Harmoniesucher wollen keine Veränderung

Alle wollen eine Welt ohne Leiden, ohne Tod, ohne Krieg, ohne Grausamkeit, ohne Übel. Unter der Bedingung wollen sie alle an Gott glauben. (Ehrenberg)

„Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird.“Jes. 53, 7

Das Bild vom leidenden Gottesknecht, ist ein Herzstück, in der Geschichte zwischen Gott und Menschen. Darin erhält das Leiden seinen höchsten Sinn. Willig leiden ist die unvorstellbare Dimension des Glaubens. An der Stelle, an der für den Menschen das Übel beginnt, an der er Gott und die Welt nicht mehr versteht, beginnt etwas ganz Neues. Um das zu verinnerlichen, hilft das Bild des Weizenkorns. Es muss in die unschöne Erde, in der es feucht, dunkel und ungemütlich ist. Es löst sich komplett in seiner Ursprungsform auf. Außer dem Sprössling und ein paar Wurzeln bleibt nichts mehr übrig. Nach ein paar Monaten steht eine satte Ähre auf dem Feld, die das zigfache des einstigen Korns enthält. Diese Frucht wird zerrieben, um dann zum Brot zu werden. Das ständige Leiden und Sterben erhält das Leben. Christus wird zum Brot des Lebens. Das ist die Passion für das Leben. Die Welt denkt, wenn das Übel weggenommen wird, fängt das Gute an und entsteht das Heil. Doch der Glaubende erfährt in Christus das Geheimnis der Verwandlung. Er macht Menschen anders. Er nimmt nicht das Übel aus unserem Leben weg, sondern führt das Herz vom Übel weg. Also ist mitten im Sterben das Leben und mitten im Unfrieden Friede und Freude, sagt Werner Jetter. Glauben heißt, dass wir aufhören Gott Bedingungen zu stellen. Wir haben uns unter das zu beugen, was Gott auferlegt. Wo das Leiden beginnt, will etwas Neues entstehen. Im Leiden sucht Gott unser Ohr. Wo einfältige Gemüter meinen, Gott könnte uns dabei unsere Sünden heimzahlen, müssen wir erkennen, dass er unser Gehör heilsam verfeinern will. Wo unser schönes Lebensgefühl zerstört wird, wo unser Glaube unsicher wird, fängt nicht gerade da unser Glaube das Tasten nach Gott an? Fängt da nicht eine Bewegung an, die nach Gott sucht?

Das Kreuz ist für den Glauben immer das Lebenszeichen. Das Heilswerk Gottes liegt in den durchbohrten Händen. In der Brutalität des Sterbens, liegt Auferstehung und die Verwandlung zur Herrlichkeit. In dem willig leiden, liegen Gottes Segensspuren. Da bearbeitet der Meister sein Werk und will es zur Vollendung führen.

Wollen wir diese Bearbeitung verhindern und bleiben was wir sind?

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Schmerzen sind gut

Getröstete, sehen Sterben als Gewinn.

„Als einer im Elend rief, hörte der Herr und half ihm aus all seinen Nöten.“
Ps. 34, 7

Das größte Unglück des Menschen ist, sich nur nach Glück und sonnigen Tagen zu sehnen. Wir sind inzwischen darauf geeicht, wenn die Sonne scheint, dies als schönen Tag zu bezeichnen. Sonne gleich gut und Regen gleich schlecht. Die Moderatoren beim Wetterbericht suggerieren uns das vor. Spätestens wenn im Sommer einige Wochen das Wasser fehlt, die Blumen ihre Köpfe hängen und die Bäume im Wald sterben, müssen wir erkennen, wir gut Regen ist. Gewitter ist nicht nur schädigende Bedrohung, es ist Befreiung, Reinigung, Entladung und Erneuerung. Die Stimmung nach einem Nachtgewitter ist wie eine Neuschöpfung. Wo in einem Leben die Fetzen fliegen, Dasein jämmerliche Formen annimmt, das Elend zum Himmel schreit, hat eine Schöpfungsstunde begonnen. Der Schöpfer arbeitet an seinem Werk. Wo die Blume in ihrer Schönheit abgeschnitten wird, in ein kunstvolles Altargesteck verarbeitet wird, wird sie zu einem Loblied. Ihre Existenz verehrt den Meister. Das Holzbrett wird unter dem zersägen, hobeln und schleifen zur Wohnzimmervitrine.
Jesus sagt: Wo das Weizenkorn in die Erde fällt und stirbt, bringt es viel Frucht. Die Bearbeitungsschritte des Lebens, die uns zersägen, abschneiden und zum Sterben bringen, das, was wir als Elend empfinden, sind die Wege zur Fruchtbarkeit.
Gerade im Leid liegen die Wege zur Vollkommenheit. Das Ungemütliche, die Kreuzwege, sind nötig für die Herrlichkeit. Die Seligpreisungen sprechen die, die Leid tragen glückselig. Sie trösten die Untröstlichen. Gerade die, die unter den Lasten stöhnen sind die Glücklichen. Nicht diejenigen, die von Lasten befreit sind. Jesus nimmt nicht den Schmerz, sondern er verwandelt ihn. In der Verwandlung, in der Umgestaltung meiner Person, im unverständlichen Leiden, entsteht die Glückseligkeit. Im Elend verwirklicht sich die ganze Nähe Gottes. Im tiefsten Leid formt Christus sein Heil. Darin wird das Leid zutiefst sinnvoll, weil es uns zu dem macht, was wir sind – Spiegelbild Gottes.

