Ohne jäten kein Paradies

Wenn die Insel Mainau mit Brombeerranken und Kratzdisteln übersät ist, werden nach und nach die Besucher ausbleiben und die Blumeninsel hat ihren Zweck verfehlt.

„Wasche dein Herz von der Bosheit, auf dass dir geholfen werde. Wie lange wollen bei dir bleiben deine heillosen Gedanken?“
Jer. 4, 14

Gott hat sich einen Garten Eden geschaffen. Ein Paradies für Mensch, Tiere und Pflanzen. Auch die Blumenmönche haben zwei Parkanlagen, einen Garten der Stille und einen Garten Eden, einfach damit Menschen sich freuen und erholen können. Doch ein schön angelegter Garten bleibt nicht von selbst schön. Im ersten Garten war ein Mensch mit heillosen Gedanken. Er wollte sich nicht zufrieden geben, mit der Fülle die ihn umgab, er wollte noch mehr. Ihn packte die Gier nach Macht. In seinem größer sein wollen als Gott, fing der Garten an zu verwildern. Heckenrosen und Löwenzahn überwucherten das paradiesische Blühen. Seit diesem Tag kämpfen wir gegen das Unkraut. Wir kämpfen gegen die Bosheit der Gedanken, und gegen ein aufmüpfiges Herz.

Gott hat sich mit unserem Leben einen Garten angelegt, der systematisch zuwuchert, wenn keiner daran arbeitet und ständig die hochschießenden Brombeerranken und Kratzdisteln herauszuzieht. Damit der Garten ein Park der Freude bleibt, müssen Gärtner täglich aktiv sein. So wie ein Park mit den Jahren immer schöner und reifer wird, wächst in gleicher Weise das Unkraut mit. Wer nicht dauernd darin arbeitet, lässt eine Wildnis entstehen. Wer nicht an sich selbst arbeitet, kann selbst als frommer Mensch zum Urwald werden, an dem nicht viel vom Geheimnis Gottes zu sehen ist. Er verliert seine eigentliche Attraktivität, die Gott mit ihm vor hatte.

Herzen waschen und heillose Gedanken entsorgen ist harte Arbeit. Das geht nicht von selbst, nur weil wir in die Kirche gehen und die Bibel lesen. Was in unserer Lebenseinstellung an schlechten Gewohnheiten wuchert, muss erzogen und abtrainiert werden. Wo wir uns über unseren Partner ärgern und für Wochen gefrustet sind, dass tagelang Eiseskälte herrscht, müssen wir lernen, den Frust zu verkürzen. Erst drei Tage, dann 3 Stunden und dann 3 Minuten. Wir arbeiten daran, so schnell wie möglich, die Schönheit des Gartens wieder herzustellen. Ich lerne vergeben, nur indem ich dem Bruder der mich beleidigt hat zu vergeben. Anfangs dauert das noch länger, doch nach und nach gelingt es, viel schneller wieder ein freies und unbelastetes Miteinander zu bekommen. Wer nicht an Herz und Gedanken hart arbeitet, verwildert. Waschen und loslassen gelingt ganz dicht an der Seite Jesu. Mit Christus und dem Wort können wir diese harte Trainingsaufgabe meistern und die Schönheit des Gartens zum Blühen bringen.

Wie lange wollen wir noch an unseren heillosen Gedanken festhalten?

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Entstresste Beziehungen

Es ist ein halb Himmelreich, wo Frieden herrscht.

„Der Herr schafft deinen Grenzen Frieden.“
Ps. 147, 14

Wir kennen es: es kann kein Mensch in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Jeder sehnt sich danach, doch bereits am Frühstückstisch erleben wir, welch eine zarte und brüchige Pflanze der Frieden ist. Keiner will Streit, doch ein Wort gibt das andere. Wenn der Herr Frieden schafft, zeigt der Psalmist auf, das die Menschen ein Problem damit haben. Frieden geht nicht von Menschen aus, sondern kommt von Gott. Gott hat am Anfang den Menschen im Einklang mit sich und der Natur geschaffen; das war das Paradies. Doch dem Menschen war das noch zu wenig, er wollte mehr. Ihn packte die Gier, die Überheblichkeit, das größer und besser sein wollen, die Unzufriedenheit und dann war es aus mit dem Traum. Er wollte mächtiger sein als Gott und beraubte sich damit seiner Freiheit. Seit da erschlägt der Bruder seinen Bruder, oder beschuldigt der Bruder die Schwester, sich das Erbe der Eltern erschlichen zu haben. Da stecken die Brüder ihren Bruder Josef in den Brunnen und verkaufen ihn nach Ägypten. Der Ursprung von Unfrieden liegt in ganz banalen Strickmustern der Abgründigkeit des Menschen. Jeder Tag zeigt aufs Neue, auf welch wackeligen Füßen der Friede im Großen und im Kleinen steht.

