Wir sind ewig

Ostern macht uns klar, dass wir für die Ewigkeit bestimmt sind. 
Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn‘ s hoch kommt, so sind‘ s achtzig Jahre, und was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe, denn es fähret schnell dahin, als flögen wir davon.“

Ps. 90,  10
„Alles, was nicht ewig ist, ist in der Ewigkeit wertlos,“  sagt C.S.Lewis. Unsere siebzig, achzig Jahre sind vor Gott wie ein Hauch des gestrigen Tages. Wir gehören gar nicht in diese Welt. Unser Erdendasein ist nur ein Gastspiel per Green Card. Wir sind für die Ewigkeit bestimmt. Wir huschen nur mal über die Erde, als Testlauf für ein ganz anderes Dasein. Die achtzig Jahre sind eigentlich dafür da, uns für eine endlose Gemeinschaft mit Gott zu qualifizieren. Christus macht an Ostern Schluss mit der Vergänglichkeit. Er nimmt den siebzig, achtzig Jahren ihre Entgültigkeit. Die Auferstehung nimmt den paar irdischen Jahren den Zeitdruck heraus. Wir verpassen nichts, ob unsere Jahre zwanzig oder hundert zählen, wir verpassen nur etwas, wenn wir Ostern versäumen. 
Mit dem Ostermorgen entsteht eine neue Zeitrechnung und neue Werteskala. Unsere flüchtigen Jahre verblassen, weil ein ganz anderer Horizont aufgeht. Wir stehen in dem Zeitfenster Gottes, bei dem 1000 Jahre wie der Tag sind, der gestern vergangen ist. Es zählt nicht mehr, was wir in unsere Jahre packen und gepackt haben, sondern ob unser Dasein eine ewigkeitliche Perspektive erhält. Mit Ostern will Christus aus Irdischem, Ewiges werden lassen. Aus diesem Ostererlebnis werden sich unsere Beziehungen anders gestalten. Vieles was uns jetzt noch wichtig erscheint, können wir als banal abhaken. Ob ich mein geliebtes Neuseeland noch zu meiner Erdenzeit bereise, oder erst vom Himmel aus anschaue, ist für die ewigkeitliche Sicht zweitrangig. 
Ostern will viel mehr Raum für die Christusperspektive schaffen. Wo uns der Tod keine Grenzen mehr setzt, können wir mit den Mühen unserer Tage anders umgehen. Unser Mühen ist nicht mehr so sehr bestrebt, Irdisches und Vorübergehendes anzuhäufen, sondern da will Christus unvergängliche Werte schaffen. Die Liebe wird bleiben, dafür will uns Ostern heiß machen. Hierin loht es sich zu lernen und zu wachsen, weil sie über unsere achtzig Jahre hinaus bleiben wird. Ostern will uns den Durchbruch schenken, dass wir uns nicht um Vergängliches vergeblich mühen.
Wenn uns die Auferstehung Christi erreicht hat, warum sollten wir da noch Angst haben, dass uns die Zeit davonläuft und wir uns vergeblich mühen?  
Christus ist auferstanden!

Gesegnete Ostern

Werbeanzeigen

Finsternis hat ausgegessen

auch wenn es eine Sonnenfinsternis gibt, so wird es nie eine Lichtfinsternis geben.
„Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein, so wäre auch die Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag.“