Wo wir uns gegen das Leid wehren, wehren wir uns gegen unsere Heiligung und Glückseligkeit. Wir stellen uns gegen das Sterben, das zum Leben führt. Im Elend begegnen wir Christus. Im Elend fangen wir an zu rufen. Im Elend wird Gott groß, weil unsere Größe klein wird. Der scheinbar unangenehme Regen begießt seine Schöpfung und bringt neues Blühen hervor. Das Unangenehme ist unsere Rettung. Wo wir im Elend rufen, haben wir Gott auf unserer Seite und die Hilfe ist sicher.

Wollen wir uns den Schmerz nicht zum Freund machen, weil wir darin unsere größte Hilfe erfahren?

Kosmische Wende

Ein gewaltiger Umbruch kommt, nicht in weiter Ferne, sondern jetzt.
„Des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein. Und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volks verbinden und seine Wunden heilen wird.“

Jes. 30, 26
Der Kosmos spielt verrückt. Welch ein gewaltiges Naturschauspiel, wenn aus Nacht Tag wird und sich die Mittagssonne ums siebenfache steigert. Hier steht ein unvorstellbarer Umbruch bevor. Wo manch ein dahergelaufener Prophet den Weltuntergang prophezeit, sieht hier Jesaja einen schöpferisch neuen Morgen. Eine virusinfizierte Welt, erfährt eine radikale Erneuerung. Mit diesem unglaublichen Bild wird in die gefallene Schöpfung Christus eingepflanzt. Gott greift massiv in den Schaden und die Wunden seines Volkes ein. Das was die Menschen quält, worunter sie unerträglich leiden, findet eine Zeitenwende. Dabei ist die Zukunftsmusik, die in diesem Wort anklingt bereits am Spielen.
Den Schaden des Volkes erleben wir täglich an der eigenen Haut. Der Fluch, der auf der Erde liegt breitet sich flächendeckend mit einem Sterbensprozess in jeder Hinsicht aus. Wir sind vom Jammer unserer Tage infiziert und leiden uns bis zu unserem letzten Tag aus dieser Welt hinaus. Genau diese hoffnungslose Perspektive bekommen wir auch von allen Kanälen, die auf uns einströmen, erschlagend vermittelt. Bald jede Zeitungsseite predigt den Schaden des Volkes. Unser eigenes Umfeld bestätigt nur die Zerrissenheit und die verwundeten Seelen.
Doch genau diese ausweglose Lage wird nicht nur ein bisschen heller, ein bisschen erträglicher, sondern auf unvorstellbare Weise ins Gegenteil verkehrt. Der angekündigte Christus kommt nicht erst in ferner Zukunft einmal, auf die wir uns hintrösten können, sondern er ist da. Die Vision des Jesaja ist bereits Realität. Wo Christus ist, hat der Mond bereits die Kraft der Sonne. Da ist die Nacht heller Tag. Da verwandeln sich die Schreckensmeldungen in eine Hoffnungsbotschaft. Mit Christus findet in der Nacht ein kosmischer Umschwung statt. Da fällt das siebenfache Licht auf die Wunden. Da fällt Herrlichkeit in alles Elend. Da fängt etwas an zu heilen, inmitten des Chaos. Nicht die Nacht wird anders, sondern der Mond, der zur Sonne wird. Mit Christus fängt es an, in uns hell zu werden. In uns findet die kosmische Veränderung statt, die zum Umbruch für die Welt wird. Wir dürfen an die große Zukunftsmusik des Reiches Gottes glauben, jedoch hat sie ihren Anfang heute in uns.
Wollen wir nicht allen dunklen Mediennachrichten zum Trotz, diese helle Welt Realität werden lassen?

Blühen ist stärker

Das Aufrichten und Stärken ist immer größer, als alle Niedergeschlagenheit.
„Der Herr verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.“

