein grasser Gegensatz, zu dem, was wir täglich erleben. 
Gott träumt als Regisseur diesen Traum. Er schafft diese Wirklichkeit. Diese hochedlen Werte, die die Mensch täglich verwirtschaften, die menschlich letztlich nie erreichbar sind, kommen aus ihm. Gott hat sich hier nichts vorgenommen, sondern er ist diese Wertskala in sich. Güte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden sind seine Persönlichkeitsmerkmale. Das Gute ist seine Existenz. Das Richtige, alle organisch funktionierenden Abläufe liegen in seiner Präsenz. Treu ist er in seinem endlosen Ja zu allem Geschaffenen. Im Frieden kommt in ihm alles zur inneren Genesung. Dieses leidenschaftliche Liebesspiel wirft Gott in das Chaos der Welt. Mit diesem unwirklichen Roman, setzt er eine neue Realität, in die ungerechte Wirklichkeit der Treulosen. Alle Härten, alles Ungute, alle Gereiztheit des Lebens, küsst er mit Güte. Sein Liebesspiel schafft das total Andere, von dem wir nur träumen können. Sein Küssen und Begegnen erhält die Welt am Leben. 
Die Ehrfurcht vor ihm ist das Gefäß, das diese Küsse auffängt. Wo das Leben aus allen Wunden blutet, erfährt derjenige die Hilfe, der diese Umarmungen an sich zulässt. Diese Liebkosungen muss man lieben lernen, damit aufgescheuchte Herzen Frieden finden. 
Wenn die Hilfe so nah ist, sind wir denn bereit, uns auf dieses Liebesspiel einzulassen?

Ein kaltes Herz schlägt Gott ins Gesicht

Hartherzigkeit stellt außerhalb des Erbarmens.
„Wer den Armen verspottet, verhöhnt dessen Schöpfer; und wer sich über eines anderen Unglück freut, wird nicht ungestraft bleiben.“

Spr. 17, 5
Sich über Arme erheben, ist ein Zeichen von Armut. Hier gehen schafte Worte gegen jede Art von Überheblichkeit. Gott ist der Anwalt der Armen. Er steht für die Hilflosen, Schwachen und diejenigen, die ihm nichts zu bringen haben. Erbarmen ist seine Antwort auf die Armen. Wo der Mensch Geschöpf Gottes ist, ist keiner von Gott ungewollt. Vom Anfang an, steht Gott zu allen, die er einmal geschaffen hat. Jeder Mensch ist sein Augapfel, der höchste Aufmersamkeit und Schutz genießt. Gerade dem Schutzlosen, dem, der sich selbst nicht helfen kann gilt seine Fürsorge um so mehr. 
Daher macht sich der schuldig, der einen Hilfsbedürftigen, egal in welcher Form, verachtet. Die Missachtung der Not des anderen, trifft in erster Linie Gott selbst. Die kalte Schulter zeigen wir dem Schöpfer, nicht dem Geschöpf. Das was Gott mit Liebe bedacht hat, beantworten wir mit Lieblosigkeit. Der Umgang mit den Armen zeigt unsere Christusgesinnung. Wo das Elend des anderen nicht unser Herz berührt, sind wir nicht von Christus berührt. Wo wir in unseren Häusern geistliche Lieder singen, und den Armen vor der Türe sitzen lassen, wird unser Gesang zum Hohn. 
Die Not des anderen hat uns Gott ans Herz gelegt. Wir sind für jede Form von menschlichem Schicksal mitverantwortlich. Armut ist immer kolektive Armut. Wir können uns ums Gottes Willen von keinem Elend ausgrenzen. Des andern Unglück ist mein Unglück. Wir haben Gott zum Gegner, wo angesichts der Not unsere Herzen kalt bleiben. Dabei sind die Armen viel mehr als allein die hungernden Kinder in Afrika und die syrischen Flüchtlinge in unserem Land. Da hat jeder seine Aufgabe, den Armen an seiner Seite aufzuspüren und sein Herz für ihn zu erwärmen.
Wollen wir uns nicht scharf prüfen, wo wir uns eiskalt über andere erheben und Schwachheiten belächeln?

Herzen knacken

Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen.