Ps. 139, 11-12
Gott ist Lichtglanz. So wird seine Herrlichkeit umschrieben. Wir kennen Lichtjahre und Lichtgeschwindigkeit und treffen dabei auf eine Größe, die für Menschen kaum fassbar ist. Lichtglanz ist der Raum ohne Zeit. Es ist der Anfang ohne Ende, es ist die Unendlichkeit und somit die Ewigkeit. Wo Gott ist, haben wir es grundsätzlich mit dieser Unendlichkeit zu tun, die diese vergängliche Welt durchdringt. Vergänglichkeit entsteht durch Abwendung von diesem Licht. Die Entfernung aus diesem Lichtraum schafft Finsterniss. Wo Gott nicht ist, gehen die Lichter aus. Unglaube ist Finsternis. Sich selbst zur Leuchte machen wollen, vertreibt aus dem Paradies. Aus der gefallenen Schöpfung kann kein Licht kommen. Der Mensch steht aus sich heraus auf der Seite der Finsternis. 
Licht kommt allein aus dem Lichtglanz. Diesen Lichtglanz bringt Christus in die Finsternis. Seit Christus die Erde berührt hat, gibt es keine absolute Finsternis mehr. Auch wenn die Welt aus allen Wunden blutet und die Finsternis zum Himmel schreit, ist mitten drin ein Licht angegangen, das nicht auszulöschen ist. So haben wir immer beides. Wir leben ständig in der Nacht, in der es Tag wird. Das Licht ist aus dem größten Schlachtfeld nicht mehr wegzudenken. In der verzweifelten Situation, können gar nicht mehr alle Lichter ausgehen. Selbst die kleinste LED-Lampe durchdringt den finstersten Raum. Licht ist von dieser Welt nicht mehr wegzudenken, weil Gott nicht wegzudenken ist. Durch die Gnadensonne, liegt die Finsternis in der Schreckstarre. Wo das Christus-Licht scheint, können selbst in der finstersten Nacht, die Lichter nicht mehr ausgehen.
Warum über die Finsternis klagen, wenn das Licht schon längst da ist? 

Schöner Wohnen

Offb. 21, 3-5
Ab dem Zeitpunkt, wo die Bagger anrollen, verlässt ein Neubau die Planungsphase. Da geht es nicht mehr um einen Traum, der auf Papier gebannt wurde, da werden Träume wahr. Eine Vorstellung nimmt Formen an. Ein Gedanke wird zu Materie. Eine unsichtbare Idee, entwickelt sich zu einem sichtbaren Ereignis. Der Architekt wird zu einem Verwandlungskünstler. Jeder von uns hat die Fähigkeiten dazu. Da ist der Traum vom neuen Haus, vom neuen Auto, von einem tollen Gericht das wir einmal ausprobieren wollen und plötzlich ist es da.
Gott hat einen Plan von einer neuen Erde und einem neuen Himmel.
.

1. Ein bahnbrechendes Konzept

„Der auf dem Thron saß, sprach: „Siehe, ich mache alles neu.“
Gott träumt einen spektakulären Traum. Was Gott träumt kommt. Unsere Zukunft ist keine geträumte Zukunft. Unser Lebensziel ist keine fixe fromme Idee. Unsere Hoffnung kein Wunschtraum. „Gott macht neu“, – eine diskussionsfreie Tatsache. Mit Johannes blicken wir in eine Wirklichkeit, hinter unserer Wirklichkeit, jenseits von dem Alten, in dem wir leben. Die bange Frage, wohin die Reise geht, findet in der Offenbarung eine Antwort. Unsere jetzige Wirklichkeit ist zwiespältig. Diese Wirklichkeit ist auf der einen Seite sehr gut, auf der anderen sehr schlecht. Wirklich ist die Spannung in der wir leben. Immer mit der Sehnsucht nach Entspannung.  Seit damals im Garten, gibt es Leben und Sterben, Lachen und Weinen, Trost und Trostlosigkeit zugleich. Das ist die Wirklichkeit im Jetzt. Christen sind deshalb auch keine Wirklichkeitsverneiner oder Weltflüchter. Wir alle genießen die Strahlen der Sonne und frieren zugleich in der Kälte der Nacht. Hier und jetzt gibt es Arme, aber auch Reiche. Hier und jetzt wird geschenkt und gestohlen. Alles war sehr gut – aber alles ist auch entgleist. Unsere Welt, die uns umgibt, ist weder nur gut noch nur böse. Beides zusammen ist Wirklichkeit. Auseinandersetzung mit Beidem ist Realität.
Gerade dieser Streit der Kräfte will Gott neu machen. Die Vollendung, das volle, ganze, erfüllende Ende ist der Untergang dieser Spannung. Die neue Zeit, ist die Zeit ohne Widerspruch. Es ist die Zeit ohne zweite Meinung. Die gestörte Gottesbeziehung fällt weg. Gott wird ein und alles sein. An Gottes Einzigartigkeit bleibt kein Zweifel mehr. Neu wird, dass Gott allein genügt. Neu wird, dass der Tod stirbt. Mit dem Tod stirbt die zweite Möglichkeit, die Möglichkeit zur Sünde. Mit dem Tod ist der Zweifel an Gottes Wort gestorben. Es gibt keinen Flüsterer mehr, der einem irgendeinen Mist ins Ohr bläst. Im Neuen kriegt das Vertrauen keine Risse mehr, weil das Misstrauen schon auf dem Friedhof liegt und christlich bestattet wurde. In der neuen Welt gibt es nur die einzige Wirklichkeit: Gott! Es gibt keine Enttäuschungen mehr, weil die Dinge anders sind, als wir denken. Die neue Zeit, besticht durch die Eindeutigkeit, dass nur sein Wille geschieht. Unser Wollen ist mit seinem eins geworden. Ein Ja – gesprochen wie zwischen Bräutigam und Braut. Der Tod ist die völlige Befreiung in diese neue Welt. Die Todesstunde verwandelt sich in Ewigkeitssekunden. Dieses bahnbrechende Konzept liegt auf jedem Leben und beginnt mit dem Tod. Da beginnt völlige Erlösung.
Dieses Neue…
.

