Vergeben entspannt

Mit einem weiten Herzen lebt es sich gelassen, auch wenn Vorwürfe, Intrigen und Beschuldigungen über einen herunterbrassen.

„Sprich nicht: Ich will Böses vergelten! Harre des Herrn, der wird dir helfen.“
Spr. 20,22

Krieg ist nicht nur in Nord Syrien, Krieg beginnt in uns. Wo wir uns ungerecht behandelt fühlen, ziehen wir alle Register. Wer uns beleidigt und an der Ehre kratzt, muss mundtot gemacht werden. Keiner will Streit, doch ein Wort gibt das andere, in der Familie, in der Gemeinde, oder auf dem Amt bei unbeweglichen Beamten. „Das lasse ich mir nicht gefallen,“ startet Rachegelüste. Unrecht muss ja schließlich bekämpft werden. Das ist richtig, doch Gott kämpft anders. Er begegnet dem Bösen mit weitem Herzen. Er ersäuft Untaten in Liebe. Jesus lässt sich zugrunde richten, ans Kreuz schlagen und sagt: Vater vergibt ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun. Die Antwort auf Hass ist Vergeben. Wer dem Bösen mit Bösem antwortet, vermehrt es, wer ihm mit Liebe begegnet, entwaffnet es. Vergeben nimmt dem Konflikt die Luft weg. Das eine summiert das Drama, und endet im Streit um Rechthaberei, das andere verringert es, und lässt sich schmunzelnd gegenübertreten. Wem vergeben wurde, der bekommt ein geschmeidiges Herz. Wo wir selbst die Vergebung Christi erfahren haben und für uns in Anspruch nehmen, kennen wir die Entspannung, die darin liegt. Wer nicht mehr Schuld vorgeworfen bekommt, wem sein Versagen nicht mehr aufgerechnet wird, der braucht selbst nicht mehr zu rechnen. In der Vergebung haben wir bereits alles gewonnen, was unserer Ehrenrettung dient, wir brauchen nicht mehr um Ehre und Anerkennung zu kämpfen. Erfahrene Vergebung reißt Herzen auf, die allen, alles vergeben können, Da bleiben keine Reste und Reserven, die irgendwo im Magen weiterknurren. Harre des Herrn, ist das Festbeißen an der Vergebung. Wer sich an der Vergebung festbeißt, ist wie die Frühjahrsonne, die das Eis, der davorliegenden klirrenden Kälte dahinschmelzen lässt. Vergebung löst Verkrustungen und lässt sie wachsweich werden.

Im Kampf gegen all das Böse, mit dem wir uns täglich herumschlagen, ist Vergeben die stärkste Waffe. Dem ständigen Kleinkrieg können wir mit weitgewordenem Herzen begegnen. Wo der andere an mir schuldig geworden ist, entspanne ich meinen eigenen Groll, indem ich so schnell wie möglich vergebe. Es macht keinen Sinn lange zu warten, bis der andere „seine Lektion“ gelernt hat, und versauert dabei selbst . Wer vergeben lernt, hat die größte Hilfe, die Gott Menschen gibt, um mit einem weiten Herzen, dem Bösen zu begegnen.

Warum sollten wir da noch rechnen und vergelten?

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Geläuterte Worte heilen

Je klarer das Wort, umso stärker zeigt es klare Wege auf.

