Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde, hängen gemeinsam im Fallschirm.

Gott spricht: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“
Ps. 50, 15

Ziemlich beste Freunde ist deshalb so ein guter Film, weil er die natürlichen Grenzen eines von oben bis unten Gelähmten durchbricht. Freundschaft überwindet Grenzen und mobilisiert den Hilflosen. Wenn ein Tetraplegiker in einem Tandemfallschirm hängt, ist menschliches Miteinander nicht mehr zu toppen. Freundschaft, Partnerschaft, ein großes Glück, von jedem angestrebt, doch oft ein Scherbenhaufen. Gott stellt einen Freundschaftsantrag. Er will der Partner für dick und dünn sein. Nicht nur in den erhebenden Sonnentagen, sondern gerade, wenn wir am Kleingedruckten unseres Lebens buchstabieren. Ein Angebot für Vollgelähmte, bei denen nichts mehr selbstständig funktioniert. Gerade da, wo wir einfach sitzen und nicht mehr das Gleichgewicht halten können. Der beste Freund will an den Nerv unseres Schicksals. Dorthin, wo die Verzweiflung und Sinnlosigkeit am größten sind. Dort wo wir aus unserer Haut fahren könnten und das Ende unseres Lebens wünschen. Die Not der Menschen ist die Nacht, in der es nichts zu hoffen gibt. Es sind die Momente, in denen wir mit unserem Elend ganz alleine sind und bittere Stunden schmerzhaft ausleiden. Ganz am Ende geht jeder seinen einsamen Weg und spürt dabei wie ferne einem der liebste Mensch ist. Genau in dieser Leere, die kein Mensch ausfüllen kann, will Gott Freund sein. Er wird dem unter die Räuber gefallenen, zum barmherzigen Samariter. Mein Elend wird sein Ding. Für meine Begrenzung fühlt er sich verantwortlich. Mit ganzer Macht bringt er ins Leben zurück. Sein sprühender Lebensdrang rettet uns. Die Unbeweglichkeit und Unselbstständigkeit, der Rolli, hindern nicht, quitschvergnügt durch die Lande zu fahren und die Schönheit von Bergen und Blumen zu genießen. Der Freund fährt. Mit dem Freund fliegen wir. Ohne dass wir das können, sind wir mitten im blühenden Leben. Unter Lasten leben wir dabei auf. Der Freund reißt die Türen zum Leben auf.

Wer einen Freund hat, ist erlöst. Der Freund befreit von dem was zurückhält. Der Freund macht uns aus. Wir können das, was unser Freund kann, somit immer mehr, als wir selber können. Mit Christus als Freund, hat es die Not schwer. Da können wir in der ausweglosen Lage wieder das Lachen lernen. Es ist die Gnade, die allen Jammer wendet. Solch einen Freund können wir nur besingen.

Warum steigen wir in unserer Not nicht mit in den Fallschirm?

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Wenn Dopamine ausgeschüttet werden…

Wer aus der Gefangenschaft entlassen wird, kann die Freiheit genießen.

„Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.“
Jes. 40, 1

Babylonische Gefangenschaft ist beileibe kein Zuckerschlecken. Das Gottesvolk lebt trost- und aussichtslos. Keine Perspektive, kein Sinn, nur Jammer und Klage. Die Schwere der Tage sind nicht zu zählen. Es sind die Augenblicke im Leben, die man sich nur noch wegwünscht, weil innerlich und äußerlich alles zerbricht. Wenn in solch eine Situation ein doppelter Trost fällt, ist das eine gewaltige Wende. Gott tröstet im Ausnahmezustand. Da fällt Erbarmen ins Elend. Da richtet einer das Gebeugte auf. Gott tröstet, und ab diesem Moment bricht eine neue Zeit an. Für das gebeutelte Gottesvolk ist Befreiung in Aussicht. Da sieht der Jammer Heimat vor Augen. Wie der Soldat, der in der Kriegsgefangenschaft, dem der Augenblick entgegenspringt, an dem er wieder Frau und Kinder umarmt. Trost ist gewaltiger Umbruch. Da öffnet sich Zukunft, da geht die Sonne auf. Wo Gott tröstet schwindet die Trauer, da entkrampfen sich alle Verspannungen, da stockt das Seufzen. Wo Gott den Tröster in die Welt bringt, wird Christus zum Umbrecher. Da beginnt Befreiung aus dem Untröstlichen. Da löst sich die Welt von ihrer Schicksalsabhängigkeit. Da bricht jede Art von Gefangenschaft in die Zukunft auf. Es ist der Moment, in der sich Verzweiflung in Hoffnung verwandelt. Wo Christus ist, ist Trost allgegenwärtig. Da gehen in jeder Form der Gefangenschaft die Türen auf. Da ist kein Leiden mehr sinnlos, kein Schmerz untröstlich. Durch den Trost kommt der verkrampfte Körper in seelisches Gleichgewicht. Die Lebensenergie erwacht und das Herz wird unverzagt. Getröstete sind Schmerzüberwinder. Das ist wie eine Dopaminausschüttung, in der die Glückshormone unter Lasten Energie verströmen. Im Trost werden wir von Liebe aufgefangen, von der wir uns verlassen glaubten.

