Schiffbrüchige fallen ins Erbarmen

Gerade die vom Leben Gezeichneten, sind von Gott gezeichnet worden.

_“Der das Ohr gepflanzt hat, sollte der nicht hören? Der das Auge gemacht hat, sollte der nicht sehen?
Ps. 94, 9

Wer solch eine Frage an das Leben stellt, stellt sie mit großer Weisheit. Er entlarvt damit die menschliche Kurzsichtigkeit und Schwerhörigkeit. Wo der Mensch glaubt, Gott sieht und hört nichts, angesichts der Lasten die auf seinem Leben liegen, dreht der Psalmbeter der Spieß um. Wie sollte einer, der die Sinnesorgane für die Kommunikation geschaffen hat, genau diese ignorieren? Wo Gott äußersten Wert auf die Gemeinschaft mit Menschen legt, wo er alles dazugegeben hat, ihn wahrzunehmen, wo wir ihn schmecken und sehen sollen, wie freundlich er ist, da soll er einen Rückzieher machen? O Mensch, du hast doch etwas an den Augen und Ohren. Hier wird eine tiefe Tragik des Menschen angesprochen. Bei allem was geschieht wird zuerst Gott hinterfragt, bevor man sich selbst hinterfragt. Für die Krankheit, für das Unglück wird ein Schuldiger gesucht, ohne dabei zu sehen, dass eine starke Hand alles zum Besten führen will. Wenn wir Fallen, meinen wir schnell, wir wären aus dieser starken Hand gefallen. Der Mensch hat ein Sehproblem, mit allen dem Schweren, das sich in einem Leben ereignet. Da legt einer seine Hand an uns, um sein Meisterwerk zu gestalten, ein echtes Kunstwerk aus uns zu schaffen, mit einer großen Vision unser Leben in die Zukunft zu entwickeln, und wir klagen den Handwerker an, der mit Hammer und Meißel eine großartige Arbeit macht. Wir hören Gehämmer und meinen, Gott will Krieg mit uns. Wir sehen nur die Brocken wegfliegen und glauben an Zerstörung. Wir sind diejenigen, die ständig in der Gefahr stehen, Gottes Handeln an uns fehl zu interpretieren. Wir klagen den an, der das Heil für uns im Auge hat. Mit unserer Sichtweise wollen wir Gott vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat. Warum lässt Gott es zu, dass Jan Hus als leidenschaftlicher Verkündiger und einer, der die Kirche erneuern wollte, heute vor 603 Jahren auf dem Konzil in Konstanz als Märtyrer stirbt? Nur weil wir nicht hinter Gottes Geheimnisse blicken können, schreiben wir ihm vor, was er hätte anders machen sollen. Unsere Zweifel an ihm sind unser Problem. Die Spannung, zu glauben, auch wenn wir nicht sehen.

Vor was sollte der Glaubende erschrecken, wenn die ganze Lebensgeschichte in Gottes Händen ruht? Wie sollten wir je unter den Eindruck kommen, Gott sieht und hört nicht, wo er selbst der Raum zum Atmen ist? Wie sollte uns einer verlassen, der uns Kinder nennt? Hören und sehen sind die Organe, aus denen Gott gemacht ist. Ihm entgeht nichts. Da gibt es keine Partitionen auf der Festplatte, die irgendwelche Lücken haben. Gott ist uns näher als jeder Herzschlag. Er leidet mit uns jeden Schlag durch, der zur Vollendung unseres Lebens dient. Wenn Gott das Meer ist, braucht kein Seemann einen Schiffbruch zu fürchten.

Warum sollten wir mit Gott hadern, wenn ihm nicht das Geringste aus dem Ruder läuft?

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Eine Glocke will wieder Danke sagen
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Die Türe bleibt offen

Eine große Persönlichkeit lässt sich durch nichts beirren.