Klagel. 3, 31-32
Erbarmen ist Gottes großes Thema. Das ist sein Manifest gegen alle Zerstörung. Gott findet sich nie mit Leid ab. Er ist der starke Gegenpol, zu allem, was über den Menschen hereinbricht. Güte schockiert den Terror.
Menschen neigen dazu, sich vom Übel bestimmen zu lassen. Wenn ein Unglück passiert, wenn Beziehungen zerbrechen, wenn Miteinander belastet oder angefeindet ist, dann kommt oft danach der Zweifel an Gott. „Gott hat mich wohl vergessen und verlassen!“ Wo´s dick kommt, wo wir unten durch müssen, wo Glaube kein Zuckerschlecken mehr ist, da gehen uns die Lichter aus. Da konzentriert sich der Blick nur noch auf das Elend. Ganz leicht lassen wir uns in die Ausweglosigkeit buchsieren. 
Neben allen Härten, die wir erleben, steht die Güte. Das Schwere, das Böse ist von dem Guten eingekreist. Leid steht immer im Erbarmen. Das Ungute ist zeitlich befristet, durch die ewige Güte. Da ist eine permanent lebensschaffende Kraft, die das Erdrückende erdrückt und überdauert. Da ist für den Gelähmten die Aussicht, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können; da werden sich die Blinden an der Schönheit einer Blume erfreuen können. Der augenblicklich, unerträgliche Zustand, verliert angesichts der Güte seine bedrohende Macht. Wo Gott sich erbarmt, ist das Schicksal entmachtet. Da werden wir im Leid aufgerichtet und gestärkt. Da ist die schwierigste Situation  nie mehr ohne Hoffnung. Da wird durch Christus das Leid mit Herrlichkeit verbunden. Da ist der Schmerz nicht das Ende, sondern der Anfang des Erbarmens, das wieder aufrichtet
Wo die Güte bestimmt, flieht das betrübt sein. 

Beflügelt uns in der Blindheit bereits die Farbe der Blume? 

Leid ist sinnvoll 

hinter dem Kreuz liegt das leere Grab.
„Herr, du bist der Armen Schutz gewesen in der Trübsal, eine Zuflucht vor dem Ungewitter, ein Schatten vor der Hitze, wenn die Tyrannen wüten.“

Jes. 25, 4
Die Schicksalsnachrichten überschlagen sich. Der eigene Vater, der mit seinem geschädigten Herz, ständig an der Schwelle des Todes vorbei geht, die Mutter, die in ihrer Demenz unter diesem Wahnsinn leidet, der Freund, der in jungen Jahren eine Krebs-Diagnose erhält. Die dreißigjährige Frau, die seit Jahren sich über nichts mehr freuen kann, weil das Grab ihres verstorbenern Verlobtem zu ihrem Partner wurde. Hören denn solche Nachrichten nie auf? Nein, solange wir leben, sind die harten Schläge unser Begleiter.
Leid ist Leben. Kreuzwege offenbaren unsere Endlichkeit. Doch genau das Kreuz ist es, das uns mit Christus verbindet. Kreuzwege führen uns zu Gott. In Trübsal, im Gewitter, im Schockzustand des Lebens, erfahren wir, dass dieser Weg nicht ins Aus führt, sondern in der Herrlichkeit endet. Im Schmerz können wir es nicht glauben, dass nach dem Schmerz etwas kommt. Wir sehen nur das Ende. Dabei ist Leid die Voraussetzung für Neues. Unter Schmerzen kommt das Neugeborene zur Welt. Das Samenkorn zerfällt, um fruchtbar zu werden. Im Zerbruch, in unserer eigenen Auflösung liegen wir voll in Gottes Hand. Leid ist sinnvoll. Leid hat mit Verwandlung zum Ewigen zu tun. Darin ist Gott hochaktiv, auf dem Weg zur Auferstehung. Wo Gott das Unheil in Heil verwandelt, bindet er uns an das Kreuz Christi. Gerade in den für uns ausweglosen Stunden, sind wir unzertrennbar mit dem Erlöser verbunden. Wenn die Tyrannen wüten, ist Gott ganz dicht an uns dran. Der schmerzhafte Augenblick bringt uns näher zu dem, der unser Heil will. 
Gott lässt niemals los, warum sollten wir in diesem heilsamen Verwandlungsprozess loslassen und Gott anklagen?

Ein heilsames Aufbäumen

Gehorsam ist Horror. Das sagen unsere Gedanken und die Erfahrungen aus den dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte. Menschliche Willkür, Ausbeutung, Zweckentfremdung haben Gehorsam an den Pranger gestellt. Da ist der bittere Geschmack aus der Kindheit; das Gute hatten immer nur die Anderen. Gehorsam hat etwas von Fremdbestimmung, das wie ein rotes Tuch auf uns wirkt. Jemand über mir, passt nicht in unser Freiheitsprinzip. Unter etwas stehen, heißt ja, Persönlichkeitseinschränkung. Das moderne Leben propagiert Partnerschaftlichkeit. Gehorsam muss weg, weil entwürdigend.
Paulus sagt: Dieser belastete Begriff bleibt, weil darin das Heil der Welt liegt!

