Kinder kriegen ab 100

Glauben ist hoffen, wo es nichts zu hoffen gibt, damit das Leben auch morgen noch besteht.

„Herr Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!“
Ps. 84, 13

Des Menschen Wohl hängt mit seinem Vertrauen zusammen. Umgekehrt ausgedrückt heißt das, wo kein Vertrauen, keine Hoffnung, kein Darüber-hinaus ist, entsteht Unwohlsein. Es bestehen somit tiefe Zusammenhänge zwischen dem, was ein Mensch hofft und seinem persönlichen Wohlbefinden. Sich auf Gott verlassen, steht für das Wohl und Wehe eines Menschen. Wer sich auf Gott verlässt, verlässt die Hoffnung auf sich selbst. Er verlässt die augenblicklichen Tatsachen, die eine ganz andere Sprache sprechen. Er trennt sich wie Abraham von der Realität, dass man mit hundert Jahren keine Kinder mehr bekommen kann. Er verlässt alles, was er bisher gelernt und für richtig befunden hat. Er fängt an, an etwas Utopisches zu glauben. Sich auf Gott verlassen heißt, alle seine bisherigen Maßstäbe zu verlassen. Auf etwas zu setzten, was der Verstand nicht für wahr hält, die Augen nicht sehen können. Dieses Verlassen glaubt weit über die Zukunft hinaus und vertraut auf etwas, wovon jetzt noch kein Funke zu sehen und spüren ist. Verlassen glaubt vom Ziel her. Es sieht in der Etappe, Gottes vollendetes Ganzes. Er sieht sich in der Gesamteinbettung seines Lebens in Gott. Er lässt sich selbst los und die ganzen Umstände, die im Augenblick das Sagen haben, und lebt aus einem Funken Herrlichkeit. Sich verlassen inspiriert das Leben vom Ende her. Er lebt als altenheimreifer Mann in der Verheißung: Deine Nachkommen werden so zahlreich sein, wie die Sterne am Himmel. Sich auf Gott verlassen, lässt dem Menschenunmöglichen allen Raum. Es ist ein Vertrauen, gegen alles innere Aufbäumen, gegen besseres Wissen. Es ist reiner Glaube, der an dem festhält, was er nicht sieht.

Über solch einer Verrücktheit steht das Wohlergehen des Menschen. Wohl ist die Glückseligkeit, alles zu haben was Menschsein ausmacht. Dieses Glück ist das beruhigende Gegengewicht, dass Josef sagen kann: Ihr gedachtet es böse mit mir zu machen, doch Gott gedachte es gut zu machen. Dieses Wohl nimmt einer hoffnungslosen Diagnose die Verzweiflung. Wohl ist das Ruhen im Schoß des Höchsten.
Es ist das Umborgensein, gerade dort, wo wir uns nicht in der Wohlfühlzone befinden. Es ist das getröstet sein, wo das Leben eine völlig andere Sprache spricht. Dieses Wohl trennt uns innerlich vom augenblicklichen Unglück. Da lebt etwas konstant Aufbauendes inmitten von Zerstörung. Da ist etwas gesund trotz Krankheit. Das ist Heil im Unheil. Das Wohl verändert nicht meine Umstände, Abraham wurde kein Jungbrunnen, um ein Kinderglück zu erfahren; das Wohl ist Gottes Wirken in den ausweglosen Umständen. Es ist das, den Umständen zum Trotz. Deshalb ist es gerade in unseren ungemütlichen Tagen unser Glück, dass wir uns darauf verlassen können.

Wollen wir etwa Gott vorschreiben, ab wann man keine Kinder mehr bekommen kann?

Auslegungen für jeden Tag
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Loben macht lebendig

Wer nur den lieben Gott lässt walten und hoffet auf ihn allezeit, den wird er wunderbar erhalten in aller Not und Traurigkeit. Wer Gott dem Allerhöchsten traut, der hat auf keinen Sand gebaut. Georg Neumark, 1641

„Singet dem Herrn und lobet seinen Namen, verkündet von Tag zu Tag sein Heil!“
Ps. 96, 2

