Mit einem Geheimnis schwanger

Wo es einem heißhungrigen Löwen den Appetit verschlägt, sind andere Kräfte am Werk.

„Gelobt sei der Name Gottes von Ewigkeit zu Ewigkeit, denn ihm gehören Weisheit und Stärke!“
Dan. 2, 20

Dieses Lob posaunt ein Prophet an den Himmel, der nicht nur einmal eine Löwengrube erlebt hat. Daniel überlebte den Groll des Königs, der alle Traumdeuter, Weisen und Wahrsager vernichten lies, die seinen Traum nicht auslegen konnten. Er deutet den Traum des Königs Nebukadnezars, in dem über Generationen hinweg ein Königreich nach dem andern zermalmt wird und ein ewiges Königreich kommt. Hier offenbarte sich der ewige Herrscher einem menschlichen Herrscher. Daniel konnte dieses Bild entschlüsseln. Er hatte die Weisheit, Gottes Spuren zu lesen. Es konnte etwas sehen, wozu der Mensch aus sich heraus blind ist. Es ist die Sicht des Glaubens, etwas zu erkennen, was die Augen nicht sehen können. Von Gott kommt etwas, wofür der Mensch keine Antenne hat. Wer Weisheit hat, hat sie nicht aus seinem Verstand, sondern weil ihm das Wort ins Herz gelegt wurde. Weisheit ist kein Kapital des Menschen, das er sich aneignet und darüber verfügt; Weisheit ist Geschenk. Weisheit ist eine Information die nicht erlernbar ist, sondern die in einem bereiten Herzen Gestalt gewinnt. Weisheit setzt Menschen voraus, die sich durch das Wort inspirieren lassen. Da kommen Kräfte auf uns zu, die nicht aus uns aufsteigen. Wo die Weisheit einzieht, konnte etwas von dem ewigen Reich in uns Fuß fassen. Da durchdringt Heiliger Geist den menschlichen Geist. In der Weisheit gewährt Gott einen Schritt über das natürliche Dasein hinaus. Weisheit ist das: ich sehe was, was du nicht siehst. Weisheit ist mit den Geheimnissen Gottes schwanger. Sie ist dem rationalen Denken meilenweit voraus. Sie treibt den natürlichen Menschen in den Wahnsinn, wenn es einem knurrenden Löwen seinen Heißhunger verschlägt. Weisheit und Stärke gehören Gott. Für Menschen sind sie Anleihen. Sie gehören dem, der nicht an unsere Regeln gebunden ist. In Weisheit uns Stärke liegen die Souveränität der ewigen Welt.

Johannes der Täufer bringt es auf den Punkt: Ein Mensch kann nichts nehmen, wenn es ihm nicht vom Himmel gegeben ist. Weisheit uns Stärke ist nicht ein haben, sondern ein bekommen. Es steht in dem unmittelbaren Zusammenhang mit dem Geber. Je mehr Raum für diese Zugabe in uns ist, umso mehr sind wir mit diesem Gottesgeheimnis schwanger. Da können wir Zusammenhänge überblicken, die wir keinem Studium erreichen können. Die Nähe zu diesem Geist schenkt eine Weisheit, die wir bei vielen gebildeten Menschen in Politik und Gesellschaft vermissen. Da werden mit kurzfristigem Denken, langfristige Programme entwickelt, die u.a. mit einem Gender-Wahn junge Generationen entwurzeln. Wo die Weisheit fehlt, sind Menschen dazu verdammt Chaos zu produzieren. Wir leben aus den Geheimnissen, die uns aus dem Himmel gegeben werden. Wir überwinden die brüllenden Löwen nur in einer Stärke, die nicht in uns liegt.

Wo lobt unser Leben diesen Gott, indem es dieser Weisheit und Stärke viel Platz lässt?

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Schwachheit ist eine Goldgrube

In einem stillen Geheimnis offenbaren sich ungeahnte Kräfte.