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1. Gehorsam muss man lernen

„… auch Jesus, der Sohn Gottes, muss durch sein Leiden Gehorsam lernen.“
Der Gottes Sohn muss Gehorsam lernen, ein sehr gewöhnungsbedürftiges Bild. Schon hier trennt sich ganz schnell unsere militärische Vorstellung dieses Begriffes, von dem, was tatsächlich darin liegt. Gott hat einen großen Plan mit seinem Sohn. Jesus kam als normaler Mensch auf die Welt, obwohl er ein Teil von Gott war. Wir kennen seine Biografie, das was von seiner Jugendzeit bekannt ist und dass er zunahm an Alter, Weisheit und Gnade. Ein ganz normaler Prozess des menschlichen Lernens und Wachsens. Alles war durch sein Grundvertrauen zu seinem Vater getragen. Er hat quasi eine mustergültige Erziehung genossen.
Doch der Gehorsam ist auch für ihn keine naturhafte Selbstverständlichkeit. Gott gehorchen funktioniert nicht automatisch. Die Abkehr von sich selbst, muss sogar der Gottessohn lernen. Er musste ein schweres Ja zum Willen seines Vaters finden, um darin Gott als Gott zu ehren. Seine Größe ist sein Verzicht auf sein Leben und auf sich selbst. Er weiß genau, was ihn erwartet und begegnet seinem Leiden, in einer aktiven Leistung. Er will leiden lernen. Gehorsam lernen, kommt aus dem was wir wollen. Ganz bewusst stellt er sich einer schwierigen Aufgabe, die Gott jetzt von ihm erwartet.
Da ist nichts von einem passiv erduldeten Schicksal, nichts von einer widerwillig geschluckten Katastrophe, auch nichts von einer schimpfend oder apathisch ertragenen Unvermeidlichkeit. Hier liegt der gravierende Unterschied zum falsch verstandenen Gehorsam. Der Gehorsame ist nicht willenloses Objekt. Jesus ringt um das eins werden mit dem Willen des Vaters. Er ringt um sein freies und ganzes Ja, zu etwas, von dem er lieber verschont geblieben wäre. Hier ist Christus ganz Mensch. Gehorsam lernen ist nicht leicht. Richtigen Gehorsam lernt man nur im Leiden. Man lernt ihn genau dort, wo sich in uns alles aufbäumt, wogegen sich alles in uns sträubt, wo wir nur noch ausweichen und davonlaufen wollen. Die größten Stunden des Lebens sind immer die, an denen wir nicht ausgebrochen sind, was eigentlich das Nächstliegende war. Es gibt immer genügend Gründe sich schmerzfrei aus der Affäre zu ziehen.
Voigt: „Der Jesus, der hier durchhalten will, muss in der Anfechtung lernen, seinen Willen mit dem harten, manches Mal uneinsichtigen Willen Gottes zu vereinen. Die Passion ist Werk des hart erkämpften und durchgehaltenen Gehorsams.“

 

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2. Gehorsam verwandelt was höllisch ist

„Als Jesus unter uns Menschen lebte, schrie er unter Tränen zu Gott, der ihn allein vom Tod retten konnte. Und Gott erhörte sein Gebet, weil Jesus den Vater ehrte und ihm gehorsam war.“ 
 Was auf Jesus zukam, war alles andere als ein Spaziergang oder selbsterwählter Leidensweg. Er hatte die schrecklichsten Grausamkeiten durchzustehen, die Menschen sich ausdenken können. Das Kreuz ist die brutalste Form der Hinrichtung, die er mit vielen anderen erlitten hat. Unwillkürlich stehen uns da die Bilder von der Hölle in Auschwitz und andern top organisierten Vernichtungslagern vor Augen. Alles voller Schreie, voller Entsetzen, voller Verzweiflung.
„Christus schreit unter Tränen.“ Der Gottessohn weint und schreit aus Angst. Menschliche Bosheit und Sünde zu tragen tut weh. Keiner kann sagen, dass Gott nicht weiß, was Leiden ist. Keiner war dem Leiden näher als Gott selbst. Niemand braucht sich da in seinem Leiden allein gelassen fühlen. Jesus musste das Gehorchen lernen, dass er diese Hölle ertragen konnte. Jesus musste lernen, um das Verlassen sein von Gott aushalten. Er musste erleiden, wie Gott selbst seine helfende Hand abzieht und seinen Sohn, unter den Einwirkungen des Bösen zugrunde gehen lässt.
Voigt: „Die Anfechtung zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Gotteswerk und Satanswerk sauber auseinanderzuhalten sind. Gottes Werk vollzieht sich auch dort, indem der Satan über Jesus Gewalt bekommt.“
Diese Hölle musste Jesus ertragen. Indem er Gott so ernst nahm und den Gehorsam wirklich lernte, wurde sein Gebet erhört. Wer so betet: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst,“ nur der kann erhört werden. Hierin liegt ein ganz großes Geheimnis. Wo einer seinen Willen so weit mit Gottes Willen vereint, wird im das Unerwünschte und Gefürchtete lieb. Wenn einer um seiner Brüder willen in die Hölle zu gehen bereit ist, dann ist die Hölle keine Hölle mehr.