2. Durchbricht bisherige Standards

 „und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ 

Es gibt keinen evangeliumsträchtigeren Satz, als eben diesen. Was einmal war, gibt’s nicht mehr.“ Gottes Welt ist ohne Altlasten. Für manche Menschen unvorstellbar, dass es eine Welt ohne Probleme gibt.  „Was war, ist vorbei“ Wenn der Tod weg ist, verschwinden die grauen, dunklen Schatten an den Novembertagen. Was war, steht mit Christus im Licht. Jeder von uns kennt die Schlagschatten der Vergangenheit: Sie sind weg! Schatten der Augenblicke, die man lieber nicht gelebt hätte, Schatten der Momente, in denen man falsch entschieden hat, Schatten, die immer dann aufsteigen, wenn keiner nach ihnen fragt. Alles weg, aus, vorbei! Was einmal war, das war. Vergangenheit, auf nimmer wiedersehen. Alle Narben, die ich mir selbst verschwieg, sind heil! Vergebung hat alles ausradiert. Die Festplatte ist gelöscht. Da gibt es nichts mehr Bisheriges, auf das man zurückgreifen könnte. Aufrechnen ist sinnlos, bzw. unmöglich geworden. Über dem was war, kommt große innere Ruhe, weil Vergangenes nicht mehr quält. Gottes Gegenwart kennt keine Vergangenheit und Zukunft, nur das ewige Jetzt. Das ist Neuschöpfung und keine Aufbesserung des Alten. Das ist noch mehr als die Kehrtwende eines Saulus zum Paulus. Vom Alten ist nichts mehr übrig. Wo alles andere weg ist, ist Gott alles in allem.
Dieser neue Standard…
.

