Ein heißer Hintern hilft

Es ist ein halb Himmelreich, wenn ein Mensch zur Einsicht kommt.

„Sie kehren mir den Rücken zu und nicht das Angesicht. Aber wenn die Not über sie kommt, sprechen sie: Auf und hilf uns!“
Jer. 2, 27

Auch fromme Menschen sind hartnäckig, stur und traditionsverhaftet. Gott hat es schwer, willige und geschmeidige Menschen zu finden, die sich schlicht auf sein Wort hin führen lassen. Er will Einsichten wecken, will Menschen großartige Wege aufzeigen, will ihnen das Geheimnis seiner Wahrheit näher bringen, will lebendig machen und der Mensch blockt. Da kann eine Bruderschaft Jahrzehnte im Segen stehen, umwerfende Wunder erleben, und dann tut sie sich schwer, wenn die Mitgliederzahlen schwinden, die Ursprungsgeneration älter wird, umzudenken und zu fragen: Herr, was willst du jetzt von uns? Durch unseren Prädikantendienst kommen wir in die kleinen Gemeinden auf der schwäbischen Alb. Auch da gehen die Kirchgänger zurück. Es müssen dann zwei benachbarte Gemeinden zusammengelegt werden, wo dann sonntags nur noch im Wechsel von der einen zur anderen Gemeinde Gottesdienst gefeiert wird. Da gibt es Gläubige, die sagen: Zu denen gehe ich nicht! Da haben Menschen Probleme, sich den Realitäten zu stellen. Sie machen da nicht mit, sie kehren mir den Rücken, sagt Gott. Gott will zur Erkenntnis der Wahrheit führen, das ist in der Menschenführung ein harter Brocken. Er will in der augenblicklichen Realität seine Wege aufzeigen. Das heißt zuerst, sich seiner eigenen Realität zu stellen. Einsicht braucht die Offenheit zu dem was ist. Doch aus der Menschenführung wissen wir, wie schwierig es ist Einsichten zu wecken. Warum soll das, was bisher gut und richtig war, plötzlich anders gemacht werden? Warum soll ich umdenken und neue Wege gehen?

Gott will, um des Guten willen, das er mit uns vor hat, Einsichten wecken. Wo es bei einem Menschen „Klick“ macht, und er erkennt, häng deinen Beruf an den Nagel und gehe ins Kloster, dann ist Führung gelungen. Doch er findet sich nicht damit ab, wenn sich andere schwer damit tun. Manche Menschen lernen durch Schmerzen. Sie kommen erst in Bewegung, wenn sie diese Schmerzen verhindern wollen, und das ist auch gut so. Manchmal hält Gott einen Bunsenbrenner unter den Hintern, damit Menschen lernen und den richtigen Weg einschlagen. Da kann man nicht die Methoden anprangern, sondern muss das Ziel dahinter erkennen. Es ist kein Sarkasmus, wenn Gott seine Kinder über einen Weg ins Krankenhaus rettet. Ihm geht es um die Erkenntnis der Wahrheit. Er will, dass sich ein Mensch seiner und der Gottesrealität stellt. Bis ein Mensch kapiert, muss manches Mal die Not so groß sein, dass fast die Lichter ausgehen. Erst wenn der Schmerz unerträglich wird, wächst dann die Erkenntnis: Auf und hilf uns!

Ist es nicht unwesentlich, wie wir zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, wenn wir uns dadurch auf Gott zubewegen?

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Größe liegt im Darunter

Wenn für den Menschen nichts höher ist als er selbst, woher sollte er dann seinen Trost erhalten?