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3. Gehorsam ist lebensentscheidend

„Nachdem er zu Gottes Thron zurückgekehrt ist, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, zum Retter und Erlöser geworden.“ 
Auch wenn Christus durch seinen Gehorsam die ganze Welt erlöst hat, ist somit noch nicht alles erledigt. Rettung und Erlösung sind voll da, haben aber den Bezug – Christus Gehorsam. Heil ist solange unser Verhältnis zu Gott gestört ist undenkbar. Man kann sich nicht Zuhause an den Tisch setzen und sagen: Vater, ich will mein Erbe, ich will dein Geld, dein Haus, zum Essen komme ich auch, aber mit dir habe ich nichts am Hut. Ich brauche keinen Frieden mit dir. Heil ohne Gott? – unmöglich!
Es wäre ein totales Missverständnis zu glauben, Gott liebt die Sünder und übersieht darum ihre Sünde. Ein Gott, der Sündern zuliebe auf seine Heiligkeit verzichtet hätte; so ein Gott würde zur Sünde nur noch sagen: „Macht nichts – kleine Fische – darüber sehen wir hinweg.“ Er würde auf seine göttlichen Ansprüche verzichten und hätte als Gott abgedankt. Das Böse tobt sich inzwischen weiter in der Welt aus und Gott sieht durch alle Finger und macht gute Miene zum bösen Spiel. Das ist kein Evangelium!
Den Sünder annehmen geht nicht ohne die Sünde zu richten. Alles entscheidet sich am Gehorsam zu Christus. Im Gehorsam erschließen sich die Geheimnisse des Lebens. Verweigerter Gehorsam, blockiert das, was Gott gesund machen will. Wir verhindern unsere Entwicklung, und unseren Weg in die christliche Freiheit. Erst Christus Gehorsam lässt die Gnade in uns wirksam werden. Dieses Umgestalten ist ein heiliges Brodeln in uns, bei denen Lasten ihr Gewicht verlieren und das Bittere auf der Zunge süße Spuren hinterlässt. Gehorsam schafft ein heilsames Aufbäumen, bei dem nicht wir, sondern unser Widerstand zu Gott zerbricht. Gehorsam ist kein Angstmacher, sondern Gottes Lernprogramm, dass so viel Christus wie möglich in uns Platz hat.
Können und wollen wir uns so einer himmlischen Passion verschießen?

Heiliger Schmerz

Röm. 5, 1-5

Heiliger Schmerz

Schmerzen können die Hölle sein. Schmerzen treiben Menschen in den Wahnsinn. Manche Schmerzen wecken eine Todessehnsucht. Wann ist endlich Schluss, mit dieser betäubenden Macht? Ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr! Mir raubt das alles den Verstand. Wie viele endlosen Diskussionen gibt es, ab wann Leben nicht mehr lebenswert ist, und ab wann man es legal beenden kann. Zum Glück passiert in der medizinischen Forschung sehr vieles, für eine wirkungsvolle Schmerztherapie.
Doch Schmerz bleibt ein Problem, auch Fromme haben ein Problem mit dem Leid. Leid ist ein Makel, das es zu bekämpfen gilt. Leiden ist schlecht und muss schnellstens aus einem Leben verbannt werden.
Paulus sieht das anders.

1. Gut ist schon klasse

„Nachdem wir durch den Glauben von unserer Schuld freigesprochen sind, haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus. Wir können ihm vertrauen, er hat uns die Tür zu diesem neuen Leben geöffnet. Im Vertrauen haben wir dieses Geschenk angenommen. Und mehr noch: Wir werden einmal an Gottes Herrlichkeit teilhaben. Diese Hoffnung erfüllt uns mit Freude und Stolz.“
Solche Worte hören wir gerne – so völlig schmerzfrei. Sie sind das Hosianna des Christentums. Auf dieser Fülle der Gottesoffenbarung steht unser Glaube. Hier stehen wir mitten in der von Christus überwundenen Welt, am Anfang eines neuen Daseins. Gott wohnt in einem heiligen Raum. Erschreckend schön, erschreckend erhaben, erschreckend perfekt. Gott verwirklicht sich in der Fülle von Heil. Gott ist die Fülle von Heil. Christus nimmt uns mit hinein, in einen Raum voller Glanz. Wir dürfen da rein, wir sind privilegierte Dauerkartenbesitzer für Gottes heilige Welt. Sie ist kein Wunschtraum, sondern viel wahrhaftiger, als der Mensch sich träumen kann. Da gibt es einen Frieden, der sich jetzt bereits verwirklicht. Da gibt es das heilige Geheimnis, von etwas Ewigem, das schon unter Menschen aufkeimt. Da ist ein unfassbares Licht, das jetzt schon unter Menschen aufblitzt. Das ist Gottes Realität für geschüttelte Menschen.
Damit sich das alles verwirklicht, ist das mühsame Arbeit für beide Seiten. Das geht nur mit einem tiefgreifenden Umbau. Für das Heilige, muss Gott das Unvollkommene auf den Kopf stellen. Das Unheilige des Menschen, verträgt sich nicht mit seiner Herrlichkeit. Er braucht dazu den Schreck, dass der Mensch oft ein Geisterfahrer auf der Straße des Lebens ist. Gotteserkenntnis und das umgeformt werden in diese neue Welt, wird unter Schmerzen geboren.
Gut ist schon klasse, doch

