Wir werden träumen

Mitten im Tagesgeschehen, soll jeder einen Glanz von Ostern sehen.

„Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.“
Ps. 126, 1

In der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel wird dieser Traum an den Horizont gemalt. Die untröstlichen Jünger, erfuhren als erstes durch Maria Magdalena von dem auferstandenen Christus. Wo die Gefangenen erlöst werden, geschieht ein unvorstellbarer Durchbruch. Erlösen steht für einen radikalen Wandel, für einen Traumwandel, für etwas Unwirkliches, das sich nur im Traum abspielt. Es ist zu schön um wahr zu sein. Doch diese Verheißung liegt auf Christus. Egal ob gefangen oder weinend und trauernd, dieser Zustand verändert sich durch den Auferstandenen. Da verwandelt eine junge Bruderschaft vor knapp fünfzig Jahren, einen Auffüllplatz und Tierfriedhof zu einem 3 ha großen Garten Eden und Garten der Stille. Junge Leute, mit noch nicht mal zwanzig Jahren, haben mit Nichts begonnen, nur mit ein paar Spaten und Schubkarren, um zwei stattliche Parkanlagen zu schaffen und danach ein Sakral- und Seniorenzentrum ins Leben zu rufen, das heute in der Region einen legendären Ruf hat. …wir werden sein wie die Träumenden. Wenn wir betrachten, wer wir waren, einfache, unstudierte Leute, die meist aus handwerklichen Berufen kamen und lediglich eine Berufung in der Tasche hatten, und jetzt können wir den Traum nicht fassen, der da entstanden ist.

Damit sich Träume verwirklichen, kommt es weder auf die äußeren Umstände an, noch auf die Qualifikation die der Einzelne mit bringt. Es ist die Erlösungskraft des Auferstandenen. Darin liegt das ganze Entwicklungspotenzial eines Lebens. Wir werden dabei immer die Staunenden und Verwunderten bleiben. Wir sind herausgelöst, um den Umständen zu trotzen. Mit dem Auferstandenen brechen neue Maßstäbe an. Da spielt die Situation in der wir uns befinden keine bestimmende Rolle. Da ist immer mehr möglich als die Umstände zulassen. Die Bruderschaft, die dann inzwischen in die Jahre gekommen und in den Lasten des Alters gefangen ist, kann darin ihre Erlösung erfahren, dass das Leben immer noch ein Traum ist. Die Auferstehungskraft bleibt mächtig, auch wenn die Berufenen schwächer werden. Das ist gerade das Spannende, wenn scheinbar nichts mehr geht, die Zukunft wie ein Fragezeichen vor einem steht, ein Träumender zu bleiben, und den Glanz von Ostern in seinen gefangenen Tagen aufleuchten zu lassen.

Glauben wir dieser Verheißung, als solche, die wie die Träumenden sein werden?

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Wir können wieder blühen

Wach auf mein Herz, die Nacht ist hin, die Sonn ist aufgegangen. (Lorenz Lorenzen)

„Wenn du auf die Stimme des Herrn, deines Gottes, hörst: Gesegnet bist du in der Stadt, und gesegnet bist du auf dem Feld.“
5.Mose 28, 2-3

DaChristus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Das ist der Ruf, der von Christus ausgeht, der spricht: „Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig. Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.“ Das ist die Stimme, die an Ostern durch Stadt und Feld tönt. Damit wird alle Nacht übertönt und es bricht ein Morgen an, der von seiner Leuchtkraft einzigartig ist. Wenn du auf die Gewalt dieser Stimme hörst, dann beben die Grabsteine und die Erde zittert. Ab heute tritt ein neues Gesetz in Kraft. Die Stimme des Herr verkündet die Auferstehung. Das ist noch viel mehr als der Umbruch vom Winter zum Frühjahr, wo jetzt aus toten, vertrockneten, matten und unscheinbaren Zwiebeln, farbenfrohe Narzissen, Tulpen, Hyazinthen und Blausternchen sprießen. Vor ein paar Wochen brauchte man noch viel Phantasie, um an dieses Blühen zu glauben. Aus der nassen kalten Erde, kommt fast schlagartig ein heiteres Hups, da bin ich! Es erinnert an Goethes Osterspaziergang: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche. Da zieht sich der Winter in kahle Berge zurück und die Menschen werden wieder bunter und beleben Straßen und Gassen. Mit der Ruf der Auferstehung, fließt Segen auf die dürren Wiesen und vertrockneten Schollen. Die Stimme des Herrn, ruft dieses Erwachen, diese neue Lebendigkeit übers Land. Das sind nicht nur Frühlingsgefühle, die die Schmetterlinge im Bauch aufwecken, das ist ein Glaubensauf- und umbruch. Da schmilzt das Wintergepräge, das standardmäßig das Genick einzieht und sich gegen den eisigen Wind in dicke Decken einmummelt. Auferstehung ist Frühling im Glauben. Da übernimmt die Sonne die Führung. Der Winter wird eingemottet.