Der Herr ist meine Kraft.“
Hab. 3, 19

Meine Kraft kommt gar nicht aus mir. Das was mich stabilisiert und aufrichtet ist der Herr. Das ist die Kräfteverschiebung des Glaubens. Voraussetzungslos handelt da ein anderer. Die Kraftlosigkeit ist die Voraussetzung für das Wirken Gottes. Da wo nichts ist, wird Gott alles. Das Starkmachende liegt nicht in uns. Dieses feine Wechselspiel entsteht bei Menschen, die Gott vertrauen. Da ist eine versteckte Quelle, die sich allein dem Glauben erschließt. Dort wo das Leben in Einzelteile zerlegt wird, Belastungen unerträglich werden, der innere Mut zu einem Häufchen Elend geworden ist, da braucht es mehr, als dass nur das Selbstvertrauen wieder aufgebaut wird. Da braucht es Gottvertrauen. Wo aus den menschlichen Reserven nichts mehr zu schöpfen ist, braucht es die Kraft von anderswo. Wo der Herr meine Kraft ist, ist er das genau dort, wo meine Kraft verpufft ist. Wo ich aus mir heraus nichts erwarten kann. Diese Kraft braucht die Schwachheit, um seine ganze Schönheit zu entfalten. Wo Gott die Kraft ist, befruchtet der Schöpfer. Da fließt die Energie einer anderen Welt. Da werden wir von dem angerührt, der nur ein Wort spricht und es ward. Da wird nicht nur unser schwach gewordener Akku ausgetauscht, da kommt Starkstrom. Da wirkt das Wort, das wie Feuer ist und wie ein Hammer der Felsen zerschmeißt. Hinter dieser Kraft steht die ganze Wucht des Erlöserwillens Gottes. Das ist ein Kräftespiel, das nichts mit menschlicher Anstrengung und Disziplin zu tun hat. Hier will der lebensbejahende Gott dem Tod entreißen. Dieser Funke springt auf den Glaubenden über. Diese Allmacht ist für den, der sich in seiner Ohnmacht erkennt. Es ist die Kraft für die Mühseligen und Beladenen, die nicht das Tischtuch an fünf Zipfeln haben. Es ist die Kraft, die auf den bereiten Schoß der Maria fällt und in ihr den Erlöser zur Welt bringt.

Wo wir uns selbst und anderen etwas vormachen, den starken Max spielen und von niemand abhängig sein wollen, betrügen wir uns um diese Kraft. Wo wir meinen, wir dürften keine Schwäche zeigen, zeigen wir nur unseren Unglauben. Wir sind voll mit uns selbst und haben keinen Platz für das Wirken des Geistes und die Kraft des Wortes. Dort wo wir unsere Stärke demonstrieren, wo wir krampfhaft unsere Probleme selber lösen wollen, demonstrieren wir, wie schwach unser Glaube ist. Wo der Herr meine Kraft ist, verwandelt sich die Schauspielerei in Gelassenheit. Da müssen wir nicht krampfhaft funktionieren, sondern leben in einer getrösteten Verzweiflung. Wir brauchen nicht fehlerlos sein und geschehene Schuld zudecken, sondern können mit vollen Händen aus der Vergebung schöpfen. Wo der Herr meine Kraft ist, kann ich mit großer Gelassenheit mit allen Widrigkeiten umgehen. Dieses Geheimnis schenkt uns der Glaube.

Wollen wir uns nicht an dieser Gnade genügen lassen, dass sich in aller Schwachheit, diese Kraft vollendet?

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Der Weg stark zu sein

Die Gaben Gottes erfährt der Mensch in einem Paradoxon.

„Wenn ich schwach bin, so hilft mir der Herr.“
Ps. 116, 6

Von klein auf werden wir trainiert die Stärken auszubauen und die Schwächen zu bekämpfen oder zu entwickeln. Frei nach dem Motto: wer das Leben meistern will, muss stark sein. Schwach sein hat keinen Platz in unserem Leben, damit wird man nicht prahlen. Schwächen werden eher ignoriert und verdrängt. Sie grenzen uns aus und stören das Zusammenleben. Es sind nicht die großen Unterschiede, die eine Beziehung mürbe machen, es sind die kleinen Schwächen. Genau das, was uns gegenseitig am anderen auf den Nerv geht. Schwach sein sind die Grenzen vor Aufgaben und Herausforderungen, denen wir uns nicht gewachsen sehen. Schwachheiten sind auch gesundheitliche Engpässe, die lähmen und uns nicht das tun lassen, was wir sollen. Schwach sein, das was in der Tiefe kein Mensch haben will, darauf hat Gott sein Auge geworfen. Der Mensch an seiner Grenze ist Gottes Anfang. Eigentliche Stärke beginnt bei Gott am Nullpunkt des Menschen. Je weniger der Mensch zu bieten hat, umso mehr kann Gott dazugeben. Das ist das gegenläufige Prinzip des Glaubens, das Paradoxe in der Gotteserfahrung. Nur in der Nacht wirkt das Licht am stärksten. Nur im Chaos und Unfrieden, kann der Friedensstifter seine ganze Macht entfalten. Nur wo der Mensch Gott nichts zu bringen hat, wird ihm Gott alles. Gott freut sich an denen, die schwach sind, mit ihnen kann er am meisten anstellen. An ihnen kann er sich preisgeben. In der Schwachheit wird Gott verherrlicht, weil der Mensch nichts mehr dazugeben kann. Die Schwachheit wird dadurch zur Stunde der Vollmacht. Gerade dort, wo der Mensch eher sein Leben wegwirft, sammelt Gott es ein und beginnt damit ein großartiges Spiel. Er fühlt sich in unserer Schwachheit voll in seinem Element. Ihn hindert nichts mehr seine Gaben und seine Gnade zu entfalten.

