Ruhe ereignet sich

Es gibt nicht nur die Ruhe vor dem Sturm, sondern auch die Ruhe im Sturm.

„Sie sollen sicher wohnen, und niemand soll sie schrecken.“
Hes. 34, 28

Dieser Zuspruch geht an das kleine Volk Israel, das von Großmächten eingekeilt ist. Zur einen Seite Ägypten, zur anderen Babylon. Solch eine Konstellation ist alles andere als sicher. Das ist ein Leben auf dem Pulverfass, bei dem alle Sensoren auf Bedrohung ausgerichtet sind. Unter ständiger Angst sitzt man bei seinem Essen. Kein Fest kann mehr entspannt gefeiert werden. Der Schreck sitzt im Nacken. Die Unruhe wird zum täglichen Begleiter. In diese reale Unsicherheit spricht der Prophet den Glaubenden zu: Ihr sollt sicher wohnen. Gott macht sicher. Er durchdringt den Wohnraum der Menschen in äußerer Bedrohung. Wer sicher wohnt, hat entweder einen Bunker in dem er sich verstecken kann, oder einen Gott der selbst zu sicheren Wohnung wird. In allen äußeren Einflüssen, die auf Menschen einwirken, will Gott Einfluss nehmen. Er kommt mitten in die Angst und all das, was den Menschen aufschreckt und in Atem hält. Mit Christus gibt er dem Volk seine Ruhe zurück. In die äußere Unruhe, kommt eine innere Ruhe. Christus ist der Gegenpol zur Angst. Wo die Ruhe einkehrt, kann der Schreck nicht mehr in Unruhe versetzen. Mit Christus ist die Sicherheit stärker als die Bedrohung. Da lebe ich in einer sicheren Wohnung, auch wenn das Haus unter Beschuss ist. Wo ich in Christus lebe, lebe ich auch in ihm, wenn ich sterbe. Da kommt der Kampf um meine Existenz zur Ruhe. Das ist die stärkste Verankerung und Sicherheit die ein Mensch erfahren kann. Da ist alles umsorgt, von dem „sicher in Christus.“

Wo wir ständig getrieben sind, wo wir unruhig durch unsere Tage gepeitscht werden, wo uns all die widrigen Umstände aufbringen, brauchen wir diese Ruhe. Wir denken immer wieder, wir könnten uns selbst diese Sicherheit verschaffen. Wenn wir einen Krisenherd beseitigt haben, geht in der nächsten Ecke ein Feuer los. Wir werden mit unseren eigenen Rettungsversuchen nie zu Ruhe kommen, weil immer wieder ein Angstmacher aufsteht, der uns bedroht. Wir können die Ruhe nicht von den äußeren Umständen erwarten. Auch wenn wir heute für Frieden in einem Konflikt gesorgt haben, versetzt uns morgen der nächste Knüller in Schrecken.

Wir leben nicht als die Aufgeschreckten und Angstverseuchten, sondern als die, die in Christus zu Ruhe gekommen sind. Aus dieser Ruhe heraus, können wir aller Unruhe begegnen. Das entspannt alle Hektik und alles Verkrampfen. Da werden wir zu einem Ambos, an dem viele Hämmer zerbrechen, weil er geduldig ihre Schläge erträgt.

Wollen wir da nicht jubilieren und triumphieren, lieben und loben, über solch eine Macht dort droben?

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Unterm Regenbogen 

Über der Unversöhnlichkeit der Menschen leuchtet ein ewiger Bund.
„Gott sprach zu Noah: Siehe, ich richte mit euch einen Bund auf und mit euren Nachkommen und mit allem lebendigen Getier, dass hinfort keine Sintflut mehr kommen soll, die die Erde verderbe.“

1. Mose 9, 9-11
Ein Bund fürs Leben, das ist Gottes Antrieb. Ein Bund gegen das Verderben, soll die Menschen erhalten. Mit einem leuchtenden Regenbogen verkündet Gott: Untergang war gestern. Diese faszinierende Farbenspiel ist die Wende von der wolkenverhangenen Nacht, durch die die Sonne wieder aufbricht. 
Ein Regenbogen setzt immer neu in Erstaunen. Er hat etwas magisch Erfreuliches in sich. Der Regenbogen lässt einen finstern Himmel hinter sich. Welch ein starkes Gemälde, wie Gott nach Leben und Versöhnung lechzt. Mit einem farbenfrohen Lichterbogen steht er für Neuanfang und Auferstehung. Dieser Bogen verbindet alle Weltuntergangsstimmung, mit Gottes unverbrüchlichem Ja zum Leben. Egal wie schwarz die Wolken, wie düster die Zukunft, wie aussichtlos die Lage, darüber steht Farbe. Wo Gott sich mit der Nacht der Welt verbindet, leuchtet in der Finsternis die Sonne. Dramatisch hoffnungsvolle Bilder verkünden die Wende. 
Christus stellt uns unter den Regenbogen. Er fängt im Verderben frisch an. Somit sind im Leben immer die schwarzen Wolken sichtbar, das Unheil will ständig erschrecken, doch der Bund ist der Umbruch zu Neuem. Bei allem, was passiert, ist ein Bogen zum Licht gespannt. Auch wenn die Mächtigen dieser Welt mit Atombomben zündeln, liegt darin nicht das Verderben, wenn Gott einen Bund aufrichtet. Dieser Bund verspricht, dass Gott das Sagen über das Leben hat und nicht die Menschen mit ihrem Zerstörungswillen. 
Wir leben unter dem Regenbogen. Wir können jeden Tag mit Hoffnung beginnen. Wir können in verkrachten menschlichen Verhältnissen immer neu anfangen. Der Regenbogen zeigt uns wo der Weg lang geht.
Wenn dieser Regenbogen über uns steht und wir nur schwarz sehen, warum drehen wir uns nicht einfach um?

