Gehorsam verleiht Flügel

Wer überhört, verschließt sich Türen und begrenzt sich selbst.

„Gehorcht meiner Stimme, so will ich euer Gott sein, und ihr sollt mein Volk sein.“
Jer. 7, 23

Ein Herz und eine Seele mit Gott sein ist eine Frage der Ohren. Die heiße Liebe zwischen Gott und Mensch beginnt, wenn er die Saiten unseres Herzens anzupft und seine Melodie im Menschen zu klingen beginnt. Sein Wort ist der Geigenbogen, der die Saiten zu streichen beginnt. Dieser kleine Berührungspunkt bewegt Welten und erfüllt Räume mit einzigartigem Klang. Der Saal bebt von Gesang. Die Liebe wird so heiß, dass sie den anderen durchdringt und ein Teil von ihm wird. In dem Spiel von Musik wird Gott mit seinem Volk ein Paar. Da bedingt einer den anderen. Einer macht den andern vollkommen. Wo sich diese beiden Pole miteinander verschmelzen, entsteht ein atemberaubendes Kunstwerk, das seine Umgebung in Bann zieht. Frischverliebte sind immer faszinierend und anziehend. Gott träumt von solch einer Beziehung. Sie macht ihn aus, sie macht sein Volk aus, sie macht die Glaubenden aus.

Heiße Liebe brennt durch Gehorchen. Gerade solch ein, für uns abstoßendes und altmodisches Wort, hat Feuer. Damit stimmen wir dem zu, was er sagt. Wir lassen es zu, dass der Geigenbogen uns bespielt. Was er sagt, macht uns zu einer klingenden Geige. Sein Wort formt mit virtuoser Kraft. Wir haben nicht nur gehört, sondern geben seiner Stimme einen Klangraum. Gehorsam lässt sich selbst los, entspannt total, dass das Konzert mit ihm beginnen kann. Gehorsam, ist der Sesam öffne dich, bei dem Gott alle Register zieht. Sich auf seine Stimme einlassen, macht uns zu Geliebten, die unter dem Liebhaber über sich hinauswachsen. Darin wird Menschsein zu einer unglaublichen Wahrheit befreit. Vielleicht löst Gehorsam deshalb solch ein Unbehagen aus, weil es solch eine verändernde Kraft besitzt, unter der wir uns selbst nicht mehr wieder erkennen. Wo das Wort klingt und wirkt, kann nichts bleiben wie es ist. Da fängt ein Instrument an, Töne von sich zu geben, die man noch nie von ihm gehört hat.

Der Stimme gehorchen, durchbricht allen Trott. Die Misstöne werden überstimmt. Ein tonloser Holzkasten, wird ein nicht wiederzuerkennender Klangkörper. Gehorsam verleiht Flügel.

Warum sollten wir Angst haben, uns auf dieses Wort einzulassen?

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Wenn das Herz umzieht

Der Mensch sucht etwas, das er verehren und bewundern kann und das ihn über sich selbst hinaus hebt.
„Ich pries und ehrte den, der ewig lebt, dessen Gewalt ewig ist und dessen Reich für und für währt.“

Dan. 4, 31-32
Gott verehren ist das höchste der Gefühle. Da wird Irdisches himmelwärts gezogen. Diese Hingabe macht sich an etwas Höherem fest, als man selber ist. In der Gottesverehrung lässt der Mensch sich selbst los und lässt sich in die alles bestimmende Gottesgegenwart ziehen. Er wird von der Realpräsenz Gottes angezogen. Verehrung ist ein Zustand, in dem ein anderer alles in uns bestimmt. Es ist das Aufblühen in der ewigen Realität. Verehren ist das Echo auf das, dass Gott mit dem Menschen eins wurde. Da zieht das Herz des Menschen um zu seinem Gott. 
Wenn wir betrachten, was von den Menschen alles verehrt und angebetet wird, braucht man sich nicht wundern, weshalb Leben so brüchig wird. Da werden Stars gefeiert, Automarken zelebriert, Ernährungsregeln vergöttert oder die Gesundheit angebetet. Darin wollen Menschen aufgehen, sich festmachen, ihre eigene Identität finden. Das was der Mensch anbetet, bestimmt ihn, darauf hört er, danach richtet er sein Leben aus. Wo er Irdisches anbetet, zerfällt der Traum, wenn Irdisches zerfällt. Wahre Verehrung kann nur auf Ewiges zielen.
In der Gottesverehrung wir der Glaubende gotthörig. Seine Standfestigkeit gründet in dem Wort. Preisen und ehren heißt mit Christus eins werden. In dieser Verehrung regeln sich die Beziehungen zu den Menschen und Dingen. In der Apostelgeschichte wird das heute schnörkellos auf den Punkt gebracht: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Das Stehen in der Macht des Ewigen, ordnet die Macht der Menschen unter. Im Horchen auf den Gott, den ich verehre, wird das Hören auf Menschen geringer. Wer Gott verehrt, wird von Grund auf anders ausgerichtet. Da können wir in ganzer Klarheit auch die Stimme gegen Menschen erheben. In der Gottesverehrung schwindet die Angst vor der Macht der Menschen.
Wenn unser Herz umgezogen ist, warum sollten wir noch verzweifeln oder uns vor irgendjemand fürchten?

