Der Frosch erstarrt nicht mehr

Das Leben lobt die Wunder, die als Geheimnis unter uns leben.

Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder, dass dein Name so nahe ist.
Ps. 75, 2,

Leben schwappt am Außergewöhnlichen über. Entweder es sprudelt am Faszinierenden über, wenn wir an einen Sonnenaufgang in den Alpen denken, oder es ist am Boden zerstört, wenn es die Tragik des jungen, abgestürzten Segelfliegers verfolgt, der inzwischen sechs Wochen im Koma liegt. Das Leben bewegt sich wellenartig zwischen Wunder und Schrecken. Beides ist uns sehr nahe und sehr vertraut. Das schwerer Wiegende hat oft die Macht, das Lobenswerte zu ersticken. Angesichts des Elends in der Welt, bleibt vielen das Lob im Halse stecken. Wie kann man da noch danken, wenn mir mein Kind in jungen Jahren aus dem Leben gerissen wird? Wo sind da noch Wunder zu verkünden, wenn eine Frau im besten Alter vom Krebs zerfressen wird und elendig ihr Leben aushaucht? Wer angesichts des realen Lebens noch Gott danken kann, scheint von einem anderen Stern zu sein, ober blauäugig über bittere Tatsachen hinwegzusehen. Was sind denn die Wunder, mitten in einem Dasein, bei dem alles schwarz geworden ist? Petrus gibt darauf eine Antwort: „Ihr seid aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen.“ Finsternis ist der reale Zustand des Lebens, doch darin geschieht das Wunder. Schicksal ist nicht endgültig. Es kann in jeder verzweifelten Situation ein totaler Umbruch geschehen. Wer ins Licht gerufen ist, erlebt eine Verwandlung vom Tod zum Leben. Dieses Wunder ist die Realität der Glaubenden. Wem Christus in der Nacht begegnet, für den bleibt es nicht mehr dunkel. Das verkündigen wir, das macht christliche Existenz aus. Es ist der Name des Heils, der hautnah ist.

Im Wunder erhält der Mensch in der unwürdigsten Situation seine Würde zurück. Er ist nicht mehr der handlungsunfähig Ausgelieferte, sondern erhält in dem Namen Jesus seine gestalterische Kraft zurück. Das Wunder ist, dass wir nicht mehr der erstarrte Frosch vor der Schlange sind. So kann ein gläubiger Therapeut, im Gefängnis in Kalifornien, den Schwerverbrechern sagen: Ihr seid nicht die Opfer der Gesellschaft oder missratenen Erziehung, die nichts gegen ihre versaute Entwicklung tun können, sondern ihr könnt von heute auf morgen alles verändern. So wie ihr euch entschieden habt, den größten Blödsinn anzustellen, könnt ihr genauso entscheiden, Grundlegendes anders zu machen. Es ist Quatsch zu glauben, ihr seid für alle Zeit versaute Existenzen und reparaturbedürftige Wesen, die nicht aus ihrem Teufelskreis aussteigen können. Ihr seid auch hier in Sicherheitshaft vollwertige Menschen, die in der Verantwortung ihr Leben in die Hand nehmen können. Von diesen größtenteils Analphabeten haben die meisten ein Abitur nachgemacht und einer davon erlangte sogar eine Professur.

Dieses Wunder lebt im Menschen. Durch den Namen kommt Licht in die Finsternis. Es gibt keine aussichtslose Lage, in der das Leben nicht Gestalt gewinnen kann. Auch letzte Wege, in denen der eine geht und der andere bleibt, können zu mutvollen Wegen werden. Dieses Wunder verkündet unser Leben.

Können dadurch nicht Leidenswege zu sinnvollen Lebenswegen werden?

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Frische Blätter aus verbrannter Erde

Gott wird nicht müde, seine Wahrheit aufzuzeigen, die gegen alle Macht und Ehre dieser Welt steht.