Wo wir getröstet sind, können wir in Trauer und Gefangenschaft als Befreite leben. Im Moment des getröstet Werdens, kommt das Leben zurück. Getröstete können hoffend mit harten Lebensschlägen umgehen. In der Situation, in der wir keine Zukunft sehen, können wir entspannt weitermachen. Gerade die schwierigen Lebenssituationen bekommen so viel Glückseligkeit, das eine Wende hereinbricht. Nur der Gefangene und der Untröstliche schätzt den Wert des Trösters. Die schwersten Momente haben dadurch die stärkste Hoffnung.

Wo zögern wir noch, wenn wir bereits in die Freiheit entlassen sind?

Herausfallen geht nicht

Nichts von dem was existiert, ist außerhalb der Güte Gottes.
„So spricht der Herr, dein Erlöser, der dich vom Mutterleibe bereitet hat: Ich bin der Herr, der alles schafft, der den Himmel ausbreitet allein und die Erde festmacht ohne Gehilfen.“

Jes. 44, 24
Dichter und kompakter kann man es kaum ausdrücken, wie nah Gott ist, wie alles auf Gott bezogen ist. Bei einem Gott, der alles schafft, gibt es keinen Platz für Diskussionen über vielleicht andere Eventualitäten. Alles ruht in seiner Hand, alles was ist, ist Chefsache. Von unserer Zeugung, bis zur Gestaltung des Kosmos, liegt alles in seiner Hand. Nichts ist Zufall, nichts ist ungewollt, alles trägt die göttliche Erbmasse. Es ist das größte Ja, das über allem Leben steht.
Dieses Ja regiert die Welt, bei allen was sich der Mensch als hoch, heilig und wichtig erschaffen hat. Darin ruhen alle Sicherheiten, die das Leben braucht. Alles Bestreben, unserem Leben Stabilität zu geben, liegen in dem, der den Himmel ausbreitet und die Erde festmacht. Die Statik, die wir unserem Leben geben können, ruht in dieser schöpferischen Macht. Darin liegt unsere Lebensversicherung. 
Wie sehr sind die Menschen mit der Sicherung ihres Lebens beschäftigt. Wert hat nur der, der etwas leistet. Wer nicht in dieses System passt wird ausgemustert. Der alleinige Kampf ums Dasein, der dadurch die Menschen nach wertvoll und weniger wertvoll klassifiziert, hat sich weit vom schöpferischen Menschenbild entfernt.
Wenn Gott alles schafft, wenn er festmacht, ist sein Ja die Versorgung des Lebens. Da liegt der Wert nicht in angestrebtem Reichtum und Gesundheit, sondern da ist ein Ja zum Armen und Kranken. Gerade in unserem Mangel bleibt Gott der Schaffende. In unserem Versagen, begegnet er uns als Erlöser. Genau dort, wo wir nicht stark sind und in der Welt an Bedeutung verlieren, sind wir für Gott das wichtigste Gegenüber. Wenn er festmacht, dann geschieht das gerade dort wo wir wanken, wo alles in sich zusammenfallen will. Nichts und niemand kann uns aus dieser Verankerung ziehen, wenn das Leben durch Krankheit und Schmerzen seinen Glanz verliert. Unser Glanz ist es, dass wir in jedem Augenblick von Gott Bereitete und Gewollte sind. Kein stärkeres Ja, kann uns am Leben erhalten.
Wenn alles Leben von Gott bereitet ist, wo fallen wir hin, wenn wir Angst haben herauszufallen?