„Der Herr verstößt sein Volk nicht um seines großen Namens willen.“
1.Sam. 12, 22

Wo das Tischtuch zerschnitten ist, hat die Schwachheit gesiegt. Menschen haben die Eigenschaft, wenn´s dick kommt das Trennende hervorzuheben. Da gibt es tausend Gründe, weshalb harte Schnitte gezogen werden. Der Herr verstößt nicht. Gott kennt keinen Schlussstrich. Bei ihm ist eine Verbindlichkeit, die alles menschenmögliche in den Schatten stellt. Ohne Wenn und Aber steht er selbst zu dem, der ihm ins Gesicht schlägt. Auch die größte Enttäuschung kann ihn nicht abschütteln. Sein Volk kann halsstarrig und dickköpfig sein wie es will, Gott lässt sich davon nicht erschüttern. Was zu ihm gehört, für das steht er gerade, auch unter widrigsten Bedingungen. Was sein ist, bleibt sein. Wer so steht, hat Format. Das hat nichts mehr mit menschlicher Größe zu tun. Dahinter steht ein Name, der über alle Namen ist. Wunderbar Rat, Kraft Held, ewig Vater Friedefürst. Ein Name, so hart wie Granit und so butterzart wie die Liebe einer Mutter. Was Gott liebt, kann er nicht loslassen. Was er liebt, kann kein Hass aus seinen Armen reißen. Sein Ja-Wort ist so endgültig, dass es für alle Zeiten gilt. Dieses Ja kann durch nichts umgestoßen werden. Einmal Ja, immer Ja. Dieses Ja bohrt sich durch alle Erniedrigung, durch alle Demütigung, durch alles Nein der Welt. Es ist ein königliches Ja in alle Armseligkeit hinein. Nach der Sintflut hat sich Gott geschworen: Nie wieder werde ich alles Leben auslöschen, wie ich es getan habe! Genau dort wo er mit Dreschflegel in die Welt ziehen müsste, kommt er als Kind. Er geht in allem Trennenden den Weg des Verbindenden. Er kann es nicht lassen gnädig zu sein. Er knüpft an den Bruchstellen an. Komme was da wolle, selbst unser größter Blödsinn, kann uns nicht aus seiner Hand reißen. Sein Erbarmen ist größer als sein Richten. Die zu seinem Volk gehören, die den Christus im Namen tragen, kann kein Verdammen mehr schrecken. Wo der Herr nicht verstößt, klagt er nicht mehr an. Dieser Glaube befreit von aller Selbstanklage. Wo Gott nicht mehr anklagt, brauchen wir uns schon lange nicht mehr anklagen. Dass er nicht verstößt, nimmt alle schweren Steine vom Gewissen.

Damit sind wir frei von jeglichem Duckmäusertum. Nicht verstoßen sein lässt aufatmen. Da steht einer hinter uns, gerade dort wo wir schwach sind, wo wir Schuld auf uns laden, wo wir anderes verdient hätten. Das lässt uns als aufrechte und befreite Sünder leben. Da haben die nagenden Vorwürfe in uns keine Stimme mehr. Jede Art von Schuld und Lieblosigkeit bindet uns in diesem Moment noch viel enger an die Gnade. Schuldig werden trennt nicht mehr die Gottesbeziehung, sondern belebt sie. Durch das nicht verstoßen sein ist ständig die Türe offen. Je mehr wir schuldig werden, umso größer wird uns Christus. Das macht uns natürlich und entspannt.

Was sollte unser Leben noch bedrohen können, wenn wir unser eigenes Versagen nicht mehr zu fürchten brauchen?

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Trost braucht Leere

Wer getröstet ist, hat Mut für den nächsten Schritt.

„Siehe, um Trost war mir sehr bange. Du aber hast dich meiner Seele herzlich angenommen, dass sie nicht verdürbe; denn du wirfst alle meine Sünden hinter dich zurück.“
Jes. 38, 17

