Wenn der Schmerz nachlässt

Gegen das Laster mit dem Lästern hilft nur die erhobene Schlange.

Das Volk kam zu Mose und sie sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir gegen den Herrn und gegen dich geredet haben. Bete zum Herrn, damit er uns von den Schlangen befreit. Und Mose betete für das Volk.“
4.Mose 21, 7

Eine altbekannte Geschichte, die uns zeigt, wie Gott mit Schlangen fertig wird. Gott hat ein wirksames Gegenmittel gegen diese giftige Brut. Überall in unserem Miteinander und in unseren Gemeinden haben wir es mit solchen Schlangen zu tun. Da sind Menschen, die Gemeinschaft mit ihren Stichen vergiften. Da wird hinter vorgehaltener Hand gegen Führungskräfte und Gemeindeleiter gelästert und Gottes Führung in Zweifel gezogen. Mose und sein Volk ist auch bei uns. Fast unmerklich werden Autoritäten untergraben und über die Entscheidungen, die Verantwortliche zu treffen haben abgelästert. Es entsteht eine herrlich mulmige, elektrisch geladene Atmosphäre. Auf dem Schlangentrip heißt die alles aushöhlende Frage: Sollte Gott gesagt haben? Damit wird die Existenz Gottes, mit allen, die in seinem Dienst stehen, vergiftet und geschmälert. Damit bringen Menschen zu Ausdruck: Wenn ich etwas zu sagen hätte, würde alles viel besser laufen. Die Schlange erhebt sich zu Gott. Die Erkenntnis des Menschen kommt dann, wenn sein ausgestreutes Gift ihn selber trifft. Die Schlange braucht die Schlange, um die Wahrheit zu erkennen. Der Mensch muss an seiner eigenen Unwahrheit zugrunde gehen, dass er um Befreiung von seinem Lästermaul bittet. Erst wenn´s ganz dick kommt, wird der Mensch bereit, statt Gott und den andern infrage zu stellen, sich selbst anzuklagen. Wo er von seinem eigenen Gift gebissen wird, ist er bereit nach Hilfe zu schreien. Und die Hilfe kommt. So ganz homöopathisch. Zur Hilfe muss die Schlange, die aufgerichtete Schlange betrachten. Er muss sich die Bedrohung und das Übel vor Augen halten, um in diesem Anblick zu genesen. Er erfährt Befreiung von seiner verdorbenen Art im Anblick des Kreuzes. Um mit dem Elend fertig zu werden, ist der gekreuzigte Christus das Heilserum.

Wo sich der Mensch in seinem anders wollen gegen Gott entdeckt, in seinem Löcken gegen seine Führung, in seinem schnellen Ablästern über das was er nicht versteht, kann nur der Kreuzblick befreien. Johannes sagt: wenn euch der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei. Wir werden unfrei und kurzsichtig, wo wir diesen Blick verlieren. Wo sich die Augen nicht auf das Kreuz, auf die erhobene Schlange konzentrieren, dann werden wir von unserem eigenen Lästermaul aufgefressen. Das wird zu einem Geschwür, mit dem wir nicht mehr fertig werden. Dieser Kreuzblick wird zu einer Trainingsaufgabe für unser Heil. Darunter verlieren wir unser schädigendes Gift. Da werden wir frei zu einem Leben in Klarheit und Transparenz. Der aufgerichtete Blick schafft Aufrichtigkeit. Damit lässt sich das Gift in unserm Miteinander heilen.

Ist das nicht bedauerlich, wenn ein Heilmittel da ist, und wir uns weiter vergiften lassen würden?

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Wo Lippen heilen

Mit guten Worten legen wir edlen Samen in die Erde, der Blühen schafft und das Leben ernährt.

„Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen!“
Ps. 141, 3

Mit Worten wird Gedeih und Verderben in die Welt gepflanzt. Wo unser Mund und Lippen zum Gebet gemacht wird, das vor Entgleisungen bewahren soll, ist Deutschland in Not. Worte haben Macht; und wo sie nicht aus dem einen lebensschaffenden Wort kommen, werden sie zu gefährlichen Werkzeugen. Wo jemand Gott darum bittet, dass er seinen Mund behüte, ist er sich seiner unheilstiftenden Gefahr bewusst. Er sucht höchsten Beistand für unkontrollierte Lippen. Er erkennt an sich eine verletzende Waffe, die er aus sich selbst heraus nicht im Griff hat. Er weiß darum, dass seine Worte einen Flächenbrand auslösen können. Sie haben den Zündstoff für Revolution und Unfrieden. Da sind Worte, die Krebsgeschwüre auslösen, und vielleicht unheilbar sind. Sie streuen Unsegen über das Land, die das Miteinander mit Unkraut zuwuchern. Eine frühere Mitarbeiterin im Blumenhaus sagte einmal über ihre Ehe: Keiner von uns will Streit, doch ein Wort ergibt das andere. Worte brauchen Bewahrung. Sie brauchen einen heiligen Schutz. Sie brauchen einen, der auf der Hut ist, was von diesen Lippen ausgeht.

Der Beter sieht diese Umbergung bei dem Herrn des Wortes. Bei Gott finden wir die Schaffenskraft des Wortes. Aus seinem Wort wurde Schöpfung. Am Anfang war das Wort, und das Wort ward das Licht der Menschen. Durch dieses Wort wohnt Christus unter uns. Dieses Wort verbindet das Kranke und weckt das Tote zum Leben. Diese Macht hat das Wort, wo es ein lebendiges Wort ist, das aus Gott kommt. Du hast Worte ewigen Lebens, bekennen die Jünger. Der Auftrag von Worten ist zu heilen und lebendig zu machen. Das geschieht nur in der Einbettung in das Wort. Wo unsere Worte aufbauen sollen, guten Samen in den anderen legen sollen, müssen es geheiligte, bewahrte und behütete Worte sein. Unsere Lippen brauchen ein starkes Korrektiv. Was aus unserem Mund kommt, müssen verwandelte Worte sein.

Wenn wir uns einmal bewusst machen, was wir einen ganzen Tag lang so reden, wird uns auffallen, von welchem Geist unsere Worte beseelt sind. Viele Worte geschehen gedankenlos, sie verletzen, setzen andere herab, lösen Konflikte aus. Was ist der Grund für manche Worte? Wollen sie nur meinem Ärger Luft verschaffen? Wollen sie klar stellen, wie übel sich der andere mir gegenüber verhält? Haben sie viel mehr die Absicht mich in ein besseres Licht zu stellen? Da ist so viel Ton, aber so wenig Wort. Wenn wir uns überlegen, wem dient das, was ich hier sage, erkennen wir viel Selbstzweck. Wenn ich Unschönes über andere weitergebe, bin ich da an einer Konfliktlösung interessiert, oder will ich mich nur interessant machen? An den vielen kleinen, alltäglichen Dingen sehen wir, wie notwendig geheiligte Worte sind. Nur aus behüteten Lippen können heilende und lebendige Worte kommen.

Welchen Samen streuen wir mit unseren Worten auf das Land?

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Erhebender Gesang

Wer Wunder erkennt, wird Lobsänger.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“
Ps. 98, 1

Es war ein Wunder, dass bei unserem Großbrand niemand ernsthaft verletzt wurde. Wir kennen die tragischen Momente, in denen sich auf wundersame Weise Dinge ereignen, die dem eigentlich Schrecklichen entgegenstehen. Wunder sind nicht nur die spektakulären Weltwunder, z. B. menschlicher Baukunst; Wunder sind auch die vielen kleinen Erlebnisse, die im Alltag wie Glanzlichter aufleuchten. Die Evangelisten berichten von den Wundern Jesu, der oft hoffnungslos Kranke heilte. Bei Johannes sind die Wunder Zeichen, die den Menschen auf ein außergewöhnliches Handeln hinführen wollen. Johannes wollte weniger Geschichten erzählen, wie ein Blinder geheilt werden und ein Gelähmter wieder laufen kann. Wie Wasser zur Spätlese wurde und ein verstorbener, übelriechender Lazarus aus dem Grab herauskommt. Ihm ging es um das Zeichen, das auf uns deutet. Er stellte zwischen jedem Wunder und mir eine Christus-Beziehung her. Da wurde dann nicht irgendein Blinder sehend, sondern meiner Blindheit hat Christus sehende Augen geschenkt. Meine Lähmung, mein Sterben wurde wieder ins Leben zurückversetzt. Die Wunder waren nie eine Schlagzeile für die Bildzeitung, sondern Gottes persönliches Heilshandeln an mir. Das kleine einzelne Wunder steht immer in dem großen Gesamtzusammenhang mit lebensschaffenden Kräften, die an mir wirksam werden wollen. Wo wir das Wunder als dieses Zeichen sehen, entsteht Glaube. Glaube entsteht nicht dadurch, dass ein Verstorbener aus dem Grab kommt, so spektakulär das auch sein mag, sondern entsteht, wo ich selbst durch Christus vom Tod zum Leben durchdringe. Viele haben das Wunder der körperlichen Heilung durch Jesus erlebt, doch von zehn ist nur einer zu einem echten Glauben gekommen. Er hat nicht nur Berge, Seen und Wiesen wieder gesehen, er hat Christus gesehen. Das war das eigentliche Wunder. Wunder geschehen um Glauben zu wecken. Da will Christus an müden und blinden Herzen andocken. Da hebt ein anderer Geist, unsere Herzen zu sich empor.