Dem Herrn singen ist klingendes Evangelium. Wer singt, dem schwingt der ganze Körper. Alle Organe sind der Resonanzraum für den Klang. Gesang geht durch und durch und erfasst den ganzen Menschen. Wo das Evangelium gesungen wird, klingt das lebendige Wort durch Mark und Bein. Gesang ist die lebendigste Form der Mitteilung, auf hoch emotionaler Ebene. Wo man singt, das lass dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder, sagt der Volksmund. Die christliche Gemeinde war von Anfang an einen singende Gemeinde. Das hat damals schon die Römer verwundert und verunsichert. Wo das Gotteslob erklingt, sprengen bei Paulus und Silas die Ketten im Gefängnis. Da klingt das, von guten Mächten wunderbar geborgen, von Dietrich Bonhoeffer aus der Gestapo Zelle. Im Lobgesang beben Gitterstäbe und schwingen Herzen. Im Lobgesang klingt der Überwindergeist. Wer lobt, überwindet sich selbst, in allen erniedrigenden Umständen. Vor dem Gotteslob zittern alle finstern Mächte. Im Lobgesang wird das Schwache stark. In diesem Gesang entfaltet sich die ganze Macht des Wortes. Da wird der Mensch zum klingenden Wort und erfährt darin die verwandelnde Kraft. Darin liegt ein sich überschlagender Mut, eine geballte Hoffnung und ein liebevoll getröstet werden. Wo wir uns im Lobgesang verausgaben, fließen uns gleichzeitig heilende und aufbauende Kräfte zu. Der Lobgesang verankert aktives Handeln Gottes, in dem was schwach geworden ist. Wer dem Herrn singt, hat die beste Medizin gegen Schwermut und Anfechtung. Lobende Menschen haben die Herzen im Himmel und die Beine auf der Erde.

Wo der Lobgesang schwach wird, wo unsere Saiten nicht mehr klingen, fängt ein Klangkörper an zu verstauben. Da verstimmt unser Instrument und hat seine erhebende Kraft verloren. Am Lobgesang lässt sich die Gemeinde und der Einzelne messen. Wo das Lob verstummt, stirbt der Glaube. Zwischen Loben und Leben besteht ein unmittelbarer Zusammenhang. Wer unter seinem Schicksal verstummt, hat kein Instrument mehr, um sich über die Niederungen zu erheben. Klagelieder haben keine Kraft, die Lasten zu durchbrechen. Im singet dem Herrn liegt die Antwort.

Welcher Gesang liegt uns auf den Lippen, wenn die Probleme größer werden?

Hoffen heißt umkehren

Wer hoffen will, kann nicht weitermachen wie bisher.

Bist du es nicht, Herr, unser Gott, auf den wir hoffen?
Jer. 14, 22

Bei Jeremia gibt es gerade nichts zu hoffen. Das erwählte Volk ist Gott mal wieder davongelaufen. Das ganze Land ist daher in Unruhe, von Dürre überzogen, von Kriegen geplagt und von Seuchen heimgesucht. Dazwischen pflegen Propheten beschwichtigende Reden und versuchen mit schön reden die Menschen zu trösten. Alles nicht so schlimm, es wird alles wieder gut! So ein Geschwätz ist der größte Quatsch, wenn es um die Folgen von Ungehorsam und Unglauben geht. Sie vermitteln dabei den Eindruck, es ist völlig egal wie wir leben und wie wir uns verhalten, Gott ist so barmherzig, dass er immer durch fünf Finger schauen wird. Welch ein gewaltiger Irrtum. Gott aus der Schule laufen kann nicht gut gehen. Das lässt sich nicht beschönigen oder verharmlosen. Jeremia trauert über diese untröstlichen Zustände. Er kann es nicht mit ansehen, wie sich das Gottesvolk selbst zerfleischt und dann noch beschwichtigt wird. Er ist der Einzige, der diesen Spuk nicht mitmacht und schreit nach Gottes Erbarmen. Doch Gott erhört ihn nicht. Er kann ihn gar nicht erhören, solange sich Menschen von ihm abwenden. Würde er Jeremia jetzt erhören, würde er sagen: Es spielt keine Rolle, wie sich mein Volk verhält, ich drücke einfach mal die Augen zu. Gott sagt ihm: Ich bin so heilig, dass ich nicht einfach über Schuld hinweggehen kann. Damit ein Mensch in seinem Elend hoffen kann, ist Umkehr nötig. Er braucht in seiner verrannten Lage einen Christus, damit es wieder gut werden kann. Heil und hoffen liegt allein in Gott, zu dem sich der Abgewandte wieder hinwendet. Christus macht aus einem gottfernen einen gottnahen Menschen. Hoffnung kommt nicht automatisch, sondern liegt in der Selbsterkenntnis; ich habe mich verrannt und ich brauche einen gnädigen Gott. Wo dieser Umbruch und innerer Zerbruch nicht stattfindet, kann selbst ein Gott der Hoffnung keine Hoffnung schenken.