„Wer will Gott Weisheit lehren, der auch die Hohen richtet?“
Hiob 21, 22

Weisheit und Einsicht ist auf dem Gipfel eines Berges. An höchster Stelle erkennt der Wanderer die Zusammenhänge des Tales. Bergsteiger lieben diese Augenblicke am Gipfelkreuz, wo ihnen alles zu Füßen liegt und sie das faszinierende Panorama erfassen, das ihnen im Tal verschlossen war. Weisheit des Lebens erschließt sich an der höchsten Stelle des Lebens, bei Gott. Das höchste Maß an Erkenntnis und Durchblick liegt bei dem Höchsten. Genau an der Stelle, die den Menschen überragt. Direkt unter Gott, ist der Mensch am Gipfel der Gefühle angekommen. Unter Gott ist der Platz, an dem sich das Leben entschlüsselt und die Zusammenhänge klar werden. Wo Gott der Höchste ist, ist alles andere darunter. Nichts überragt diese Größe. Er ist der Allumfassende, unter dem sich alles Sein abspielt. Menschliche Weisheit und Größe ist darin verankert. Wo dem Menschen nichts mehr heilig ist, wo ihn nichts mehr überragt, ist er allein seinem Können und Vermögen überlassen. Er hat sich selbst zur Größe definiert und stürzt ab, wo diese Größe angekratzt wird. Hochmut kommt vor dem Fall. Im Leben dreht sich alles darum, dass ein Mensch den Mut gewinnt, sich auf den Höchsten zu verlassen. In diesem Mut liegt die wahre Größe des Menschen. Es ist der Mut Gott über sich Gott sein zu lassen. Es ist der Mut sich loszulassen und Vertrauen in den Höheren zu wagen. Das ist die Demut gegen das selbst groß sein wollen.

Wir kämpfen und rackern um unsere Größe. Von überall wird uns zugerufen, du brauchst mehr Selbstvertrauen. Von klein auf wird uns beigebracht uns zu behaupten. In der Wirtschaft musst du der Platzhirsch sein, sonst gehst du unter. Jeder will der Größte und Beste sein, um die höchsten Marktanteile zu haben. Alles Ringen um Größe steht auf wackeligen Füßen. In diesem Selbstbehauptungskampf liegt ganz viel Angst, klein, verlassen und unbedeutend zu sein. In diesem Kampf um die eigene Größe um das eigene ich, liegt ganz viel Schwachheit, weil das Vertrauen in den Größen verloren gegangen ist. Wo wir das Vertrauen und die Demut verlieren, sind wir dazu verdammt, für uns selbst zu streiten. Diese Urteil steht über dem Leben der Gehetzten und Getriebenen. Weisheit ist sich in Demut unter Gott zu stellen. Wer in dem Höchsten ruht, braucht keine Angst für sich selbst haben.

Wie wollen wir von uns selbst Trost und Hoffnung erwarten, wenn wir keinen Höheren über uns haben?

Überlegen durch Geist

1.Kor. 2, 1-10

Vorausdenker und Vorauslebende haben es schwer. Sie sind unentwegt mit denen konfrontiert die ihrem Wissens- und Erkenntnisstand hinterher sind. Die Erkenntnis Galileos: „Und sie dreht sich doch“, brachte beinahe sein Todesurteil. Mit einer Notlüge, schwor er vor der Inquisition von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen ab und überlebte. Die Behauptung Luthers: Vergebung geschieht nicht durch Ablass, sondern durch Glaube, führte ihn in den Bann und die Kirche in eine Spaltung. Paulus in Europa unterwegs, erntete in Athen für die Verkündigung des Evangeliums Spott und Antis. Aus dieser persönlich gedemütigten Situation heraus steht er vor die Gemeinde in Korinth. Er stellt Weisheit gegen Wissen.

1. Wir sind Geheimnisträger

Uns aber hat Gott durch den Heiligen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken. Die Weisheit die wir verkündigen, ist Gottes Weisheit. Sie bleibt ein Geheimnis und vor der Welt verborgen.

Auch wenn der Mensch in der Genforschung den Zahlencode der Erbinformationen entschlüsseln kann, sind das lediglich die Grundrechenarten von Plus und Minus. An Gottes Denken kann sich keiner herandenken. Vor seiner Weisheit hängt ein Panzer-Schloss. Für Menschen nicht erforschbar. Mathematik und Logik passen nicht in dieses Schloss. Der Schlüssel für die Geheimnisse Gottes heißt Heiliger Geist. Wo dieser Geistesblitz den Menschengeist berührt, gibt es Erkenntnisse, außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. In ihn dringt ein, was der natürliche Mensch nicht versteht. In den Menschen wird ein Geheimnis hineingelegt, das sich nirgends aneignen lässt. Gott hat sich beim Menschen einen persönlichen Zugang geschaffen. Damit entsteht eine Schnittstelle für einen ganz anderen Datenaustausch. Es ist ein Geistesblitz der den Menschen Gott erkennen lässt.

