Liebe kann knallhart sein

Es münden alle Pfade durch Schicksal, Schuld und Tod doch ein in Gottes Gnade trotz aller unserer Not. Arno Pötzsch

„In meinem Zorn habe ich dich geschlagen, aber in meiner Gnade erbarme ich mich über dich.“
Jes. 60, 10

Wenn Gott zornig ist und schlägt, denken wir oft, Gott wäre launisch. Es gäbe auch bei ihm Phasen, in denen er sich nicht unter Kontrolle hat und auch ihm mal die Hand ausrutscht. Doch in der Kombination des heutigen Wortes bekommen wir darüber ein völlig anderes Verständnis. Zorn steht im Zusammenhang mit Gnade. Schlagen hat mit Erbarmen zu tun. In Gottes Zorn liegt die ganze Leidenschaft zum Guten. Wenn er schlägt, bebt er für das Beste, das verlorengegangen ist. Es ist der leidenschaftliche Kampf gegen das Böse, gegen alles was Menschen herabsetzt und kleiner macht als er sie sich gedacht hat. Er weiß in seiner Menschenführung, dass er viel mehr durch Schmerz die Menschen zum Umdenken bringen kann als mit vielen guten Worten. Da wird das Unglück, dem die OP-Schläuche auf der Intensivstation folgen, zum eigentlichen Wendepunkt in einem Leben. Da verhilft die Bauchlandung zu einem Sinneswandel. Wie viele Menschen haben solch harte Schläge als das zur Besinnung kommen ihres Lebens empfunden. Erst nach einem harten Eingriff, erkannte manch einer, jetzt muss in meinem Leben etwas radikal anders werden. Ohne den Schmerz, wäre alles ganz normal weitergelaufen. Wenn nicht manches Mal gesundheitliche Einschränkungen uns ausbremsen würden als die Warnsignale, dass es so wie bisher nicht mehr weitergehen kann, würden wir heillos in unser Elend rennen, bis alles zu spät ist. Schläge sind Gnade. Dahinter steht der sich erbarmende Gott, der es nicht mit ansehen kann, wie Menschen das Gute verwirtschaften. Im Zorn liegt sein ganzer Heilswille, der vor dem Abgrund bewahren will. Dieser Zorn ist prallvoll mit Liebe, die alles einsetzt, um ein Leben aus der Belanglosigkeit und Mittelmäßigkeit herauszuführen. Dahinter steckt eine Pädagogik, die heutzutage nicht sehr viel Anklang findet. Doch Gottes Schläge führen zum Guten. Eine straffe Hand will nicht zerstören, sondern vor der Zerstörung retten. Wenn der liebe Gott nicht auch knallhart wäre, würde er sich mit dem Bösen arrangieren. In den Schlägen ringt die Gnade für das Gute.

Es wäre fatal, all die Lebensschläge als ein Abwenden Gottes zu sehen. Es liegt viel mehr seine ganze Zuwendung darin. Wenn ein Kind unverhofft auf eine vielbefahrene Straße rennt, liegt die Rettung darin, ihm hinterher zu rennen und es so hart zu packen, dass wir ihm vielleicht wehtun, um ein Unglück zu verhindern. Unser Rettungswille entscheidet über die Maßnahmen. Würden wir aus Angst, dem Kind wehe zu tun nicht zupacken, hätten wir keine Liebe und würden es in sein Unglück rennen lassen. Hinter Gottes Zupacken steckt keine Strafe und keine Ablehnung. Er will uns vielmehr unter allen Härten unserer Tage einen Zugang zu seiner Gnade verschaffen. Die ganze Not und alles was wir nicht verstehen, will uns in seine Nähe ziehen. Alle Schläge wollen Gott groß machen, seine Liebe und seinen Rettungswillen offenbaren.

Warum sollten wir uns dann noch gegen die Härten in unserem Leben wehren?

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Freude kommen lassen

Liebenswerter Besuch verwandelt unsere Welt und lässt schlagartig Sorgen verblassen.

