Feierliche Abwechslung

Ein Leben ohne Sonntag ohne ein Fest, ist wie ein langer Weg ohne Einkehr.

„Ich gab ihnen meine Sabbate zum Zeichen zwischen mir und ihnen.“

Hes. 20, 12
„So nehmen wir Licht von diesem Licht, und tragen es zum Zeichen für dich Christus in die Dunkelheit dieser Welt und zu unseren Brüdern und Schwestern.“ Dieses Wort sprechen die Liturgen Brüder der Bruderschaft beim Entzünden des Lichtes, mit dem in den Gottesdienst eingezogen wird. Der jüdische Sabbat und der christliche Sonntag ist mehr als eine Ruhepause und Unterbrechung der Arbeitswoche. Am Sabbat geschieht etwas zwischen Gott und den Menschen. 7 ist eine heilige Zahl in der Bibel. Mit 6 + 1 wird etwas vollkommen. Da wird nicht nur der Tagesrhythmus auf angenehme Weise durchbrochen, sondern mit dem 7. Tag kommt die Schöpfung zur Vollendung. Arbeit und Gottesbegegnung ist eine schöpferische Einheit. Am 7. Tag ruht Gott selbst in sich. „Und Gott sah, dass es so gut war.“ Darin ruht der Auftrag von Sammlung und Sendung. Ohne den Ruhetag, den Begegnungstag für das Innehalten vor dem Heiligen ist die Woche nur halbfertig. Der Sonntag hat eine zentrale Bedeutung für die Arbeitstage. Nicht umsonst hat die Feiertagsheiligung einen Platz in den Geboten gefunden. Das ist keine Empfehlung oder guter Rat, sondern das hat elementar mit dem Menschsein zu tun. Da feiert die christliche Kirche das Licht, das in die Welt kommt. An diesem herausgenommenen Tag will Gott dem Menschen Gutes tun. Wort und Sakrament haben an keinem anderen Tag der Woche solch einen Stellenwert wie am Sonntag. Der Arbeit ist ein Festtag dazu geschenkt. Es ist ein besonderer Gott-Offenbarungstag. Ein Leben wird arm, wo dieses anvertraute Gut keinen Platz mehr findet. Daher ist es äußerst bedenklich, den Sonntag einem Arbeitstag gleichzuschalten. Der Mensch beraubt sich seiner Höhen und Tiefen und begnügt sich mit der Mittelmäßigkeit. 
Den Sonntag als weiteren Geschäftstag zu nutzen ist langfristig weder für die Wirtschaft noch für die Menschen ein Gewinn. An der Bedeutung, die dem Sonntag gegeben wird, lässt sich Lebensqualität ablesen. Der Atem kennt eine Ruhephase, der Puls hat seinen Rhythmus, nur der Mensch versucht immer wieder einem gesunden Rhythmus entgegenzuwirken. Wo wir uns der Sonntage berauben, hört irgendwann das Herz auf zu schlagen.
Ist das nicht gerade auch eine Anfrage an unser Service-Denken, das das 24/7 Prinzip zum Standard erklärt?

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Allein das Wort

ohne Hunger nach dem Wort, verdurstet aller Glaube.
„Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde, nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn, es zu hören; dass sie hin und her laufen und des Herrn Wort suchen und doch nicht finden werden.“