3. Schafft gesteigerte Wohnqualität

„Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;“ 

Es geht um eine neue Stadt, um völlig neue Möglichkeit des Lebens und des Seins. Gott baut das neue Jerusalem in eine voll Misstrauen zerstörte Welt. Er baut wider besseres Wissen eine unvorstellbare Welt: die Welt des Überdauerns. Wir überdauern in ihm. Er überdauert mitten unter uns. Er schafft sich jetzt schon diesen Wohnraum unter uns. Er schlägt das Zelt der unvergänglichen Welt in unserer jetzigen Wirklichkeit auf. Dass Gott unter Menschen wohnen will, war schon immer sein Gedanke. Das bahnbrechende Konzept ist schon Wirklichkeit. All die neuen Standards leben schon. Für uns ist nur der Tod noch nicht aus der Welt, doch die Hoffnung, lebt bereits diese neue Wirklichkeit.
 „Leider gibt es keine beweiskräftigen Argumente für das Abenteuer einer solch vermessenen Hoffnung“ sagt der Theologe Jetter.
Die Hoffnung lebt bereits aus der Sicht über den Tod hinaus. Im Glauben wohnt diese neue Wirklichkeit unter uns. Weil Gott sein Zelt mitten in einer korrupten Welt aufgeschlagen hat, erfährt schon jetzt der Schmerz das Heil. Der Glaube transportiert den neuen Standard in alte Verhältnisse. Gott richtet jetzt schon seine Wohnung ein und fängt an, die Möbel aufzustellen. Die neue Welt ist nicht etwas für morgen; schon heute steht der Möbelwagen vor der Tür. Morgen beginnt die Befreiung der Welt, die heute schon frei ist, in einen eucharistischen Augenblick. In der Eucharistie zieht Ewigkeit in unsere Wohnung ein.
Die Offenbarung der Bibel tröstet nicht billig, sondern stärkt unsere Hoffnung auf das Vollkommene, das schon angefangen hat. Es stärkt die Hoffnung, dass das Unvollkommene todsicher zu Ende geht. Jesus Christus ist auferstanden, und zeltet unter uns. Somit können wir am Christ-König-Sonntag in allen Spannungen schöner wohnen.

Jetzt wird’s ewig 

durch uns wird es in unserer Umgebung heiß.
„Ihr seid meine Zeugen, spricht der Herr.“

Jes. 43, 10
Manch einer kennt noch die Sendung: Der letzte Zeuge. Ein Gerichtsmediziner bringt verborgene Wahrheiten ans Licht, um dadurch einen Mordfall aufzuklären. Er arbeitet im Namen des Opfers. Zeugen stehen nicht in ihrer eigenen, sondern in einer anderen Realität. Für diese Realität stehen sie gerade.
Glaubende stehen in einer anderen Realität. Sie zeugen nicht von einem einmaligen Ereignis, das irgendwann einmal war, sondern von einem Dauerzustand der alle Gegenwart bestimmt. Zeuge sein ist Lebensstil. Da ist das Dasein Christus geprägt. An uns ereignet sich die Welt Gottes, die für alle sichtbar wird. Da sind wir die Meilensteine für das Reich Gottes in dieser Welt. An uns und durch uns offenbart sich der lebendige Christus. Da steht nicht mehr nur der Blumenmönch, die Kantorin oder Stewardes vor uns, sondern da wird durch vergängliche Personen unvergängliches sichtbar. Da liegt in Menschen die ganze Kraft Gottes, die er in Himmel und Erde gelegt hat. Da sind die Begabungen der Menschen nur die Tastatur auf der Gott selbst Klavier spielt. Zeuge sein ist viel mehr, als andere nur zu fragen, glaubst du auch an Gott?, oder ihnen ein Traktat in die Hände zu geben. Zeuge sein ist, die Macht der ewigen Welt, in das Heute der Menschen zu bringen.
Ein schönes Zitat von Pam Vredevelt: „Glauben heißt erkennen, dass die Aufgabe, die vor uns liegt, nie so groß ist wie die Kraft, die hinter uns steht.“
Wen leben und predigen wir mit unserem Leben?

Ewigkeit ist jetzt 

Ewigkeit ist nicht weit weg.
„Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“

Dan. 7, 14
Mit der Ewigkeit ist es wie mit der Stille. Ein Ton, der erklingt ist von Stille umgeben. Er kommt aus der Stille, wird von Stille getragen und verliert sich wieder in der Stille. Ein Ton kann sich dadurch entfalten, dass er in Stille eingehüllt ist. Stille ist sein Klangraum. Mit der Zeit ist es genauso. Sie ist von Ewigkeit umschlossen. Alles was in der Zeit geschieht, ist nur möglich, weil sie von Ewigkeit getragen ist. Ewigkeit beginnt also nicht erst wenn die Zeit einmal abgelaufen sein wird.
Wenn Gottes Macht ewig ist und nicht vergeht, entfaltet sie sich jetzt in unserer Gegenwart. Diese ewige Macht durchdringt Zeit und Raum. Wir werden das Eigentliche nicht erst später erleben, wenn diese Welt vorbei ist, wir erleben das Ewige in diesem Augenblick.