„Freue dich und sein fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der Herr.“
Sach. 2, 14

Tochter Zion, freue dich – weihnachtliche Klänge im heißen Sommer. Gott kommt zu Besuch. Will nicht nur mal vorbeischauen, sondern da bleiben. Sein ganzes Interesse gilt nicht nur seiner Schöpfung, sondern viel stärker noch uns selbst. Er kommt damit wir etwas zum Freuen haben. Manch ein Besuch ist lästig oder Formsache, da freuen wir uns, wenn er wieder geht. Doch liebenswerter Besuch verzaubert unsere Welt. Wo wir uns durch einen Besuch geehrt fühlen, macht das etwas mit uns. Diese Liebe und Wertschätzung zupfen unweigerlich verstummte Saiten in uns an. Da geht etwas in uns auf, da wird Abgestumpftes wieder lebendig, da zieht die Freude verstaubte Register. Wo wir von unsagbarer Liebe besucht werden, wird unser Herz wachsweich. Bei Frischverliebten hängt der Himmel voller Geigen. Sie leben in einer anderen Welt. Das Leben wird zu einem einzigartigen Gesang, die ganze Luft ist mit Melodien schwanger. All das Schwere, das das Leben erdrückt, verliert seine Last. Liebe ist die beste Medizin, sie beflügelt das Müde und Kranke. Die Liebe führt geradezu in eine heile Welt. Dass der Geliebte hier ist, verwandelt alle meine Sinne. Nur bedauerlich, dass unter uns Menschen so schnell aus den Geigen harte Holzklötzer werden, die wir uns nachwerfen. Dass dort wo die Liebe kalt wird, jeder danach krank wird und sich mit Medikamenten vollstopfen muss. Auch wenn die Liebe unter uns immer wieder in die Brüche geht, ist sie so hartnäckig, dass sie ständig vor unserer Türe steht. Gott kommt und will bei mir wohnen. Er will den Durchbruch schaffen, zu dem, wo wir nicht in der Lage sind. Das freue dich ist zutiefst an die Krippenerfahrung gebunden. Das was wir kennen, wonach wir uns sehnen, was uns ständig zwischen den Fingern zerrinnt, will zu uns kommen. Der Traum von der wahren Liebe ist keine Utopie. Er geschieht nur nicht aus uns, sondern aus Christus heraus.

Wo Christus wohnt, hat die Liebe ihre verwandelnde Kraft. Da dringen wir in das Geheimnis ein, dass Schmerzen nicht mehr lähmen, sondern zum Guten mitwirken. Da ist die Erfrischung, die Geist und Seele jeden Morgen neu lebendig werden lassen. Die Liebe schafft eine permanente Gegenbewegung zu aller Erniedrigung. Diese Liebe macht uns handlungs- und leidensfähig. In dieser Liebe dient alles was wir erleben zu unserm Besten. Darunter werden belastende Herzen wieder froh. Diese Liebe stellt uns unter einen weiten Horizont, das Herzen für die Versöhnung groß macht. Sie will das letzte aus uns herauskitzeln, um all die Gaben, die in uns stecken zu entfalten. Sie kann es nicht mit ansehen, wenn so vieles davon in den Spannungen unserer Tage brach liegt. Gott kribbelt es regelrecht, uns diese Freude zu schenken. Er kommt, um all das Verborgene in uns herauszulocken. Er will kein Leben auf Sparflamme. Er kommt dass wir die Freude in Fülle und Leben in ganzem Genüge haben. In diesem Kommen liegt das ganze Potenzial eines Lebens.

Ist es nicht eine Freude, von dieser Liebe so viel wie möglich kommen zu lassen?

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Stets das Gute bedacht

Wo ist ein Richter, der sich mit dem Schuldigen verbündet?

„Er ist um unserer Missetat willen verwundet und um unserer Sünde willen zerschlagen.“
Jes. 53, 5

Die Bibel zerfetzt immer wieder unsere Vorstellung vom Gutmenschentum. Zu den Scherbenhaufen, die Menschen jeden Tag anrichten dreht Gott den Spieß um. Der Mensch an sich ist eine verletzende Waffe, die ständig Unheil anrichtet. Die Liebe, die eigentlich alles Miteinander antreiben und beflügeln sollte, steht auf dem Barometer auf Eiszeit. Menschen sind so wenig in der Lage, das Großartige, das von Gott in sie hineingelegt wurde auszuschöpfen und zu entfalten. Wenn wir uns gegenseitig verletzen und andere mit unseren Vorstellungen überziehen, geschieht das nicht nur auf der rein menschlichen Ebene, es trifft Gott mitten ins Herz. Sünde ist das Entgleisen der Liebe und das geht Gott voll an die Nieren. Nur ein Wort von uns, das den anderen nicht aufbaut, sondern niederdrückt, schlägt nicht nur Menschen, sondern auch Gott ins Gesicht. Unser Umgang mit dem schwierigsten Menschen in unserem Umfeld, spiegelt unser Verhältnis zu Gott. Daran lässt sich die Qualität unserer Liebe erkennen. Da offenbart, wie kaputt wir sind. Wir stehen hier an einem Punkt, an dem wir uns zugestehen müssen, das können wir gar nicht. Grenzenlose Liebe ist nicht unser Ding. Irgendwann ist das Tischtuch zerschnitten und das lässt sich auch nicht kitten.