Der König Hiskia erlebte todkrank, den gesund machenden Gott. Der Prophet sagte ihm: Bestelle dein Haus, du wirst nicht mehr lange am Leben bleiben. Sein Leben sollte abschnitten werden, wie ein fertig gewobenes Tuch. Eigentlich eine Hiobsbotschaft, die jeden normalen Menschen in die letzte Verzweiflung bringt. Doch Hiskia bestellte sein Haus, nicht indem er sich auf seinen Abschied vorbereitete, sondern indem er sein ganzes Herz vor seinem Gott ausschütte. Er hat regelrecht mit seinem Gott gerungen
und sprach: Ach, HERR, gedenke doch, wie ich vor dir in Treue und ungeteilten Herzens gewandelt bin und getan habe, was dir gefällt. Und Hiskia weinte sehr. Gott erhörte sein Flehen und ließ ihm ausrichten: ich will dir noch fünfzehn Jahre auf deine Tage zulegen und will dich samt dieser Stadt erretten aus der Hand des Königs von Assyrien und will diese Stadt beschirmen. Was für ein Umbruch, was für eine Erhörung? Nicht jeder erfährt einen derartigen Trost, doch es zeigt, welch eine Macht im Vertrauen liegt. An der Grenze seiner Existenz, vertraute sich dieser König nicht nur ein bisschen, sondern radikal Gott an. Nicht nur sein Leben, sondern sein Herz war gebrochen, das er voll und ganz Gott hinwarf. Sein letztes bisschen Dasein wurde zu einem Knäuel in Gottes Hand. In dieser allerletzten Hingabe, wo in ihm nichts mehr war als nur Leere, erfuhr er Trost, erfuhr er wie seine Seele angenommen wird. Es war die totale Veräußerung, die Gott aufgefangen hat. Getröstet werden und angenommen sein, hängt mit dem ganzen leer sein vor Gott zusammen. Trost fällt dort hinein, wo die Schalen leer und bereit sind sich füllen zu lassen. Wenn Gott tröstet, lässt er den Tröster in offene Gefäße fallen. Sie können dann wie ein Schwamm das Heil aufsaugen. Die ausweglose Situation ist dann die Geburtsstunde für das Genesen in Christus. Dieser Trost wendet das Verderben. Dieser Trost überwindet den Sterbensprozess allen vergänglichen Lebens.

Getröstet sein braucht die ganze Leere. Dort wo ein Flüchtling die ganzen Schandtaten der Menschheit über sich hat ergehen lassen, wo er Monate und Jahre auf Heimat verzichtet hat, wo seine Seele ausgebrannt ist bis auf die Knochen, wo er als Häufchen Elend vor unserer Türe steht, wird ihm Trost, wenn diese Türe aufgeht. Da beginnen Augen wieder zu lachen, die wochenlang geweint haben. Da entsteht Trost, wenn die heimatlichen Klänge der eritreischen orthodoxen Gesänge über ein Handyvideo erklingen. Dieses Trösten dringt dann tief in die verwundeten, kranken Seelen hinein.
Wir sind aufgefangen, wo wir diesen Trost zulassen. Wir sind beauftragt die Hoffnung, die in diesem Trösten liegt zu verschwenden. Gott hat genug davon.

Wenn es uns um Trost sehr bange ist, glauben wir, wir könnten uns selbst trösten und die Hoffnung aus uns schöpfen?

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Ziemlich beste Freunde

Ziemlich beste Freunde, hängen gemeinsam im Fallschirm.

