Wer Zukunft hat, hat Energie

Sobald Wege, die vor uns liegen klar sind, entwickelt das Leben eine Eigendynamik.

„Eines jeden Wege liegen offen vor dem Herrn.“
Spr. 5. 21

Wo Wege offen vor einem liegen, kommt das Leben in Fahrt. Wer die Zukunft klar vor Augen hat, kann zielstrebig darauf zugehen. Ein Tag nach unserem Brand als wir in den Trümmern unserer Kirche standen, sagte der Architekt: In einem Jahr werdet ihr wieder in das neue Haus einziehen! Das war ein magischer Satz. Keiner sah dies zu dem Zeitpunkt als realistisch an. Wir wussten, was bauen heißt. Wir sahen die Schuttberge, die entsorgt werden mussten und wir kannten die Verfahren für neue Planungen und Genehmigungen. Doch wir waren im Advent abgebrannt und wir sind ein Jahr später im Advent wieder eingezogen. Offene Wege motivieren und treiben an.

Der Konflikt dabei ist, dass die meisten unserer Wege verschlossen vor uns liegen. Keiner weiß, was die Zukunft bringt. Unser Leben liegt vor uns, wie ein Buch mit sieben Siegeln. Doch lediglich für uns. Für Gott ist unser Verschlossenes völlig offen. Haarklein weiß er wo es lang geht und was auf uns zu kommt. Er ist mit unserer Zukunft verheiratet. Für ihn ist keine Frage offen. Ihm ist lichtklar was kommt und wo die Reise hingeht. In ihm steckt bereits die Dynamik auf das fertige Haus zuzugehen. Er sieht unser Leben vollendet vor seinen Augen. Er hat eine uneingeschränkte Vorstellung, von dem, was jetzt ist und dem abgeschlossenen Kunstwerk unserer Person. Er weiß, was er mit unserem ureigenen Leben, durch allen Zeiten hindurch erreichen will. So wie ein Unternehmer seine Vision entwickelt, wo er klar vor Augen hat, wie sein Unternehmen in zehn Jahren dastehen wird. So wie wir uns unser neues Auto vorstellen, das dann irgendwann in der Garage stehen wird. Diese Vorstellung hat Gott von unserem Leben.

Wenn das für ihn klar ist, können wir nur aus ihm diese Klarheit für uns selbst bekommen. Wo wir keinen Weg sehen, keinen Plan haben, alles nach vorne düster aussieht, bekommen wir den Durchblick bei dem, vor dem unser Weg offen liegt. Wo sich unser Blick für das Lebensbild Gottes, das er sich von uns gemacht hat öffnet, können wir völlig anders mit unseren Krisen umgehen. Mit dem Blick auf das, was wir einmal sein werden, werden die Schatten des Lebens zu Arbeitsschritten auf mein Ziel hin. Da dienen die brutalen Schläge der Reife einer Persönlichkeit. Wo meine Wege offen vor dem Herrn liegen, gibt es keine Situation, in der uns Gott verlassen hätte. Diese offenen Wege sind der größte Trost und zugleich der zielstrebe Antrieb.

Wollen wir unsere Lebenskraft vergeuden, und weiter planlos in die Zukunft tasten?

Auslegungen für jeden Tag
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Licht verscheucht Angst

Ohne Vertrauen, kann man in den Abgründen seines Leben nur verzweifeln.

„Wer in der Finsternis geht und wem kein Lichtstrahl scheint, der vertraue auf den Namen des Herrn.“
Jes. 50, 10

