Der heiße Draht 

Fest verbunden heißt, alles überstehen.

Herr, gedenke doch an deinen Bund mit uns und lass ihn nicht aufhören!“

Jer. 14, 21

Der Prophet schreit nach Gottes Stabilität. Wo Gott an seinen Bund mit den Menschen erinnert wird, geht es nicht um eine Lebensabschnittsverbindung, das geht es um die pure Existenz. Der Bund mit Gott ist so elementar wie unser Herzschlag und unser Atem holen. Wo sich Gott an Menschen bindet, wird ihm unvergängliches Leben angehaftet. Wir werden mit Freiheit und heilenden Kräften verbunden. In diesem Bund liegt eine Gegenbewegung zu dem Sterbensprozess, der auf alles Leben gelegt ist. Wo sich Gott an Menschen bindet, bekommt der Mensch eine doppelte Staatsbürgerschaft. Er ist in zwei Reichen Zuhause. Der Bund verbindet die eine Welt mit der anderen. Das Erdendasein mit seinem täglichen Kampf, hat einen heißen Draht zur heiligen Welt Gottes. Dieser heiße Draht ist Jesus Christus.Er ist die Standleitung zwischen beiden Seiten, die immer scharf geschaltet ist.

Was eine innige Verbindung ist, kann man oft bei alten Menschen beobachten. Wenn der eine Partner stirbt, ist der andere nicht mehr lebensfähig. Es gibt immer wieder „tragische“ Ereignisse, wo der zurückgebliebene Partner, dem Ersten innerhalb kurzer Zeit „nachgeht“. So eng, so fest war die Verbindung, dass wenn der eine vorausgeht, dem anderen ein Stück seiner eigenen Existenz weggebrochen ist. 

Der Bund mit Christus, ist das Andocken an unsere bessere Hälfte. Darin liegt alles was uns ausmacht. Wir sind im Mutterschoß Gottes eingeschlossen. Das ist eine Stabilität durch dick und dünn. Da hängen wir nicht mehr in den Seilen schmerzhafter Ereignisse, sondern sind darin fest Getragene. Mit einem starken Partner brauchen wir keine schwachen Tage fürchten. Mit einem starken Partner sind wir selber stark. Daher lasst den heißen Draht glühen!

Sind wir uns bewusst, dass ohne den heißen Draht uns die Lichter ausgehen?

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Glaube ist unsterblich

Dauerhaftes gibt es nicht bei vergänglichen Menschen.
„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“

Jes. 7, 9
Kurz und knapp sind wir bei dem Ewigen. Wer glaubt bleibt. Bleibendes gibt es bei dem, der nicht vergeht. Gott ist unvergängliches, immerwährendes Leben. Ohne Tod, ohne Zerfall, ohne verwelken. Er ist ein Bollwerk der Unsterblichkeit, ein ewiger Jungbrunnen. Er ist der Atem, der nie stillsteht, der Puls der immer schlägt. Er ist jeden Morgen wie ein atemberaubender Sonnenaufgang. Solange die Erde steht, soll der Rythmus von Tag und Nacht nie aufhören, hat er sich auf die Fahne geschrieben. 
Dieses Bleiben spricht Jesaja zu einem Volk, das den Zerfall nur zu gut kennt. Wie oft wurde Jerusalem zerstört und wieder aufgebaut? Zerbrüche sind des Menschen Schicksal. Da wird mühsam ein Lebenwerk aufgebaut, das in einer Nacht abbrennt. Einst blühende Kulturen präsentieren heute Ruinen. Wertvollste Beziehungen gingen in die Brüche, und am eigenen Körper spüren die Verletzlichkeit. Was in dieser Welt erschaffen wird, ist dem Zerfall ausgesetzt. 
Doch in alles Vergängliche hinein, schlägt Jesaja eine Brücke zu dem Bleibenden. Der Glaube ist eine bleibende Lebenszelle in einem brüchigen Menschen. Der Glaube ist der Griff nach Christus, der Auferstehung in den Tod bringt. Der Glaube ist das Lebenselixier in einem sterblichen Menschen. Das Frischhaltemittel gegen das Verfallsdatum. Der Glaube ist der Sonnenaufgang, der die Nacht zum Leben ruft. Der Glaube lässt die Sonne einfach über sich aufgehen, und erfüllt den jungen Morgen mit neuem Tatendrang. Der Glaube trotzt der Nacht, trotzt allem Untergang. Der Glaube feiert Auferstehung in einer heillosen Welt. Im Glauben lässt der kindlich Vertrauende, den ewigen Gott an sich zu. Der Glauben hält das Sterbende lebendig.
Warum lassen wir nicht viel öfters in unseren Untergängen die Sonne aufgehen?