Somit werden sich die Potenziale, die Gott an uns entfalten will, an den Starken zerschellen. Wer sich selbst oder Gott etwas beweisen möchte, schließt sich aus den Handlungen Gottes aus. Die Großen des Glaubens, wie Paulus, rühmen am allerliebsten ihre Schwachheit, auf dass die Kraft Christi in ihm wohne. Das Erlösungswerk Christi kann nur in gebrochenen Existenzen wohnen. Schwachheit ist der Schöpfungsmorgen, an dem die Erde wüst und leer war. Wenn Gott das schwach sein liebt, ist es gut, wenn wir uns mit unseren Schwächen anfreunden. Wir brauchen nicht den dicken Max heraushängen wie toll und wie fromm wir sind. Wir können mit unserer ganzen Schauspielerei aufhören, die sich als der Starke aufspielen will. Es ist nicht nötig, uns als die Makellosen zu präsentieren, die fest im Glauben stehen. Bei allem, wo wir lernen und wachsen und uns in unserer Persönlichkeit reifen, ist nötig, uns mit unserer Schwachheit anzufreunden. Das was die Qualitäten des Reiches Gottes ausmacht, können wir nicht lernen, das kann uns nur dazu geschenkt werden. Somit ist schwach sein, das Kapital der Starken.

Woher kommt die Einstellung, wir müssten vor Gott stark sein, dass er etwas mit uns anfangen kann?

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Wer Zukunft hat, hat Energie

Sobald Wege, die vor uns liegen klar sind, entwickelt das Leben eine Eigendynamik.

„Eines jeden Wege liegen offen vor dem Herrn.“
Spr. 5. 21

Wo Wege offen vor einem liegen, kommt das Leben in Fahrt. Wer die Zukunft klar vor Augen hat, kann zielstrebig darauf zugehen. Ein Tag nach unserem Brand als wir in den Trümmern unserer Kirche standen, sagte der Architekt: In einem Jahr werdet ihr wieder in das neue Haus einziehen! Das war ein magischer Satz. Keiner sah dies zu dem Zeitpunkt als realistisch an. Wir wussten, was bauen heißt. Wir sahen die Schuttberge, die entsorgt werden mussten und wir kannten die Verfahren für neue Planungen und Genehmigungen. Doch wir waren im Advent abgebrannt und wir sind ein Jahr später im Advent wieder eingezogen. Offene Wege motivieren und treiben an.

Der Konflikt dabei ist, dass die meisten unserer Wege verschlossen vor uns liegen. Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Unser Leben liegt vor uns, wie ein Buch mit sieben Siegeln. Doch lediglich für uns. Für Gott ist unser Verschlossenes völlig offen. Haarklein weiß er wo es lang geht und was auf uns zu kommt. Er ist mit unserer Zukunft verheiratet. Für ihn ist keine Frage offen. Ihm ist lichtklar was kommt und wo die Reise hingeht. In ihm steckt bereits die Dynamik auf das fertige Haus zuzugehen. Er sieht unser Leben vollendet vor seinen Augen. Er hat eine uneingeschränkte Vorstellung, von dem, was jetzt ist und dem abgeschlossenen Kunstwerk unserer Person. Er weiß, was er mit unserem ureigenen Leben, durch allen Zeiten hindurch erreichen will. So wie ein Unternehmer seine Vision entwickelt, wo er klar vor Augen hat, wie sein Unternehmen in zehn Jahren dastehen wird. So wie wir uns unser neues Auto vorstellen, das dann irgendwann in der Garage stehen wird. Diese Vorstellung hat Gott von unserem Leben.

Wenn das für ihn klar ist, können wir nur aus ihm diese Klarheit für uns selbst bekommen. Wo wir keinen Weg sehen, keinen Plan haben, alles nach vorne düster aussieht, bekommen wir den Durchblick bei dem, vor dem unser Weg offen liegt. Wo sich unser Blick für das Lebensbild Gottes, das er sich von uns gemacht hat öffnet, können wir völlig anders mit unseren Krisen umgehen. Mit dem Blick auf das, was wir einmal sein werden, werden die Schatten des Lebens zu Arbeitsschritten auf mein Ziel hin. Da dienen die brutalen Schläge der Reife einer Persönlichkeit. Wo meine Wege offen vor dem Herrn liegen, gibt es keine Situation, in der uns Gott verlassen hätte. Diese offenen Wege sind der größte Trost und zugleich der zielstrebe Antrieb.

