Gehorsam verleiht Flügel

Wer überhört, verschließt sich Türen und begrenzt sich selbst.

„Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.“
Jer. 7, 23

Ein Herz und eine Seele mit Gott sein ist eine Frage der Ohren. Die heiße Liebe zwischen Gott und Mensch beginnt, wenn er die Saiten unseres Herzens anzupft und seine Melodie im Menschen zu klingen beginnt. Sein Wort ist der Geigenbogen, der die Saiten zu streichen beginnt. Dieser kleine Berührungspunkt bewegt Welten und erfüllt Räume mit einzigartigem Klang. Der Saal bebt von Gesang. Die Liebe wird so heiß, dass sie den anderen durchdringt und ein Teil von ihm wird. In dem Spiel von Musik wird Gott mit seinem Volk ein Paar. Da bedingt einer den anderen. Einer macht den andern vollkommen. Wo sich diese beiden Pole miteinander verschmelzen, entsteht ein atemberaubendes Kunstwerk, das seine Umgebung in Bann zieht. Frischverliebte sind immer faszinierend und anziehend. Gott träumt von solch einer Beziehung. Sie macht ihn aus, sie macht sein Volk aus, sie macht die Glaubenden aus.

Heiße Liebe brennt durch Gehorchen. Gerade solch ein, für uns abstoßendes und altmodisches Wort, hat Feuer. Damit stimmen wir dem zu, was er sagt. Wir lassen es zu, dass der Geigenbogen uns bespielt. Was er sagt, macht uns zu einer klingenden Geige. Sein Wort formt mit virtuoser Kraft. Wir haben nicht nur gehört, sondern geben seiner Stimme einen Klangraum. Gehorsam lässt sich selbst los, entspannt total, dass das Konzert mit ihm beginnen kann. Gehorsam, ist der Sesam öffne dich, bei dem Gott alle Register zieht. Sich auf seine Stimme einlassen, macht uns zu Geliebten, die unter dem Liebhaber über sich hinauswachsen. Darin wird Menschsein zu einer unglaublichen Wahrheit befreit. Vielleicht löst Gehorsam deshalb solch ein Unbehagen aus, weil es solch eine verändernde Kraft besitzt, unter der wir uns selbst nicht mehr wieder erkennen. Wo das Wort klingt und wirkt, kann nichts bleiben wie es ist. Da fängt ein Instrument an, Töne von sich zu geben, die man noch nie von ihm gehört hat.

Der Stimme gehorchen, durchbricht allen Trott. Die Misstöne werden überstimmt. Ein tonloser Holzkasten, wird ein nicht wiederzuerkennender Klangkörper. Gehorsam verleiht Flügel.

Warum sollten wir Angst haben, uns auf dieses Wort einzulassen?

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Andere groß machen 

Wer weiß, wer sein Nächster ist, kennt seine Aufgabe für das Leben.
„Du sollst deinen Nächsten nicht bedrücken.“

3. Mose 19, 13
Bedrücken, ein starkes no go. In Bedrücken steckt Druck, Gewalt, ungute Macht ausüben. Alles gegengeschöpfliche Elemente. Bedrücken ist nicht am Herzen Gottes geboren. Niederdrücken steckt in der Art des Menschen. Das ist ein verwechseltes Rollenspiel. Im Niederdrücken, soll das Eigene erhöht werden. Es dient dazu, sich besser zu stellen als den anderen. Den anderen klein zu machen, sich über andere zu erheben, ist der Führungsstil einer Welt, die sich von Gott getrennt hat. Darin liegt der Urgrund aller Belastung unter der die Menschheit leidet. Wo einer sich über den anderen erhebt, beginnt das Elend. 
Gegen dieses Niederdrücken anzugehen ist keine moralische Forderung, die uns hier auferlegt wird. Diese überhebliche Machtausübung hat Christus am Kreuz überwunden. Damit hat Gott das Niederdrücken erdrückt. Liebe löst den Druck. Erlösen ist das Gegenstück von Bedrücken. Mit Christus können wir entspannt mit dem, was uns bedrückt umgehen. Christus verwandelt unseren Eigennutz in Hingabe. Dadurch entsteht ein anderer Führungsstil. Der Nächste wird wertvoll. Da wächst die Achtung vor dem anderen. Der Nächste wird zu einer bedeutungsvollen Größe. Durch Christus entspannt sich beslastetes Miteinander. Da wird der von Not Erdrückte zu meiner Aufgabe. Da wird mir der Verachtete zum Nächsten, wie es Jesus in der Geschichte vom barmherzigen Samariter beschreibt. 
Durch Christus sind wir Entspannungspolitiker. Wir nehmen den Menschen den Druck ab. Wir richten sie in ihrem Erdrückt sein auf. Da wird ein Umgangsstil gepflegt, der nicht erniedrigt, sondern erhebt. 
Kann unser Nächster unter unserem Umgangsstil aufatmen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.