„Siehe, das ist mein Knecht, den ich halte, mein Auserwählter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat.“
Jes. 42, 1

Gott verleiht seinem Wort und Handeln Nachdruck. Siehe! Schau auf etwas, was du leicht übersiehst. Er will Menschen mit Christus verknüpfen, was der eigentliche Wert allen Daseins ist. Mit dem siehe, drängt er sich in unser Wegsehen, in unsere Oberflächlichkeit. Wir sehen auf alles Mögliche um uns herum, nur nicht auf das, was wirklich trägt. Er will damit das Alltägliche mit seiner Wahrheit durchdringen. Er lenkt gezielt unsere Blicke auf den Gottesknecht. Mit diesem Auserwählten hat er in diese Welt eine neue Gesetzmäßigkeit hineingepflanzt. Auf diesem liegt in einer belasteten und kranken Welt, die ganze Schaffenskraft seines heil Werdens. Mit dem siehe, stößt er unsere Blicke weg von dem, was uns ständig bestimmt, mitten hinein in seine erneuernde Macht. Er setzt einen gewaltigen Gegenpol, zu allem, was uns sonst vor Augen steht. Mit dem Knecht sieht die unheile Welt total anders aus. Er will unsere Blicke viel tiefer in sein Lebensgeheimnis hineinführen. Er will uns die Erkenntnis schenken, dass die Welt nicht nur das ist, was das Leben schwer macht. Das siehe ist die größte Auferbauung in allen Katastrophen. Da treiben frische grüne Blätter aus verbrannter Erde und blühen Blumen nach dem Hagel. Mit Christus hilft er unter allen Umständen dem Leben zum Durchbruch. Das ist aktive und permanente Auferstehung. Siehe, es komme was da wolle, nicht einmal der Tod kann mein Leben aufhalten. Siehe lenkt den Blick auf etwas Unauslöschbares, was Gott in allen Zerfall hineingegeben hat.
Es ist das immer neue Aufstehen nach allem Fallen.

Unser Problem ist es, dass wir diese Wahrheit, gerade wenn es schwer wird, so wenig erkennen. Unsere Blindheit für diese Tatsache, lässt uns andauernd nach Ausreden suchen, weshalb die Tragik des Lebens uns außer Kraft setzt. Wo wir nicht sehen, wursteln wir in eigener Kraft weiter, bis an den Punkt der Verzweiflung. Alle Mutlosigkeit, alle Hoffnungslosigkeit, hat ihren Urgrund darin, dass wir nicht auf die ständig erneuernde Kraft, die mitten unter uns lebt, schauen. Für den Glaubenden, gibt es keine hoffnungslosen Fälle, in denen nichts mehr geht. Wie sehr das Leben auch zuschlägt, es gibt für den der sieht, immer ein weiter. Für den der sieht, ist in seinem Leben nichts mehr sinnlos. Da kann eine Mutter, die im Holocaust ihre neun Kinder in der Gaskammer verloren hat, danach zur Leiterin eines großen Waisenhauses in Jerusalem werden. Zum Staunen aller, trugt sie ein Armband mit den vergoldeten Zähnen ihrer Jungen und Mädels, die nach Namen und Alter aufgefädelt waren. Das ist die Kraft, wenn man mehr sieht, als nur das himmelschreiende Drama. Deshalb müssen wir erkennen, in welch eine Macht wir gestellt sind.

Wohin schauen wir, wenn das Leben sich von seiner übelsten Seite zeigt?

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Glaube ist unsterblich

Dauerhaftes gibt es nicht bei vergänglichen Menschen.
„Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.“

Jes. 7, 9
Kurz und knapp sind wir bei dem Ewigen. Wer glaubt bleibt. Bleibendes gibt es bei dem, der nicht vergeht. Gott ist unvergängliches, immerwährendes Leben. Ohne Tod, ohne Zerfall, ohne verwelken. Er ist ein Bollwerk der Unsterblichkeit, ein ewiger Jungbrunnen. Er ist der Atem, der nie stillsteht, der Puls der immer schlägt. Er ist jeden Morgen wie ein atemberaubender Sonnenaufgang. Solange die Erde steht, soll der Rythmus von Tag und Nacht nie aufhören, hat er sich auf die Fahne geschrieben. 
Dieses Bleiben spricht Jesaja zu einem Volk, das den Zerfall nur zu gut kennt. Wie oft wurde Jerusalem zerstört und wieder aufgebaut? Zerbrüche sind des Menschen Schicksal. Da wird mühsam ein Lebenwerk aufgebaut, das in einer Nacht abbrennt. Einst blühende Kulturen präsentieren heute Ruinen. Wertvollste Beziehungen gingen in die Brüche, und am eigenen Körper spüren die Verletzlichkeit. Was in dieser Welt erschaffen wird, ist dem Zerfall ausgesetzt. 
Doch in alles Vergängliche hinein, schlägt Jesaja eine Brücke zu dem Bleibenden. Der Glaube ist eine bleibende Lebenszelle in einem brüchigen Menschen. Der Glaube ist der Griff nach Christus, der Auferstehung in den Tod bringt. Der Glaube ist das Lebenselixier in einem sterblichen Menschen. Das Frischhaltemittel gegen das Verfallsdatum. Der Glaube ist der Sonnenaufgang, der die Nacht zum Leben ruft. Der Glaube lässt die Sonne einfach über sich aufgehen, und erfüllt den jungen Morgen mit neuem Tatendrang. Der Glaube trotzt der Nacht, trotzt allem Untergang. Der Glaube feiert Auferstehung in einer heillosen Welt. Im Glauben lässt der kindlich Vertrauende, den ewigen Gott an sich zu. Der Glauben hält das Sterbende lebendig.
Warum lassen wir nicht viel öfters in unseren Untergängen die Sonne aufgehen?