Wollen wir unsere Lebenskraft vergeuden, und weiter planlos in die Zukunft tasten?

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Der Schreck ist weg

Es ist möglich, dass sich Schrecken in Frieden verwandelt.

„Du brauchst keine Angst mehr zu haben, denn Kummer und Not dürfen dich nicht mehr bedrücken; nichts wird dich mehr in Schrecken versetzen.“
Jes. 54, 14 (Hoffnung für alle)

Kaum vorstellbar, dass wir einmal nicht von Angst und Schrecken bestimmt werden. Doch was Jesaja hier ausdrückt, ist ein nicht vorstellbarer Umbruch. Eine Welt ohne Angst und Schrecken wird es nie geben, doch Gott nimmt den Druck raus. Kummer und Not bleiben, doch sie dürfen nicht mehr bedrücken. Die Angst wird immer da sein, doch ihr wird der Schrecken genommen. Die Spannungen des Lebens werden entspannt. Hier wird die Vision eines neuen Jerusalems aufgezeichnet, in dem die Trümmer wieder aufgebaut werden, doch damit geht der Prophet auf die Passion Jesu zu. Mit einem schrecklichen Tod, wird dieser Welt der Schrecken genommen. Am Kreuz entsteht eine neue Lebensperspektive. Da wird das was uns Angst macht überwunden.

Angst entsteht, wenn wir uns der Situation nicht gewachsen sehen, wenn Bedrohliches auf uns zukommt, dem wir hilflos gegenüberstehen. Ältere Menschen sind oft von Verlustängsten getrieben, weil ihre Kräfte nachlassen, sie nicht mehr so aktiv sein können und dann meinen, andere würden sich dadurch von ihnen zurückziehen. Angst entsteht, wenn bei einem Selbstständigen der Rentenbescheid eingeht, auf dem eine Rente von 123,25 € in Aussicht gestellt wird. Angst kann für einen Glaubenden wie Martin Luther auch sein, wie bekomme ich einen gnädigen Gott. Er litt darunter, dass er mit seinen Werken nie vor Gott gerecht werden kann, auch bei noch so viel Ablässen und Bußübungen. Sein Durchbruch war Christus. Da wird die innerer und äußere Not umgebrochen. Dem Bedrückenden, wird ein starkes Gegenüber gesetzt. Dem Angst Machenden, das die menschliche Ohnmacht offenbart, offenbart sich der mächtige Christus. Luther erfuhr darin eine fremde Gerechtigkeit, die seiner aufgescheuchten Seele Frieden verschaffte. Somit ändert sich, wenn wir keine Angst mehr haben brauchen, nicht die bedrückenden Umstände, sondern die Beziehung zu Christus. In dieser Beziehung, weicht das Bedrückende des Schreckens. Da können die Schüler des Amoklaufs in Florida wieder Lebenshoffnung entwickeln. Da können wir in den schrecklichsten Lebensszenen Frieden finden. Wenn Christus uns seinen Frieden lässt, kann er sagen: Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. Somit können wir in allem Unfrieden in dieser Welt, in den Stürmen unseres eigenen Lebens, erst recht Frieden finden.

Wo suchen wir unsern Frieden, wenn die uns die schrecklichen Ereignisse aufwühlen und durchschütteln?

Heilige Orte verändern

Es gibt Orte, die haben eine besonders prägende Kraft.

Als Jakob von seinem Schlaf aufwachte, sprach er: Wie heilig ist dieses Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, und hier ist die Pforte des Himmels.“
1.Mose 28, 17

