Gerechtigkeit macht verletzungssicher

Oft werden Menschen krank, weil andere sie beleidigen und missachten.

„Gerechtigkeit und Recht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue treten vor dein Angesicht.“
Ps. 89, 15

Ungerechtigkeit und Unrecht treffen mitten ins Herz. Mit Intrigen werden Leben ruiniert. Mit Verleumdungen, Menschen schachmatt gesetzt. Verdrehte Worte machen krank. Ungerechte Behandlung im menschlichen Miteinander schafft Aufruhr. Wo Menschen sind, geht es verletzend zu, weil für das Recht der umfassende Blick fehlt. Gerechtigkeit steht für die Wahrheit auf beiden Seiten. Kein Mensch kann diese Wahrheit für sich selbst beanspruchen. Der Psalmbeter erkennt, dass Gerechtigkeit und Recht in einer weit höheren Instanz liegt. Gott in seiner Existenz ist wahr und gerecht. Hier liegt der Maßstab, für das was richtig ist. Hier ist die Ruhe in aller Unruhe. Wo Gerechtigkeit regiert, beginnt das Aufatmen. Wo Gott zum Richtigen führt, beginnt Heilung. Unheil ist die Frucht der Ungerechtigkeit. Mit Christus antwortet Gott auf die Ungerechtigkeit. Wo Gott im Menschen zu seinem Recht kommt, heilen die durch das Unrecht erlittenen Schmerzen. Mit Christus kann der Mensch in einer ungerechten Welt leben. Weil Gott Recht schafft, kann das Unrecht nicht mehr verklagen. Das ist die Gnade, die aus einer höheren Gerechtigkeit leben kann. Diese Gnade bleibt zu allen Zeiten an unserer Seite. Es ist ein riesen Geschenk, wenn Lügen nicht mehr krank machen können. Es ist ein halb Himmelreich, wenn Unwahrheiten ihre verletzende Kraft verlieren. Wo wir bei dem Gerechten zuhause sind, verliert das Unrecht seine lähmende Macht.

Diese Wahrheit brauchen wir für alles belastende Miteinander. Wenn wir unsere Verletzungen betrachten, die jeder mit sich herumschleppt, erkennen wir, das unbewältigte Unrecht, das uns zu schaffen macht. Enttäuschungen, Beleidigungen, Unwahrheiten, das ganze Programm menschlicher Ungerechtigkeiten, belasten das Gemüt und machen unfrei. Wir quälen uns wegen böser Worte zu oder über uns. Wir leiden an dem Unrecht, das an uns geschehen ist. Ein Geschwür, das sich immer tiefer frisst, bis wir nicht mehr können. Es ist die größte Gnade, wenn hier die Gerechtigkeit Gottes ins Spiel kommt. Sie will herauslösen aus dem auffressenden Krampf der Ungerechtigkeit. Bei manchen Gerichten können wir lange warten, bis uns Recht zugesprochen wird. Wer sich in Christus rehabilitieren lässt, braucht auf keine andere Gerechtigkeit mehr warten. Da können Wunden ausheilen, auch mitten im Unrecht. Da kann jemand Böses wollen, doch damit nicht mehr verletzen. Die Gerechtigkeit in Christus stabilisiert geschlagene Gemüter. Dieses Geschenk des Himmels ist das stärkste Heilmittel in aller Ungerechtigkeit.

Wenn wir solch eine Gnade haben, was will uns dann verletzen?

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Stadt der Freude

11.02.18 – Amos 5, 21-24

Stadt der Freude

Der Romanautor Dominique Lapierre nennt Kalkutta „Stadt der Freude“ und beschreibt damit das positive Lebensgefühl der Menschen in dieser Stadt, das westlichen Beobachtern rätselhaft erscheint. Da gibt es das Phänomen Ganges. Außer Menschenleichen landen Tierkadaver, Kot, ungefilterte und giftige Abflüsse industrieller Betriebe im Fluss. Dementsprechend ist das Wasser an vielen Stellen des Ganges verseucht: Werte von 1,5 Millionen Kolibakterien pro Zentiliter sind keine Seltenheit – erlaubt sind in Indien 500. Trotzdem gehen Millionen Menschen in Kalkutta täglich in den Fluss um sich zu waschen, die Zähne zu putzen oder sogar um das Wasser zu trinken. Normalerweise müssten Seuchen und ein Massensterben die Folgen sein, was jedoch nicht der Fall ist.

