Karsamstage voller Hoffnung

In der erdrückenden Stille des Karsamstags, braucht sich kein Herz entsetzen.

„Der Herr harrt darauf, dass er euch gnädig sei.“
Jes. 30, 18

Wenn der Herr harrt, bekommt ihn keiner mehr los. In aller Aktivität Gottes, liegt eine ungeheure Konstanz, Hartnäckigkeit und Treue. Eine Beständigkeit, die sich nicht einfach abschütteln lässt. Gott sieht sich unter allen Umständen an der Seite des Menschen, unabhängig von seinem Verhalten. Da kann der Mensch noch so gottlos sein, da kann ihn die Lieblosigkeit ans Kreuz schlagen, da kann es in der Welt finstere Nacht und eiskalt werden und Gott harrt. Er lässt sich in keinem Funken von seinem Vorhaben abbringen. Sein Handeln bleibt wertfrei und unabhängig von allen menschlichen Handlungen. Auch unter größten Schmerzen leidet er sich zum Menschen durch. Auch wenn er über Zustände trauert, bleibt er dem Menschen zugewandt. Kein Schimmer von Resignation, von Enttäuschung, von Rückzug. Dort wo wir Menschen einen klaren Strich ziehen und sagen, mit dem nicht, oder da ist Hopfen und Malz verloren, sagt Gott: Jetzt erst recht. Beharrlichkeit trotzt den Widerständen. Wo wir sagen, ich distanziere mich von dem und dem, der tut mit nicht gut, sagt Gott: Ich bleibe dran. So unbeirrbar kann nur wahre Liebe sein. Darin liegt die Kraft zu warten, auszuhalten, nicht nachzugeben und zu hoffen, wo es nichts zu hoffen gibt. Darin liegt die Kraft gnädig zu sein. Er sucht jeden Moment, in dem er hoffnungslosen Fällen sein Erbarmen zufallen lassen kann. Er harrt darauf in die Karsamstage Hoffnung zu streuen. Er geht beharrlich den Weg, den er gehen muss, von Karfreitag bis zum Ostermorgen. Gott drückt sich nicht vor Kreuzwegen, wenn er Menschen gnädig sein will. So beharrlich ist die leidende Liebe. Ein Liebe, die nicht leidensfähig ist, kann keine echte Liebe sein. Gott leidet sein gnädig sein in die Welt hinein.

Die Ahnungslosigkeit eines Karsamstags ist umschlossen von Kreuz und Auferstehung. Das nimmt aller Nacht und Kälte die Traurigkeit. Das starre Entsetzen ist in das Erlösungswerk Christi eingehüllt. Dass die Gnade an mir ausharrt, nimmt mir jeglichen Jammer über unerträgliche Beziehungen und hoffnungslose Lebensumstände. Da kann Vater Dankbarkeit entwickeln, wenn er seine Tochter zu Grabe trägt: „Ihr Name ist Ella, 3 Tage wurd´ sie alt, das war ihr ganzes Leben, für uns ein ganzes Leben zu lieben, dass 3 Tage nur ward, dennoch, für uns ist sie ein ganzes Leben lang geblieben. In Liebe. Dein Papa. Aus <_ twitter.com=“twitter.com“ irgenwannammeer=“irgenwannammeer“ status=“status“ _979113749868171264=“_979113749868171264″>

Können da die Karsamstage unseres ganzen Lebens nicht voller Hoffnung und Liebe sein?

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Geduld lässt Kirschen rot werden

Herr schenk´ mir Geduld, aber plötzlich!

„Die Weissagung wird ja noch erfüllt werden zu ihrer Zeit. Wenn sie sich auch hinzieht, so harre ihrer.“
Hab. 2, 3

Die Aufträge Gottes erfüllen sich, komme was da wolle. Die Erfüllung, von dem was Gott mit den Menschen vor hat, steht in der Form der vollendeten Zukunft. Die Weissagung kommt auf Gedeih und Verderb, daran lässt sich nicht rütteln. Das Heil, das Gott zugesagt hat ist amtlich. Er will die Welt von Grund auf erneuern, er will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen. Er will, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Was Gott sich vorgenommen hat, ist besiegelt und steht fest. Wir können hundertprozentig damit rechnen, dass es so sein wird. Die Gottesereignisse erfüllen sich im Zeitfenster der Gnade. Jetzt ist die Zeit der Gnade, jetzt ist der Tag des Heils, sagt Paulus. Die Erdenzeit ist die Reifezeit, in der das Heil heranreift. Für uns hat sich das Kommen Jesu bereits erfüllt, welches der Prophet Habakuk dem Volk ankündigte. Gottesgeschichte ereignet sich bereits in dieser Welt und ist auf dem Weg zur Erfüllung. Da tut sich etwas, auch wenn die damaligen Israeliten ungeduldig und mürrisch wurden. Wenn sich in der Augen der Menschen etwas hinzieht, werden sie ungemütlich. Wer will schon warten? Wenn eine Not da ist, dann erwarte ich sofort Hilfe. Es muss alles jederzeit verfügbar sein. Daher bekommt man das ganze Jahr Maiglöckchen und Flieder, weil keiner mehr warten kann. Erdbeeren und Tomaten müssen immer zur Verfügung stehen, auch wenn sie nach Wasser schmecken. Warten müssen strapaziert das Gemüt. Warten ist der Weg zur reifen Frucht. Nach der Kirschblüte, dürfen die Kirschen 3 Monate ausreifen. Der Wein bekommt seinen samtigen Ton, durch 1 Jahr Lagerung im Eichenfass. Reifen braucht Geduld, braucht Zeit, braucht Entwicklung.