100% Ernte

Wer aus der Fülle schöpft, kann mit Freuden teilen.
„Vor dir freut man sich, wie man sich freut in der Ernte.“

Jes. 9, 2
Gottes Ernte ist anders. Seine Gesetze von Saat und Ernte unterliegen nicht den Witterungsbedingungen eines eisigen Frühjahrs. Wo bei uns der letzte Nachtfrost bereits die Kirschen geerntet hat, sind bei Gott die Körbe unglaublich voll. Wenn wir an Ernte denken, ist die Freude oft nicht mehr so groß, weil Wetter und eine harte Marktwirtschaft ihren Tribut fordert. Freude kommt dort auf, wenn man Gottes Wirtschaftsprinzip erlebt. Er sät, er teilt aus, er verschwendet und verschenkt sich. Da ist eine permanente Investition in alles was lebt. Die ganze Welt ist voller Gottesberührungen. Was von diesem energiegeladenen Schöpfer bearbeitet wird, kann weder Frost noch Hagel aufhalten. Bei Gottes Saat, ist Ernte garantiert. Da werden die Körbe prall voll sein. So viel lässt sich gar nicht einsammeln, was im Reich Gottes entsteht. Gott steht für Frucht und Fülle. Wo Gott die Welt beackert, kann es nur in einem Fest enden. Reich Gottes ist Ernte satt.
Wo wir in solch einem Wachstumsvollzug stehen, ernten wir unablässig aus dieser Güte. Was von Gott kommt hat keine Frostbeulen, da sind solch pralle Früchte und Gaben, die kein Mensch für sich verbrauchen kann. Die Ernte Gottes ist zum Weiterreichen bestimmt. Wir können geben und verschenken. Gottes Ernte stiftet Gemeinschaft. Gottes Ernte baut Kirche. Unter dieser Ernte entstand die Urgemeinde, wie sie in der Apostelgeschichte beschrieben wird. Da werden die Glaubenden ein Herz und eine Seele, weil diese Güter verbinden. Was Gott gibt ist so reichlich, dass keiner raffen muss, sondern er ist regelrecht gezwungen es zu verschenken, dass die Ernte nicht umkommt.
Das ist Festfreude, bei der die Gaben in die Gemeinschaft hineinfließen und darüber hinaus. Diese Ernte erfahren wir nicht erst am Ende unseres Lebens, sondern wir stehen jetzt schon mittendrin.
Wenn unser Korb so prallvoll ist, haben wir da nicht genug Grund zum Freuen? Haben wir damit nicht reichlich zu tun mit Verschwenden und Austeilen?

Meine Gaben gehören nicht mir

wem dienen wir mit unseren Gaben?
„Ihr trinkt den Wein kübelweise und verwendet die kostbaren Parfüme; aber dass euer Land in den Untergang treibt, lässt euch kalt.“