Diese Stimme, diese Botschaft begegnet uns an Ostern. Wer diese Stimme hört, bricht innerhalb weniger Tage, von einem dürren Holz zu einem prall gefüllten, leuchtend gelben Forsythienzweig auf. Diese Stimme verwandelt unseren müden Alltag. Da bricht Ewigkeit in alles Sterben hinein. Wer diese Stimme hört und sich darauf einlässt, wird in Segen gehüllt. Da kommt in alles beschwerliche Mühen in Stadt und Feld ein dazu geschenktes Gelingen. Wer diese Stimme hört, und sich an ihr fest macht, sie ins Gedächtnis einbrennt, dass er sie nicht mehr vergisst, erlebt Kraftströme, die tote Äste und vertrocknete Zwiebeln zum Austreiben bringt. Sich dieser Stimme verschließen, belässt das dürre Holz in seinem jämmerlichen Zustand. Der frierende Mensch bleibt in seiner eisigen Genickstarre und kämpft gegen seine grauen kalten Tage. Hören bringt Segen.

Christus ist auferstanden! Kann das nicht viel Totes in uns zu neuem Leben erwecken?

Mit dem Zweiten sieht man besser

Mit dem richtigen Blick sehen wir auf dem zwanzig Euro Schein hohe gotische Fenster, mit feinem Maßwerk und Brücken, die die Völker Europas verbinden.

„Ich will sie sammeln von den Enden der Erde, unter ihnen Blinde und Lahme, Schwangere und junge Mütter, dass sie als große Gemeinde wieder hierher kommen sollen.“
Jer. 31, 8

Was Jeremia hier aufleuchten lässt, ist der weite, umfassende Blick des Glaubens. Es ist ein Spiegelbild für alles, was mit Reich Gottes zu tun hat. Die Menschen sind in ihren Tagen mit Lasten unterwegs und man sieht überhaupt nicht viel vom „lieben Gott.“ Auch das Volk Gottes sieht auf seinem Weg viel Jammer und Elend. Da ist oft so wenig von dem zu sehen, was die Erfüllung des Glaubens ausmacht. Da menschelt es eben wie überall. Da sieht man so wenig von dem Glauben, der Berge versetzt. Der Blick fällt auf Blinde und Lahme, auf die demente Mutter, die einen nicht mehr kennt, aber einfach nicht sterben kann. Leid ohne Ende, Zank zwischen Glaubensgeschwistern, und die Lasten der Arbeit, die nicht zu bewältigen sind. Wo lassen sich da die Erneuerungskräfte spüren, die uns verheißen sind? Den Blick, den Jeremia hier entwickelt, dass er in all dem Elend eine große Gemeinde sieht, die sich wieder versammelt, kommt nicht aus dem, was er wirklich vor Augen hat. Die große Gemeinde erkennt der, der die Gesamtzusammenhänge der Bibel versteht. Jeremia zeichnet hier eine Christus-Spur. Er bringt Passionswege mit dem Osterglauben zusammen. Die Augen des Glaubens sehen immer beides, das Kreuz und das leere Grab. Da beginnt das Sammeln der großen Gemeinde unter den widrigsten Umständen, genau dort, wo man eigentlich noch gar nichts davon sieht. Wege des Glaubens stehen immer im Zusammenhang mit der Vollendung. Von dem Christus-Wirken ist immer mehr da, als wir im Augenblick erkennen können. Es entsteht oft in größter Armseligkeit mehr Reich Gottes, als wir erahnen können. Vieles geschieht angefochten und verborgen, auch wenn man nichts davon sieht, ist Gottes Handeln nicht aufzuhalten.

Jesus sagt: Hebt eure Augen auf und seht auf die Felder; sie sind schon reif zur Ernte, auch wenn es bis dahin noch vier Monate sind. Der Glaubende bekommt einen zweiten Blick. Mit dem zweiten sieht man besser! Es ist der Blick der Passion und Ostern zusammenbringt. Darin erkennt er die Notwendigkeit der Passion, auf dem Weg zur Herrlichkeit. Er erkennt bereits im März die Ernte des Juli. Der Glaube kann nicht das eine ohne das andere sehen. Er sieht die große Gemeinde auch dort wo die Kirchenbänke leerer werden. Da ist immer mehr Hoffnung da, als die Umstände zulassen. Diesen Blick entwickelt der Glaube, auch wenn es noch so menschelt. Dieser Blick sieht den zwanzig Euro Schein nicht nur von einer Seite.

Warum sollte bei solch einer Verheißung, unser Glaube nicht viel mehr sehen als nur das, was vor Augen ist?

Überlegen durch Geist

1.Kor. 2, 1-10

Vorausdenker und Vorauslebende haben es schwer. Sie sind unentwegt mit denen konfrontiert die ihrem Wissens- und Erkenntnisstand hinterher sind. Die Erkenntnis Galileos: „Und sie dreht sich doch“, brachte beinahe sein Todesurteil. Mit einer Notlüge, schwor er vor der Inquisition von seinen wissenschaftlichen Erkenntnissen ab und überlebte. Die Behauptung Luthers: Vergebung geschieht nicht durch Ablass, sondern durch Glaube, führte ihn in den Bann und die Kirche in eine Spaltung. Paulus in Europa unterwegs, erntete in Athen für die Verkündigung des Evangeliums Spott und Antis. Aus dieser persönlich gedemütigten Situation heraus steht er vor die Gemeinde in Korinth. Er stellt Weisheit gegen Wissen.

1. Wir sind Geheimnisträger

Uns aber hat Gott durch den Heiligen Geist sein Geheimnis enthüllt. Denn der Geist Gottes weiß alles, er kennt auch Gottes tiefste Gedanken. Die Weisheit die wir verkündigen, ist Gottes Weisheit. Sie bleibt ein Geheimnis und vor der Welt verborgen.

