Willige werden geführt

Die Willigen und Bereiten, sind die Richtigen für Führungsaufgaben.

„Siehe, hier bin ich. Der Herr mach´s mit mir, wie es ihm wohlgefällt.“
2. Samuel 15, 26

Samuel ist gerade das Gegenteil von denen die sagen: Jetzt komme ich, ich weiß, wo es lang geht. Was ihn auszeichnet, ist eine schlichte Offenheit für Gott. Wo sind solche Menschen, die derart bereit dastehen und einfach sagen: mach mit mir, was du willst? Hemmungslos gibt er sich hin und lässt Gott machen. Das ist die totale Auslieferung seines Willens. Er ist von Gott so überzeugt, dass er darin das allerbeste für sich sieht. Keine Bedingung, kein persönlicher Anspruch, keine Verhandlungen, sondern die pure Hingabe. Sein Vertrauen in Gott ist größer als in sich selbst. Sein Glaube ist der Rücktritt von allen eigenen Vorstellungen. Hier erkennt sich ein Mensch als Werkzeug und Instrument in der Hand des Meisters. Herr, mach´s mit mir, ist die Voraussetzung für das Konzert seines Lebens. Darin liegt Gottes Wohlgefallen und das Beste für Menschen. Gott sucht nicht die perfekten Heiligen, sondern die Willigen.

Anders als so, gibt es kein Reich Gottes. Wo das mach´s mit mir, mit dem, ich mache für dich kollidiert, findet kein Glaube statt. Viele fragen sich, wo kann ich mich im Reich Gottes einbringen, was kann ich in meiner Gemeinde machen, doch das ist nicht das mach´s mit mir. Als für mich der Weg ins Kloster anstand, waren viele gläubige Ratgeber an meiner Seite, die mir sagten: Du wirst doch noch wo anders dringend gebraucht, oder ich selbst sagte mir, auch die äußere Mission braucht engagierte Leute, doch das wäre mein Wille gewesen. Bei mach´s mit mir, macht nur einer die Ansage, Gott selbst. Da spielen die Alternativen, die ich sonst im Reich Gottes hätte keine Rolle. Da geht es nicht mehr um das, was ich mir oder andere für mich alles vorstellen können. Das mach´s mit mir ist die Bereitschaft, dass es völlig anders kommt als ich mir denken kann. Da ist alles offen für Gott. Da kommen dann Dinge, die wir nicht auf dem eigenen Radar haben. Da stehen wir im Horizont des Allmächtigen. In der Willigkeit, kann Gott das entfalten, was er als Schöpfer in uns gelegt hat. Wo diese lückenlose Bereitschaft fehlt, beschränkt der Mensch sich selbst.

Mach´s mit mir, ist die Antwort des Petrus, wenn er Jesus gegenüber ausdrückt: Du weißt, dass ich dich lieb habe. Da kommt von Jesus: Weide meine Lämmer. Da erhält der wankelmütige Petrus seinen Lebensauftrag. Zuvor noch wegen Mangel im Glauben im Wasser ertrunken; als es für ihn eng wurde, noch seinen Meister verleugnet und dann diese Führungsaufgabe. Nicht die Starken, Großen und Guten erhalten große Aufträge, sondern die willigen Schwachen. Es sind die, die einfach sagen: hier bin ich.

Wo stehen wir uns noch im Weg, dass der Herr macht, wie es ihm wohlgefällt?

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Jammer gehört umarmt

Es ist ein Jammer, wenn alteingesessene Klöster, die vor Jahren noch Kultur- und Bildungsstätten einer ganzen Gesellschaft waren, nach und nach ihre Pforten schließen und sich auflösen.