Amos 8, 11-12
Amos legte seinen Schwerpunkt immer auf das Wort Gottes. Es ist Dreh- und Angelpunkt der Gottesgeschichte mit den Menschen. An der Haltung zu diesem Wort steht und fällt die Kirche. Wo das Wort nicht mehr die Grundlage ist, entsteht die Verirrung. Das erlebte das Volk Israel, und Petrus kam zu der Erkenntnis, nur dieses Wort, stellt in die Dimension des ewigen Lebens. Luther kämpfte um  „allein das Wort“, das den Glauben ausmacht. Als diese Grundlage verlassen wurde und die Reformation mit Druck und Gewalt durchgesetzt werden sollte, verlies er sogar sein Versteck auf der Wartburg und predigte wieder „das Wort“. Ohne das Wort irrt der Mensch in jeder Mission. Gott wohnt in dem Wort, das von ihm ausgeht. Ohne das Wort, ohne den Christus,, der das lebendige Wort ist, kann es nicht zur Gottesbegegnung, kann es nicht zum Glauben kommen. Menschen können im Leben alles ausprobieren, sie können nach Wegen zu Erfüllung suchen, sie bleiben ohne das Wort durstig. Wo der Hunger und Durst nach dem Wort aufhört, vertrocknet die Seele. 
Der Glaube kommt einzig aus dem Wort. Wo in der Kirche nur mehr oder weniger interessante Geschichten erzählt werden, verarmt und verhungert sie. Das was Glaube aufbaut und fördert, kann nur von Gott selbst kommen und das geschieht im Wort. Selbst der Hunger nach dem Wort, kommt aus dem Wort. Nur im Wort erkennen wir Gott.
Heute ist der Sonntag Invokavit, das heißt, dass uns Gott mit seinem Wort ruft. Wie hungrig und durstig sind wir nach diesem Wort?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Zur Ruhe kommen ist schöpferisch

Gute Ordnungen wollen befreien, nicht eingrenzen.

„Sechs Tage sollst du arbeiten; am siebenten Tage sollst du ruhen.“

2. Mose 34, 21



Was sollen in einer pluralen Gesellschaft derartige Bestimmungen? Per Gesetz und Vorschrift die Tage zu zählen und festzulegen, was wann gemacht werden soll.
Mit der Regel von 6 Tagen Arbeit und 1 Tag ruhen, dient Gott dem Menschen. Menschen sind weder Maschinen noch für´s Nichtstun bestimmt. Arbeit und Ruhe ist ein Lebensrhythmus, wie einatmen und Ausatmen. Sieben ist in der Bibel eine heilige Zahl, die für Vollkommen und Vollendung steht. Somit sind sechs Tage Arbeit die Grundlage, dass wir am siebten Tag die Erfüllung finden. Eine Gott gegebene Einheit, in der Menschen ihre Bestimmung finden. Im siebten Tag liegt der Raum der Begegnung, mit Gott und den Menschen. Somit liegt wahrer Gottesdienst, in der Ausgewogenheit von Arbeit und Ruhe, zwischen Kontemplation und Aktion.
Wo solche Ordnungen durchbrochen werden, werden Menschen zu Sklaven der Arbeit oder der Freizeit. Wer keine Unterbrechungen und Erholungsphasen bei seiner Arbeit mehr kennt, wird zum Getriebenen seiner Geschäfte. Wer nur noch Ruhe kennt, nicht mehr arbeitet oder arbeiten kann, kommt sich schnell überflüssig vor und findet keine Erfüllung.
Nicht eines ohne das andere. Gott schenkt dem Menschen Freiheit, durch klare Maßstäbe und und gute Ordnungen. Gute Arbeit darf in Gott zu Ruhe kommen und in ihm neue Kraft schöpfen. Gute Arbeit lebt vom siebten Tag, bei dem wir bei Gott zuhause sind. Gott baut uns durch einen schöpferischen Rhythmus auf.
Tun wir uns wirklich etwas Gutes, wenn wir diese Ordnungen durchbrechen?

