Der bittere Kelch verherrlicht Gott

Der bittere Kelch verherrlicht Gott

Ein Anruf, der aus der Not ein Lobgesang werden lässt.

„Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.“
Ps. 145, 18

Gottesnähe und ihn anrufen sind eins. Die Gottesgegenwart ist für den Glaubenden absolut sicher. Wer mit Ernst anruft, dessen Herz ist bei Gott. Im Vertrauen darauf, dass Gott recht und gut handelt, wendet sich der Glaubende an Gott. Gebete, die erhört werden, sind Gebete in denen Gottes Willen geschieht. Somit ist das ernsthafte ihn anrufen, die Bitte, dass sein Wille in uns Gestalt gewinnt. Das vollendet sich in der Zusage: Alles, was ihr bittet im Gebet, so ihr glaubt, werdet ihr empfangen. Dabei liegt der Schlüssel in dem „so ihr glaubt“. Das Erhören der Gebete liegt im Glauben, liegt im ernsthaften anrufen. Wo der Glaube fehlt, geht es in den Bitten nicht um Gott, sondern um mich. Jedoch alle Bitten die Gott meinen, werden erhört. Hierin liegt der heiße Knackpunkt, der im Gebet Jesu vor seiner Kreuzigung sichtbar wird. Er geht voll wissentlich auf sein schmerzhaftes Ende zu und bittet: Vater, wenn du willst, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Darin liegt die ganze Sehnsucht, das bedrohliche Schicksal abzuwenden. Doch Jesus setzt sein Gebet fort: … doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe. Jesus hatte noch den Wunsch, das Bittere abzuwenden, doch Gottes Wille war die Erlösung der Welt. Alles was wir bitten, hat seinen Sitz in dem „dein Wille geschehe!“ Das heißt dann auch, dass dort wo wir Gott ernstlich anrufen, wir uns für die Erhörung des Gebetes auf ungemütliche Weg einstellen dürfen. Wo wir unsere Not gen Himmel schreien, will sie Gott zu seiner Ehre verwandeln. Gott soll in dem augenblicklich himmelschreienden Elend verherrlicht werden. Das kann dann sein, dass das erhörte Gebet nicht ein herausführen aus dem Schmerz ist, sondern ein Durchbringen durch den Schmerz. Der Herr ist den Rufenden nahe. Er vollzieht sein Heil unmittelbar im Zerbruch. In manchem Leid führt er nicht heraus, sondern direkt in seine Gegenwart. Das ernsthafte Anrufen, ist das „soli deo gloria“ in der Nacht.

Oft gehen wir davon aus, erhörliches Gebet ist das, wenn Gott uns zu Willen ist. Doch was ist das für ein Gebet, das nur sich selber meint? Wo Gottes Nähe ist, wo sein Wille geschieht, heißt das noch lange nicht, dass das immer in Harmonie und Schmerzfreiheit geschehen wird. Heilungsprozesse sind nun eben mal schmerzhaft. Wo Gott durch unsere Gebete nur unsere Unannehmlichkeiten wegpusten soll, betrügen wir uns um die Reife, die an uns geschehen soll. Wir strotzen vor Unglauben, weil wir ihm das Vertrauen entziehen, dass er aus dem bitteren Kelch seine Erlösung schaffen will. Warum wollen wir ihm so oft mit unseren Gebeten ins Handwerk pfuschen? Warum wollen wir aus den Heilswegen aussteigen, wenn es ungemütlich wird? Die Nähe Gottes ist dort am größten, wo an uns sein Wille geschieht. Da soll unser Anruf zu einem Lobgesang verwandelt werden.

Wollen wir lieber, dass der bittere Kelch an uns vorübergeht und das Heil ausbleibt?

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Zum Glück daheim

Im Gebet löst der Mensch sich von sich selbst und ist ganz in Gott zuhause.

