Gehorsam bricht Widerstand

Wo die Geige ihrem Spieler trotzt, kann kein guter Ton gelingen.

Gerecht ist er, der Herr, ich aber war widerspenstig gegen sein Wort.“
Klagel. 1, 18

Das Übel des Menschen wir in einem ganz kurzen Satz auf den Punkt gebracht. Widerspenstig! Widerspenstig gegen sein Wort, bringt das Unrecht in die Welt. Menschen sind wie trotzige, kleine Kinder, wo es um den Willen Gottes geht. Widerspenstig ist der Anfang von Elend. Mit widerspenstig geht etwas daneben, das ganz anders geplant ist. Der Dickkopf lässt sich nicht gerne sagen. Widerspenstig will es besser wissen, wie die Welt und das Reich Gottes ticken. Widerspenstig ist der Mensch an sich, ist der Adam der fragt: Sollte Gott gesagt haben? Diese Auflehnung, dieses ständig infrage stellen, hat Disteln und Dornen in das Leben gebracht. Widerspenstig gegen sein Wort beschreibt die Bibel mit Sünde. Damit wird der Mensch zu einer Geige, die sich selbst bespielen will und damit schauerliche Töne hervorbringt. Widerspenstig ist der Missklang des Lebens. Da wird ein edler Klangkörper zur abschreckenden Sirene. Da bäumt sich der Besserwisser gegen jede Form von geführt werden auf. Da übernimmt der Mensch das Kommando, und sagt Gott wo´s lang geht. Dieses Aber gegen das Wort, gegen Führung, gegen das was Gott von uns will, ist das Problem von uns Menschen. Wir schreien nach Gerechtigkeit, wir suchen nach dem Richtigen und Guten, jedoch in uns. Wo wir das Wort ausschlagen, schlagen wir Christus aus. Wir schlagen die Gerechtigkeit aus und bleiben im Unrecht.

Es geht um unseren Umgang mit dem Wort, um unseren Umgang mit Christus, um den Umgang, mit dem was Gott von uns will. Wir müssen unsere Auflehnung erkennen und unseren Widerstand begraben. Wenn unsere Tage gut werden sollen, muss unsere Widerspenstigkeit aus der Welt geschafft werden. Erst die geschmeidige Geige in der Hand des Meisters, kann ihren Klang entfalten. Unter der willigen Führung des Wortes, wird der Mensch zum Spiegelbild Gottes. Unter dem Willen Gottes werden wir tüchtig zum Guten. Da wirkt Christus dem Unrecht und Unfrieden entgegen. Das Widerspenstige braucht den Auferstandenen, der das gegen Gott, in das für Gott verwandelt.

Die Kirche, das Reich Gottes leidet unter den Widerspenstigen. Wo das Wort nichts mehr zu melden hat, werden Gottesdienste leerer und die Klöster haben keinen Nachwuchs. Da ist zu viel, „ich bin selber groß“, „ich weiß was ich zu tun habe“, „ich lasse mir von niemand in meine Lebensgestaltung hineinreden“.

Warum tun wir uns so schwer damit, uns ganz willig auf das Wort einzulassen?

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Wenn die Suppe nicht schmeckt

Christus will keine Bewunderer, sondern Nachfolger. Sören Kierkegaard

„Gott der Herr hat mir das Ohr geöffnet. Und ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück.“
Jes. 50, 5

Wo der Herr das Ohr öffnet, passiert etwas mit dem Menschen. Da dringen Worte ein, die nicht nur nett sind, sondern das ganze Gottes Handeln offenbaren. Da wird der Mensch von dem erfasst, was Gott mit ihm vor hat. Er wird zum Instrument und Werkzeug Gottes. Gott fängt damit an die Welt zu operieren; er gestaltet, er erschafft und erneuert. Wo Gott Ohren öffnet, erfasst er einen Menschen total und vollbringt mit ihm sein Werk. Er verschafft sich damit die Komplettzugang im Menschen. Mit geöffneten Ohren werden Berufungen ausgesprochen. Da hört ein einfacher Schreiner den Ruf: Geh ins Kloster! Da heißt er Wege zu gehen, die völlig anders aussehen als wir uns gedacht haben. Da macht das Wort zu einem Teil von Gottes Auftrag. Da hört Mose den Ruf: Geh zum Pharao und befreie mein Volk aus der Gefangenschaft der Ägypter. Wo Ohren aufgehen wird ein Saulus zum Paulus. Da wird der Gottesknecht zum Erlöser.