Auch wenn der Mensch in der Genforschung den Zahlencode der Erbinformationen entschlüsseln kann, sind das lediglich die Grundrechenarten von Plus und Minus. An Gottes Denken kann sich keiner herandenken. Vor seiner Weisheit hängt ein Panzer-Schloss. Für Menschen nicht erforschbar. Mathematik und Logik passen nicht in dieses Schloss. Der Schlüssel für die Geheimnisse Gottes heißt Heiliger Geist. Wo dieser Geistesblitz den Menschengeist berührt, gibt es Erkenntnisse, außerhalb der menschlichen Wahrnehmung. In ihn dringt ein, was der natürliche Mensch nicht versteht. In den Menschen wird ein Geheimnis hineingelegt, das sich nirgends aneignen lässt. Gott hat sich beim Menschen einen persönlichen Zugang geschaffen. Damit entsteht eine Schnittstelle für einen ganz anderen Datenaustausch. Es ist ein Geistesblitz der den Menschen Gott erkennen lässt.

Der Mensch gewinnt dabei keine höhere Erkenntnisstufe um bei Gott zu sein, nein, Gott selbst kommt. Das Geheimnis ist, dass sich im Heiligen Geist, Christus zu uns auf den Weg macht. Der Geist ist die Frucht aus Kreuz, Tod und Auferstehung. Somit stellt der Geist, das natürliche Menschsein, in die umfassende Gotteswirklichkeit. Der Geist legt das Geheimnis von Erlösung und Neugeburt in den Menschen. In einem sterblich, leiblichen Gehäuse weht Auferstehungsluft. Das Geheimnis des Geistes durchbricht damit die Gesetzmäßigkeiten aller menschlichen Wissenschaften und Erfahrungen.

Zu solchen Geheimnisträgern macht Gott Menschen wie Paulus. Jede Verkündigung lüftet ein Geheimnis. Verkündigung sind keine Worte, die von einem Redenberater geschönt sind, in ihr handelt der Christus-Geist. Wo dieses Geheimnis verkündigt wird, wirkt nicht eine gute oder schlechte Rede, sondern eine eigene geheime Macht. Es gibt keine erlernbare Methode, in der der Geist zu Menschen spricht. Sein Geheimnis offenbart Gott immer selbst, weil es keine Worte, sondern Handlung ist. Der Verkündiger bringt eine unbegreifliche Botschaft, denjenigen, die als natürliche Menschen dafür keine Antenne haben. Der Heilige Geist macht Unfassbares menschenverdaulich.

Er entlockt mit ihm, das großes Geheimnis einer alten, verstaubten Geige aus dem Kasten. In einem Menschen kommt etwas zum Klingen, das niemand anders hätte anzupfen können. Dieses Geheimnis offenbart ein Geheimnis in uns. Es offenbart, wie Gott in uns Auferstehung feiert.

2. Gescheitheit rebelliert

…, auch wenn diese Welt und ihre Machthaber das nicht als Weisheit gelten lassen wollen. Aber die Welt mit aller ihrer Macht wird untergehen.  Von den Herrschern dieser Welt hat das keiner erkannt. Sonst hätten sie Christus, den Herrn der Herrlichkeit, nicht ans Kreuz geschlagen.

Geheimnisträger leben gefährlich. Sowohl dem Verkündiger, als auch jedem der mit Gott lebt, wird man nicht glauben. Wer eine Geige sieht und sie noch nie hat spielen hören, kann nicht glauben, dass sie die ganze Welt betören kann. Geisterfahrung ist unnormal, daher ist Christsein ungemütlich. Es treffen hier zwei Welten aufeinander. Gottesweisheit und Menschenweisheit sind Gegensätze. Dabei ist offensichtlich, dass wo der Heilige Geist vom menschlichen Denken blockiert wird, die Menschen verarmen und die Geschichte blutet. Wo die göttliche Perspektive im Leben verschlossen bleibt, verliert das Menschsein seinen Wert. Da sind wir ganz schnell in Holland wo die Erben bestimmen, wie viel Tage dem Opa noch gegeben werden.

Glaubende müssen damit leben, von anderen nicht verstanden zu werden, weil sich Glauben nicht verstehen lässt. Wegen der Menschen, die dieses Gottesgeheimnis nicht kapierten hing Christus am Kreuz. Golgatha ist das Mahnmal für die Auflehnung gegen den Geist. Glaube ist Sprengstoff für eine reizüberflutete Informationsgesellschaft. Wachsender Glaube bedeutet wachsende Herausforderung. Als Geheimnisträger sind wir keine erhabenen Helden, sondern oft die Bekämpften und Belächelten. Erkenntniswege sind oft Kreuzwege. Wer etwas sieht, was andere nicht sehen, macht sich zum Buhmann. In der Gottesoffenbarung rebellieren die Gescheiten und liegt die Konfrontation mit der Vernunft. Da kann selbst die Kirche wie bei Luther und Galileo zum Gegner werden.

Da muss ein Glaube sattelfest sein und im Geist ruhen.

3. Kraftvolles Geheimnis

Denn euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf Gottes rettende Kraft.