Wo das Wunder Glauben weckt, fängt das Leben an zu singen. Wo Augen den Christus erkennen und Ohren seine Worte vernehmen, kommt im Herzen etwas zum Klingen. Wo der erstarrte Mensch zum Leben durchbricht, wird sein Atem zum Lobpreis. Daher ist das singet dem Herrn ein neues Lied keine Aufforderung neue Gemeindelieder einzustudieren, das ist fern ab von allem frommen Krampf, sondern das Echo auf das Wunder. Die Christus-Begegnung wird zu einer neuen Melodie. Da ist das ganze Dasein neu eingestimmt worden. Das Wunder das zum Glauben wird, drängt es regelrecht zum großen Halleluja.

Wo das Leben stumm bleibt, wo nichts von diesem neuen Lied zu klingen beginnt, bleibt die Frage: Was ist aus den vielen Wundern in unserem Leben geworden? Haben wir sie nur freudig abgehakt mit einem „Glück gehabt“? Haben wir darin das Zeichen erkannt, das uns ganz neu zum Glauben führen wollte? Gehen wir grundsätzlich zu selbstverständlich mit erfahrenen Wundern um, dass sie das Herz gar nicht mehr berühren?

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Liebe heilt

Liebende Menschen, sind Gottes Antwort auf das Elend der Welt.

„Die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus!“
Jes. 58, 7

Wer liebt, dessen Herz wohnt im anderen. Wo Gott liebt, lebt sein Herz im Menschen. In aller erster Linie in den Schwachen, den Leeren und Bedürftigen, in denen, die ihm nichts zu bringen haben. Er geht auf die zu, die unter sich selbst und ihrem Leben zerbrechen. Das Defizit des Menschen zieht regelrecht sein Erbarmen an. Dem Elend der Welt stellt er eine Krippe in den Stall. Alles Sterben überwindet er durch das offene Grab. Weil Gott liebt, sind alle Katastrophen dazu angelegt zum Leben zu führen. Geliebt werden macht lebendig. Lieben heilt und baut auf. An was auch der Mensch zerbricht, da ist immer die gewaltige Gegenbewegung, des „gesund-liebens“. Das Elend und die Liebe sind ein Paar. Das ist die Botschaft allen christlichen Glaubens.

Die Liebe kann sich nicht vom Elend distanzieren. Darin ruht der Dienst der Mutter Theresa Schwestern. Sie leben jeden Morgen aus der Eucharistie, um danach, für die am Straßenrand Liegenden, zur Handreichung der Liebe Christi zu werden. Wer von der Liebe berührt wurde, muss selbst zur Liebe werden. Die Glaubenden werden dadurch in die Not der Welt hineingetrieben. Ihnen geht das Herz auf, wenn für einen anderen die Welt untergeht. Sie werden zu einem Teil der Not des anderen. Da rücken die Flüchtlinge, die Obdachlosen, die Vergessenen ganz dicht in unser Leben. Da werden mir die Menschen mit Schicksalsschlägen zur persönlichen Aufgabe. Da kann die Liebe nicht mehr schulterzuckend vorbeigehen und sagen, das geht mich nichts an. Wer liebt fühlt sich verantwortlich. Der denkt unentwegt für den anderen und überlegt sich, was braucht er jetzt, was kann ich ihm geben.