Mit sich im Reinen

Wer mit dem Wort in Einklang ist, wird sein eigener Freund.
„Gehorsam ist besser als Opfer.“

1. Sam. 15. 22
Mit „besser als“ wird eine Wertung und Gegenüberstellung gemacht. Etwas ist näher an dem Guten als das andere. Opfer ist schlechter als Gehorsam. Dem Hören auf das Wort, wird mehr Bedeutung zugemessen, als allem Einsatz und Hingabe im Reich Gottes. 
Wo das Wort in uns Raum gewinnt, bringt es uns mehr und mehr in Einklang mit Gott. Im Gehorchen liegt nicht nur das hören, sondern das Eingehen auf das Gehörte. Da wird das Innerste bewegt und geformt. Damit gibt sich der Glaubende, den gestaltenden Kräften seines Schöpfers hin. Gehorsam ist das stückchenweise Einswerden mit Christus. Das ist eine persönlichkeitsverändernde Maßnahme, zum Bau dieses neuen Reiches. Durch den Gehorsam wird der Nachfolger mit sich selber stimmig. Eim Einklang mit dem Wort zu sein, macht den Menschen zu seiner ursprünglichen Person. Er ist mit Gott und sich im Reinen. Die Hingabe an das Wort ist größer, ist tragfähiger als die Hingabe im Dienst.
In einer Bruderschaft kann man das im Alltag beobachten. Da gibt es Brüder und Schwestern, die bringen einen gnadenlosen Einsatz. Sie arbeiten bis zum Umfallen. Sie geben das Letzte, bist fast zum körperlichen Zusammenbruch. Man kann wirklich sagen, bei ihrer Hingabe zur Sache fehlt es an nichts. Doch ihr Opfer hat sie nicht durchgetragen. Einige davon sind nicht mehr in der Gemeinschaft. Manch einer hat sich über sein Opfer definiert. Mein Einsatz, mein Glaube, meine Hingabe. Dabei waren sie bei allem Opfer nicht mit sich und Gott im Einklang. 
Gott will nicht unsere Leistung, er will unser Herz. Er will, im Hören auf ihn verwandeln, was das weit größere Opfer ist. Wo wir uns nur hingeben ohne zu hören, verliert Gottes Gestaltungskraft in unserem Leben. 
Ist ist da nicht gut, wenn wir einen Vergleich anstellen, wie es mit unserem Gehorsam steht?

Gehorsam macht weise

Weisheit liegt in dem Grad der Gotteserkenntnis.
„Der Herr sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.“

