Verheißung im Handgepäck

Wie vielschichtig und multikulturell die Welt auch ist, sie hat einen Ursprung und ein Ende.

„Nationen werden zu deinem Licht gehen und Könige zu deinem strahlenden Lichtglanz.“

Jes. 60, 3



Wie umfassend, alles durchdringend und bestimmend Gottes Reich ist, erkennen wir oft an den kleinen verbindenden Unterschieden. In einem befreundeten Kloster lernte ich einmal eine vietnamesische Ordensschwester kennen. Mich faszinierte, wie ein Mensch aus einer mir wildfremden Kultur zur Schwester geworden ist. Wir können hingehen wo wir wollen auf der Welt, und treffen auf Brüder und Schwestern mit dem einen Glauben. Weltweit gibt es in allen Unterschieden ein verbindendes Element. Wir sprechen die unterschiedlichsten Sprachen und haben dennoch eine Verständnisebene. Ecclesia, die Kirche Jesu Christi, schafft einen Verwandtschaftsgrad zu völlig Unbekannten. Da gehört zusammen, was sonst nichts miteinander zu tun hat. Da hat plötzlich alle Verschiedenartigkeit einen Ursprung und ein Ziel. Durch Christus fallen Nationalgrenzen. Wo die Politik sich schwer tut, fremde Kulturen zu integrieren und Fremden ein Heimatgefühl zu vermitteln, ist Gottes Heimat international und weltumspannend. Wo sich die Deutschen fragen, gehört die Türkei zu Europa, sind bei Christus alle Grenzen gefallen. Egal wie die Welt auch tickt, Gott hat das letzte Wort. Da wird die Politik gemacht, die alle angeht. In Christus findet die Integration allen Lebens statt. Hier steht eine Hoheit, an der keiner vorbeikommt. 
Wie die Menschen auch wirtschaften oder verwirtschaften, wieviel Reiche kommen werden und auch wieder gehen, es wird dieses eine Reich und diese eine Herrschaft entstehen. Gott erschafft diese Welt mit und gegen uns. Unabhängig wieviel Trennung wir im menschlichen Miteinander erleben, durch Christus kommt etwas welt- und himmelverbindendes und unser Leben. In alle Brüche, in alle verschiedenen Extreme ist hier ein zusammenführendes Element. Mit Christus entsteht die Nation der Lichtträger. Die Glaubenden sind von einer neuen Staatbürgerschaft geprägt. Sie sind die Nation, die alle Zeiten überdauern wird. Die weltweite Kirche Jesu Christi hat die größte Verheißung im Handgepäck. Bei allem was wir erleben, haben wir eine gewaltige Zukunft vor Augen.
Welche Nation, welche Verschiedenartigkeit, welche Trennung, sollte uns da das Fürchten lehren und uns die Hoffnung rauben?

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Der heiße Draht 

Fest verbunden heißt, alles überstehen.

Herr, gedenke doch an deinen Bund mit uns und lass ihn nicht aufhören!“

Jer. 14, 21

Der Prophet schreit nach Gottes Stabilität. Wo Gott an seinen Bund mit den Menschen erinnert wird, geht es nicht um eine Lebensabschnittsverbindung, das geht es um die pure Existenz. Der Bund mit Gott ist so elementar wie unser Herzschlag und unser Atem holen. Wo sich Gott an Menschen bindet, wird ihm unvergängliches Leben angehaftet. Wir werden mit Freiheit und heilenden Kräften verbunden. In diesem Bund liegt eine Gegenbewegung zu dem Sterbensprozess, der auf alles Leben gelegt ist. Wo sich Gott an Menschen bindet, bekommt der Mensch eine doppelte Staatsbürgerschaft. Er ist in zwei Reichen Zuhause. Der Bund verbindet die eine Welt mit der anderen. Das Erdendasein mit seinem täglichen Kampf, hat einen heißen Draht zur heiligen Welt Gottes. Dieser heiße Draht ist Jesus Christus.Er ist die Standleitung zwischen beiden Seiten, die immer scharf geschaltet ist.

Was eine innige Verbindung ist, kann man oft bei alten Menschen beobachten. Wenn der eine Partner stirbt, ist der andere nicht mehr lebensfähig. Es gibt immer wieder „tragische“ Ereignisse, wo der zurückgebliebene Partner, dem Ersten innerhalb kurzer Zeit „nachgeht“. So eng, so fest war die Verbindung, dass wenn der eine vorausgeht, dem anderen ein Stück seiner eigenen Existenz weggebrochen ist. 

Der Bund mit Christus, ist das Andocken an unsere bessere Hälfte. Darin liegt alles was uns ausmacht. Wir sind im Mutterschoß Gottes eingeschlossen. Das ist eine Stabilität durch dick und dünn. Da hängen wir nicht mehr in den Seilen schmerzhafter Ereignisse, sondern sind darin fest Getragene. Mit einem starken Partner brauchen wir keine schwachen Tage fürchten. Mit einem starken Partner sind wir selber stark. Daher lasst den heißen Draht glühen!