„Meine Hand hat alles gemacht, was da ist, spricht der Herr. Ich sehe aber auf den Elenden und auf den, der zerbrochenen Geistes ist und der erzittert vor meinem Wort.“
Jes. 66, 2

Gott steht bei seinem Volk vor einem Scherbenhaufen. Es ist wie bei Deutschland nach 1945 oder 1989. Nur noch Trümmer; alles was einmal gut war, verwirtschaftet. Gott trauert über das Häufchen Elend. Er hatte solch große Ideale. Es liegt eine starke Geschichte zwischen ihm und Israel zurück, und jetzt nur noch Ach und Weh. All das, was einst sehr gut war, hat seinen Glanz verloren und ist ein Bild des Jammers. Es ist wie bei einem Unternehmen, das der Senior zur großen Blüte brachte und der Junior in den Konkurs führte. Tagtäglich sieht Gott mit an, wie wenig von seiner großen Freiheit bei den Menschen übrig geblieben ist, die er unter dem größten Opfer geschaffen hat. Er trauert über den Verfall. Oder Jesus weinte über die Stadt Jerusalem. Ihn jammerte, als er das geängstigte und zerstreute Volk sah. Gott trauert über den Menschen, der hinter dem zurückbleibt, was er hätte sein sollen. Ihm geht das derart an die Nieren, dass er sich nie damit abfinden wird. Im Jammer, in seiner Trauer, zeigt er sein ganzes Erbarmen. Er hält am Menschen fest, auch wenn der schon lange losgelassen hat. Gott gehört zu den Trümmerfrauen, die Schuttberge wieder abtragen und damit Neues aufbauen. Wo Gott auf Elend stößt, sucht die Liebe keine Schuldige, sondern umarmt das Gebrochene. Wo wir Menschen schnell fertig sind, wenn einer auf der Nase liegt und sagen: Das kommt davon; der ist ja an seinem Elend selber schuld, der soll nur seinen Dreck selber ausbaden, sagt Gott: ich sehe aber auf den Elenden. Wo Menschen am Boden liegen, rechnet die Liebe nicht auf. Auch wenn vieles so aussieht, als würde Gott genau mein Elend übersehen, als würde kein Kloster die Säkularisierung überstehen, als würde das Interesse an Kirche und Glauben noch mehr schwinden, liegt Gottes Auge auf dem Jammer.

Wo das Herz des Erbarmens sieht, bleibt kein zerbrochener Geist ungesehen. Es gibt keinen Jammer, der nicht Gott aufs Herz schlägt. Was Gott einmal geschaffen hat, legt er nicht aus der Hand. Wo ihn seine Liebe treibt, ist sie dort am stärksten, wo alles zu zerbrechen droht. Auch im größten Elend, brauchen wir nicht jammern, weil Jammer seine Sache ist.

Woher sollten wir sonst den Lebensmut für jeden Tag bekommen, wenn nicht von dem, der den unaussprechlichen Jammer fest umfangen hat?

Geführte kommen gut an

Es säumen mehr Engel unseren Weg, als wir glauben können.

Der Herr wird vor euch herziehen und der Gott Israels euren Zug beschließen.
Jes. 51,12

Bei einem Festzug geht vorn der Fahnenschwenker und zum Abschluss ein Trommler. Damit hält die ganze Kapelle dazwischen ihren Kurs. Wo Gott Anfang und Ende ist, liegt alles andere dazwischen. Somit ist das Ziel klar, und dass jeder an diesem Ziel ankommt. Im Dazwischen spielen die Höhen und Tiefen die Musik. Das Dazwischen steht unter höchstem Geleit. Durch die Zugspitze und das Zugende ist der ganze Weg vom Segen begleitet. Alles was sich auf diesem Weg ereignet, ist innerhalb der Führung Gottes. Der Fahnenschwenker ist immer an der Spitze und der Trommler fasst alle zusammen. Für den der zu Gottes Volk gehört, gibt es kein außerhalb. Auch wenn wir uns einsam und verlassen fühlen, sind wir von Führung umgeben und von Engeln umringt. Vom Anfang bis zum Ende, genießen die Glaubenden einen Rundumschutz. Der der vorangeht, formt den Zug und hält auf Kurs. Da braucht sich keiner über irgendeinen Weg eine Sorge machen. Der geführte Weg ist unter allen Umständen richtig. Und wer geführt ist, kommt gut an. Wenn unser Ziel ist, Gott zu loben und den Menschen in Liebe zu dienen, trägt jeder Schritt dazu bei. Alles was sich in unserem Leben abspielt, dient diesem einen Ziel. Jedes Unglück soll uns zum Besten dienen. Wo der Herr voranzieht, führt er seine Kinder zur Reife. Auch die bittersten Streckenabschnitte sind Wege zu diesem großen Ziel. Alles dient unserer Anbetung und der Hingabe an den Nächsten. Kreuzwege sind Wege zur Auferstehung. Geführt sein ist das eingehüllt sein in das Wort. Das Wort ist Kursbuch, Navi und Schutz. Im Wort säumt Christus unseren Weg.