Glaube und Menschenwissen haben so viel gemeinsam, wie eine Kuh vom Geige spielen. Wenn eine Geige klingen soll, kann sie nicht von Hufen getreten werden, sondern muss von einem Meister gestrichen werden. Glaube wird vom Geist gestrichen und von der Menschenweisheit mit Füßen getreten. Der Glaube sucht den König in der Krippe und nicht im Palast. Der Glaube kann  sich nicht aus menschlichen Wissen ernähren, sondern hungert nach Geist. Wo der Mensch Wissen als Macht ansieht, sieht der Glaube im Geheimnis alle Macht.

Google kämpft um das Wissen der Welt, der Glaube um ein Lebensgeheimnis, das alles Wissen übersteigt. Die Suchmaschine findet keinen Gott und keinen Erlöser, aber der Geist erschließt Herrlichkeit. Google weiß alles über eine Geige, aber der Geist bringt sie zum Klingen. Der Klang echten Menschseins kommt aus dem Loslassen an den Meister. Der Glaube bringt die Geheimnisse des Lebens zum Klingen. Um das Leben mit all seinen offenen Fragen und unliebsamen Herausforderungen zu meistern, brauchen wir nicht das Wissen der ganzen Welt, sondern das Geheimnis des Geistes.

In der Kraft des Geistes, werden Schafhirten zu Volksführern. In der Kraft des Geistes, widersteht der Mönch aus Wittenberg einem Papst aus Rom. Da gehen schmerzgeplagte Krebspatienten, voll bewusst ihrem Ende entgegen. Der Geist ist die höchste Qualifikation, die einen Menschen auszeichnet. Mit dem Geist handelt der Allerhöchste im Niedrigsten. Darin findet das Unbedeutende seinen größten Wert, das Schwache seine stärkste Kraft.

Um Krisen zu meistern, hilft kein Wikipedia, da braucht es mehr Geheimnisträger. Was die Welt aufhorchen lässt und lebendig erhält, sind Menschen, die in einer höheren Weisheit stehen. Daraus kommt die Kraft, für die Schmerzbewältigung. Daraus fließt die Kraft, in einer scheinbar ausweglosen Zukunftsperspektive voller Hoffnung zu sein. Es ist die Kraft, die noch im Weltuntergang die Auferstehung erkennt.

Wir tragen dieses Geheimnis in uns, daher sind wir durch unseren Glauben zu viel mehr in der Lage, als wir selber denken können. Ich wünsche uns fröhliches Überwinden durch den Geist.

Wir kommen nicht zu kurz

Wir brauchen uns nirgends von irgendwelchen Ängsten beherrschen lassen.
„Geschieht etwa ein Unglück in der Stadt, und der Herr hat es nicht getan?“

Amos 3, 6
Bei Gott gibt es keine Angst vor dem Tod. Da gibt es keine Angst, zu kurz zu kommen. Nirgends ist das Leben so sicher, als in dem, der es erschaffen hat. Einmal geschaffenes Leben, ist in Gott garantiert. Da gibt es nichts, was diesen Lebenswillen auslöschen kann. Menschsein bedeutet Dasein in Gott. Es ist in eine Urgeborgenheit eingehüllt. Zwischen Mensch und Leben gibt es etwas Unzertrennliches. Gott ist Leben im Vollsinn. Da ist Überfluss, der ewig überläuft. 
Menschen haben Angst vor dem Unglück. Dahinter steckt die Angst vor dem „nicht überleben“; die Angst vor dem Tod. So ganz frisch nach einem Attentat nach Barcelona zu fahren, brachten mir auch Stimmen ein: Hast du keine Angst? Es ist alles so unsicher. Und in der Tat, am Tag meiner Ankunft, gab es eine aktuelle Terrorwarnung, die dann am nächsten Tag wieder zurückgezogen wurde. Vieles im Leben wird auf Sparflamme gekocht, aus Angst, es könnte etwas passieren. Wir schöpfen das Leben nicht aus dem Vollen, weil irgendwo eine Gefahr lauern könnte. Da ist ständig ein schleichender Begleiter der uns abhält. Wir meinen, wir wären leichtsinnig, wenn wir uns nicht vor dem Unglück schützen, wenn wir das überhaupt können. Dieses ständig ängstlich sein, setzt das Leben auf Reserve. Wir sind hoch begabt und reich beschenkt und haben Angst es anzufassen.
Wenn das Leben in Gott ist, kann das Unglück dieses Leben nicht nehmen. Paulus sagt das treffend: Leben wir, so leben wir dem Herrn; sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum: wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Für den Glaubenden ist der Tod kein Schrecken mehr. Egal was passiert, aus Gott können wir nicht herausfallen. Christus besiegelt die Überwindung des Todes mit dem Ostermorgen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein, formuliert Bonhoeffer. Wir können alles mit dem Auferstehungsglauben angehen. Da fangen wir an alle Register zu ziehen. Wir können das was uns gegeben ist, angstfrei und freudig genießen. In großer Freiheit können allem Bösen widerstehen. In diesem Glauben können wir die vom Unglück Gebeutelten kraftvoll trösten.
Warum wollen wir Gott für einen Schiffbruch anklagen, wenn er der Ozean ist, in den wir fallen?