Wo die Liebe treibt, treibt sie nicht nur zu den Außenstehenden. Sie brennt auch für den Bruder und die Schwester neben mir, in einer Gemeinschaft und Gemeinde. Da kann das Elend, die für uns Schwierigen sein. Mitmenschliche Spannungen sind nichts anderes als in den Straßenrändern der Großstädte zu liegen. Da hat die Liebe die Aufgabe, eine Sprache zur Verständigung zu finden und zu lernen und nicht mit einer kalten Schulter und Ignoranz zu antworten. Wo Gott die Elenden in sein Haus führt, hat die Liebe eine spannende und herausfordernde Aufgabe.

Wir sind in das Leid der Welt gestellt, um mit Liebe zu erwärmen und zu heilen. Warum sollten wir irgendjemand diesen Dienst verwehren?

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Geläuterte Worte heilen

Je klarer das Wort, umso stärker zeigt es klare Wege auf.

„Die Worte des Herrn sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal.“Ps. 12, 7

Die Worte des Herrn haben eine ganz andere Qualität als wir sie aus unserem Miteinander kennen. Diese Worte besitzen etwas so Klares, etwas so Reines, dass sie die ganze Welt aushebeln können. Der Wert dieser Worte ist so hochwertig, dass sie Menschen damit gesund machen. Es sind Worte die bewegen, Worte, die schillern wie Edelsteine. Wo dieses Wort gesprochen wird, geht die Sonne auf. 
Wenn wir den Vergleich zu unseren Worten anstellen, stellen wir fest, unklare, unsaubere Worte reizen. Wo Worte nicht geläutert sind, haben sie verletzende Kraft. Viele Worte zerstören das Miteinander, weil sie aus Ärger und nicht aus einem reinen Herzen kommen. Wo Worte ungeprüft herausschwallen, richten sie das größte Chaos an. Wort ist nicht Wort. Wort ist nicht neutral. Die Qualität des Wortes erkennt man, was daraus entsteht. 
Gottes Wort schafft was es sagt. Es schafft den Erlöser im Leib der Maria. Es schafft die Auferstehung vom Tod. In diesem Wort liegt die ganze Heilskraft des Christus. Wo dieses Wort auf Menschen trifft, schafft es Klarheit. Es reinigt und veredelt die Menschen. Geläuterte Worte, schaffen geläuterte Menschen. Da entstehen Leuchtfeuer, die Wege aufzeigen und Spuren hinterlassen. Worte die leuchten und für andere zur Hilfe werden, können nur aus diesem Wort kommen. Unsere Worte müssen auf den Prüfstand dieses geläuterten Wortes, wenn sie die Kraft haben sollen, für andere zum Licht zu werden. Unsere Worte brauchen den Reinigungsprozess einer Edelmetall Herstellung, wenn sie versöhnen wollen. Wo dieses Wort die Kraft in uns verliert, brauchen wir uns nicht über das Konfliktpotenzial unserer Worte wundern. Im Festhalten an diesem geläuterten Wort, liegt der Wert und die Wirkung unserer Worte. Jeder Schmerz, den unsere Worte auslösen, zeigt wie notwendig eine Reinigung ist. Wo unsere Worte nicht geläutert sind, besitzen sie in den Konflikten keine heilende Kraft. Wenn dieses edle Wort des Herrn uns vereinnahmen kann, reinigen und heilen wir unser Miteinander.
Wie fest sind wir an diesem Wort, dass unsere Worte geläutert werden? 