Helfende Hände sind ganz nahe

Gerade wenn´s dick kommt, können wir mit Engelsdiensten rechnen
„Der Engel des Herrn rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.

1. Kön. 19, 7
Elia ist in einer vollen Depressivschleife. Er hatte das Volk gegen die Baalspriester aufgebracht. Daraufhin droht ihm die Königin Isebel mit dem Tod, so dass er fliehen musste. In der Wüste ist er mit allem fertig und wünscht sich nur noch den Tod. Er will nur noch schlafen und nie mehr aufwachen. Da wird er mehrmals von einem Engel aufgerüttelt, der ihn auffordert: Steh auf und iss!
Am Punkt der Verzweiflung lässt Gott die Seinen nicht im Stich. Auch wenn Elia unter den Lasten seines Dienstes müde wird und zusammen bricht, kommt genau am Knackpunkt die Hilfe. Mitten in den alltäglichen Auseinandersetzungen hakt Gott nach. Er rüttelt wach, holt von der Flucht in die Gegenwart zurück, tischt auf und gibt Kraft. Mitten in den Problemen sagt er, deine Probleme sind meine Probleme, deshalb stell dich, weil ich dich stelle. Elia muss sich in der Krise nicht selbst den Mut zusprechen, da ist irgendjemand, der Engelsdienste vollbringt. Gott gibt keine Aufträge und lässt dann seine Boten fallen, wenn´s heiß wird. Denn genau in solchen Krisen erweist er sich als der beauftragende und durchbringende Gott. Gott weiß wie schwer der Weg ist, daher gibt er Menschen und Kräfte zur Seite. Aufstehen und essen ist die Gangart in der Krise. Es ist die Stelle in der Gott wachrüttelt und alles gibt, für einen weiten Weg durch die Wüste. Beim Essen versorgt er den ganzen Menschen nach Leib , Seele und Geist. An den Tiefpunkten ist es Gott, der hartnäckig an uns dran bleibt.
Dort wo wir verzweifelt sind, müssen wir wissen, dass es Gott ist der weiter will. Er hört nicht auf, wo wir aufhören wollen, sondern investiert alles, dass wir zur Besinnung kommen. Wir brauchen uns nur wachrütteln lassen und zu essen, dann ist die Kraft für den Weiterweg da. Ein Engel steht ganz in unserer Nähe. 
Sind wir aufmerksam genug, um uns von einem Engel aufrütteln zu lassen, der uns reichlich gibt, dass es weitergehen kann?

Blühen ist stärker

Das Aufrichten und Stärken ist immer größer, als alle Niedergeschlagenheit.
„Der Herr verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.“