Ein Traum in orange

Wir sollen wie die beste Stunde des Tages sein.
„Den den Herrn lieb haben sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!“

Richter 5, 31
Der Sonnenaufgang ist die goldene Stunde des Tages. Wer ihn bewusst erlebt, saugt sich voll wie ein frisch geladener Akku-Pack. Darin liegt soviel Energie, dass er alle Gewitterstimmungen des Tage überdauert. Sonnenaufgänge sind nicht nur faszinierend anzusehen, sie sind die magischen Momente, die einen ganzen Tag bestimmen. Mit der ersten Stunde, mit dem Erwachen geben sie dem ganzen Tag einen Stempel. Der Sonnenaufgang ist die Auferstehung aus der Nacht. Wer ihn verschläft, raubt sich viel Kraft.
Die Liebe zu Gott, ist die geballte Ladung Sonnenaufgang. Unsere Liebe zu Gott ist keine Aktion, sonder Echo. Weil die Gottesliebe auf uns gefallen ist, weil die Christusenergie in uns aufgegangen ist, werden wir zu dieser Liebe fähig. Sie ist der Rückfluss dessen, was wir empfangen haben. Gott selbst hat uns aufgeladen, umgewandelt und zur Liebe befähigt. Weil Christus in uns Auferstehung feiert, werden wir zum Sonnenaufgang. Die ganze Schöpferenergie, die uns erfasst hat, bringt uns zum Leuchten. Die Liebe zu Gott macht uns zu einer glühenden orangeroten Kugel, die die Nächte der Menschen ablösen und den neuen Tag mit Sonnenaufgangs-Hoffnung erfüllen. Die Liebe zu Gott macht uns zu Auferstehungszellen für die Welt.
Wer wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht, pflegt andere Beziehungen, geht mit Wolkenbrüchen anders um, bringt Wärme in Eiseskälte. Dessen Schritte werden leichter, das Fernsehprogramm wechelst und sein Essen wird gesünder. Sonnenaufgänge prägen alles. In sie sind ganze Tage eingebettet. Solch ein Morgen steht immer vor Augen. 

Die Glaubenden sie die Sonnenaufgänge, die diese hektische Welt durchstrahlen und mit Energie versorgen. Welch ein glanzvoller Auftrag!
Ist die Sonne in uns schon aufgegangen, dass unsere ganze Umgebung von dieser Schönheit und Kraft zehrt?
Einen kraftvollen und gesegneten Sonntag wünsche ich euch. 

Glauben macht gelassen

der Glaube kann viel gelassener mit Widerstand umgehen.
Gott, der du uns viel Angst und Not hast erfahren lassen, du wirst uns wieder beleben.“

Ps. 71, 20
An Angst und Not hat es dem Volk Israel nie gefehlt. Ein Volk, das über die ganze Welt gescheucht wurde, millionenfache Vergasungen erlebt hat. An diesem Volk manifestiert sich Gottesglaube. Die üble Erfahrung des eigenen Lebens, sind nie das Letzte. Der Glaube belebt im Schrecken. Christlicher Glaube ist immer Auferstehungsglaube. Es ist immer ein Glaube gegen alle widrigen Umstände. Menschen die Angst erfahren, erfahren gleichzeitig den auferstanden Christus. 
Der Auferstehungsglaube verbannt die Not ins Vergängliche. Das Elend unserer Tage ist nur vorläufig. Da hinein kommt eine Wiederbelebung. Durch Glaube bestimmt nicht die Not, sondern der auferstandene Christus. In allen Handlungen des Unfriedes, schafft Christus Frieden. Da kommt mitten in die Ausweglosigkeiten unserer Tage eine tiefe Gelassenheit. In Christus handelt ein Höherer in allen Niederungen. Sein Beleben ist die Trotzreaktion gegen das Böse. Glaube ist daher in allen Aus-Situationen nie am Ende. Dort wo der Mensch an seinen Grenzen die Segel steicht, fangen die Gottes Handlungen an. 
So ist die verkrachteste Situation des Lebens nie zum Verzweifeln, weil es nicht auf unser Handeln ankommt. Aus dem Glauben an Christus heraus, belebt der Auferstandene alles Sterbende. In alle Sorge für die Zukunft kommt eine lebendige Gegenbewegung. Gott erschrickt nicht über der Unvollkommenheit der Menschen, sondern setzt seine Auferstehungskraft dagegen.
Warum sollten wir dann vor dem Übel unserer Tage erschrecken, wenn der Glaube die Auferstehung in unser Leben bringt?

Vom anderen Ufer

Text: Johannes 21, 1-14

Vom anderen Ufer

Desaster Woche mit Karfreitag liegt hinter Menschen, die an eine gewaltige neue Idee glaubten.  Schwarze Wolken über der Auslöschung des Hoffnungsträgers lähmten die Gläubigen.  Schlagartig alles am Nullpunkt. Gott ist tot, jetzt ist alles aus. Alltagstrott, du hast uns wieder. Doch selbst der ist erfolglos. Alle Arbeit für die Katz´. Eine volle Nachtschicht umsonst. Einige Jünger am See, ein Pleiteunternehmen. Gleichgestellt mit denen die gearbeitet haben und dennoch am Ende die Lohntüte leer bleibt.

Urgemeinde, – gerade dabei in Schall und Rauch zu verpuffen. Das war´s dann mal Petrus, wenn da nicht im Morgengrauen, der am anderen Ufer stehen würde.

 

  • Christus verbindet

 

Im Morgengrauen stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger erkannten ihn nicht.