Wo Gott Frieden schafft, geht er an den Ursprung zurück. Er befriedet den Beziehungskonflikt, zwischen ihm und dem Menschen. Mit Christus lässt er den Menschen zur Ruhe kommen. In das Kämpfen um sich selbst kommt Frieden. Die Unruhe, das Getrieben sein nach mehr, die Gier zu kurz zu kommen, die Eifersucht wird gestillt. Christus geht ans Eingemachte. Das Herz, der Charakter, die ganz leicht zum Brodeln kommen, finden Ruhe. Der Friede Christi wirkt gegen all die aufschäumenden Emotionen. Wer in Christus zur Ruhe gekommen ist, hat sein Recht und alle Wertschätzung, die er für seine Person braucht. Wer im Frieden ruht, für den beruhigt sich der Kampf um sich selbst. Der Kampf um Macht und Ansehen, aller Geltungsdrang, kann zum Schweigen kommen. Der Friede Christi, der höher ist als alle menschliche Vernunft, der formt das Herz, den Sitz der menschlichen Persönlichkeit. Über aller Begrenzung, über allen niederen Beweggründen geht damit der Himmel auf. Wo dieser Friede regiert, können Menschen Grenzen überwinden und aufeinander zugehen. Dieser Frieden ist die starke verbindende Kraft, der die Welt am Leben erhält.

Ist der Friede in uns so stark, das er andere nicht unter Druck setzen muss?

Von Gesang getragen

Auch wenn der Mut klein ist, gibt das Singen der zaghaften Hoffnung neuen Atem.

„Meine Zunge soll singen von deinem Wort; denn alle deine Gebote sind gerecht.“

Ps. 119, 172
Wo keine Lieder mehr erklingen, ist die Hoffnung ausgegangen. Der Advent ist eine Klangreiche Zeit, in dem das Wort nicht nur gesprochen wird, sondern durch Straßen und Gassen klingt. Wo es um diese Freudenbotschaft geht, kann es nicht mehr nüchtern, stupide und kalt zugehen. Wo das Wort besungen wird, klingt nicht nur Kopf, Verstand und Geist, da schwingt der ganze Körper. Singen ist eine Herzenssache. Wo die Zunge vom Wort singt, ist Christus beim Menschen auf den Grund gefallen. Da ist ein Mensch von der Wahrheit erfasst, von dem, was ihn in der Tiefe hält und trägt. Da äußert sich nicht mehr die Logik und das was der Geist rational versteht, da verbindet sich die irdische und himmlische Welt. Das Weihnachtsoratorium oder der Messias sind so erhebend, dass sie einen weit über das gewöhnliche Dasein hinaustragen. Mit dem Singen, macht der Glaubende seine Türen hoch und weit. Mit Singen hat sich Luther gegen seine Anfechtungen durchgekämpft, oder Paul Gerhard sich über harte Lebensschicksale tragen lassen. Wo die Zunge den Christus besingt, überwindet der Geschlagene seine Ohnmacht. Da klammert sich das Herz an die Macht der Erlösung. Wo das Wort besungen wird, übertönt es die Schmerzen der eigenen Endlichkeit. 
In einem Altenheim, kann man feststellen, wie die alten Kirchenlieder, selbst in einer Demenz noch tragende Kraft besitzen. Da sind Schätze, die Menschen ein Leben lang getragen haben. Wo das Wort gesungen wird, verleiht es dem Leben Flügel. Mit unserem Gesang haben wir ein Instrument in der Hand, das uns in aller Trostlosigkeit zur Hoffnung hinüberträgt. Es stärkt den Mut, es lässt uns in aller Kälte Liebe wagen. Es bringt das Geheimnis des Christus in uns zum Klingen.
Wo kann uns das „großer Herr und starker König“, noch viel stärker durch unsere schweren Stunden tragen? 