„Darum harre ihrer.“ Auf dem Ausharren liegt das selig werden. Wer ausharrt bis zum Ende… Es geht um ein zielstrebiges Warten lernen. Wir sollen auf dem Weg den wir gehen ausreifen. Unter Wind und Wetter, unter Gewitter und Stürmen sollen wir unserer eigenen Erfüllung entgegenreifen. Harren ist kein untätiges über sich ergehen lassen, sondern ein aktiver, lebendiger Reifeprozess. Lebe mit der Verheißung, lebe auf die Verheißung zu, die sich um Gottes Willen ereignen wird. Wir können nie von der Etappe aus beurteilen, das wird sowieso nichts. Die Kirsche wird sich rot färben, wenn die Zeit reif ist, auch wenn man kurz nach der Blüte kaum etwas sieht. Der Glaube harrt der Erfüllung entgegen. Der Glaube beißt sich an der Verheißung fest, wo der Ungeduldige unter den Lasten die Segel streicht.

Harren wir in unseren Widerwärtigkeiten aus, bis sich die Verheißung erfüllt?

Harren gegen Unruhe 

unnachgiebiges Dranbleiben zieht die Hilfe an.
„Was betrübst du dich, meine Seele und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“

Ps. 42, 12
Wer kennt sie nicht, diese inneren Spannungen zwischen Zweifel und Hoffnung. Im Zwiegespräch mit sich selbst, kämpft einer gegen eine verzweifelte Situation. Es ist trübe und finster. Etwas nagt bis an die Existenzangst. Da sind riesige Berge, über die man nicht hinwegsieht. Unruhe, Unstetigkeit, Hoffnungslosigkeit. In solchen Stunden ist es nur noch Nacht.  Die unruhige Seele steht an der Grenze der gefallenen Schöpfung, an den Auswirkungen, des ohne Gott seins. Das sind ganz normale Alltagszustände in dieser Welt. 
Der Umschwung kommt jedoch nicht durch große Aktionen; hier kann sich keiner selbst aus dem Schlamm ziehen. DIe Hilfe liegt im Ausharren. Harre auf Gott ist ein Stillhalten. Es ist ein sich selbst zurücknehmen und Gott zum Zuge kommen lassen. Die Nacht der Seele bekämpfen wir nicht selbst, sondern dagegen geht Gott an. Von Gott fällt Licht in in die Finsternis. Er lässt Christus in die Nacht fallen. Wenn innerlich alles tobt, kocht und zweifelt hilft nur harren. Harren ist das sich Gott an den Hals werfen und nicht abschütteln lassen. Wir können uns garnicht aus der Unruhe unserer Seele befreien, das gelingt nur, wo Gott Gott sein darf. Hilfe erfahren wir, wo wir auf das selbst helfen wollen verzichten. Harren ist das sich von Gott helfen lassen. Nur bei ihm kann die aufgeschreckte Seele zur Ruhe kommen.
Wir müssen uns davon lösen, dass wir irgend etwas zu unserem Heil betragen können. Gott selbst wird die Traurigkeit in Freude verwandeln, das sagt Christus seinen Jüngern, als er seinen Kreuzweg ankündigte. Wer ausharrt bis ans Ende wird selig, heißt es an anderer Stelle. Gott führt sein Werk mit uns zu Ende. Deshalb werden wir im Ausharren Hilfe erfahren und dankbar werden.
Welche Alternativen hätten wir sonst, die uns durch unsere Unruhe tragen?

Geduld kann sich freuen 

auch nach der dunkelsten Nacht, wacht am Morgen die Sonne auf.
„Das Warten der Gerechten wird Freude werden.“

Spr. 10, 28
Warten strapaziert. Warten nervt. Warten scheint ein Zeitfresser zu sein. Wehe, das heute bestellte Paket kommt morgen nicht an. Schnelligkeit ist Trumpf. Im Geschäftleben werden die Schnellen die Langsamen fressen. Alles ist von Tempo geprägt. Für noch schnellere Internetverbindungen wühlen Gemeinden die Wohngebiete auf. Wenn eine Email nicht am selben Tag beantwortet wird, gilt es als unzuverlässig und träge. Geschwindigkeit als Qulitätsmerkmal.
Das heutige Wort entschleunigt. Warten ist ein verlorener Wert. Gottes Stärke ist sein Warten. Er wartet, bis der Sohn zurückkommt. Er wartet oft bis ans Sterbebett eines Menschen, bis er zum eigentlichen Durchbruch kommt. Im Warten liegt die Geduld zum Reifen lassen. Was wächst, was sich erneuert, was ausheilt braucht Zeit. Das ist Gottes Qualität, dass er sich diese Zeit gönnt. Da wird Warten zu einem Fest, weil man das Werden beobachten kann. Im Warten wächst das Neue. Eine Geburt kommt nicht unmittelbar nach der Zeugung. Im Warten erschließt sich ein Geheimnis des Lebens. Man entdeckt die Verwandlung von der Blüte zur Frucht. Im Warten verliert jede Nacht ihren Schrecken, weil darin der neue Morgen geboren wird.
Wir moderne Menschen müssen das Warten wieder als gestalterische Kraft entdecken. Wer warten kann, kann sich wieder freuen, weil er im Werden schon die Frucht und den neuen Morgen sieht. Deshalb bezeichnet Paulus die Geduld, als eine Gabe des Geistes. Die Geduld bleibt nicht in den augenblicklichen Schwierigkeiten stecken, weil sie den Weg der Reife kennt. Warten ist höchste Aktivität, indem wir hoffnungsvoll am Werden beteiligt sind.
Warum sollen wir jetzt verzweifeln, wenn das Warten aus Gras Milch werden lässt?
Einen gesegneten Sonntag wünsche ich euch.