„Lasst uns unser Herz samt den Händen aufheben zu Gott im Himmel!“
Klagel. 3, 41

Gebet ist Ausbruch. Da verändert sich die Richtung. Aufheben zu Gott, ist weg von sich selbst. Aufheben ist der hellwache Aufbruch der Hoffnung. Aufheben ist die totale Gegenrichtung des Jammers. Das schwere Herz, die müden Hände machen eine Kehrtwendung. Aufheben zu Gott ist das volle Gegenteil zu herunterziehen in mein Elend. Im Gebet geht es nicht um uns, es geht um Gott. Das Gebet verändert etwas ganz gewaltig. Es fängt als erstes an sich von sich selbst zu lösen. Im Aufheben zu Gott, wird Gott größer. Da findet eine Gewichtsverlagerung statt. Da gehen die mühselig Beladenen auf die Erquickung zu. Im Aufheben zu Gott, wird das Gebet zu dem was es ist – dankbarer Lobgesang. Das Gebet löst sich von der nur Erfüllung der eigenen Wünsche und Bedürfnisse. Es löst sich von dem Kreisen um die augenblicklichen Sorgen, von dem Gefangen sein in meinen Problemen. Wo das Herz sich erhebt, antwortet das ganze Leben seinem Gott. Es schüttet sich vor ihm aus, und macht sich für Gott ansprechbar. Die erhobenen Herzen öffnen sich über alle Freude und Trauer hinaus ihrem Gott. Es ist das Heimkommen nach einer mühseligen Reise. Es ist das Glück, wieder Zuhause zu sein. Das Herz läuft über vor Dankbarkeit, im Mutterschoß angekommen zu sein. Wir stehen vor der Türe, an der Erbarmen auf der Klingel steht.

Paulus greift diese Sichtweise des Gebetes auf: Seid beharrlich im Gebet und wacht in ihm mit Danksagung! Das sind heute zwei Weckrufe hellwach zu sein. Das löst heraus aus aller Tranduselei und allem Jammerlappen-Dasein. Beharrlich im Gebet, zeigt eine Form von konstanter Lebenseinstellung. Wir lassen nicht ab bei Gott zuhause zu sein. Das Gebet ist dann nicht mehr der Notnagel, wenn alles andere nicht mehr funktioniert. Im Gebet wachen ist ein konstantes Atem holen. Das ist die Gegenbewegung zum Müde werden und sich unter Lasten niederdrücken lassen. Wachen ist geprägt von höchster Aufmerksamkeit, sich nicht von den Schwierigkeiten bestimmen zu lassen. Beharrlich wachen und die Herzen aufheben ist das Rezept gegen Schwermut und Hoffnungslosigkeit. Wo wir nicht mehr über unsere Probleme und Lasten hinwegsehen, und unsere Lebensäußerungen nur noch vom Stöhnen über die Härten geprägt sind, müssen wir uns fragen, wohin sich unser Herz verirrt hat. Wenn die Zukunft nur noch angstbesetzt ist, fragt sich, wie wir wachen und harren. Wo wir nur noch um uns selber kreisen, wo sind wir da Zuhause? Wo wir das Herz aufheben, schwinden nicht die Probleme, doch lassen wir zu, dass Gott uns ausfüllt und damit in die Probleme hineinwirkt. Wenn wir unsere Hände aufheben, lassen wir den Allerhöchsten ans Werk.

Warum sollen uns die Lasten müden machen, wenn wir mit Danksagung im Gebet wachen?

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Der heiße Draht

Wer viel Arbeit hat, braucht umso mehr Gebet.

„Gedenkt des Herrn in fernem Lande und lasst euch Jerusalem im Herzen sein!
Jer. 51, 50