Umdenken macht fröhlich 

Es ist Gottes Markenzeichen, dass sich das Blatt wendet.
„Dies ist der Tag, den der Herr macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.“

Ps. 118, 24
Tage, die der Herr macht haben eine eigene Qualität. Gottes Tage sind von Umbruch, von Umgestaltung, von Erneuerung geprägt. Da bleibt nichts wie es ist. Dieses „machen“ ist immer vom Heil machen überschattet. Das was der Herr macht, sind Erlösungs-Tage und Christus–Tage. Jeden Tag ist er unterwegs um Umbrüche zu schaffen. Dieser Psalm ist ein Loblied auf Gott, der sich in aussichtloser Lage zu seinem Volk gestellt hat. Es ist ein Lob auf den Herrn, der sich immer zu den Seinen aufmacht. 
Gott wendet sich zum Menschen, das macht die Tage anders. Da verändert sich das Leben des verlorenen Sohnes total. In seinem verwirtschafteten Dasein klickt es, er besinnt sich auf seinen Vater. An dem Punkt, an dem nicht mehr geht, kommt der Rückblick. Im Aus erinnert er sich an seinen Ursprung. Das wird zum Umbruch. Wo sich Gott in die Erinnerung bringt, geschieht die Wende. Das was der Herr macht, ist Kehrtwende, ist Umkehr, ist das zurückkommen zu ihm. Umkehr ist Gottes großartiges Lebenswerk. Das ist Sinn und Ziel all seines Schaffens. 
Somit wird jeder Klick, den er auslöst zum Fest. Er wartet nicht auf den Sohn, der sich dann zu ihm auf den Weg macht, sondern geht ihm sofort entgegen. Wenn Gott einen Ansatz von Umdenken auf all seine Bemühungen erkennt, zieht er alle Register. Umkehr ist Fest im Ausnahmezustand. Da gibt es keine Frage, keine Vorwürfe, keine Aufarbeitung und Klarstellung, da gibt es nur noch feiern und fröhlich sein. 
Auch heute ist der Tag, am dem Gott das Blatt wendet. An den Schweinetrögen unseres Lebens, stehen im Hintergrund bereits die festlich gedeckten Tische. Gott streckt uns die Hände entgegen, dass wir nicht im Jammer umkommen. Es gibt keinen erbärmlichen Zustand in unserem Leben, in dem Gott nicht das Blatt wendet. Weil Gott das macht, können wir uns freuen und fröhlich sein.
Wenn Gott diesen Glanz in unsere Tage bringen will, weshalb bleiben wir sooft am Trog sitzen?

Aus der Küche riecht Bratenduft

Matth. 22, 1-14

Wenn die Hochzeitsglocken läuten, vibriert die Familie und es kribbelt durch die Verwandtschaft. Bei keinem anderen Fest werden derartige Register gezogen. Neulich bekam ich die Hochzeitseinladung von meinem Neffen. Termin Juni 2018, also in einem Jahr. Im Blumenhaus war die längste Vorausbestellung für die Dekoration einer Hochzeit 1 ½ Jahre. Da wird eine groß Halle in Reutlingen gemietet, Köche aus Nürnberg engagiert, Fotografen aus Frankfurt angeheuert und Blumen bei den Blumenmönchen bestellt. Alles soll vom Feinsten sein, um einen Tag lang unvergessliche Momente zu schaffen. 12 Monate im Voraus liegt die Budgetplanung bei 20.000,- €. Dabei geht es nicht um ein Firmenevent, sondern um ein Hochfest von zwei Privatpersonen.

Gott hat Hochzeitsgedanken.