Wer die Sagrada Familia in Barcelona betritt, kennt das Gefühl, in die Pforten des Himmels einzugehen. Man könnte sagen, man erlebt in Stein gemeißelte Gottesgegenwart. Das ist nicht nur ein faszinierendes Bauwerk, sondern ein Ort, der Menschen verändert und tiefe Spuren hinterlässt. Heilige Räume sind verändernde Räume. Darin liegt Ruhe und Kraft, die in den Himmel zieht, inmitten von Menschenmassen, an denen ähnliches geschieht. Jeder Ort, an dem Gott mit dem Menschen eine Geschichte schreibt, ist ein heiliger Ort. Es sind Orte, an denen Heilungswunder geschehen sind und nur zu Walfahrtsorten geworden sind. Wo Gott handelt, hinterlässt er Spuren von Ewigkeit. Was einmal an einem Ort geschehen ist, wird diesen Ort für alle Zeiten prägen. Viktor Frankl sagt: Einmal gezeitigt, ist für immer verewigt. Das was einmal geschehen ist, bleibt für alle Zeiten existent. Selbst wenn die Baracken in Dachau abgerissen sind, überfällt es einen mit Unbehagen, wenn man durch diese Anlage der KZ-Gedenkstätte läuft. Orte prägen, Orte haben Macht, Orte lösen Emotionen aus, ein Ort ist von Schwingungen und Atmosphäre durchdrungen. Man spürt den Geist der hier weht. Gott selbst schafft immer wieder solche besonderen Orte der Begegnung mit ihm. Er schafft Orte der Veränderung, an denen er an den Menschen Hand anlegt und weiterführende Erkenntnisse schafft. Jede Kirche will solch ein Ort sein. Sie ist heiliger Raum, Gottes Offenbarungsbereich, an dem Leib und Blut Christi in den Menschen eingehen. Hier geschieht Umfassendes für Zeit und Ewigkeit. Es ist der Raum, in dem sich die ganze Kraft des Wortes entfaltet, das lebendig ist und lebendig macht. An diesem Ort kommt der Mensch zum Schweigen und trägt seine wortlose Anbetung im Weihrauch vor den Altar.

Wir alle leben von heiligen Orten. Wir leben von ihrer wohltuenden und verändernden Kraft. Wir leben von dem Ort, an dem Christus unter den Menschen wohnt. Wir brauchen Räume in denen wir Herrlichkeit sehen uns spüren. Hier entsteht dann die Frage, ob es dem Geist des Hauses entspricht, wenn zur Gemeinschaftsförderung in der Kirche ein Stehempfang stattfindet. Kann da das Gotteshaus eine Friseurstube sein? Ist das im Gemeindehaus nicht Zweck entsprechender. Wo wir die Menschen der heiligen Räume berauben, verliert der Glaube seine Heimat. Gerade der Glaube braucht Orte, die ihn über die irdischen Räume hinausführen. Die gilt es zu bewahren und aufzusuchen.

Wie können wir unser Leben noch viel stärker in heiligen Stätten verankern, dass wir von dieser verändernden Kraft durchdrungen werden?

Überlegen durch Geist

1.Kor. 2, 1-10

Vorausdenker und Vorauslebende haben es schwer. Sie sind unentwegt mit denen konfrontiert die ihrem Wissens- und Erkenntnisstand hinterher sind. Die Erkenntnis Galileos: „Und sie dreht sich doch“, brachte beinahe sein Todesurteil. Mit einer Notlüge, schwor er vor der Inquisition von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen ab und überlebte. Die Behauptung Luthers: Vergebung geschieht nicht durch Ablass, sondern durch Glaube, führte ihn in den Bann und die Kirche in eine Spaltung. Paulus in Europa unterwegs, erntete in Athen für die Verkündigung des Evangeliums Spott und Antis. Aus dieser persönlich gedemütigten Situation heraus steht er vor die Gemeinde in Korinth. Er stellt Weisheit gegen Wissen.

1. Wir sind Geheimnisträger

Uns aber hat Gott durch den Heiligen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken. Die Weisheit die wir verkündigen, ist Gottes Weisheit. Sie bleibt ein Geheimnis und vor der Welt verborgen.

Auch wenn der Mensch in der Genforschung den Zahlencode der Erbinformationen entschlüsseln kann, sind das lediglich die Grundrechenarten von Plus und Minus. An Gottes Denken kann sich keiner herandenken. Vor seiner Weisheit hängt ein Panzer-Schloss. Für Menschen nicht erforschbar. Mathematik und Logik passen nicht in dieses Schloss. Der Schlüssel für die Geheimnisse Gottes heißt Heiliger Geist. Wo dieser Geistesblitz den Menschengeist berührt, gibt es Erkenntnisse, außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. In ihn dringt ein, was der natürliche Mensch nicht versteht. In den Menschen wird ein Geheimnis hineingelegt, das sich nirgends aneignen lässt. Gott hat sich beim Menschen einen persönlichen Zugang geschaffen. Damit entsteht eine Schnittstelle für einen ganz anderen Datenaustausch. Es ist ein Geistesblitz der den Menschen Gott erkennen lässt.

Der Mensch gewinnt dabei keine höhere Erkenntnisstufe um bei Gott zu sein, nein, Gott selbst kommt. Das Geheimnis ist, dass sich im Heiligen Geist, Christus zu uns auf den Weg macht. Der Geist ist die Frucht aus Kreuz, Tod und Auferstehung. Somit stellt der Geist, das natürliche Menschsein, in die umfassende Gotteswirklichkeit. Der Geist legt das Geheimnis von Erlösung und Neugeburt in den Menschen. In einem sterblich, leiblichen Gehäuse weht Auferstehungsluft. Das Geheimnis des Geistes durchbricht damit die Gesetzmäßigkeiten aller menschlichen Wissenschaften und Erfahrungen.