Gott spricht: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“
Ps. 50, 15

Ziemlich beste Freunde ist deshalb so ein guter Film, weil er die natürlichen Grenzen eines von oben bis unten Gelähmten durchbricht. Freundschaft überwindet Grenzen und mobilisiert den Hilflosen. Wenn ein Tetraplegiker in einem Tandemfallschirm hängt, ist menschliches Miteinander nicht mehr zu toppen. Freundschaft, Partnerschaft, ein großes Glück, von jedem angestrebt, doch oft ein Scherbenhaufen. Gott stellt einen Freundschaftsantrag. Er will der Partner für dick und dünn sein. Nicht nur in den erhebenden Sonnentagen, sondern gerade, wenn wir am Kleingedruckten unseres Lebens buchstabieren. Ein Angebot für Vollgelähmte, bei denen nichts mehr selbstständig funktioniert. Gerade da, wo wir einfach sitzen und nicht mehr das Gleichgewicht halten können. Der beste Freund will an den Nerv unseres Schicksals. Dorthin, wo die Verzweiflung und Sinnlosigkeit am größten sind. Dort wo wir aus unserer Haut fahren könnten und das Ende unseres Lebens wünschen. Die Not der Menschen ist die Nacht, in der es nichts zu hoffen gibt. Es sind die Momente, in denen wir mit unserem Elend ganz alleine sind und bittere Stunden schmerzhaft ausleiden. Ganz am Ende geht jeder seinen einsamen Weg und spürt dabei wie ferne einem der liebste Mensch ist. Genau in dieser Leere, die kein Mensch ausfüllen kann, will Gott Freund sein. Er wird dem unter die Räuber gefallenen, zum barmherzigen Samariter. Mein Elend wird sein Ding. Für meine Begrenzung fühlt er sich verantwortlich. Mit ganzer Macht bringt er ins Leben zurück. Sein sprühender Lebensdrang rettet uns. Die Unbeweglichkeit und Unselbstständigkeit, der Rolli, hindern nicht, quitschvergnügt durch die Lande zu fahren und die Schönheit von Bergen und Blumen zu genießen. Der Freund fährt. Mit dem Freund fliegen wir. Ohne dass wir das können, sind wir mitten im blühenden Leben. Unter Lasten leben wir dabei auf. Der Freund reißt die Türen zum Leben auf.

Wer einen Freund hat, ist erlöst. Der Freund befreit von dem was zurückhält. Der Freund macht uns aus. Wir können das, was unser Freund kann, somit immer mehr, als wir selber können. Mit Christus als Freund, hat es die Not schwer. Da können wir in der ausweglosen Lage wieder das Lachen lernen. Es ist die Gnade, die allen Jammer wendet. Solch einen Freund können wir nur besingen.

Warum steigen wir in unserer Not nicht mit in den Fallschirm?

Wenn Dopamine ausgeschüttet werden…

Wer aus der Gefangenschaft entlassen wird, kann die Freiheit genießen.

„Tröstet, tröstet mein Volk! spricht euer Gott.“
Jes. 40, 1

Babylonische Gefangenschaft ist beileibe kein Zuckerschlecken. Das Gottesvolk lebt trost- und aussichtslos. Keine Perspektive, kein Sinn, nur Jammer und Klage. Die Schwere der Tage sind nicht zu zählen. Es sind die Augenblicke im Leben, die man sich nur noch wegwünscht, weil innerlich und äußerlich alles zerbricht. Wenn in solch eine Situation ein doppelter Trost fällt, ist das eine gewaltige Wende. Gott tröstet im Ausnahmezustand. Da fällt Erbarmen ins Elend. Da richtet einer das Gebeugte auf. Gott tröstet, und ab diesem Moment bricht eine neue Zeit an. Für das gebeutelte Gottesvolk ist Befreiung in Aussicht. Da sieht der Jammer Heimat vor Augen. Wie der Soldat, der in der Kriegsgefangenschaft, dem der Augenblick entgegenspringt, an dem er wieder Frau und Kinder umarmt. Trost ist gewaltiger Umbruch. Da öffnet sich Zukunft, da geht die Sonne auf. Wo Gott tröstet schwindet die Trauer, da entkrampfen sich alle Verspannungen, da stockt das Seufzen. Wo Gott den Tröster in die Welt bringt, wird Christus zum Umbrecher. Da beginnt Befreiung aus dem Untröstlichen. Da löst sich die Welt von ihrer Schicksalsabhängigkeit. Da bricht jede Art von Gefangenschaft in die Zukunft auf. Es ist der Moment, in der sich Verzweiflung in Hoffnung verwandelt. Wo Christus ist, ist Trost allgegenwärtig. Da gehen in jeder Form der Gefangenschaft die Türen auf. Da ist kein Leiden mehr sinnlos, kein Schmerz untröstlich. Durch den Trost kommt der verkrampfte Körper in seelisches Gleichgewicht. Die Lebensenergie erwacht und das Herz wird unverzagt. Getröstete sind Schmerzüberwinder. Das ist wie eine Dopaminausschüttung, in der die Glückshormone unter Lasten Energie verströmen. Im Trost werden wir von Liebe aufgefangen, von der wir uns verlassen glaubten.