Eine gute Nacht 

eine Nacht kann endlos schöpferisch sein.
„Gott, wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.“

Ps. 63, 7
Das klingt wie eine herzzerreißende Liebeserklärung. Gedanken, Empfindungen kreisen um Gott. Eine Innigkeit und Unzertrennlichkeit, die man nur von frisch Verliebten kennt. Die Nacht als Gottesbegegnung. Die Nacht als ein Versenken in die Tiefen des Daseins. Die Nacht führt uns sowieso in eine fremde Welt des Unterbewusstseins. Weit weg von allem Tagesgeschehen, löst sich der Druck von Ereignissen und Terminen. Erholung in einer anderen Welt. In der Nacht sind wir dem endlosen Sein am Nächsten. Man könnte schon sagen, da berührt uns ein Funke der ewigen Welt. Der Sekundenzeiger löst sich in der Unendlichkeit auf.
Wenn wir wach liegen, können wir uns in der zeitlichen oder ewigen Welt aufhalten. Warum quälen wir uns oft mit den vergangen Dingen des Tages, oder den Sorgen für morgen? Wir liegen; eben nicht schlafend sondern wach. Wir arbeiten nicht, sondern liegen nur. Weit weg von dem, was uns am nächsten Morgen wieder beschäftigen wird. Wir liegen wach, gehen dann mit unseren Gedanken entweder zurück oder voraus und schaffen dadurch Unruhe. Bleiben wir doch im Jetzt. Bleiben wir in der Nacht. Öffnen wir uns der endlosen Gegenwart Gottes. Suchen wir Christus im Herzensgebet; Jesus Christus erbarme die meiner. Tauchen wir in den formlosen Raum ein, wo sich die Gedanken in der heiligen Gegenwart der Nacht verlieren. Legen wir alles Gegenständliche von gestern und morgen ab und empfinden den tiefen Reichtum einer Gottesbegegnung. Wo wir solch eine nächtliche Praxis einüben, können unsere schlaflosen Stunden schöpferisch werden.
Warum sollten wir Angst haben, wenn wir wach liegen?

Ist unsere Stille fruchtbar?

die Einsamkeit gebiert Hingabe.
„Ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich!“

Jes. 6, 8
Es sind heilige Stunden, wenn wir Gottes Stimme hören. Die stillen Begegnungen mit ihm verändern Menschen. Da fallen tiefgreifende Entscheidungen. In der Einsamkeit mit Gott, offenbart sich unser Menschsein. Die Stille ist der Raum, in dem Gott ans Eingemachte geht. In der Stille stellt Gott seine Fragen an uns. Dadurch soll in uns etwas aufbrechen. Öffnung zu Ihm wird zur Beauftragung an anderen. Wo wir uns Gott öffnen, werden wir gleichzeitig zum Nächsten geschickt. Gottesbegegnung ist kein Selbstzweck, sondern bringt uns in Bewegung. Gottes Reden ist nicht nur Selbstbestätigung, sondern Aufbruch. In dieser einsamen vertrauten Runde mit Gott flüchten wir nicht aus der Welt, sondern werden in die Welt geschickt. Die Stille vor Gott ist kein Kuschelprogramm, in dem wir die Härten des Lebens abstreifen, sondern die Zurüstung für die Härten. Wo Gott spricht, sucht er Diener. Er will nicht unser Ego pflegen, sondern uns zum Nutzen machen.
Was wächst in den stillen Stunden mit Gott? Ist die Einsamkeit mit Gott eine Abgrenzung von allem Schweren, das uns umgibt? Ist die stille Zeit Aufbruch oder Selbstbespiegelung? Können wir die Einsamkeit noch ertragen, in der Gott seine Fragen an uns stellt? Werden wir in der Stille zu Dienern oder Forderern?
Gott will uns geschmeidig und beweglich machen unter seinem Wort. Der Segen, den wir aus der Stille erfahren bleibt nicht bei uns, sondern wird zum Segen für alle.
Sind wir bereit uns senden zu lassen, oder verbrauchen wir die Güte für uns selbst? Wird aus unser unserer Stille ein Nutzen für andere geboren?