„Die Worte des Herrn sind lauter wie Silber, im Tiegel geschmolzen, geläutert siebenmal.“Ps. 12, 7

Die Worte des Herrn haben eine ganz andere Qualität als wir sie aus unserem Miteinander kennen. Diese Worte besitzen etwas so Klares, etwas so Reines, dass sie die ganze Welt aushebeln können. Der Wert dieser Worte ist so hochwertig, dass sie Menschen damit gesund machen. Es sind Worte die bewegen, Worte, die schillern wie Edelsteine. Wo dieses Wort gesprochen wird, geht die Sonne auf. 
Wenn wir den Vergleich zu unseren Worten anstellen, stellen wir fest, unklare, unsaubere Worte reizen. Wo Worte nicht geläutert sind, haben sie verletzende Kraft. Viele Worte zerstören das Miteinander, weil sie aus Ärger und nicht aus einem reinen Herzen kommen. Wo Worte ungeprüft herausschwallen, richten sie das größte Chaos an. Wort ist nicht Wort. Wort ist nicht neutral. Die Qualität des Wortes erkennt man, was daraus entsteht. 
Gottes Wort schafft was es sagt. Es schafft den Erlöser im Leib der Maria. Es schafft die Auferstehung vom Tod. In diesem Wort liegt die ganze Heilskraft des Christus. Wo dieses Wort auf Menschen trifft, schafft es Klarheit. Es reinigt und veredelt die Menschen. Geläuterte Worte, schaffen geläuterte Menschen. Da entstehen Leuchtfeuer, die Wege aufzeigen und Spuren hinterlassen. Worte die leuchten und für andere zur Hilfe werden, können nur aus diesem Wort kommen. Unsere Worte müssen auf den Prüfstand dieses geläuterten Wortes, wenn sie die Kraft haben sollen, für andere zum Licht zu werden. Unsere Worte brauchen den Reinigungsprozess einer Edelmetall Herstellung, wenn sie versöhnen wollen. Wo dieses Wort die Kraft in uns verliert, brauchen wir uns nicht über das Konfliktpotenzial unserer Worte wundern. Im Festhalten an diesem geläuterten Wort, liegt der Wert und die Wirkung unserer Worte. Jeder Schmerz, den unsere Worte auslösen, zeigt wie notwendig eine Reinigung ist. Wo unsere Worte nicht geläutert sind, besitzen sie in den Konflikten keine heilende Kraft. Wenn dieses edle Wort des Herrn uns vereinnahmen kann, reinigen und heilen wir unser Miteinander.
Wie fest sind wir an diesem Wort, dass unsere Worte geläutert werden? 

Vergeben ist ein Sonnenaufgang 

Wer Vergehen anrechnet, nimmt sich selbst das Leben.
„Sprich nicht: Wie einer mir tut, so will ich ihm auch tun und einem jeglichen sein Tun vergelten.“

Spr. 24, 29
Bei Gott hat sich Vergelten in Vergeben gewandelt. Denn Liebe rechnet nicht auf, sie verschwendet sich. Schöpferisch leben, heißt neu anfangen, die Sonne über dem Chaos wieder aufgehen zu lassen.
Vor ein paar Tagen machte ich mich mit ein paar lieben Menschen früh auf, um den Sonnenaufgang zu fotografieren. Eine halbe Stunde bevor die Sonne kam, verfärbte sich der Himmel von glutrot in ein leuchtendes Orange am Horizont der schwäbischen Alb. Dann der Moment, als sich die glühende Kugel über den Sattelbogen schiebt und immer größer wurde. Augenblicke, die in andere Welten versetzen und das prägende Alltagsgeschehen vergessen ließen. Der Sonnenaufgang hatte solch eine Kraft von etwas Neuem, das alles Gestern vergessen ließ. In den schönsten Farben war da einfach nur unverbrauchtes Licht.
Vergelten ist, in der Nacht bleiben. Es ist das Festhalten am Alten, an der Schuld von gestern. Vergeben ist der Sonnenaufgang, der den Tag jungfräulich macht. Gott fängt heute neu an, egal was gestern war. Wenn Gott einen Groll schieben würde, würde die Sonne nochmals glühend untergehen und nie mehr wiederkommen. Vergeltung macht dicht. Vergeltung zerstört. Vergeltung ist ein schleichendes Krebsgeschwür. Nur die Vergebung frisst das fressende Ungeheuer in uns. Wo Gott durch Christus vergeben hat, schuf er den Auferstehungsmorgen. Vergeben durchbricht den Sterbensprozess. 
Wer vergibt befreit sich selbst ertmal vom Magengeschwür. Es ist das schlichte offen werden für Neues. Vergebung heilt zunächst uns selbst und kann danach wieder auf den anderen zugehen. Vergebung radiert aus, und schafft einen Zustand, als wäre heute der erste Tag meines Lebens. Vergeben ist die verwandelnde Kraft, die zu neuer Liebe fähig macht. Jeder Sonnenaufgang soll uns daran erinnern; heute ist der erste Tag meines Lebens. Ich kann ihn ausschöpfen, als wäre nie etwas gewesen.
Wenn der Sonnenaufgang solch ein erfrischendes, energiegeladenes Erlebnis ist, warum können wir dann nicht schneller vergeben?