Dem Namen des Herrn vertrauen ist, an den neuen anbrechenden Morgen zu glauben. In jungen Jahren machte ich mit meinem Freund eine Wandertour durch den Schwarzwald. In einer Nacht übernachteten wir in einer offenen Holzblockhütte mitten im Wald. Mit unseren Schlafsäcken versuchten wir auf den Holzbänken zu schlafen. Doch an Schlaf war nicht zu denken. Wir erlebten, wie nachtaktiv ein Wald sein kann. Es war stockdunkel, doch von überall waren Geräusche. Kein Licht, kein Feuer, wir hörten viel und sahen nichts. Krächzen, schluchzen, knacken, knistern, plötzlich war ein Mann in unserem „Schlafzimmer“, der auch noch eine Ruhestätte suchte, dann aber weiterzog. Vögel heulten, jeder Zweig der knackte, lies uns aufschrecken. Die Nacht war einfach nur unheimlich. Wir sehnten uns nicht mehr nach Schlaf, sondern nur noch nach dem Morgen. Das Befreiende war, als es zu tagen anfing. Die aufgehende Sonne hatte uns mit einer meiner schrecklichsten Nächte versöhnt. Erstaunlich schnell war die Unruhe und Schlaflosigkeit vergessen. Es war wieder hell.

Vertrauen schafft einen Umbruch in einer ausweglosen Lage. Es bricht ein neuer Morgen an, es wird hell mit dem Namen des Herrn. Das ist der Name, der von sich sagt: Ich bin das Licht der Welt. Er stellt die Finsternis auf den Kopf. Die vielen Situationen, in denen uns die Lichter ausgehen, der Schreck uns auf kleiner Flamme köchelt, die Verzweiflung uns die allerdüsterste Seite des Lebens aufzeichnet, da geschieht eine Wende. Wir dürfen das Vertrauen auf den Namen nie unterschätzen. Wo das Licht kommt, hat der Schrecken der Nacht ausgegessen. Vertrauen heißt, ich glaube an das Licht, auch wenn die Nacht noch dunkel ist. Allein die Ahnung von Licht, entkrampft die Anspannung. Der Glaube durchbricht die Nacht, weil er sich mit dem Licht verbindet.

Vor einigen Jahren machte ich ein großes Herz mit roten Rosen als Sargschmuck für den Mann meiner Cousine. Er hatte sich mit Mitte vierzig das Leben genommen, weil er das Licht nicht mehr gesehen hat. Er war kerngesund, aber hatte keine Hoffnung mehr für sein Leben. Die Angst breitete eine solch große Sinnlosigkeit über ihn aus, das er keine Ahnung mehr von Licht hatte. Gerade in unseren dunkelsten Stunden ist es ein Frevel die Nacht zu schüren, anstatt dem Licht zu vertrauen. Wo unser Glaube an den Namen des Lichtes aussetzt, können wir nur verzweifeln. Da bleibt uns nur noch der Strick, um das Elend zu beenden. Das Vertrauen auf das Licht ist die entscheidende Wende. Da ist Jesus Christis mitten in der Finsternis. In der Nacht unserer Seele geht dann wieder die Sonne auf, das Leben erwacht und die Freude kehrt zurück.

Vertrauen wir schon, oder verzweifeln wir noch?

Willige werden geführt

Die Willigen und Bereiten, sind die Richtigen für Führungsaufgaben.

„Siehe, hier bin ich. Der Herr mach´s mit mir, wie es ihm wohlgefällt.“
2. Samuel 15, 26

Samuel ist gerade das Gegenteil von denen die sagen: Jetzt komme ich, ich weiß, wo es lang geht. Was ihn auszeichnet, ist eine schlichte Offenheit für Gott. Wo sind solche Menschen, die derart bereit dastehen und einfach sagen: mach mit mir, was du willst? Hemmungslos gibt er sich hin und lässt Gott machen. Das ist die totale Auslieferung seines Willens. Er ist von Gott so überzeugt, dass er darin das allerbeste für sich sieht. Keine Bedingung, kein persönlicher Anspruch, keine Verhandlungen, sondern die pure Hingabe. Sein Vertrauen in Gott ist größer als in sich selbst. Sein Glaube ist der Rücktritt von allen eigenen Vorstellungen. Hier erkennt sich ein Mensch als Werkzeug und Instrument in der Hand des Meisters. Herr, mach´s mit mir, ist die Voraussetzung für das Konzert seines Lebens. Darin liegt Gottes Wohlgefallen und das Beste für Menschen. Gott sucht nicht die perfekten Heiligen, sondern die Willigen.