Wie ernst es Gott damit ist, konnten wir vergangene Woche erschreckend erfahren. Wir erfuhren vom Tod eines ehemaligen Bruders, der in der Gründungszeit zum Kern unserer Bruderschaft gehörte. Er war der erste, der aus persönlichen Gründen aus der Gemeinschaft ausgetreten ist. In den letzten Jahren nahm er wieder Kontakt zu uns auf und wollte uns durch finanzielle Forderungen das Leben schwer machen. Dann diese Nachricht, dass er nicht mehr lebt. Ein Schock, selbst für uns, wie heilig Gott ist und sich nicht spotten lässt.

Hoffen heißt nicht die Umstände ignorieren und einfach weitermachen, in der billigen Hoffnung, dass irgendwann sowieso alles gut wird. Hoffen liegt in der bewussten Hinwendung zu Christus. In uns muss immer neu dieser Wille zu dieser Veränderung geschehen. Wir haben einen Gott auf den wir hoffen können, der uns in unserem anders wollen in Christus begegnet.

Kann Gott das Gebet überhören, wo wir auf Christus hoffen?

Schreien macht gesund

Christus steht nicht hinter uns als unsere Vergangenheit, sondern vor uns als unsere Hoffnung. Fr. v. Bodelschwingh

„Herr, mein Gott, da ich schrie zu dir, machtest du mich gesund.“
Ps. 30, 3

Wo ein Mensch zu Gott schreit, trägt er seine ganze Verzweiflung an die höchste Stelle. Der Schreiende ist nicht fertig, sondern erwartet noch etwas. Darin liegt das ganze innere Aufbegehren, sich nicht mit der augenblicklichen Situation abzufinden. Da kocht die Not auf Gott zu. In dem Moment gibt es nichts zu danken und zu loben, sondern nur noch zu weinen und zu klagen. Wir können auch als Glaubende nicht immer nur gut drauf sein. Als Erdenbürger ist es völlig normal, an Gott und den Menschen irre zu werden. Es braucht sich keiner schämen, der zu Gott schreit. Wer im Elend schreit, hat Gott noch nicht aufgegeben. Manchmal ist der Schrei das einzige Gebet, das von Menschen zu Gott dringt. Schreien klammert sich an Hilfe. Aus wieviel Schützengräben, aus wieviel Kliniken sind die Schreie in den Himmel aufgestiegen. Wer seinen Jammer herausbrüllt, bleibt nicht unerhört. Wo das Schreien auf Gott trifft, ist die Hilfe sicher. Die Schreie, die zu Gott aufsteigen, werden bereits zum Lob. Das klagende Herz ehrt damit den, in dessen Hand alles Leben liegt. Der Schrei ist wie ein offenes Gefäß, das bereit ist sich füllen zu lassen. Dieses hilflose, verzweifelte sich öffnen, macht Platz, dass Heilung geschehen kann. Da beginnt die verwandelnde Kraft, die Passionswege mit Osterwegen verbindet. Da werden Schreie in die Auferstehungskraft verwandelt. In dem Schreien zu Gott, wird die Christusgegenwart an uns lebendig.

Damit entsteht eine viel größere Gesundheit, als dass Blinde wieder sehen und Lahme wieder gehen können. Da erkennt der Blinde das Heil in Christus, egal ob er die Schönheit der Berge, Blumen und Pflanzen wahrnehmen kann, oder ihm das natürliche Augenlicht verschlossen bleibt. Gesund geworden sind nicht die, die den Kugelhagel in den Schützengräben „nur“ überlebt haben, sondern die, deren Leben sich total geändert hat, nachdem sie die Uniform ausgezogen hatten. Das ist gesund, unter Lasten zu leben, seine Not zu Gott zu schreien, darin Hoffnung zu entwickeln und Gott die Ehre zu geben. Das Lob kommt nicht nur von den Starken, sondern gerade von den Ohnmächtigen, die ihre Not vor Gott schreien. Das ist die größte Gesundheit, durch Christus in der verzweifelten Lage, neu hoffen zu können. Gesund ist, mit Krankem und Belastendem gesund umgehen zu können. Dafür können wir zu Gott schreien.