Wissenschaftler untersuchten dieses Wasser und stellten fest, dass dieses Ganges-Wasser von Himalaya-Wasser angereichert ist. Wasser kann Informationen speichern. Informationen sind Schwingungen und Schwingungen können sich überlagern. Es gibt Töne, die andere Töne übertönen und überlagen und dadurch in den Vordergrund rücken. Somit überlagert das „gute Wasser“ das verunreinigte Wasser, und nimmt ihm die schädigende Wirkung.

Etwas Quantenphysik, das uns den heutigen Text näherbringen soll.

 

  1. Die Durchströmten

24b Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluss. 

Wenn Gott das Land mit Recht durchströmt, geht es um eine hoch brisante Information. Recht und Gesetz, das beim Menschen eher Widerwillen auslöst, hat einen Gehalt, der allen menschlichen Unrat überlagert. Darin liegt eine Macht, die das Schädigende unschädlich macht. Wo das Recht strömt, will nicht das Gesetz gesetzlich machen, es will kein Zwang einem strengen Gott unterwerfen, es will genau das Gegenteil von dem auslösen, was wir befürchten. Im strömenden Recht, kommt Gott im Menschen zu seinem Recht. Da durchströmt die Gnade den Sünder. Das ist der Beginn des Christus im Menschen. Mit Christus wird die Selbstgerechtigkeit überlagert. Da hat die Selbstreinigung, die Selbstdarstellung ein Ende, weil die reinigende Kraft durch die Christusinformation wirkt. Da wird die Gnade zur bestimmenden Macht. Wo das Recht strömt, muss kein Mensch mehr um sein Recht kämpfen und kein Recht mehr schaffen. Ab diesem Moment ist nichts von menschlicher Leistung und Zustand abhängig. Da fließt auf den Menschen etwas zu, das ihn durchdringt. Da müssen keine Untaten verdeckt und kein Dreck versteckt werden. Da bleibt Jauche nach wie vor Jauche, hat aber die Information vom Quellwasser. Da löst sich aller fromme Krampf, etwas sein zu wollen, was wir gar nicht sind. Das Gesetz befreit von gesetzlicher Frömmigkeit. Das Recht Gottes fließt um dem Menschen zu dienen.

Der gesetzliche Mensch dreht genau das um. Martin Schleske, der Geigenbauer sagt: „Er versucht, seinem Leben Sinn zu geben, indem er das Gesetz hält, und glaubt so, sich bei Gott etwas zu verdienen.“ Der Glaubende lebt aus dem Recht, doch nicht aus dem, das es selber schafft, sondern aus dem, welches ihn durchdringt. Der Glaubende bleibt Sünder, er bleibt verseuchter Mensch, der jedoch durch den Durchströmenden unschädlich und gerecht gemacht wird. Durch die Quelle wird er selbst zum Trinkwasser. Christus steigert die Qualität des Menschen.

  1. Die Verseuchten

21 Gott sagt: »Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie mir, eure Opferfeste verabscheue ich. 22 Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere mästet, um sie mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig. 23 Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem Harfengeklimper.

Amos bringt hier gewaltige Misstöne zum Klingen. Gottesdienst als fromme Show. Perfekte Abläufe, die bist auf´s Letzte durchgedrillt sind, beeindruckende Opfer, gnadenlose Hingabe, Rituale wohldurchdacht und faszinierend – alles Bluff. Mit äußerlich funktionierenden Abläufen, wird ein stimmiges Inneres suggeriert – alles Beschiss. Starke Formen, ohne prägende Kraft. Wasser, es sieht nach Wasser aus, ist jedoch tot. Gottesdienst als Selbstzweck und Alibi.