Keine Angst, wenn der Löwe brüllt 

Glaube hat nichts mit Selbstmotivation zu tun.
„Sie warfen Daniel zu den Löwen in die Grube. Der König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir!“

Dan. 6, 17
Daniel, eine spektakuläre Geschichte von Intrigen und Mordversuch, von Glaube und vegetarischen Löwen. Sie wollten Daniel weghaben, weil er zu aufrichtig und zu gottesfürchtig war. Er war Intiganten eine Anfechtung. Er sollte einfach weg und somit kommt der Glaubende unter Druck. Menschen, die zu Gott gehören, stehen nicht nur in den alltäglichen Schwierigkeiten, sondern an ihnen tobt sich auch alles Anti gegen Gott aus. Wer in den Spuren Jesu geht, muss mit Widerstand rechnen, von denen, die das nicht wollen. Dass Gott mit Menschen seine Geschichte macht, bleibt der Welt ein Dorn im Auge. Glaube ist eben nicht nur eine persönliche Einstellungssache. Beim Glauben motiviert sich nicht der Mensch zu großen Taten, sondern da handelt tatsächlich ein anderer. „Glaube an dich selbst und die Kraft die in dir steckt, dann kannst du Berge versetzten“, reicht eben nicht um einen Löwen zum Vegetarier zu machen. Um einem Löwen das Maul zu verbinden, braucht es Kräfte, die nicht in mir liegen. Man kann die Bedrohung nicht herunterspielen und sagen: Die waren vielleicht gar nicht hungrig, denn als Daniel am nächsten Morgen herausgeholt wurde und gegen seine Peiniger ausgetauscht, da zerfetzten die Löwen wieder alles, was ihnen vor die Füße kam.
Wer Gott vertraut, wird Wunder erleben, die über die eigenen Kräfte gehen. Egal wie stark die Bedrohungen unseres Lebens sind, wir schaffen es nicht in erster Line durch Selbstvertrauen, sondern durch Gottvertrauen. Es kann knüppeldick kommen, doch wir kommen nicht um. Wer glaubt, hat den handelnden Gott hinter sich. Wer vom Tode bedroht ist, hat den auferstandenen Christus neben sich. Auf Gottes Wegen werden wir viele brüllende Löwen erleben, aber noch viel mehr einen Gott, an dem sie sich verschlucken.
Wem wollen wir den größeren Glauben schenken; dem bissigen Raubtier, oder dem bändigenden Gott?

Wer dankt überwindet  

der Dankbare überwindet große Angst.
„Die Wasserwogen im Meer sind groß und brausen mächtig; der Herr aber ist noch größer in der Höhe.“

Ps. 93, 4
Ein neues Jahr vor uns kann Angst machen. Wir haben große Vorsätze und wissen, dass sie wie jedes Jahr von der Alltagsroutine aufgefressen werden. Wir  können Angst vor Menschen haben, oder Aufgaben, denen wir uns nicht gewachsen sehen, oder es können uns auch die Sorgen für die Zukunft belasten. Die Wellen schlagen hoch, die Ängste sind groß. Selbst Jesus sagt, in der Welt habt ihr Angst. Da wird immer genügend sein, das bedrohlich auf uns zukommt. Wellen und Angst sind aus dem Leben nicht wegzudenken.
Es geht um den richtigen Umgang mit dem Übermächtigen, mit der Angst. Das Gegenteil von Angst ist nicht Mut, denn auch der Mutige hat Angst. Der Bedrohung kann man nur in Gelassenheit begegnen, nicht im dagegen ankämpfen. Gelassenheit entwickelt der, der wenn die Bedrohung des Großen auf ihn zukommt, in einem noch Größeren ruht. Das Größte, was wir der Angst entgegensetzten, ist ein Eingeborgensein in Gott. Es ist der Dank an einen noch Mächtigeren. Dankbarkeit ist die Überwindungskraft der Angst. Jesus sagt, seid getrost, ich habe die Welt überwunden. Er hat nicht die Angst überwunden, die bleibt, sondern die Welt. Er setzt der Bedrohung seine Welt gegenüber. Er setzt sich als den Weltherrscher entgegen. Somit ist die Dankbarkeit in Christus, das Mittel gegen die Angst. Wo die Wellen hoch schlagen, wo die Luft ausgeht, müssen wir nicht die Schlagzahl gegen die Angst erhöhen, sondern die Dinge erfassen, für die wir dankbar sein können. Wer in dem getröstet sein Dankbarkeit entwickelt, kann mit jeder Angst umgehen. Die Wellen bleiben, doch der Dankbare steht in einer höheren Macht und überwindet.
Wie versuchen wir sonst mit der Angst umzugehen?