Zu solchen Geheimnisträgern macht Gott Menschen wie Paulus. Jede Verkündigung lüftet ein Geheimnis. Verkündigung sind keine Worte, die von einem Redenberater geschönt sind, in ihr handelt der Christus-Geist. Wo dieses Geheimnis verkündigt wird, wirkt nicht eine gute oder schlechte Rede, sondern eine eigene geheime Macht. Es gibt keine erlernbare Methode, in der der Geist zu Menschen spricht. Sein Geheimnis offenbart Gott immer selbst, weil es keine Worte, sondern Handlung ist. Der Verkündiger bringt eine unbegreifliche Botschaft, denjenigen, die als natürliche Menschen dafür keine Antenne haben. Der Heilige Geist macht Unfassbares menschenverdaulich.

Er entlockt mit ihm, das großes Geheimnis einer alten, verstaubten Geige aus dem Kasten. In einem Menschen kommt etwas zum Klingen, das niemand anders hätte anzupfen können. Dieses Geheimnis offenbart ein Geheimnis in uns. Es offenbart, wie Gott in uns Auferstehung feiert.

2. Gescheitheit rebelliert

…, auch wenn diese Welt und ihre Machthaber das nicht als Weisheit gelten lassen wollen. Aber die Welt mit aller ihrer Macht wird untergehen.  Von den Herrschern dieser Welt hat das keiner erkannt. Sonst hätten sie Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht ans Kreuz geschlagen.

Geheimnisträger leben gefährlich. Sowohl dem Verkündiger, als auch jedem der mit Gott lebt, wird man nicht glauben. Wer eine Geige sieht und sie noch nie hat spielen hören, kann nicht glauben, dass sie die ganze Welt betören kann. Geisterfahrung ist unnormal, daher ist Christsein ungemütlich. Es treffen hier zwei Welten aufeinander. Gottesweisheit und Menschenweisheit sind Gegensätze. Dabei ist offensichtlich, dass wo der Heilige Geist vom menschlichen Denken blockiert wird, die Menschen verarmen und die Geschichte blutet. Wo die göttliche Perspektive im Leben verschlossen bleibt, verliert das Menschsein seinen Wert. Da sind wir ganz schnell in Holland wo die Erben bestimmen, wie viel Tage dem Opa noch gegeben werden.

Glaubende müssen damit leben, von anderen nicht verstanden zu werden, weil sich Glauben nicht verstehen lässt. Wegen der Menschen, die dieses Gottesgeheimnis nicht kapierten hing Christus am Kreuz. Golgatha ist das Mahnmal für die Auflehnung gegen den Geist. Glaube ist Sprengstoff für eine reizüberflutete Informationsgesellschaft. Wachsender Glaube bedeutet wachsende Herausforderung. Als Geheimnisträger sind wir keine erhabenen Helden, sondern oft die Bekämpften und Belächelten. Erkenntniswege sind oft Kreuzwege. Wer etwas sieht, was andere nicht sehen, macht sich zum Buhmann. In der Gottesoffenbarung rebellieren die Gescheiten und liegt die Konfrontation mit der Vernunft. Da kann selbst die Kirche wie bei Luther und Galileo zum Gegner werden.

Da muss ein Glaube sattelfest sein und im Geist ruhen.

3. Kraftvolles Geheimnis

Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.

Glaube und Menschenwissen haben so viel gemeinsam, wie eine Kuh vom Geige spielen. Wenn eine Geige klingen soll, kann sie nicht von Hufen getreten werden, sondern muss von einem Meister gestrichen werden. Glaube wird vom Geist gestrichen und von der Menschenweisheit mit Füßen getreten. Der Glaube sucht den König in der Krippe und nicht im Palast. Der Glaube kann  sich nicht aus menschlichen Wissen ernähren, sondern hungert nach Geist. Wo der Mensch Wissen als Macht ansieht, sieht der Glaube im Geheimnis alle Macht.

Google kämpft um das Wissen der Welt, der Glaube um ein Lebensgeheimnis, das alles Wissen übersteigt. Die Suchmaschine findet keinen Gott und keinen Erlöser, aber der Geist erschließt Herrlichkeit. Google weiß alles über eine Geige, aber der Geist bringt sie zum Klingen. Der Klang echten Menschseins kommt aus dem Loslassen an den Meister. Der Glaube bringt die Geheimnisse des Lebens zum Klingen. Um das Leben mit all seinen offenen Fragen und unliebsamen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir nicht das Wissen der ganzen Welt, sondern das Geheimnis des Geistes.