Wenn kleine Kinder das erste Mal bei der Oma übernachten dürfen, ist es für die einen ein spannendes Erlebnis und die anderen fallen in den unglücklichen Schmerz, Heimweh. Sie sind zwar bei der geliebten Oma, jedoch herausgerissen aus der gewohnten Umgebung und müssen sich jetzt mit einer für sie fremden Welt zurechtfinden. Für sie löst das Unbehagen und Sehnsucht nach der Mutter aus. Der Prophet ruft das Gottesvolk zu einem gesunden Heimweh auf. Mitten in der Fremde, unter der Herrschaft eines anderen Staates, mit völlig anderen Lebens- und Glaubensauffassungen, sollen sie ihren Glauben durchtragen. Egal wo sie sind und arbeiten, welche Herausforderungen sie zu meistern haben, ihr Herz gehört nach Jerusalem. Wo sich Leib und Leben auch befinden, der Geist ruht in der Heimat. Glaubende und Berufene sind Heimatverbundene. Gedenkt des Herrn, ist die ständig Verankerung im eigentlichen Zuhause. Egal wohin einen das Leben auch führt, welche Herausforderungen jeden Tag zu bestehen sind, da ist immer der heiße Draht zur eigenen Wiege. Für die Mächtigen dieser Welt gibt es immer die Standleitung in die Zentrale. Wo der Glaubende auch steht, das Herz gehört nach Hause. Das Gebet ist der heiße Draht in meine Welt. Je stärker die Spannungen in der Fremde sind, umso intensiver muss das Gedenken werden. Je mehr du Sturm hast, umso mehr schreite aus, sagt Luther. Das Gedenken bringt Gott in das ferne Land. Dort wo wir beten, verbindet sich Gott mit dem was auf uns lastet. Egal was passiert, durch das Gebet sind wir nie ohne Rückendeckung. Da stehen wir im Direktkontakt mit der ewigen Welt. Da beginnt mitten in Gefangenschaft und Schmerz, die Heimat aufzuleuchten. Da ist in der schweren Situation Gott gegenwärtig. Wo das Herz in seiner Not des Herrn gedenkt, steht kein Elend mehr isoliert und hilflos im Raum.

Oft ist es jedoch so, wenn die Schwierigkeiten stärker werden, wird unser Gebet schwächer. Wenn wir mit einem Menschen in die Krise kommen, bröckelt dieses Miteinander und das Beten bröckelt ebenso. Anstatt den heißen Draht zum Glühen zu bringen, wenn´s hart kommt, wird die Standleitung abgeschaltet. Wen wunderts, wenn das Gedenken aussetzt, sind wir in keiner Situation mehr heimatverbunden. Da kann uns das Schicksal richtig fertig machen. Wenn der Schmerz groß ist, brauchen wir umso mehr Heimweh. Je mehr uns das Leben durchschüttelt, umso mehr muss das Bitten und Flehen an das Herz Gottes ziehen. Das Gebet ist dann kein lästige Pflichtübung, sondern unveräußerliche Existenzsicherung. Auch wenn sich dann nicht gleich die ganzen widrigen Umstände in Luft auflösen, werden wir im und durch das Gebet stark im Kampf gegen die Umstände. Die erste Gebetserhörung ist dann, dass die Not seine lähmende und erdrückende Macht bei uns verliert. Lass den heißen Draht glühen wo du gehst und stehst, für dich und andere.

Wie können wir dieses gesunde Heimweh, viel mehr in uns verankern?

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Hauptsache gesund

Markus 1,32-39

Gesund ist, wenn die medizinische Diagnose keine Fehlanzeige liefert, so das Lexikon. Somit wären vier abgesägte Finger an der rechten Hand ungesund. Wer legt fest, was krank ist? Bin ich bei einem Idealgewicht von 67 Kilo topfit? Gesundheit ist wichtig. Die Menschen tun heute viel für ihre Gesundheit. Gesundheit steht bei den Geburtstagswünschen an oberster Stelle. Hauptsache gesund, lauten fromme Wünsche; das heißt, die Beziehungen, die Arbeit und alles andere darf krank sein. Hauptsache mir geht´s gut, und das übrige ist nebensächlich!?

Jesus irritiert dieses kranke Anspruch Denken.

  1. Gesunde Beziehung

Am Morgen, noch vor Tage, stand er auf und ging hinaus. Und er ging an eine einsame Stätte und betete dort.

Jesus, der gefeierte Wunderheiler setzt sich ab. Eine ganze Nachtschicht lang heilte er Gelähmte, trieb ungute Geister aus und tat an schwer Leidenden Engelsdienste. Er brachte total Verzweifelten den Lebensmut zurück und sprach heilende Worte denen, die keine Zukunft mehr sahen. Er offenbarte sich als der Jesus, den sich die Menschen ersehnen, der die schmerzenden Wunden verbindet. Genau solch einen Arzt braucht die gebeutelte Menschheit.