Klagel. 3, 31-32
Erbarmen ist Gottes großes Thema. Das ist sein Manifest gegen alle Zerstörung. Gott findet sich nie mit Leid ab. Er ist der starke Gegenpol, zu allem, was über den Menschen hereinbricht. Güte schockiert den Terror.
Menschen neigen dazu, sich vom Übel bestimmen zu lassen. Wenn ein Unglück passiert, wenn Beziehungen zerbrechen, wenn Miteinander belastet oder angefeindet ist, dann kommt oft danach der Zweifel an Gott. „Gott hat mich wohl vergessen und verlassen!“ Wo´s dick kommt, wo wir unten durch müssen, wo Glaube kein Zuckerschlecken mehr ist, da gehen uns die Lichter aus. Da konzentriert sich der Blick nur noch auf das Elend. Ganz leicht lassen wir uns in die Ausweglosigkeit buchsieren. 
Neben allen Härten, die wir erleben, steht die Güte. Das Schwere, das Böse ist von dem Guten eingekreist. Leid steht immer im Erbarmen. Das Ungute ist zeitlich befristet, durch die ewige Güte. Da ist eine permanent lebensschaffende Kraft, die das Erdrückende erdrückt und überdauert. Da ist für den Gelähmten die Aussicht, wieder auf eigenen Beinen stehen zu können; da werden sich die Blinden an der Schönheit einer Blume erfreuen können. Der augenblicklich, unerträgliche Zustand, verliert angesichts der Güte seine bedrohende Macht. Wo Gott sich erbarmt, ist das Schicksal entmachtet. Da werden wir im Leid aufgerichtet und gestärkt. Da ist die schwierigste Situation  nie mehr ohne Hoffnung. Da wird durch Christus das Leid mit Herrlichkeit verbunden. Da ist der Schmerz nicht das Ende, sondern der Anfang des Erbarmens, das wieder aufrichtet
Wo die Güte bestimmt, flieht das betrübt sein. 

Beflügelt uns in der Blindheit bereits die Farbe der Blume? 

Meisterleistung gegen die Entstellung

neu schaffen heißt, das Chaos zu ordnen.
„Gott breitet den Himmel aus und geht auf den Wogen des Meers. Er macht den großen Wagen am Himmel und den Orion und das Siebengestirn und die Sterne des Südens.“

Hiob, 9, 8,9
Hiob schwärmt über die Schöpfung. In allem Schweren, was ihn umgibt erkennt er die große ordnende Hand Gottes. Der Kosmos ist für ihn die Welt Gottes. Da hat jeder Stern schöpferische Bedeutung. Dass Leben funktioniert, liegt an dem exakten Winkel, in dem sich die Erde um die Sonne dreht. Allein in dieser kleinen Regelung liegt Sommer und Winter, Kälte und Hitze. Schöpfung ist eine Meisterleistung von perfekt auf einander abgestimmten Abläufen. Indem Gott das Chaos sortiert und ordnet, hebt er das Leben aus der Taufe. Gottes permanent ordnende Hand, hält die Welt in Atem. Dort wo der Mensch in diese Ordnungen eingreift, führt er ins Chaos zurück. Der Mensch im Kleinen, die Industrienationen im Großen, deformieren und entstellen die Schöpfung und damit ihren eigenen Lebensraum. 
Doch Schöpfung ist kein abgeschlossener Akt von damals vor dem Garten, Schöpfung ist die Lebensart Gottes. Bei allem was Menschen zerstören, wirkt Gottes Erneuerungstrieb dagegen. In alle Krankheit hinein, wirken die Selbstheilungskräfte, dieser schaffenden Hände. In alles Chaos, welches die Menschen produzieren, ist die Verheißung hineingesprochen: Es wird nicht aufhören Saat und Ernte, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Was Gott am Leben erhalten will, kann kein Mensch zugrunde richten. Mit Christus hat er eine unzerstörbare Lebenszelle ins Chaos gelegt. Mit Christus belebt Gott den entstellten Menschen. Mit Christus ordnet er das aus der Bahn Geworfene. 
Daher kann ein gebeutelter Hiob ein Lob auf den Schöpfer singen. Er erkennt einen gewaltigen Kosmos über seiner durchgeschüttelten Existenz. Nicht das Chaos entscheidet, nicht das Leid, nicht die deformierte Schöpfung, sondern die ordnenden Hände, die in aller Entstellung Neues schaffen. Es ist die Leidenschaft Gottes, ein Hauch Erlösung in alle Auflösung hineinzumalen.
Wo einer solch einen Himmel über uns ausspannt, wie sollten wir im Chaos unserer Tage Trübsal blasen?

