Kunst des Augenblicks

Es ist die hohe Schule der Weisheit, im täglichen Getriebe die Kunst des Augenblicks zu entdecken.
Herr, wenn ich an deine ewigen Ordnungen denke, so werde ich getröstet.“

Ps. 119, 52



In diesem Gebet aus dem längsten Psalm, kommt eine tiefe Ruhe über den Menschen. Gottes ewige Ordnungen, machen etwas mit dem Läufer im Hamsterrad. Damit werden Schwerpunkte gesetzt und Spannungen entzerrt. Was aus dem Wort kommt, beruhigt mehr, als aller Umtrieb um die tägliche Existenz. Das kommt eindrücklich bei Martha und Maria zum Ausdruck, als sie Jesus zu Gast hatten. Martha reißt sich alle Beine heraus, um ihren Gast fürstlich zu bewirten; Maria dagegen, setzt sich ihm zu Füßen und hört seiner Rede zu. Es entsteht Zickenzoff im Gotteshaus. Die eine bezeichnet die andere als faul und bekommt von Jesus zu Antwort: Sie hat das bessere Teil erwählt. Da verstehe einer die Welt noch. Doch in der Christus-Gegenwart, bekommen selbstverständliche Abläufe eine andere Struktur. Wo das Wort auf den Menschen zukommt, tritt der Dienst am Nächsten zurück. Christus stellt das Wort, die ewigen Ordnungen an die erste Stelle. Nichts hat eine solche Tragkraft für den Menschen, kann so viel Ruhe und Trost entwickeln, wie das Aufmerken, auf das was von Gott kommt. Der ganze Einsatz für Gott und die Menschen, kann das nicht ersetzten, was an Kraft aus diesem Hören kommt. Hier werden eindeutige Schwerpunkte für einen getriebenen Tagesrhythmus gesetzt. Es sind die ewigen Ordnungen die uns tragen und nicht unser Einsatz.
Es ist die Frage, was uns in unserem oft hektischen Mühen wirklich durchträgt. Setzen wir uns „nur“ gnadenlos ein, oder leben wir in allem Getriebe, aus der Kunst des Augenblicks, die aus den ewigen Ordnungen kommt? In der Ausrichtung auf das Wort, können hastige Schritte stetiger, und eilig schlagende Herzen still werden. In allem Einsatz, brauchen die Ruhelosen Gedankenpausen. Nicht unser Umtrieb verschafft uns die Ruhe nach der wir uns sehnen, sondern das Unterbrechen und Hören. Hier reguliert sich unser Zeitplan. Nicht wir haben keine Zeit für das Wort, sondern ich brauche gerade diesen Raum des Hörens, damit die Richtung meines Handelns stimmig wird. In der klaren Ausrichtung auf die ewigen Ordnungen, irren wir nicht mehr durch unsere Tage, sondern erhalten eine klare Richtung für unser Leben. 
Wieviel Zeit nehmen wir uns, immer wieder über die grundsätzlichen Fragen des Lebens nachzudenken? 

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Ewig ist jetzt

Jeder Augenblick birgt einen Funken von Ewigkeit.
„Alles, was Gott tut, das besteht für ewig; man kann nichts dazutun noch wegtun.“