Doch am Morgen steht er auf und geht. Er zieht sich für das Morgengebet zurück und brüskiert die noch nicht Geheilten. Sein frommer Ritus ist ihm von einem Moment auf den anderen wichtiger als die Kranken. Laudes statt Heilung. Das soll ein Blinder verstehen? Er war voll für die Massen da und verkrümelt sich nun an einen einsamen Ort. Er entzieht sich den Verkrüppelten, für die er die einzig, existenzielle Hoffnung bedeutet. Jesus, warum kannst du nur so weh tun? Da scheint er, wie mancher Fromme an der Realität vorbeizugehen, zieht sich zurück, um sich vor der Arbeit zu drücken.

Doch wenn er betet, stellt er sich der Realität Gottes. Beim Beten löst er sich von Menschen und stellt sich in die Abhängigkeit Gottes. Im Beten knüpft er die Vater-Sohn-Beziehung, aus der heraus überhaupt erst ein Dienst an den Menschen möglich wird. Damit sagt er: Wenn mein Verhältnis zu meinem Vater krank ist, bin ich nicht in der Lage andere gesund zu machen. Wenn es an der Gottesbeziehung krankt, wird das Leben heillos. Auch bei Jesus beginnt alles damit, dass Gott, der Vater unser im Himmel ist. Für Jesus ist das Morgengebet existenzielle Beziehungsarbeit. Ohne das Hinausgehen an die einsame Stätte wäre etwas krank. Jesus definiert Gesundheit in der Beziehung mit Gott. Wo das Gebet schwach wird, würde sein Dienst an den Menschen verkrüppeln. Jesu Beauftragung ist nicht organische Unversehrtheit in die Welt zu bringen, sondern das umfassende Heil, das gegen die Schuld des Menschen angeht und den Urgrund von Krankheit heilt. Seine Gebete sind es, die all seinen Wundern vorausgehen.

Die Sehnsucht nach Gott steht am Anfang. Jesus macht Lust auf Gott. Die Lust auf diese Beziehung macht gesund.

  1. Krank vor lauter Gesundheit

Am Abend brachten sie zu ihm alle Kranken und Besessenen. Simon und die bei ihm waren, eilten ihm nach, als er wegging.  Als sie ihn fanden, sprachen sie zu ihm: Jedermann sucht dich. 

Jesus hätte hier in Kapernaum eine gutgehende Poliklinik aufbauen können. Die Jünger waren voll von diesem Geschäftsmodell überzeugt: Jeder sucht dich. Doch weshalb suchten sie Jesus? Wenn man sehr genau hinschaut, suchten sie eigentlich nicht Jesus, sondern „nur“ ihre Gesundheit. Ihre ganze Motivation war eine Selbstbezogene. Wer von Jesus nichts weiter will als „nur“ die Gesundheit, ist krank. Es ist ein fatales Missverständnis, zu ihm in die Sprechstunde zu kommen und nichts von ihm wissen zu wollen. Menschen, denen es um nichts weiter geht, als um ihr bisschen Gesundheit, werden eben davon krank, sagt der Theologe Voigt.

Da müsste der Satz der Jünger lauten: Nicht jeder sucht dich, sondern jeder sucht sich. Hierin liegt das Kranke bei der Suche nach Gesundheit. Da werden Wunder für eigene Zwecke missbraucht. Es geht in der Tiefe nicht um die Veränderung im Sinne Jesu, sondern um Weiterwursteln wie bisher. Wer seine Not zum Himmel schreit, wer Jesus um Heilung bittet, muss damit rechnen, dass er nicht nur wieder laufen kann, sondern dass er das ganze kranke Lebenskonzept umkrempelt. Wir dürfen Jesus um Gesundheit bitten, doch was er will ist viel mehr. Der krankhafte Schrei nach Gesundheit, ist für Jesus der Schrei nach Erlösung. Es ist der Schrei nach einem gnädigen Gott.

Gottesdienst wäre humanistisch zweckentfremdet, wenn alle Rollstuhlfahrer, die Kirche stehend verlassen würden. Bei derartigen Heilungsveranstaltungen würde Christus zu einem Wunderheiler degradiert werden, zu dem er nicht angetreten ist.