Wohlwollen operiert heilsamer

Bis du nicht das Gute in einem Menschen siehst, bist du unfähig, ihm zu helfen.Yuval Lapide

„Du sollst deinen Bruder nicht hassen in deinem Herzen, sondern du sollst deinen Nächsten zurechtweisen, damit du nicht seinetwegen Schuld auf dich lädst.“

3. Mose 19, 17
Heute können wir jede Menge von Gottes Menschenführung lernen. Zurechtweisen ist der Wunsch, jemand zum Richtigen zu führen. Da geht es um eine Kurskorrektur im Denken und Verhalten. Das ist ein unangenehmer Eingriff in die Persönlichkeit des anderen. Eine Verhaltensänderung erfordert immer eine grundlegende Gesinnungsänderung. Da muss in der Willenszentrale ein Schalter umgelegt  werden. Somit ist das ein Eingriff am offenen Herzen. Zurechtweisen erfordert demnach höchste Sterilität und Einfühlungsvermögen. Mit einem groben Werkzeug wird die vermeintliche Hilfe zum Schaden. Je tiefer Gott in einen Menschen eindringen will, je umfassender das Umdenken und Umkehren sein soll, umso mehr dringt er in das Herz ein. Je mehr sich der Mensch verrannt hat, umso mehr will ihn die Liebe einholen. Dahinter glüht ein Feuer voller Wohlwollen. Da will der Gute das Gute. Da wird mit ganzer Kraft im anderen ein Funke gesucht, an dem sich ein Feuer entfachen lässt. Alle Gedanken konzentrieren sich darauf, wie sie dem anderen zu seinem Besten dienen können. Das Ziel allen Zurechtweisens ist das Zurechtkommen. Alle Investition dient dem Heil des anderen.
Unser Umgang mit Fehlverhalten schreit da oft zum Himmel. Bei Nachlässigkeiten starten wir auf die Palme. Parksünder müssen bezahlen. Die nicht Linientreuen bekommen den ganzen Unmut zu spüren. Schuld kann Ärger und Aggressionen wecken. Doch wenn wir Hässlichkeiten bloßstellen, machen wir uns selber hässlich. Wir machen uns dadurch schuldig, indem uns unser persönliches verletzt sein wichtiger ist, als das Zurechtkommen des andern. In dem Moment zeigen wir unsere eigene Schwäche, wo wir die Schwächen des andern verteufeln. In solch einem zurechtweisen gibt es nur Verletzte nach allen Seiten und eiternde Wunden. 
Mit der Christus-Gesinnung können wir Wunden verbinden und zum Heil beitragen. Wo die Liebe mit Geduld den anderen anfasst, können verborgene Schätze gehoben werden, die alle Beteiligten zum Leuchten bringen. 
Brauchen wir in unserem Miteinander nicht viel mehr liebende Herzen, als Trommler, die auf die Pauke hauen?

Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.

Nur tun ist echt

Großschwätzer und Eingebildete sind bedeutungslose Gestalten.
„Lasst euere großes Rühmen und Trotzen; denn der Herr ist ein Gott, der es merkt, und von ihm werden Taten gewogen.“

1. Sam. 2, 3
Was nicht zur Tat wird, hat keinen Wert, sagte Adalbert Stifter. Das was aus Gott kommt, ist für die Straße gedacht und nicht für Lippenbekenntnisse. Für Gott ist reden und tun eins. Gott ist immer Handlung. Bei Gott ereignet  und bewegt sich etwas. Gott ist die Welle, die den Surfer darauf tanzen lässt. Gott ist immer praktisch und nie theoretisch. Was er sagt, geschieht. Seine Worte verwandeln sich in tätige Energie. Gott ist ergebnisorientiert, wo am Ende etwas da steht. Seine Worte sind lebendig gewordene Liebe. Sie sind aktive Umarmung, sie sind lebensverändernde Begegnung. Seine Worte bewirken Heilung und richten geknickte  Menschen wieder auf. Bei Gott passiert etwas. Seine Dynamik ist der Pflug, der Scholle um Scholle umbricht, damit Neues werden kann.
Für Gott ist es undenkbar, dass am Ende nichts dasteht. Die Tat ist das Sigel der Echtheit. Wo nur heiße Luft gedroschen wird, ist kein Glaube. Große Lippenbekenntnisse, auf die nichts folgt, haben nichts mit Gott zu tun. Wo der Mensch nur mit eindruckvollen Worten brillieren will, entlarvt er sich als unglaubwürdig. Zu sagen, ich glaube an Gott, und man erkennt kein Brennen in Händen und Füßen, ist eine Montagsproduktion. Wieviel Frömmigkeit spielt sich in großartigen Erkenntnissen statt, die Bewunderung auslösen sollen, und letztlich nur Ausschuss produziert. Man sieht von diesen hohen Ergüssen so wenig. Wo Glaube sich nicht in liebenden Händen und Herzen äußert, offenbart er nur fromme Schwätzer. 
Im Glauben, will der handelnde Gott die Welt durchdringen. Das Erkennungszeichen der Christen sind nicht die eindruckvollen Worte, sondern das Verbinden der Wunden. Sie leben Versöhnung, mit denen, die keiner will und mag. Sie bringen Frieden in gespannte Verhältnisse. Durch sie wird eine tote Welt zum Leben erweckt. An unseren Taten wird man erkennen, dass wir durch Christus erneuerte Menschen sind. Wo man nichts sehen und spüren kann, da ist auch nichts.
Bringt unser Glaube das rechte Gewicht auf die Waage?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Ohne Leiden ist ungesund