Die Zeit bindet uns nur an die Vergangenheit und Zukunft und eine Entwicklung, die darin stattfindet; unsere Geschichte. Doch in der Gegenwart sind wir mit der Ewigkeit in Berührung. In dem was jetzt passiert entfaltet sich Gottes ganze Macht. Deswegen ist der jetzige Moment immer die größte und heiligste Stunde, weil sich darin Gottes Handeln manifestiert. Zwar hat er gestern gehandelt und wird morgen handeln, doch das ist ein Handeln als Erfahrung und als Hoffnung, die sich in der Erinnerung abspielt. Diese Macht eines lebendigen Gottes, der ewig handelt, erfahren wir allein in diesem Augenblick. Wir sind von Ewigkeit umgeben, wir erfahren die ganze Macht der Erlösung, wir sind in den Trost eingehüllt, der nie aufhört, das Heil beginnt heute. Ewigkeit ist jetzt. Deshalb haben wir alle Macht der Welt, weil Gott gegenwärtig ist.
Warum sollten wir noch auf etwas warten, was schon lange da ist?

Hellwach in die Zukunft 

sehnt sich nicht jeder gerne nach Durchblick?
„Viele, die unter der Erde schlafen liegen, werden aufwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zu ewiger Schmach und Schande.“

Dan. 12, 2
Wer versucht ein Geschäft nach vorne zu bringen, hat irgendwann den Entschluss gefasst, so weitermachen wie bisher, führt nicht zum Ziel. Da setzt ein Fragen und Ringen nach dem Erfolg versprechenden Weg ein. So richtig gut zu werden, braucht den zündenden Funken für die Zukunft. Da ist es lange dunkel und man spürt seinen Mangel an Durchblick, einen zielstrebigen Weg zu gehen. Doch eines Tages werden wir hellwach und es kommt zum Durchbruch.
Vieles um Gott erkennen wir nur bruchstückhaft und manches Mal gar nicht. Auch da gibt es die „Hallo-Wach-Effekte“, die uns in die Geheimnisse hinter die Kulissen blicken lassen. Von Gottes Allmacht können wir vieles in unserer eingeschränkten Sicht nicht erkennen. Mit unserem Denken können wir diese Schwelle nicht übertreten. Das eigentliche „Aufwachen“ geschieht in Christus. Da zündet der Funke, da gehen uns Welten auf. Da kommen wir der Realität Gottes und unserer Eigenen am Nächsten. Wo sich die Zusammenhänge des Lebens oft schwierig erschließen, wo sich die Fragen des Leides der Welt auftürmen, erkennen wir in Christus was wahr und gerecht, was gut und böse ist. Dieser Maßstab, nach dem irgendwo jeder hungert, geht uns dort auf, wo wir Christus begegnen. Hier erkennen wir, was ewig trägfähig ist und was keine Zukunft hat. An Christus entschheidet sich, ob ein Dasein hellwach wird oder in Schmach und Schande endet. Mit ihm stellen wir die Weichen für das Heute und für die Ewigkeit.
Wir brauchen unser Geschäft nicht auf den Konkurs zusteuern lassen, weil wir einen genialen Zündfunken für die Zukunft haben. Wir brauchen nicht unter der Perspektivlosigkeit liegen bleiben, sondern wir sind wach geworden.
Ist das nicht eine Erkenntnis, die hellwach macht und uns lebendig werden lässt, jetzt schon diese Zukunft zu gestalten?

Eintagsfliege mit Biss

ich bin dann mal kurz auf der Erde in Ferien.