Anders als so, gibt es kein Reich Gottes. Wo das mach´s mit mir, mit dem, ich mache für dich kollidiert, findet kein Glaube statt. Viele fragen sich, wo kann ich mich im Reich Gottes einbringen, was kann ich in meiner Gemeinde machen, doch das ist nicht das mach´s mit mir. Als für mich der Weg ins Kloster anstand, waren viele gläubige Ratgeber an meiner Seite, die mir sagten: Du wirst doch noch wo anders dringend gebraucht, oder ich selbst sagte mir, auch die äußere Mission braucht engagierte Leute, doch das wäre mein Wille gewesen. Bei mach´s mit mir, macht nur einer die Ansage, Gott selbst. Da spielen die Alternativen, die ich sonst im Reich Gottes hätte keine Rolle. Da geht es nicht mehr um das, was ich mir oder andere für mich alles vorstellen können. Das mach´s mit mir ist die Bereitschaft, dass es völlig anders kommt als ich mir denken kann. Da ist alles offen für Gott. Da kommen dann Dinge, die wir nicht auf dem eigenen Radar haben. Da stehen wir im Horizont des Allmächtigen. In der Willigkeit, kann Gott das entfalten, was er als Schöpfer in uns gelegt hat. Wo diese lückenlose Bereitschaft fehlt, beschränkt der Mensch sich selbst.

Mach´s mit mir, ist die Antwort des Petrus, wenn er Jesus gegenüber ausdrückt: Du weißt, dass ich dich lieb habe. Da kommt von Jesus: Weide meine Lämmer. Da erhält der wankelmütige Petrus seinen Lebensauftrag. Zuvor noch wegen Mangel im Glauben im Wasser ertrunken; als es für ihn eng wurde, noch seinen Meister verleugnet und dann diese Führungsaufgabe. Nicht die Starken, Großen und Guten erhalten große Aufträge, sondern die willigen Schwachen. Es sind die, die einfach sagen: hier bin ich.

Wo stehen wir uns noch im Weg, dass der Herr macht, wie es ihm wohlgefällt?

Jubilieren kommt aus Einsicht

Wenn die Anklage weg ist, kann der Jubel beginnen.

„Gott sei mir gnädig nach deiner Güte, und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.“
Ps. 51, 3

Worunter leiden wir? Sind es die angespannten Beziehungen, die Lasten des älter werden, die Schmerzen und Krankheiten, die uns an den Rand bringen, oder die Angst, wie es weitergehen wird? Hier leidet ein Mensch unter sich selbst. Er leidet unter seiner Unvollkommenheit. Er zerbricht darunter, dass so wenig von dem, was Gott in ihn hineingelegt hat, zum Vorschein kommt. Er beklagt seine Sünde und leidet darunter, dass er so anders will als Gott will. Von dem großen Geheimnis Gottes, von seiner Ebenbildlichkeit bin ich nur ein billiger Abklatsch. Ich lebe total an dem vorbei, zu dem ich eigentlich gedacht bin. Von der aufbauenden und fördernden Art der der Liebe Gottes, bleibt bei mir nur Eiseskälte übrig. O Gott, ich lebe total zweckentfremdet und lebe eigennützig auf Kosten anderer. Wo ein Mensch sich im Lichte Gottes erkennt, kommt ein heilsames Erschrecken. Sich selbst erkennen muss weh tun. Sich seiner eigenen Realität stellen, ist der tiefste Schmerz und die Voraussetzung die Realität Gottes zu erfahren. Erst bei der bitteren Erkenntnis, dass ich von Grund auf dazu veranlagt bin mich zu verrennen und Gott einen Korb zu verpassen, ringt die Seele um Gnade. Bevor ich nicht selbst vor mir erschrecke, es mich nicht durchschüttelt, zu was ich in der Tiefe in der Lage bin, kann kein Schrei nach Barmherzigkeit aufkommen. Gotteserkenntnis und Sündenerkenntnis ist eins. Wer sich nicht seiner eigenen Wahrheit stellt, kann den Weg zur Güte nicht finden. Wer die Wahrheit über sich selbst nicht zulässt, führt ein Versteckspiel mit Gott und wird dabei krank und verzweifelt. Im Ja zu meiner Sündhaftigkeit, wird der Schrei nach Barmherzigkeit geboren. Genau dort geschieht etwas Gewaltiges.

