Unser Ende beginnt heute

Gott braucht keine goldenen Kelche, sondern goldene Menschen. (Johannes Crysostomus)

„Silber und Gold kann nicht erretten am Tage des Zorns des Herrn.“
Hes. 7, 19

Glaubende leiden oft an geistlicher Schizophrenie. Sonntags die feinen, treuen Kirchgänger und montags verreißen sie sich den Mund über ihren Arbeitskollegen. Da wird einerseits eine fromme Schau abgezogen, um überall einen sauberen Eindruck zu hinterlassen und im Keller heulen die Wölfe. Glaube ist nicht Leben, sondern nur eine Hülle, wie bei nicht durchgefärbten Kerzen. Da ist innen etwas anderes drin als der Anschein, den sie von außen macht. Gott will echte, will durchgefärbte Menschen. Hesekiel macht dafür eine heilsame Übung. Betrachte dein Leben von deinem Ende her und du wirst sehen was trägt und fällt. Das Ende verschafft Klarheit über das Heute. Der Glaube denkt immer vom Ende her und erhält darin seine Tiefe. Wenn man, wie wir in dieser Woche, sieben Trauerfeiern oder Beerdigungen zu dekorieren hat und dann entsprechend vor Särgen und Urnen steht, bewegen einen viele Gedanken. Hat dieser Verstorbene, der hier vor einem liegt, seinen Lebensauftrag entdeckt und erfüllt? Hat er auf Werte gesetzt, die ihn jetzt weitertragen? Hat er viel gearbeitet, um seinen Erben ein ordentliches Kapital zu hinterlassen? Was ist aus den Gaben geworden, die er für sein Leben mitbekommen hatte? Wurde er zur Melodie, für die er gedacht war? Wer am Ende steht, steht unmittelbar vor seinem Schöpfer. Da entscheidet sich die Qualität des Lebens. Da wird die Bilanz gezogen. Bleiben nur Gold und Silber übrig, oder sind in diesem Leben goldene Menschen entstanden. Haben die Werte des Glaubens formende Kraft erhalten? Ist die befreiende Kraft von Christus in die Welt geflossen?

Je früher wir die Übung vom Ende machen, umso klarer werden unsere Weg von heute. Diese Übung löst eine allesentscheidende Werteverschiebung aus. Wir stehen damit bereits vor unserem Gott. In seiner Gegenwart ordnen sich alle unsere Entscheidungen und Handlungen. Wir erkennen unsere Gaben, die zu nichts anderem da sind als Gott und den Menschen zu dienen. Da können wir weder die Gaben für uns selbst verbrauchen, noch große Lobpreisabende feiern und Christus ehren, wenn wir uns nicht draußen auf der Straße um ihn kümmern, wo er in Schutzlosigkeit und Unrecht zugrunde geht. Unser Ende beginnt heute. Wo wir das erkennen, kann Christus uns zu goldenen Menschen verwandeln, die zum Segen für die Welt werden.

Wo sind die Geringsten in unserem Umfeld, denen wir zum Christus werden?

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Umkehren macht fruchtbar

Wer liebt, kann zu Fehlentwicklungen nicht ja sagen.

„Bekehrt euch, ein jeder von seinem bösen Wege und von euren bösen Werken.“


Jer. 25, 5



Gott ist in seiner Kritik nicht zimperlich. Wo wir uns heute immer mehr angewöhnen, das Gute im anderen zu erkennen und aufzubauen, um ja nicht das Selbstbewusstsein anzukratzen, nimmt der Liebhaber des Lebens kein Blatt vor den Mund, wo es um das Böse geht. Seine Adresse sind dabei die Glaubenden, nicht die Gottlosen. Er will eine Kehrtwende bei denen, die sich eigentlich gar nicht so übel vorkommen. Er spricht sein Volk an, die, die zur Gemeinde gehören, uns, die wir uns seine Nachfolger nennen und benennt böse Wege und böse Werke. Bei denen, die Gott lieben und zu ihm gehören, liegt erschreckendes im Argen. Da schmückt jeder sein Zuhause und seine Kirche adventlich, hängt beleuchtete Sterne in die Fenster, doch bereiten sich zu diesen äußeren Zeichen, die Herzen auf das Kommen des Lichtes vor? Gerade in der Adventszeit brechen riesige Spannungen auf. Die Vorbereitung auf die Krippe will zu Besinnung und Ruhe führen, doch die Glaubenden scheinen gerade in dieser Zeit das Tempo zu erhöhen, für das, was da alles noch erledigt werden muss. Gott sagt: Bekehrt euch! Halt an, dreh um! Stopp, das ist die falsche Richtung! Frommer Mensch, du vergallopierst dich gerade! Er kann es nicht mit ansehen, wenn er seinen Kindern Gutes tun will und sie sich verrennen. Gott tritt die Bremse, wo die Seinen am Ziel vorbeischießen. Auf die unsanfte Art will er aufschrecken und Besinnung wecken. Dort wo alles andere wichtiger geworden ist, will er seine Präsenz festmachen. Kehr um, hinterfrage dich, stoppe deine Aktionen, sind Gottes Konfrontation mit Advent. Dein Trubel trennt dich von meinem Wohlwollen. Die Liebe ist es, die dem Ertrinkenden den Rettungsring zuwirft und notgedrungen an den Haaren herauszieht. Weil Gott liebt, kann er nicht mit netten Worten unser Treiben begleiten, sondern muss uns wachrütteln und durchschütteln, damit wir sehen, wie ernst er es meint. 
Gerade die vollgepackte Adventszeit, in der wir selbst in unseren frommen Programmen unterzugehen drohen, ist ein Umdenken nötig. Gott will die Christusgeburt in uns feiern. Da ist alles fehl am Platz, was uns nicht darauf vorbereitet. Da ist ein radikales Dagegen Steuern gegen alle Betriebsamkeit angesagt. Böse Wege sind die, die nicht zur Krippe führen.
Wo sind wir gefordert, anzuhalten, umzudenken und ganz neue Wege einzuschlagen?