Am Anfang war das Wort und es wird am Ende sein. Das Wort ist die Kraft, die uns auf Händen trägt. Damit ist Weg und Wort eine Einheit. Geführte Wege sind Wort-Wege. Damit haben wir im härtesten Kampf des Lebens den Fahnenschwenker vor Augen. Damit wissen wir bei gebrochenen Knochen und blutenden Herzen, wir sind auf Kurs. Auch wenn unsere ersehnten Träume platzen, die Misstöne unserer Wegbegleiter in den Ohren gellen, sind wir auf dem besten Weg. Wo Gott vorne, hinten, oben und unten ist, ist selbst der Schmerz lobenswert. In allem ruhen wir im Segen, weil durch das Wort, unser Weg kein Irrtum mehr ist.

Was kann uns da noch aus den Händen solcher Liebe herausreißen?

Wen Gott nimmt, begabt er

Der Herr nimmt sich was er braucht.
„Amos sprach: Ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt. Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel!“

Amos 7, 15-15
Gottes Wege sind nicht unsere Wege. Da ist ein einfacher Landwirt, macht seine Arbeit und verdient sein Geld damit, und Gott funkt dazwischen. Berufung schmeißt ein Lebenskonzept über den Haufen. Wer oder was ich bin, spielt für Gott keine Rolle. Er nimmt sich einfach jemand heraus und sagt: „Ich habe eine ganz andere Aufgabe für dich. Lass deine Rinder Rinder sein und zeige meinem Volk wo es lang geht.“ Wir sind Gottes Hoheitsgebiet. Was sich der Herr wie und wo nimmt, ist seine Sache, egal was der Mensch denkt und plant. Gott wählt sich hier einen Propheten, der keine akademische Laufbahn vorweisen kann. Ein Landwirt wird zum Visionär eines Volkes bestimmt. Das erlaubt sich Gott ganz einfach. Jesus wählt ganz normale Fischer, die er zu seinen Jüngern macht, dass sie dann den Menschen zu predigen und sie heilen. Da kommt keine Rückfrage, ob die Jünger, ob Amos das überhaupt wollen. Gott nimmt einfach von der Herde oder den Netzen weg, fragt nicht nach Auskommen oder sozialem Umfeld. Für ihn ist es das Selbstverständlichste von der Welt, in ganzer Radikalität die Lebensplanung seiner Kinder zu bestimmen. 
Doch was hier ganz normal ist, bereitet vielen Glaubenden Bauchschmerzen. Das passt alles gar nicht so sehr in unser Selbstbestimmungsrecht. Viele haben ein Problem, wenn Gott nach ihrem Leben greift. Da sind dann plötzlich Pläne und Vorstellungen, die es an den Nagel zu hängen gilt. Vor ein paar Tagen las ich in der Totenchronik einer mir gut bekannten Diakonisse: Eigentlich wollte ich heiraten und eine Familie haben, doch Gott wollte, dass ich in einer Lebensgemeinschaft Schulen und Krankenhäuser aufbaue. Wo Gott sich unser Leben für sich herausnimmt, geht es ans Eingemachte. Als lebenslustiger, freiheitsliebender Mensch, konnte ich mir nie ein Leben im Kloster vorstellen, Gott aber schon. 
Was sich Gott herausnimmt, erhält einen weit größeren Auftrag, als sich der Mensch selbst erwählt hätte. Gott hat hohe Maßstäbe und große Ziele. Rinderhirte zum Propheten. Wo er ruft, qualifiziert er. Er schafft die Bedingungen. Wo Amos sich darauf einlässt, erfährt er die Gabe der Weisheit, der Menschenführung und der Verkündigung. Er bringt das lebendige Wort dem Volk, um es aufzubauen, zu ermahnen und zu trösten. Da entsteht Reich Gottes pur und einfach dadurch, dass Menschen sich herausnehmen lassen.
Warum sollten wir dieses großartige Schaffen, durch unsere Vorstellungen ausbremsen?