Wo der zerbrochene Mensch nach einem gnädigen Gott ruft, wird er sofort gehört und erhört. Dieser Ruf trifft mitten ins Herz des Barmherzigen. Die Antwort ist Jesus Christus. Da wird unsere Wahrheit zu seiner Wahrheit. Da löst sich die ganze Spannung unseres Lebens. Wo wir uns unserer Wahrheit stellen, nimmt die Vergebung uns die Lasten ab. Wo wir nicht mehr an uns selbst festhalten, sondern uns an Christus halten, entkrampft sich die Sorge um uns selbst. Den Reichtum der Gnade zu erfahren, ist die grundlegendste Therapie zur Persönlichkeitsentwicklung. Wer um einen gnädigen Gott bittet, wird mit seiner inneren Unruhe versöhnt. Die Barmherzigkeit macht unsere aufgescheuchte Seele gesund. Wenn uns innerlich nichts mehr auffressen kann, kann ein befreites Herz wieder jubilieren.

Quälen wir uns noch, oder schreien wir um Gnade?

Hab Mut, bau‘ die Kapelle

Weil Gott treu ist, können Menschen übermenschliche Dinge wagen.

„Herr, wer ist wie du? Mächtig bist du, Herr, und deine Treue ist um dich her.“
Ps.89, 9

Der Klang eines Liebesliedes ertönt aus einem erstaunten Herzen. Du bist so einzigartig, so unfassbar, so all das schwache Menschliche übersteigend. Du bist so unbeirrbar, bei allem, wie untreu dir wir dir gegenüber sind. Du hältst fest, wo wir schon lange losgelassen haben. Du hast immer noch Kraft, wenn wir schon lange am Boden liegen. Da erkennt die Ohnmacht eine gewaltige Macht. Da steht der Mensch vor einer Gotteserkenntnis, die gerade einen neuen Fixstern entdeckt. Da ist ein Sonnensystem, von dem alles ausgeht, von dem aller Kosmos durchdrungen und bestimmt ist. Da geht schlagartig die Grenze des eigenen Horizontes auf. Da werden plötzlich Dinge Realität, die sich vorher kein Mensch denken konnte. Wo der Mensch seinen Gott entdeckt, werden die eigenen Maßstäbe in den Schatten gestellt. Da können acht Christusträger-Schwestern, die uns vergangene Woche besucht haben, ein kühnes Projekt planen und eine Autobahnkirche an die Kochertalbrücke stellen. Da waren langwierige Verhandlungen mit Regierungspräsidium nötig und da gab es gewaltige bürokratische Hürden zu überwinden, doch die Kirche steht. Eine kleine Schar von Schwestern, vertrauten einem übermächtigen Gott. Da zählt nicht wer wir sind, was wir können und welche Stimme wir im Landtag haben, da reicht einzig das Vertrauen an den Treuen. Die Kirche auf dem Parkplatz der Kochertalbrücke ist ein Kleinod geworden, und wird für immer mehr Fernreisende zur Anlaufstelle. https://bit.ly/2IFMi03

Gottes Treue macht Mut, Dinge zu wagen, vor denen wir normal zurückschrecken. Dieser Treue können wir trauen. Damit können wir etwas wagen, was wir in uns selbst nicht finden. Gerade wenn uns der Mut verlässt, die Lasten unerträglich werden, wir mehr und mehr an unseren eigenen Grenzen zerschellen, leben wir aus dieser Treue. Damit bestimmt über uns nicht die eingeschränkte Gesundheit, das abgebrannte Haus, oder ein Dschungel von Behördenwegen, sondern die Kühnheit des Glaubens, die mächtiger ist als aller Widerstand. Mächtig und treu steht am Anfang dieses Tages. Damit sind alle Türen, offen heute an einem unvorstellbaren Ort unsere Kirche zu bauen. Damit ist weit mehr möglich als wir uns selbst zutrauen. Die Treue des Herrn ist ein Ansporn, über sich selbst hinauszuwachsen.