Wo jedermann Jesus sucht, kann es nicht in erster Linie um mich und meine Wehwehchen gehen, sondern wie sich Gott an meinem kranken Menschsein verwirklicht.

  1. Das Wort macht gesund

Und er sprach zu ihnen: Lasst uns anderswohin gehen, in die nächsten Orte, dass ich auch dort predige; denn dazu bin ich gekommen. Und er kam und predigte in ihren Synagogen in ganz Galiläa und trieb die Dämonen aus.

Jesus legt seine Kernkompetenz auf den Tisch. Er zieht weiter, die einen heilte er, andere ließ er in ihren Gebrechen zurück. Sein Auftrag heißt predigen. Er ist dazu da, das Wort auszubreiten. Die Verkündigung ist Basis aller Diakonie. Der Auftrag Christi, ist der Auftrag der Kirche. Alles Heil liegt in Christus und dem gesprochenen Wort. Im Wort ist die Gesundheit der ganzen Menschheit verankert. Das Wort ist das Dringlichste an Jesu Sendung. Im Wort rührt Christus nicht nur lahme Knochen, und Magengeschwüre an, sondern erneuert den Menschen von Grund auf, von seiner ganzen inneren Einstellung zum Ebenbild Gottes.

Reich Gottes entsteht nicht darin, dass die Gebrechen zu Christus kommen, sondern dass Christus im Wort in die Gebrechen kommt. Christus will sich durch das Wort im Unheil vergegenwärtigen. Das ist die weit größere Gesundheit, als fünf heile Finger. Da können Schmerzen und verkrüppelte Finger Reich Gottes trächtiger sein.

Das Wort spricht nicht nur von und über Gott, es heilt die kranke Beziehung zu Gott. Als Glaubende sind wir den Durstigen den Becher kalten Wassers schuldig, doch viel mehr ist es das Wort, das am anderen Wunder vollbringt. Es ist nicht so, dass man, indem man die Menschen liebt, automatisch Gott liebt. Die Überbetonung des Humanistischen hat in der Kirche, den Leidenden weder mehr Christus noch mehr Heil gebracht.

Wir sollen unter den Menschen aktiv sein. Doch alle Aktivität lebt aus dem Rückzug in die Beziehung im Morgengebet. Wo das Vater unser krankt, kann durch unseren Dienst niemand gesundwerden. Hauptsache gesund heißt: Christus wirken lassen. Das Wunder abgesägter Finger liegt nicht in der Entschädigung der Rentenversicherung, sondern in dem Wort, das kranke Erwartungen heilt. Gesund ist nicht die angestrebte Unversehrtheit, sondern der geheilte Umgang mit dem was krank ist.

Das ist die Gesundheit, das Heil, für die gefallene Schöpfung. Diese Gesundheit schafft allein das Gebet und das verkündigte Wort. Jesus will darauf Lust machen. Hauptsache gesund!

Beten verändert

Beten heißt, Gott zu Wort kommen lassen.
„Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein.“

Pred. 5, 1
Im Beten, treten wir in Gottes Hoheitsbereich ein. Da treten wir in einen heiligen Raum, der wie der Säulenwald der Sagrada Familia in Barcelona unsere Sinne in das Allerheiligste zieht. Da steht der Erdenbürger, dessen Unscheinbarkeit in den Himmel gezogen wird. Herz und Mund verstummen und werden in Anbetung verwandelt. Der unruhige Mensch tritt in Gottes Herrlichkeit ein. Licht und Farbe übermannen alles schattenhafte Dasein. Im Stillhalten und Aushalten verwandelt Gott seine Kinder. Unsere Worte werden immer weniger und unser Herz von dem Wunder des Allmächtigen erfasst. Beten ist das Hinübergleiten in den staunenden Lobgesang. Alles Laute und Stürmische des Alltags verliert in dieser Gottesgegenwart an Macht. Da wird in uns ein anderer mächtiger. Da werden die Schwergewichte des Lebens geordnet und neu verteilt. Beten verwandet, nicht zuerst die Umstände, die wir mitbringen, sondern uns selbst.
Wenn wir auf Jesus sehen, wie er seinen Jüngern das Beten gelehrt hat, reißt er mit dem Vater unser den Himmel auf. Da wird Gott in die Mitte platziert. „Geheiligt werde dein Name“, „dein Reich komme“, „dein Wille geschehe“! Da wird Gott nicht zuerst mit unseren Problemen zugetextet. Da bekommt der problemgeladene Mensch zuerst einen allmächtigen Gott. Gott wird nicht mit der Not der Welt zugeschwallt, sondern darüber angebetet. Aus dem vom Terror bedrohten, hektischen Raum, der durch riesige Polizeipräsenz gesichert ist, tritt der Mensch unter Antonio Gaudis Meisterwerk in die Gottespräsenz. 
Im Gebet verändert sich die Richtung. Da kommt nicht der Mensch zu Gott, sondern Gott zum Menschen. Damit ändert sich alles.
Wollen wir Gott die Zeitung vorlesen, damit er weiß, wie es auf der Erde zu geht?