Erbarmen macht stark

Wir sind weder inneren, noch äußeren Spannungen preisgegeben.
„Bei dir finden die Verwaisten Erbarmen.“

Hos. 14, 4
Erbarmen garantiert Durchkommen. Erbarmen heißt: Wir können allen Widerständen zum Trotz, das Ziel erreichen. Im Erbarmen zeigt sich, es liegt nicht an unserem Können und Vermögen, dass unser Leben gut wird. Anfechtung ist nie das Letzte. 
Wo wir verwaist sind, sind wir wie das Volk Israel herrenlos. Durch Zeitgeist und die eigenen Wünsche, durch unverständliche Schicksalsschläge und die eigene Lauheit, immer wieder auf Abstand zu Gott. Wir sind die, dem Gewitter des Lebens Ausgelieferten und die, die immer wieder an den Führungen Gottes Zweifelnden. Verwaist sein, zeigt den Kampf ums nackte Überleben. Gerade an den Glaubenden zeigt sich noch mehr, wie spannungsgeladen und angefochten Dasein ist. Wo wir als die von Gott Berufenen unterwegs sind, haben wir nicht nur mit Widerstand von außen zu kämpfen, sondern oft mit uns selbst. Wir müssen unsere eigene Trägheit überwinden, oft unsere Unbeweglichkeit und Müdigkeit. Manchesmal zweifeln wir, ob das richtig ist, was wir tun. Leben ist der Kampf gegen das eigene Versagen. Wir müssen die Spannung zwischen der vergänglichen und unvergänglichen Welt aushalten. 
In diesem Kämpfen finden die Verwaisten Erbarmen. Unser Kämpfen wird von dem Guten gestreift. Im Erbarmen kämpft Gott in unseren Widerständen. Erbarmen zeigt, wie nahe Gott in der Anfechtung ist. Erbarmen kennt alle Zerrissenheit. Durch das Erbarmen sind wir nicht mehr die dem Schlachtfeld Ausgelieferten. Hier fällt Güte in die Ohnmacht. Da liegt es nicht mehr nur an unserem Kampfgeist. Erbarmen ist die Zuwendung des Hohen zum Geringen. Da fängt der Christus in uns an zu kämpfen. Wir sind in diesem Erbarmen nicht mehr auf uns selbst gestellt. Christus tröstet die Angefochtenen. Er ist der Lebensgeist, der jeder Nacht einen neuen Morgen schenkt. Im Erbarmen liegt der Überwindergeist, den wir in uns selbst nicht finden. 
Wenn wir kein Erbarmen finden würden, müssten wir die Schlachten unseres Lebens alleine fürhren. Wäre das nicht trostlos und hoffnungslos?

In Gnade gefallen 

Hinter den Kulissen läuft mehr als wir denken.
„Wenn ich sprach: Mein Fuß ist gestrauchelt, so hielt mich, Herr, deine Gnade.“

Ps. 94, 18
Fallen und darin aufgefangen werden ist stark. Doch was hier auffängt ist noch stärker. Gott hält nicht mit seinen starken Händen, wie man meinen könnte, er hält mit Gnade. Vom Erbarmen gehalten, ist weit mehr als ein Fangnetz für den Trapezkünstler. Es ist auch mehr als das „heile, heile Gänschen, wird bald wieder gut“, für den Stolperer. Es ist kein billiges aus dem Staub aufheben, sondern elementares angeknüpft sein an Gottes Barmherzigkeit. Wo die Gnade trägt, ist Christus im Spiel. Da sind unsere Falltendenzen in das Erlösungswerk eingebunden. Da tritt ein ständig aktives Aufrichten, dem gefallenen Menschsein entgegen. Da ist in unserem Fallen mehr Christus drin, als wir wahrhaben. 
Wo die Gnade hält, bewahrt uns nicht nur ein Schutzengel, dass wir nicht die Treppe herunterfallen, sondern es ist allem Sterbensprozess eine Erneuerung entgegengesetzt. Da findet in allen Erschütterungen eine Trotzreaktion des Lebes statt. Die Gnade trennt uns in der Unterganssituation vor dem Absturz. Da offenbaren sich Auferstehungkräfte in den harten Schlägen des Dasein. 
Durch die Gnade ist unser Fallen nie das ausgeliefert sein. Da wird das Fallen zur Christusbegegnung. Im Fallen werden wir in das Gottesbild hineingeformt. Da wo wir schwach werden, kommt Gott zu seinem Ziel. Durch die Gnade wird Straucheln nicht unser Ende werden, sondern ist ein neuer Anfang. 
Was fürchten wir da unser Fallen, wenn diese Gnade auffängt?