Pipeline zum Ewigen

wer in der Nacht Lobgesänge anstimmt, lebt aus einer anderen Macht.
„Ich werde nicht sterben, sondern leben und des Herrn Werke verkündigen.“

Ps. 118, 17
Was für den normalen Menschen einen Widerspruch bedeutet, ist für den Glaubenden die Lebensgrundlage. Sterben kann nicht diskutiert werden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Wer durch ein Pflegeheim geht, wird damit konfrontiert, wie der Mensch Stück um Stück abbaut. Jeder Tag ist ein kleines Sterben, bei dem wir uns von etwas trennen und verabschieden müssen.
Wenn jemand solch ein Loblied anstimmt und sein nicht Sterben müssen proklamiert, gehört er entweder in die Klapsmühle oder lebt er in anderen Zusammenhängen. In Gott sein, setzt zum Sterben ein Gegengewicht. Da schafft eine Kraft allem Verfall entgegen. Das Leben, das aus Gott kommt, ist ein Leben ohne Verfallsdatum. Christus bringt in die irdische Begrenzung himmlische Erneuerung. Er setzt aus der unvergänglichen Welt Lebensimpulse in der vergänglichen Welt. Er ist die Pipeline in die ewige Welt. Dadurch fließt permanent Leben in alles Sterben. Gerade dort wo das Gericht über die Welt geht, wo alles unter den Lasten des Lebens zebricht, wird Heil realisiert. Da geschieht im Sterben Auferweckung zum ewigen Leben. In Christus wirkt Zukünftiges in die Gegenwart.
Das haben Paulus und Silas in der Nacht im Gefängnis erfahren. Deshalb konnten sie zur Verwunderung aller, um Mitternacht Gott loben. Da haben die Schläge und die Folter des Lebens ihre Macht verloren, weil Gott in das Schicksal Lebensimpulse gesetzt hat. Unter den Lebensschlägen wird das Sterbende zum Leben verwandelt. Mit Christus brauchen wir keine Vergänglichkeit zu fürchten,, weil sich immer sein Leben durchsetzt.
Welche Lieder klingen in unseren Nächten?

Jubilier´mal wieder

Joh. 16, 16 + 20-23a

Was macht der Kreisssaal im Krankenhaus? Wer sagt denn, das wenn ein Kind zur Welt kommt, das eine Krankheit ist? Da sind zwar junge Mütter, die höllische Schmerzen haben, doch die sind das Vorspiel für ein faszinierendes Wunder. Wer das Baby in den Händen hält, wird nicht mehr fragen, ob das auch schmerzloser geht. Aus dem Schmerz heraus, kommt ein Bündel neues Leben. Die Geburt ist ein Verwandlungskünstler. Aus ängstlich, weinenden Augen, werden Strahlende. Wer Mutterglück wahrnimmt, braucht nicht mehr zu sagen: Lach mal wieder.

Um solch einen Zündfunken geht es heute am Sonntag Jubilate.

Wo es nichts zu lachen gibt

Noch eine kleine Weile, dann werdet ihr mich nicht mehr sehen; und abermals eine kleine Weile, dann werdet ihr mich sehen. 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen…

Jetzt wissen die Jünger nicht mehr wo oben und unten ist. So kurz nach Ostern, wo sie sich wieder daran gewöhnt haben, ihren Herrn zu sehen und zu erleben, wieder so ein harter Einschnitt. Jetzt will Jesus schon wieder weg. Weg und wiederkommen. Das sieht nach einer richtigen Schock Therapie aus, als ob Jesus mit ihnen Blinde Kuh spielen möchte. Ganz nach dem Motto: ich sehe was, was du nicht siehst! Dabei ist Jesus sehen, ihr ein und alles gewesen. In seiner Gegenwart war er für seine Jünger fassbar, erlebbar und greifbar. Sie haben waren regelrecht Zuhause, als er da war. Ihn sehen, machte ihren Glauben aus, da konnten sie seine Wunder hautnah erfahren. Sie haben das leere Grab und den Auferstanden vor Augen gehabt. Das soll alles wieder vorbei sein?

Bei dieser Ankündigung, dass Jesus wieder wegwill, entstand in ihrem Kopf eine Geisterbahn. Da bricht eine ganze Welt von schrecklichen Befürchtungen über sie herein. Der Gedanke, Christus nicht mehr sehen können, war die Angst um ihren Glauben. Den Jüngern vergeht buchstäblich das Lachen. Jesus weg, Sorgen da. In diesem Augenblick kommt ihr ganzes Weltbild durcheinander. Die ganze Hoffnung, die der Auferstandene versprühte, verpufft jetzt wieder. Schnöde Welt du hast uns wieder. Der Alltag wird düster wie die Nacht und Jesus bestätigt ihre Bedenken. Schmerzen, Traurigkeit und Sorgen, das wird euer Ding sein. Ihr, als meine Jünger lebt wie jeder andere, mitten im Schrecken dieser Welt.