Wo wir getröstet sind, können wir in Trauer und Gefangenschaft als Befreite leben. Im Moment des getröstet Werdens, kommt das Leben zurück. Getröstete können hoffend mit harten Lebensschlägen umgehen. In der Situation, in der wir keine Zukunft sehen, können wir entspannt weitermachen. Gerade die schwierigen Lebenssituationen bekommen so viel Glückseligkeit, das eine Wende hereinbricht. Nur der Gefangene und der Untröstliche schätzt den Wert des Trösters. Die schwersten Momente haben dadurch die stärkste Hoffnung.

Wo zögern wir noch, wenn wir bereits in die Freiheit entlassen sind?

Herausfallen geht nicht

Nichts von dem was existiert, ist außerhalb der Güte Gottes.
„So spricht der Herr, dein Erlöser, der dich vom Mutterleibe bereitet hat: Ich bin der Herr, der alles schafft, der den Himmel ausbreitet allein und die Erde festmacht ohne Gehilfen.“

Jes. 44, 24
Dichter und kompakter kann man es kaum ausdrücken, wie nah Gott ist, wie alles auf Gott bezogen ist. Bei einem Gott, der alles schafft, gibt es keinen Platz für Diskussionen über vielleicht andere Eventualitäten. Alles ruht in seiner Hand, alles was ist, ist Chefsache. Von unserer Zeugung, bis zur Gestaltung des Kosmos, liegt alles in seiner Hand. Nichts ist Zufall, nichts ist ungewollt, alles trägt die göttliche Erbmasse. Es ist das größte Ja, das über allem Leben steht.
Dieses Ja regiert die Welt, bei allen was sich der Mensch als hoch, heilig und wichtig erschaffen hat. Darin ruhen alle Sicherheiten, die das Leben braucht. Alles Bestreben, unserem Leben Stabilität zu geben, liegen in dem, der den Himmel ausbreitet und die Erde festmacht. Die Statik, die wir unserem Leben geben können, ruht in dieser schöpferischen Macht. Darin liegt unsere Lebensversicherung. 
Wie sehr sind die Menschen mit der Sicherung ihres Lebens beschäftigt. Wert hat nur der, der etwas leistet. Wer nicht in dieses System passt wird ausgemustert. Der alleinige Kampf ums Dasein, der dadurch die Menschen nach wertvoll und weniger wertvoll klassifiziert, hat sich weit vom schöpferischen Menschenbild entfernt.
Wenn Gott alles schafft, wenn er festmacht, ist sein Ja die Versorgung des Lebens. Da liegt der Wert nicht in angestrebtem Reichtum und Gesundheit, sondern da ist ein Ja zum Armen und Kranken. Gerade in unserem Mangel bleibt Gott der Schaffende. In unserem Versagen, begegnet er uns als Erlöser. Genau dort, wo wir nicht stark sind und in der Welt an Bedeutung verlieren, sind wir für Gott das wichtigste Gegenüber. Wenn er festmacht, dann geschieht das gerade dort wo wir wanken, wo alles in sich zusammenfallen will. Nichts und niemand kann uns aus dieser Verankerung ziehen, wenn das Leben durch Krankheit und Schmerzen seinen Glanz verliert. Unser Glanz ist es, dass wir in jedem Augenblick von Gott Bereitete und Gewollte sind. Kein stärkeres Ja, kann uns am Leben erhalten.
Wenn alles Leben von Gott bereitet ist, wo fallen wir hin, wenn wir Angst haben herauszufallen?