Sonnenaufgang lässt sich nicht aufhalten

Dem Glaube geht zwanghaft immer wieder die Sonne auf.
„Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den frommen Herzen.“

Ps. 97, 11
Tagtäglich schreibt das Leben die Geschichten der Nacht. Wir alle sind doch Könige der Nacht. Da ist viel mehr Schreckendes als Frohmachendes. „Die Nacht schuf tausend Ungeheuer“, wie es Goethe beschreibt. Ich denke an eine Nacht in Karlsruhe. Ich war mit meinem Freund zum wandern unterwegs und wir übernachteten in einer offenen Blockhütte im Wald. Das war eine der schrecklichsten Nächte die ich mir denken kann. Ständig knackte da etwas. Zwischendurch ein Geheule der Nachvögel, ein Ächtzen und plötzlich ein Mann, ein Obdachloser, der auch einen Übernachtungsplatz suchte, dann aber weiter zog. Es war nur dunkel und die ganze Nacht spannungsgeladen. Der Sonnenaufgang war die Erlösung. Allein die Morgendämmerung löste Freude und Erleichterung aus. Mit den Sonnenstrahlen verblassten die Schatten der Nacht.
Wer von Gott gerecht gemacht ist, von ihm in das rechte Licht gestellt wurde, steht dauerhaft in einer Morgenstimmung. Da verlieren die Schrecken ihre Bedrohlichkeit. Da wird die Nacht vom Licht bedroht. Hier kommt nicht von irgendwo ab und zu ein Lichtlein her, hier hat die Nacht ausgegessen. Mit der Krippe, mit Weihnachten, kommt nicht nur ein kleiner Hoffnungsschimmer zur Welt, sondern ein bahnbrechendes Licht, in alles Chaos. Mit Christus sind die Machtverhältnisse zwischen Licht und Dunkel verschoben. Da können die Nächte noch so ächzen und knacken, da ist ein Morgenstrahl, der alle Bedrohung entspannt. Egal wie sehr die Nächte heulen, für den Glaubenden steht ein Stern über der Krippe. Da kommt Freude auf. Wer er Licht sieht, kann Hoffnung haben. Deshalb haben wir uns in der dunkelsten Jahreszeit so viele Lichter in die Häuser, Fenster und Gärten gestellt. Sie zeigen uns und anderen, dass immer ein Licht aufgeht.
Welche Nacht erschreckt uns da noch?

Feuer macht stark

Glaubende sind so etwas wie Feuerläufer.
„Du hast Menschen über unser Haupt kommen lassen, wir sind in Feuer und Wasser geraten. Aber du hast uns herausgeführt und uns erquickt.“

Ps. 66,12
Leben ist ein Gang von Krise zu Krise. Es gibt Zeiten, in denen wir bis zum Hals in Widerwärtigkeiten stecken. Da sind wir einfach von den herrlichsten Problemen umzingelt. Egal ob Menschen oder Naturgewalten auf uns einstürzen, es geht uns so an den Kragen, dass uns schier die Luft ausgeht. Wir selbst sind schon einmal abgebrannt, andere durch Hochwasser schier mit ihrer Existens abgesoffen und was Menschen anrichten können ganz zu schweigen. Auch für Glaubende kann das Dasein ein Tanz auf feurigen Kohlen sein. Wer lebt wird unweigerlich auch mit den harten Seiten des Lebens konfrontiert.
Doch an Gott entscheidet sich, ob wir in solchen Situationen zu neuem gebrannt werden. Der Glaube macht den Unterschied, ob wir darin zerbrechen oder erquickt werden. In der Krise zeigt sich was der Glaube wert ist. Genau da wo der Mensch an seine Grenzen stößt, fängt Gott an seine Macht zu entfalten. Wo alles andere über uns mächtiger erscheint, entwickelt der Glaube Auferstehungskräfte. Erquickung geschieht nicht in den festlichen Zeiten des Lebens, sondern in den Dürrezeiten. Egal was über uns hereinbricht, der Glaube bricht aus. Durch Christus liegt in uns ein Kampfgeist, der Feuer und Wasser trotzt.
Somit sind wir keine Wasserschlucker, die kurz vor dem absaufen sind, sondern hellwache Gottvertrauer die geläutert aus dem Feuer gehen. Wer in der Krise Stärke erfährt wird stark. Widerstand richtet nicht zugrunde sondern lässt uns reifen. Der Glaube in der Nacht schafft die größten Persönlichkeiten. Deshalb scheuen wir nicht die feurigen Kohlen, über die wir gehen müssen, denn wir werden darin erquickt.
Wolllen wir weiterhin dem Feuer und Wasser die Schuld geben, dass es uns so dreckig geht und uns selbst um unser stark werden betrügen?