Zum Glück daheim

Im Gebet löst der Mensch sich von sich selbst und ist ganz in Gott zuhause.

„Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel!“
Klagel. 3, 41

Gebet ist Ausbruch. Da verändert sich die Richtung. Aufheben zu Gott, ist weg von sich selbst. Aufheben ist der hellwache Aufbruch der Hoffnung. Aufheben ist die totale Gegenrichtung des Jammers. Das schwere Herz, die müden Hände machen eine Kehrtwendung. Aufheben zu Gott ist das volle Gegenteil zu herunterziehen in mein Elend. Im Gebet geht es nicht um uns, es geht um Gott. Das Gebet verändert etwas ganz gewaltig. Es fängt als erstes an sich von sich selbst zu lösen. Im Aufheben zu Gott, wird Gott größer. Da findet eine Gewichtsverlagerung statt. Da gehen die mühselig Beladenen auf die Erquickung zu. Im Aufheben zu Gott, wird das Gebet zu dem was es ist – dankbarer Lobgesang. Das Gebet löst sich von der nur Erfüllung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Es löst sich von dem Kreisen um die augenblicklichen Sorgen, von dem Gefangen sein in meinen Problemen. Wo das Herz sich erhebt, antwortet das ganze Leben seinem Gott. Es schüttet sich vor ihm aus, und macht sich für Gott ansprechbar. Die erhobenen Herzen öffnen sich über alle Freude und Trauer hinaus ihrem Gott. Es ist das Heimkommen nach einer mühseligen Reise. Es ist das Glück, wieder Zuhause zu sein. Das Herz läuft über vor Dankbarkeit, im Mutterschoß angekommen zu sein. Wir stehen vor der Türe, an der Erbarmen auf der Klingel steht.

Paulus greift diese Sichtweise des Gebetes auf: Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Das sind heute zwei Weckrufe hellwach zu sein. Das löst heraus aus aller Tranduselei und allem Jammerlappen-Dasein. Beharrlich im Gebet, zeigt eine Form von konstanter Lebenseinstellung. Wir lassen nicht ab bei Gott zuhause zu sein. Das Gebet ist dann nicht mehr der Notnagel, wenn alles andere nicht mehr funktioniert. Im Gebet wachen ist ein konstantes Atem holen. Das ist die Gegenbewegung zum Müde werden und sich unter Lasten niederdrücken lassen. Wachen ist geprägt von höchster Aufmerksamkeit, sich nicht von den Schwierigkeiten bestimmen zu lassen. Beharrlich wachen und die Herzen aufheben ist das Rezept gegen Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Wo wir nicht mehr über unsere Probleme und Lasten hinwegsehen, und unsere Lebensäußerungen nur noch vom Stöhnen über die Härten geprägt sind, müssen wir uns fragen, wohin sich unser Herz verirrt hat. Wenn die Zukunft nur noch angstbesetzt ist, fragt sich, wie wir wachen und harren. Wo wir nur noch um uns selber kreisen, wo sind wir da Zuhause? Wo wir das Herz aufheben, schwinden nicht die Probleme, doch lassen wir zu, dass Gott uns ausfüllt und damit in die Probleme hineinwirkt. Wenn wir unsere Hände aufheben, lassen wir den Allerhöchsten ans Werk.

Warum sollen uns die Lasten müden machen, wenn wir mit Danksagung im Gebet wachen?

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Wenn Blicke heilen

Wer die DNA eines Menschen kennt, kann zu ihm alle Türen aufmachen, weil er weiß, ob er drücken oder ziehen muss, um mit ihm zu kommunizieren.

„Der Herr erforscht alle Herzen und kennt alles Sinnen und Trachten der Gedanken.“1.Chr. 28,9