Amos 6, 6
Sicher kennt jeder den Film, die Titanic. Eine tragische Liebesgeschichte auf dem untergehenden Schiff. Eine eindrückliche Szene war, als nach der Kollision mit dem Eisberg, die Party im Salon und Tanzsaal unbeirrt weiterging. Keinen interessierte der Untergang des Luxusschiffes, Hauptsache der Spass hört nicht auf. Hauptsache genießen und ich komme nicht zu kurz. Am Ende haben wenige überlebt. Ein starkes Bild für die menschliche Verbrauchermentalität. 
Gott ist nicht pingelig, er will, dass es uns gut geht, dass wir aus der Fülle des Leben schöpfen. Er überfüllt uns mit Gaben, die wir in vollen Zügen genießen und verbrauchen können. Für ihn ist das Beste gerade gut genug. Was er gibt, gibt er immer im Übermaß. Da ist immer mehr, als wir selbst verbrauchen können. Gottes Prinzip ist Überfluss. Die Gaben die er gibt, fließen zu uns und über uns hinaus. Von dem, was wir sind und haben sind immer andere betroffen. Das was wir sind, ist Gabe für die Welt. Wir sind ein Teil des Überflusses Gottes, der zu den Menschen fließt. Wir sind nicht für uns selbst bestimmt, sondern das, was Gott in uns hineingelegt hat, ist sein Dienst am Menschen. 
Gott will dem Menschen dienen und sie vor dem Untergang retten. Er verschenkt sich, in dem er uns Heil schenkt. Christus ist Gottes Dienst an der unheilen Welt. Christus ist Gottes Überfluss für das Leben. Wo diese Gabe nicht fließt, nicht zu den Menschen dringt ist Untergang. Wer sein Christsein, wer die Fülle der Gaben, die Gott in ihn hineingelegt hat, nur für sich verbraucht, ist eiskalt. Er stoppt den Überfluss und macht sich zum Stellvertreter des Untergangs. Alles was Gott so reichlich gibt, ringt um das Leben, mitten im Untergang.
Sind wir so kalt, dass wenn andere von unseren Gaben leben könnten, wir sie zurückhalten und für uns verbrauchen?

Ein Schild sagt: Stopp

Zum Glück kommt da manchmal etwas dazwischen.
„Der Herr ist ein Schild allen, die ihm vertrauen.“

Ps. 18, 31
Egal ob Blech oder Kunsstoff, ein Schild hält etwas ab. Bei der Polizei heute noch im Einsatz, bei den Soldaten früher. Ein Schild ist ein Puffer zwischen dem Polizisten und dem angreifenden Demonstranten. Zwischen einer schädigenden Waffe und der bedrohten Person ist ein Stopp-Schild. Der Angriff zerschellt am Blech. Ein klasse Bild für Schutz.
Gott ist Schild. Vor dem Leben steht eine Abwehr. Da darf nicht alles durch.  Der Stürmer wird abgebremst, sein Spiel blockiert. Angriffen, Anfeindungen, Stürmen ist niemand hilflos ausgeliefert. Dem Angreifer kommt etwas dazwischen. Gott bewahrt vor dem Bösen. Er zerbricht durch Christus selbst an den scharfen Waffen, damit wir am Leben bleiben. Der Schutz Gottes kommt dem Übel zuvor. Darin liegt die ganze Macht des Evangeliums, das sich gegen das Sterben stellt. Der Schwächung, der Zerstörung kommt etwas dazwischen. Wenn sich Gott in dieser Weise des Lebens annimmt, kann ein Dietrich Bonhoeffer aufrechten Schrittes dem Galgen entgegenlaufen.

Bei diesem Schild bleibt etwas unzerstörbar, auch wenn Stürme dem irdischen Leben zusetzen.
Dieses Schild ist immer da, entfaltet seine Wirkung jedoch im Vertrauen. Gott schenkt uns diesen Glauben, dass sein Schutz dazwischen geht, doch diesen müssen wir annehmen. Diese Abwehr greift nicht durch irgendeine Aktivität, sondern allein im anvertrauen.
Führen wir da nicht oft einen vergeblichen Kampf, weil wir nicht glauben, dass ein Schild dazwischen geht?

Loben ist lieben 

von dem was kostbar ist, kann man nicht genug bekommen.
„Lobet den Herrn! Denn unseren Gott loben, das ist ein köstlich Ding.“

Ps. 147, 1
Köstliche Dinge erfüllen Herzen. Sie wecken die Leidenschaft der Gemüter. Das sind nicht nur Dinge, die sich genußvoll über unsern Gaumen bewegen, das sind Kostbarkeiten, die durch und durch gehen. Das sind Menschen, die wir lieben, das sind Aufgaben die uns erfüllen. Köstlich ist das was satt macht, was aufbaut, erfüllt und antreibt. 
Gott loben ist köstlich. Eine Kostbarkeit, die uns manchmal fremd ist. Wir danken Gott, für Essen und Trinken, wir danken ihm für Gesundheit und dass es uns gut geht. Wir finden immer wieder Gründe wofür wir ihm danken können und meinen das auch ernst. Loben ist weit mehr als Dank. Wo das Danken immer eine Bezug auf irgendwelche Handlungen Gottes hat, ist Loben zweckfrei. Lob geschieht um Gottes willen. Im Lob feiert unsere Existenz Gottes Gegenwart. Da verliert sich das Herz an seinen Schöpfer. Im Lob verschmelzen zwei Lebensmelodien. In der Anbetung wird der Mensch zum Mensch, der in Gott seine ganze Erfüllung findet. Im Lob kommt das Herz in seinem Zuhause an. Loben ist lieben. Im Loben werden wir zur Geige, bei der Gott selbst den Bogen führt. Im Lob werden aus zwei eins. 
Lobet den Herrn, ist der Zweck unserer Existenz. Dasein ist Gotteslob. Jedes Miteinander, jede Arbeit soll diesen feierlichen Charakter tragen. Ein lobendes Leben baut auf und erfrischt. Dieses Gotteslob ist das Köstlichste was uns in die Hände gelegt ist.
Welche Hymnen sind die Melodien unseres Lebens?