Dauerkontakt mit dem Ewigen

Alle Verbindungen entstehen und werden erhalten. indem wir kommunizieren.
„Ich bete, Herr, zu dir zur Zeit der Gnade; Gott nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.“

Ps 69, 14
Beten ist der Austausch mit Gott. Dieser Austausch verbindet und lässt uns Gott erkennen. Beim Beten kommen sich Gott und Mensch näher. Wer betet, rechnet dass ein Höherer eingreift. Wenn wir beten, treten wir aus uns heraus und erwarten mehr, von etwas was größer ist als wir. Beim Beten soll Gott bei uns Raum gewinnen, auf unser Schicksal und Dasein Einfluss nehmen. Es ist das Ringen nach Hilfe, wo wir an Grenzen stoßen. Es ist der Dank und die Freude über Glücksmomente. Freud und Leid will sich mit Gott verbinden. Beim Beten wird unsere Biografie an Gott geknüpft. Es wird der handelnde Gott auf die Erde geholt. 
Wer betet, rechnet mit Gottes Erbarmen, dass sich der Mächtige zum Geringen beugt. Unsere Erdenzeit ist die Zeit der Gnade. Das ganze Leben dient dazu, uns nach diesem barmherzigen Gott auszustrecken. Von A bis Z ist alles in uns angelegt, nach diesem Erbarmen zu ringen. Jedes Gebet ist der Schrei nach dem Gott in mir. Es ist das Rufen nach Christus, der das was wir sind und was uns umtreibt, vor Gott stellt. Die Zeit der Gnade ist die riesige Chance auf Hilfe. Da wird Gott selbst ein Teil von uns. 
Aufbauende Lebensgestaltung kann daher nur Gebet sein. Leben steht dann in allen Phasen in Dauerkontakt mit dem Ewigen. Da bleibt nichts ungesehen und ungehört. Da lebt jede Not und jede Freude am Herzen Gottes. Da entkrampfen sich hilfose Verspannungen. Da ist die schrecklichste Situation nicht mehr trostlos. Beim Beten lassen wir unsere ganze Existenz von fürsorglichen Händen umfangen.
Wird nicht unser ganzes Kämpfen und Ringen armselig, wenn es nicht vom Beten getragen ist?

Wenn Finsternis schreit 

Unser Jammer gehört an die richtige Adresse.
„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.“