Das ist fast schon ein wenig unheimlich, wenn jemand solch einen Durchblick hat. Gott kennt die kleinste Regung eines Herzens, die kein Mensch wahrnimmt, er durchschaut alle Gedanken, die wir selbst nicht einmal unter Kontrolle haben. Hinter solch einer Wahrnehmung steckt höchste Sensibilität. Ihm geht da nicht das Geringste durch. Er erfasst den Menschen in seiner ureigensten Art. Welch ein Durchblick, welch ein Verstehen. Wir können es daran einmessen, wenn wir Jahrzehnte mit Menschen zusammenleben, selbst mit einem ganz eng verbundenen Partner, wie wir immer wieder entdecken, wie wenig wir den anderen kennen und wie schwer es ist, innerste Vollzüge zu verstehen. So etwas kann man durchaus lernen, wenn man bereit ist sehr viel Geld für die entsprechenden Seminare in die Hand zu nehmen. Man lernt dabei die DNA eines Menschen kennen und kann feststellen, wie er tickt. Wenn man das versteht, kann man sein Gegenüber so erfassen, dass man sich in der Kommunikation voll auf seine Art einstellt und weiß, wie ich ihm begegnen muss, dass wir uns verstehen. Missverständnisse werden reduziert, Aggressionen abgebaut, und die Verständigung ist möglich, wo man bisher vor verschlossenen Türen stand. Das was wir mühsam erlernen müssen, ist für Gott alltäglich und normal. Er kann jedem so begegnen, wie er es braucht. Dem forschen, leidenschaftlichen, kämpferischen Petrus, der an seinem Eifer keinen Zweifel lässt, begegnet Jesus mit der demütigenden Aussage: Ehe der Hahn dreimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Ein Tiefschlag für einen, der es absolut ernst meint mit seiner Hingabe für den Herrn. Dem jahrelang Gelähmten, der unter seinem Schicksal müde geworden ist sagt er: Steh auf, nimm dein Bett und gehe heim. Haarschaf erkennt Gott, wer ermutigt werden muss und wem in seiner Fehleinschätzung zur Landung geholfen werden muss. Mit solch einer treffenden Einschätzung beginnt großartige Führung. Gott weiß, wie er uns nehmen muss.

Die Fehleinschätzung eines Menschen, kann ihn nicht dorthin entwickeln, wozu er seine eigentliche Veranlagung hat. Wir Menschen reiben uns oft an unserer gegenseitigen Andersartigkeit. Der Mangel an Verständigung produziert immer mehr Stress, bis es irgendwann zum Bruch kommt. Wo Gott Herzen erforscht und die Gedanken kennt, dient dieser Durchblick uns zum Besten. Darin liegt unser ganze Entwicklung und Genesung. Darin liegt das Heil werden der Welt. Wo wir in der Tiefe so erfasst sind, wird uns das größte Vertrauen entgegengebracht. Wir können uns voll jemand öffnen, der uns total versteht. Wir können Vertrauen fassen und am Glauben festhalten, weil wir in unserer ganzen Existenz wahrgenommen sind. Es muss uns regelrecht zu dem hinziehen, der uns in unserer Einzigartigkeit erfasst hat. Darin liegt unsere ganze Hingabe an Christus und sein Wort. Wo uns so viel Vertrauen hingestreckt wird, können unser Herz und Hände zu zupacken.

Ist es nicht ein halb Himmelreich, wo solch eine Menschenkenntnis auf uns fällt?

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Ein Leben nach dem Schmerz

Gerade die schwachen Gemüter und die verwundeten Herzen erfahren Lebenstrank und Segen.

„Der Herr heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.“
Ps. 147, 3

Jeder Kranke sehnt sich nach Heilung. Wie lange sind die Wege zwischen Hoffen und Bangen, zwischen Ringen, Kämpfen und doch verlieren? Hier begegnet Gott den Verwundeten als Arzt. Er heilt etwas, womit sich selbst die Heilkunst der Medizin schwer tut. Verwundete und zerbrochene Herzen sind die tiefen Schmerzen einer Seele, die nicht mehr hoffen kann. Da hat das Leben solche Spuren hinterlassen, dass aller Mut gesunken und die Verzweiflung eingekehrt ist. Zerbrochene Herzen leiden in erster Linie an den Unfällen im menschlichen Miteinander, an gescheiterten Lebensplanungen, an großen Idealen, die sich in Luft auflösten. Da ist so viel danebengelaufen, dass sie dem Leben innerlich kündigen. Wenn ein Herz zerbricht, zerbricht das Lebenszentrum. Das ist der Ort, an dem Gott die Pumpe steuert. Das zerbrochene Herz leidet an einem Mangel an Regeneration. Es leidet in der Tiefe an einem Mangel an Gott. Da ist in der Grundsteuerung etwas verschoben. Wo der Mensch die Herrschaft über das Zentrum seines Leben übernimmt, zerbricht etwas. Daher kann die Heilung dadurch geschehen, wenn Gott die zerbrochene Beziehung zu ihm wieder in Ordnung bringt. Wo Gott heilt, bringt er eine grundsätzliche Lebenseinstellung zurecht. Damit muss ein verwundetes Herz, sich nicht selbst heilen, sondern fließen von dem Arzt die heilenden Kräfte. Dort wo wir selbst nichts ausrichten können, fließt heilender Segen aus einer anderen Quelle. Für die verwundeten Herzen, wird Brot und Wein zur heilenden Medizin. Für die Verletzungen, die dieser Welt zu schaffen machen, liegt in Christus die Genesung.