Wo die Ohren aufgehen, kann es ganz schön ungemütlich werden. Da werden unsere Wege und Pläne durchkreuzt. Da tanzen wir nicht mehr nach unserer Pfeife. Wo Gott Hand anlegt, sagt er: Du bist mein! Ich brauche dich, ich jetzt etwas mit dir vor. Da kommen schnell die größten Ausreden und Erklärungen, weshalb das nicht geht. Mose hat heftige Diskussionen mit Gott begonnen, als er den Pharao überzeugen sollte. Ich kann nicht reden, ich bin nicht sprachbegabt, ich habe eine schwere Zunge. Schlicht, Lieber Gott, suche dir einen anderen, ich bin nicht der Richtige für solch eine Aufgabe. Ich selbst sagte mir: Kloster ist für dich als freiheitsliebender Mensch nichts, das kann ich mir nicht vorstellen. Doch es geht nicht darum, was wir uns vorstellen können. Selbst Jesus sagte: Wenn es irgendwie geht, lass diesen Kelch an mir vorübergehen. Wo die Ohren aufgehen, hören wir Dinge, die wir lieber nicht hören möchten, weil es ans Eingemachte geht.

Doch Jesaja sagt: ich bin nicht ungehorsam und weiche nicht zurück. Wow, welch eine Standhaftigkeit. Welch eine Bereitschaft Wege zu gehen, die ungemütlich werden und vielleicht kein Zuckerschlecken sind. Ungehorsam und zurückweichen, sind das größte Übel, wenn die Ohren aufgehen, wenn das Wort uns triff und Gott ganz konkret etwas mit uns vor hat. Jesus sagte: Dein Wille geschehe. Damit war er bereit für den Kreuzweg. Genauso sagt er: Wer mir dienen will, der folge mit auf dem Kreuzweg. Im Gehorsam und nicht zurückweichen geschieht das was Gott mit dieser Welt vor hat. Es geht in der Nachfolge immer wieder darum, unseren Widerstand gegen das was Gott von uns will, zu begraben.

Was passiert in uns, wenn uns das Wort die Ohren öffnet? Welche Abwehrmechanismen setzen da ein?

Den Dickkopf zurücknehmen 

Es liegt an uns.
„Wie könnt ihr rechten mit mir? Ihr seid alle von mir abgefallen, spricht der Herr.“