Vergehen wird mit Herrlichkeit geschmückt 

wo der Herr gedenkt, geschieht eine große Verwandlung.
„Herr, gedenke meiner nach der Gnade, die du deinem Volk verheißen hast; erweise an uns deine Hilfe.“

Ps. 106, 4
Gedenken ist eine Macht. Wir können uns im Gedenken in Trauer- und Glückszustände hineinführen, die wir körperlich erfahren. Gedenken ruft etwas wach. Gedenken, vergegenwärtigt eine Tatsache, die in der Versenkung war. Wenn Gott unser gedenkt, sieht er uns so, wie er uns eigentlich gedacht hat. Er sieht das ganze Potential, das er in uns gelegt hat. Wo er in Gnade an uns denkt, sieht er uns besser als wir wirklich sind. Die Gnade verändert Gottes Handlungsspielraum. In der Gnade fließt Gottes ganzer Zuschuss in unser Dasein. Die Gnade beendet das Defizit, des Gott nicht genügen Könnens. Die Gnade ist das Ende der Abrechung und allen Leistungsdenkens. In der Gnade leistet sich Gott Liebe vor Recht. In der Gnade wirft Gott neue Kleider über uns. Aus Alltagsklamotten werden Festgewänder. Durch die Gnade wird die Vergänglichkeit mit Herrlichkeit geschmückt. 
Wenn Gott in dieser Gnade an uns denkt, verändern sich unsere mühseligen Tage. Da lösen wir uns von unserem verzweifelten täglichen Kampf. Wer diese Bitte ausspricht, leidet unter der Zerbrechlichkeit des Lebens und ringt um Festigkeit. Er verknüpft sich mit Barmherzigkeit. Damit kommen in unsere Handlungen Gottes Spuren. Die Gnade verwandelt unsere Gesinnung; da sind wir nicht mehr von den beschwerlichen Umständen abhängig. Da beginnt mitten im Unheil etwas Heiliges aufzuleben. Wo der Herr unser gedenkt, werden wir selbst zu Werken der Barmherzigkeit fähig. Eine Hilfe, die das Miteinander sehr nötig hat.
Schafft es die Gnade, dieses vorbildliche Verhalten in uns auszulösen?

Eine gute Nacht braucht Vertrauen 

zur Ruhe kommen hängt mit dem inneren zur Ruhe gekommen sein zusammen.
„Ich liege und schlafe und erwache; denn der Herr hält mich.“