Ps. 22, 2
Sich von Gott verlassen fühlen ist oft der Grund, dass wir uns zurückziehen. Wer kennt nicht die einsamen Stunden, die verzeifelten Situationen, in denen wir hilflos ausgeliefert scheinen. Da sind Tage, Wochen und Monate, in denen Gott so weit weg ist, wo überhaupt nichts zu spüren ist von seiner Macht. Alles ist so grau und so sinnlos. Da ist ein Dahinsiechen eines alten Menschen in seiner Demenz, da sind Schmerzen die kein Ende nehmen, da ist Gottverlassenheit. Eine Situation voller Nacht und Zweifel, voller Hoffnungslosigkeit. Die Bewegungen werden lethargisch, die Gedanken depressiv, hilflose Schreie verfuffen in der Leere.
Für diese Gottverlassenheit gibt es nur einen Platz, Gott selbst. Der Psalmist macht seine Nacht zum Gebet. Verlassenheit bekämpft man nicht mit Rückzug, sondern Hinwendung. Wo alles um uns Nacht ist, kann der Jammer in die Nacht nicht zur Hilfe werden, das geht nur auf dem Weg zum Licht. Wo wir uns von Gott verlassen fühlen, kann nur das Anrufen helfen. Dieses Gebet, waren Jesu letzte Worte am Kreuz. Er hat sein abgeschnitten sein von Gott, Gott geklagt. Der dunkelste Punkt der Seele gehört an das Herz Gottes. Da wird die Verlassenheit zur Erlösung. Da offenbart sich in der Finsternis Gottes Nähe. Da gibt sich Gott in der ausweglosesten Lage zu erkennen. Wer sein verlassen sein vor Gott ausklagt, erfährt wie allesdurchdringend Gott gegenwärtig ist. Verlassen sind wir nur dort, wo unsere Verlassenheit nicht zum Gebet wird. Gerade solche tiefen Wege wollen neues Vertrauen wecken. Sie wollen den Glauben fördern und in der Einsamkeit zeigen, wie nahe Gott ist.
Woher sollten sonst unsere Schreie aus der Nacht Erhörung finden?

Stellvertretend beatmet 

Stellvertretung sorgt für Kontinuität.
„Herr, ich leide Not, tritt für mich ein“!

Jes. 38, 14
Bei Ausfall braucht es Ersatz. Wenn im Unternehmen jemand krank wird, muss ein anderer einspringen. Schön ist es, wenn sogar die Mitarbeiter selbst ihren Vertretungsdienst regeln. Manche Abläufe müssen einfach laufen, sonst läuft nichts mehr. Da hat ein Stellvertreter eine oft lebenswichtige Aufgabe. Unsere Atmung muss gewährleistet sein, ansonsten brauchen wir stellvertretend eine Herz-Lungen-Manschine, die uns Atem spendet.
Das Gebet ist die unablässige Verbindung mit Gott, die nicht unterbrochen werden soll. Wenn wir unser Beten anschauen, sehen wir, wie lückenhaft das abläuft. Auf die Atmung übertragen, wäre uns schon längst die Luft ausgegangen. Unser Beten kennt die kraftlosen Tage, die lauten Stunden, die alle Stille übertönen, die innere Müdigkeit, die zu keinen großen Formulierungen mehr in der Lage ist. Beten unterliegt den Höhen und Tiefen unseres Lebens. Durch Christus ist die Kontinuität sichergestellt. Wo das Beten aussetzt, sacken wir nicht ab in das Bodenlose. Da ist einer, der uns vertritt. Christus springt ein, wo bei uns die Puste ausgeht. Durch Christus fallen wir selbst in größter Not nicht aus der Gottesbeziehung.
Wir können und dürfen schwach sein. Ein Anruf genügt und Christus springt für uns ein. Wir brauchen uns nichts vormachen. Wir brauchen nicht die Helden spielen, wir brauchen nur einen würdigen Vertreter, wo wir schwach sind. Wo wir nicht mehr beten können, oder nicht mehr wissen, wie wir beten sollen, wird unsere Not zum Gebet, das durch Christus und den Geist vollendet wird. Wo unsere Schwachheit Christus anruft, haben wir eine gesicherte Atemspende.
Für die Vertretung ist gesorgt. Wollen wir sie nicht in Anspruch nehmen, wenn uns die Luft ausgeht?

Gott lässt sich nicht lumpen 

Wer Gott in den Ohren liegt, braucht kein Unheil fürchten.
Herr, steh auf, dass nicht Menschen die Oberhand gewinnen.“