„Wir sind Fremdlinge und Gäste vor dir wie unsere Väter alle. Unser Leben auf Erden ist wie ein Schatten und bleibet nicht.“
1. Chron. 29, 15

Daheim ist daheim. Auf der Erde haben wir nur Flüchtlingsstatus. Wir sind gerade mal flüchtig hier, so quasi im Vorbeigehen auf dieser Welt. Kommen,  gehen und wieder weg. Ein schattenhaftes Vorbeihuschen. Heute da, morgen fort. Nichts bleibt, nichts ist für die Ewigkeit bestimmt. Eintagsfliegen, alles brüchig. Wir sind rechtlos, schutzlos, unbeständig.

Welchen Wert geben wir diesem Schatten, diesem Gasthaus wo wir grad eben mal sind?

Unser Leben spielt sich wo ganz anders ab. Heimatgefühle haben wir nicht in der Fremde, sondern in unserem Zuhause bei Gott. Wir kommen aus der bleibenden Stadt. Da spielt unsere Musik. Unsere Heimat heißt Herrlichkeit. Wir kommen aus der Welt der unendlichen Liebe, des Friedens und des unauslöschlich Guten. Wir kommen aus dem, was einzig beständig ist. Wir müssen uns das immer wieder vor Augen malen, dass nicht das Zuhause aus dem wir kommen die unglaubliche Scheinwelt ist, sondern dieser Übergangsweg, auf dem wir jetzt sind. Wir sind Kinder des Lichtes, das steht in unserem Diplomatenpass.

Dieser Status prägt die Einstellung und unser Umgang mit dieser schattenhaften Welt. Wer ein Zuhause hat, braucht hier nur ein Gästehaus oder Übergangswohnheim. Wir leben hier, wir bringen uns leidenschaftlich ein, als die Gäste mit einer anderen Währung. Wir sind hier, sind jedoch Vertreter eines anderen Staates. Was wir tun, trägt die Handschrift unseres Heimatlandes. Das was uns hier umgibt, hat für uns den Wert einer Urlaubswohnung. Wir richten sie uns schön ein, wissen jedoch, dass wir bald wieder abreisen.

Die Qualität unseres Lebens bestimmt die Welt Gottes, zu der wir gehören. Das gibt dem Hiersein die Farbe und den Glanz und das betrachtet den Unfrieden dieser Welt genauso als schattenhaft und übergänglich. Wir leben als die Flüchtigen fest, aus dem Stand in einer anderen Welt.

Wenn wir von solch einem Zuhause kommen, gibt das nicht unserem Leben noch viel mehr Biss und Bodenständigkeit?

Singen wie drüben

Jubel, Gesang, Singen, Lob, Lebensfreude, Dank

Wo wir bei Gott sind, ist „droben“ schon hier, deshalb haben wir allen Grund zum Singen.

 

Montagmorgen in Dettingen. Da gibt es frische Blumen für die Rezeption. Verschiedene Firmen stehen auf meiner Auslieferungstour. Diese Woche begrüßte mich die Empfangsdame beim Zahnarzt: „Schön, dass Sie kommen, ich habe schon auf Sie gewartet.“
Hups! Was ist das? So viel Begeisterung für einen Strauß, der vorbestellt ist und selbstverständlich jede Woche gebracht wird? Das klang wie Musik in meinen Ohren. Ich war platt, berührt und mitgerissen. Zusammen freuten wir uns, was ein Blumenstrauß auslösen kann, dass sogar Herr und Frau Doktor dazu kamen. Ein kurzer Augenblick, der wie ein Minikonzert war, das einen ganzen Tag lang klang.