1. Kön. 3,, 5-9
Das ist das Streben der Menschen von Anfang an, zu verstehen, was gut und böse ist. Adam und Eva mussten unter diesem Wunsch das Paradies verlassen. An der Erkenntnis über gut und böse entscheidet sich das Wohl und Wehe der Menschheit. Mit dieser Erkenntnis steht der Mensch in der Gottesgegenwart. Am für und wider zu Gott liegt die Erkenntnis über gut und böse. In Gott selbst offenbart sich das und der Gute. Von Gott entfernt, offenbart sich das Böse. Der Wunsch von Adam war, dass er aus sich heraus verstehe, was gut uns böse ist. Das war sein Verhängnis. Er löste die Gotteserkenntnis von Gott selbst. Es setzte sein Erkennen, über die Größe Gottes. Das ist das ständige Bestreben des Menschen, mehr zu sein als Gott. Der Mensch will alles wissen, alles erkennen, alles anstreben, doch alles ohne Gott. 
Bei König Salomo gibt es eine entscheidende Wende. Er hatte den gleichen Wunsch, weil dieses Bestreben allzu menschlich ist, doch er knüpft seinen Wunsch nach Erkenntnis an ein gehorsames Herz. Gut und böse zu verstehen, liegt nicht in der Loslösung, sondern in der Bindung an Gott. Gotteserkenntnis geschieht nicht über, sondern unter Gott. Weisheit entsteht im Gehorsam. Zu dieser Erkenntnis bringt Christus. Er offenbart, wie im Gehorsam vor Gott, das Böse vom Guten überwunden wird. Der Mensch kann nie in sich das Gute entdecken, sondern immer nur in Christus den Guten. Im unter Gott bleiben, erfahren wir die Weisheit einer anderen Welt. Gehorsam stellt sich unter die Führung eines anderen. Genau in dieser Führung erfahren wir eine Weisheit, die über die menschliche Hybris hinausträgt. Somit ist der Schlüssel zur Weisheit, Christus Raum lassen und ein gehorsames Herz zu erbitten. Eine gute Aufgabe am Sonntag Rogate.
Um was wollen wir bitten, was uns der Herr geben soll?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Ein hörendes Herz braucht nicht mehr Regeln

oft sind wir gar nicht so fromm, wie wir uns ausgeben.
„Wenn ich auch noch so viele meiner Gebote aufschreibe, so werden sie doch geachtet wie eine fremde Lehre.“

Hosea 8, 12
Das Volk Israel geht mal wieder fremd. Sie suchen sich hölzerne Götter oder Statuen aus Metall. Sie brechen aus dem klaren Anspruch ihres Gottes aus. Wo es um Gott und seine Weisungen geht, sind auch wir oft wie pupertierende Kinder. „Der Alte hat hier nichts zu melden, ich weiß selbst, was ich zu tun habe.“ 
Gott kämpft um seine Autorität. Er kämpft um seine störrischen und widerspenstigen Kinder. Er ringt um die, die ihn belächeln und immer wieder aus seiner Führung und Fürsorge ausbrechen. Wir müssen uns hier als solche erkennen, die bei Gott ausbixen, wenn’s ungemütlich wird. Wo Gott eine klare Ansage macht, wo es lang geht, haben wir oft hunderttausend Ausreden, weshalb wir diesesn Weg nicht gehen können. Bitteschön, wir müssen ja schließlich auch unserem klaren Menschenverstand etwas zutrauen. Wo Gott anders will, als wir denken, fangen wir das trixen an und haben gute Gründe, warum das nicht geht, was er will. Welch ein Aufwand wird oft betrieben, was wird sich selbst vorgemacht, um dem absoluten Anspruch Gottes über sich nicht gerecht werden zu müssen. Dabei heißt glauben, Gott recht geben. Gott ist die Autorität über unserem Leben und will das immer bleiben. Wir brauchen nicht mehr Gebote, wir brauchen keine klarere Ansage wo unser Weg lang geht, wir brauchen in erster Linie geschmeidige Herzen. Gott will in uns die Auflehnung gegen ihn aufbrechen, wo sich vieles gegen sein Führen wehrt. Er will den rebellierenden Teenager in sein Vertauen führen. Er will genau an unseren wunden Punkt, der es glaubt, besser zu wissen als Gott. 
Wir sind in die Gnade Christi berufen. Das liebäugeln mit Lehren, die auf den eigenen Willen bauen und ein Selbstbewusstsein stärken, das sich gegen Gott stellt, wird zur Bauchlandung werden. Gerade die frommen Seelen müssen sich immer neu fragen lassen, sind wir noch von Gott geführt, oder führen und glauben wir uns selbst.
Hat Gott bei uns das ausnahmslose Sagen? Machen wir die Ansage und relativieren sein Wort, zu einem fremden Wort, das uns nichts zu sagen hat?