Trennung schafft Neues

In der Eindeutigkeit erfahren wir die neue Welt.
„Euer Herz sei ungeteilt bei dem Herrn, unserem Gott.“

1.Könige 8, 61
Ungeteilte Herzen sind festgelegte, für eine Sache entschiedene Herzen. So eindeutig, wie Gott zu den Seinen steht, liegt der Anspruch auf dem Menschen, in der Klarheit seines Lebens. Ungeteilt ist Gottes radikales Ja zur Erlösung, zur Vergebung, zum Heil. Es ist das bedingungslose, sich zu dem Menschen stellen. Gott kennt keinen Platz für Kompromisse und Mehrgleisigkeit. Er ist nicht eine Alternative von Vielen. Er ist ungeteilt Licht und ungeteilt Leben. Damit trifft er eine klare Entscheidung gegen die Nacht und den Tod. Reich Gottes entsteht, wo der ungeteilte Gott mit dem ungeteilten Menschen zusammen kommt. Diese neue Welt, die Christus in einem Herzen entzünden will, entsteht, wo Menschen eine eindeutige Entscheidung treffen. 
Die andere Gesinnung, die in einem Herzen anbricht, beginnt mit einer Trennung. Für den ungeteilten Glauben entscheidet sich das Herz für Christus, gegen alles andere. Ungeteilt bedeutet eine Scheidung von allem, was nicht Gott meint. Dahinter steht ein Martin Luther mit seiner markanten Aussage: Hier stehe ich, ich kann nicht anders. In einem ungeteilten Herzen werden in uns die Weichen gestellt. 
Wenn wir unsere Gedanken betrachten, entdecken wir, wo wir in jedem Augenblick spazieren gehen. Es ist oft haarsträubend, an was sie sich selbst im Gottesdienst aufhalten. Hier ist der Sitz, in dem Gutes und Böses entsteht. Hier ist der Anfang von Himmel und Hölle. Unkontrollierte Gedanken sind der Beginn des Chaos in der Welt. Genau hier beginnt durch ungeteilte Herzen das Reich Gottes. Mit Christus haben wir die Macht, uns vom Bösen zu scheiden. Das ungeteilte Herz trägt diesen Kampf aus, nein zu sagen, zu allem was Zerstörung auslöst. Wir sind hier ganz nah am Predigttext vom vergangenen Sonntag, wer nicht für mich ist, ist gegen mich, wo eine Nicht-Entscheidung dem Bösen in die Hände spielt. Wo Herzen und Gedanken geteilt sind, kann nichts von Gottes Herrlichkeit entstehen. Diese wunderbare neue Welt entsteht, wo Herzen eindeutige Striche ziehen.
Wie können wir das am besten lernen, in aller Zerstreuung, in jedem Augenblick schnell und ungeteilt unsere Herzen an dem Herrn festzumachen?       

Wohlwollen operiert heilsamer

Bis du nicht das Gute in einem Menschen siehst, bist du unfähig, ihm zu helfen.Yuval Lapide

„Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.“

3. Mose 19, 17
Heute können wir jede Menge von Gottes Menschenführung lernen. Zurechtweisen ist der Wunsch, jemand zum Richtigen zu führen. Da geht es um eine Kurskorrektur im Denken und Verhalten. Das ist ein unangenehmer Eingriff in die Persönlichkeit des anderen. Eine Verhaltensänderung erfordert immer eine grundlegende Gesinnungsänderung. Da muss in der Willenszentrale ein Schalter umgelegt  werden. Somit ist das ein Eingriff am offenen Herzen. Zurechtweisen erfordert demnach höchste Sterilität und Einfühlungsvermögen. Mit einem groben Werkzeug wird die vermeintliche Hilfe zum Schaden. Je tiefer Gott in einen Menschen eindringen will, je umfassender das Umdenken und Umkehren sein soll, umso mehr dringt er in das Herz ein. Je mehr sich der Mensch verrannt hat, umso mehr will ihn die Liebe einholen. Dahinter glüht ein Feuer voller Wohlwollen. Da will der Gute das Gute. Da wird mit ganzer Kraft im anderen ein Funke gesucht, an dem sich ein Feuer entfachen lässt. Alle Gedanken konzentrieren sich darauf, wie sie dem anderen zu seinem Besten dienen können. Das Ziel allen Zurechtweisens ist das Zurechtkommen. Alle Investition dient dem Heil des anderen.
Unser Umgang mit Fehlverhalten schreit da oft zum Himmel. Bei Nachlässigkeiten starten wir auf die Palme. Parksünder müssen bezahlen. Die nicht Linientreuen bekommen den ganzen Unmut zu spüren. Schuld kann Ärger und Aggressionen wecken. Doch wenn wir Hässlichkeiten bloßstellen, machen wir uns selber hässlich. Wir machen uns dadurch schuldig, indem uns unser persönliches verletzt sein wichtiger ist, als das Zurechtkommen des andern. In dem Moment zeigen wir unsere eigene Schwäche, wo wir die Schwächen des andern verteufeln. In solch einem zurechtweisen gibt es nur Verletzte nach allen Seiten und eiternde Wunden. 
Mit der Christus-Gesinnung können wir Wunden verbinden und zum Heil beitragen. Wo die Liebe mit Geduld den anderen anfasst, können verborgene Schätze gehoben werden, die alle Beteiligten zum Leuchten bringen. 
Brauchen wir in unserem Miteinander nicht viel mehr liebende Herzen, als Trommler, die auf die Pauke hauen?