Es gibt somit ein Leben nach dem Schmerz. Es gibt Hoffnung für Lebensbrüche. Es gibt einen Durchbruch durch die Verzweiflung und durch alle innere Kündigung an das Leben. Niemand braucht sich mit einem zerbrochenen Herz abfinden. Auch wenn menschliche Beziehungen so belastend und verletzend sind und ein geregeltes Miteinander nicht mehr in Aussicht steht, braucht mein Herz nicht zerbrechen und kann gesund werden. Darin bewährt sich das göttliche Heil, dass es mitten in den größten Spannungen, vielleicht nicht die Verhältnisse heilt, jedoch mein gebrochenes Herz. Wo ein anderer mein Herz verletzt, ist er für sein Verletzen verantwortlich, jedoch ich kann im Glauben das verletzt worden sein überwinden. Wo der Herr heilt, kann selbst die größte Demütigung nicht mein Herz zerbrechen. Dieses heil werden durch Christus hat solch eine Macht, dass es in all den Zerbrüchen des Lebens, das Übel überwindet. Wer heil wird, für den entstehen immer wieder goldene Momente, in denen er Segen und Heil auszustreuen kann.

Ist es nicht eine der größten Gaben, in den schwierigsten Situationen heil zu werden und dieses Heil dem Leben zurückzuschenken?

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Unter allen Umständen sinnvoll

Der Mensch ist weit mehr als nur das Ausleben seiner inneren Triebe und Spannungen, oder das Opfer sein, aus den Verkettungen von Ereignissen, die auf ihn einströmen.

Das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.“
Jer. 31, 33

Wo Gott einen Bund schließt, unterscheidet sich der Mensch von allen anderen Lebewesen und der ganzen Schöpfung. In diesem Bund verheiratet sich Gott mit seinen Geschöpfen. Er wird ein Teil von ihnen und definiert sich über diese Beziehung. Seinen ganzen Lebenswillen investiert er in diese Beziehung. Sein freiheitliches Denken legt er in den Lebenswillen des Menschen. Wo er sein Gesetz in Herzen schreibt, ist der Mensch neu konfiguriert. Da wird göttliche Software zum Betriebssystem. Da gilt das Gesetz der Liebe, der Barmherzigkeit und die Kraft der Auferstehung. Wo er dieses Gesetz in unseren Sinn schreibt, ist kein Mensch mehr ein Gefangener seiner selbst. Da kommt zum Ausdruck, welch eine starke Macht in uns lebt. Da wird das Leben von Grund auf durch diesen Bund sinnvoll. Gott schreibt den Sinn in die Existenz des Menschen. Damit wird er liebes- und hingabefähig. Der Mensch geht darin auf, sich an eine Sache hinzugeben, oder an einen Menschen zu verschwenden. Er wird dadurch selbst zum Schöpfer und Liebhaber des Lebens. Er erfährt seinen Sinn, indem er von sich selbst wegsieht und auf etwas anderes zugeht. In dieser schöpferischen Selbstverschwendung liegt die größte Sinnhaftigkeit. Wo dieses Gesetz in den Menschen gelegt wird, ist der Mensch unabhängig von allen äußeren Umständen. Da ist das Leben auch in tiefstem Leid noch sinnvoll.