Doch genau in diese verzweifelte Situation komme ich zurück. Da wo es nichts zu lachen gibt, …

…wird Freude geboren

 aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, doch eure Traurigkeit soll zur Freude werden. 

Was Jesus hier ankündigt, ist der unfassbare Kontrast des Glaubens. Auf dem Weg zwischen Ostern und Pfingsten, deutet er ein neues Zeitalter an. Aus dem lokal gegenwärtigen Christus, der zunächst für sein Volk da war, wird ein global alles durchdringender Christus. Für einen normal denkenden Menschen geht hier die Rechnung nicht mehr auf. Wenn sich einer entfernt und zurückzieht, kann er nicht gleichzeitig überall da sein.

Das ist die wahre Geburtsstunde des Glaubens. In seinem Gehen, stellt er für die Glaubenden seinen Geist in Aussicht. Seine Herrschaft, seine Gegenwart bekommt eine ganz neue Dimension. Nicht mehr sichtbar, nicht mehr in der Form präsent, wie bisher, sondern noch umfassender und noch näher. In diese kleine Zeit der Traurigkeit nach Ostern, setzt er einen gewaltigen Freudenimpuls. 100% reine Freude liegt in 100% Christus-Gegenwart. Christus schlägt einen Bogen, zu einer ganz anderen Realpräsenz. Damit bleibt Freude bei 100% und schrumpft nicht in der Auseinandersetzung mit der Welt auf 70% oder 30% herunter. Alles was ihn in seiner 100% Erlöserkraft ausmacht, wird auch 100&tige Freude auslösen. Was hier geboren wird, ist der Quantensprung der Christenheit.

Jesus vertröstet hier in keiner Weise auf sein letztes Wiederkommen am Ende der Welt, sondern bringt 100% Freude in das bestehende Chaos dieser Welt. Er hängt alle Freude an seiner Existenz und der neuen Form seiner Gegenwart auf. Er definiert ein Christsein, das in aller Trauer noch lachen kann. Wir werden in den täglichen Auseinandersetzungen vor keinerlei Lasten verschont, aber mitten drin ist Christus gegenwärtig. In dem täglichen Kampf bricht die Freude aus. Geht Gericht über die Welt, wird darin Heil realisiert, geschieht Auferweckung zum ewigen Leben. In der Begegnung mit Christus liegt das Zukünftige; in Christus wirkt das Zukünftige in die Gegenwart. Alles Heil konzentriert sich in der Person Christi. Im Glauben haben wir das ganze Heil; aber wir haben es bislang nur im Glauben, nicht im Schauen.

Wir haben 100% Freude und erleben dabei, dass…

…sie Schmerzen verwandelt

Auch ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen. 

Glaubende sind Verwandelte. Sie erleben die Schmerzen, wie eine gebärende Mutter. Im Schmerz wir durch Christus das Heil geboren. Da ist ständig etwas, das zum Leben drängt und Leben schafft. Da ist der Schmerz keine eigenständige Größe mehr, die Verzweiflung nicht die Vorstufe von Untergang, sondern das Belastendende wird verformt. Der Glaube an Christus lässt das Unheilige heil werden. Da erblickt die Trotzdemfreude das Licht der Welt. Das ereignet sich genau in der Schockstarre eines belasteten Lebens. Genau dort, wo man nicht mehr so einfach sagen kann: Kopf hoch, wenn der Hals auch dreckig ist. Das ist kein billiger Trost und kein Überspielen von unveränderlichen, schrecklichen und beängstigenden Tatsachen. Da wird getrauert und gestorben, aber da wird genauso getröstet und aufgestanden. Die Freude des Überwindens überwiegt, weil wir nicht zum Lachen angestachelt werden, sondern tatsächlich Christus heilt.