Atmen macht stark

Der Atem ist der Puls des Lebens
Bild
nach Pierre Stutz
Jeder Tag ist voller Gelegenheiten einen gesunden Rhythmus einzuüben, der aus Stress herausführt. Tausende Informationen ringen täglich um unsere Aufmerksamkeit. Wir spüren die Qual der Wahl. Sie entscheiden zu können kostet Kraft.
Die kann ich mir holen, indem ich mit den ganzen Tag hindurch Zwischenräume gönne. Dabei muss ich nicht sehr viel tun – ich kultiviere die Kraft der Langsamkeit und Entschleunigung. Ich beginne beim Aufstehen, beim Duschen, beim Essen, beim Sitzen, beim Gehen, bei meinem Arbeitsbeginn, meinen Pausen mit kurzen Atem- und Körperübungen.
Mit wenigen, unscheinbaren Gesten kann ich ausdrücken, was wirklich wesentlich ist im Leben. Ich erinnere mich und andere, dass wir alle viel mehr sind als unsere Leistung und unserer Erfolg.
Heute
achte ich beim Aufstehen
auf meinen Atemfluss
mein wohltuender Rhythmus
erinnert mich
an den Geschenkcharakter
allen Lebens.

Heute
lass ich mich nicht leben
sondern lebe aus meiner atmenden Mitte.

Heute
gebe ich in der Mitte des Tages
bewusst Druck ab
im tiefen ein- und ausatmen
mein Bodenkontakt verhilft mir
zu diesem wohltuenden Innehalten.

Heute
lockere ich vor dem Essen
meinen Schulterbereich
ich atme in meine Verspannungen hinein
damit das Essen zum Genuss wird
Heute
erinnere ich mich am Mittag
wie ich durch meine Atempause
die Friedenskraft weltweit verstärken kann
in der Verbundenheit mit allen Menschen
guten Willens
Heute
verweile ich im tiefen Ein- und Ausatmen
am Ende eines reichen Tages
damit ich das beglückende und Mühsame
des Tages loslassen kann
Heute
achte ich in der Stille der Nacht
vor dem Einschlafen auf meinen Atemfluss
er erinnert mich an den Lebensatem Gottes
in allem
der mir auch im Schlaf Erholung bringen wird
Heute
danke ich durch mein aufmerksames Atmen
dem Leben für seine Fülle
die in meiner Tiefe immer schon auf mich wartet
und mich auch zum Ausruhen bestärkt
Vor dem Einschlafen finde ich eine Form, die mir hilft, den heutigen Tag besser loslassen zu können.
Es kann ein Spaziergang sein, ein bewusstes Dastehen unter dem Sternenhimmel, das Genießen einer Tasse Tee oder eines Glases Wein, das Tagebuchschreiben, das Meditieren in schweigendem Sitzen, das Vorlesen eines Meditationstextes. Wie auch immer: Der Atem wird mich begleiten in diesem achtsamen Abschluss meines Tages. Er wird mich auch daran erinnern, dass sogar in meinem Schlaf der Atem mich verbindet mit Kosmos und Schöpfung.