Das Unscheinbare, die Dämmerung sind die Plätze an denen sich der auferstandene Christus zeigt. Jesus durchdringt Gewohntes. Ungefragt und unerwartet knüpft er Kontakt zu den Seinen und mischt sich in ihr Programm ein. In die Sinnlosigkeit, kommt durch die Begegnung im Morgengrauen eine eigenartige Bewegung. Bei der Arbeit kommt es zu einer Begegnung mit einer anderen Welt. Dem Auferstandenen begegnen, ist zugleich real und doch geheimnisvoll. Die Jünger erfahren Gott in der Nüchternheit einer vergeblich durchgearbeiteten Nacht. Der Herr macht den Anfang. Es gibt keine andere Gotteserfahrung, als dass Gott kommt und sich zeigt. Die Begegnung mit dem Auferstandenen passt meistens nicht in unser Konzept und kommt dort, wo man nicht damit rechnet. Sie wird nie passen, sie wird immer unerwartet auf uns treffen.

Hier kommt der lebendige Gott, nicht der gnädiger Weise fragende Mensch. Christus legt sein erkannt werden in einfach verständliche Zeichen. Dass „er es ist“, zeigt er im gemeinsamen Essen. Tischgemeinschaft ist für Jesus Lebensgemeinschaft. Eine Einladung zum Essen ist nicht in erster Linie die Geste mit einem anderen meine und seine Hungergefühle zu stillen. Es ist das tiefe Anliegen nach Gemeinschaft. Benedikt betrachtet die Mahlzeit im Kloster als einen Liebesakt. Es ist Gottes Art in der Eucharistie gegenwärtig zu sein. Durch die Einladung zu Tisch, durchbricht Christus das verleugnet und verlassen werden, das seinen Jüngern noch von den Tagen zuvor in den Knochen steckt. Genau wo der Bruch das Miteinander mit Christus für immer hätte beenden können, knüpft er zusammen. Er stellt klar, wir stehen wieder am Anfang der Berufung, wo wir schon einmal begonnen haben. Bei der Mahlgemeinschaft hat Christus immer das ganze Gottes Reich vor Augen. Gemeinschaft mit Gott wird nicht gemacht, sondern liegt allein in der Selbstoffenbarung des auferstandenen Christus.

Glaube beginnt dort, wo wir uns bedenkenlos auf den Andersartigen einlassen; dort, wo er sich zu erkennen gibt.

 

  • Christus bricht auf

 

Wenn Christus die Gemeinschaft zu den Menschen sucht, hat er immer ein Programm. Sein Befehl „werft das Netz aus“ ist die eigentliche Bestimmung der Christus Jünger, – Menschen zu gewinnen. Ich will euch, für das, was ich mit der Welt vorhabe. Durch die Ereignisse stellt Jesus klar – fischen „auf eigene Faust“ ist vergeblich. Doch fischen „auf sein Wort“ macht den Ertrag kaum fassbar. Dieses Wort ist Dynamik, ist Aufbruch. In diesem Wort ist die explosive Gottesenergie. Es übersteigt alles Fachwissen und lebenslange Erfahrung. Dieses Wort ist die Gabe Christi, die die Kirche in die Weite aufbrechen lässt.

Wo enden denn die vielen „Gemeindeaktivprogramme“ die auf „wir sollten mal“ und nicht auf sein Wort aufgebaut sind? Christliche Gemeinde kann nicht gemanagt werden. Es geht nicht um menschliche Bedürfnisse, die irgendwie fromm gestillt werden müssen. Kirche als Dienstleister, die ihre Sache ohne ihren Herrn versucht. Das Wort des Christus, ist die Autorität der Kirche. Die Kirche hat keine Lehrmeinung zu vertreten, keine Vorbilder zu verteilen, oder klassische Lebensmuster zu propagieren. Sie hat einen durch sein Wort an ihr handelnden Christus. Ohne Auferstehung ist jede Predigt vergeblich.

In der Auferstehung liegt die ganze Willenskraft Gottes, seinen Acker nochmals komplett neu zu bebauen. Es ist die nicht zu bändigende göttliche Energie, die Menschen zum Außergewöhnlichem befähigt. Hier ereignen sich Dinge, die selbst den Beteiligten Augen und Ohren schlackern lassen. Das Wort besitzt die Macht, dass Fachleuten, die sich eine Nacht in ihrem Spezialgebiet umsonst mühten, wie durch einen Spuk, das Netz überquillt. Das Wort handelt immer gegen bestehende Denksysteme. Deshalb muss Verkündigung Ereignischarakter besitzen, weil sie den aktiven Gott enthält. „Wann immer die Kirche sich auf anderes verlassen hat, als auf den lebendigen Christus, war sie kraftlos und unglaubwürdig,“ sagt Gottfried Voigt.

Auch wenn Gemeindebau mühsam scheint, Diakonissen und Orden vom Aussterben bedroht sind, Kirchen immer leerer werden, zeigt uns dieses Wort, dass aus ein paar resignierten und frustrierten Jüngern, ein unübersehbares Gottesvolk geworden ist. Keinem noch so verbogenen Regime oder Ideologie ist es gelungen, dieses Gotteshandeln auszuradieren. Das Wirken Jesu ist konstant und lebt von permanentem Aufbruch. Es ist geprägt von dem „an Land ziehen“, aus gottfernen, Gott nahe Menschen zu machen. Er hat die Vision von einem farbenprächtigen ökumenischen zukünftigen Jerusalem, wie der Maler Sieger Köder eindrücklich in der St. Josephs Kirche in Bad Urach in sein Altarbild gebannt hat. Ökumene ist nicht eine Frage von Kirchendiplomatie, sondern ist in der Auferstehung Christi verankert.