2. Schlimmer ist besser

Wir danken Gott auch für die Leiden, die wir wegen unseres Glaubens auf uns nehmen müssen. Denn Leid macht geduldig,  Geduld aber vertieft und festigt unseren Glauben, und das wiederum gibt uns Hoffnung. 
Danken für Leiden? Welch ein Irrsinn. Wir danken für das Gute, für Geschenke, für das was uns aufbaut und voranbringt. Wir danken Gott für sein Heil und sein Erlösungswerk, für das, dass er uns für seine heiligen Räume vorgesehen hat. Und jetzt danken für das Schlechte, für das was kaputt  macht, für die Ausgeburt des Bösen, die sich an uns austobt? Danken für das Elend, für das Missverstehen, für unerträgliche Schmerzen, die unseren Glauben durchschütteln, und unser Gebet verstocken lassen?
Glauben muss leiden, sagt Paulus. Nicht, das kann unter Umständen auch einmal vorkommen, nein, Glauben und Leiden gehören zusammen wie Pech und Schwefel. Wer glaubt, kommt nicht um Leiden herum. Leid ist die Trauer einer von Gott abgefallenen Schöpfung. Es ist das ausgeliefert sein an das sündige Menschsein. Es ist das Aufleiden, wie Rilke es ausdrückt, des Unfalls im Garten Eden. Leiden ist das große Los des Unvollkommenen. Leiden isoliert betrachtet, wäre der Untergang des Guten. Leiden im Angesicht Gottes betrachtet, nährt die Hoffnung und baut das Gute. Leiden stellt zuerst unter Gott. Es führt den Menschen an seine Grenze und verschafft Gott einen größeren Handlungsspielraum. Leiden führt direkt zum 1. Gebot.
Das Leiden ist eine Leistung, eine Aufgabe, die es zu bearbeiten gilt. Im Leiden lernen wir, dem Leben keine Fragen zu stellen, sondern mit unserem Leben zu antworten. Gott will unsere Antwort, und ringt im Ausnahmezustand unseres Lebens um unser ja.
Viktor Frankl schreibt aus seinem KZ-Erleben: „Wir lehnten es ab, das Leid zu verharmlosen oder zu verniedlichen und uns darüber hinwegzutäuschen etwa durch billigen verkrampften Optimismus. Für uns war das Leiden zu einer Aufgabe geworden, die wir nicht mehr als sinnlos betrachten wollten. Tränen bürgten dafür, dass einer den größten Mut hatte: den Mut zum Leiden.“
Diesen Mut hatte Christus. Sein Leiden hatte den Sinn, eine ganze Welt von Schuld zu befreien. Reich Gottes wird in die gottlose Welt hineingelitten. Leiden ist nicht nur menschlich, sondern christlich, sogar göttlich. Leiden ist die Fruchtblase aus der neues Leben geboren wird. Wer Leiden als Leistung, als Aufgabe erkennt, wird darin nicht zerstört, sondern darunter ausreifen und in ein verändertes Dasein hineinwachsen. Wo sich Menschen dem Leiden stellen, gedeihen die Geistesgaben, von denen Paulus an anderer Stelle spricht. Leid macht geduldig, vertieft und festigt den Glauben und gibt Hoffnung. Die eigentliche Tragfähigkeit im Leben geschieht nicht durch die Geschenke, die wie Öl an uns herunterlaufen, sondern durch Lasten, die unsere Stabilität erhöhen.
Wer sich gegen Leiden wehrt, verabscheut das Kreuz Christi. Wer nur einen Halleluja Christus will, ist ein Flachwurzler, den es bei jedem Windhauch umhaut, der nicht für die Ewigkeit geschaffen ist. Er untergräbt seinen eigenen Tiefgang und die Ausreifung zur Herrlichkeit. Leid ist eine Wunderwaffe im Reich Gottes, die die eigentlichen Voraussetzungen für einen gefestigten Glauben und eine atemberaubende Hoffnung legt.
Darum ist Schlimmes so gut, weil es das Beste für uns vorhat.