Existenz liegt in Führung 

in unserem Leben geht es nicht um uns.
„Weise mir Herr, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit.“

Ps. 86, 11
Leben ist nicht Selbstbestimmung, Leben ist Führung. Es geht um „deinen Weg“. Die Dramatik von dein und mein, kommt stark im Lehrtextwort zum tragen. Jesus rief sie und sogleich stiegen Jakobus und Johannes aus ihrem Fischerberuf aus und liesen ihren alten Vater im Boot sitzen. Der Ruf, eines für sie Wildfremden, stellt ihr komplettes weiteres Leben auf den Kopf. Dein Weg, Gottes Wege haben zunächst überhaupt nichts mit unseren Wegen zu tun. Gott hat mit unserem Leben etwas vor. Es geht um seinen Plan, sein Führen, um seine Verwirklichung in uns. Es geht in meinem Leben zuerst um Gott. Alle anderen Fragen sind zweitrangig. Selbst bei einem sozial eingestellten Gott, hat es mich nicht zu interessieren, was aus dem alten Vater im Boot wird. Da gilt nur der eine Satz, der am Anfang meiner Berufung stand: Machen wir Gottes Angelegenheiten zu den unseren, macht er unsere zu den seinen. 
Wahrhaftes Leben geschieht nur unter dieser Führung. Alle Existenz ist darin begründet, dass sich Gott entfaltet und verherrlicht wird. Wo das Leben aus dieser Führung ausbricht, wird es zur Lüge. Wahrheit ist, dass Gott über allem das Sagen hat. Wo das nicht gewährleistet ist, brechen Lebengebäude zusammen. Weise mir Herr, deinen Weg ist eine Existenzfrage. Ohne Weisung bleiben wir im Irrtum. Wo Gott nicht den Ton angibt, verfehlen wir den Zweck unseres Seins.
Es geht jeden Tag neu um dieses Führen. Es geht um ein offen sein, geführt zu werden. Es geht um Weisheit durch den Heiligen Geist, was wirklich dran ist. Um Weisungen zu empfangen, müssen wir eigene Vorstellungen zurückgestellen. Und dort wo ich den Ruf Jesu höre, hilft nur eines, sofort alles andere zu verlassen. Wo wir Gott nicht mehr in dieser Radikalität über uns stehen lassen, können wir in unserem Leben nicht von Nachfolge reden. 
Haben wir die Sensibilität auf seine Weisungen zu hören, und dann auch die uneingeschränkte Bereitschaft, diesen Weg zu gehen?

Hören macht lebendig

Gehorsam ist ein Krisenmanager.
„Der Herr spricht: Wenn doch mein Volk mir gehorsam wäre!“

Ps. 81, 14
Viele Probleme entstehen, dass mancher meint, selbst zu wissen, was richtig ist. Auch im Glauben schleichen sich im Laufe der Jahre Gewohnheiten ein, die einfach so laufen, aber nicht mehr lebendig sind. Man hat sich mit den täglichen Verpflichtungen und Traditionen abgefunden und merkt gar nicht mehr, ob man noch am Puls des Lebens ist. Vielfach sieht ein Außenstehender, viel genauer, dass mancher Weg den wir gerade gehen nicht zum Ziel führt. Oft merken wir selbst nicht, wo wir stehen geblieben sind oder einen nicht förderlichen Weg eingeschlagen haben. Deshalb haben wir in unserer Regel einen Leitsatz aus der Regel von Taizé übernommen: Der Rat des Bruders ist zu achten.
Es geht um das aufmerksame Hören. Um ein aktives Hören, das Folgen hat. Gott weiß, wie schnell der Mensch sich verirrt und verrennt. Er will sich um des Menschen Willen Gehör verschaffen. Nur wenn das Zentrum im Kreis fest ist, wird der Kreis drumherum rund. Nur wo ein Leben in Gott verankert ist, wird es rund und kommt aus dem eiern heraus. Das ständige Hören auf Gott verhindert Eingefahrenheiten. Hören und diesem gehörten folgen macht lebendig. Gehorsam schafft tägliche Frische. Gott bettelt regelrecht um offene Ohren und offene Herzen, damit sich seine erneuernden Kräfte dauerhaft entfalten. Auf ihn Hören ist unser Heil. Gehorsam ist der Anker, der den Glauben fest macht. Wer hört hat Hoffnung. Hören ist die Zentrierung unseres Lebens. Gehorsam managed unsere Krisen. Im Hören auf das Wort, haben wir Antworten, die wir nicht in uns finden. Orientierung und Zukunftsvisionen werden im Gehorsam geboren. Im Gottgehorsam schlüsselt sich das ganze Leben auf.
Meister Eckhard sagt: Der Mensch lerne zuerst, dass sein Herz fest in Gott bleibe, so wird er auch beständig werden in seinen Werken.