Gott segne euch an diesem Sonntag.

Mein und Dein

Die Grundausrichtung muss stimmen.
„Wir wollen nicht mehr sagen zu dem Werk unserer Hände: „Du bist unser Gott.““

Hos. 14, 4
Schon das Volk Israel kannte nicht den Unterschied zwischen Mein und Dein. Sie machten sich ein goldenes Kalb. Mose zerschmetterte darüber entsetzt die Gesetzestafeln. Auch der glaubende Mensch steht ständig in der Gefahr, sich und sein Werk in den Mittelpunkt zu stellen. Nach dem Motto: In meinem Leben dreht sich alles um mich. Ich bin mein. Mein Bauch gehört mir. Ich erschaffe meine Welt. Alle Zukunft liegt in meinen Händen. Es ist erschreckend, wieviel christliche Lebensberatung und wieviele aktuelle Bücher auch in der frommen Szene in diese Richtung schlagen. Wenn jedoch meine Lebensgestaltung in meinen Händen liegt, wenn alles von meiner Disziplin, meinem Eifer und meiner Zielstrebigkeit abhängt, was passiert dann in den schweren Tagen? Was geschieht, wenn das Leben zuschlägt und alles anders verläuft, als ich mir ertäumt habe? Da platzen doch ganz schnell die Träume, da ist das goldene Kalb nur noch Blech, da bin ich von Gott und allen guten Geistern verlassen. Da wäre es unverschämt zu sagen, Gott hat seinen Segen entzogen und mich total hängen lassen.
Mein und Dein; da fällt der Groschen. Nicht ich bin mein Gott, sondern du bist mein Gott. Zu dieser Erkenntnis müssen wir täglich kommen. Paulus sagt: Alles ist euer, ihr aber gehört Christsus, Christus aber Gott. Das ist die Positionierung der Glaubenden. Wir sind das ausführende Organ des lebendigen Gottes. Wenn wir eigenes voran stellen, legen wir Gott die Handschellen an. Reich Gottes will sich an und durch uns verwirklichen. Verherrlichung ist die Christus-Profilierung in uns. Die Geschichte unseres Lebens schreibt Gott. Da wäre es stümperhaft, wenn wir nur eigene Ziele verfolgen. Nur der Umbruch von Mein zum Dein, ist die Gottesverwirklichung in unserem Dasein. Wenn wir meinen, wir müssten alles schaffen, wir heben die Welt aus den Angeln, auf unsere Strategien kommt es an, wie bleibt da noch Platz für das Heilige, das Christus schaffen will? 
Wie anders soll Reich Gottes, soll Kirche entstehen, als dadurch, dass wir unsere Selbstverliebtheit verlassen?

Zum Außenminister berufen 

Wer den Zweck seiner Existenz kennt, ist von seiner Bestimmung angetrieben.
„Du bist ja der Herr! Ich weiß von keinem Gut außer dir.“