Dieser abgrundtiefe Bruch greift Jesaja auf und zeichnet das Bild vom geschlagenen Gottesknecht. Gott findet sich nie mit Brüchen ab. Diese Liebe, die er in die Schöpfung installiert hat, die er zum Maßstab allen Lebens geschaffen hat, lässt er verwunden und zerschlagen. Er lässt die Liebe den bittersten Schmerz erfahren, indem er sie kreuzigen lässt. Der Sterbensprozess der Liebe findet in Christus seine Auferstehung. In Christus liebt sich Gott zu den Menschen und offenbart, dass sich seine Liebe nie auslöschen lässt. Die Liebe verdammt den Sünder nicht, sondern bezahlt den Anwalt. Hier verbindet sich der Richter mit dem Schuldigen und führt nicht hinter Gitter, sondern ins Paradies. Mit Christus können Menschen lieben, wie es nicht ihrem Naturell entspricht. Wo wir selbst nicht zur Liebe in der Lage sind, kann die Liebe Christi in uns Versöhnungswege gehen, die alle Grenzen durchbricht. Der mit Gott Versöhnte, der von Christus Geliebte, kann über Gräben springen. Da können einstig hartnäckige Gegner zu Freunden und Brüder werden. Wo wir mit so viel Liebe und so viel Gutem bedacht sind, da können menschliche Eiszeiten schmelzen. Da ist die Liebe voller Phantasie, wie sie Wege der Versöhnung einschlagen kann.

Wo wir zu solch einer Liebe nicht in der Lage sind, inwieweit lassen wir uns von Christus dazu umgestalten?

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Die Welt versüßen

In der Liebe Christi wachsen Eigenschaften in uns, die wir von Natur aus nicht haben.

„Der Herr spricht: Er liebt mich, darum will ich ihn erretten.“
Ps. 91, 14

Wer liebt, heilt. Zu lieben und Liebe zu erfahren, lässt Menschen über sich hinauswachsen. Liebe ist die höchste gestalterische Kraft, die Menschen über ihren Verstand hinaus, zu ganz Großem ausformen kann. Liebe macht den andern groß, während Ablehnung ihn klein macht. Wenn Gott sagt: Er liebt mich, dann liegt darin bereits die Verherrlichung Gottes. Da geht ein menschliches Herz ganz im Herzen Gottes auf. Wo ein Mensch Gott liebt, hat Gott zuvor sein Herz ausgeschüttet. Liebe zu Gott sind immer Echo auf die angekommene Liebe von ihm. Kein Mensch würde Gott lieben, wenn er nicht bereits von Güte überfallen worden wäre. Gott ist es gelungen, ein zuvor verstocktes Herz aufzubrechen. Wo überhaupt Liebe in einem Menschen gedeiht, ist von Gott ein Funke übergesprungen. Liebe ist Gott und damit das Wachstum der Schöpfung. Alles was wächst, blüht und gedeiht, ist hineininvestierte Liebe. Gott hat sich total verschwenderisch ins Leben geworfen. Dass sich Gott an das Leben verausgabt, gibt allem Dasein seinen eigentlichen Wert. Alles was geschaffen ist steckt voller Potenzial der Liebe Gottes. Wo ein Mensch Gott liebt, entdeckt er sein eigenes Lebensgeheimnis. Er entdeckt, dass im Verschenken, im sich selbst hingeben, die größte Fülle und Erfüllung liegt. Gott ist deshalb so reich und verschwenderisch, weil er sich hingibt. Wer fest hält verliert; wer hingibt empfängt. Wo die Liebe verlöscht, schwindet der Lebenswille. Nach einer zerbrochenen Liebe geht es nur bergab. Wo die Liebe bricht, brechen Menschen. Da kommen Kopfschmerzen und Magenkrämpfe.