Ein heilsames Aufbäumen

Gehorsam ist Horror. Das sagen unsere Gedanken und die Erfahrungen aus den dunkelsten Zeiten deutscher Geschichte. Menschliche Willkür, Ausbeutung, Zweckentfremdung haben Gehorsam an den Pranger gestellt. Da ist der bittere Geschmack aus der Kindheit; das Gute hatten immer nur die Anderen. Gehorsam hat etwas von Fremdbestimmung, das wie ein rotes Tuch auf uns wirkt. Jemand über mir, passt nicht in unser Freiheitsprinzip. Unter etwas stehen, heißt ja, Persönlichkeitseinschränkung. Das moderne Leben propagiert Partnerschaftlichkeit. Gehorsam muss weg, weil entwürdigend.
Paulus sagt: Dieser belastete Begriff bleibt, weil darin das Heil der Welt liegt!

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1. Gehorsam muss man lernen

„… auch Jesus, der Sohn Gottes, muss durch sein Leiden Gehorsam lernen.“
Der Gottes Sohn muss Gehorsam lernen, ein sehr gewöhnungsbedürftiges Bild. Schon hier trennt sich ganz schnell unsere militärische Vorstellung dieses Begriffes, von dem, was tatsächlich darin liegt. Gott hat einen großen Plan mit seinem Sohn. Jesus kam als normaler Mensch auf die Welt, obwohl er ein Teil von Gott war. Wir kennen seine Biografie, das was von seiner Jugendzeit bekannt ist und dass er zunahm an Alter, Weisheit und Gnade. Ein ganz normaler Prozess des menschlichen Lernens und Wachsens. Alles war durch sein Grundvertrauen zu seinem Vater getragen. Er hat quasi eine mustergültige Erziehung genossen.
Doch der Gehorsam ist auch für ihn keine naturhafte Selbstverständlichkeit. Gott gehorchen funktioniert nicht automatisch. Die Abkehr von sich selbst, muss sogar der Gottessohn lernen. Er musste ein schweres Ja zum Willen seines Vaters finden, um darin Gott als Gott zu ehren. Seine Größe ist sein Verzicht auf sein Leben und auf sich selbst. Er weiß genau, was ihn erwartet und begegnet seinem Leiden, in einer aktiven Leistung. Er will leiden lernen. Gehorsam lernen, kommt aus dem was wir wollen. Ganz bewusst stellt er sich einer schwierigen Aufgabe, die Gott jetzt von ihm erwartet.
Da ist nichts von einem passiv erduldeten Schicksal, nichts von einer widerwillig geschluckten Katastrophe, auch nichts von einer schimpfend oder apathisch ertragenen Unvermeidlichkeit. Hier liegt der gravierende Unterschied zum falsch verstandenen Gehorsam. Der Gehorsame ist nicht willenloses Objekt. Jesus ringt um das eins werden mit dem Willen des Vaters. Er ringt um sein freies und ganzes Ja, zu etwas, von dem er lieber verschont geblieben wäre. Hier ist Christus ganz Mensch. Gehorsam lernen ist nicht leicht. Richtigen Gehorsam lernt man nur im Leiden. Man lernt ihn genau dort, wo sich in uns alles aufbäumt, wogegen sich alles in uns sträubt, wo wir nur noch ausweichen und davonlaufen wollen. Die größten Stunden des Lebens sind immer die, an denen wir nicht ausgebrochen sind, was eigentlich das Nächstliegende war. Es gibt immer genügend Gründe sich schmerzfrei aus der Affäre zu ziehen.
Voigt: „Der Jesus, der hier durchhalten will, muss in der Anfechtung lernen, seinen Willen mit dem harten, manches Mal uneinsichtigen Willen Gottes zu vereinen. Die Passion ist Werk des hart erkämpften und durchgehaltenen Gehorsams.“

 

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2. Gehorsam verwandelt was höllisch ist