Da hat ein junger Mann, bei einem Starkstromunfall solche Verbrennungen erlitten, dass ihm die Ärzte im OP mit Tränen in den Augen, beide Arme und beide Beine abnehmen mussten. Unter psychotherapeutischer Begleitung entdeckte er danach den Sinn seines Lebens. Mit einem Holzstäbchen im Mund konnte er auf einer Tastatur schreiben und damit Querschnittspatienten trösten und vom Selbstmord abhalten. Der Sinn fängt dort an wo Arme und Beine aufhören. Der Mensch ist niemals das Opfer seines Schicksals, seiner schlechten Erziehung, einer unharmonischen, spannungsgeladenen Gemeinschaft. Wer irgendwelchen widrigen Umständen, die Schuld gibt, dass sein Leben sinnlos ist, hat noch nicht erkannt, dass ihm der Sinn ins Herz geschrieben ist. Es ist eine gewaltige Irrlehre der Psychologie, dass der Mensch das Opfer seiner schwierigen Kindheit ist, oder unter einem unversöhnten Vater-Sohn-Komplex leidet, oder irgendwelche schicksalshaften Umstände für eine unglückliche Entwicklung verantwortlich sind. Es ist uns ein Sinn ins Herz geschrieben, das ist dieser starke Bund, der keine Ausreden zulässt, in der größten Krise seine Verantwortung wahrnimmt und zur Liebe fähig wird.

Wenn solch ein unverbrüchliches Lebensgesetz in uns lebt, weshalb schreiten wir nicht unter allen widrigen Umständen zu einem sinnvollen Leben durch?

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Ohne jäten kein Paradies

Wenn die Insel Mainau mit Brombeerranken und Kratzdisteln übersät ist, werden nach und nach die Besucher ausbleiben und die Blumeninsel hat ihren Zweck verfehlt.

„Wasche dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?“
Jer. 4, 14

Gott hat sich einen Garten Eden geschaffen. Ein Paradies für Mensch, Tiere und Pflanzen. Auch die Blumenmönche haben zwei Parkanlagen, einen Garten der Stille und einen Garten Eden, einfach damit Menschen sich freuen und erholen können. Doch ein schön angelegter Garten bleibt nicht von selbst schön. Im ersten Garten war ein Mensch mit heillosen Gedanken. Er wollte sich nicht zufrieden geben, mit der Fülle die ihn umgab, er wollte noch mehr. Ihn packte die Gier nach Macht. In seinem größer sein wollen als Gott, fing der Garten an zu verwildern. Heckenrosen und Löwenzahn überwucherten das paradiesische Blühen. Seit diesem Tag kämpfen wir gegen das Unkraut. Wir kämpfen gegen die Bosheit der Gedanken, und gegen ein aufmüpfiges Herz.

Gott hat sich mit unserem Leben einen Garten angelegt, der systematisch zuwuchert, wenn keiner daran arbeitet und ständig die hochschießenden Brombeerranken und Kratzdisteln herauszuzieht. Damit der Garten ein Park der Freude bleibt, müssen Gärtner täglich aktiv sein. So wie ein Park mit den Jahren immer schöner und reifer wird, wächst in gleicher Weise das Unkraut mit. Wer nicht dauernd darin arbeitet, lässt eine Wildnis entstehen. Wer nicht an sich selbst arbeitet, kann selbst als frommer Mensch zum Urwald werden, an dem nicht viel vom Geheimnis Gottes zu sehen ist. Er verliert seine eigentliche Attraktivität, die Gott mit ihm vor hatte.

Herzen waschen und heillose Gedanken entsorgen ist harte Arbeit. Das geht nicht von selbst, nur weil wir in die Kirche gehen und die Bibel lesen. Was in unserer Lebenseinstellung an schlechten Gewohnheiten wuchert, muss erzogen und abtrainiert werden. Wo wir uns über unseren Partner ärgern und für Wochen gefrustet sind, dass tagelang Eiseskälte herrscht, müssen wir lernen, den Frust zu verkürzen. Erst drei Tage, dann 3 Stunden und dann 3 Minuten. Wir arbeiten daran, so schnell wie möglich, die Schönheit des Gartens wieder herzustellen. Ich lerne vergeben, nur indem ich dem Bruder der mich beleidigt hat zu vergeben. Anfangs dauert das noch länger, doch nach und nach gelingt es, viel schneller wieder ein freies und unbelastetes Miteinander zu bekommen. Wer nicht an Herz und Gedanken hart arbeitet, verwildert. Waschen und loslassen gelingt ganz dicht an der Seite Jesu. Mit Christus und dem Wort können wir diese harte Trainingsaufgabe meistern und die Schönheit des Gartens zum Blühen bringen.

Wie lange wollen wir noch an unseren heillosen Gedanken festhalten?

Entstresste Beziehungen

Es ist ein halb Himmelreich, wo Frieden herrscht.