Woher wollen wir noch mehr Hilfe bekommen, wenn wir uns ausweinen?

Geduld lässt Kirschen rot werden

Herr schenk´ mir Geduld, aber plötzlich!

„Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer.“
Hab. 2, 3

Die Aufträge Gottes erfüllen sich, komme was da wolle. Die Erfüllung, von dem was Gott mit den Menschen vor hat, steht in der Form der vollendeten Zukunft. Die Weissagung kommt auf Gedeih und Verderb, daran lässt sich nicht rütteln. Das Heil, das Gott zugesagt hat ist amtlich. Er will die Welt von Grund auf erneuern, er will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Er will, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Was Gott sich vorgenommen hat, ist besiegelt und steht fest. Wir können hundertprozentig damit rechnen, dass es so sein wird. Die Gottesereignisse erfüllen sich im Zeitfenster der Gnade. Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils, sagt Paulus. Die Erdenzeit ist die Reifezeit, in der das Heil heranreift. Für uns hat sich das Kommen Jesu bereits erfüllt, welches der Prophet Habakuk dem Volk ankündigte. Gottesgeschichte ereignet sich bereits in dieser Welt und ist auf dem Weg zur Erfüllung. Da tut sich etwas, auch wenn die damaligen Israeliten ungeduldig und mürrisch wurden. Wenn sich in der Augen der Menschen etwas hinzieht, werden sie ungemütlich. Wer will schon warten? Wenn eine Not da ist, dann erwarte ich sofort Hilfe. Es muss alles jederzeit verfügbar sein. Daher bekommt man das ganze Jahr Maiglöckchen und Flieder, weil keiner mehr warten kann. Erdbeeren und Tomaten müssen immer zur Verfügung stehen, auch wenn sie nach Wasser schmecken. Warten müssen strapaziert das Gemüt. Warten ist der Weg zur reifen Frucht. Nach der Kirschblüte, dürfen die Kirschen 3 Monate ausreifen. Der Wein bekommt seinen samtigen Ton, durch 1 Jahr Lagerung im Eichenfass. Reifen braucht Geduld, braucht Zeit, braucht Entwicklung.

„Darum harre ihrer.“ Auf dem Ausharren liegt das selig werden. Wer ausharrt bis zum Ende… Es geht um ein zielstrebiges Warten lernen. Wir sollen auf dem Weg den wir gehen ausreifen. Unter Wind und Wetter, unter Gewitter und Stürmen sollen wir unserer eigenen Erfüllung entgegenreifen. Harren ist kein untätiges über sich ergehen lassen, sondern ein aktiver, lebendiger Reifeprozess. Lebe mit der Verheißung, lebe auf die Verheißung zu, die sich um Gottes Willen ereignen wird. Wir können nie von der Etappe aus beurteilen, das wird sowieso nichts. Die Kirsche wird sich rot färben, wenn die Zeit reif ist, auch wenn man kurz nach der Blüte kaum etwas sieht. Der Glaube harrt der Erfüllung entgegen. Der Glaube beißt sich an der Verheißung fest, wo der Ungeduldige unter den Lasten die Segel streicht.

Harren wir in unseren Widerwärtigkeiten aus, bis sich die Verheißung erfüllt?

Mit dem Zweiten sieht man besser

Mit dem richtigen Blick sehen wir auf dem zwanzig Euro Schein hohe gotische Fenster, mit feinem Maßwerk und Brücken, die die Völker Europas verbinden.

„Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen.“
Jer. 31, 8

Was Jeremia hier aufleuchten lässt, ist der weite, umfassende Blick des Glaubens. Es ist ein Spiegelbild für alles, was mit Reich Gottes zu tun hat. Die Menschen sind in ihren Tagen mit Lasten unterwegs und man sieht überhaupt nicht viel vom „lieben Gott.“ Auch das Volk Gottes sieht auf seinem Weg viel Jammer und Elend. Da ist oft so wenig von dem zu sehen, was die Erfüllung des Glaubens ausmacht. Da menschelt es eben wie überall. Da sieht man so wenig von dem Glauben, der Berge versetzt. Der Blick fällt auf Blinde und Lahme, auf die demente Mutter, die einen nicht mehr kennt, aber einfach nicht sterben kann. Leid ohne Ende, Zank zwischen Glaubensgeschwistern, und die Lasten der Arbeit, die nicht zu bewältigen sind. Wo lassen sich da die Erneuerungskräfte spüren, die uns verheißen sind? Den Blick, den Jeremia hier entwickelt, dass er in all dem Elend eine große Gemeinde sieht, die sich wieder versammelt, kommt nicht aus dem, was er wirklich vor Augen hat. Die große Gemeinde erkennt der, der die Gesamtzusammenhänge der Bibel versteht. Jeremia zeichnet hier eine Christus-Spur. Er bringt Passionswege mit dem Osterglauben zusammen. Die Augen des Glaubens sehen immer beides, das Kreuz und das leere Grab. Da beginnt das Sammeln der großen Gemeinde unter den widrigsten Umständen, genau dort, wo man eigentlich noch gar nichts davon sieht. Wege des Glaubens stehen immer im Zusammenhang mit der Vollendung. Von dem Christus-Wirken ist immer mehr da, als wir im Augenblick erkennen können. Es entsteht oft in größter Armseligkeit mehr Reich Gottes, als wir erahnen können. Vieles geschieht angefochten und verborgen, auch wenn man nichts davon sieht, ist Gottes Handeln nicht aufzuhalten.

Jesus sagt: Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder; sie sind schon reif zur Ernte, auch wenn es bis dahin noch vier Monate sind. Der Glaubende bekommt einen zweiten Blick. Mit dem zweiten sieht man besser! Es ist der Blick der Passion und Ostern zusammenbringt. Darin erkennt er die Notwendigkeit der Passion, auf dem Weg zur Herrlichkeit. Er erkennt bereits im März die Ernte des Juli. Der Glaube kann nicht das eine ohne das andere sehen. Er sieht die große Gemeinde auch dort wo die Kirchenbänke leerer werden. Da ist immer mehr Hoffnung da, als die Umstände zulassen. Diesen Blick entwickelt der Glaube, auch wenn es noch so menschelt. Dieser Blick sieht den zwanzig Euro Schein nicht nur von einer Seite.

Warum sollte bei solch einer Verheißung, unser Glaube nicht viel mehr sehen als nur das, was vor Augen ist?

Hoffnung verwandelt Krisen in Wachstum

Mit einer starken Zusage in der Tasche, kann man große, hoffnungsvolle und geduldige Schritte tun.“

„Er gedenkt ewiglich an seinen Bund, an das Wort, das er verheißen hat für tausend Geschlechter.“

Ps. 105, 8
Was den Menschen ausmacht, liegt im Gedenken Gottes. Gott hat sich für alle Zeiten mit seinen Kindern vernetzt. Wo er an seinen Bund gedenkt, ist keine Luft dazwischen. Da ist nicht im Geringsten Platz für ein Auseinanderbrechen. Da ist der Mensch auf ewig an die Wirkungen des Wortes gebunden. Damit ist ein Fundament für einen Wolkenkratzer gelegt. Da kann ein Bauwerk entstehen, das jeden Tsunami übersteht. Gott gedenkt und der Mensch steht. Das ist eine mathematische Lebensformel, ein unumstößliches Naturgesetz. Weil Gott nichts von dem was er verheißen hat zurückzieht, hat der Mensch etwas in der Hand, was nicht der Vergänglichkeit unterworfen ist. Wo bei einer Eheschließung jeder weiß, dass er eine statistische Chance von 50 % für eine haltbare Verbindung hat, garantiert Gott 100%. Den Bund, den Gott schließt ist absolut krisensicher.  Die Zusagen, die in dem Wort den Menschen gegeben sind, haben kein Verfallsdatum. Weil Gott gedenkt, hat der Mensch nichts zu befürchten. In diesem Gedenken liegt Gottes „fürchte dich nicht“ und alles aufgefangen und getröstet werden. 
Die Hoffnung, die jemand entwickelt, kann nie aus sich selbst oder irgendwelchen Umständen kommen. Wir werden nicht dadurch getröstet, dass die Zeit viele Wunden heilt, sondern weil Gott gedenkt. Darauf kann man eine unverschämte Hoffnung bauen. Weil Gott auf Biegen und Brechen an seinem Bund festhält, kann der Glaubende geduldig darin ruhen, auch wenn seine Augen den Untergang der Welt sehen. Wo Gott gedenkt, kann der Mensch in einer angstfreien Zone leben. Da sind die Brüche des Lebens in keiner Phase hoffnungslos. Da endet das Leben nie im Schicksal. Da gibt es immer ein darüber hinaus. Diese Hoffnung macht stark, seine Krisen offensiv zu gestalten. Da gibt es auch dort einen Weg, wo vor uns die Straße aufgerissen ist. Da ist der Mensch nicht mehr schicksalsgeprägt, sondern hoffnungsangetrieben. Somit kann ein Mensch, der von solch einem Bund getragen ist, in allen Widerständen des Lebens nur hoffen, wachsen und reifen. 
Warum sollten wir da keine Hoffnung mehr haben, wenn das Leben uns in Einzelteile zerlegt? 