Ps. 16, 2
Nichts kann dem Leben eine klarere Richtung geben, als solch ein kurzer, auf den Punkt gebrachter Satz. Hier kennt ein Mensch, die klare Ausrichtung seines Daseins. Der Psychologe würde von der Zweckpyramide sprechen; von dem, was zum Handeln antreibt. Jeder hat etwas, was ihn antreibt. Wenn ein Athlet Gold bei der Olypiade vor Augen hat, dann ist sein ganzes Leben darauf fokusiert. Hier hat ein Mensch seine Berufung vor Augen. „Du bist ja der Herr,“ ist die volle Konzentratiion auf einen, der das Kommando hat. Leben ist von Gott geführt. Darin liegt aller Wert und alle Bestimmung. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen, als in dieser Führung zu stehen. Nicht ich gebe meinem Leben den Zweck, sondern Gott hat ihn hineingelegt. Das ist das Höchste für einen Menschen, in sich diese Bestimmung zu erkennen. Durch mein Dasein werden himmlische Fäden gezogen. An unserer Ohnmacht tobt sich der Schöpfer aus. An uns vollzieht sich die Erlösung, damit wir Meilensteine des Heils werden. Auf uns liegt das ganze Programm, das Gott mit Christus in das beschwerliche Dasein bringen will. In uns liegt die Berufung zum Außenminister der himmlischen Herrlichkeit.
Wer solch eine Bestimmung in sich trägt, entwickelt athletische Dynamik. Da sind wir ein angetriebenes Christus-Feuerwerk. Da können unsere Worte und Taten Spuren von Segen enthalten. Ein Getriebener macht nicht nur irgendwo mit, sondern brennt für das was Gott durch ihn erreichen will. Dieser Zweck der Existenz macht heiß. Da haben Widerstände und Schwierigkeiten nur noch die Aufgabe stark zu machen, weil das Ziel unverrückbar ist. Wo wir in solch einer klaren Bestimmung leben, verlieren die Widerwärtigkeiten ihre Macht, weil wir von dem Mächtigen geführt sind.
Sind wir uns solch einer Berufung bewusst? Sind wir Angetriebene oder die von den Lebensumständen Ausgebremsten?

Sonnenaufgang für Blinde 

Wir sind zum Christusdienst an den Menschen gerufen.
Ich, der Herr, habe dich gerufen, dass du die Augen der Blinden öffnen sollst und die Gefangenen aus dem Gefängnis führen und, die das sitzen in der Finsternis, aus dem Kerker.“

Jes. 42, 6,7
Glaubende leben nicht für sich, sie haben einen Auftrag in der Welt. Sie sind in die Brennpunkte des Elends gestellt. Die Ausweglosigkeit, das gebunden sein in den Zwängen, die Nacht der Seele ist ihr Platz. Genau dort, wo die Menschen am Schlimmsten dran sind und an der Zerbrechlichkeit ihres Lebens leiden, soll durch die Glaubenden ein Licht aufgehen. Gott stellt uns an eine übermenschliche Aufgabe. Gott will uns zu Christusträgern machen.
Damit Blinden die Augen aufgehen, Gefangene frei werden, braucht es den Erlöser. Jesaja zeigt immer diese Spuren des Heiles auf, das das gebeutelte Dasein von Grund auf erneuert. Da werden die Gottesspuren in die geschlagene Welt hineingebahnt. Christus ist der Umbruch, in der Existenz, der vom Leben Gezeichneten. Blindheit und Gefangenschaft, die die bestimmenden Größen waren, sind umgebrochen in Sehen und Freiheit. In die beschwerliche Welt bricht eine erneuerte Welt.
Glaubende sind Christusmenschen, die diese Erneuerung in den Schrecken der Menschheit hineintragen und hineinleiden. Gott hat uns dazu gerufen, als erneuerte Menschen, mit dieser Erneuerung zu wuchern. An uns und durch uns soll diese andere Welt Gottes sichtbar werden. Wir öffnen den Blinden die Augen für ein Geheimnis, das nicht von dieser Welt ist. Wir sind die Befreier, die aus der Finsternis ins Licht führen. Durch uns bekommen die Niedergeschlagenen den Christus zu spüren. Wir werden zu einem Sonnenaufgang für die Nacht der Welt.
Können wir uns bei solch einer Berufung, noch so viel mit uns selbst beschäftigen?

Vom anderen Ufer

Text: Johannes 21, 1-14

Vom anderen Ufer

Desaster Woche mit Karfreitag liegt hinter Menschen, die an eine gewaltige neue Idee glaubten.  Schwarze Wolken über der Auslöschung des Hoffnungsträgers lähmten die Gläubigen.  Schlagartig alles am Nullpunkt. Gott ist tot, jetzt ist alles aus. Alltagstrott, du hast uns wieder. Doch selbst der ist erfolglos. Alle Arbeit für die Katz´. Eine volle Nachtschicht umsonst. Einige Jünger am See, ein Pleiteunternehmen. Gleichgestellt mit denen die gearbeitet haben und dennoch am Ende die Lohntüte leer bleibt.

Urgemeinde, – gerade dabei in Schall und Rauch zu verpuffen. Das war´s dann mal Petrus, wenn da nicht im Morgengrauen, der am anderen Ufer stehen würde.