Können wir mit Krankheit gesund umgehen?
„Ich bin der Herr, dein Arzt.“

2. Mose 15, 26
Wenn Gott Arzt ist, ist er viel mehr, als ein Allgemeinmediziner, oder ein Spezialist für Schmerzbekämpfung. Er heilt nicht in erster Linie Knochenbrüche, sondern Menschen in ihrer Ganzheit. Hier müssen wir zuerst mit einigen Missverständnissen aufräumen. Wenn Gott Arzt ist, werden nicht alle Blinden sehend, können nicht alle Tauben hören und nicht alle Gelähmten laufen. An Gott glauben heißt nicht, dass niemand mehr krank wird. Betrachten wir diesen Arzt am Leben Jesu. Jesus bittet in seinen letzten Stunden, lass, wenn du willst, diesen Kelch an mir vorübergehen. Doch der Kelch musste bis zur bitteren Neige ausgetrunken werden und führte in den Tod. Für diesen Arzt war der Tod nicht das Problem. Er dachte über das Sterben hinaus. Für das Heil, das er schaffen wollte, brauchte er den Tod, dass er ihn überwinden konnte. Somit gehörten Leiden und Schmerzen zum Krankheitsbild des Erlösers. Das Heil dieses Arztes wirkt über das Sterben hinaus. Da gehört die Kreuzigung zur Therapie. Jesus stimmte diesem Heilungsprozess zu: Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe. 
Das war die Heilungsstunde für eine kranke Menschheit. Da können Menschen in ihrer inneren Zerissenheit gesund werden. Damit können Menschen in ihrer schlimmsten Lage wieder hoffen. Da wird im Leiden etwas gesund. Wo der Tod seinen Schrecken verloren hat, werden Krankheiten erträglicher. 
Dieser Arzt will keine körperliche Unversehrtheit, sondern will in einem schmerzenden Körper gesunde Menschen. Es braucht oft die Leidenswege, dass Menschen in Gott gesund werden. Die Gesundheit die Gott anstrebt ist, dass wir zu dem, „dein Wille geschehe“ durchdringen. Und das geschieht oft nicht, wenn nur die Kochen wieder ganz sind und der Asthmaanfall überstanden ist. 
Wenn der Herr mein Arzt ist, kann ich gesund mit meinen Krankheiten umgehen. Da kann gerade das augenblickliche Leiden meinem Heil dienen.
Können wir in dem, was uns tagtäglich krank macht, erkennen, wie uns daran sein Wille geschieht, der uns gesund machen will?

Das Wort wirkt

Das Wort schafft was es sagt.
„Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“