Es ist ein Leben im schon jetzt und noch nicht. Es ist immer beides. In uns lebt die Trotzfreude, weil der Anwalt und Beistand des Lebens, die Neugeburt schaffen will. Wir leben in der ständigen Anfechtung mit den Ungereimtheiten unseres Daseins, wir leben in der Auflösung einer gefallenen Welt, wir leben im Geschrei unserer Tage, die uns den letzten Nerv rauben, aber darin schafft Christus seine 100%tige Gegenwart. Er verwandelt nicht die lästigen Umstände, er verwandelt uns selbst. Wir können über die Widrigkeiten unseres Lebens stöhnen und klagen, wir können unsere Schmerzen in die Welt hinausbrüllen, aber mit dem gegenwärtigen Christus lässt es sich nicht verhindern, dass darin 100%tige Freude geboren wird. Glaube ist ein Trotz-Glaube, weil er erfährt wie Leiden verwandelt wird. In Christus verwirklicht sich immer die zukünftige Welt in unserer Gegenwart.

Wir haben auch dann etwas zu lachen, wenn es der ganzen Welt zum Weinen ist. Jubelt dieses neu entstehende Leben in eure schweren Tage hinein.

Wiederbelebte Schockstarre

das was Menschen verbocken, baut Gott wieder auf.
„Der Herr spricht: Frieden mache ich zu deiner Wache und Gerechtigkeit zu deineer Obrigkeit.“

Jes. 60, 17
Jerusalem liegt woder einmal in Schutt und Asche, wie Deutschland nach 45. Die Ungerechtigkeit und Obrigkeit hat mal wieder gründliche Arbeit geleistet. Unfrieden war das tägliche Brot. Die Menschen haben das gemacht, was sie am besten können; zugrunde richten und Schrecken verbreiten. Katzenjammer vom Feinsten. 
In diese verzweifelte, hoffnungslose Situation spricht der Herr. Er spricht von einem unvorstellbaren Reich, er spricht von einer unglaublichen Herrschaft. Er spricht von einem Paradoxon, von dem, was die Menschen kennen und gerade erleben. Er spricht den Aufgewühlten den Frieden zu. Er verheißt den zu Unrecht leidenden eine neue Gerechtigkeit. Er verspricht das Menschenunmögliche. Genau dort, wo Menschen unter ihrem „machen“ verzweifeln und zugrunde gehen, setzt Gott sein „Machen“ dagegen. Die neue Herrschaft, die Gott aufrichtet, schafft er mit Christus. Mit ihm setzt der den Gegenpol zu Unfrieden und Ungerechtigkeit. Mit Christus kommt in den Aschenhaufen der Welt ein unglaubliches Grünen. Dort wo das Ergebnis des menschlichen Schaffens das Elend ist, schafft Gott sein Durchatmen. In allen Tod kommt die  Gegenbewegung des Lebens.  Mit Christus verliert aller Schrecken seine Macht. Gott schafft mit Christus immer dem Chaoswirken des Menschen entgegen. Mit Christus zeigt er den Menschen, dass er sich nie mit Unfrieden abfinden wird. 
 Diese Herrschaft schafft in unfriedferigen Menschen Versöhnung. Die in Christus gerecht Gemachten, schaffen unter den Menschen eine neue Vertrauensbasis. Aus ihnen strahlt ein lebendige Hoffnung auf. Durch sie, erfährt eine in Schockstarre versetzte Welt, entspannte Befreiung. Die Glaubenden werden zu den Hoffnungsträgern, einer für die Menschen unglaublichen und nie schaffbaren Welt.
Wollen wir nicht viel mehr den ran lassen, der alles richtig gut macht?

Oster-Katastrophe

Matth. 28, 1-10

 

Oster-Katastrophe

Erdbeben und Tsunami sind die Schrecken der Menschheit. 1960 war das stärkste Beben in Chile, das je auf der Richter-Skala mit 9, 5 gemessen wurde. Schlagartig waren mehrere tausend, bis hunderttausende von Leben ausgelöscht. Am Ende des Dramas winselt die Hilflosigkeit gen Himmel.

Ostern, eine Naturkatastrophe der ganz anderen Art.