 

 
Singen wie drüben
(Offb. 15, 2-4)

1. So ein Jubel

 „Ich sah so etwas wie ein Meer, durchsichtig wie Glas und leuchtend wie Feuer. An seinem Ufer standen alle und sangen das Siegeslied, das schon Mose, der Diener Gottes, gesungen hatte, und das Lied des Lammes.“
Wo Gott ist, ist Gesang, Rhythmus und Melodie. Gott ist ein klingender Körper, der seine Umgebung in Schwingung versetzt. Gott ist der größte Klangerzeuger, ohne Aus-Schalter. Gott ist von Musik umgeben. Gott ist Gesang. Gott ist der Kammerton der Schöpfung. Schöpfung ist nicht still, Schöpfung ist dauerhaft lobende Materie. Im Brustton der Überzeugung singt Gott: „Ich freue mich auf dich, ich hab´ auf dich gewartet, alles ist sehr gut:“ 
Weil Gott ist, singt das Leben. Herzschlag, Atmen, Gehen, das Auf und Ab unserer Gedanken, drücken sich sehr stark in musikalischen Empfindungen aus. Freude ist ein jubilierendes Herz. Alles Lebendige verlangt nach einem klingenden Leib. Klang breitet sich aus. Die Melodie ist einfach da und klingt. Ganz egal, wie wir uns den Himmel vorstellen, es ist ein Klangraum, in gewisser Weise ein Tonstudio. Glasklar, transparent, edel, leuchtend, unendlich.  Unsere Erfahrungen sind zu schwach, um hier vollendete Bilder zu malen, aber er klingt. Er klingt nach Schöpfer, der sich durch Gesang entäußert und aus sich herausgeht. Es klingt nach Gemeinde, die Gottes Einzigartigkeit feiert. Dieser Raum ist erfüllt, von allem, was von Gott wie eine Saite angezupft wurde. Dieser Klangraum sind die Vereinigten Staaten von Gottes umfassender Welt. Er klingt hier und klingt drüben. Da sind die Sieger und die noch Kämpfer. Da sind die Propheten und der befreiende Christus. Es ist der feierliche Gottesdienst, der sich in jedem Gottesdienst widerspiegelt. Es ist der Ort, in dem man sich hemmungslos an Gott freut und voll nach ihm verrückt ist. Alles lobt Gott entgegen. Wo Kirche singt, schwärmt sie von Gott. Wo Menschen von den Wundern Gottes ergriffen sind, entsteht Anbetung. Im Lobgesang kreist das Herz allein um Gott und verbindet die „Angezupften.“
Dieser Gesang ist weder Selbstdarstellung noch ein erhebende Gefühl, das religiöse Menschen stimuliert. Dieser Gesang ist auch keine Unterhaltungsmusik. In der Kirchenmusik, egal in welcher Form, dreht sich alles um Gott. Gott ist der Mittelpunkt allen Singens. Alle, die Probleme damit haben, eine Ewigkeit lang Psalmen und Hymnen zu singen kann ich getrost beruhigen: Im Himmel ist alles anders. Wir werden Gott noch ganz anders erfahren. Gott unmittelbar zu begegnen lässt nicht kalt, sondern führt zu einer spontanen Gottesbegeisterung. Wir werden nur noch staunen, wir sind überwältigt, die Freude wird sprudeln, dass uns niemand zu einem Lob zwingen muss. Wenn wir jetzt schon einen Menschen lieben und total fasziniert von ihm sind, müssen wir es ihm sagen und mit allen Mitteln zum Ausdruck bringen. Es würde uns schwer fallen, es nicht zu tun. Wir können uns diese kribbelnde Freude an Gott noch gar nicht richtig vorstellen.
Voigt: „Ich denke: beglückendes, fröhliches, begeistertes Singen kommt dem was sein wird, am nächsten.“