Spiel mal mit Licht

Licht beendet das Drama der Dunkelheit. 
„Kommt nun, lasst uns wandeln im Licht des Herrn!“

Jes. 2, 5
Der mitreißende Seitenhieb eines Entdeckers. Kommt nun, kommt endlich ist ein Wachrütteln aus der Lethargie. Fische nicht mehr weiter im Trüben. Es ist ein dramatischer Aufschrei, weil einer den Schalter entdeckt hat. Das Tasten und durch die Nacht schleichen ist vorbei. Endlich ist Licht in Sicht. Licht am Ende des Tunnels, Licht in den Schatten des Lebens. Licht in der Verzweiflung verändert alles. Das Licht des Herrn bricht die Nacht der Menschen um. Christus ist der Umschalter im Drama des Lebens. Mit ihm erschrickt die Finsternis. Da ziehen sich die Nebel zurück, die wie eine Dunstglocke alle Sicht versperrt haben. Gott macht mit Christus das Licht an. 
Kommt nun, ist das Anstacheln für alle, denen die Lichter ausgegangen sind. Unsere Tage sind voll Enttäuschungen, Bitterkeit und Trauer, wo am Ende mehr Frust als Dankbarkeit steht. Es ist nicht die große Bedrohung eines evtl. 3 Weltkrieges, die uns zu schaffen macht, es sind vielmehr die vielen kleinen Verwundungen im Miteinander, die belasten und lähmen. Das nicht mehr wollen und können, das keinen Ausweg sehen, das sinnlose ertragen müssen, sind die Nächte unserer Tage. Dahinein kommt dieses Herausreißen des Lichtes. Christus ist genau für die Unerträglichkeiten gemacht. Er ist der Umschalter im Kleingedruckten unseres Daseins. Das Licht ist nicht für die sonnigen Zeiten gemacht, sondern genau für die grauen und schweren Tage. Es gibt den Aussichtlosen eine Perspektive, und denen die nichts mehr zu hoffen haben, festen Boden unter die Füße. In diesem Licht, verliert selbst die Stunde des Todes ihren Schrecken.
Wir sind Kinder, die mit diesem Licht spielen. Bei diesem Spiel zieht sich Dunkelheit geschlagen zurück. Da brauchen wir gar nicht viel machen, wir müssen nicht verkrampft Licht generieren, wir strahlen durch das Licht, das uns umgibt. Das Licht ist unser Aufenthaltsort, unser Wegbegleiter. Damit wird es in uns hell und wir werden zum Leuchtfeuer für die Nächte der Menschen.
Macht solch eine Einladung nicht Lust, mit dem Licht zu spielen?  

Die Jungfräulichkeit bewahren

Wer dankt und staunt, wähnt sich in besten Händen.
Herr, wie sind deine Werke so groß! Deine Gedanken sind sehr tief.“