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.

Wenn das Herz umzieht

Der Mensch sucht etwas, das er verehren und bewundern kann und das ihn über sich selbst hinaus hebt.
„Ich pries und ehrte den, der ewig lebt, dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt.“

Dan. 4, 31-32
Gott verehren ist das höchste der Gefühle. Da wird Irdisches himmelwärts gezogen. Diese Hingabe macht sich an etwas Höherem fest, als man selber ist. In der Gottesverehrung lässt der Mensch sich selbst los und lässt sich in die alles bestimmende Gottesgegenwart ziehen. Er wird von der Realpräsenz Gottes angezogen. Verehrung ist ein Zustand, in dem ein anderer alles in uns bestimmt. Es ist das Aufblühen in der ewigen Realität. Verehren ist das Echo auf das, dass Gott mit dem Menschen eins wurde. Da zieht das Herz des Menschen um zu seinem Gott. 
Wenn wir betrachten, was von den Menschen alles verehrt und angebetet wird, braucht man sich nicht wundern, weshalb Leben so brüchig wird. Da werden Stars gefeiert, Automarken zelebriert, Ernährungsregeln vergöttert oder die Gesundheit angebetet. Darin wollen Menschen aufgehen, sich festmachen, ihre eigene Identität finden. Das was der Mensch anbetet, bestimmt ihn, darauf hört er, danach richtet er sein Leben aus. Wo er Irdisches anbetet, zerfällt der Traum, wenn Irdisches zerfällt. Wahre Verehrung kann nur auf Ewiges zielen.
In der Gottesverehrung wir der Glaubende gotthörig. Seine Standfestigkeit gründet in dem Wort. Preisen und ehren heißt mit Christus eins werden. In dieser Verehrung regeln sich die Beziehungen zu den Menschen und Dingen. In der Apostelgeschichte wird das heute schnörkellos auf den Punkt gebracht: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das Stehen in der Macht des Ewigen, ordnet die Macht der Menschen unter. Im Horchen auf den Gott, den ich verehre, wird das Hören auf Menschen geringer. Wer Gott verehrt, wird von Grund auf anders ausgerichtet. Da können wir in ganzer Klarheit auch die Stimme gegen Menschen erheben. In der Gottesverehrung schwindet die Angst vor der Macht der Menschen.
Wenn unser Herz umgezogen ist, warum sollten wir noch verzweifeln oder uns vor irgendjemand fürchten?

Reich sein ist gut

Wofür wir brennen, entscheidet über unsere Zukunft.
„Fällt euch Reichtum zu, so hängt euer Herz nicht daran.“