In der Kraft des Geistes, werden Schafhirten zu Volksführern. In der Kraft des Geistes, widersteht der Mönch aus Wittenberg einem Papst aus Rom. Da gehen schmerzgeplagte Krebspatienten, voll bewusst ihrem Ende entgegen. Der Geist ist die höchste Qualifikation, die einen Menschen auszeichnet. Mit dem Geist handelt der Allerhöchste im Niedrigsten. Darin findet das Unbedeutende seinen größten Wert, das Schwache seine stärkste Kraft.

Um Krisen zu meistern, hilft kein Wikipedia, da braucht es mehr Geheimnisträger. Was die Welt aufhorchen lässt und lebendig erhält, sind Menschen, die in einer höheren Weisheit stehen. Daraus kommt die Kraft, für die Schmerzbewältigung. Daraus fließt die Kraft, in einer scheinbar ausweglosen Zukunftsperspektive voller Hoffnung zu sein. Es ist die Kraft, die noch im Weltuntergang die Auferstehung erkennt.

Wir tragen dieses Geheimnis in uns, daher sind wir durch unseren Glauben zu viel mehr in der Lage, als wir selber denken können. Ich wünsche uns fröhliches Überwinden durch den Geist.

Von Wellen getragen

Der Glaubende wird nicht seiner Schwachheit erliegen.

„Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.“

Ps. 138, 3
Glaubende sind zu einem überfüllten Leben in Gott berufen. Dadurch leben sie in der Spannung der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Sie erleben die ganze Fülle von der großen Kraft Gottes und die ganze Schwachheit des eigenen Menschseins. Zwischen diesen beiden Extremen findet Berufung statt. Bei einem Surfer kann man das faszinierend beobachten. Da kommt eine große Welle, bei der er genau zum richtigen Zeitpunkt auf das Surfbrett aufsteigt, um von der Energie der Welle aufrecht über das Wasser getragen zu werden. Er ist angetrieben von Schwung und Kraft und ist zu einem großartigen Wellenritt aufgebrochen. Wenn er den richtigen Augenblick verpasst, bleibt  er auf dem Brett liegen und paddelt weiter vor sich hin. Er lässt die Wellen über sich brechen, nützt die vorhandene Energie nicht aus und braucht aus sich heraus weit mehr Kraft, um ein kleines Stück voranzukommen. Bei Gott ist ein riesen Kraftpotenzial da, das ständig aktiv ist, um all unser Tun und Treiben zu beflügeln. Gott schickt seine Wellen, von ihm kommen Ströme von Herrlichkeit und wir bleiben oft in der eigenen Belanglosigkeit stecken. Gott hat uns bestimmt, aus seinen Energiequellen zu schöpfen. Wir sind berufen, uns in der Kraft seiner Wellen über uns hinaustragen zu lassen. 

Er will nicht, dass wir nur an der Oberfläche mühsam vor uns hin paddeln. 
Wenn wir Gott anrufen, sensibilisieren wir uns auf den Takt seiner Wellen. Wir konzentrieren uns genau auf die nächste Welle die unmittelbar auf uns zukommt. Dafür brauchen wir nicht lange warten, sie ist bereits im Anmarsch. Von Gott ist die große Kraft da, auf die wir uns in der Talsohle der Welle konzentrieren. Unser Rufen verbindet sich mit der Energie, die gerade auf uns zurollt. Der Glaubende ist ringsum von großer Kraft umgeben. Er hat alles, was Gott ihm in dem Wort und in Christus anbietet. Er ist nicht sich selbst und seiner Schwachheit überlassen. Das was uns am Boden hält ist gering, gegenüber dem, was uns aufrichten will. 
Wo kämpfen wir vergeblich mit eigener Kraft, ohne uns von dieser starken Energiequelle hinaustragen zu lassen?

Allmacht kann man nur glauben

Es gibt eine Größe, die unser Verstand nie erfassen kann.
„Der Herr, euer Gott, ist der Gott der Götter und der Herr der Herren, der große, starke und furchtbare Gott, der kein Ansehen der Person kennt und keine Bestechung annimmt.“