Der Mensch gewinnt dabei keine höhere Erkenntnisstufe um bei Gott zu sein, nein, Gott selbst kommt. Das Geheimnis ist, dass sich im Heiligen Geist, Christus zu uns auf den Weg macht. Der Geist ist die Frucht aus Kreuz, Tod und Auferstehung. Somit stellt der Geist, das natürliche Menschsein, in die umfassende Gotteswirklichkeit. Der Geist legt das Geheimnis von Erlösung und Neugeburt in den Menschen. In einem sterblich, leiblichen Gehäuse weht Auferstehungsluft. Das Geheimnis des Geistes durchbricht damit die Gesetzmäßigkeiten aller menschlichen Wissenschaften und Erfahrungen.

Zu solchen Geheimnisträgern macht Gott Menschen wie Paulus. Jede Verkündigung lüftet ein Geheimnis. Verkündigung sind keine Worte, die von einem Redenberater geschönt sind, in ihr handelt der Christus-Geist. Wo dieses Geheimnis verkündigt wird, wirkt nicht eine gute oder schlechte Rede, sondern eine eigene geheime Macht. Es gibt keine erlernbare Methode, in der der Geist zu Menschen spricht. Sein Geheimnis offenbart Gott immer selbst, weil es keine Worte, sondern Handlung ist. Der Verkündiger bringt eine unbegreifliche Botschaft, denjenigen, die als natürliche Menschen dafür keine Antenne haben. Der Heilige Geist macht Unfassbares menschenverdaulich.

Er entlockt mit ihm, das großes Geheimnis einer alten, verstaubten Geige aus dem Kasten. In einem Menschen kommt etwas zum Klingen, das niemand anders hätte anzupfen können. Dieses Geheimnis offenbart ein Geheimnis in uns. Es offenbart, wie Gott in uns Auferstehung feiert.

2. Gescheitheit rebelliert

…, auch wenn diese Welt und ihre Machthaber das nicht als Weisheit gelten lassen wollen. Aber die Welt mit aller ihrer Macht wird untergehen.  Von den Herrschern dieser Welt hat das keiner erkannt. Sonst hätten sie Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht ans Kreuz geschlagen.

Geheimnisträger leben gefährlich. Sowohl dem Verkündiger, als auch jedem der mit Gott lebt, wird man nicht glauben. Wer eine Geige sieht und sie noch nie hat spielen hören, kann nicht glauben, dass sie die ganze Welt betören kann. Geisterfahrung ist unnormal, daher ist Christsein ungemütlich. Es treffen hier zwei Welten aufeinander. Gottesweisheit und Menschenweisheit sind Gegensätze. Dabei ist offensichtlich, dass wo der Heilige Geist vom menschlichen Denken blockiert wird, die Menschen verarmen und die Geschichte blutet. Wo die göttliche Perspektive im Leben verschlossen bleibt, verliert das Menschsein seinen Wert. Da sind wir ganz schnell in Holland wo die Erben bestimmen, wie viel Tage dem Opa noch gegeben werden.

Glaubende müssen damit leben, von anderen nicht verstanden zu werden, weil sich Glauben nicht verstehen lässt. Wegen der Menschen, die dieses Gottesgeheimnis nicht kapierten hing Christus am Kreuz. Golgatha ist das Mahnmal für die Auflehnung gegen den Geist. Glaube ist Sprengstoff für eine reizüberflutete Informationsgesellschaft. Wachsender Glaube bedeutet wachsende Herausforderung. Als Geheimnisträger sind wir keine erhabenen Helden, sondern oft die Bekämpften und Belächelten. Erkenntniswege sind oft Kreuzwege. Wer etwas sieht, was andere nicht sehen, macht sich zum Buhmann. In der Gottesoffenbarung rebellieren die Gescheiten und liegt die Konfrontation mit der Vernunft. Da kann selbst die Kirche wie bei Luther und Galileo zum Gegner werden.