  • Die Kostverächter

»Mit Gottes himmlischem Reich ist es wie mit einem König, der für seinen Sohn ein großes Hochzeitsfest vorbereitete. 3 Viele wurden zu der Feier eingeladen. Als alles fertig war, schickte der König seine Diener, um die Gäste zum Fest zu bitten. Aber keiner wollte kommen. 4 Er schickte andere Diener und ließ nochmals ausrichten: ›Es ist alles fertig, die Ochsen und Mastkälber sind geschlachtet. Das Fest kann beginnen. Kommt doch zur Hochzeit!‹ 5 Aber den geladenen Gästen war das gleichgültig. Sie gingen weiter ihrer Arbeit nach. Der eine hatte auf dem Feld zu tun, der andere im Geschäft.

Stell´ dir vor, da ist eine Mega Hochzeit, und keiner geht hin. Da reißt sich ein König alle Beine heraus, um Pomp und Gloria zu servieren, und erntet ein müdes Achselzucken. Das Beste vom Besten wird aufgetischt, und mit Verachtung bestraft.

Gott lädt zur Hochzeit. Er ruft die, mit denen er feiern will. Reiches Gottes hat heute und morgen mit Hochzeit zu tun. Jesus will sein heil machen feiern. Dazu lädt er sein Volk ein. Es will die Vermählung des Bräutigams mit seiner Braut feiern. Die Gottesliebe verheiratet sich mit Sünder. Christus will sich mit seinen Erwählten unlösbar verbinden. Die Propheten rufen das durch das ganze Alte Testament, da lädt jede Predigt heute zum Fest. Ochsen und Mastkälber vom 5 Sterne Koch zubereitet, sollen anlocken. Der Duft davon soll durch Straßen und Gassen ziehen und Gäste verzücken. Gott will feiernde Menschen fröhlich zusammen haben.

Israel war geladen, wir sind geladen. Es sind die geladen, die bereits seine Gnade erfahren haben. Gott lädt ein – und der Mensch will nicht. Jesu erfährt, dass die Einladung gerade an den Guten, Bewährten, an den als zuverlässig Bekannten abprallt. Der Bratenduft steigt auf, und wird von wichtigen alltäglichen und ehrenwerten Aufgaben ignoriert. Glaubende stehen ständig in der Gefahr, die gestaltende, erneuernde Kraft des Christus auszuschlagen. Obwohl wir fromm sind, kann uns Christus nicht gewinnen. Keine Zeit, überlastet, es gibt wichtigere Dinge. Es gibt durchaus ein krasses, frommes Denken: Im Großen und Ganzen bin ich gar nicht so schlimm. Ich engagiere mich voll in meiner Gemeinde – ich bringe einen gnadenlosen Einsatz. Wenn alle wie ich wären, hätte Christus vielleicht nicht sterben müssen, das ist nur für die anderen nötig gewesen. Ich habe meine Macken, ja, doch damit kommt Gott schon zu seinem Recht. Mit solch einer Einstellung lehnen wir dankend ab. Selbstgerechtigkeit ist unter den Frommen die gefährlichste und zerstörendste Schuld.

Sie trennt von Gott, doch Gott will unbeirrt feiern.

  • Die Reingeschmeckten

›Die Hochzeitsfeier ist vorbereitet, aber die geladenen Gäste waren es nicht wert, an diesem Fest teilzunehmen. 9 Geht jetzt auf die Landstraßen und ladet alle ein, die euch über den Weg laufen!‹  10 Das taten die Boten und brachten alle mit, die sie fanden: böse und gute Menschen. So füllte sich der Festsaal mit Gästen. 

Die Tische gedeckt, die Plätze leer – nicht so bei Gott. Was jeden Gastgeber frustriert, soviel Ablehnung zu erleben, irritiert Gott in keiner Weise. Wenn er Fest will, macht er Fest. Wenn die einen nicht wollen, verschenkt sich Gott lückenlos an den Nächsten. Sein Zorn wird von seiner unbegreiflichen Geduld in den Schatten gestellt. Das ganze Gleichnis ist das Ringen eines enttäuschten Gottes, der nie aufgibt, die Seinen zu lieben und zu rufen. Selbst Zorn, selbst geballte Wallungen, verwandeln sich unter seiner eigenen Liebe. Unter der Sünde des Menschen, kommt er immer wieder an den einen Punkt: Nie wieder will ich die Erde zerstören, solange ich lebe, wird es immer Saat und Ernte, Tag und Nacht geben, und es wird immer den einladenden Gott geben.