1. Mose 1, 1
Kürzer und prägnanter kann man Schöpfung nicht mehr auf den Punkt bringen. Gott schafft, und alles beginnt zu leben. Er spricht und die Sonne geht auf. Alles was ist. ist aus dem Wort entstanden. Wer den Anfang kennt, kann erkennen wohin die Reise geht. Aus dem Anfang schlüsselt sich das Leben auf. Am Anfang war Gott. Am Anfang war das Wort. Am Anfnag war Christus als das Licht der Menschen. Das ist der Urknall der Schöpfung. Aus dem Wort, das der lebendige Christus ist entsteht alles Sein. Vom ersten Tag des Universums schafft Christus in dem Wort. Wenn Gott am Anfang die Welt erschaffen hat, dann ist der Grundstoff aller Materie das Christuswort. Dieses Wort ist nicht nur Schallwelle und gedruckter Buchstabe, sondern die höchste Form von Energie. Das Wort schafft was es sagt. 
In den Dolomiten stockt der Atem vor diesen Naturgewalten. Ein Sonnenuntergang am Meer löst eine einzigartige Faszination aus. Ein Naturfotograf rastet beinahe aus, bei den verschiedensten Charakteren von Landschaften. Geschaffen durch das Wort, ohne das Zutun des Menschen. Alle kosmischen Abläufe, jeder funktionierende Körper, vom Wort inspieriert. Unsere Tage sind viel mehr vom Wort durchdrungen, als wir überhaupt wahrnehmen. Wir sind letztlich die Wort-Gestalteten und Wort-Geprägten. Ohne dass wir das überhaupt wollen, wirkt der Christus in uns. Auf Schritt und Tritt sind wir von diesem schaffenden Wort umgeben. Wenn dieses Wort nicht wäre, hätte der Mensch die Erde längst schon zugrunde gerichtet. Allein das Wort ist es, das dem Zerstörungswillen der Menschen entgegenwirkt. Darin liegt die lebenserhaltende Schöpfermacht, die ständig erneuert. 
Schaffen Gottes lässt sich nicht aufhalten. Schöpfung erneuert täglich das Chaos. Allem menschlichen Untergang. steht der göttliche Anfang entgegen. Das Wort hat zu keiner Sekunde etwas von seiner Macht eingebüßt. Es schafft, erneuert und erlöst. Weil dieses Wort schafft, ist jeder Augenblick mit Hoffnung geschwängert. Da steht der Glaubende in einer schöpferischen Vollmacht, der in aller Vergänglichkeit das Leben weckt.
Wenn dieses Wort so voller Dynamik ist, wie können da unsere Worte mehr Kraft gewinnen?

Freundlich verblüffen

Wo die Enttäuschung regiert, kann man nicht versöhnt zusammenleben.
„Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich mit ihnen.“

1. Mose 50, 21
Trösten und freundlich reden ist zunächst nichts Außergewöhnliches. Wenn wir jedoch betrachten, wem gegenüber das geschieht, bekommt die Situation eine unfassbare Brisanz. Josef legt seinen Brüdern gegenüber ein unmenschliches Verhalten an den Tag. Seine Brüder sind nicht die netten Geschwister, sondern ganz große Halunken. Es sind Betrüger, Erbschleicher und brutale Sklavenhändler. Sie bescheißen ihren Vater, verkaufen ihren Bruder als Sklave und das alles aus Habgier und Eifersucht. 
Die freundlichen Worte treffen Nahestehende, die voller Hass sind und deren Verzweiflung über sich auf ihr Gewissen schlägt. Freundlich zum Bösen ist keine menschliche Reaktion. Zumal die freundlichen Worte aus einem zutiefst gedemütigtem Herzen kommen. Josef hätte hier allen Grund, die Faust auf den Tisch zu schlagen. Freundlich ist eine Christusgesinnung. Dahinter steht ein Gott, der mit dem Übel einen grundsätzlich anderen Umgangstil pflegt. Hier begegnet der Gute dem Bösen. Angesichts der menschlichen Schande flippt Gott nicht aus, sondern heilt das Zerstörende. Wo der Gute regiert, wird das Böse nicht vernichtet sondern verwandelt. Die Gottesliebe kann nicht hassen. Das Gute ist in sich vollkommen. Würde sie sich auf das Böse einlassen, hätte sie aufgehört gut zu sein. Mit Christus antwortet Gott allem Hass. Den zerstörenden Kräften begegnet er mit heilenden Kräften. Das Böse kann nicht mit dem Bösen aus der Welt geschafft werden, da wäre noch lange kein Gutes. 
Daher kann nur ein Verwandelter freundlich reden, um andere zu verwandeln. Gott verblüfft den Sünder mit Liebe. Dietrich Bonhoeffer sagt es treffend: „Das segnende Wort verandelt auch den, der es ausspricht.“
Ist das nicht eine umwerfende Übung, den üblen Bruder mit dieser Gesinnung zu verblüffen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.