Herr, wer ist wie du? Können wir da noch in unserem Unvermögen stehen bleiben? Oder können wir in unserem Glauben noch viel mutiger uns hoffnungsvoller werden?

Gute Werke vollenden, kann hart sein

Das Glück eines Lebens liegt darin, dass allen harten Schläge ein gutes Werk vollenden.

„Du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.“Ps. 22, 11

Niemand fällt aus Gottes Hand. Wenn Gott alles und in allem ist, ist ein Mensch ohne Gott nicht denkbar. Solange es Menschen gibt, sind sie immer ein Teil von Gott. Auch wenn er ohne Gott lebt, ist Gott in ihm und an ihm dran. Unser geboren werden, ist ein Liebesakt der Schöpfung. In unseren Adern pulsiert Gottes Lebenssaft. Alles, was in einem Leben geschieht, kann man nie ohne Gott denken. Da schreibt der Meister seine Geschichte und vollendet sein Werk zum Guten. Vergangene Woche wurde eine hundertjährige Nachbarin beerdigt. Ihre Schwester erzählte vom dem Glück ihres Lebens. Sie war gerade mal zwei Wochen verheiratet als sie im zweiten Weltkrieg ihren Mann verlor. Ihr ganzes Leben hatte sie dann fünfundsiebzig Jahre als Witwe verbracht, ohne Kinder und ohne Enkel. Am Ende war sie so schwach, dass sie auf einen Rollstuhl angewiesen war. Dennoch war diese alte Dame voller Humor und Dankbarkeit und hatte immer einen faszinierenden Glanz in ihren Augen, wenn sie mit ihrem Rolli an unserem Blumenhaus vorbeigeschoben wurde. Ihr größtes Glück sei gewesen, dass sie schon in frühen Jahren Jesus Christus kennengelernt habe.

Gerade an den Punkten, an denen das Leben oft unverständlich hart zuschlägt, muss man sagen: Hier macht Gott gute Arbeit. Du bist mein Gott heißt, er will das Allerbeste aus einem Leben heraus holen. In allem, was an uns geschieht, will er zu dieser Erkenntnis führen: Du bist mein Gott. Das Leben ist ein Kunstwerk, an dem Gott seine Beziehung zum Menschen herausarbeitet. Leiden sind keine Vernichtungsschläge, es ist das Bearbeiten, um ein großes Werk zu vollenden. Paulus beschreibt das hoffnungsvoll: ich bin da ganz zuversichtlich, dass der, der in euch das gute Werk angefangen hat, es auch vollenden wird. Dem Verlauf unseres Lebens, können wir nichts entgegensetzen. Gott formt und gestaltet. Wo ich als Schreiner bei meinem Gesellenstück ein Sideboard baute, musste ich dem Holz für die Schublade Gewalt antun, um die Ecken zu verzinken. Da wurde gesägt und mit dem Stechbeutel die Stücke herausgeschlagen, um eine stabile Verbindung zu schaffen. Bei allen harten Eingriffen entstand ein bildschönes Möbelstück aus Carolina-Kiefer, das bis zum Brand mein Zimmer zierte.

Weil Gott mein Gott ist, schafft er an mir das gute Werk. Er vollendet seinen Traum mit mir und dafür gibt er alles. Warum sollten wir ihn darüber, dass er seine Arbeit macht anklagen? Weshalb wollen wir Böses darin sehen, wo er das Gute herausschälen will?

Gehorsam bricht Widerstand

Wo die Geige ihrem Spieler trotzt, kann kein guter Ton gelingen.