5. Mose 10,  17
Gott ist nicht zu denken. Welch eine Vorstellung wie auch von Gott haben, er passt in keine unserer Schubladen. Je mehr wir versuchen, ihn zu erfassen, umso stärker wird uns unsere Kleinheit bewusst. Ewig passt nicht in zeitliches Denken. Der Verstand ist nicht das Medium um Gott zu erkennen. Daher sollen wir uns von Gott gar kein Bild machen, weil wir damit immer zu kurz schießen. Wie wollen wir nur das eine begreifen, dass Gott über sieben Milliarden Menschen persönlich kennt und liebt, ohne die, die in der Geschichte davor waren und die noch kommen werden?
Herrschaft Gottes ist mehrere Hutnummern zu groß für uns. Allmacht ist nicht auszudenken. Licht nicht zu ertragen. Schöpfung so grenzenlos, dass wir nur über das Wunder des Lebens staunen können. Bei all unseren Vorstellungen, von dem oft zarten, liebevollen Gott, dem Mutterschoß, dem Vater des Erbarmens, stehen wir leicht in der Gefahr, aus dem Allherrscher einen Kuschelgott zu machen, der durch alle fünf Finger schaut. Doch er ist ein Herr der Herren, vor dem die Gewalten beben und die Berge rauchen. Sein Wort ist ein Hammer, der Felsen zerschmeißt. Wer das Heil für eine ganze Welt schafft, kann kein Leisetreter sein. Vor Ihm erzittert das Unrecht. Er zwingt das Böse in die Knie. Dem Übel gegenüber kennt er keine Gnade. 
Mit Christus wird der unfassbare Gott erkennbar. Durch Christus begegnen wir dem gnädigen Gott. In Christus haben wir Anteil an der Allmacht. Christus macht die göttliche Herrlichkeit menschenverträglich. Durch ihn eröffnet sich uns alles Gewalt im Himmel und auf Erden. Dort wo wir nichts von Gott begreifen können, ihn höchstens erahnen, wird er durch Christus zum Brot und Wein, welches das Leben nährt. Daraus schöpfen wir unsere Kraft. Das gibt uns Mut und Hoffnung, aller Ohnmacht zu trotzen. Damit sind wir stark in aller Schwachheit.
Wenn Christus alle Gewalt gegeben ist, warum sollten wir uns dann von den Mächtigen schrecken lassen?

Totschweigen geht nicht 

Wer seinen Lebenssinn im Wort entdeckt hat, ist nicht mehr aufzuhalten.
„Jeremia sprach: Ich dachte: Ich will seiner nicht mehr gedenken und nicht mehr in seinem Namen predigen. Aber es ward in meinem Herzen wie ein brennendes Feuer.“

Jer. 20, 9
Lebendige Worte lassen sich nicht totschweigen. Wo Gottes Wort aktiv ist, gibt es keine Stopp-Schilder. Im Wort Gottes sind keine Geschichten, die man weitererzählen kann oder nicht, es ist eine nicht aufzuhaltenden Lebensgewalt. Es ist das pure Handeln Gottes. Mit diesem Wort prallt die Erlösung auf die Erde. In diesem Wort kommt der lebendige Christus in die Welt. Dieses Wort kann nirgends vorbeigehen ohne Spuren zu hinterlassen. Es ist ein brennendes Feuer, das anzündet und heiß macht. Dieses Wort zerbricht Felsen und lässt Berge schmelzen wie Wachs. In diesem Wort liegt die ganze Schöpfungsdynamik Gottes. In ihm liegt der Urknall, der das Dasein aus der Taufe gehoben ist. Durch das Wort ist alles was ist.
Wenn der Prophet Jeremia dieses Wort predigt und dadurch mit Händen und Kopf in den Holzblock gesperrt wird, ist noch lange nicht Schluss. Wer im Namen dieses Wortes unterwegs ist, kann nicht mundtot gemacht werden. Auch wenn sich Jeremia hätte einschüchtern lassen können, so spürt er körperlich, dass dieses Brennen nicht auszulöschen ist. Wir kennen das von vielen anderen Männern und Frauen der Kirchengeschichte. Menschen, die Gott gehören und mit dem Wort dienen, handeln nicht in eigener Sache. Sie sind die Handlanger dieses Wortes. Sie sind die Exekutive des Reiches Gottes. Sie handeln nicht aus sich selbst, sondern durch sie kommt Gott zu seinem Ziel. 
Wenn wir meinen, unter dem Gegendruck, unter Repressalien, unter widrigen Umständen, müssten wir uns zurückziehen, weil der Weg zu schwer wird, da ist es genau das Wort, das uns Gottes Nähe offenbart. Im Widerstand erkennen wir, wie Gott zu den Seinen steht. Wir erfahren, dass nicht wir es sind, die den Gegnern trotzen, sondern das Wort selbst, das in uns lebendig ist. Daran wird immer deutlich, nicht der äußere Druck hat das Sagen, sondern das Wort ist mächtiger. Soviel Löschversuche auch unternommen werden, dieses Wort ist unauslöschbar.
Warum sollten wir uns einschüchtern lassen, wenn das Wort an sich nie zum Schweigen kommt?