 

  • Katastrophaler Totenkult

 

1 Nach dem Sabbat kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Nach Karfreitag war die spektakuläre Jesus-Geschichte abgehakt. Die nahen Angehörigen beginnen mit ihrer Trauerarbeit. Das Grab ist nun der Begegnungsort mit dem Verstorbenen. Am Grab soll die gebrochene Seele Ruhe finden, und den tragischen Schmerz verarbeiten. Trauern ist der Weg zu einer neuen Beziehung, zu dem, der hinausgegangen ist. Zwei Frauen stellen sich dieser standesgemäßen Tradition. Es ist eben Schicksal, dass alles mit dem Tod endet. Alles Leben ist vergänglich und raubt auch allem Glauben die Hoffnung. Tot bleibt tot, da helfen keine schönen Worte. Das wird sogar staatlich besiegelt. Hüter des Todes stehen extra mit am Grab, das ja nichts Dummes passieren kann. Lebendige Todesscheine bestätigen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Doch Gott hält nichts von depressiven Dunstglocken und der Selbstbeweihräucherung des Elends.

 

  • Katastrophales Donnerwetter

 

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber fürchteten sich und erstarrten zu Tode.

Wo Gott zum Leben erweckt, fliegen die Grabsteine. Dieses große Erdbeben verschlingt nicht tausende von Menschen, es wirft den Erlöser in die Welt. Hier toben Naturgewalten, bei denen es drunter und drüber geht, dass gestandene Männer vor Schreck erstarren. Mutige und professionelle Krieger, für den Katastropheneinsatz ausgebildet, werden wie kleine Kinder beim Gewitter. Ein Erdbeben bei dem sich nicht die Gesteinsschichten im Boden verschieben, sondern ein Energieschub vom Himmel fällt. Gegen diesen Engel, der wie ein Blitz sich in die Erde bohrt, ist alles Sterben machtlos. Alle Gesetze, alle Erfahrungen dieser Welt lösen sich in Nichts auf, wenn sie von der schöpferischen Hand berührt werden. Das Leben, das von Gott kommt, kann weder Tod noch seine Wächter aufhalten. Mit der Auferstehung schreibt Gott Unvergängliches in vergängliche Naturgesetze. Gott bebt und donnert über allem, was der Mensch für endgültig erklärt.

Wo Ärzte sagen: Wir können ihnen nicht mehr helfen, sie sind austherapiert; sagt Gott Nein. Es ist kein gruseliger Horrorfilm, wo Tote aufstehen. Wo die Gewalt Gottes auf den Tod prallt, kann nur ein Christus auferstehen. Gottes Liebe braucht Golgatha um die Sünde der Welt los zu werden. Sie braucht den auferstandenen Christus, dass seine Liebe wieder zu den Menschen kommt. Der Auferstandene trennt von der Gottestrennung und somit vom Tod.

Wenn an Ostern die Erde bebt, ist das eine…

 

  •   Katastrophe zum Heil

 

der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. …

Mit Ostern beendet Christus das Unheil. Die Frauen wollten nach dem Grab sehen und treffen auf einen Engel und dann auf Christus. Ostern heißt: Christus sehen. Auf dem Weg zum Toten stehen sie vor dem Lebendigen. Sie erschrecken und ihre ganzen bisherigen Vorstellungen kommen ins Wanken. Sie trauten ihren Augen nicht und gingen vor Christus in die Knie. Die Christusbegegnung wird zu einem heilsamen Schock. Sie waren auf Totenehrung programmiert, und werden nun sehr lebendig gegrüßt. Als die Trauernden werden sie vom Leben getröstet. Das mehrmalige fürchtet euch nicht, ist der Trost des Heils über allem Unheil. Es ist der Ruf, dass die menschliche Katastrophe, eine unerwartete Wende gemacht hat. Die Sünde ist gestorben, es triumphiert das Leben.

Jeder Katastrophe ist seit Ostern das fürchte dich nicht entgegengerufen. Alle Erschütterungen des Lebens sind der Ort, am dem wir Christus begegnen. Mit der Auferstehung gibt es keinen Weltuntergang mehr, der uns erschrecken könnte. Wir werden immer von viel Elend umgeben sein, die das Kennzeichen einer gefallenen Welt sind, aber wir können auf Sterbenswegen immer auch dem Auferstandenen begegnen. Seit Ostern können wir uns nicht mehr hinter dem Tod verstecken. Jede Ausrede wegen unerträglichen Lasten, muss an dem fürchtet euch nicht zerschellen. Gerade auf dem schweren Weg unserer Endlichkeit, stoßen wir am Ostermorgen auf Christus.

 

Ist es nicht eine viel größere Katastrophe, an Ostern nicht in das leere Grab zu schauen?