Lieber Gott, wir machen dir mal etwas Ordentliches vor, an dem du deine helle Freude haben wirst. Perfektion ohne Herz. Feier um Gott, in der Gott keinen Platz hat. Die Quelle darf nicht strömen, weil sich das Land in sich selber suhlt. Ihr seid nach wie vor dieselbe Pampe, die für mich ein Brechmittel ist. Weil ihr euch alle wichtiger seid, habe ich nichts mehr zu melden. Gottesdienst ohne Gott. Die Gesetzlichkeit feiert ihre selbstgerechten Triumphe. Jeder lebt sich selbst, doch nicht mehr in der Realität Gottes. Bei dem was wir machen, sind wir mit den Gedanken wo ganz anders. Vor lauter Selbstbetrug, bleibt die durchdringende Liebe vor der Türe. Gott will zu seinem Recht verhelfen, will in seine Wahrheit stellen und wird von Lobgesängen der Selbstdarstellung übertönt.

Mein geliebter Geigenbauer sagt: „Das nicht liebende Herz aber stellt die Selbstgerechtigkeit über das Recht, die Selbstzufriedenheit über den Frieden, das eigene Recht über die Versöhnung, usw.“ Wo wir uns selbst im Gottesdienst suchen, unser Wohlbefinden, eine schöne fromme Atmosphäre, belügen wir Gott und uns selbst. Wo das Recht, wo Christus nicht zu einer inneren Ordnung wird, wird jede Suche zur Sucht. Menschen die sich nicht der Wahrheit und der Realität Gottes stellen, werden im Inneren von Selbstsucht zerstört; eine Gemeinschaft, die ihr Herz verliert, wird im Äußeren durch Ungerechtigkeit zerstört. Recht und Liebe sind die inneren Größen des Glaubens, es sind die harmonischen Gegensätze, die sich im Äußeren des gemeinsamen Lebens zeigen!

Wir machen uns zu frommen Narren, wenn wir die Einhaltung von Ritualen zum Gesetz erheben. Nicht wir sind die Macher unseres Lebens, nicht wir bestimmen wo´s lang geht. Nicht das fetteste Opfer, nicht das engagierteste Harfengeklimper macht uns gerecht, sondern Christus durchströmt die Verseuchten.

  1. Die Erneuerten

24 setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein!

Wenn Christus sein Recht am Glaubenden schafft, hat der Glaube nichts mehr mit Rechtschaffenheit zu tun.

Sich für die Gerechtigkeit einsetzen heißt:

die Gerechtigkeit ist bereits da

ich lasse die Gerechtigkeit an mir zu

ich brauche nicht etwas anderes schaffen wollen

weiter heißt es:

ich akzeptiere meinen Ist-Zustand

ich stelle mich zu der Wahrheit die ich bin

ich will weder etwas anderes sein, noch etwas anderes tun als ich bin.

Die Gerechtigkeit will in dem sein, was jetzt gerade in meinem Leben ist. Wir brauchen nicht mehr aus unserer Situation herauszuflüchten. Glaube lässt im Hier und Jetzt eine fremde Gerechtigkeit an sich zu. Es muss die Gerechtigkeit, die Barmherzigkeit, die Liebe fließen, damit unsere Harfe klingt. Die Gerechtigkeit ist Dreh- und Angelpunkt aller christlichen Existenz. In dieser Gerechtigkeit liegt Gottes ganzes Erbarmen mit den Verseuchten. Darin liegt die Wasserverwandlung durch Christus. Da werden die Grundvoraussetzungen umgekehrt. Nicht Opfer, weil ich muss und soll, sondern weil ich will und kann. Nicht Harfenklang weil ich klinge, sondern weil Christus zu klingen beginnt.

Wo die Gerechtigkeit berührt, bin ich bereit für das Heil, das in diesem Augenblick, an dieser Stelle, an mir geschieht. Die Gerechtigkeit macht uns authentisch. Da beginnt ehrlicher, lebendiger Glaube. Da fließen frische und erneuerte Kräfte, die keinen Leistungsdruck und Selbstdarstellung brauchen. Sich für die Gerechtigkeit einsetzen bedeutet, das Ja zu eigenen Schicksalshaftigkeit. Gerade dieser, mein elender Zustand jetzt, den ich gerne ganz anders hätte, ist der Ort größter Glückseligkeit. Die Liebe wird zu unserem inneren Recht, das das Land durchdringt.