Gerecht ist er, der Herr, ich aber war widerspenstig gegen sein Wort.“
Klagel. 1, 18

Das Übel des Menschen wir in einem ganz kurzen Satz auf den Punkt gebracht. Widerspenstig! Widerspenstig gegen sein Wort, bringt das Unrecht in die Welt. Menschen sind wie trotzige, kleine Kinder, wo es um den Willen Gottes geht. Widerspenstig ist der Anfang von Elend. Mit widerspenstig geht etwas daneben, das ganz anders geplant ist. Der Dickkopf lässt sich nicht gerne sagen. Widerspenstig will es besser wissen, wie die Welt und das Reich Gottes ticken. Widerspenstig ist der Mensch an sich, ist der Adam der fragt: Sollte Gott gesagt haben? Diese Auflehnung, dieses ständig infrage stellen, hat Disteln und Dornen in das Leben gebracht. Widerspenstig gegen sein Wort beschreibt die Bibel mit Sünde. Damit wird der Mensch zu einer Geige, die sich selbst bespielen will und damit schauerliche Töne hervorbringt. Widerspenstig ist der Missklang des Lebens. Da wird ein edler Klangkörper zur abschreckenden Sirene. Da bäumt sich der Besserwisser gegen jede Form von geführt werden auf. Da übernimmt der Mensch das Kommando, und sagt Gott wo´s lang geht. Dieses Aber gegen das Wort, gegen Führung, gegen das was Gott von uns will, ist das Problem von uns Menschen. Wir schreien nach Gerechtigkeit, wir suchen nach dem Richtigen und Guten, jedoch in uns. Wo wir das Wort ausschlagen, schlagen wir Christus aus. Wir schlagen die Gerechtigkeit aus und bleiben im Unrecht.

Es geht um unseren Umgang mit dem Wort, um unseren Umgang mit Christus, um den Umgang, mit dem was Gott von uns will. Wir müssen unsere Auflehnung erkennen und unseren Widerstand begraben. Wenn unsere Tage gut werden sollen, muss unsere Widerspenstigkeit aus der Welt geschafft werden. Erst die geschmeidige Geige in der Hand des Meisters, kann ihren Klang entfalten. Unter der willigen Führung des Wortes, wird der Mensch zum Spiegelbild Gottes. Unter dem Willen Gottes werden wir tüchtig zum Guten. Da wirkt Christus dem Unrecht und Unfrieden entgegen. Das Widerspenstige braucht den Auferstandenen, der das gegen Gott, in das für Gott verwandelt.

Die Kirche, das Reich Gottes leidet unter den Widerspenstigen. Wo das Wort nichts mehr zu melden hat, werden Gottesdienste leerer und die Klöster haben keinen Nachwuchs. Da ist zu viel, „ich bin selber groß“, „ich weiß was ich zu tun habe“, „ich lasse mir von niemand in meine Lebensgestaltung hineinreden“.

Warum tun wir uns so schwer damit, uns ganz willig auf das Wort einzulassen?

Erbarmen überbrückt Gräben

Den Weinenden stehen Engel bei.

Der Engel Gottes rief Hagar vom Himmel her und sprach zu ihr: Was ist dir, Hagar? Fürchte dich nicht; denn Gott hat gehört die Stimme des Knaben dort, wo er liegt. Steh auf, nimm den Knaben und führe ihn an deiner Hand; denn ich will ihn zum großen Volk machen.“1.Mose 21, 17-18