3. Unmenschliche Reife

Und diese Hoffnung geht nicht ins Leere. Denn uns ist der Heilige Geist geschenkt, und durch ihn hat Gott unsere Herzen mit seiner Liebe erfüllt.“
Ohne Leiden wäre der Mensch hoffnungslos. Vieles ist dadurch sinnlos und leer, weil wir voll sind. Es findet keine Verformung zu einem Gefäß statt, das er mit Liebe füllen kann. Wo diese Lebensprozesse ausfallen, oder Menschen unter dem Leid eine Opferrolle einnehmen, ist der Zerbruch vorprogrammiert. Das Leid schickt den Menschen nicht in die Wüste, sondern in das Heilige Land. Der Luftleere Raum, die Perspektivlosigkeit, das mürbe und ausgelaugte, will er ausfüllen mit seinem Geist. Durch den Kreuzweg will er seine Christus-Stationen in uns aufbauen. Es reicht nicht, alles über die Erlösung von Christus zu wissen, und Gott dankbar zu sein, für all das großartige, das er schafft uns mit uns vorhat, er will Reich Gottes in mir. Gott ist kein Unterhalter, dem alle zuschauen, was er für tolle Sachen macht, und darüber in Verzückung geraten, das ist nicht Kirche und Gemeinde, sondern dort wo Gott im Schmerz sich im Einzelnen vergegenwärtigt. Leiden ist die Platzreservierung des Heiligen Geistes in mir. Unter den Lasten buchstabiert sich der Christus in die Nacht unserer Tage.
Genau durch diese scheinbar kontraproduktive Praxis breitet sich in uns ein Kraftfeld aus, das wir aus uns nicht generieren können. Es erschließt sich ein heiliges Reservoir, für den, der Gott nichts mehr zu bringen hat. In uns reifen Gaben heran, die wir uns niemals antrainieren können. Unser Leben gewinnt eine Qualität, an der sichtbar wird, dass hier eine andere Welt wirkt. Diese hoffnungsvolle Ausstrahlung kann nur ein Leben zum Ausdruck bringen, das ein Ja zu einem heiligen Schmerz findet. Leid ist nicht schlecht, sondern die wichtigste Nahrung, dass Gottes Geheimnis in uns reift. Schmerzen müssen sein, damit ein Raum entsteht, den Gott mit Liebe füllen kann.
Kann man sich da noch ein nur gesundes, harmonisches Leben wünschen, wenn wir gerade unter Lasten hoffen und glauben lernen? 

Danke, wenn´s weh tut

Luk. 21, 25-33
Der Wirtschaftsberater Edgar Geffroy, der Unternehmen zukunftsfähig macht, stellt am Anfang seiner Vorträge immer die Frage: „Von 10 Personen, wie viele haben Angst vor Veränderung?“ Einmal war die Antwort: 11. Das kommt der Realität ziemlich nahe. 9 von 10 Menschen haben Angst vor Veränderung. Menschen lieben die Ruhe, sie wollen Beständigkeit und geregelte Abläufe. Ja nicht das verlassen, was sich bewährt hat. Neues ist riskant. Keiner weiß, was kommt. Niemand gibt die Garantie, dass es richtig ist. Ein neuer Weg könnte gefährlich sein, und außerdem müssten wir uns in vielem komplett umstellen.
Leben ist immer Bewegung, ist immer Umbruch, ist ständiges Wachstum und Erneuerung. Was sich nicht mehr bewegt, ist mausetot. Wir dürfen uns auf eine fröhliche Auseinandersetzung einstellen.

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1. Keine Angst vor Veränderung

„27 dann werden alle Völker sehen, wie der Menschensohn in den Wolken mit großer Macht und Herrlichkeit kommt. 31  So könnt ihr sicher sein, dass Gottes neue Welt nahe ist, wenn all diese Ereignisse eintreffen. 32  Ja, ich sage euch: Dieses Volk wird nicht untergehen, bevor das alles geschieht. 33  Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber gelten für immer.“
Wenn Christus kommt, steht die Welt Kopf. Da ist nichts mehr wie es war. Wenn Gott seine neue Welt aufrichtet, gibt das ein spektakuläres, weltweites Ereignis. Von New York bis Moskau wird das die Schlagzeilen auf den Titelseiten der Tageszeitungen füllen. Das ist dann keine eingeschränkte Geschichte mehr für ein auserwähltes, israelisches Volk und eine christliche Kirche, sondern für alle. Gott wird Christus zeigen, einer ganzen Welt präsentieren, ob sie glaubt oder nicht. Die größte Zuneigung die ein Mensch je erfahren kann, wird den letzten Ungläubigen konfrontieren. Gottes Gedanken, von dem was gut ist, werden als geltendes Recht auf der Erde zum Maßstab gesetzt. Seine Auffassung von Frieden, wird Kriege beenden. Mit Christus setzt er einen Schlussstrich unter den Fluch des Sterben Müssens. Vergängliches wird umgewandelt, weiterentwickelt, zu etwas, was immer bleibt. Er will sich mit seiner ganzen Schöpfung verewigen. So träumt Gott von seiner Welt.
Wir existieren nicht nur im Jahr 2014, sondern in gewaltigen Zusammenhängen eines übergreifenden Geschehens, das unsere und die kommende Welt umfasst. Diese neue Welt, ist unser Zuhause. Wir fühlen und schmecken, wir erleben Räume, an die wir bisher geglaubt und gehofft haben, oft im trotzigen Widerspruch zu dem, was wir an uns und der Welt wahrnehmen. Advent legt uns die Baupläne und den roten Punkt auf den Tisch. Der Bau beginnt, die Veränderung kommt. Jede kosmische Veränderung beginnt mit der Umgestaltung im Kleinen, mit einem einzelnen Menschen. Advent beginnt bei uns. Die neue Welt fängt in veränderten Menschen an. Wenn große Umbrüche uns umwühlen, haben wir nichts mehr zu verlieren. Jeder Dreckhaufen wird der Beweis sein, dass wir auf dem Weg sind alles zu gewinnen.

