Wenn Finsternis schreit 

Unser Jammer gehört an die richtige Adresse.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.“

Ps. 22, 2
Sich von Gott verlassen fühlen ist oft der Grund, dass wir uns zurückziehen. Wer kennt nicht die einsamen Stunden, die verzeifelten Situationen, in denen wir hilflos ausgeliefert scheinen. Da sind Tage, Wochen und Monate, in denen Gott so weit weg ist, wo überhaupt nichts zu spüren ist von seiner Macht. Alles ist so grau und so sinnlos. Da ist ein Dahinsiechen eines alten Menschen in seiner Demenz, da sind Schmerzen die kein Ende nehmen, da ist Gottverlassenheit. Eine Situation voller Nacht und Zweifel, voller Hoffnungslosigkeit. Die Bewegungen werden lethargisch, die Gedanken depressiv, hilflose Schreie verfuffen in der Leere.
Für diese Gottverlassenheit gibt es nur einen Platz, Gott selbst. Der Psalmist macht seine Nacht zum Gebet. Verlassenheit bekämpft man nicht mit Rückzug, sondern Hinwendung. Wo alles um uns Nacht ist, kann der Jammer in die Nacht nicht zur Hilfe werden, das geht nur auf dem Weg zum Licht. Wo wir uns von Gott verlassen fühlen, kann nur das Anrufen helfen. Dieses Gebet, waren Jesu letzte Worte am Kreuz. Er hat sein abgeschnitten sein von Gott, Gott geklagt. Der dunkelste Punkt der Seele gehört an das Herz Gottes. Da wird die Verlassenheit zur Erlösung. Da offenbart sich in der Finsternis Gottes Nähe. Da gibt sich Gott in der ausweglosesten Lage zu erkennen. Wer sein verlassen sein vor Gott ausklagt, erfährt wie allesdurchdringend Gott gegenwärtig ist. Verlassen sind wir nur dort, wo unsere Verlassenheit nicht zum Gebet wird. Gerade solche tiefen Wege wollen neues Vertrauen wecken. Sie wollen den Glauben fördern und in der Einsamkeit zeigen, wie nahe Gott ist.
Woher sollten sonst unsere Schreie aus der Nacht Erhörung finden?

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Unverständliches verstehen 

Um in tiefe Wahrheiten einzudringen, bedarf es eines  Vergrößerungsglases.
„Ich bin der Herr, dein Gott, von Ägyptenland her. Einen Gott neben mir kennst du nicht, und keinen Heiland als allein mich.“

Hos. 13, 4
Jedes Jahr am Passafest feiern die Juden den Auszug aus Ägypten. Ein Jahresfest, wie für uns die deutsche Einheit. Wenn Gott den Blick auf diese Geschichte lenkt, manifestiert er seine Herrschaft. Er zeigt wer er ist. Das ist Pfingsten. An Pfingsten erkennt der Mensch Gott. Pfingsten ist das Wunder, dass der Geist dem Menschen Gott groß macht. Da leuchtet die ganze Bandbreite, von Gottes Handeln auf. Durch den Geist, erkennt ein Mensch die Dimension Gottes. Er erkennt den Schöpfer der Geschichte, den Erlöser, den Töster, den Herr des Wortes und die Macht der Liebe. Das ganze Spektrum göttlicher Vielfalt macht der Geist sichtbar. Wie mit einem Vergößerungsglas, rückt er die Farbigkeit Gottes in den Mittelpunkt. Der Geist ist das Vergrößerungsglas, um Gott zu erkennen. Dieses Brennglas fokusiert auf Christus und das Wort. Durch den Geist leuchtet Gottes Heilsgeschichte auf. Da kann der Mensch die Zusammenhänge des Reiches Gottes erkennen. Da wird Christus groß, der das Miteinander mit Gott in Ordnung bringt. 
Der Geist führt die Erinnerung nach Ägypten zurück. Darin lässt sich erkennen, wie nahe Gott in der Fremde, in der Gefangenschaft, in der Sklaverei ist. Der Geist zeigt den roten Faden seines wohlwollenden Handelns durch alle Wüsten. Gerade über den Weg durch die Dürrezeiten, geht er auf Christus zu. Durch den Geist kapieren wir, dass es bei Gott keine schwarzen Löcher gibt. Da ist selbst die schrecklichste Zeit, in der man sich von Gott verlassen vorkommt, eine heilige Zeit, in der Gott handelt. Der Geist führt in diese Wahrheit hinein, dass Gott in der scheinbaren Gottlosigkeit gegenwärtig ist. Kein Augenblick ist ohne Erlösung, ohne Heil und ohne Christus. Dort wo der natürliche Mensch nur schwarz sieht, erkennt man durch den Geist den Regenbogen, der schillernd am schwarzen Himmel steht. Wir sind in keiner Situation dem Untergang preisgegeben, das dürfen wir an Pfingsten erkennen.
Wenn uns dieses Erkennen so groß vor Augen gemalt wird, wie können wir da noch glauben, Gott hätte uns vergessen?
Gesegnete Pfingsten wünsche ich euch.