Jesus sagt: bleibet in meiner Liebe! Das ist unsere Rettung. Wir alle wissen wie anfällig und brüchig die Liebe unter Menschen ist, daher baut Christus eine Brücke zu einer enttäuschungsresistenten Liebe. Da ist die größte Liebe, die nie wegbrechen kann. Da ist dauerhaft eine lebenserneuernde Kraft. In diesem an Christus bleiben, liegt die ganze Belastbarkeit eines Menschen. Da kann Ablehnung kommen, so viel sie auch sein mag, jedoch stürzen wir nicht mehr ins Bodenlose. Das nimmt den bitteren Geschmack aller gebrochenen Beziehungen. Das nimmt die Abwärtsspirale nach enttäuschtem Miteinander. Wo wir in der Liebe Christi bleiben, werden wir durch alle Lieblosigkeiten hindurchgerettet. Da setzten keine Entwicklungsstörungen ein, sondern wir bleiben in der Wachstumsphase, in der Liebe, Eifer, Demut, Hingabe und Reinheit zur neuen Blüte austreiben. Die Liebe zu Gott heilt und rettet.

Können wir nicht damit die ganze Welt versüßen, wenn die Liebe ihre Blüten treibt?

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Predigt: Polterabend

Glück im Unglück

Es werden noch jede Menge Berge im Leben versetzt werden müssen, doch dem Glaubenden ist großes Glück verheißen.

„Der Herr wird einem jeden seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.“
1.Sam. 16, 23

Wo Gott Gerechtigkeit schafft, ist keiner ausgenommen. Er spannt damit einen großen Bogen über alle Berge der Ungerechtigkeit. Hass, Auflehnung und Durcheinander, das das Tagesgeschehen dieser Welt beherrscht, sind nicht das Letzte. Gebirgsmassive, die wie der Watzmann unüberwindlich vor uns stehen, sind für Ihn kein Hindernis. Das Unrecht, das uns im täglichen Miteinander widerfährt, die weltpolitische Entwicklung, die in Angst versetzt und den Mut raubt, sind oft Tatsachen, die dem Glauben zu widersprechen scheinen. Doch dem Durst nach Gerechtigkeit verspricht Jesus die Glückseligkeit. Er sagt auch: selig sind die, die nicht sehen und doch glauben. Nicht das was wir sehen oder nicht sehen ist das Entscheidende, sondern das was der Herr in seiner Treue schafft. Der Durst nach Gerechtigkeit durchbricht die Nebelschwaden. Diese Sehnsucht, dass Gott durch Christus seine neue Welt schafft, wird zur alles durchdringenden Macht. Diese Gerechtigkeit von Glaube, Liebe, Hoffnung, trotzt dem Unrecht und wird es Lügen strafen. Den Status der Glückseligkeit, der mit Christus begonnen hat, kann kein Hass mehr ausradieren. Christus hat, der sich selbst zermürbenden Welt, Gewaltiges entgegenzusetzen. Diese Macht lebt in denen, die sich nach Gerechtigkeit sehnen. Gott will die Glückseligkeit aller Menschen, und die lässt sich nicht aufhalten, egal was uns Widersprüchliches vor Augen steht.

Es gibt täglich Grund genug, sich über die verletzenden Worte eines anderen zu ärgern. Uns geschieht ständig Unrecht, durch Fehlverhalten anderer. Vieles im Miteinander ist voller Zündstoff, das einen auf die Palme bringen kann. Das sind die Situationen, in denen wir in uns spüren, wie Hass und Ablehnung zu brodeln beginnen. Da fängt das Raubtier in uns an zu brüllen. „Das brauche ich mir von dem nicht gefallen lassen!“ Wir werden zum Opfer unser eigenen Aggression. Wir haben den herrlichsten Unfrieden im Raum, weil der Mensch eben so tickt und keine andere Wahl hat. Es geht nun mal ohne Unrecht nicht ab. Doch wir haben eine andere Wahl! Wer sich nach Gerechtigkeit sehnt, braucht sich nicht vom Unrecht irritieren lassen. Jesus heißt die glückselig, die ihre Freiheit wahrnehmen und ihrem brüllenden Löwen die Zähne zeigen. Wo wir von Christus erlöst sind, verliert das Unrecht seine Macht. Wir sind nicht mehr die, die bezwungen werden, sondern frei sind, das Unrecht zu bezwingen. Wir können damit den Hass in uns selbst bezwingen. Wir sind nicht das Opfer des Unrecht. In Christus haben wir die Macht, das Böse mit Gutem zu überwinden. Wir müssen diese Gerechtigkeit, die uns Gott in die Hände gelegt hat, viel mehr ausschöpfen. Wir haben es nicht nötig, Schuldige zu suchen, die an unserem Elend schuld sind. Wo wir uns nach Gerechtigkeit sehen, schafft Gott Glück im Unglück.