Wenn wir uns weigern, gibt es zunächst einen leeren Platz, denn Gott vergewaltigt keinen. Liebe gewährt und gibt Freiheit auch nein zu sagen. Jesus will nur Freiwillige. Er hat andere. Er geht immer, er ruft immer. Er ruft die Reingeschmeckten, die nicht zu den Seinen zählten. Er hat sie alle erschaffen, doch im heilsgeschichtlichen Sinn gehören sie nicht dazu. Er lädt Ungläubige.

Das ist die große Wende. Wenn Jesus König von Israel ist, dann ist er das für das auserwählte Volk. Gott hat ein Volk gewählt gegen alle anderen. Das ist sein Recht, was jedoch sein Erbarmen ist. Wer so erwählt wurde, an dem wurde die Gnade wirksam. „Allein die Gnade“ heilt die Heiden. Dass sich nun Gnade weltweit ausbreitet, liegt nicht an den verstockten Israeliten, sondern weil Gott grundsätzlich alle Menschen liebt. Gott schwärmt für die Guten und Bösen, er siebt keinen aus. Die Aussieber sind wir!

Vielleicht wurde Mancher, den Gott wollte verprellt, weil er nicht in unser frommes Raster passte. Vielleicht wurde suggeriert: Du passt nicht zu uns, dein Lebenslauf ist zu bewegt, deine Psyche zu verbogen, deine Haare zu lang. Wenn Gott auf solche Typen zu geht, sollte sie keiner vom Feiern abhalten. Es geht noch einen Schritt weiter, deren Probleme müssten dann die unseren werden, weil sie Gott zu den seinen gemacht hat. Ladet ein, wen ihr findet, hat schon einen Touch von sozialer Müllabfuhr. Da sind Chaoten dabei und welche, die meinen, für Gott sei kein Platz in ihrem Leben.

Keine Sorge: Die Hochzeit steigt, die Tische werden voll.

  • Ein Fest für Dahergelaufene

14 Denn viele sind eingeladen, aber nur wenige sind auserwählt.«

Die Einladung zu Hochzeit ist keine Lappalie. Wer sie versäumt, bleibt draußen. Das Evangelium ist kein Luxus, den man sich leisten kann, oder ohne ernste Folgen darauf verzichten kann.  Jesus will hier niemand die Hölle heiß machen, sondern will vor der Hölle retten. Er droht nicht mit Feuer, Mord und Todschlag, sondern will davor bewahren. Die Hochzeit will Menschen verändern, erneuern, befreien und in einen neuen Status versetzen. Bei der Verheiratung mit dem Bräutigam werden Sünder begnadigt.

Jeder kann zu dem Fest kommen wie er ist, aber keiner kann so bleiben wie er ist, sagt Gottfried Voigt. Keiner muss mit feierlichem Gewand zu Hochzeit kommen, er muss es sich jedoch überkleiden lassen, von Christus umziehen lassen. Die Gnade lässt uns hinein, und sie bewirkt eine Sinnesverwandlung und Persönlichkeitsveränderung. Bei der Hochzeit, wird jeder Dahergelaufene von unwürdig zu würdig verwandelt. Reich Gottes ist keine Dauerparty, sondern da will die Liebe, alles was uns von Gott abhält, auf den Kopf stellen. Diese Liebe fällt nicht einfach vom Himmel herunter, sie will, dass wir uns jeden Augenblick dazu einladen lassen.

Diese Hochzeit will uns den Mund wässrig machen, dass nichts bleibt wie es ist. Der Bratenduft steigt in die Nase. Sünder sollen das Feiern lernen.

Können wir das, was uns erneuern will, so einfach ausschlagen?