Ismael liegt keuchend vor Durst in der Wüste und seiner Mutter Hagar bricht dabei das Herz. Sie spielt in dieser Geschichte eine bittere, undankbare Rolle. Als Ausgestoßene war sie zuvor die Magd der kinderlosen Sara. Rein menschlich betrachtet, hatte Abraham von seiner Frau keinen Nachwuchs mehr erwarten können. Hagar schenkte ihm dann diesen Sohn. Danach bekam die zuvor lachende Sara doch noch den versprochenen Erben, Isaak. Die beiden Jungen wuchsen miteinander auf, bis in einer trotzigen, dummen Phase von Ismael, Sara von Abraham verlangte, Hagar mit ihrem Sohn, mit etwas Brot und Wasser, regelrecht in die Wüste zu schicken. Dort treffen Mutter und Sohn in ihrer größten Verzweiflung auf einen Engel. Trost vom Himmel; Wasser in der Wüste; Erbarmen Gottes über Verstoßenen. Menschlich verlassen, werden die Weinenden von einem Engel aufgefangen. Gottes Erbarmen ist größer als alle menschliche Ablehnung. Gott stellt sich zu Hagar und Ismael und legt auf sie eine große Verheißung. Seit diesem Zeitpunkt berufen sich die Araber und Muslime auf ihren Stammesvater Abraham. Sara sah die beiden Jungs als Rivalen, Abraham übernahm diese Sicht. Die Religionen behielten diese Sicht, bis zu blutigen Feindschaft. Doch Gott segnete die beiden Söhne, jeden auf seine Weise. Ismael wurde später der Vater von zwölf Fürsten. Egal ob Menschen verstoßen oder verwerfen, ausgrenzen oder dazunehmen, Gottes Erbarmen lässt sich davon nicht beeinflussen. In diesem Erbarmen ruht der Lauf der Geschichte. Egal wie wir über andere denken und wie wir mit ihnen umgehen, wir können es nicht aufhalten, dass Gott seine Engel zu den Weinenden sendet. Gottes Antwort auf Versagen ist Erbarmen. Mit Christus erbarmt er sich über eine unversöhnliche Welt. Für ihn zählen nicht die Maßstäbe die wir setzen, wen wir bejubeln und verdammen, sondern sein Erbarmen geht in die Wüste, in die wir die uns Unangenehmen schicken.

Abraham dachte, Gott stellt sich der Verheißung gemäß hinter Isaak. Doch das für uns Unbegreifliche ist, dass Gottes Erbarmen so weit geht, dass er sich auch hinter Ismael stellt. Er hat die Stimme des durstigen Knaben in der Wüste gehört. Das Erbarmen Gottes hat eine Dimension, die all unser Laufen und Wollen in den Schatten stellt. Er hört auch auf die, die wir ablehnen. Darum leben auch wir ausnahmslos aus Gottes Erbarmen.

Wie würde die Welt aussehen, wenn unsere Unbarmherzigkeit sie alleine regieren würde, und keine Engel mehr die Weinenden trösten?

Unser Ende beginnt heute

Gott braucht keine goldenen Kelche, sondern goldene Menschen. (Johannes Crysostomus)

„Silber und Gold kann nicht erretten am Tage des Zorns des Herrn.“
Hes. 7, 19

Glaubende leiden oft an geistlicher Schizophrenie. Sonntags die feinen, treuen Kirchgänger und montags verreißen sie sich den Mund über ihren Arbeitskollegen. Da wird einerseits eine fromme Schau abgezogen, um überall einen sauberen Eindruck zu hinterlassen und im Keller heulen die Wölfe. Glaube ist nicht Leben, sondern nur eine Hülle, wie bei nicht durchgefärbten Kerzen. Da ist innen etwas anderes drin als der Anschein, den sie von außen macht. Gott will echte, will durchgefärbte Menschen. Hesekiel macht dafür eine heilsame Übung. Betrachte dein Leben von deinem Ende her und du wirst sehen was trägt und fällt. Das Ende verschafft Klarheit über das Heute. Der Glaube denkt immer vom Ende her und erhält darin seine Tiefe. Wenn man, wie wir in dieser Woche, sieben Trauerfeiern oder Beerdigungen zu dekorieren hat und dann entsprechend vor Särgen und Urnen steht, bewegen einen viele Gedanken. Hat dieser Verstorbene, der hier vor einem liegt, seinen Lebensauftrag entdeckt und erfüllt? Hat er auf Werte gesetzt, die ihn jetzt weitertragen? Hat er viel gearbeitet, um seinen Erben ein ordentliches Kapital zu hinterlassen? Was ist aus den Gaben geworden, die er für sein Leben mitbekommen hatte? Wurde er zur Melodie, für die er gedacht war? Wer am Ende steht, steht unmittelbar vor seinem Schöpfer. Da entscheidet sich die Qualität des Lebens. Da wird die Bilanz gezogen. Bleiben nur Gold und Silber übrig, oder sind in diesem Leben goldene Menschen entstanden. Haben die Werte des Glaubens formende Kraft erhalten? Ist die befreiende Kraft von Christus in die Welt geflossen?