Gottesdienst unter Geschlagenen 

wo die Achtung vor Gott steigt, verändert sich unser Menschenbild.
„Du sollst den Tauben nicht fluchen und sollst vor den Blinden kein Hindernis legen, denn du sollst dich vor deinem Gott fürchten.“

3. Mose 19, 14
Wo wir in die Nähe Gottes rücken, werden menschliche Beziehungen anders. Gottesgegenwart prägt. Gott zu fürchten, Ehrfurcht vor ihm zu haben, konfrontiert uns mit einem neuen Leben und Denken. Sich Gott zu öffnen, attakiert das Alte in uns. Wo wir an der Beziehung mit Gott arbeiten, hat das immer Auswirkung auf die Beziehung mit Menschen. Wir können nicht Gott fürchten und von Menschen abrücken. Gottesfurcht setzt gleichzeitig eine Bewegung zum Nächsten in Gang. Gerade zu den Menschen, mit denen wir nicht können, von denen wir uns lieber zurückziehen, die bei uns wenig Achtung finden. Genau die Begrenzten, die Ungemütlichen, die sich selbst nicht helfen können legt uns Gott ans Herz. Wir sollen uns nicht über die Schwachen ärgern, sondern ihnen die Hindernisse aus dem Weg räumen. 
Gottesfurcht hat eine soziale Komponente. Solange wir auf dieser Erde leben, ist Gottesbegegnung nicht nur auf die neue, zukünftige Welt Gottes fixiert, sondern hat eine starke Bodenhaftung in dieser Welt. Gottesbegegnung findet gerade in der gefallenen Welt unter gefallenen Menschen statt. Unser täglicher Gottesdienst findet nicht  in einer abgegrentzen, frommen Scheinwelt statt, sondern mitten unter Heilsbedürftigen und vom Leben Geschlagenen. Gott zu fürchten erhebt uns nicht aus dem Elend, sondern führt uns mitten in die Not der Menschen. Mit der Furcht vor Gott, wächst die Furcht vor dem erlösungsbedürftigen Geschöpf. Die Liebe zu Gott, erwärmt das Herz für die, die diese Liebe am Nötigsten haben. 
Sind wir bereit, den Blinden die Hindernisse aus dem Weg zu räumen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Schriller Wecker hilft zu goldenen Momenten

manche Stunden haben eine ganz besondere Weihe.

Herr, frühe wollest du meine Stimme hören, frühe will ich mich zu dir wenden und aufmerken.“
Ps. 5, 4

Der Morgen hat einen einzigartigen Flair. Auch für die Gottesbegegnung liegt auf dem Morgen eine besondere Verheißung. Es ist nicht egal, wenn man sich zu ihm aufmacht, auch wenn er immer da ist und immer ansprechbar. Der Morgen hat den jungfräulichen Sound eines Schöpfungstages. Es ist der Anfang eines unverbrauchten neuen Tages. Es ist wie ein aufgeschlagenes Buch mit unbeschriebenen Seiten, das gefüllt werden will. Der Morgen ist wie die Auferstehung, die alle Nacht überwunden hat. Es ist der Aufbruch in einen Tag, dem ich durch das ‚wie‘ meines Startes, die Richtung gebe. Selbst die Wissenschaft entdeckt die Kraft, die im Morgen liegt und rät, diese kostbaren Stunden bewusst auszuschöpfen.

Für den Glaubenden sind es heilige Momente, wenn in dieser Geburtsstunde, Gott Raum findet. Gebet braucht den Ort, der nicht schon mit vielen anderen Eindrücken überlagert ist. Das Wort will uns formen, bevor unser Tag uns formt. Gott will in uns eindringen, damit unsere Handlungen von ihm durchdrungen sind. Diese heiligen Momente prägen den ganzen Tag. Was sich am Morgen abspielt, ist der Grundton, der in einem aufregenden Tag trägt.

Nach den Schrecken der Nacht, will Gott aufbauen, Mut machen, Hoffnung wecken und das gelingt dort, wo wir den Morgen nicht verschlafen.

Ist es da nicht gut, unserem alten Adam einen schrillen Wecker zu stellen, um solche goldenen Augenblicke nicht zu verpassen?