Hochzeitsglocken über Aschehäufen

nur wer die Ausweglosigkeiten kennt, kann etwas mit der Güte anfangen.
„Man wird wieder hören den Jubel der Freude und Wonne, die Stimme des Bräutigams und der Braut und die Stimme derer, die da sagen: „Danket dem Herrn Zebaoth; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich. „“

Jer. 33, 11
Wenn man wieder Jubel hören wird, spricht das von Zeiten, in denen nur Klagen herrschte. Das Volk Israel lag zur Zeit Jeremias hoffnunglos am Boden. Da war nur noch Trostlosigkeit und eine Zukunftsperspektive von Null. Ein Staat völlig am Ende. In diesen kläglichen Jammer hinein, verkündet der Prophet Freude und Wonne. Rein objektiv betrachtet, ein schizophrener Wahnsinn, bar jeglicher Realität. Hier war mit Sicherheit ein phantasievoller Wunsch der Vater des Gedankens.
Doch wo der Mensch am Ende ist, ist Gott erst am Anfang. Wo in Hilflosigkeit die Freundlichkeit Gottes fällt, sind Dinge möglich, von denen kein Mensch zu träumen wagt. Wo ewige Güte das Elend der Welt berührt, ist Christus gegenwärtig. Wo der Bräutigam kommt, läuten über den Aschehäufen die Hochzeitsglocken. Gott feiert mit zerrütteten Existenzen sein Fest. Mit Christus kommt die ewige Güte in die beschwerliche Zeit. Da kann jetzt schon etwas von dem Jubel ausbrechen, mitten in unserem Jammer. Da verliert die Trostlosigkeit ihre Macht. Da strahlt über dem schreienden Elend ein Hoffnungsschimmer. Da ist die noch so niederschmetternde Situation nicht mehr zum Verzweiflen. Wo wir die Stimme des Bräutigams hören, werden wir von dem Erbarmen Gottes eingehüllt. Wir stehen noch im Schmerz unseres vergänglichen Daseins, dürfen jedoch da hininein etwas von der unvergänglichen Festfreude erleben. Die große Hochzeit steht noch aus, doch wenn der Bräutigam da ist, verwandelt sich jetzt schon die Trauer in Jubel, weil wir ihm gehören.
Kann die Braut noch klagen, wenn der Bräutigam das Haus betritt?

Verehrung ist ein Fest 

wen wir verehren, wird uns prägen.
„Der Herr sprach: Wer mich ehrt, den will ich auch ehren; wer aber mich verachetet, der soll wieder verachtet werden.“

1. Sam. 2, 30
Gott zu verehren, macht etwas mit den Menschen. Samuel war im priesterlichen Dienst an der Seite von Eli. Die Wallfahrer hatten Freude an ihm, wenn sie in dem noch jungen Israel das Heiligste besuchten. Seine freundliche Art, seine Hingabe waren für sie bestechend, während sie den Eigennutz der Söhne Elis verachteten. Samuel ehrte Gott mit seinem Leben. Er ging ganz in seiner Bestimmung auf. In seinen jungen Jahren hat er Grundlegendes erkannt; Gott zur Ehre zu leben ist das A + O aller Existenz.

Gott zu ehren geschieht nicht allein mit Worten, sondern das ist ein Lebensstil. Im verehren drücken wir aus: du bist mein ein und alles. Ehre ist die Verwunderung, die in die Totalhingabe übergeht. In der Verehrung öffnen sich ausgestreckte Hände zu Gott, die er zu füllen beginnt. In der Gottesverehrung empfangen wir unser Leben. Da wird Leben zum Gottesdienst, zu einem Fest. 
Verachtung verschließt diesesn Reichtum. Wo Gott in der Belanglosigkeit verschwindet, wird das Leben belanglos. Wo die Ganzhingabe an Gott verschwindet, geht der Mensch in einer untergehenden Welt auf. Er klammert sich an Brüchigkeit und Zerfall. Er verehrt den Tod.
Das was wir ehren macht das Leben aus. Wo wir Gott verehren, steht uns der Himmel offen. In uns lebt die Auferstehungshoffnung des Christus. In der Verehrung bringt Gott seine Gegenwart in uns zur Ehre. Wo Gott geehrt wird, ist sein Segen an uns nicht mehr aufzuhalten.
Was wir verehren prägt uns. Sind wir so offen wie Samuel, dass Gott uns überschütten?

