Begnadete gehen unfassbare Wege 

Die Zartheit Gottes, ist durch nichts zu überbieten.

“ Herr sprach zu Mose: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden, und ich kenne dich mit Namen.“

2.Mose 33, 17




Mose stand in einem intensiven Dialog mit Gott, der ihm den Auftrag erteilte, sein Volk in das verheißene Land zu führen. Mose wollte von Gott klare Zeichen, die ihm den Weg zeigen. Da kam es zu der eindrücklichen Szene, in der Gott zu Mose sagte: Verstecke dich in dieser Felsspalte, dann will ich mit meiner ganzen Güte an dir vorüberziehen und dir vorausgehen. In diesem Zusammenhang steht auch die heutige Aussage: Du hast Gnade vor meinen Augen gefunden. Gott in seiner Größe geht total einfühlsam mit seinem Boten um. Er will die ganze Nähe zum Menschen, obwohl ein Mensch diese Nähe gar nicht erträgt. Gott offenbart Herrlichkeit in der Endlichkeit dieser Welt. Das sind Kontraste und Gegensätze, wie Feuer und Wasser. Wo Gott in seiner ganzen Güte vorüberzieht, fällt so viel Licht auf den irdischen Menschen, für die er nicht mehr geschaffen ist. Das wäre eine Sonnenbrandeffekt. Gott lässt sich auf die Verhandlung mit Mose ein und schützt ihn gleichzeitig vor einer Überdosis Herrlichkeit. Wo ein Mensch Gnade vor Gott gefunden hat, legt Gott ein Gespür an den Tag, dass er niemand mit seinem Anspruch überfordert. Wenn Gott im Schutz der Felsen vorübergeht, zeigt nur die Größe an Heiligkeit, die für Menschen unerträglich ist. Gnade finden, ist so viel Gott erfahren, wie in einen Menschen passt.
Maria war genauso eine Begnadete. Der Engel brachte ihr eine horizontsprengende Botschaft. In ihr soll der Erlöser wachsen. Doch wie einfühlsam diese Unvorstellbarkeit vermittelt wird ist umwerfend. Eine zuvorkommend, freundliche Begrüßung: Ave Maria, dann der Schutzmantel: fürchte dich nicht, du hast Gnade vor Gott gefunden. Auf diese Einstimmung folgt das unerwartet Göttliche: Du bekommst ein Kind. Die Gnade macht das unfassbare Große von Gott, menschenverträglich. Da zeigt sich Gott in seiner ganzen Freundlichkeit und Sensibilität. In Christus kommt die ganze Menschenfreundlichkeit Gottes zu uns. Da wird jeder einzelne von uns ein Begnadeter. Christus ist die wohldosierte Führung Gottes die vorangeht. Er ist das „fürchte dich nicht“, wenn unser Leben in neue Herausforderungen gestellt wird. Er ist der freundliche Gruß, wenn wir Wege gehen sollen, die über unser Fassungsvermögen hinausgehen. Mit Christus haben wir die Gnade, dass ein Leben über das Menschenmögliche hinauswachsen kann.
Wie offen sind wir für die Wege, die wir nicht kennen, weil wir Gnade gefunden haben?

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Freundlich verblüffen

Wo die Enttäuschung regiert, kann man nicht versöhnt zusammenleben.
„Josef tröstete seine Brüder und redete freundlich mit ihnen.“

1. Mose 50, 21
Trösten und freundlich reden ist zunächst nichts Außergewöhnliches. Wenn wir jedoch betrachten, wem gegenüber das geschieht, bekommt die Situation eine unfassbare Brisanz. Josef legt seinen Brüdern gegenüber ein unmenschliches Verhalten an den Tag. Seine Brüder sind nicht die netten Geschwister, sondern ganz große Halunken. Es sind Betrüger, Erbschleicher und brutale Sklavenhändler. Sie bescheißen ihren Vater, verkaufen ihren Bruder als Sklave und das alles aus Habgier und Eifersucht. 
Die freundlichen Worte treffen Nahestehende, die voller Hass sind und deren Verzweiflung über sich auf ihr Gewissen schlägt. Freundlich zum Bösen ist keine menschliche Reaktion. Zumal die freundlichen Worte aus einem zutiefst gedemütigtem Herzen kommen. Josef hätte hier allen Grund, die Faust auf den Tisch zu schlagen. Freundlich ist eine Christusgesinnung. Dahinter steht ein Gott, der mit dem Übel einen grundsätzlich anderen Umgangstil pflegt. Hier begegnet der Gute dem Bösen. Angesichts der menschlichen Schande flippt Gott nicht aus, sondern heilt das Zerstörende. Wo der Gute regiert, wird das Böse nicht vernichtet sondern verwandelt. Die Gottesliebe kann nicht hassen. Das Gute ist in sich vollkommen. Würde sie sich auf das Böse einlassen, hätte sie aufgehört gut zu sein. Mit Christus antwortet Gott allem Hass. Den zerstörenden Kräften begegnet er mit heilenden Kräften. Das Böse kann nicht mit dem Bösen aus der Welt geschafft werden, da wäre noch lange kein Gutes. 
Daher kann nur ein Verwandelter freundlich reden, um andere zu verwandeln. Gott verblüfft den Sünder mit Liebe. Dietrich Bonhoeffer sagt es treffend: „Das segnende Wort verandelt auch den, der es ausspricht.“
Ist das nicht eine umwerfende Übung, den üblen Bruder mit dieser Gesinnung zu verblüffen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Massiere mit guten Worten

gute Worte sind wie eine gute Massage.

„Sorge im Herzen bedrückt den Menschen; aber ein freundliches Wort erfreut ihn.“
Sprüche 12, 25

Wir alle kennen die Kraft freundlicher Worte. Ein von Herzen ausgesprochenes Kompliment, kann einen Menschen in totale Faszination versetzen und ganz spontan ein riesiges Feuer anzünden.
Freundliche Worte entstehen, wo die Menschenfreundlichkeit Gottes im Spiel ist. Wo Worte heilende, aufbauende Kraft haben, wirkt das lebensschaffende Wort, das in einen Menschen eingegangen ist. Wo dieses Wort aktiv ist, sind Gottes Selbstheilungskräfte voll im Element.
Worte haben die Macht, es hell, oder finstere Nacht werden zu lassen. Jeder weiß, wie schnell Worte verletzen, Unglück auslösen und sich lähmend auf ein Miteinander legen. Unkontrollierte, unheilige Worte machen krank. Unfreundliche Worte bedrücken. Worte, die nicht aus einem geheiligten Leben kommen, stürzen Herzen in Sorgen und Verzweiflung.

Deshalb ist dieses Wort aus den Sprüchen keine schlichte Lebensweisheit, einfach etwas netter und freundlicher miteinander umzugehen, sondern es geht an den Kern von Zerstörung.

Die schweren Lasten des Lebens,  die die Menschen innerlich auffressen, brauchen geheiligte Worte. Sie brauchen von Christus erneuerte Menschen, von denen heilende Worte kommen.

Ist das nicht eine Mut machende Aufgabe, diese Freundlichkeit, in alles bedrückte Dasein hineinzumassieren?