Unser Lebensauftrag ist dadurch keine Pflichterfüllung und kein Weglaufen mehr, weil wir zum Teil des nie versiegenden Flusses geworden sind, der verseuchtes Wasser zum Trinkwasser macht. Dann wird in unserem Opfer das Bittere süß. Unser Gottesdienst und unser Leben wird zu einer Verwandlungsstation, in der Christus alles wandelt.

Wo die Liebe zu fließen beginnt, werden die Slums zur Stadt der Freude.

Umkehren befreit

Es ist ein halb Himmelreich, wo Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.
Der Herr hat mich gesandt, zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unseres Gottes“

Jes. 61, 1,2
Gott schafft Umbrüche; radikale Umdenkprozesse, bei denen nichts mehr beim Alten bleiben wird. Er agiert wie ein innovativer Unternehmer. Ganz nach dem Prinzip: Wenn dein Pferd tot ist, steig´ ab. Wo die Sache mit den Menschen aus dem Ruder läuft und zu sterben droht, reißt er das Ruder herum. Gott steht für den Bau seines Reiches, einer großartigen Idee, die durch nichts zu toppen ist. Dieses Ziel hat er nie aus den Augen verloren. Herrlichkeit ist das Maß all seiner Dinge. Diesen Kurs will er aufrecht halten, auch dort wo ihm seine Schöpfung durch die Finger zerrinnt. Mit Christus schafft er die Wende, wo sich die Menschen verrannt haben. Da findet eine umfassende Kurskorrektur statt, wo das Unrecht regiert und die Mitarbeiter die Grundlagen des Unternehmens verlassen haben. In der Rache liegt der unbändige Wille, wieder auf Kurs zu kommen und Recht zu schaffen. Ein Tag Rache zu einem Jahr Gnade ist eine noch nie dagewesene Strukturwende. Da legt sich ein Unternehmer derart ins Zeug, dass eine menschlich unerreichbare Zielerfüllung über einen Bonus erreichbar ist. Durch Christus ist der Mensch zu größten Umdenkprozessen in der Lage. Er erkennt seine eingeschränkten Gedanken und sein zu kurz geschossenes Verhalten. Darin liegt die Gnade eines Neuanfangs. Das versteht die Bibel als Buße und Umkehr.
Wo das Ziel Herrlichkeit ist und wir in der Niedrigkeit stehen, ist in Christus die Wende aus dem Irrtum. Diese Gnade haben wir, dass wir in jeder Situation ausbrechen und umbrechen können. Mit Christus durchbrechen wir die aussichtslose Lage unseres Lebens. Wo wir das annehmen, geht die Hoffnung nie aus. Da sind wir nie am Ende, auch wenn all unsere Kräfte versagen. Ab diesem Moment brauchen wir uns nicht mehr wegen unserer Schwachheit zu schämen oder wegen unseres Versagens ins Unglück stürzen. Der Beginn dieser Wende ist die schlichte Zuwendung zu Christus. Damit entsteht mitten in unserem Chaos ein Stück dieser Herrlichkeit.
Ist somit Umkehr und Umdenken nicht ein fast magischer Begriff für Freiheit und Erneuerung?

Gerecht Gemachte verbreiten Lebensmut

Wem Lasten abgenommen wurden, der kann mit anderen gönnerhaft und großzügig umgehen.
„Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit; denn mein Heil ist nahe, dass es komme, und meine Gerechtigkeit, dass sie offenbar werde.“