Ps. 62, 11
Reichtum kommt von Gott. Wo Reichtum zufällt ist Segen und Fleiß im Spiel. Da fällt etwas von Gottes Überfluss auf den Menschen. Da ist Lebensfülle und Freude. Reichtum ist schöpferisch und der Maßstab für Gottes haushalten. Reichtum geschieht dort, wo der Überreiche die Erde berührt. Da ist die Ernte satt, da verdienen wir für gute Arbeit gutes Geld. Da ist menschliches Mühen gesegnet. Da ist von allem viel da, dass man weitergeben kann. Das ist der Zufall Gottes, dass etwas zu fließen beginnt. Uns fließt etwas zu und wir lassen es zu anderen weiterfließen. Gott ist reich. Reichtum ist eine Gottesgabe.
Hier wird mit keinem Ton gesagt, dass Reichtum schlecht oder böse ist. Hier fällt einem einfach viel zu.  Viele Glaubende haben mit Reichtum ein Problem und denken es versaut den Charakter. Doch das Problem ist nicht der Reichtum, sondern der Mensch selbst. Der Mißbrauch und Eigennutz entfremdet Reichtum seinem Zweck. Wo ich Geld und Gut anstrebe und festhalte, werde ich reich und arm zugleich. Wo der Besitz zur Herzensache wird, verarmt das Leben. Unser Herz entscheidet über gut und böse. Der Kern unseres Wesens, unseres Denkens und Fühlens, lebt nicht aus dem materiellen Wert, sondern aus dem, der alle Gaben gibt, aus Gott selbst. Wo wir dem Reichtum vertrauen, wird der Glaube arm. Reichtum ist Gabe zum Gebrauch, jedoch keine Sicherheit für das Leben. Ein langgehegter Wunsch nach einem Lottogewinn hat viele nach einiger Zeit noch ärmer gemacht als sie vorher waren. 
Wo das Herz an Gott hängt, ist Reichtum ein Segen. Da kann man mit viel oder wenig leben, und alles fließt zum Wohl des anderen. Da ist Gott Reichtum und Sicherheit, der hält und trägt. Wo unser Herz darin ruht, können wir dankbar und spielerisch mit Reichtum umgehen.
Können wir dort wo uns viel zufällt, nicht außergewöhnlich viel für das Reich Gottes tun?

Wo wohnt Gott?

„Salomo sprach bei der Einweihung es Tempels: Sollte Gott wirklich auf Erden wohnen?“

1. Kön. 8, 27
Der König Salomo hatte ein Gespür dafür, dass sich Gott nicht einfach auf einen von Menschen erdachten Raum festlegen lässt. Eine Kirche wird nicht dadurch zum heiligen Raum, dass darin Menschen Gott suchen. Gottesbegegnung findet nicht an von Menschen vorgesehenen Orten statt. Angesichts eines neuen Tempels, einer neuen Kirche fragt Salomo weiter. Damit kommt er zu der Erkenntnis, Gott wohnt nicht in Gebäuden, sondern in Menschen. Durch Christus baut er sich in seinen Erwählten eine Wohnung. Dieser unfassbare Gott baut nicht in erster Linie in Stein gemeiselte Kathedralen,  sondern will sich in Christus in Herzen verewigen. Wo Christus einzieht, wohnt Gott. Er sucht lebendige Wohnungen, in denen seine Herrschaft sichtbar wird. Für seine großartige Sache, will er offene Wohnräume schaffen. Auch wenn Gott überall gegenwärtig ist, seine Spuren in Natur und Schöpfung zu erkennen sind, ist seine gute Stube zuerst im Kern des Menschen. Er will in Herzen, Gedanken und in unserer Willenszentrale Zuhause sein. Das ist der Anfang von Kirche.
Das Gebäude für die Gottesbegegnung kommt danach. Somit kommt nicht zuerst der Kirchenraum, in den dann gnädigerweise Gott einzieht, sondern Menschen, in die Christus eingezogen ist, schaffen einen Raum für Gemeinschaft. Kirche ist der Ort, an dem die zusammenkommen, an denen Christus sich offenbart hat. Das macht KIrche zu einem heiligen Ort, weil geheiligte Menschen ihrem Gott begegnen. Auf diese Gemeinschaft derer, in denen Gott seine Wohnung gefunden hat, legt er seinen Segen. Das ist Gemeinde, in der Gott seine Geheimnisse in Brot und Wein offenbart. Dadurch ist Kirche kein Clubraum von Gleichgesinnten, sondern da sind lebendige Wohnräume, mit denen Gott sein Reich in dieser Welt baut. Der einzeln Glaubende ist keine Single-Wohnung, sondern lebt von der Gemeinschaft im Tempel. Gott lebt nicht von „Amtswegen“ in dem Gebäude Kirche, sondern durch die Gemeinde, die sich dort versammelt und ihn anbetet. Diesen Geist erleben wir dann in einem Gotteshaus.
Fühlt sich Christus bei uns Zuhause?

Herzen knacken

Tatenloses Abwarten und stumpfes Zuschauen sind keine christlichen Haltungen.