Ps. 3, 6
Nächte können nicht nur eine Traumfabrik sein, sondern auch der Horror. Der Mensch leidet, wo das liegen, schlafen und erwachen gestört ist. Da gibt es extra Schlaflabore, die untersuchen, was sich in den Nächten so alles bewegt. Es gibt Schlaftabletten, die nachhelfen, wenn der Körper nicht zur Ruhe kommt. Dabei sehnt sich jeder nach erholsamem Schlaf und wir wünschen uns gegenseitig eine gute Nacht.
Guter Schlaf ist nie vertane Zeit. Es ist genau die Zeit, wo unser Bewusstsein Pause macht und der Körper sich regeneriert. Im Schlaf sind wir außerhalb unserer Kontrolle. Da sind wir Ausgelieferte in einen kreativen, schöpferischen Prozess. Unser hyperaktives Betriebssystem fährt herunter und kommt zur Ruhe. Ein Traum, wo das geschieht. Wir liegen ausgeliefert, unkontrollierbar in Gottes Händen, und erwachen am nächsten Morgen wie ein neuer Mensch. Erholt, frisch und die gestrigen Belastungen sind abgefallen.
Ist solch eine Vorstellung nur ein Traum? Oft sind unsere Nächte alles andere als Erholung. Da sind Gedanken wie Riesenräder, die nicht zur Ruhe kommen lassen. Doch Nacht ist Vertrauenssache. Nacht heißt loslassen. Nacht will Gott Gott sein lassen. Die Nacht in jeder Form sind die Stunden, in denen Gott uns mit Wohlwollen einhüllen will. Wo wir reglos sind, handelt ein anderer, uns zur Erbauung. Wo wir Gott diesen Raum gewähren, in ihm zur Ruhe kommen, kann auch äußere Ruhe folgen. Dass eine Nacht ihre schöpferische Kraft entfaltet, liegt im Frieden, den wir mit Gott haben. Diesen Frieden schafft Christus und durchbricht die Unruhe. Wo sich Frieden ausbreitet, können die Nächte zum Segen werden.
Gott will uns zur Ruhe kommen lassen. Wie können wir all unserer Unruhe, diesem Frieden mehr Raum verschaffen?
Friede sei mit euch.

Der Verschwendthagoras

2. Korinther 9, 6-8
In der Schule lernten wir stolz, verbindliche mathematische Wahrheiten wie den Satz des Herrn Pythagoras. Katheten und Hypotenuse in einem rechtwinkligen Dreieck stehen in einer ausgeglichenen Beziehung zueinander. Die am rechten Winkel liegenden Seitenlängen im Quadrat zusammengezählt, haben den gleichen Flächeninhalt, wie die Fläche der gegenüberliegenden Seite. Ein in Stein gemeißeltes Gesetz. Herrlich! Wir lernten, wenn wir aus einem Korb mit 7 Äpfeln, 10 herausnehmen, müssen wir wieder 3 hineinlegen, damit der Korb leer ist. Im späteren Leben lernten wir die gehobene Finanzmathematik: Wer mehr ausgibt als er hat, sieht rot, oder den Rotstift, oder irgendwann sogar den Gerichtsvollzieher.
Mathematik hat klare Gesetze. Haben, ist gleich Einnahmen, Soll, ist gleich Ausgaben. Wer ausgeben will muss im Plus stehen oder braucht einen Kredit. Ausgeben ohne zu haben bekommt bald ein neues Zuhause: Unter der Brücke 5. 
An diesem Gott-Vater-Dank-Fest, lernen wir ein neues Rechengesetz kennen: Den Verschwendthagoras.
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1. Weggeben = Überfluss

„Er wird euch dafür alles schenken, was ihr braucht, ja mehr als das. So werdet ihr nicht nur selbst genug haben, sondern auch noch anderen von eurem Überfluss weitergeben können.“ 

Gott kennt ein Vermehrungsprinzip, das anders rechnet. Am Anfang schenkt Gott. Damit ist der Überfluss in die Schöpfung programmiert. Alles was auf der Erde lebt, ist mit Zugewinn bedacht. Gott garantiert Grundversorgung mit Mehrwert. Das heißt, einen voll gedeckten Tisch für knapp 7,4 Mrd. Menschen, die 2016 auf der Erde leben. Unser Planet ist eine Oase, prall gefüllt mit einem Willen zum Schenken. Da sind Schätze vorhanden, die eine ganze Weltbevölkerung nicht verbrauchen kann. Ein Potential des Überflusses. Reichtum für Alle. Alles trägt die Spuren eines Schöpfers, der Freude am Leben hat.
Der arbeitende Mensch steht im Herbst in seinem Weinberg staunt und freut sich über jede gesunde Traube. Es ist doch nicht selbstverständlich, dass die Fässer voll sind. Bei allem Mühen, das wir investiert haben, bleibt der Ertrag ein Geschenk. Welch ein Wunder ist jede Geburt. Solch ein kleines Menschenkind bringt selbst Atheisten in Verzückung. Kein Mensch käme auf den Gedanken zu sagen, das habe ich doch klasse gemacht. Bei allem, was wir zum Glück für solch ein neues Leben beitragen, bleibt das unfassbare Dazugeben dessen, der das Leben liebt. Bei allem was der Mensch schafft und sich erarbeitet, läuft er gewollt oder ungewollt in Gottes Spuren. Auf allen Früchten und Lebensmitteln müsste eigentlich der Hinweis stehen:“ Enthält Spuren eines großartigen Schöpfers.“ Oder „Achtung, das ist eine fromme Banane.“ In allem Arbeiten und Mühen ist mehr Gott drin, als draufsteht.
Dieses Schenken ist so universal in allem Geschaffenen verankert, dass wir vieles fälschlicherweise für uns verbuchen. Auf geheimnisvolle Weise sind die Abläufe der Natur und der Schaffenskraft der Menschen in einem Miteinander mit dem Wirken Gottes verbunden. Das was wir haben und verbrauchen, haben wir dadurch, dass es uns gegeben wurde. Wir leben in einem natürlichen Kreislauf  von Empfangen und Tun. Voigt sagt: „Nichts, was wir tun, entsteht aus dem Nichts; alles ist ein Aufnehmen von Dingen, die wir vorfinden, weil Gott sie hineingelegt hat.“
Das „mehr als genug“, der Überfluss, ist das, mit dem wir am Erntedank rechnen müssen.
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2. Wenig = Nichts