Jes. 56, 1
Was der Prophet hier ankündigt, ist der größte Befreiungsschlag für die Menschen. Da ist schlagartig ein Berg von Schulden weg. Gott entsorgt Unrecht und Unheil. Gott tritt mit ganzer Macht, der Misswirtschaft der Menschen entgegen. Wo seine Gerechtigkeit offenbar wird, schafft er mit Christus eine Neuschöpfung im Chaos. Er ordnet das aus dem Ruder gelaufene, in „das Richtige“. Wo Heil kommt, verbindet die Liebe die Wunden, die der Eigensinn geschlagen hat. Offenbarende Gerechtigkeit, lässt schäumende Gemüter zur Ruhe kommen. In allem Aufbäumen, in allem innerlichen Kochen über erfahrender Ungerechtigkeit, kommt die Gewissheit, dass Gott Recht schafft und Unrecht zur Verantwortung zieht. Gott lässt keinen Zweifel daran, dass er die höchste und letzte Instanz über allem ist. 
An allen Ecken und Enden schreit das Unrecht zum Himmel. Wir stöhnen, wie selbst staatliche und politische Systeme, die für Recht und Ordnung verantwortlich sind, nur aus Macht- und Eigeninteresse handeln. Es ist unfassbar, wie unser Gesundheitssystem krank macht, weil es die Hilfe verwehrt, die Menschen wieder auf die Beine bringen würde. Doch allem Anschein zum Trotz, haben die Machenschaften der Menschen nicht das letzte Wort. Gerechtigkeit Gottes beginnt nicht in ferner Zukunft. Dieses Wort vertröstet nicht auf bessere Zeiten, die irgendwann mal kommen werden. Wo Christus ist, werden Menschen gerecht gemacht. Wer dieses Zurechtbringen erfährt, tritt dem Unrecht entgegen. Die Glaubenden sind gerecht Gemachte, die zu Brückenköpfen von Gottes Gerechtigkeit in dieser Welt werden. Wir sind Boten und Diener von Recht und Gerechtigkeit. Wie das praktisch aussieht sehen wir bei Paulus: „Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auf das, was dem andern dient.“ Im Liebesdienst am Nächsten, erfährt dieser das Heil im Unrecht. Wer den Christus bringt und für andere zum Christus wird, übt Gottes Gerechtigkeit an den Menschen aus, und befreit sie aus dem quälenden Druck des Unrechts. Das ist der Dienst des Aufatmens.
Schaffen wir mit solch einem gönnerhaften Dienst nicht Hoffnung und Lebensmut?  

Barmherzigkeit baut auf

Nur wenn sich einer über uns erbarmt, können wir gerecht werden.
„Wir liegen vor dir mit unserem Gebet und vertrauen nicht auf unserer Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit.“

Dan. 9. 18
Gerechtigkeit und Gnade waren Luthers großes Thema. Daniel hatte die große Erkenntnis: So wie ich bin, kann ich Gott nicht genügen. Und wer ernsthaft glauben will, stellt immer wieder fest, dem, was Gott mit mir vor hat, kann ich nicht gerecht werden. Da klafft eine riesige Lücke. Wir müssen immer wieder entdecken, wie wenig wir zu echter Liebe in der Lage sind. Der Mensch steht vor Gott immer in seinem Mangel und seinem Defizit. Da ist keiner, der sich heilig sprechen könnte.
Wir vertrauen auf Erbarmen. Wir werden heilig und gerecht durch Gottes Anteil, der er zu unserem Leben dazu gibt. Christus ist Gottes Auffangbecken für Ungerechte. Mit ihm holt uns das Erbarmen ein. Die Barmherzigkeit befreit den Sünder vom schuldig sein. Das ist die einzige Wiedergutmachung von Übel. Vor Gott kann sich kein Mensch, durch noch so gute Leistungen etwas verdienen; einzig dass Gott durch Christus auf ihn zukommt. Nicht unsere frommen Werke stimmen Gott gnädig, sondern in Christus sind wir begnadigt. 
Mit Christus enden alle Selbstvorwürfe, alle Anklage. Durch die Barmherzigkeit findet unsere Selbstaufwertung statt. Dadurch sind wir der wertvollste Mensch, in Gottes Gegenwart. Wo wir in unseren Gebeten darauf vertrauen, entspannt sich die Last unseres Lebens. Wo wir auf dei Barmherzigkeit vertrauen, können wir Gott nicht mehr zur Last fallen und werden in unserer Schwachheit wertvoll und wichtig. Das Vertrauen auf die Barmherzigkeit versönt mit Gott und dem Leben.
Verkrampfen wir uns noch im Kämpfen um das Gute, oder nehmen wir das Gute einfach dankbar an?