Da muss ein Glaube sattelfest sein und im Geist ruhen.

3. Kraftvolles Geheimnis

Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.

Glaube und Menschenwissen haben so viel gemeinsam, wie eine Kuh vom Geige spielen. Wenn eine Geige klingen soll, kann sie nicht von Hufen getreten werden, sondern muss von einem Meister gestrichen werden. Glaube wird vom Geist gestrichen und von der Menschenweisheit mit Füßen getreten. Der Glaube sucht den König in der Krippe und nicht im Palast. Der Glaube kann  sich nicht aus menschlichen Wissen ernähren, sondern hungert nach Geist. Wo der Mensch Wissen als Macht ansieht, sieht der Glaube im Geheimnis alle Macht.

Google kämpft um das Wissen der Welt, der Glaube um ein Lebensgeheimnis, das alles Wissen übersteigt. Die Suchmaschine findet keinen Gott und keinen Erlöser, aber der Geist erschließt Herrlichkeit. Google weiß alles über eine Geige, aber der Geist bringt sie zum Klingen. Der Klang echten Menschseins kommt aus dem Loslassen an den Meister. Der Glaube bringt die Geheimnisse des Lebens zum Klingen. Um das Leben mit all seinen offenen Fragen und unliebsamen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir nicht das Wissen der ganzen Welt, sondern das Geheimnis des Geistes.

In der Kraft des Geistes, werden Schafhirten zu Volksführern. In der Kraft des Geistes, widersteht der Mönch aus Wittenberg einem Papst aus Rom. Da gehen schmerzgeplagte Krebspatienten, voll bewusst ihrem Ende entgegen. Der Geist ist die höchste Qualifikation, die einen Menschen auszeichnet. Mit dem Geist handelt der Allerhöchste im Niedrigsten. Darin findet das Unbedeutende seinen größten Wert, das Schwache seine stärkste Kraft.

Um Krisen zu meistern, hilft kein Wikipedia, da braucht es mehr Geheimnisträger. Was die Welt aufhorchen lässt und lebendig erhält, sind Menschen, die in einer höheren Weisheit stehen. Daraus kommt die Kraft, für die Schmerzbewältigung. Daraus fließt die Kraft, in einer scheinbar ausweglosen Zukunftsperspektive voller Hoffnung zu sein. Es ist die Kraft, die noch im Weltuntergang die Auferstehung erkennt.

Wir tragen dieses Geheimnis in uns, daher sind wir durch unseren Glauben zu viel mehr in der Lage, als wir selber denken können. Ich wünsche uns fröhliches Überwinden durch den Geist.

Heute ist der wichtigste Tag

Einen Tag vor deinem Tode kehre um. (Talmud)

„Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.“

Ps. 146, 4
Davon müssen, steht über jedem Tag unseres Lebens. Der Mensch lebt im Angesicht des Todes. Und das sieben Tage nach Beginn des neuen Jahres, das mit vielen Plänen und Vorsätzen gestartet ist. Zeit und Tod sind Geschwister. Wer Zeit hat, hat gleichzeitig ihr Ende im Blick. Zeit ist somit ein Geschenk, die nicht in unserer Verfügbarkeit steht. Wo wir Zeit haben, halten wir die wichtigste Gottesgabe in den Händen. Im Tod stehen wir unmittelbar vor dem Zeitgeber. Somit ruht das Leben und Sterben in Gott. So wie wir heute aufstehen und atmen sind wir Beschenkte. In dem jetzigen Augenblick liegt das ganze Glück unseres Lebens, denn keiner weiß, ob er morgen wieder aufstehen wird. Angesichts des davon Müssens, kommt die höchste Brisanz in unsere Heute. Nicht umsonst heißt es: Der Tod ist der allerbeste Lebensratgeber. Und der Talmud schreibt: Einen Tag vor deinem Tode kehre um. Auch darin steckt das tiefe Geheimnis, da keiner weiß, wann sein letzter Tag ist, kehre vorsichtshalber heute um. Komme heute zur Besinnung und stelle das Leben in das was es ist, – Gottesgabe. In dem Augenblick, indem ich das erkenne, werden viele Sorgen, die ich mir um das Morgen mache lächerlich. Wo meine Pläne dahinfliegen, muss ich mich heute fragen, zu was bin ich heute von Gott beschenkt worden. Damit verdichtet sich das Leben. Es konzentriert sich auf das Wesentliche und trennt sich vom Flüchtigen. Angesichts des Todes steigt die Qualität des Lebens. Jeder Augenblick bekommt ein Christus-Gepräge. Da geht es in erster Linie um die Frage, wie entfalten sich das Geschenk und die Gaben Gottes in meinem Leben. Da verwandeln sich meine Pläne in Gottes Ziele. Wo wir uns unserer Endlichkeit bewusst sind, wird die Gegenwart Gottes präsenter.
Bei dieser Verdichtung des Heute, wo der jetzige Moment, der wichtigste im meinem Leben wird, beginnt eine große Abspeckungskur. Da können wir gelassen Ballast ablassen. Da wird plötzlich bisher Wichtiges, völlig belanglos. Da wird meine Zeit zum kostbarsten auf der Welt, die ich nicht mehr mit Sinnlosem verschwenden will. Da fangen wir an, wertwolle Beziehungen zu bauen und belastende zu trennen. Wo wir die Beschenkten und Begnadeten sind, ist heute der wichtigste Tag in unserem Leben.
Was müssen wir über Bord werfen, um den heutigen Tag großartig und gehaltvoll zu gestalten?

Weisheit geht ans Eingemachte 

Das Wissen um Gott lernt man nicht auf der Uni.
„Der Herr gibt Weisheit, und aus seinem Munde kommt Erkenntnis und Einsicht.“

Spr. 2, 6
Weisheit aus Gott, hat nichts mit unserem menschlichen Wissen zu tun. Die Geheimnisse um Gott erschließen sich aus seinem Munde. Das ist kein Lernen unsererseits, sondern ein offenbaren seinerseits. Gott lernt man nicht dich Studium kennen, sondern wenn sein Wort durch uns durch geht. Das Wort will nicht den Verstand füllen, sondern den ganzen Menschen von Grund auf umgestalten. 
Weisheit entsteht dort, wo Gott selbst in uns Hand anlegt und in dem „alten Menschen“ eine göttliche Gesinnung wächst. Weisheit sind von Christus verwandelte Menschen. Von Brot und Wein geprägte Glaubende. In der Weisheit erkennt sich der Mensch vor Gott. Er erkennt sich in seiner Gottesbedürftigkeit, und Gottesebenbildlichkeit. Die Weisheit erschließt das Gesetz der Gnade und Barmherzigkeit. Wir erkennen unser geliebt sein unser verstanden sein und das unumstößliche Ja zu unserem Leben. Weisheit ist eine ganz andere Macht, als das Wissen, das die Menschen anstreben. Weisheit ist die Macht, dass unser aufgescheuchtes Dasein ein Zuhause hat. Wir brauchen nicht krampfhaft das Wissen zu vermehren, um das Leben sicher und angenehm zu gestalten, wir haben einen starken Platz, an dem wir zur Ruhe kommen.
Wo wir uns dem Wort hingeben und die Weisheit uns in ihre Arme nimmt, fällt Druck von uns ab. Wo der Kampf um Wissen immer mehr will und braucht und unruhig macht,  schafft die Weisheit Ruhe, weil sich darin der handelnde Gott an uns zeigt. Wo der König Salomo um Weisheit bittet, hatte er das Verlangen, dass sich Gott an ihm verwirklicht,  und durch ihn gerechtes, barmherziges und liebevolles Handeln in die Welt kommt.
Wie offen sind wir für die Veränderung, die die Weiheit in uns schaffen will?