Ps. 9, 20
Menschen die Macht haben können Angst machen. Vor allem bei denen, die Macht missbrauchen. Solche Oberhand kann erschrecken und Menschen ins Unglück stürzen. Die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse sind dazu angetan, die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen und zu fragen: Warum lässt Gott das zu? Es ist der Aufschrei nach einer Oberhand die Recht und Ordnung schafft. Nur ist die Warum-Frage die falsche Fragestellung. Wer ‚warum lässt Gott zu‘ fragt, grenzt sich aus und macht sich zum passiven Opfer. Da steckt die Anklage und kein aktiver Anruf dahinter. Wenn Gott die Oberhand gewinnen soll, braucht es Menschen, die nicht anklagen sondern anrufen. Menschen, die quasi in Befehlsform rufen: Herr, steh auf! Das ist dann kein zimperliches Gebet mehr. Da geht es um klare Ansage und nicht um fromme Floskeln. Gebete sind keine süßen, schönen Worte, sondern unser Herz in seiner ganzen Sturm- und Drangphase. Wo Unrecht in Recht verwandelt werden soll, ist das Kampf und Entschlossenheit. 
Gott gewinnt die Oberhand. Gegen alles, was dem Guten widerstrebt hat er Christus gesetzt, dem alle Macht im Himmel und auf Erden gegeben ist. Das ist seine Oberhand, die wir in Anspruch nehmen dürfen. Mit Christus werden wir zu Kämpfernaturen gegen das Unrecht. Er gibt uns den Mut, Gott massiv in das Unglück hineinzurufen. Die Ohnmacht der Welt braucht die Vollmacht den Glaubenden. Es braucht die Menschen, die Gott Tag und Nacht in den Ohren liegen und nicht Ruhe geben, bis Gottes Eingreifen sichtbar wird.
Mit dieser Entschlossenheit können wir beten, weil wir um seine Oberhand wissen. Es geht um unsere mitverantwortliche Grundeinstellung, auch wenn Gottes Eingreifen oft nicht unseren zeitlichen Vorstellungen entspricht. Doch es stärkt unser Gebet und macht es umso entschlossener.
Sollte Gott sich lumpen lassen, wenn wir Tag und Nacht zu ihm rufen?  

Wir haben Einfluss auf Gott 

Gott ist eine guter Verhandlungspartner.
„Amos sprach: Ach Herr, sei gnädig! wer soll Jakob wieder aufhelfen? Er ist ja so schwach. Da reute es den Herrn und er sprach: Wohlan, es soll nicht geschehen.“

Amos 7, 2-3
Amos hatte Visionen, was an Elend über das Volk Israel hereinbrechen sollte. Heuschreckenplage, die das frische Gras für die königlichen Stallungen niedermähen und Feuer, das das Land unfruchtbar machen sollte. Diese drohenden Katastrophen warf er Gott vor die Füße. Das was da kommen soll, das darf nicht sein. Das wäre das Ende für das Volk, da es voll ihren Lebensnerv treffen würde. Er besitzt die Kühnheit vor Gott zu quengeln, ihm solange auf die Füße zu treten, bis Gott von diesem Gericht absieht. 
Gott lässt mit sich reden. Der Herr des Himmels und der Erde lässt sich von seinen Geschöpfen und Dienern umstimmen. Bei Gott ist beileibe nicht alles vorherbestimmt und läuft so ab, wie er es sich vorgenommen hat. Gott redet nicht nur, er kann auch hören. Er reagiert auf Menschen. Wir können in Gottes Pläne hinein funken. Auf unser Bitten hin, ändert Gott seine Gesinnung sein Verhalten. Mit unserem Beten gehen wir in Gottes Geschichte ein. Es ist nicht nur so, dass er in unsere Geschichte eingeht, sich in unserem Leben verwirklicht, unser Dasein verändert, wir verändern auch sein Dasein. Unser Bitten beeinflusst Gott. Unser Glaube hat die Kraft, selbst Gott in seinem Vorhaben umzuschwenken. Der Glaube wagt im Gebet das Aussichtslose. Er glaubt gegen alle Drohungen und Gerichte, die Gott berechtigt angesetzt hat. Im Gebet geht weder der Glaubende noch Gott selbst unverändert hervor. Wir müssen uns von dem Gedanken lösen, Gott lasse sich nicht drein reden. Die Geschichte Gottes mit den Menschen ist eine lebendige Geschichte, die täglich neu geschrieben wird. Glaube und Gebet ist ein Welt veränderndes, Menschen veränderndes , ja sogar Gott veränderndes Geschehen. Das ist die Macht und Verheißung die unser Gebet hat.
Welches drohende Ungeheuer soll uns da den Willen zu einem kämpferischen Gebet  💐👼🏼