 

  • Christus verbindet

 

Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger erkannten ihn nicht.

Das Unscheinbare, die Dämmerung sind die Plätze an denen sich der auferstandene Christus zeigt. Jesus durchdringt Gewohntes. Ungefragt und unerwartet knüpft er Kontakt zu den Seinen und mischt sich in ihr Programm ein. In die Sinnlosigkeit, kommt durch die Begegnung im Morgengrauen eine eigenartige Bewegung. Bei der Arbeit kommt es zu einer Begegnung mit einer anderen Welt. Dem Auferstandenen begegnen, ist zugleich real und doch geheimnisvoll. Die Jünger erfahren Gott in der Nüchternheit einer vergeblich durchgearbeiteten Nacht. Der Herr macht den Anfang. Es gibt keine andere Gotteserfahrung, als dass Gott kommt und sich zeigt. Die Begegnung mit dem Auferstandenen passt meistens nicht in unser Konzept und kommt dort, wo man nicht damit rechnet. Sie wird nie passen, sie wird immer unerwartet auf uns treffen.

Hier kommt der lebendige Gott, nicht der gnädiger Weise fragende Mensch. Christus legt sein erkannt werden in einfach verständliche Zeichen. Dass „er es ist“, zeigt er im gemeinsamen Essen. Tischgemeinschaft ist für Jesus Lebensgemeinschaft. Eine Einladung zum Essen ist nicht in erster Linie die Geste mit einem anderen meine und seine Hungergefühle zu stillen. Es ist das tiefe Anliegen nach Gemeinschaft. Benedikt betrachtet die Mahlzeit im Kloster als einen Liebesakt. Es ist Gottes Art in der Eucharistie gegenwärtig zu sein. Durch die Einladung zu Tisch, durchbricht Christus das verleugnet und verlassen werden, das seinen Jüngern noch von den Tagen zuvor in den Knochen steckt. Genau wo der Bruch das Miteinander mit Christus für immer hätte beenden können, knüpft er zusammen. Er stellt klar, wir stehen wieder am Anfang der Berufung, wo wir schon einmal begonnen haben. Bei der Mahlgemeinschaft hat Christus immer das ganze Gottes Reich vor Augen. Gemeinschaft mit Gott wird nicht gemacht, sondern liegt allein in der Selbstoffenbarung des auferstandenen Christus.

Glaube beginnt dort, wo wir uns bedenkenlos auf den Andersartigen einlassen; dort, wo er sich zu erkennen gibt.

 

  • Christus bricht auf

 

Wenn Christus die Gemeinschaft zu den Menschen sucht, hat er immer ein Programm. Sein Befehl „werft das Netz aus“ ist die eigentliche Bestimmung der Christus Jünger, – Menschen zu gewinnen. Ich will euch, für das, was ich mit der Welt vorhabe. Durch die Ereignisse stellt Jesus klar – fischen „auf eigene Faust“ ist vergeblich. Doch fischen „auf sein Wort“ macht den Ertrag kaum fassbar. Dieses Wort ist Dynamik, ist Aufbruch. In diesem Wort ist die explosive Gottesenergie. Es übersteigt alles Fachwissen und lebenslange Erfahrung. Dieses Wort ist die Gabe Christi, die die Kirche in die Weite aufbrechen lässt.

Wo enden denn die vielen „Gemeindeaktivprogramme“ die auf „wir sollten mal“ und nicht auf sein Wort aufgebaut sind? Christliche Gemeinde kann nicht gemanagt werden. Es geht nicht um menschliche Bedürfnisse, die irgendwie fromm gestillt werden müssen. Kirche als Dienstleister, die ihre Sache ohne ihren Herrn versucht. Das Wort des Christus, ist die Autorität der Kirche. Die Kirche hat keine Lehrmeinung zu vertreten, keine Vorbilder zu verteilen, oder klassische Lebensmuster zu propagieren. Sie hat einen durch sein Wort an ihr handelnden Christus. Ohne Auferstehung ist jede Predigt vergeblich.