Einsicht kommt nicht aus uns

Dass wir in Ruhe und Frieden leben können, liegt nicht in unserer Macht.
„Ich will euch Hirten geben nach meinem Herzen, die euch weiden sollen in Einsicht und Weisheit.“

Jer. 3, 15
Wo Gott Hirten gibt, ist er Herr der Gemeinde. Führung auf allen menschlichen Ebenen geht zuerst von Gott aus. Auch wenn Menschen in Kirche und Staat über uns zu bestimmen haben, laufen die Fäden auf höchster Ebene zusammen. Führung und Machtausübung steht unter göttlicher Hoheit. Wo Menschen herausgerufen sind, über andere zu bestimmen, haben sie ihre Autorität nicht aus sich. Sie sind nie die letzte Instanz, an der die Menschheit steht oder fällt. Über jedem Mächtigen steht ein noch Mächtigerer. 
Wo Gott Hirten nach seinem Herzen gibt, liegt es in der Sache, dass er auch Hirten gibt, die nicht in seinem Sinne regieren. Gott führt auch mit und trotz Despoten. In aller scheinbaren Willkür und des ausgeliefert sein an ungute Herrscher, setzt Gott die Grenzen. 
Doch wenn er Hirten nach seinem Sinn gibt, zeigt er seinen einzigartigen Führungsstil. Er gibt Christus, als ein außergewöhnliches Führungsinstrument in seinem Sinn. Unter dieser Herrschaft wächst Einsicht und Weisheit. Unter dieser Führung entsteht Ruhe und Frieden. Durch Christus können wir überhaupt die großen Linien der  hinter allem erkennen. Das ist entscheidend für den Umgang mit allen Menschen, die ein Hirtenamt oder Führungsrolle haben. Wir können sie nicht zu dieser Erkenntnis bewegen, das ist Gottes Sache. Ein Hirte der mit Einsicht und Weisheit zum Frieden führt, kann nur Gott geben. 
Das prägt unseren Umgang mit den Mächtigen, mit Vorstehern und Gemeindeleitern. Nicht unsere Diskussionen bringen zur rechten Einsicht von Führung, sondern Gott gibt und bewirkt es. Unser Einfluss ist  das Gebet. Paulus sagt: Betet für die Regierenden und für alle, die Gewalt haben. Die Fürbitte ist unser Machtinstrument für gute Hirten. Da geben wir dem die Macht, der alle Macht über die Mächtigen hat. Unsere Auseinandersetzung mit denen, die über uns Macht haben ist das Gebet, weil Gott die Einsicht bewirkt. Dann können wir in Ruhe und Frieden leben.
Müssen wir nicht viel mehr mit Gott reden, als mit unseren Hirten, an denen wir diese Einsicht nicht bewirken können?

Unverständliches verstehen 

Um in tiefe Wahrheiten einzudringen, bedarf es eines  Vergrößerungsglases.
„Ich bin der Herr, dein Gott, von Ägyptenland her. Einen Gott neben mir kennst du nicht, und keinen Heiland als allein mich.“

Hos. 13, 4
Jedes Jahr am Passafest feiern die Juden den Auszug aus Ägypten. Ein Jahresfest, wie für uns die deutsche Einheit. Wenn Gott den Blick auf diese Geschichte lenkt, manifestiert er seine Herrschaft. Er zeigt wer er ist. Das ist Pfingsten. An Pfingsten erkennt der Mensch Gott. Pfingsten ist das Wunder, dass der Geist dem Menschen Gott groß macht. Da leuchtet die ganze Bandbreite, von Gottes Handeln auf. Durch den Geist, erkennt ein Mensch die Dimension Gottes. Er erkennt den Schöpfer der Geschichte, den Erlöser, den Töster, den Herr des Wortes und die Macht der Liebe. Das ganze Spektrum göttlicher Vielfalt macht der Geist sichtbar. Wie mit einem Vergößerungsglas, rückt er die Farbigkeit Gottes in den Mittelpunkt. Der Geist ist das Vergrößerungsglas, um Gott zu erkennen. Dieses Brennglas fokusiert auf Christus und das Wort. Durch den Geist leuchtet Gottes Heilsgeschichte auf. Da kann der Mensch die Zusammenhänge des Reiches Gottes erkennen. Da wird Christus groß, der das Miteinander mit Gott in Ordnung bringt. 
Der Geist führt die Erinnerung nach Ägypten zurück. Darin lässt sich erkennen, wie nahe Gott in der Fremde, in der Gefangenschaft, in der Sklaverei ist. Der Geist zeigt den roten Faden seines wohlwollenden Handelns durch alle Wüsten. Gerade über den Weg durch die Dürrezeiten, geht er auf Christus zu. Durch den Geist kapieren wir, dass es bei Gott keine schwarzen Löcher gibt. Da ist selbst die schrecklichste Zeit, in der man sich von Gott verlassen vorkommt, eine heilige Zeit, in der Gott handelt. Der Geist führt in diese Wahrheit hinein, dass Gott in der scheinbaren Gottlosigkeit gegenwärtig ist. Kein Augenblick ist ohne Erlösung, ohne Heil und ohne Christus. Dort wo der natürliche Mensch nur schwarz sieht, erkennt man durch den Geist den Regenbogen, der schillernd am schwarzen Himmel steht. Wir sind in keiner Situation dem Untergang preisgegeben, das dürfen wir an Pfingsten erkennen.
Wenn uns dieses Erkennen so groß vor Augen gemalt wird, wie können wir da noch glauben, Gott hätte uns vergessen?
Gesegnete Pfingsten wünsche ich euch. 