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2. Liebe deinen Schmerz

25  „Zu dieser Zeit werden Zeichen an Sonne, Mond und Sternen Unheil verkünden. Die Menschen fürchten sich und wissen nicht mehr weiter, weil Sturmfluten und Katastrophen über sie hereinbrechen. 26  Ungewissheit und Angst treiben sie zur Verzweiflung. Sogar die Kräfte des Weltalls geraten durcheinander. 29  Dann erzählte Jesus ein Gleichnis: „Seht euch den Feigenbaum an oder die anderen Bäume. 30  Wenn ihre Zweige Blätter treiben, dann wisst ihr, dass es bald Sommer ist.“
Neues und Angst sind wie Geschwister. Bauen macht Grauen! Das kennen wir. Jesus will uns nicht mit bevorstehenden Katastrophen einschüchtern oder erschrecken. Er stellt einfach klar, dass man Unheil und Chaos kräftig beackern muss, wenn man Neues erreichen will. Dass Schuld aus der Welt kommt, braucht es Gottes ganze Leidenschaft zum Heil. Gott setzt das Kreuz, damit Hoffnung entsteht. Mutterglück entfaltet sich, wenn die Wehen durchgestanden sind. Wo wir auf Neues zugehen, brauchen wir eine Liebe zum Schmerz. Leid, Unheil, Verzweiflung, Nacht, sind goldene Samenkörner für unser Reifen. Ohne Widerstand entsteht keine neue Kraft. Wer einem Schmetterling beim Schlüpfen aus dem Kokon hilft, macht ihn lebensuntüchtig. Er muss kämpfen und sich durchquälen, um am Leben zu bleiben. Leid kommt nicht einfach so, es dient uns, es steht in einem größeren Zusammenhang und hat einen zukunftsgerichteten Sinn. Die Tragik unseres Lebens, will uns veredeln.
Viktor Frankl: „ In der Art, wie ein Mensch sein unabwendbares Schicksal auf sich nimmt, eröffnet sich in den schwierigsten Situationen eine Fülle von Möglichkeiten, das Leben sinnvoll zu gestalten. Jeder Mensch kann innerlich stärker sein, als sein äußeres Schicksal.“
 Leiden ist die Qualifizierung für das Neue. Viele baden sich in ihren Problemen und lassen sich emotional gefangen nehmen, bis sie bewegungsunfähig werden; Glaubende sehen mehr. Sie sehen in allem Leiden die Baumaßnahme zur Reife. Krisen bieten uns wichtige Lehren und machen uns stärker. Es gibt keine Krise, die nicht ein Geschenk für uns in den Händen hält. Es gibt keinen Schmerz, hinter dem nicht eine Goldgrube verborgen wäre. Wir beschreiben manches als Katastrophe, weil wir nur einen kleinen Ausschnitt eines großen Bildes sehen. Es bringt nichts, sich gegen das Reifen zu wehren. Wir werden nur lebensmüde und zerbrechen unter den Lasten. Ohne Ja zur Tragik, gibt es keinen Advent. Ohne Schrecken gibt keine Hoffnung. Liebe deine Schmerzen und du wirst zu einer neuen Liebe heranreifen.

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3. Verändern macht stark

28  „Deshalb: Wenn sich dies alles ereignet, dann seid zuversichtlich – mit festem Blick und erhobenem Haupt! Denn eure Befreiung steht vor der Tür.“
Wer im Advent lebt, hat Zukunft. Für Glaubende sind Katastrophen nur Wegbegleiter aber nie das Ende. Je finsterer das Tal, je aussichtsloser die Lage umso näher bin ich Christus. Schwierigkeiten sind nicht unser befürchtetes Aus, sondern machen stark, weil sie uns mit dem Auferstandenen verbinden. Weil wir wissen wer kommt, brauchen wir uns weder verkriechen, noch irgendwelche Deckung aufsuchen, wenn die Pfeile tiefer fliegen. Wir stehen und wir sind aufgerichtet. Das will Christus bei uns erreichen.
Advent macht zuversichtlich. Advent stärkt den Rücken. Advent zieht den Kopf hoch. Wir haben eine große Zukunft.
Mit Christus im Blick, lösen wir uns von dem Belastenden der äußeren Umstände. Diese Entscheidung liegt allein bei uns. Wir stehen und können in den Stürmen dieser Welt unsere Verantwortung wahrnehmen. Verzweifelte Menschen brauchen die Standfesten, die mit klarem Kopf, neue Wege aufzeigen. Adventsmenschen wirken wie die Blauäugigen, die den Ernst der Lage verkennen, jedoch sind sie die Zuversichtlichen, die dem Schicksal seinen eigentlichen Platz zuweisen. Mit Advent verliert die Tragik ihre Macht. Egal ob wir die Grenze überschreiten, in dem wir sterben, oder in dem wir den Welt-Advent erleben, wir werden auf Christus zugehen. Das Chaos braucht Orientierung, es braucht befreite Menschen, die Schmerzen lieben und Heiterkeit in unseren Kummer bringen. Seien wir zuversichtliche Menschen, die große Veränderungen an sich zulassen. Seien wir dankbar, auch wenn es weh tut. Dann wird jeder Augenblick eine Goldgrube, weil er voller Zukunft ist.