„Der Herr schafft deinen Grenzen Frieden.“
Ps. 147, 14

Wir kennen es: es kann kein Mensch in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Jeder sehnt sich danach, doch bereits am Frühstückstisch erleben wir, welch eine zarte und brüchige Pflanze der Frieden ist. Keiner will Streit, doch ein Wort gibt das andere. Wenn der Herr Frieden schafft, zeigt der Psalmist auf, das die Menschen ein Problem damit haben. Frieden geht nicht von Menschen aus, sondern kommt von Gott. Gott hat am Anfang den Menschen im Einklang mit sich und der Natur geschaffen; das war das Paradies. Doch dem Menschen war das noch zu wenig, er wollte mehr. Ihn packte die Gier, die Überheblichkeit, das größer und besser sein wollen, die Unzufriedenheit und dann war es aus mit dem Traum. Er wollte mächtiger sein als Gott und beraubte sich damit seiner Freiheit. Seit da erschlägt der Bruder seinen Bruder, oder beschuldigt der Bruder die Schwester, sich das Erbe der Eltern erschlichen zu haben. Da stecken die Brüder ihren Bruder Josef in den Brunnen und verkaufen ihn nach Ägypten. Der Ursprung von Unfrieden liegt in ganz banalen Strickmustern der Abgründigkeit des Menschen. Jeder Tag zeigt aufs Neue, auf welch wackeligen Füßen der Friede im Großen und im Kleinen steht.

Wo Gott Frieden schafft, geht er an den Ursprung zurück. Er befriedet den Beziehungskonflikt, zwischen ihm und dem Menschen. Mit Christus lässt er den Menschen zur Ruhe kommen. In das Kämpfen um sich selbst kommt Frieden. Die Unruhe, das Getrieben sein nach mehr, die Gier zu kurz zu kommen, die Eifersucht wird gestillt. Christus geht ans Eingemachte. Das Herz, der Charakter, die ganz leicht zum Brodeln kommen, finden Ruhe. Der Friede Christi wirkt gegen all die aufschäumenden Emotionen. Wer in Christus zur Ruhe gekommen ist, hat sein Recht und alle Wertschätzung, die er für seine Person braucht. Wer im Frieden ruht, für den beruhigt sich der Kampf um sich selbst. Der Kampf um Macht und Ansehen, aller Geltungsdrang, kann zum Schweigen kommen. Der Friede Christi, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der formt das Herz, den Sitz der menschlichen Persönlichkeit. Über aller Begrenzung, über allen niederen Beweggründen geht damit der Himmel auf. Wo dieser Friede regiert, können Menschen Grenzen überwinden und aufeinander zugehen. Dieser Frieden ist die starke verbindende Kraft, der die Welt am Leben erhält.

Ist der Friede in uns so stark, das er andere nicht unter Druck setzen muss?

Von Gesang getragen

Auch wenn der Mut klein ist, gibt das Singen der zaghaften Hoffnung neuen Atem.

„Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.“

Ps. 119, 172
Wo keine Lieder mehr erklingen, ist die Hoffnung ausgegangen. Der Advent ist eine Klangreiche Zeit, in dem das Wort nicht nur gesprochen wird, sondern durch Straßen und Gassen klingt. Wo es um diese Freudenbotschaft geht, kann es nicht mehr nüchtern, stupide und kalt zugehen. Wo das Wort besungen wird, klingt nicht nur Kopf, Verstand und Geist, da schwingt der ganze Körper. Singen ist eine Herzenssache. Wo die Zunge vom Wort singt, ist Christus beim Menschen auf den Grund gefallen. Da ist ein Mensch von der Wahrheit erfasst, von dem, was ihn in der Tiefe hält und trägt. Da äußert sich nicht mehr die Logik und das was der Geist rational versteht, da verbindet sich die irdische und himmlische Welt. Das Weihnachtsoratorium oder der Messias sind so erhebend, dass sie einen weit über das gewöhnliche Dasein hinaustragen. Mit dem Singen, macht der Glaubende seine Türen hoch und weit. Mit Singen hat sich Luther gegen seine Anfechtungen durchgekämpft, oder Paul Gerhard sich über harte Lebensschicksale tragen lassen. Wo die Zunge den Christus besingt, überwindet der Geschlagene seine Ohnmacht. Da klammert sich das Herz an die Macht der Erlösung. Wo das Wort besungen wird, übertönt es die Schmerzen der eigenen Endlichkeit. 
In einem Altenheim, kann man feststellen, wie die alten Kirchenlieder, selbst in einer Demenz noch tragende Kraft besitzen. Da sind Schätze, die Menschen ein Leben lang getragen haben. Wo das Wort gesungen wird, verleiht es dem Leben Flügel. Mit unserem Gesang haben wir ein Instrument in der Hand, das uns in aller Trostlosigkeit zur Hoffnung hinüberträgt. Es stärkt den Mut, es lässt uns in aller Kälte Liebe wagen. Es bringt das Geheimnis des Christus in uns zum Klingen.
Wo kann uns das „großer Herr und starker König“, noch viel stärker durch unsere schweren Stunden tragen? 