Gehorsam macht weise

Weisheit liegt in dem Grad der Gotteserkenntnis.
„Der Herr sprach zu Salomo: Bitte, was ich dir geben soll! Salomo sprach: Du wollest deinem Knecht ein gehorsames Herz geben, dass er dein Volk richten könne und verstehen, was gut und böse ist.“

1. Kön. 3,, 5-9
Das ist das Streben der Menschen von Anfang an, zu verstehen, was gut und böse ist. Adam und Eva mussten unter diesem Wunsch das Paradies verlassen. An der Erkenntnis über gut und böse entscheidet sich das Wohl und Wehe der Menschheit. Mit dieser Erkenntnis steht der Mensch in der Gottesgegenwart. Am für und wider zu Gott liegt die Erkenntnis über gut und böse. In Gott selbst offenbart sich das und der Gute. Von Gott entfernt, offenbart sich das Böse. Der Wunsch von Adam war, dass er aus sich heraus verstehe, was gut uns böse ist. Das war sein Verhängnis. Er löste die Gotteserkenntnis von Gott selbst. Es setzte sein Erkennen, über die Größe Gottes. Das ist das ständige Bestreben des Menschen, mehr zu sein als Gott. Der Mensch will alles wissen, alles erkennen, alles anstreben, doch alles ohne Gott. 
Bei König Salomo gibt es eine entscheidende Wende. Er hatte den gleichen Wunsch, weil dieses Bestreben allzu menschlich ist, doch er knüpft seinen Wunsch nach Erkenntnis an ein gehorsames Herz. Gut und böse zu verstehen, liegt nicht in der Loslösung, sondern in der Bindung an Gott. Gotteserkenntnis geschieht nicht über, sondern unter Gott. Weisheit entsteht im Gehorsam. Zu dieser Erkenntnis bringt Christus. Er offenbart, wie im Gehorsam vor Gott, das Böse vom Guten überwunden wird. Der Mensch kann nie in sich das Gute entdecken, sondern immer nur in Christus den Guten. Im unter Gott bleiben, erfahren wir die Weisheit einer anderen Welt. Gehorsam stellt sich unter die Führung eines anderen. Genau in dieser Führung erfahren wir eine Weisheit, die über die menschliche Hybris hinausträgt. Somit ist der Schlüssel zur Weisheit, Christus Raum lassen und ein gehorsames Herz zu erbitten. Eine gute Aufgabe am Sonntag Rogate.
Um was wollen wir bitten, was uns der Herr geben soll?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

So schnell geht die Welt nicht unter

manches Mal brauchen wir die Krise, um danach die Auferstehung zu feiern.
„Herr, du bist´s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist.“