Sind wir uns bewusst, dass ohne den heißen Draht uns die Lichter ausgehen?

Versteckte sind entdeckt

Wir können aufrecht gehen, auch wenn das Gewissen schlägt.
„Adam versteckte sich mit seiner Frau vor dem Angesicht Gottes des Herrn.“

1. Mose 3, 8
Mit Gott Versteck spielen geht nicht auf. Er erkennt unser wahres Gesicht, auch wenn wir flüchten. Unsere Schwachstellen können wir ihm nicht entsziehen. Gott blickt durch, auch wenn wir überspielen, entziehen, oder das Weite suchen.
Wenn uns das Gewissen schlägt, möchten wir uns gerne in einem Mauseloch verstecken. Es ist nicht angenehm „ertappt“ zu werden. Wir haben Angst vor unangenehmen Folgen und Gesichtsverlust. Es gibt Menschen, die leben mit einem permanent schlechten Gewissen und kommen sich furchtbar minderwertig vor. Wo sie ihre Schwachheit und Hilflosigkeit entdecken, sind sie ständig mit zudecken oder sich zurückziehen beschäftigt. Schwachheit und Einschränkung, will ja den anderen nicht zur Last fallen. Verstecken, ducken, sich selbst aus der Schussline ziehen scheint die einzige Lösung zu sein.
Wo Gott unser wahres Gesicht entdeckt, kommt nicht der Feuerstuhl, sondern er schaut uns in die Augen. Mit einem Fell bedeckt er Adams und Evas Nacktheit. Sie haben zwar die Konzequenzen ihres Griffs nach dem Apfel zu tragen, mit arbeiten, unter Schmerzen Kinder bekommen und der Vergänglichkeit ausgeliefert sein, doch vom ersten Moment an, findet sich Gott nicht damit ab. Wo sich der Mensch im Angesicht Gottes erkennt, geht Gott bereits auf Wiedergutmachung zu. Auf unser Verstecken folgt sein Entdecken. Gott lässt es sich nicht nehmen, gnädig zu sein. Er erbarmt sich über Nacktheit und Unvermögen. Vor ihm kann unser Versteckspiel aufhören. Wir brauchen ihm nichts vormachen. Wo seinem Angesicht dürfen wir unperfekt sein. Er selbst sorgt für Reinheit und Erlösung. 
Das richtet den Glaubenden auf, wenn er sich in seinem schuldig sein entdeckt. Aus Verstecken, wird aufgerichtet werden. Aus Angst, wird getröstet werden. Wer vor dem Angesicht Gottes steht, kann erhobenen Hauptes Sünder sein. Sünde wird nicht verdammt, sondern erlöst. Wir brauchen keine Angst vor Versagen und der eigenen Schwachheit mehr haben. Wir können frohen Mutes mit unseren Fehlern umgehen. Wir sind vor seinem Angesicht in allem Versagen vollwertige Menschen.
Wo wollen wir uns verstecken, wenn uns das Erbarmen schon lange gefunden hat?

Geführt sein macht stark 

Geführte gehen ihren Weg klarer und sicherer.
„Ich will mein Angesicht nicht mehr vor ihnen verbergen; denn ich habe meinen Geist über das Haus Israel ausgegossen, spricht der Herr.“

Hes. 39, 29
Gott tritt aus dem Unsichtbaren heraus. Das Nebulöse und Spekulative um ihn verschwindet. Für den Glaubenden wird klar, was Gott will. Hier offenbart sich eine starke Führungskraft. Gute Führung hat hohe Ziele. Durch weitreichende Visionen fordert sie die Geführten zu außergewöhlichen Wegen heraus. Sie nimmt Menschen an die Hand, fördert ihre Gaben und lässt sie über sich hinauswachsen. Gute Führung bringt jemand einen Nutzen und dient immer einem Zweck. 
Gott entfaltet Führungsqualitäten durch seinen Geist. Er ist der Christus unter dem Menschen. Geführte sind Christus-Geprägte. Der Geist ist Gottes Führungstil bei den Menschen. Da wird der verborgene Gott zum nahen Gott. Der Geist ist der Sog der Welt Gottes, der das müde Dasein zum Leben erweckt. Unter dieser Führung wird der Mensch zum Mensch und erkennt seine Bestimmung. Alle Bewußtlosigkeit und Orientierungslosigkeit bekommt eine unwahrscheinliche Antriebskraft. In dieser Führung liegt Leben, Licht und Glut. Darin finden die Schwachen Kraft und Mut. Darin ist Gottes Allmacht unter den Menschen unterwegs. Sie öffnet uns den stummen Mund und durchdringt die Welt mit Wahrheit. Unter dieser Führung fangen Herzen an zu glühen, die zur Liebe fähig werden. In dieser Kraft kann schwaches Fleisch und Blut Gutes tun. Unter dieser Führung steigert sich die Widerstandskraft in allem Schweren. 
In der Führung durch den Geist installiert Gott sein Reich in der gefallenen Schöpfung. Da werden wir an Aufgaben herangeführt, die wir selbst nicht gesucht hätten. Da schreibe ich jeden Morgen eine Auslegung, wo dann Leser sagen, hier hat Gott zu mir gesprochen. Da geschehen dann Dinge, die über unser Vermögen hinausgehen, wo wir feststellen müssen, wir machen da etwas, was gar nicht von uns kommt. Da spielt sich hinter uns eine große Welt ab.
Wenn Gott solch einen Geist ausgießt, weshalb blockieren wir dann oft diese starke Führung?