Dietrich Bonhoeffer 
„Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.“

5. Mose 15, 7
Christssein zeigt sind nicht in erster Linie in großen Erkenntnissen und erhebenden Gesängen. Es zeigt sich am Zustand unseres Herzens. Wo ein Gott der Weite, der Fülle, der großzügien Verschwendung und des Erbarmens ist, können die, die zu ihm gehören nicht eng, hart und kleinkarriert sein. Damit die armselige Menschheit diese Großherzigkeit erfährt, bedarf es verwandelter Herzen. Wieviel Christus lebt unter den Christen? Wie geschmeidig kann er in seiner Liebe zur Liebe formen? Wieviel bigotte Frömmigkeit durfte er aufbrechen?
Das Herz der Glaubenden ist der Dreh- und Angelpunkt, in der die gefallene Schöpfung Heil erfährt. Wo diese Herzen unbeweglich, stur und festgefahren sind, sabotieren sie die Gottesliebe. Jede Verbissenheit, alle unbewältigten Enttäuschungen, das anrechnen von Schuld des anderen, verbittern das Herz und machen es für Gottes Sache unbrauchbar. Gott will unsere Herzen knacken. Er will Raum schaffen für Christus und seine Erlösung. Er will Grenzen sprengen und Verkrustungen aufbrechen. Er will uns in die Weite der Christusgesinnung stellen. 
Wo sich der Sitz unseres Wollen und Fühles umwandeln lässt, kann die Not des Armen Gottes fürsorgliche Hand erfahren. Da wird der Arme zum Bruder, den uns Gott ans Herz legt. Da spielen nicht mehr unsere Befindlichkeiten die erste Rolle, sondern da rückt uns der andere auf den Leib. Sowie Christus unser Herz berührt, können wir angesichts der Not der Menschen in jeder Form, nicht mehr tatenlos zuschauen. In uns regt sich die Barmherzigkeit, das warme Herz Gottes, das unser Herz öffnet für das Leid der Welt. Das Leid wird zum Bruder, weil Christus um deretwilen gelitten hat. 
Wie soll die Liebe Gottes sonst zu den Armen kommen, wenn nicht durch verwandelte Herzen?

Fremdgehen in einer anderen Welt

frisch Verliebte leben wie in einem Ausnahmezustand.
„Die dein Heil lieben, lass allewege sagen: Der Herr sei hoch gelobt!“

Ps. 40, 17
Liebe verändert zwei Menschen, den, der geliebt wird und den der liebt. Bei der Liebe könnte man sagen, da geht es nicht mit rechten Dingen zu. Liebe durchbricht das rationale Denken und steigt bei sachlichen Fakten einfach über den Gartenzaun. Daher hängt für frisch Verliebte der Himmel voller Geigen, wo andere nicht mal einen Ton wahrnehmen. 
Wo jemand das Heil liebt, steigert sich die „Verrücktheit“ der Liebe. Da ist ihm Christus zum Lebenspartner geworden. Da geht das Wort aus und ein, da zergeht die Hostie auf der Zunge. Der Leib Christi verkörperlicht sich im Liebhaber. Das Heil lieben, ist das fremdgehen in einer anderen Welt. Es ist das Umarmen von allem, was Gott ausmacht. Das Heil lieben, ist in die völlige Hingabe zu verfallen. Es ist die Ganzhingabe an seinen Schöpfer. Gott erhält dabei die Freiheit, sich voll und ganz in einem Menschen auszutoben und sich zu verewigen. Das geschieht auch, als Jesus den Zachäus vom Baum herunterrief, und bei ihm einkehrte. Wo ein Mensch das Heil liebt, hat lange vorher Gott die Sehnsucht geweckt. Dieses Verlangen trieb Zachäus überhaupt auf den Baum. 
Wo Christus eingeht, geht er durch und durch. Da verwandelt sich das Wort, die Eucharistie in Lob. Da wird das Leben zur Anbetung. Da sind alle Handlungen eine Verherrlichung Gottes. Da jubelt die ganze Schöpfung. Da schwingen nicht nur die Lippen ein paar große Worte, da ist jeder Handgriff von Liebe infiziert. Wo das Heil geliebt wird, kann ein Mensch nicht mehr lau, träge oder schlampig seine Arbeit verrichten. Da erhalten die Beziehungen zu Menschen ein neue Qualität. Wer das Heil liebt, wird selbst zum Heil für die Welt.
Spüren wir da nicht den Drang, uns ganz neu in das Heil zu verlieben?