In der Auferstehung liegt die ganze Willenskraft Gottes, seinen Acker nochmals komplett neu zu bebauen. Es ist die nicht zu bändigende göttliche Energie, die Menschen zum Außergewöhnlichem befähigt. Hier ereignen sich Dinge, die selbst den Beteiligten Augen und Ohren schlackern lassen. Das Wort besitzt die Macht, dass Fachleuten, die sich eine Nacht in ihrem Spezialgebiet umsonst mühten, wie durch einen Spuk, das Netz überquillt. Das Wort handelt immer gegen bestehende Denksysteme. Deshalb muss Verkündigung Ereignischarakter besitzen, weil sie den aktiven Gott enthält. „Wann immer die Kirche sich auf anderes verlassen hat, als auf den lebendigen Christus, war sie kraftlos und unglaubwürdig,“ sagt Gottfried Voigt.

Auch wenn Gemeindebau mühsam scheint, Diakonissen und Orden vom Aussterben bedroht sind, Kirchen immer leerer werden, zeigt uns dieses Wort, dass aus ein paar resignierten und frustrierten Jüngern, ein unübersehbares Gottesvolk geworden ist. Keinem noch so verbogenen Regime oder Ideologie ist es gelungen, dieses Gotteshandeln auszuradieren. Das Wirken Jesu ist konstant und lebt von permanentem Aufbruch. Es ist geprägt von dem „an Land ziehen“, aus gottfernen, Gott nahe Menschen zu machen. Er hat die Vision von einem farbenprächtigen ökumenischen zukünftigen Jerusalem, wie der Maler Sieger Köder eindrücklich in der St. Josephs Kirche in Bad Urach in sein Altarbild gebannt hat. Ökumene ist nicht eine Frage von Kirchendiplomatie, sondern ist in der Auferstehung Christi verankert.

Die Konfrontation mit dem Auferstandenen trifft auf gegensätzliche Temperamente.

 

  • Christus vereint

 

Nebenbei erhalten wir das Psychoprofil von 2 Jüngern in einem Boot. Es heißt zwar Gegensätze ziehen sich an, doch liegt in der Regel in der Andersartigkeit meines Nächsten die Problematik. Es begegnet uns der forsch zupackende Aktionsmensch Petrus und der vorsichtig zurückhaltende Erkenntnismensch Lieblingsjünger, ohne dass darüber eine Qualitätsbewertung aufgestellt wird. Da wo wir Menschen uns durch die Andersartigkeit des Anderen oft auseinanderdividieren und gegenseitig die jeweiligen Unmöglichkeiten vorhalten, nimmt Jesus die Gegensätze als Grundlage für seinen Gemeindebau. Es gibt keine Erörterung von Frömmigkeitsformen, oder eine Diskussion über Kontemplation und Aktion, sondern Christus bringt Extreme unter einen Hut. Jede einzelne Persönlichkeit ist durch den einen Christus gemeint, der die Gemeinde zusammenhält. Durch Christus wird die Kirche zum Raum größter Verschiedenartigkeit, die doch die größte Einheit darstellt. Christus uniformiert nicht, presst nicht in einen frommen Klassiker, sondern vereint den Sturm und Drang Petrus mit dem stillen zaghaften, wahrnehmungsstarken Lieblingsjünger. Gemeinde Christi ist ein Verein von Extremikern, die durch Christus verwandelt wurden. Über Christus klappt etwas, was sonst zu Mord und Todschlag führen würde und mit keiner noch so großen Toleranz zusammengehalten werden könnte. Die Eintracht der Verschiedenartigkeit der Glaubenden, wirkt der vom anderen Ufer.

„Sieh, wie fein und lieblich ist´s, wenn Brüder friedlich beieinander wohnen.“ Der auferstandene Christus vereint die Vielfalt der Kirche zu dem einen ewigen Gottes Reich. Und das geschieht mitten im Alltäglichen, in dem er sich unverhofft zu erkennen gibt. Unser täglicher Trott ist genau der Ort, an dem sich der Auferstandene vergegenwärtigt. Daher sollten wir gerade im Morgengrauen, im Frust und aller Verbitterung hellwach sein, damit wir auf sein Wort, die Netze auswerfen.