2. Die Christus-Hymne

„An seinem Ufer standen alle, die Sieger geblieben waren über das Tier, die seine Statue nicht angebetet und die Zahl seines Namens nicht angenommen hatten.“
Loben hilft siegen. Anbeten ist mächtiger, als das, was das Leben aus der Bahn wirft. Anbetung ist ein Doppelschlag. Da schlägt das Herz für Gott und der Puls für Christus. Wer Christus anbetet, singt die Siegeshymne. Da wiederholt sich ständig der Kanon der Erlösung. Der klingt auch da hinein, wo die Märtyrer der Urkirche von Nero´s Imperium grausam bedroht wurden. Die Christus-Hymne ist der Gesang von drüben, die hier überwinden hilft.
Es gibt heute wie damals genügend Situationen alles zu verlieren; die Freiheit, das Leben, die Zukunft, Gottes Verheißungen: Aber wir verlieren sie nicht. Immer wieder sieht es so aus, als ob irgendwelche mächtigen Einflüsse, Gemeinde Gottes auslöschen. In Zeiten von Gewaltherrschern bediente man sich gerne einer verschlüsselten Sprache, wie dem Tier oder der Zahl, die für einen gewissen Buchstaben standen. Über allem Schrecken in der Geschichte, darf man nie vergessen, dass Gott den Verlauf der Geschicke in die Hände von Christus gelegt hat. So muss in der Tragik die Siegeshymne erklingen.
„Manche Siege bestehen nicht darin, dass man sich durchsetzt oder ungeschoren davon kommt, sondern auch darin, dass man unter Gefahr und Opfer, das Gebotene durchhält;“ sagt Voigt.
  Die Christus-Hymne hat eine solch tragfähige  Melodie, dass sie dem Frust, ein Schmunzeln schenkt.

3. Genug Grund zum Singen

„Groß und wunderbar sind deine Taten, Herr, du allmächtiger Gott! Gerecht und zuverlässig sind deine Wege, du König aller Völker! Wer sollte dich, Herr, nicht anerkennen, und wer deinen Namen nicht rühmen und ehren? Nur du allein bist heilig! Alle Völker werden kommen und dich anbeten, denn alle werden deine Gerechtigkeit erkennen!“ 
Das ist eine Hymne!
Das ist der Hymnus der kleinasiatischen Kirche. Ein Stück Liturgie am Ende des 1. Jahrhunderts. Es ist der Gesang einer kämpfenden Kirche, einer sich bewährenden jungen Christenheit, die den beklemmenden Maßnahmen des Kaisers Domitians ausgeliefert war.
Die leidende Kirche gibt nicht auf, weil Gott vor nichts kapituliert. Der angefochtene Glaube singt, weil ihm die Hymne im Ohr klingt. Der Glaubende hört die starke Musik: „Ich freue mich an dir, ich will dich!“ Diese Liebeserklärung ist wie ein Ohrwurm, der nicht mehr aus dem Sinn geht und uns zum Lob drängt. Glaubende haben die Nationalhymne der Erlösten im Ohr. Der Glaubende kann jetzt schon singen, weil er schon vom himmlischen Gesang angesteckt ist. In ihm entsteht eine unverschämt zuversichtliche Weltperspektive. Er starrt nicht bloß auf verletzende Worte und lässt sich außer Kurs setzen, sondern fängt an, eine neue innere Standfestigkeit zu entwickeln.
Unser zeitliches Leben ist die große Chance, etwas von dem belebenden Lob in dieser Welt zum Klingen zu bringen. Es ist die Chance, zu dem zu werden, zu dem wir gedacht sind – lobende Schöpfung. Es ist die Chance, den Überwindergeist in die Trostlosigkeit hineinzuposaunen.
Wir werden das Todesurteil für eine 27jährige schwangere Frau im Sudan, die sich zum christlichen Glauben bekennt, nicht einfach hinnehmen. Wir stehen auf, wo es darum geht, sich gegen das Böse zu stellen.
Lobsänger sind Praktiker. Lobsänger stehen mitten im Dreck. Lobsänger leben mitten in der Trauer von verschütteten Bergleuten. Wir werden die Weltgeschichte nie durchschauen, und müssen damit klarkommen, dass Gott manche Menschen durch schwere Tiefen schickt. Doch wir haben Christus und wissen, wer die eigentliche Geschichte schreibt, deshalb können wir so singen, als gehören wir schon nach „drüben“.
Wo wir bei Gott sind, ist „droben“ schon hier, deshalb haben wir allen Grund zum Singen.
Amen.