Glauben heißt, Gott recht geben

Wo Gott zu seinem Recht kommt, fehlt es an nichts mehr.
„Es ströme das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach. 

Amos 5, 24
Mit solch einer Aussage reißt Amos einen gewaltigen Horizont auf. Wo das Recht wie Wasser strömt, handelt Gott gegen alle menschliche Gesetzmäßigkeit. Da wird ein Bild gemalt, dass die Leute so nicht kennen. Wo das Recht im Übermaß fließt, tritt das totale Gegenteil ein, von dem, was die Menschen kennen.
Zur Zeit des Amos war die Obrigkeit ein willkürlicher Machtapparat, der das Volk ausbeutete. Diese Regierungen waren weit weg von einem fürsorglichen Sozialstaat. Da wurde unterdrückt und entrechtet. Umso grasser ist das Bild das Amos in solch einer Situation aufzeigt. Wo es eigentlich unter Menschen überhaupt nicht möglich ist, Recht und Gerechtigkeit  zu schaffen, spricht er von nie endendem Recht. Recht und Gerechtigkeit gibt es nicht unter Menschen, sondern allein in Gott. Alle Sehnsucht nach Recht und Gerechtigkeit kann kein Mensch stillen, sondern kommt in Gott zur Ruhe. Wo das Recht strömt, entsteht die größte Wiedergutmachung der Geschichte. Da lenkt Gott den Blick auf Karfreitag und Ostern. Mit Christus entsteht das Rechtschaffen für die Welt. Die Ungerechtigkeit, die durch die verkrachte Beziehung zu Gott, das Leben schwer macht, wird am Kreuz aus der Welt geschafft. 
Wenn Recht und Gerechtigkeit fließt, dann geschieht das dort, wo in einem Menschen Christus zu seinem Recht kommt. Er geht nicht um unser Recht, sondern in uns kommt Gott zu seinem Recht. Da fängt der Glaube an, wenn wir nicht um unser Recht kämpfen, sondern Gott über uns recht geben. Diese Gerechtigkeit kehrt die Werte in uns um. Wo Gott in uns das Sagen hat, kann eine Welt wieder gerecht werden. Wo jeder um sein Recht kämpft, bleibt Unfrieden. Wo Gerechtigkeit strömt, wird ein Mensch geschmeidig unter dem Wort. Wo Christus unser Handeln bestimmt, wachsen Früchte der Gerechtigkeit. Aus diesem Horizont treten wir allem Unrecht entgegen.
Wie stark ist der Strom in uns, dass wir Gott recht geben?

Ruckzuck sauber

Ratz fatz ist die Platte geputzt.
„Ich will die Sünde des Landes wegnehmen an einem einzigen Tag.“

Sach. 3, 9
Gott räumt den Dreck weg. Wo die Sünde weg ist, ist die Ungerechtigkeit aus der Welt. Da ist alles weg, was von Gott und dem Leben trennt. Da herrschen saubere Verhältnisse. Wir kennen die Aktion „saubere Stadt“, bei der oft Schüler einen Tag lang die Straßenränder säuberten.
Wenn Gott an einem einzigen Tag die Sünde aufräumt, dann ist das für Gottes Zeitrechnung ein Klacks. Wenn für ihn tausend Jahre wie der gestrige Tag sind, dann ist ein einziger Tag ein winziges Aufblitzen. Blitzartig ist das Unrecht fort und Leben da. Mit Christus ist eine schlagartige Änderung möglich. Von jetzt auf sofort sind wir vor Gott gerecht gemacht. Ratz fatz sind Altlasten weg. Diese Befreiung, dieses Aufatmen wirkt sofort. Mit Schuld fertig zu werden, ist für Christus kein lang dahin schleichender Prozess. Weg ist weg. Kein Nachtragen, kein langwieriges Ausheilen, kein mühsames Vertrauen, das wieder aufgebaut werden muss.
Der von Christus befreite Mensch, kann unbefangen in Grechtigkeit leben. Er lebt als der gerecht Gemachte in einer sündhaften Welt. Von ihm gehen die sauberen Verhältnisse aus, die er in die sterbende Menschheit hineinbringt. Damit wird die Verantwortung wahrgenommen, die wir in der Welt haben. Wir greifen wie Bonhoeffer dem Rad in die Speichen. Da kann man nicht mehr mit der Ungerechtigkeit der Menschen leben. Da geschieht Erneuerung in allem Alten. Das durchzieht unsere Familien und Gemeinschaften, das durchdringt Gesellschaft und Politik. Wem die Lasten abgenommen sind, der kann eine gebeutelte Menschheit aufrichten. Die gerecht Gemachten tragen das Recht, das Richtige und Gute in alles Unrecht.
Leben wir als die Befreiten in unserem Umfeld, oder tragen wir noch an den eigenen Lasten?