Geführte haben das große Los 

Wen die Wahl getroffen hat, der ist ein Glückspilz.
„Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat.“

Psalm 33, 12


Es geht um das große Los. Achtung, Glücksspiel kann süchtig machen! „Wohl dem Volk“, ist der Hauptgewinn. Da ist alles inklusive. Gottes Full-Service-Paket. Nach Wohl strebt die ganze Welt. Wie die Wege dazu aussehen, kennen wir zu Genüge. Wenn alles danach strebt, warum kommen nur so wenige bei dem Wohl an? Sie suchen bis zur Rente, und dann haben es viele immer noch nicht geschafft.
Wohlergehen, die Erfüllung, die Menschen suchen, liegt in dem „dessen Gott der Herr ist“. Egal wo Menschen ihre Schwerpunkte setzten, wer sie nicht auf den Herrn setzt, setzt daneben. Dass ein Mensch in sich stimmig ist, liegt einzig an dem Herrn. Seine Wahl ist unser Glück. Er erwählt uns zum Volltreffer. Alles was im Leben steckt, will er uns zur Verfügung stellen. Er legt das Erbe auf den Tisch. Lebensglück ist diese Erwählung zu wählen. Darin schlüsselt sich unser ganzes Dasein auf. Wo wir diese Wahl nicht wählen, wird uns das Unwohl verfolgen, werden wir alles versuchen ohne Erfolg zu haben. Den Herrn wählen, ist in allem die erste Wahl. An dieser Wahl entscheiden sich Bruchlandung oder Aufstehen. Diese kleine Frage zu unserer Grundeinstellung entscheidet, ob sich unsere Begabungen entfalten oder verkümmern. Ob unser Erbe die Welt befruchtet, oder in der Versenkung vergammelt.
Die Frage nach der Führung durch Gott, ist so elementar, dass sie in allem, das Glück unseres Lebens ausmacht.

Was könnte dieses Erbe und Wohlwollen sonst noch übertrumpfen?

Wir werden aus der Reserve gelockt

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zum Glück gibt´s etwas unverrückbar Festes.

„Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde.“
2. Mose 3, 14

Gott rammt seine heilige Gegenwart bei Mose ins Bewusstsein. Es ist die Selbstdarstellung dessen, der von Anfang an war und unvergänglich sein wird. Gott manifestiert seine Allherrschaft, die als absolute Größe über allem Leben steht. Er ist der Erlöser, er ist der Befreier, er ist der, der von keiner Macht dieser Welt aufgehalten werden kann. Dieses Autoritätssigel bekommt Mose aus dem brennenden Dornbusch, als er den Auftrag Gottes erhielt, das Volk Israel aus der ägypthischen Unterdrückung zu befreien. Er sollte gegen den mächtigen Pharao antreten. Er sollte einen menschlich unmöglichen Auftrag erfüllen. Er wurde an eine Aufgabe gestellt, die mehr als eine Hutnummer zu groß war. Ein Projekt, das unter menschlicher Kalkulation zum Scheitern verurteilt war.

Gott macht klar, ich werde sein! Nicht dein Können und Vermögen sind die Voraussetzungen für das Gelingen, sondern mein ich bin. Wo Gott ruft, kommen Dinge auf uns zu, die Angst machen. Da kommen Herausforderungen auf uns zu, bei denen wir die Hosen voll haben und das Genick einziehen. Doch gerade diesen Unvermögenden, gilt diese gewaltige Zusage. Die, die sich den Aufgaben nicht gewachsen sehen, die meinen, sie hätten nicht die nötigen Grundlagen, die nimmt er an die Hand.

Wir können das Große und das Unmögliche wagen, weil es nicht in erster Linie darauf ankommt, was wir können und mitbringen, sondern weil Gott ist, wer er ist. In und mit uns handelt ein anderer. Somit können wir stehen, wenn uns die Knie weich werden. Wir können mutige Schritte gehen, auch dort, wo uns der Atem stockt. Wir können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, wo menschlich keine Perspektiven sind. Der ewige Gott will, dass wir über unsere zerbrechlichen Grenzen hinauswachsen.

Was hält uns zurück, viel entschlossener mit dieser Zusage zu rechnen und daraus zu leben?