Einträchtig macht zukunftsfähig 

„Siehe, wie fein und lieblich istˋs, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen! Denn dort verheißt der Herr den Segen und Leben bis in Ewigkeit.“

Ps. 133, 1.3
Die meisten fragen am Ende eines Jahres und am Beginn des Neuen, was war und was kommt? Was wird uns im kommenden Jahr durchtragen? Dieses Wort heute gibt die Antwort, worauf der Segen liegt und was Leben gibt, das niemals aufhört.
Einträchtig beieinander wohnen, ist ein Lebensentwurf, mitten im Unfrieden. Es ist ein tragfähiges Bild für Gemeinde und Gemeinschaft. Einträchtig wohnen geht zuerst von dem eins sein mit Gott aus. Paulus drückt es mit einerlei Sinn aus. Es ist das wie Christus gesinnt sein. Wir leben und wohnen zuerst in der Gemeinschaft mit dem Wort. Der Christus in mir, ist das verbindende Element zum anderen. Das erfahrene Heil baut Brücken zum Bruder und zur Schwester. Einträchtig beieinander, sind die von Christus zum inneren Frieden gebrachten. Einträchtig hat nichts mit Anstrengung zu tun, oder irgendwelchen Bemühungen von unserer Seite. Einträchtig können wir nur sein, durch das, was Christus an uns bewirkt hat.
Somit ist christliche Gemeinschaft nie ein Interessenverband, wie ein Fußball- oder Gesangverein. Wir sind nicht in einer Gemeinde, weil uns nur das Rahmenprogramm oder der Pfarrer gefällt. Echte Gemeinde beginnt dort, wo Jesus-Gesinnte wohnen. Wo Menschen sind, an denen Gott gehandelt hat. Hier sind nicht Menschen, die die gleichen theologischen Ansichten haben, sondern solche die ihren Frieden in Gott gefunden haben. Solche Glaubenden können zusammenwachsen. Von dieser Einheit fließt der Frieden in die Welt. Auf solches Zusammensein legt Gott seinen Segen. Da kann sich Gott entfalten und mit Gaben beschenken. Es ist ein Fest, wo solche Menschen zusammen wohnen. Das ist für das Reich Gottes eine Delikatesse, bei der das Leben nie zu Ende geht.
Wäre das nicht ein Traum für 2017, wenn von den Glaubenden solche Einträchtigkeit ausginge?

Der Schlüssel liegt in der Krippe 

im Leben zählt nur das Original.
„Es werden sich zum Herrn bekehren aller Welt Enden.“

Ps. 22, 28
Ein Tag bis Heilig Abend. Wem und was wenden sich die Menschen zu? Am Fest der heiligen Familie sind die Familientermine ausgebucht. Zwischen Glanz und Glimmer, einem schönen Essen soll für ein paar Stunden sich Harmonie und Frieden ausbreiten, wo das ganz Jahr über, das Miteinander ein Steckenritt war. Von einem äußeren Rahmen erwartet man, dass er etwas überdeckt, was im Untergrund brodelt. Jeder geht in Weihnachten mit irgendwelchen Verletzungen, mitmenschlichen Belastungen, Lebensumständen, die nicht zum Feiern anglegt sind und sehnt sich etwas Wohltuendem.
Bei allem, was wir in Weihnachen hineinlegen, kommt die eigentliche Menschlichkeit von Gott. Zum Herrn hinkehren, erschließt die Menschenfreundlichkeit Gottes. Weihnachten wird dort hell, wo Gott sein Menschliches Gesicht zeigt. Die aufgescheuchte Seele kommt an der Krippe zur Ruhe. Frieden auf Erden liegt nicht in menschlichen Bemühungen, sondern durch den Frieden, der in einem Menschen geboren wird. Ein Licht geht an, wo Gott einen Raum, einen Schoß, eine Krippe findet. Die Hinkehr zu diesem befruchtenden Ereignis lässt es Weihnachten in uns werden.
Auch wenn wir alles unternehmen um ein schönes Fest vorzubereiten, liegt der Schlüssel in der Krippe. In Christus erfahren wir Gott in seiner ganzen Menschlichkeit. Das ist der beste Besuch, den wir machen können.
Werden dabei unsere Augen nicht wie gespannte Kinderaugen zum Leuchten kommen, 