Zu was hat uns Christus erlöst, wenn wir uns nicht nach dieser Freiheit ausstrecken?

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Zum eigentlichen Klang durchbrechen

Ausgestreckte Hände zeigen ein liebendes Herz, das zur Versöhnung bereit ist.

Ich streckte mein Hände aus den ganzen Tag nach einem ungehorsamen Volk, das nach seinen eigenen Gedanken wandelt auf einem Wege, der nicht gut ist.“
Jes. 65, 2

Gott versöhnt sich mit dem Chaos. Er steckt die Hände nach denen aus, die tagtäglich die Erde in das Irrsal und Wirrsal zurückverwandeln, wie Martin Buber den Ursprung der Welt beschreibt. Alles Ungute, das entsteht, liegt in dem Abrücken von Gott. Ungehorsam ist der Anfang der Sinnlosigkeit. Das Elend beginnt, wo der Mensch die Maßstäbe in sich selbst sucht. Wo ein Mensch aufsteht und sagt: Ich weiß selbst was ich zu tun habe und lasse mir von niemand in meine Lebensgestaltung hineinreden. Das sind Wege, die am Ziel vorbeigehen und ins Unglück stürzen. Nicht auf das hören, was von Gott kommt, ist der Ursprung von Chaos. Mit den eigenen Gedanken, mit dem, was er aus sich selbst ausbrütet, verlässt der Mensch das Gute. Er entzieht sich seiner Bestimmung, ein genialer Klangkörper zu sein. Da bleibt er eine tonlose Geige im Kasten.

Doch Gott streckt seine Hände aus, jedoch nicht um dieses Instrument zusammenzuschlagen, sondern es zu bespielen. Er zeigt sich als Vater, der selbst dem ungehorsamen Kind ein Vater bleibt. Er streckt seine Hände aus, nicht um zu strafen, sondern um sich zu erbarmen. Den ganzen Tag ringt Gott um Versöhnung. Seine Zuwendung lässt sich von keiner Widerspenstigkeit abschrecken. Er lässt nicht locker, dem Kranken heilende Hände entgegenzustrecken. Paulus sagt: Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. Christus ist die ausgestreckte Hand, die wir nicht mehr abschütteln können. Damit lässt sich das Heil nicht mehr aus der Welt schaffen. Diese ausgestreckten Hände sind etwas allzeit gegenwärtiges. Niemand muss sich auf irgendeine Weise das Gute verdienen oder erarbeiten. Das entkrampft allen frommen Stress vom gut-sein-müssen. Der gute Weg liegt in Christus. Er ist der Gegenpol zu unserem Ungehorsam.

Wo sich diese ausgestreckten Hände mit unserem Chaos versöhnen, ist in jedem Augenblick der Umbruch möglich. Da entstehen im größten Durcheinander gute Wege. Da können Paulus und Silas um Mitternacht im Kerker, unter Schmerzen Loblieder singen, dass die Erde bebt. Die ausgestreckten Hände entmachten unsere eigene Schuld und die Schuld unter der wir leiden. Ausgesteckte Hände erheben aus dem Staub und führen zu einem befreiten und unbelasteten Dasein. Es ist Gottes Verdienst, dass wir in jedem Moment zu unserem eigentlichen Klang durchbrechen.

Warum ergreifen wir so wenig diese ausgestreckten Hände und verkümmern auf unguten Wegen?

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Unter allen Umständen sinnvoll

Der Mensch ist weit mehr als nur das Ausleben seiner inneren Triebe und Spannungen, oder das Opfer sein, aus den Verkettungen von Ereignissen, die auf ihn einströmen.

Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“
Jer. 31, 33

Wo Gott einen Bund schließt, unterscheidet sich der Mensch von allen anderen Lebewesen und der ganzen Schöpfung. In diesem Bund verheiratet sich Gott mit seinen Geschöpfen. Er wird ein Teil von ihnen und definiert sich über diese Beziehung. Seinen ganzen Lebenswillen investiert er in diese Beziehung. Sein freiheitliches Denken legt er in den Lebenswillen des Menschen. Wo er sein Gesetz in Herzen schreibt, ist der Mensch neu konfiguriert. Da wird göttliche Software zum Betriebssystem. Da gilt das Gesetz der Liebe, der Barmherzigkeit und die Kraft der Auferstehung. Wo er dieses Gesetz in unseren Sinn schreibt, ist kein Mensch mehr ein Gefangener seiner selbst. Da kommt zum Ausdruck, welch eine starke Macht in uns lebt. Da wird das Leben von Grund auf durch diesen Bund sinnvoll. Gott schreibt den Sinn in die Existenz des Menschen. Damit wird er liebes- und hingabefähig. Der Mensch geht darin auf, sich an eine Sache hinzugeben, oder an einen Menschen zu verschwenden. Er wird dadurch selbst zum Schöpfer und Liebhaber des Lebens. Er erfährt seinen Sinn, indem er von sich selbst wegsieht und auf etwas anderes zugeht. In dieser schöpferischen Selbstverschwendung liegt die größte Sinnhaftigkeit. Wo dieses Gesetz in den Menschen gelegt wird, ist der Mensch unabhängig von allen äußeren Umständen. Da ist das Leben auch in tiefstem Leid noch sinnvoll.

Da hat ein junger Mann, bei einem Starkstromunfall solche Verbrennungen erlitten, dass ihm die Ärzte im OP mit Tränen in den Augen, beide Arme und beide Beine abnehmen mussten. Unter psychotherapeutischer Begleitung entdeckte er danach den Sinn seines Lebens. Mit einem Holzstäbchen im Mund konnte er auf einer Tastatur schreiben und damit Querschnittspatienten trösten und vom Selbstmord abhalten. Der Sinn fängt dort an wo Arme und Beine aufhören. Der Mensch ist niemals das Opfer seines Schicksals, seiner schlechten Erziehung, einer unharmonischen, spannungsgeladenen Gemeinschaft. Wer irgendwelchen widrigen Umständen, die Schuld gibt, dass sein Leben sinnlos ist, hat noch nicht erkannt, dass ihm der Sinn ins Herz geschrieben ist. Es ist eine gewaltige Irrlehre der Psychologie, dass der Mensch das Opfer seiner schwierigen Kindheit ist, oder unter einem unversöhnten Vater-Sohn-Komplex leidet, oder irgendwelche schicksalshaften Umstände für eine unglückliche Entwicklung verantwortlich sind. Es ist uns ein Sinn ins Herz geschrieben, das ist dieser starke Bund, der keine Ausreden zulässt, in der größten Krise seine Verantwortung wahrnimmt und zur Liebe fähig wird.

Wenn solch ein unverbrüchliches Lebensgesetz in uns lebt, weshalb schreiten wir nicht unter allen widrigen Umständen zu einem sinnvollen Leben durch?

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Liebe zulassen

Die Liebe ist der Tempel, in dem Gott wohnt.

„Salomo sprach: Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich dir gebaut habe?“
1. Kön. 8, 27

Diese Worte sprach der weise König Salomo bei der Einweihung des neuen Tempels. Vor der Unfassbarkeit Gottes, kapitulieren selbst die Kirchenbauer. Wenn man die Einzigartigkeit einer Sagrada Familia in Barcelona vor Augen hat und sich dabei vorstellt, dass ein Architekt dabei alles gegeben hat, um mit seinem Bauwerk Gott die Ehre zu geben, übersteigt solch eine Aussage alles, was wir uns von Gott vorstellen können. Selbst das großartigste Kunstwerk, ist ein schattenhaftes Erahnen von dem, was Gott ausmacht. Auch die Steigerung von Himmel, und alles, was unsere Gedanken nicht denken können, kommen nicht im Geringsten an die Größe Gottes. Gott lässt sich selbst auf Ewigkeit nicht festlegen. Für unser Denken bleibt Gott unfassbar. Gott ist alles und in allem. Er entäußert sich in allem. Durch den Drang sich mitzuteilen, sich hinzugeben, zu lieben, wohnt er in allem was lebt. Die Liebe ist die Wohnung, in der Gott gegenwärtig ist. In Christus sehen wir die starke Liebe, des für uns unfassbaren Gottes. Wo diese Liebe ankommt, wohnt Gott. Das ist der Raum, in dem der Mensch Gott als lebendig erlebt und darunter selbst lebendig wird.