Je früher wir die Übung vom Ende machen, umso klarer werden unsere Weg von heute. Diese Übung löst eine allesentscheidende Werteverschiebung aus. Wir stehen damit bereits vor unserem Gott. In seiner Gegenwart ordnen sich alle unsere Entscheidungen und Handlungen. Wir erkennen unsere Gaben, die zu nichts anderem da sind als Gott und den Menschen zu dienen. Da können wir weder die Gaben für uns selbst verbrauchen, noch große Lobpreisabende feiern und Christus ehren, wenn wir uns nicht draußen auf der Straße um ihn kümmern, wo er in Schutzlosigkeit und Unrecht zugrunde geht. Unser Ende beginnt heute. Wo wir das erkennen, kann Christus uns zu goldenen Menschen verwandeln, die zum Segen für die Welt werden.

Wo sind die Geringsten in unserem Umfeld, denen wir zum Christus werden?

Wir werden träumen

Mitten im Tagesgeschehen, soll jeder einen Glanz von Ostern sehen.

„Wenn der Herr die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.“
Ps. 126, 1

In der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel wird dieser Traum an den Horizont gemalt. Die untröstlichen Jünger, erfuhren als erstes durch Maria Magdalena von dem auferstandenen Christus. Wo die Gefangenen erlöst werden, geschieht ein unvorstellbarer Durchbruch. Erlösen steht für einen radikalen Wandel, für einen Traumwandel, für etwas Unwirkliches, das sich nur im Traum abspielt. Es ist zu schön um wahr zu sein. Doch diese Verheißung liegt auf Christus. Egal ob gefangen oder weinend und trauernd, dieser Zustand verändert sich durch den Auferstandenen. Da verwandelt eine junge Bruderschaft vor knapp fünfzig Jahren, einen Auffüllplatz und Tierfriedhof zu einem 3 ha großen Garten Eden und Garten der Stille. Junge Leute, mit noch nicht mal zwanzig Jahren, haben mit Nichts begonnen, nur mit ein paar Spaten und Schubkarren, um zwei stattliche Parkanlagen zu schaffen und danach ein Sakral- und Seniorenzentrum ins Leben zu rufen, das heute in der Region einen legendären Ruf hat. …wir werden sein wie die Träumenden. Wenn wir betrachten, wer wir waren, einfache, unstudierte Leute, die meist aus handwerklichen Berufen kamen und lediglich eine Berufung in der Tasche hatten, und jetzt können wir den Traum nicht fassen, der da entstanden ist.

Damit sich Träume verwirklichen, kommt es weder auf die äußeren Umstände an, noch auf die Qualifikation die der Einzelne mit bringt. Es ist die Erlösungskraft des Auferstandenen. Darin liegt das ganze Entwicklungspotenzial eines Lebens. Wir werden dabei immer die Staunenden und Verwunderten bleiben. Wir sind herausgelöst, um den Umständen zu trotzen. Mit dem Auferstandenen brechen neue Maßstäbe an. Da spielt die Situation in der wir uns befinden keine bestimmende Rolle. Da ist immer mehr möglich als die Umstände zulassen. Die Bruderschaft, die dann inzwischen in die Jahre gekommen und in den Lasten des Alters gefangen ist, kann darin ihre Erlösung erfahren, dass das Leben immer noch ein Traum ist. Die Auferstehungskraft bleibt mächtig, auch wenn die Berufenen schwächer werden. Das ist gerade das Spannende, wenn scheinbar nichts mehr geht, die Zukunft wie ein Fragezeichen vor einem steht, ein Träumender zu bleiben, und den Glanz von Ostern in seinen gefangenen Tagen aufleuchten zu lassen.

Glauben wir dieser Verheißung, als solche, die wie die Träumenden sein werden?