Abgründe brauchen Barmherzigkeit 

Menschliches Verhalten ist eigentlich nur zum Weinen.
„Wir wurden alle wie die Unreinen, und alle unsere Gerechtigkeit ist wie ein beflecktes Kleid.“

Jes. 64, 5
Das biblische Menschenbild zeigt Realitäten auf, die wir modernen Menschen nicht mehr ohne weiteres stehen lassen. Unrein und ungerecht sind die Prädikate, die uns ausgestellt werden. Wenn es um Reinheit, das Gute und die Gerechtigkeit geht, geht es immer um Gott. Das Unreine kann kein reines Verhalten an den Tag legen. Damit das Gute in die Welt kommt, bedarf es eines Höheren.
Wenn die Gerechtigkeit des Menschen wie ein befecktes Kleid ist, dann steckt da keine negative Sicht auf die Dinge dahinter, sondern der reale Blick auf die menschlichen Abgründe. Befleckt sind unsere großen Bekenntnisse, die wie Petrus felsenfest zu ihrem Herrn stehen, und dann wenn es lebensbedrohlich wird, kläglich versagen. Befleckt ist unser Griff nach dem Apfel, wo unser Bewusstsein größer sein will als Gott.  Auch die Menschen, die den dicken Max heraushängen, sind schwach und unzuverlässig. Große Lippen und viel heiße Luft. Menschen wollen oft mehr scheinen, als sie wirklich sind. Befleckt und unrein ist die Bilanz. Ein  modernen Coach spricht dann schnell vom inneren Schweinehund der überwunden werden muss. Doch wie will ein in sich ungefestigter, ungerechter und befleckter Mensch, aus sich heraus von einem Saulus zum Paulus werden?
Wo unsere Gerechtigkeit befleckt ist, braucht es eine unbefleckte Gerechtigkeit. Da sind wir bei Jesus Christus. Wo der Mensch sich erkennt, und wie Petrus bitterlich über seine Unfähigkeit zum Guten weint, kommt Gottes Gerechtigkeit ins Spiel. Weil kein Mensch gerecht sein kann, braucht er Christus der gerecht macht. Die Menschen, die Kirchen und Gemeinden leben allein von Gottes Barmherzigkeit. Es menschelt in jeder Gemeinschaft, das können wir niemand abtrainieren, wir können jedoch lernen barmherzig zu sein. Wenn wir uns und den anderen an seinen Abgründen finden, wollen wir gerne aufgeben. Wo Christus an unsere Abgründe kommt, will er neu anfangen. 
Wollen wir nicht gerade in unserem Versagen, der Barmherzigkeit die Türe öffnen?

Vom Liebe verzaubert 

Gottesfurcht, inszeniert weltbewegendes Kino.
Gottes Hilfe ist nahe denen, die ihn fürchten, dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.“