Ps. 92, 6
Große Werke bestaunen, gehört eigentlich zu jeder Urlaubsreise. Am letzten Sonntag arbeitete ich an meinen Bildern der Gaudikirche  Sagrada Familia. Es ist erhebend, sich solch einer Schaffenskraft hinzugeben. Wo wir staunend von den Klängen einer Bach-Toccata umspielt werden, passiert etwas in uns. Sich für Großes öffnen und sich voll und ganz davon in Bann ziehen lassen, übt formende und gestaltende Kraft auf uns aus. Gott zu bestaunen, seinem Schaffen nachzuspüren, seine Gedanken zu erforschen, sich seiner Genialität hinzugeben, damit verändert sich die Wahrnehmung der Schöpfung. Offen, dankbar und staunend sich vom Grundton der Schöpfung anzupfen zu lassen, stellt uns neben Adam, der nur noch von dem „Alles war sehr gut“ fasziniert war. Wer seinen Blick konzentriert auf die großen Werke Gottes wirft, lässt sich nicht von der gefallenen Welt ablenken. Er fixiert sich auf den Guten, er verliert sich in dem Erhabenen.
Die Armseligkeit des Lebens beginnt, wo wir nicht mehr staunen und danken. Wer nur das Unglück verschlingt, sich in den Turbulenzen hässlicher Tage badet, dem vergeht das Danken. Die Geschwüre in unseren Beziehungen haben keine erhebende Kraft. Sich im Kleinen, in oberflächlichen Gedanken und Geschwätzen aufzuhalten, generiert mit Sicherheit kein Staunen. Wo wir nur im Bombenhagel einer sich selbst zerfleischenden Schöpfung Spazierengehen, brauchen wir uns nicht wundern, wenn wir keine Wunder mehr sehen.
Gerade das bewusste Bestaunen des Großen, zeigt uns die Wirklichkeit Gottes, die die Wirklichkeit des Menschen durchdringt. Ein dankbares Herz schult seinen Blick auf die großen Werke. Die Dankbarkeit sieht das Große hinter dem Kleinen. Im Staunen vor dem erhabenen Gott, sprießt Glaube aus der vertrockneten Erde. Wer auf das Große schaut, entdeckt den Christus, der aus dem Staub aufhebt. Im Staunen vor Gott, ist jeder neue Tag eine Entdeckungsreise. Wir stoßen auf erwärmende Freundlichkeiten, mitten in eisiger Kälte. Wo wir dankbar und staunend vor Gott stehen, verwurzeln wir uns in seiner Größe.
Können wir dem neuen Morgen noch jungfräulich begegnen, als sähen wir die Welt zum ersten Mal?

Wiederbelebte Schockstarre

das was Menschen verbocken, baut Gott wieder auf.
„Der Herr spricht: Frieden mache ich zu deiner Wache und Gerechtigkeit zu deineer Obrigkeit.“

Jes. 60, 17
Jerusalem liegt woder einmal in Schutt und Asche, wie Deutschland nach 45. Die Ungerechtigkeit und Obrigkeit hat mal wieder gründliche Arbeit geleistet. Unfrieden war das tägliche Brot. Die Menschen haben das gemacht, was sie am besten können; zugrunde richten und Schrecken verbreiten. Katzenjammer vom Feinsten. 
In diese verzweifelte, hoffnungslose Situation spricht der Herr. Er spricht von einem unvorstellbaren Reich, er spricht von einer unglaublichen Herrschaft. Er spricht von einem Paradoxon, von dem, was die Menschen kennen und gerade erleben. Er spricht den Aufgewühlten den Frieden zu. Er verheißt den zu Unrecht leidenden eine neue Gerechtigkeit. Er verspricht das Menschenunmögliche. Genau dort, wo Menschen unter ihrem „machen“ verzweifeln und zugrunde gehen, setzt Gott sein „Machen“ dagegen. Die neue Herrschaft, die Gott aufrichtet, schafft er mit Christus. Mit ihm setzt der den Gegenpol zu Unfrieden und Ungerechtigkeit. Mit Christus kommt in den Aschenhaufen der Welt ein unglaubliches Grünen. Dort wo das Ergebnis des menschlichen Schaffens das Elend ist, schafft Gott sein Durchatmen. In allen Tod kommt die  Gegenbewegung des Lebens.  Mit Christus verliert aller Schrecken seine Macht. Gott schafft mit Christus immer dem Chaoswirken des Menschen entgegen. Mit Christus zeigt er den Menschen, dass er sich nie mit Unfrieden abfinden wird. 
 Diese Herrschaft schafft in unfriedferigen Menschen Versöhnung. Die in Christus gerecht Gemachten, schaffen unter den Menschen eine neue Vertrauensbasis. Aus ihnen strahlt ein lebendige Hoffnung auf. Durch sie, erfährt eine in Schockstarre versetzte Welt, entspannte Befreiung. Die Glaubenden werden zu den Hoffnungsträgern, einer für die Menschen unglaublichen und nie schaffbaren Welt.
Wollen wir nicht viel mehr den ran lassen, der alles richtig gut macht?