„Als Jesus unter uns Menschen lebte, schrie er unter Tränen zu Gott, der ihn allein vom Tod retten konnte. Und Gott erhörte sein Gebet, weil Jesus den Vater ehrte und ihm gehorsam war.“ 
 Was auf Jesus zukam, war alles andere als ein Spaziergang oder selbsterwählter Leidensweg. Er hatte die schrecklichsten Grausamkeiten durchzustehen, die Menschen sich ausdenken können. Das Kreuz ist die brutalste Form der Hinrichtung, die er mit vielen anderen erlitten hat. Unwillkürlich stehen uns da die Bilder von der Hölle in Auschwitz und andern top organisierten Vernichtungslagern vor Augen. Alles voller Schreie, voller Entsetzen, voller Verzweiflung.
„Christus schreit unter Tränen.“ Der Gottessohn weint und schreit aus Angst. Menschliche Bosheit und Sünde zu tragen tut weh. Keiner kann sagen, dass Gott nicht weiß, was Leiden ist. Keiner war dem Leiden näher als Gott selbst. Niemand braucht sich da in seinem Leiden allein gelassen fühlen. Jesus musste das Gehorchen lernen, dass er diese Hölle ertragen konnte. Jesus musste lernen, um das Verlassen sein von Gott aushalten. Er musste erleiden, wie Gott selbst seine helfende Hand abzieht und seinen Sohn, unter den Einwirkungen des Bösen zugrunde gehen lässt.
Voigt: „Die Anfechtung zeichnet sich nicht dadurch aus, dass Gotteswerk und Satanswerk sauber auseinanderzuhalten sind. Gottes Werk vollzieht sich auch dort, indem der Satan über Jesus Gewalt bekommt.“
Diese Hölle musste Jesus ertragen. Indem er Gott so ernst nahm und den Gehorsam wirklich lernte, wurde sein Gebet erhört. Wer so betet: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst,“ nur der kann erhört werden. Hierin liegt ein ganz großes Geheimnis. Wo einer seinen Willen so weit mit Gottes Willen vereint, wird im das Unerwünschte und Gefürchtete lieb. Wenn einer um seiner Brüder willen in die Hölle zu gehen bereit ist, dann ist die Hölle keine Hölle mehr.

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3. Gehorsam ist lebensentscheidend

„Nachdem er zu Gottes Thron zurückgekehrt ist, ist er für alle, die ihm gehorsam sind, zum Retter und Erlöser geworden.“ 
Auch wenn Christus durch seinen Gehorsam die ganze Welt erlöst hat, ist somit noch nicht alles erledigt. Rettung und Erlösung sind voll da, haben aber den Bezug – Christus Gehorsam. Heil ist solange unser Verhältnis zu Gott gestört ist undenkbar. Man kann sich nicht Zuhause an den Tisch setzen und sagen: Vater, ich will mein Erbe, ich will dein Geld, dein Haus, zum Essen komme ich auch, aber mit dir habe ich nichts am Hut. Ich brauche keinen Frieden mit dir. Heil ohne Gott? – unmöglich!
Es wäre ein totales Missverständnis zu glauben, Gott liebt die Sünder und übersieht darum ihre Sünde. Ein Gott, der Sündern zuliebe auf seine Heiligkeit verzichtet hätte; so ein Gott würde zur Sünde nur noch sagen: „Macht nichts – kleine Fische – darüber sehen wir hinweg.“ Er würde auf seine göttlichen Ansprüche verzichten und hätte als Gott abgedankt. Das Böse tobt sich inzwischen weiter in der Welt aus und Gott sieht durch alle Finger und macht gute Miene zum bösen Spiel. Das ist kein Evangelium!
Den Sünder annehmen geht nicht ohne die Sünde zu richten. Alles entscheidet sich am Gehorsam zu Christus. Im Gehorsam erschließen sich die Geheimnisse des Lebens. Verweigerter Gehorsam, blockiert das, was Gott gesund machen will. Wir verhindern unsere Entwicklung, und unseren Weg in die christliche Freiheit. Erst Christus Gehorsam lässt die Gnade in uns wirksam werden. Dieses Umgestalten ist ein heiliges Brodeln in uns, bei denen Lasten ihr Gewicht verlieren und das Bittere auf der Zunge süße Spuren hinterlässt. Gehorsam schafft ein heilsames Aufbäumen, bei dem nicht wir, sondern unser Widerstand zu Gott zerbricht. Gehorsam ist kein Angstmacher, sondern Gottes Lernprogramm, dass so viel Christus wie möglich in uns Platz hat.
Können und wollen wir uns so einer himmlischen Passion verschießen?