Jer. 2, 29
Wenn wir uns damit auseinandersetzen, wie das Übel in die Welt kommt, finden wir hier die Antwort. Chaos und Unfrieden liegt im Abfallen von Gott. Abfallen, sich distanzieren, trennt die Menschen von ihrem Lebensnerv. Wer abfällt ist draußen, den hat es wie den Fisch aus dem Wasser gespült. Abfallen ist das Urproblem der Menschen. Sie wollten schon von Anfang an auf eigenen Füßen stehen, selber wissen, was gut ist. Sie wollten größer und besser sein als Gott. Sie wollten sich mit ihm messen und sich in nichts reinreden lassen. Sie diskutierten und stellten vom ersten Tag der Menschheit Gott infrage. Diese gallopierende Arroganz ist der Beginn allen Sterbens. Hier kommt der Knick in die Lebens- und Liebesgeschichte. Wo sich einer über den anderen erhebt, wo sich sogar das Geschöpf über den Schöpfer erhebt, da regiert die Dummheit, die ins Elend führt. Abfallen, abwenden ist die Tragik der Geschichte des Volkes Israel, es ist unser persönliches Drama. 
Frieden in der Welt, Frieden unter Menschen, liegt einzig darin, wenn aus Abfallen ein Zuwenden wird. Gott kann nicht von uns abfallen; er ist in Christus die Versöhnung pur. Von ihm kam immer die Initiative sich mit uns zu verbinden und verkrachte Verhältnisse zu befrieden. Alle Not drängt uns, geradezu uns zu hinterfragen und Gott wieder Gott sein zu lassen. Wir müssen dem Bohrenden, dem in uns Rebelliereden, den Christus-Spiegel zeigen. Unser Groll braucht das Heilmachende. Unsere Agression braucht einen gewaltigen Löwenbändiger. Nur in der Einsicht, dass wir abgefallen sind, können wir erkennen, dass wir die Loslösung von uns selber brauchen. Wir werden dann zu einer tiefen Ruhe finden, weil wir wieder Zuhause sind. Dieser Frieden fängt nicht nur an in uns zu leben, sondern befriedet Beziehungen und strahlt in unser Umfeld. 
Wie könnt ihr rechten mit mir? Wollen wir nicht viel öfter unseren Dickkopf zurücknehmen?

Das Ende des Amoklaufes 

Frieden kommt nicht von guter Politik, oder der Friedensbewegung.
„Die zum Frieden raten, haben Freude.“

Spr. 12, 20
„Es kann kein Mensch in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Wir kennen das. Vor kurzem gedachte unser Land an 70 Jahre Frieden. So lange kein Krieg ist eine Leistung. Aber haben die Menschen in unserem Land wirklich Frieden? Hat die Welt Frieden? Täglich erleben wir das Gegenteil. Der nicht endende Krieg in Syrien. Die Treppenschupser in der Berliner U-Bahn, oder der Sattelschlepper auf dem Weihnachtsmarkt. Wir erleben die ständigen Streitereien in den Ehen und Familien. Wir hören von einem Schlosser, der vor Gericht gezogen wird, weil ein Gartenzaunpfosten ein paar Zentimeter falsch gesetzt war.

Wir müssen feststellen, richtig echter Frieden in der Welt geht nicht. Unfrieden liegt in der Unruhe der Menschen. Solange da irgendetwas brodelt, kann keine Politik und keine Friedensbewegung Frieden schaffen.
Frieden kommt nicht von außen, Frieden kommt von innen. Unser Herz ist solange unruhig in uns, bis es seine Ruhe in Gott findet, sagt Augustin. Frieden hängt mit Gott zusammen. Wo eine Seele in Gott zur Ruhe kommt, ist sie Zuhause angekommen. Gott stellt in die eigentlichen Lebenszusammenhänge, dass man nicht mehr um sein Recht kämpfen muss. Frieden ist das Ende des Amoklaufes gegen Gott.  Christus heißt die Friedensstifter selig, die Kinder Gottes geworden sind. Wo die Familienverhältnisse mit Gott in Ordnung gekommen sind, kann es auch in unseren Familien Frieden geben. Die „friedliche Revolution“ bei der Wiedervereinigung kam nicht in erster Linie von der Politik, sondern aus den Kirchen mit Lichtern und Gebeten. So kann sich Frieden ausbreiten. Frieden ist die Revolution am Herzen Gottes, an der Menschen Freude erfahren.
Wollen wir nur Frieden schaffen ohne Waffen, oder Menschen in ihr wahres Zuhause führen?