Trennung schafft Neues

In der Eindeutigkeit erfahren wir die neue Welt.
„Euer Herz sei ungeteilt bei dem Herrn, unserem Gott.“

1.Könige 8, 61
Ungeteilte Herzen sind festgelegte, für eine Sache entschiedene Herzen. So eindeutig, wie Gott zu den Seinen steht, liegt der Anspruch auf dem Menschen, in der Klarheit seines Lebens. Ungeteilt ist Gottes radikales Ja zur Erlösung, zur Vergebung, zum Heil. Es ist das bedingungslose, sich zu dem Menschen stellen. Gott kennt keinen Platz für Kompromisse und Mehrgleisigkeit. Er ist nicht eine Alternative von Vielen. Er ist ungeteilt Licht und ungeteilt Leben. Damit trifft er eine klare Entscheidung gegen die Nacht und den Tod. Reich Gottes entsteht, wo der ungeteilte Gott mit dem ungeteilten Menschen zusammen kommt. Diese neue Welt, die Christus in einem Herzen entzünden will, entsteht, wo Menschen eine eindeutige Entscheidung treffen. 
Die andere Gesinnung, die in einem Herzen anbricht, beginnt mit einer Trennung. Für den ungeteilten Glauben entscheidet sich das Herz für Christus, gegen alles andere. Ungeteilt bedeutet eine Scheidung von allem, was nicht Gott meint. Dahinter steht ein Martin Luther mit seiner markanten Aussage: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. In einem ungeteilten Herzen werden in uns die Weichen gestellt. 
Wenn wir unsere Gedanken betrachten, entdecken wir, wo wir in jedem Augenblick spazieren gehen. Es ist oft haarsträubend, an was sie sich selbst im Gottesdienst aufhalten. Hier ist der Sitz, in dem Gutes und Böses entsteht. Hier ist der Anfang von Himmel und Hölle. Unkontrollierte Gedanken sind der Beginn des Chaos in der Welt. Genau hier beginnt durch ungeteilte Herzen das Reich Gottes. Mit Christus haben wir die Macht, uns vom Bösen zu scheiden. Das ungeteilte Herz trägt diesen Kampf aus, nein zu sagen, zu allem was Zerstörung auslöst. Wir sind hier ganz nah am Predigttext vom vergangenen Sonntag, wer nicht für mich ist, ist gegen mich, wo eine Nicht-Entscheidung dem Bösen in die Hände spielt. Wo Herzen und Gedanken geteilt sind, kann nichts von Gottes Herrlichkeit entstehen. Diese wunderbare neue Welt entsteht, wo Herzen eindeutige Striche ziehen.
Wie können wir das am besten lernen, in aller Zerstreuung, in jedem Augenblick schnell und ungeteilt unsere Herzen an dem Herrn festzumachen?       

Wohlwollen operiert heilsamer

Bis du nicht das Gute in einem Menschen siehst, bist du unfähig, ihm zu helfen.Yuval Lapide

„Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.“

3. Mose 19, 17
Heute können wir jede Menge von Gottes Menschenführung lernen. Zurechtweisen ist der Wunsch, jemand zum Richtigen zu führen. Da geht es um eine Kurskorrektur im Denken und Verhalten. Das ist ein unangenehmer Eingriff in die Persönlichkeit des anderen. Eine Verhaltensänderung erfordert immer eine grundlegende Gesinnungsänderung. Da muss in der Willenszentrale ein Schalter umgelegt  werden. Somit ist das ein Eingriff am offenen Herzen. Zurechtweisen erfordert demnach höchste Sterilität und Einfühlungsvermögen. Mit einem groben Werkzeug wird die vermeintliche Hilfe zum Schaden. Je tiefer Gott in einen Menschen eindringen will, je umfassender das Umdenken und Umkehren sein soll, umso mehr dringt er in das Herz ein. Je mehr sich der Mensch verrannt hat, umso mehr will ihn die Liebe einholen. Dahinter glüht ein Feuer voller Wohlwollen. Da will der Gute das Gute. Da wird mit ganzer Kraft im anderen ein Funke gesucht, an dem sich ein Feuer entfachen lässt. Alle Gedanken konzentrieren sich darauf, wie sie dem anderen zu seinem Besten dienen können. Das Ziel allen Zurechtweisens ist das Zurechtkommen. Alle Investition dient dem Heil des anderen.
Unser Umgang mit Fehlverhalten schreit da oft zum Himmel. Bei Nachlässigkeiten starten wir auf die Palme. Parksünder müssen bezahlen. Die nicht Linientreuen bekommen den ganzen Unmut zu spüren. Schuld kann Ärger und Aggressionen wecken. Doch wenn wir Hässlichkeiten bloßstellen, machen wir uns selber hässlich. Wir machen uns dadurch schuldig, indem uns unser persönliches verletzt sein wichtiger ist, als das Zurechtkommen des andern. In dem Moment zeigen wir unsere eigene Schwäche, wo wir die Schwächen des andern verteufeln. In solch einem zurechtweisen gibt es nur Verletzte nach allen Seiten und eiternde Wunden. 
Mit der Christus-Gesinnung können wir Wunden verbinden und zum Heil beitragen. Wo die Liebe mit Geduld den anderen anfasst, können verborgene Schätze gehoben werden, die alle Beteiligten zum Leuchten bringen. 
Brauchen wir in unserem Miteinander nicht viel mehr liebende Herzen, als Trommler, die auf die Pauke hauen?

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.

Wenn das Herz umzieht

Der Mensch sucht etwas, das er verehren und bewundern kann und das ihn über sich selbst hinaus hebt.
„Ich pries und ehrte den, der ewig lebt, dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt.“

Dan. 4, 31-32
Gott verehren ist das höchste der Gefühle. Da wird Irdisches himmelwärts gezogen. Diese Hingabe macht sich an etwas Höherem fest, als man selber ist. In der Gottesverehrung lässt der Mensch sich selbst los und lässt sich in die alles bestimmende Gottesgegenwart ziehen. Er wird von der Realpräsenz Gottes angezogen. Verehrung ist ein Zustand, in dem ein anderer alles in uns bestimmt. Es ist das Aufblühen in der ewigen Realität. Verehren ist das Echo auf das, dass Gott mit dem Menschen eins wurde. Da zieht das Herz des Menschen um zu seinem Gott. 
Wenn wir betrachten, was von den Menschen alles verehrt und angebetet wird, braucht man sich nicht wundern, weshalb Leben so brüchig wird. Da werden Stars gefeiert, Automarken zelebriert, Ernährungsregeln vergöttert oder die Gesundheit angebetet. Darin wollen Menschen aufgehen, sich festmachen, ihre eigene Identität finden. Das was der Mensch anbetet, bestimmt ihn, darauf hört er, danach richtet er sein Leben aus. Wo er Irdisches anbetet, zerfällt der Traum, wenn Irdisches zerfällt. Wahre Verehrung kann nur auf Ewiges zielen.
In der Gottesverehrung wir der Glaubende gotthörig. Seine Standfestigkeit gründet in dem Wort. Preisen und ehren heißt mit Christus eins werden. In dieser Verehrung regeln sich die Beziehungen zu den Menschen und Dingen. In der Apostelgeschichte wird das heute schnörkellos auf den Punkt gebracht: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das Stehen in der Macht des Ewigen, ordnet die Macht der Menschen unter. Im Horchen auf den Gott, den ich verehre, wird das Hören auf Menschen geringer. Wer Gott verehrt, wird von Grund auf anders ausgerichtet. Da können wir in ganzer Klarheit auch die Stimme gegen Menschen erheben. In der Gottesverehrung schwindet die Angst vor der Macht der Menschen.
Wenn unser Herz umgezogen ist, warum sollten wir noch verzweifeln oder uns vor irgendjemand fürchten?