Die Konfrontation mit dem Auferstandenen trifft auf gegensätzliche Temperamente.

 

  • Christus vereint

 

Nebenbei erhalten wir das Psychoprofil von 2 Jüngern in einem Boot. Es heißt zwar Gegensätze ziehen sich an, doch liegt in der Regel in der Andersartigkeit meines Nächsten die Problematik. Es begegnet uns der forsch zupackende Aktionsmensch Petrus und der vorsichtig zurückhaltende Erkenntnismensch Lieblingsjünger, ohne dass darüber eine Qualitätsbewertung aufgestellt wird. Da wo wir Menschen uns durch die Andersartigkeit des Anderen oft auseinanderdividieren und gegenseitig die jeweiligen Unmöglichkeiten vorhalten, nimmt Jesus die Gegensätze als Grundlage für seinen Gemeindebau. Es gibt keine Erörterung von Frömmigkeitsformen, oder eine Diskussion über Kontemplation und Aktion, sondern Christus bringt Extreme unter einen Hut. Jede einzelne Persönlichkeit ist durch den einen Christus gemeint, der die Gemeinde zusammenhält. Durch Christus wird die Kirche zum Raum größter Verschiedenartigkeit, die doch die größte Einheit darstellt. Christus uniformiert nicht, presst nicht in einen frommen Klassiker, sondern vereint den Sturm und Drang Petrus mit dem stillen zaghaften, wahrnehmungsstarken Lieblingsjünger. Gemeinde Christi ist ein Verein von Extremikern, die durch Christus verwandelt wurden. Über Christus klappt etwas, was sonst zu Mord und Todschlag führen würde und mit keiner noch so großen Toleranz zusammengehalten werden könnte. Die Eintracht der Verschiedenartigkeit der Glaubenden, wirkt der vom anderen Ufer.

„Sieh, wie fein und lieblich ist´s, wenn Brüder friedlich beieinander wohnen.“ Der auferstandene Christus vereint die Vielfalt der Kirche zu dem einen ewigen Gottes Reich. Und das geschieht mitten im Alltäglichen, in dem er sich unverhofft zu erkennen gibt. Unser täglicher Trott ist genau der Ort, an dem sich der Auferstandene vergegenwärtigt. Daher sollten wir gerade im Morgengrauen, im Frust und aller Verbitterung hellwach sein, damit wir auf sein Wort, die Netze auswerfen.

Keine Angst, wenn der Löwe brüllt 

Glaube hat nichts mit Selbstmotivation zu tun.
„Sie warfen Daniel zu den Löwen in die Grube. Der König aber sprach zu Daniel: Dein Gott, dem du ohne Unterlass dienst, der helfe dir!“

Dan. 6, 17
Daniel, eine spektakuläre Geschichte von Intrigen und Mordversuch, von Glaube und vegetarischen Löwen. Sie wollten Daniel weghaben, weil er zu aufrichtig und zu gottesfürchtig war. Er war Intiganten eine Anfechtung. Er sollte einfach weg und somit kommt der Glaubende unter Druck. Menschen, die zu Gott gehören, stehen nicht nur in den alltäglichen Schwierigkeiten, sondern an ihnen tobt sich auch alles Anti gegen Gott aus. Wer in den Spuren Jesu geht, muss mit Widerstand rechnen, von denen, die das nicht wollen. Dass Gott mit Menschen seine Geschichte macht, bleibt der Welt ein Dorn im Auge. Glaube ist eben nicht nur eine persönliche Einstellungssache. Beim Glauben motiviert sich nicht der Mensch zu großen Taten, sondern da handelt tatsächlich ein anderer. „Glaube an dich selbst und die Kraft die in dir steckt, dann kannst du Berge versetzten“, reicht eben nicht um einen Löwen zum Vegetarier zu machen. Um einem Löwen das Maul zu verbinden, braucht es Kräfte, die nicht in mir liegen. Man kann die Bedrohung nicht herunterspielen und sagen: Die waren vielleicht gar nicht hungrig, denn als Daniel am nächsten Morgen herausgeholt wurde und gegen seine Peiniger ausgetauscht, da zerfetzten die Löwen wieder alles, was ihnen vor die Füße kam.
Wer Gott vertraut, wird Wunder erleben, die über die eigenen Kräfte gehen. Egal wie stark die Bedrohungen unseres Lebens sind, wir schaffen es nicht in erster Line durch Selbstvertrauen, sondern durch Gottvertrauen. Es kann knüppeldick kommen, doch wir kommen nicht um. Wer glaubt, hat den handelnden Gott hinter sich. Wer vom Tode bedroht ist, hat den auferstandenen Christus neben sich. Auf Gottes Wegen werden wir viele brüllende Löwen erleben, aber noch viel mehr einen Gott, an dem sie sich verschlucken.
Wem wollen wir den größeren Glauben schenken; dem bissigen Raubtier, oder dem bändigenden Gott?