Johannes schreibt: Wenn wir uns untereinander lieben, so bleibt Gott in uns, und seine Liebe ist in uns vollkommen. Der unfassbare Gott, lebt in vollkommener Liebe in uns. Darin liegt die Sprache unseres Lebens. Unter dieser Liebe werden wir kommunikationsfähig mit ihm und untereinander. Wo diese Liebe wohnt, ist Gott nie weit weg. Wir brauchen Gott nicht suchen, sondern nur seine Liebe zulassen. Das ist das Geheimnis allen Lebens und Glaubens. Seine Liebe zulassen wird zum Gottesdienst. Darin wird der unfassbare Gott für alle sichtbar. Darin geschieht Heil, Erneuerung und Neuschöpfung. Diese vollkommene Liebe will in uns Raum schaffen, will sich vermehren, will sich ausbreiten und verschenken. So aktiv will der unfassbare Gott in uns rumoren.

Wenn wir Gott nicht sehen, nichts von seinen Wirkungen spüren und erkennen, müssen wir uns fragen, ob wir diese Liebe zulassen. Diese ewige Quelle hat nie aufgehört zu sprudeln. Wenn wir aushungern und verdursten, wo schöpfen wir dann? Wenn wir unsere Kälte und Härte spüren, unsere Zurückhaltung und Abweisung, erwürgen wir da nicht gerade diese vollkommene Liebe in uns? Warum tun wir uns oft so schwer, diese formende und umgestaltende Liebe zuzulassen? Gott ist nicht weit weg von uns, wir sind oft zu verschlossen, diese unfassbare Liebe ihre Arbeit machen zu lassen.

Was würde geschehen, wenn diese Liebe sich voll und ganz in uns entfalten könnte?

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Flügel haben Macht

Wer dem Höchsten am Herzen liegt hat nichts zu befürchten.

Der Herr Zebaoth wird Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird beschirmen und erretten, schonen und befreien.“
Jes. 31, 5

Jerusalem hat einen besonderen Status. Ausgerechnet diese Multi-Kulti-Stadt, mit ihrer bewegten Geschichte, in der alle Weltreligionen zuhause sind, heißt übersetzt: Stadt des Friedens. Von Gott wird sie als seine Braut bezeichnet. Sie ist Bild für die Gemeinde Gottes, und wie Gott sich seine Zukunft mit ihr vorstellt. Jeder Glaubende gehört zu dieser Stadt des Friedens und ist Braut des Herrn. Über dieser spannungsgeladenen Stadt wird maximaler Schutz ausgesprochen. Wer geschützt und gerettet werden muss, dessen Leben steht ständig in Gefahr. Gott weiß genau, wie sehr das Leben seiner Braut angefochten ist, wie brüchig der innerer Friede ist. Seine Allerliebste liegt wie ein junger Vogel im Nest, der allen Gefahren der freien Wildbahn ausgesetzt ist. Da bedrohen Wind und Wetter das schutzlose junge Leben. Da sucht der Kater Michel einen Weg, wie er diese kleinen Delikatessen verschlingen kann. Glaubende stehen in Lebensgefahr. Dieses zarte Pflänzchen, der Liebe zu Gott, steht permanent in der Bedrohung über Bord zu gehen. Gott kennt haarscharf unser inneren Fragen, unsere Zweifel, unsere Unzufriedenheit mit uns selbst und den Widerwärtigkeiten, die über uns hereinbrechen. Er weiß, wie klein der Glaube wird, wenn die Probleme groß werden. Er ist ganz am Puls der Härten, die uns fix und fertig machen und uns am Leben zerbrechen lassen.