Erbarmen macht stark

Wir sind weder inneren, noch äußeren Spannungen preisgegeben.
„Bei dir finden die Verwaisten Erbarmen.“

Hos. 14, 4
Erbarmen garantiert Durchkommen. Erbarmen heißt: Wir können allen Widerständen zum Trotz, das Ziel erreichen. Im Erbarmen zeigt sich, es liegt nicht an unserem Können und Vermögen, dass unser Leben gut wird. Anfechtung ist nie das Letzte. 
Wo wir verwaist sind, sind wir wie das Volk Israel herrenlos. Durch Zeitgeist und die eigenen Wünsche, durch unverständliche Schicksalsschläge und die eigene Lauheit, immer wieder auf Abstand zu Gott. Wir sind die, dem Gewitter des Lebens Ausgelieferten und die, die immer wieder an den Führungen Gottes Zweifelnden. Verwaist sein, zeigt den Kampf ums nackte Überleben. Gerade an den Glaubenden zeigt sich noch mehr, wie spannungsgeladen und angefochten Dasein ist. Wo wir als die von Gott Berufenen unterwegs sind, haben wir nicht nur mit Widerstand von außen zu kämpfen, sondern oft mit uns selbst. Wir müssen unsere eigene Trägheit überwinden, oft unsere Unbeweglichkeit und Müdigkeit. Manchesmal zweifeln wir, ob das richtig ist, was wir tun. Leben ist der Kampf gegen das eigene Versagen. Wir müssen die Spannung zwischen der vergänglichen und unvergänglichen Welt aushalten. 
In diesem Kämpfen finden die Verwaisten Erbarmen. Unser Kämpfen wird von dem Guten gestreift. Im Erbarmen kämpft Gott in unseren Widerständen. Erbarmen zeigt, wie nahe Gott in der Anfechtung ist. Erbarmen kennt alle Zerrissenheit. Durch das Erbarmen sind wir nicht mehr die dem Schlachtfeld Ausgelieferten. Hier fällt Güte in die Ohnmacht. Da liegt es nicht mehr nur an unserem Kampfgeist. Erbarmen ist die Zuwendung des Hohen zum Geringen. Da fängt der Christus in uns an zu kämpfen. Wir sind in diesem Erbarmen nicht mehr auf uns selbst gestellt. Christus tröstet die Angefochtenen. Er ist der Lebensgeist, der jeder Nacht einen neuen Morgen schenkt. Im Erbarmen liegt der Überwindergeist, den wir in uns selbst nicht finden. 
Wenn wir kein Erbarmen finden würden, müssten wir die Schlachten unseres Lebens alleine fürhren. Wäre das nicht trostlos und hoffnungslos?

In Gnade gefallen 

Hinter den Kulissen läuft mehr als wir denken.
„Wenn ich sprach: Mein Fuß ist gestrauchelt, so hielt mich, Herr, deine Gnade.“

Ps. 94, 18
Fallen und darin aufgefangen werden ist stark. Doch was hier auffängt ist noch stärker. Gott hält nicht mit seinen starken Händen, wie man meinen könnte, er hält mit Gnade. Vom Erbarmen gehalten, ist weit mehr als ein Fangnetz für den Trapezkünstler. Es ist auch mehr als das „heile, heile Gänschen, wird bald wieder gut“, für den Stolperer. Es ist kein billiges aus dem Staub aufheben, sondern elementares angeknüpft sein an Gottes Barmherzigkeit. Wo die Gnade trägt, ist Christus im Spiel. Da sind unsere Falltendenzen in das Erlösungswerk eingebunden. Da tritt ein ständig aktives Aufrichten, dem gefallenen Menschsein entgegen. Da ist in unserem Fallen mehr Christus drin, als wir wahrhaben. 
Wo die Gnade hält, bewahrt uns nicht nur ein Schutzengel, dass wir nicht die Treppe herunterfallen, sondern es ist allem Sterbensprozess eine Erneuerung entgegengesetzt. Da findet in allen Erschütterungen eine Trotzreaktion des Lebes statt. Die Gnade trennt uns in der Unterganssituation vor dem Absturz. Da offenbaren sich Auferstehungkräfte in den harten Schlägen des Dasein. 
Durch die Gnade ist unser Fallen nie das ausgeliefert sein. Da wird das Fallen zur Christusbegegnung. Im Fallen werden wir in das Gottesbild hineingeformt. Da wo wir schwach werden, kommt Gott zu seinem Ziel. Durch die Gnade wird Straucheln nicht unser Ende werden, sondern ist ein neuer Anfang. 
Was fürchten wir da unser Fallen, wenn diese Gnade auffängt?