Ps. 85, 10,11
Ein Liebesfilm der besonderen Klasse läuft hier vor unseren Augen ab. Eine Beziehung, eine Leidenschaft, wie aus einer anderen Welt. Ein Küssen und Begegnen, das schon einen weltfremden Touch hat. Wenn Gerechtigkeit und Frieden sich küssen, sind wir doch im falschen Film? Güte und Treue turteln verliebt umher. Ein grasser Gegensatz, zu dem, was wir täglich erleben. 
Gott träumt als Regisseur diesen Traum. Er schafft diese Wirklichkeit. Diese hochedlen Werte, die die Mensch täglich verwirtschaften, die menschlich letztlich nie erreichbar sind, kommen aus ihm. Gott hat sich hier nichts vorgenommen, sondern er ist diese Wertskala in sich. Güte, Treue, Gerechtigkeit und Frieden sind seine Persönlichkeitsmerkmale. Das Gute ist seine Existenz. Das Richtige, alle organisch funktionierenden Abläufe liegen in seiner Präsenz. Treu ist er in seinem endlosen Ja zu allem Geschaffenen. Im Frieden kommt in ihm alles zur inneren Genesung. Dieses leidenschaftliche Liebesspiel wirft Gott in das Chaos der Welt. Mit diesem unwirklichen Roman, setzt er eine neue Realität, in die ungerechte Wirklichkeit der Treulosen. Alle Härten, alles Ungute, alle Gereiztheit des Lebens, küsst er mit Güte. Sein Liebesspiel schafft das total Andere, von dem wir nur träumen können. Sein Küssen und Begegnen erhält die Welt am Leben. 
Die Ehrfurcht vor ihm ist das Gefäß, das diese Küsse auffängt. Wo das Leben aus allen Wunden blutet, erfährt derjenige die Hilfe, der diese Umarmungen an sich zulässt. Diese Liebkosungen muss man lieben lernen, damit aufgescheuchte Herzen Frieden finden. 
Wenn die Hilfe so nah ist, sind wir denn bereit, uns auf dieses Liebesspiel einzulassen?

Lass die Gerechtigkeit ran

Sehnsucht und Leidenschaft reißen alle Türen auf.
„Weil die Elenden Gewalt leiden und die Armen seufzen, will ich jetzt aufstehen, spricht der Herr, ich will Hilfe schaffen dem, der sich danach sehnt.“

Ps. 12, 6
Es ist nicht selbstverständlich, dass derjenige der recht hat, auch recht bekommt. Oftmals kämpfen wir vergeblich um unser Recht. Am Ende müssen wir uns geschlagen geben und mit erfahrenem Unrecht leben lernen. Das kann der erleben, der sich öffentlich für eine gute Sache einsetzt und von der Politik ausgebremst wird. Wer ein gesundes Rechtsbewusstsein besitzt, kann unter manchen Umständen krank werden. Auch unsere Rechtssprechung spricht „Recht“, übt dabei jedoch nicht unbedingt Gerechtigkeit aus. Unrecht schafft Gewalt und Elend. 
Dagegen steht Gott auf. Gott erhebt sich um im Unrecht Recht zu schaffen. Das Unrecht, das Unruhe auslöst, bringt Gott zur Ruhe. Wo sich innerlich alles gegen erfahrenes Unrecht aufbäumt, schafft Gott den Ausgleich. Wo wir von Menschen keine Gerechtigkeit erwarten können, wird Gott zur Gerechtigkeit. Mit Christus bekommt Gerechtigkeit ein Gesicht. Wir können über dem Unrecht der Welt nie zur Ruhe kommen, wir können nur über den erfahrenen Christus, dem Recht schaffenden Gott begegnen. Wir kommen im Unrecht zur Ruhe, weil Christus der aufgescheuchten Seele den Ausgleich verschafft. Wo Gott Recht schafft, verwandelt sich Unruhe in inneren Frieden. 
Das erfährt der, der sich nach dieser Gerechtigkeit sehnt. Die Sehnsucht und Leidenschaft brennt in erster Linie nach dem leidenschaftlichen Gott, der gegen das Unrecht aufsteht. Nicht wir eifern gegen die Ungerechtigkeit an, sondern rufen Gott auf den Plan. Wir rennen bei Gott leidenschaftlich die Türen ein, dass er sein Recht in das Unrecht dieser Welt bringt. Unsere Sehnsucht nach dem handelnden Gott wird uns dann zur Hilfe.
Wie sehr brennen wir danach, dass in allem Unrecht, Gott leidenschaftlich seine Arbeit machen darf?