Achtung Pulverfass!

die Gewissensfrage geht voll an den Nerv.
„Soll ich meines Bruders Hüter sein?“

1. Mose 4, 9
Getroffene Hunde bellen. Gott legt seine Finger auf die wunden Stellen. Kain schreit dabei nur frech auf. Er drückt sich vor der Verantwortung, seinen Buder umgebracht zu haben. Wo Gott den Mord zur Sprache bringt – Ausreden! Wir blicken hier in die Abgründe menschlicher Seelen. Wer an der Gottesfrage kneift, steht in der Gefahr, dem Leben an den Kragen zu gehen. Da geht es nicht mehr um kleine moralische Delikte, sondern um einen tiefgreifenden Schaden. Menschen können sich innerlich so verhärten, dass sie über Leichen gehen. Da entwickelt das eigene Machtstreben oder erfahrene Enttäuschungen solch ein Potential, dass Köpfe rollen. Wir brauchen diese dunkle Seite nicht nur bei den Terroristen suchen. Wenn wir uns selbst beobachten, wie schnell sich Hassgefühle gegen andere entwickeln, die uns Unrecht getan haben, erkennen wir ein Pulferfass. In Extremsituationen kennen wir uns selber nicht mehr und können nicht abschätzen zu was wir alles in der Lage sind. Da kreisen Gedanken in uns, über die wir selbst erschrecken.
Gott stellt uns immer wieder die Gretchenfrage: Wie hälst du´s mit dem Glauben, sprich. Er will genau in diese Giftküche der Gedanken eindringen. Er will das innere Brodeln und Auflehnen überwinden. Er will den unterschwelligen Gefahrenherd ausrotten. Er will Licht ins Dunkel bringen. Deshalb braucht die Welt Erlösung. Deshalb brauchen Menschen den Christus. Diese Weglauftendenz braucht die ständige Erneuerung. An der Gottesfrage entscheidet sich, ob wir zur Gefahr für uns selbst und für unseren Nächsten werden. Christus macht uns den Nächsten zum Bruder. Darin entsteht die Mitverantwortung für die Welt. Da wächst zusammen, was zusammen gehört. Die Frage nach unserem Glauben stellt uns nicht bloß, sondern heilt die verwundete Schöpfung und verbindet verwundete Herzen.
Wo finden wir bei uns die Stelle, an der wir dieser Frage ausweichen?

Besserwisser-Gen ist verhängnisvoll

wer sich den Lebensnerv abschneidet, wird unter Atemnot leiden.

„Ihr sollt den Herrn, euren Gott nicht versuchen.“
5. Mose 6, 16

Gebote dienen dem organisch, guten Miteinander. Ordnungen zu übertreten, kann lebensgefährlich sein. Eine überfahrene rote Ampel, kann nicht nur Punkte geben, sondern massiv unsere und der Anderen Sicherheit gefärden.

Genauso gibt es im Miteinander mit Gott gute Ordnungen. Eine der größten menschlichen Probleme ist, Gott zu hinterfragen. Sehr früh wurde uns beigebracht, nichts einfach so stehen zu lassen, sondern alles mit einem kritischen, prüfenden Auge zu betrachten. Im Paradies war das der Anfang von Ende. Diese Anfrage an Gott, hat den Tod in die Welt gebracht. In uns steckt ein „Besserwisser-Gen,“ das uns zum Verhängnis werden kann. Wo Gott hinterfragt wird, schwindet der Glaube. Menschen fangen an, sich zum Maßstab zu machen und zu entscheiden, was gut und böse ist. Wo das hinführt, sehen wir im Extrem, an diktatorischen Regierungen.

Dieser Gefahr müssen wir uns stellen, und jeden Tag neu den Schalter umlegen, dass wir zuerst uns hinterfragen, bevor wir Gott hinterfragen. Werden wir wieder Kinder, die einfach der Mutter vertrauen, dass sie das Beste für sie will. Die Liebe fragt nicht, sie vertraut. Seien wir uns bewusst, dass wir bei allem Anti gegen Gott, ihm den Zugang zu uns versperren. Seine Ordnungen dienen dazu, unsere Blockaden gegen ihn abzutragen, dass sein Heil, freie Bahn zu uns hat.

Können wir es uns überhaupt erlauben, den, der uns am Leben halten will, mit unserem Besserwissen-wollen, lieblos in die Ecke zu stellen? Wollen wir nicht aus dem Gott versuchen, wieder ein herzhaftes Gott suchen machen?