„Ich bin davon überzeugt: Wer wenig sät, der wird auch wenig ernten.“

Kleine Brötchen kommen von mangelndem oder falschem Einsatz. Mit nur ökonomischem Zweckdenken, kommt die Menschheit auf keinen grünen Zweig. Mit dem für sich behalten entsteht Krampf. Wo die Ernte klein ist, ist der Kreislauf von Gottes Überflussprinzip unterbrochen. Dieses Jahr hat 1% der Weltbevölkerung mehr, als die restlichen 99% zusammen. „Die soziale Ungerechtigkeit wächst schockierend schnell“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.
Wo viel und wenig auseinanderklafft, da hat nicht Gott, sondern da hat der Mensch versagt. Viele Menschen können nicht mit Überfluss umgehen. Sie werden zwar beschenkt, lassen jedoch die Ernte verkommen, z.B. die Misswirtschaft oft in den kommunistischen Ländern. Eine Studie besagt, wenn das gesamte Vermögen der Welt auf alle Menschen aufgeteilt würde, und jeder 5000,- erhielt, würden gleich nach ein paar Tagen wieder Unterschiede auftreten. Nach einem Monat hätten einige bereits wesentlich mehr und andere ziemlich wenig. Nach ca. einem Jahr wären die Verhältnisse wieder wie am Anfang. Kleine Ernte hängt mit kleinem Denken zusammen. Wenig säen ist ein Mangel an Vertrauen an den schenkenden und versorgenden Gott. Wenig säen, wenig hingeben geschieht aus Angst, die Witterung könnte nicht passen. Wenig säen kommt aus einem armen Herzen, das ein armes Leben schafft. Wer mit wenig rechnet, rechnet mit Sorgen und nicht mit Hoffnung. Wir können an einem Geist, der nur auf Sicherheiten pokert, zugrunde gehen. Säen ist die totale Hingabe, ist das mit Leidenschaft austeilen für Neues, da kann nur reiche Frucht entstehen, wenn nicht zugehalten wird. Wer eine Kartoffel in den Boden steckt, braucht sich nicht wundern, wenn der restliche Acker voll Unkraut ist, wo Gott eigentlich die Voraussetzungen für eine satte Ernte hineingelegt hat. Hingabe riskiert sich selbst und rechnet, dass Gott damit Fässer überlaufen lässt. Wir betrügen uns selbst, wenn wir das zurückhalten, was Gott in unser Leben gelegt hat. Mit der Rechenart der Vorsicht und der Zurückhaltung erschaffen wir unsere eigene Armut und die Armut der Welt.
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3. Verschwendung = Vermehrung