„Allein aus Gnade“ zuckt hoch

nieder mit aller Trägheit der Frommen.
„Jauchze und rühme, du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!“

Jes. 12, 6
Jubel, Festfreude, Reformation. Sind sich die Glaubenden dieses gravierenden Ereignisses bewusst? Es geht um die zentrale evangelische Botschaft. Fest der Barmherzigkeit; Erlösung, unverdient aus Gnade. Alles Begriffe, die uns anscheinend kaum noch berühren.
„Der Heilige Israels ist groß bei dir!“ Es geht um die Christus-Wirkung in uns. Gott hat sich komplett aus dem Fenster gelehnt, dass wir seine Größe erfahren. Begreifen wir noch das Wunder mit Gott versöhnt zu sein? Wir kommen uns doch so recht vor. So schlimm sind wir doch gar nicht, schlimm sind nur die anderen. Es ist Gottes Verdienst, dass wir nicht am Ziel vorbeischrammen. Sünde ist die Tatsache, dass wir ohne Christus kein Heil finden. Sünde ist übersetzt, aus seiner Bestimmung heraustreten. Es ist der Zustand ohne Gott. Daraus entsteht alles Elend. Sünde ist keine Tat, sondern das Stehen außerhalb dessen, was Gott für uns gedacht hat. In diese Sinnentleerung bringt er Christus. Gott kämpft um uns mit jeder Faser seines Seins. Das ist Barmherzigkeit. Das ist das Große. Das hat Martin Luther wieder ins Zentrum des Glaubens gestellt.
Den Zustand der Zielverfehlung durchbricht nicht der Mensch aus sich heraus, sondern Gott durch Christus. Somit führt und die Reformation nicht an ein historisches Ereignis, sondern zu diesem gewaltigen Geschenk des Heiligen Israels. Hier endet alles Leistungsdenken, weil sich Gott seinen Sohn geleistet hat. Hier beginnt das Fest – allein aus Gnade.
Spüren wir noch diese emotionale Kraft, die solch ein Geschenk auslöst? Können wir angesichts dieser Größe noch in Jubel und Dankbarkeit ausbrechen?

Siegestaumel ist unser Lebensgefühl

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wer Gott erlebt, kann einfach nur singen

„Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herr behält den Sieg!“
Ps. 118, 15, 16

Viele haben den Herbst 89 noch in lebendiger Erinnerung. Deutschland im Siegestaumel. Trabbischlangen auf den westdeutschen Autobahnen. Die Mauer ist weg. Wir sind frei! Wir haben vor Freude vor dem Fernseher geweint.

Christen leben im Ausnahmezustand. Sie sind herausgenommen aus Stacheldraht und Betonmauern. Das Christus-Ereignis hat die Welt auf den Kopf gestellt. Gott hat mit seinem aktiven Arm, eine Schneiße in das Leben gebahnt. Die Gemeinde, die Glaubenden können mit Champagner den Sieg feiern. Sie singen und tanzen auf den Mauern über einen Sieg, den niemand mehr streitig machen kann, von einem Sieg, der unanfechtbar ist. Diese Festfreude ist das Lebensgefühl der gerecht Gemachten.

Sehen wir wie Sieger aus? Leben wir als solche, die auf den bezwungenen Mauern singen und den Durchbruch feiern?
Warum kommen wir immer noch als die Leidenden und Kämpfenden daher?

Natürlich steht am Anfang noch ein Großteil der Mauer, doch die Grenzen sind offen. Wir können ohne das Genick einziehen zu mussen durch. Das alte Lied ist ausgesungen, der Jammer lachhaft, vor den Mauerresten, die gleich daneben durchgebrochen sind.

Wollen wir uns immer noch hinter fallenden Betonfragmenten verstecken und die Not beklagen? Was hält uns zurück, ein paar Meter weiter in den Durchbruch zu stehen und mit Freude vom Sieg zu singen?