Pred. 3, 14
Wann beginnt die Ewigkeit? Eine Frage, die viele ins Jenseits datieren. Dabei ist ewig jetzt. Dort wo sich Zeit und Ewigkeit kreuzen ist in diesem Augenblick. Die Erfahrungen des Ewigen, dessen wo Gott Anfang und Ende ist, machen wir nicht gestern und nicht morgen, sondern in diesem augenblicklichen Moment. Das allumfassende, unvergängliche Reich Gottes begegnet uns nicht in der Vergangenheit, noch in der Zukunft, sondern in der Gegenwart. Die Gottesoffenbarung ist in diese Sekunde und Minute gelegt. Ewigkeit ist eine absolute Live-Erfahrung. „Alles, was Gott tut“ ist in der Sache, die Begegnung mit dem aktiven Ewigen. Auch wenn Gott in der Vergangenheit gehandelt hat und in der Zukunft handeln wird. Doch Gestern war und ist vorbei, da kann nachträglich keine Handlung mehr stattfinden. Morgen ist noch nicht, auch da finden jetzt noch keine Handlungen statt, das ist Zukunftsmusik. Die Aktivität des ewig handelnden Gottes ist jetzt. Der jetzige Augenblick ist die goldene Stunde, in der Gott mit uns und an uns etwas für die Ewigkeit schafft.
Was auf ewig besteht, ist unvergänglich. Viktor Frankl sagt: Was wir einmal gezeitigt haben, ist für immer verewigt. Das, was in diesem Augenblick geschieht, geht für alle Zeiten in die Geschichte ein. Wir kennen das von unvergesslichen Momenten, die wir voll ausgeschöpft haben und in ganzer Intensität in uns aufnahmen. Da sind Augenblicke zu einem unvergesslichen Wert geworden. Da haben wir intensiv gelebt und hatten erfüllende Erlebnisse mit lieben Menschen. Da begleiten uns Lebenserfahrungen im Guten wie im Schweren ein Leben lang. Es waren alles Jetzt-Erfahrungen. 
Gott will das Leben ewigkeitsträchtig machen. Er will mit seinem Tun unsere Tage satt machen. Er will sich in uns verewigen. Das geschieht einzig, wenn wir voll und ganz im Jetzt leben. Da dürfen wir nicht in den Geschichten unserer Vergangenheit leben, wie bei vielen alten Menschen, in denen immer noch die Erinnerung des letzten Krieges hochkommen. Genauso wenig ereignet sich das eigentliche Leben, wenn wir nur von den Planungen auf das Morgen getrieben sind. Wo die Tage nur mit der Sorge um die Zukunft angefüllt sind, kann sich im jetzigen Augenblick keine Ewigkeit ereignen. Wir betrügen uns um die wertvollste Gotteserfahrung und um das eigentliche Leben wo wir in unserer Zeit, dem Jetzt und Ewigen keinen Raum geben.
Wie wollen wir Gott erfahren, mit all dem, was er in uns verewigen will, wenn wir gar nicht in diesem Augenblick anwesend sind?

Ewigkeit ist jetzt 

Ewigkeit ist nicht weit weg.
„Seine Macht ist ewig und vergeht nicht, und sein Reich hat kein Ende.“

Dan. 7, 14
Mit der Ewigkeit ist es wie mit der Stille. Ein Ton, der erklingt ist von Stille umgeben. Er kommt aus der Stille, wird von Stille getragen und verliert sich wieder in der Stille. Ein Ton kann sich dadurch entfalten, dass er in Stille eingehüllt ist. Stille ist sein Klangraum. Mit der Zeit ist es genauso. Sie ist von Ewigkeit umschlossen. Alles was in der Zeit geschieht, ist nur möglich, weil sie von Ewigkeit getragen ist. Ewigkeit beginnt also nicht erst wenn die Zeit einmal abgelaufen sein wird.
Wenn Gottes Macht ewig ist und nicht vergeht, entfaltet sie sich jetzt in unserer Gegenwart. Diese ewige Macht durchdringt Zeit und Raum. Wir werden das Eigentliche nicht erst später erleben, wenn diese Welt vorbei ist, wir erleben das Ewige in diesem Augenblick.

Die Zeit bindet uns nur an die Vergangenheit und Zukunft und eine Entwicklung, die darin stattfindet; unsere Geschichte. Doch in der Gegenwart sind wir mit der Ewigkeit in Berührung. In dem was jetzt passiert entfaltet sich Gottes ganze Macht. Deswegen ist der jetzige Moment immer die größte und heiligste Stunde, weil sich darin Gottes Handeln manifestiert. Zwar hat er gestern gehandelt und wird morgen handeln, doch das ist ein Handeln als Erfahrung und als Hoffnung, die sich in der Erinnerung abspielt. Diese Macht eines lebendigen Gottes, der ewig handelt, erfahren wir allein in diesem Augenblick. Wir sind von Ewigkeit umgeben, wir erfahren die ganze Macht der Erlösung, wir sind in den Trost eingehüllt, der nie aufhört, das Heil beginnt heute. Ewigkeit ist jetzt. Deshalb haben wir alle Macht der Welt, weil Gott gegenwärtig ist.
Warum sollten wir noch auf etwas warten, was schon lange da ist?