„wer aber viel sät, der wird auch viel ernten. So soll jeder für sich selbst entscheiden, wie viel er geben will, und zwar freiwillig und nicht aus Pflichtgefühl. Denn Gott liebt den, der fröhlich gibt.“
Nicht das Haben, sondern das Geben schafft Leben. Viel Geben ist sein Naturgesetz, ist Gottes Lebensprinzip. In seiner Totalhingabe liegt das Heil, liegt die Erlösung der Welt. Jesus Christus ist das Verschwendungsprinzip Gottes. Mit Christus hat der Mensch ausgesorgt. Gott gibt alles was er hat. Bei Gott gehören Wohl und Heil immer zusammen.
Gottfried Voigt:
„Gott hat das Zeug dazu, dass alle Gnade über uns kommt, damit wir in allem allezeit alles haben und somit reich sind zu jedem guten Werk“
Wir sind Saatgut; für eine große Ernte bestimmt. Das uns Gegebene soll sich multiplizieren. Unsere Gaben sollen sich flächendeckend ausbreiten, sie sollen die Welt erhalten und die Bedürftigen sättigen. Wir selbst sind Gottes Geschenk für die Erde, an dem die Menschen satt werden. Wo wir verschwenderisch säen, beschenkt Gott diese Welt. Unsere Hingabe denkt den Armen den Tisch. Gerade denen, die an Gott-Vater-Dank beschenkt wurden, müssen die Armen auf dem Gewissen liegen. Erntedank kann nie in der Dankbarkeit aufhören, sondern muss immer in die Hingabe hinein fließen. Ein Beschenkter kann nur Schenker werden. Überfluss muss fließen, sonst geht die Rechnung nicht auf. Die Welt wird an unserer Hingabe genesen. Sie wird an unserem Verschwenden den Christus erfahren. Wir Glaubenden treten nicht als die lieben, netten, hilfsbereiten Sozialarbeiter auf, sondern als solche, an denen die Menschen, den ihnen zugewandten Gott erkennen. Wir sind eine lebenswichtige Saat für die Not der Welt; verschwenden wir sie!
Nelson Mandela sagt:
Du bist ein Kind Gottes. Dich klein zu machen nützt der Welt nicht. Es zeugt nicht von Erleuchtung, dich zurückzunehmen, nur damit sich andere Menschen um dich herum nicht verunsichert fühlen. Wir alle sind aufgefordert, wie die Kinder zu strahlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes, die in uns liegt, auf die Welt zu bringen. Sie ist nicht in einigen von uns, sie ist in jedem. Wenn wir von unserer eigenen Angst befreit sind, befreit unser Dasein automatisch die anderen.“
Ist das nicht Grund genug den Verschwendthagoras nicht nur zu lernen, sondern großzügig anzuwenden?

Wir sind die größte Gabe

Gaben sind nicht in erster Linie zum verbrauchen, sondern um damit die Welt zu bereichern.
„Aller Welt Enden sehen das Heil unseres Gottes.“

Ps. 98, 3
Wie kommt Gottes Wohlwollen in die Welt? Wenn Gott Heil bringt, geschieht das immer umfassend. Heil beginnt bei der Grundversorgung, dass wir einen reich gedeckten Tisch haben. Heil bringt den inneren Frieden in ein Leben. Gott überschüttet die Menschen mit seinem Guten. Das feiern wir an Erntedank. Wir selbst sind prallvoll mit diesem Guten. Gott hat uns zu hochbegabten Geschöpfen gemacht. Es ist von allem viel mehr da, als die ganze Welt verbrauchen kann. Von Gott sind die Voraussetzungen geschaffen, für ein Leben im Überfluss, in der Fülle, in Liebe, in Kraft und in Dankbarkeit.
Das Elend beginnt, wo der Mensch, diese Gaben, dieses Heil, nicht gebraucht und verwirtschaftet. Wo Gottes Überfluss nicht weiterfließt verarmt die Welt. Wo der Friede nicht das Leben erfüllt, regiert das Unrecht. Überall wo der Mensch eigennützig die Finger dazwischen hat, haben nicht mehr alle zu essen. Gaben müssen fließen, Lichter müssen leuchten und sich nicht verstecken. Alles was Gott gegeben hat, muss sich ausbreiten und entfalten, dass es für alle reicht.
Das ist unser Auftrag an Erntedank, nicht nur für die Gaben zu danken, sondern sie dankbar auszuteilen. Nicht nur die Ernte teilen und freudig weitergeben und kräftig Brot für die Welt unterstützen, sondern unser ganzes Leben hingeben. Heil geschieht, wo geheiligte Menschen nicht mehr zuhalten, sondern sich verströmen. Wo wir die Gaben, die Gott in uns hineingelegt hat zurückhalten, fördern wir das Unheil. Wir selbst sind die größte Gabe, dass eine Welt das Heil in seiner ganzen Bandbreite erfährt. Verschwenden wir diese Früchte!
Oder wollen wir unser Licht unter den Scheffel stellen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.