Mit keinem schöneren Bild könnte er die Liebe zu seiner Braut ausdrücken, als mit dem Vogel der seine Flügel ausbreitet. Darin liegt die totale Geborgenheit, mitten in der Angst. Diese Flügel sagen: Ich tue alles für dich. Ich lasse nichts und niemand an dich heran. Ich lasse nicht zu, dass dich jemand aus meinem Schutz reißt. Der Hagel, der dich treffen sollte, prasselt auf mich runter. Ich beschirme, errette, schone und befreie. Nicht du trägst deinen Glauben durch, ich mache das für dich. Darin liegt die Erlösung von Christus, die allen Widerwärtigkeiten trotzt. Gott weiß, wie dick es in unserem Leben kommen kann, daher hat er alles dafür gegeben, dass seine Braut nie aus seiner Liebe herausfallen kann.

Es ist eine Tatsache, dass das Leben hart zuschlagen kann, doch es ist eine viel größere Tatsache, wieviel Schutz uns dafür zur Verfügung steht. Wir sind nur dem Leben Ausgelieferte, wenn wir den Schutz nicht in Anspruch nehmen. Wo wir angstgesteuert leben, wo wir hoffnungslos in unsere Tage blicken, wo wir das Leben beklagen, wie ungerecht es mit uns umgeht, haben wir den Schutz der Flügel verlassen. Wer sich außerhalb davon bewegt, verzichtet auf Schonung und Rettung.

Glauben wir, wir könnten uns in allem selber schützen und brauchen keinen der uns schont und rettet?

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Liebe heilt

Liebende Menschen, sind Gottes Antwort auf das Elend der Welt.

„Die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“
Jes. 58, 7

Wer liebt, dessen Herz wohnt im anderen. Wo Gott liebt, lebt sein Herz im Menschen. In aller erster Linie in den Schwachen, den Leeren und Bedürftigen, in denen, die ihm nichts zu bringen haben. Er geht auf die zu, die unter sich selbst und ihrem Leben zerbrechen. Das Defizit des Menschen zieht regelrecht sein Erbarmen an. Dem Elend der Welt stellt er eine Krippe in den Stall. Alles Sterben überwindet er durch das offene Grab. Weil Gott liebt, sind alle Katastrophen dazu angelegt zum Leben zu führen. Geliebt werden macht lebendig. Lieben heilt und baut auf. An was auch der Mensch zerbricht, da ist immer die gewaltige Gegenbewegung, des „gesund-liebens“. Das Elend und die Liebe sind ein Paar. Das ist die Botschaft allen christlichen Glaubens.

Die Liebe kann sich nicht vom Elend distanzieren. Darin ruht der Dienst der Mutter Theresa Schwestern. Sie leben jeden Morgen aus der Eucharistie, um danach, für die am Straßenrand Liegenden, zur Handreichung der Liebe Christi zu werden. Wer von der Liebe berührt wurde, muss selbst zur Liebe werden. Die Glaubenden werden dadurch in die Not der Welt hineingetrieben. Ihnen geht das Herz auf, wenn für einen anderen die Welt untergeht. Sie werden zu einem Teil der Not des anderen. Da rücken die Flüchtlinge, die Obdachlosen, die Vergessenen ganz dicht in unser Leben. Da werden mir die Menschen mit Schicksalsschlägen zur persönlichen Aufgabe. Da kann die Liebe nicht mehr schulterzuckend vorbeigehen und sagen, das geht mich nichts an. Wer liebt fühlt sich verantwortlich. Der denkt unentwegt für den anderen und überlegt sich, was braucht er jetzt, was kann ich ihm geben.

Wo die Liebe treibt, treibt sie nicht nur zu den Außenstehenden. Sie brennt auch für den Bruder und die Schwester neben mir, in einer Gemeinschaft und Gemeinde. Da kann das Elend, die für uns Schwierigen sein. Mitmenschliche Spannungen sind nichts anderes als in den Straßenrändern der Großstädte zu liegen. Da hat die Liebe die Aufgabe, eine Sprache zur Verständigung zu finden und zu lernen und nicht mit einer kalten Schulter und Ignoranz zu antworten. Wo Gott die Elenden in sein Haus führt, hat die Liebe eine spannende und herausfordernde Aufgabe.

Wir sind in das Leid der Welt gestellt, um mit Liebe zu erwärmen und zu heilen. Warum sollten wir irgendjemand diesen Dienst verwehren?

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