Dietrich Bonhoeffer 
„Du sollst dein Herz nicht verhärten und deine Hand nicht zuhalten gegenüber deinem armen Bruder.“

5. Mose 15, 7
Christssein zeigt sind nicht in erster Linie in großen Erkenntnissen und erhebenden Gesängen. Es zeigt sich am Zustand unseres Herzens. Wo ein Gott der Weite, der Fülle, der großzügien Verschwendung und des Erbarmens ist, können die, die zu ihm gehören nicht eng, hart und kleinkarriert sein. Damit die armselige Menschheit diese Großherzigkeit erfährt, bedarf es verwandelter Herzen. Wieviel Christus lebt unter den Christen? Wie geschmeidig kann er in seiner Liebe zur Liebe formen? Wieviel bigotte Frömmigkeit durfte er aufbrechen?
Das Herz der Glaubenden ist der Dreh- und Angelpunkt, in der die gefallene Schöpfung Heil erfährt. Wo diese Herzen unbeweglich, stur und festgefahren sind, sabotieren sie die Gottesliebe. Jede Verbissenheit, alle unbewältigten Enttäuschungen, das anrechnen von Schuld des anderen, verbittern das Herz und machen es für Gottes Sache unbrauchbar. Gott will unsere Herzen knacken. Er will Raum schaffen für Christus und seine Erlösung. Er will Grenzen sprengen und Verkrustungen aufbrechen. Er will uns in die Weite der Christusgesinnung stellen. 
Wo sich der Sitz unseres Wollen und Fühles umwandeln lässt, kann die Not des Armen Gottes fürsorgliche Hand erfahren. Da wird der Arme zum Bruder, den uns Gott ans Herz legt. Da spielen nicht mehr unsere Befindlichkeiten die erste Rolle, sondern da rückt uns der andere auf den Leib. Sowie Christus unser Herz berührt, können wir angesichts der Not der Menschen in jeder Form, nicht mehr tatenlos zuschauen. In uns regt sich die Barmherzigkeit, das warme Herz Gottes, das unser Herz öffnet für das Leid der Welt. Das Leid wird zum Bruder, weil Christus um deretwilen gelitten hat. 
Wie soll die Liebe Gottes sonst zu den Armen kommen, wenn nicht durch verwandelte Herzen?

Fröhlich geht intern 

wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über.

„Mein Herz ist fröhlich in dem Herrn.“

1. Sam. 2, 1
Ein fröhlicher Mensch ist eine Perle. Fröhlichkeit ist ansteckend und mitreißend. Der Gang durch eine belebte Fußgängerzone lässt erschrecken, wie wenig fröhliche Gesichter es gibt. Da bleibt die Frage, wie geht fröhlich? Es hängt mit dem Herz zusammen. Mit dem Zentrum allen menschlichen Denkens und Fühlens. Dort wo der Mensch in sich Zuhause ist. Jetzt kennen wir die biblische Aussage: Das Herz des Menschen ist böse von Jugend auf. Das heißt, der Mensch hat aus sich heraus gar keine Chance, so richtig fröhlich zu sein. Unsere Gesichter und unsere Tage bestätigen das nur. 
Fröhlich hat seinen Sitz „in dem Herrn“. Froh sein, sich freuen können, hängt mit dem zusammen, was Gott in uns auslöst. Wo seine Gnadensonne auf das Herz fällt, kann von innen heraus etwas zu Leuchten beginnen. Erfahrene Erlösung strahlt nach außen. Christus, der ein Herz berührt, verändert die Gesichtszüge. Da sind nach wie vor die belastenden Einflüsse von außen, doch innen verändert sich etwas. Das Herz wird nicht mehr von den äußeren Einflüssen lahmgelegt, sondern da geht innen ein Feuer an. Im Innersten beginnt eine Kernspaltung, die neue Energien freisetzt. Tiefe Freude schaffen nicht die Dinge und Erlebnisse um uns herum, die sich dann mehr und mehr übertreffen müssen, sondern ein glaubendes Herz. Wo Christus zum Freund wird, zieht die Freude ein. Da muss das Herz fröhlich springen, auch wenn um einen herum die Wölfe heulen. In Christus kann man auch im Leiden fröhlich sein. 
Kann man uns diese Freude abspüren, auch wenn unsere Tage alles andere als fröhlich sind?