Wir sind wertvoll 

bei Gott stehen wir ganz hoch im Kurs.
„Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.“

Ps. 33, 22
Zum dem Schrecklichen gehört, was wir als Blumenhaus neben dem Friedhof erleben, die sogenannte „anonyme Bestattung“. Da wird ein wertvoller, hochbegabter und einzigartiger Mensch, wie ein verendetes Tier verscharrt. Verbrannt, in die Dose verbannt und im Erdloch versenkt. Alles ohne Namen, ohne einen Stein oder Kreuz. Kein einziger Hinweis, dass dieses Wunderwerk der Schöpfung einmal war. Im Nirwana verschwunden. Aus einer Bestattungskultur wird eine Entsorgungskultur. Oder wie es im dritten Reich hieß: Der Einzelne ist nichts, das Volk ist alles. Solch eine Bedeutungslosigkeit schreit zum Himmel.
Diesem Verachtungsdenken, setzt Gott gewaltig etwas dagegen. Über uns steht seine Güte. Der Gute hat ein Auge auf uns geworfen. Er hat ein persönliches Interesse an dir und mir. Güte ist kein Tortenfguss des Wohlwolles, den Gott über die Erde gießt, sondern Güte meint mich. Da legt einer ganz großen Wert auf uns. Wir sind keine Noname. Jesus sagt: freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind. Wir haben für Gott eine große Bedeutung. Bei ihm sind wir kein Massenprodukt; einer von vielen. Wir sind bei ihm namentlich bekannt. 
Wo wir Kunden mit dem Namen begrüßen geschieht oft ein verwundertes Aufhorchen. „Was sie kennen meinen Namen, das freut mich aber.“ Jemand der nicht damit rechnet, ist angenehm überrascht und wächst spontan um zehn Zentimeter. Jemand mit Namen kennen baut auf.

Das ist Güte, dass Gott ausgerechnet uns kennt. Ihm kommt es auf uns an. Unsere Person hat für alle Zeiten eine Bedeutung. Gott legt Wert darauf, dass es uns gibt. Für ihn wäre es schrecklich, wenn wir in der Bedeutunglosigkeit verschwinden. Es ist wichtig, dass wir da sind. Genau in uns will er alles Gute, all das, was ihn ausmacht hineininvestieren. Güte holt uns aus der Grauzone des Niemandlandes. 
Wir können hoffen, wir können strahlen, wir können aus aller Belanglosigkeit aufstehen. Wir wachsen und werden aufgerichtet, durch eine Güte, die uns bedeutend macht.
Wie stellt diese Güte, uns und unseren Nächsten in solch einen hohen Kurs?

Wir sind hochgepuscht

Standesdünkel kommt vom dem, worauf oder worin man steht.
„Wer ist wie der Herr, unser Gott, im Himmel und auf Erden, der oben thront in der Höhe, der hernieder schaut in die Tiefe, der den Geringen aufrichtet aus dem Staube?“

Ps. 113, 5-7
Früher sagte man, wer im Einzugsbereich eines Klosters lebte, hat ausgesorgt. Soll heißen, durch die wirtschaftlichen Betriebe und die Landwirtschaft, gab es für die umliegenden Familien genügend Arbeit und Brot. Ihr Leben war durch die Existenz des Ordens in einen guten Stand versetzt.
Wer heute bei Merzedes arbeitet, gibt nicht ohne Stolz weiter, ich bin bei Daimler. Gleichbedeutetend mit, mir gehts gut, oder ich hab es sogar besser als andere. Menschen definieren sich darüber, worin sie stehen. Daraus entwickelt sich oft ein gesunder Stolz und Selbstbewusstsein.
Gott macht aus den Glaubenden etwas. Der Schöpfer über Himmel und Erde, versetzt Menschen in einen aufgerichteten Stand. Aufgerichtet werden die, die sonst keine Bedeutung haben. Nichtsnutzen, Wertlosen gibt er einen Wert. Weil er das Geringe für Wert achtet, geschieht hier die größte Wertschöpfung, die sich ein Mensch denken kann. Das was den Glaubenden ausmacht ist, dass er zu einem Gott gehört, der überall gegenwärtig ist. 4. Advent, der Herr ist nahe. Wir sind von einem Kraftfeld umgeben. Wir sind in einen Lebensraum gestellt, der Totes lebendig macht. Diesen Stand der absoluten Gottesgegenwart haben wir. Das prägt unser Bewusstsein. Wir können stehen, weil Gott uns aus dem Staube aufrichtet. Mit diesem aufgebauten Standesdünkel können wir heute unsere Kerzen anzünden und in die Welt leuchten.
Wo gibt es einen Stand, der uns noch besser stellen könnte?