Neh. 9, 6
Für solch große Gotteserkenntnis brauchte es die Wüstenerfahrung. Das Volk Israel war wieder aus der langjährigen Gefangenschaft in ihrem zerstörten Land zurück. Der Tempel war eine Ruine. Sie selbst ausgelaugt, von Glaube oft nicht mehr viel übrig. Vor ihnen stand ein kompletter Neustart. Nochmal anfangen zu können ist eine Gnade. Manch einer ist in der Krise zerbrochen. Auch wir als Gemeinschaft haben mehrmals neu angefangen und wieder aufgebaut. 
Wer Zerbruch erlebt, macht die Erfahrung, selbst der tiefste Punkt des Lebens liegt nicht außerhalb von Gott.  Aus verbrannter Erde sprießt wieder frisches Gras. Auch die größte Trennung von Gott, liegt nicht hinter seiner Reichweite. Egal, was an Schuld passiert ist, es ist immer ein Neuanfang möglich. Altlasten brauchen uns nicht nachschleichen. Belastende Vergangenheit bestimmt nicht für ewig. Gott räumt auf, Gott fängt neu an. Wir haben bei Gott jeden Tag einen neuen Morgen, bei dem alle Türen offen stehen. Das Gestern spielt für ihn keine Rolle mehr. 
Neulich sagte ich zu einer Mitarbeiterin, die unter den Lasten der vielen Krankheitsausfälle stöhnte und meinte unsere Zukunft sei dadurch gefärdet, „wir haben das große Glück, dass bei keiner Krise die Welt untergegangen ist.“

Wo wir Gott erkennen, ist jeder Tag eine Neuschöpfung wie am ersten Tag. Daher sind auch heute alle Wunder möglich. Machen Sie an diesen Valentinstag irgendjemand eine Freude, dann kann auch das ein Neuanfang sein.
Wenn Gott alles und in allem ist, was wollen wir davon ausschließen?

Klug ist die Interaktion mit anderswo 

die wahren Lebenszusammenhänge lernt man nicht auf Schulen und Universitäten.
„Der Herr schaut vom Himmel auf die Menschenkinder, dass er sehe, ob jemand klug sei und nach Gott frage.“

Ps 14, 2
Wissen ist Macht. Bildung ist alles. Wer nichts Richtiges lernt, bringt es zu nichts. Alles Thesen, die wir von klein auf eingetrichtert bekommen haben. Es ist ein Genuss, sich mit gebildeten Menschen zu unterhalten. Da erfährt man oft wertvolle Impulse für das eigene Leben. Doch wenn man alles Wissen dieser Welt besäße, wäre man da gleichzeitig der edelste Mensch? Wissen und Weisheit sind zwei paar Stiefel. Die Bibel zeichnet ein ganz anderes Bild von Klugheit.
Klug ist eine Befruchtung zwischen Gott und Mensch. Auf der einen Seite hält Gott mit all seiner Erwarung Ausschau nach seinen Geschöpfen und trifft auf der anderen Seite auf Menschen, die sich auf ihn zubewegen. Er ist wie die Eizelle, die auf die Samenzelle wartet. Wenn diese beiden Elemente zusammen treffen, das ist klug. Da wächst etwas heran, das alles in den Schatten stellt. Diese Kombination ist eine Weisheit, die nicht auf dem natürlichen Wege erlernbar ist. Das ist Lernen per Interaktion. Da wächst etwas göttliches im Menschen. Diese Klugheit ist kein normaler Prozess von lernen und wachsen, sondern ein Gottesereignis. Der Zuwachs, der hier stattfindet ist, dass der Christus in uns wächst und wir mehr und mehr in die Geheimnisse Gottes hineinwachsen. In dieser Klugheit, erkennt der Mensch Gott und sich selbst. Da dringen wir in Lebengeheimnisse ein, die nicht mit mathematischen Formeln zu entdecken sind.
Wo Menschen auf diese Weise klug werden, entwickeln sich Gaben und Qualitäten, die man sich auf keiner Uni aneignen kann. In der Erkenntnis Gottes zu wachsen, ist das größte Geschenk an Weisheit. Hier lernt der Mensch unter einem anderen Horizont zu leben.
Welches Wissen und welche Weisheiten streben wir an, die uns in dieser Art über uns hinauswachsen lassen?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch allen.