Oster-Katastrophe

Matth. 28, 1-10

 

Oster-Katastrophe

Erdbeben und Tsunami sind die Schrecken der Menschheit. 1960 war das stärkste Beben in Chile, das je auf der Richter-Skala mit 9, 5 gemessen wurde. Schlagartig waren mehrere tausend, bis hunderttausende von Leben ausgelöscht. Am Ende des Dramas winselt die Hilflosigkeit gen Himmel.

Ostern, eine Naturkatastrophe der ganz anderen Art.

 

  • Katastrophaler Totenkult

 

1 Nach dem Sabbat kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.

Nach Karfreitag war die spektakuläre Jesus-Geschichte abgehakt. Die nahen Angehörigen beginnen mit ihrer Trauerarbeit. Das Grab ist nun der Begegnungsort mit dem Verstorbenen. Am Grab soll die gebrochene Seele Ruhe finden, und den tragischen Schmerz verarbeiten. Trauern ist der Weg zu einer neuen Beziehung, zu dem, der hinausgegangen ist. Zwei Frauen stellen sich dieser standesgemäßen Tradition. Es ist eben Schicksal, dass alles mit dem Tod endet. Alles Leben ist vergänglich und raubt auch allem Glauben die Hoffnung. Tot bleibt tot, da helfen keine schönen Worte. Das wird sogar staatlich besiegelt. Hüter des Todes stehen extra mit am Grab, das ja nichts Dummes passieren kann. Lebendige Todesscheine bestätigen, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht. Doch Gott hält nichts von depressiven Dunstglocken und der Selbstbeweihräucherung des Elends.

 

  • Katastrophales Donnerwetter

 

2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. 3 Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. 4 Die Wachen aber fürchteten sich und erstarrten zu Tode.

Wo Gott zum Leben erweckt, fliegen die Grabsteine. Dieses große Erdbeben verschlingt nicht tausende von Menschen, es wirft den Erlöser in die Welt. Hier toben Naturgewalten, bei denen es drunter und drüber geht, dass gestandene Männer vor Schreck erstarren. Mutige und professionelle Krieger, für den Katastropheneinsatz ausgebildet, werden wie kleine Kinder beim Gewitter. Ein Erdbeben bei dem sich nicht die Gesteinsschichten im Boden verschieben, sondern ein Energieschub vom Himmel fällt. Gegen diesen Engel, der wie ein Blitz sich in die Erde bohrt, ist alles Sterben machtlos. Alle Gesetze, alle Erfahrungen dieser Welt lösen sich in Nichts auf, wenn sie von der schöpferischen Hand berührt werden. Das Leben, das von Gott kommt, kann weder Tod noch seine Wächter aufhalten. Mit der Auferstehung schreibt Gott Unvergängliches in vergängliche Naturgesetze. Gott bebt und donnert über allem, was der Mensch für endgültig erklärt.

Wo Ärzte sagen: Wir können ihnen nicht mehr helfen, sie sind austherapiert; sagt Gott Nein. Es ist kein gruseliger Horrorfilm, wo Tote aufstehen. Wo die Gewalt Gottes auf den Tod prallt, kann nur ein Christus auferstehen. Gottes Liebe braucht Golgatha um die Sünde der Welt los zu werden. Sie braucht den auferstandenen Christus, dass seine Liebe wieder zu den Menschen kommt. Der Auferstandene trennt von der Gottestrennung und somit vom Tod.

Wenn an Ostern die Erde bebt, ist das eine…

 

  •   Katastrophe zum Heil

 

der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. 6 Er ist auferstanden, wie er gesagt hat. geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. …

Mit Ostern beendet Christus das Unheil. Die Frauen wollten nach dem Grab sehen und treffen auf einen Engel und dann auf Christus. Ostern heißt: Christus sehen. Auf dem Weg zum Toten stehen sie vor dem Lebendigen. Sie erschrecken und ihre ganzen bisherigen Vorstellungen kommen ins Wanken. Sie trauten ihren Augen nicht und gingen vor Christus in die Knie. Die Christusbegegnung wird zu einem heilsamen Schock. Sie waren auf Totenehrung programmiert, und werden nun sehr lebendig gegrüßt. Als die Trauernden werden sie vom Leben getröstet. Das mehrmalige fürchtet euch nicht, ist der Trost des Heils über allem Unheil. Es ist der Ruf, dass die menschliche Katastrophe, eine unerwartete Wende gemacht hat. Die Sünde ist gestorben, es triumphiert das Leben.

Jeder Katastrophe ist seit Ostern das fürchte dich nicht entgegengerufen. Alle Erschütterungen des Lebens sind der Ort, am dem wir Christus begegnen. Mit der Auferstehung gibt es keinen Weltuntergang mehr, der uns erschrecken könnte. Wir werden immer von viel Elend umgeben sein, die das Kennzeichen einer gefallenen Welt sind, aber wir können auf Sterbenswegen immer auch dem Auferstandenen begegnen. Seit Ostern können wir uns nicht mehr hinter dem Tod verstecken. Jede Ausrede wegen unerträglichen Lasten, muss an dem fürchtet euch nicht zerschellen. Gerade auf dem schweren Weg unserer Endlichkeit, stoßen wir am Ostermorgen auf Christus.

 

Ist es nicht eine viel größere Katastrophe, an Ostern nicht in das leere Grab zu schauen?