Unfassbare Wege

Wo das Erkennen klein ist, wird das Wunder größer.
„So viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.“

Jes. 55, 9
Bei so viel „höher als“ liegen endlose Entfernungen zwischen Gott und Mensch. In einem Satz wird klargestellt, Gottes Größe übersteigt alles was wir kennen und denken können. Wie sollte auch ein zeitlich begrenzter Menschen einen ewigen Gott verstehen? An das Geheimnis Gottes kann der Mensch sich nur stückweise herandenken, doch unendliche Größe ist nicht fassbar. Der Mensch sucht für alles eine Erklärung. Er ist dann schnell dabei, Gott für das Unerklärliche verantwortlich zu machen. Warum diese Fehlgeburt, dieses Unglück, die unerträglichen Schmerzen, die manche aushalten müssen? Warum all das viele Leid, die Brutalität und der Hass unter den Menschen? Warum lässt ein solch großer Gott das zu? Doch warum sollte Gott etwas mit dem Krieg, mit Mord und Totschlag dieser Erde zu tun haben? Er hat das nie gewollt. Es kommt nicht von ihm. Er hat den Menschen ein Paradies zur Verfügung gestellt. Was der Mensch daraus gemacht hat, erleiden wir täglich. Darum ist die die Frage nach dem Warum sinnlos. 
Das „höher als“ ist das Trotzdem Gottes. Das ist Größe, wenn Gott sich über die, die sein Gutes verwirtschaftet haben, erbarmt. Er bahnt Lebenswege durch das Chaos. Wenn er Elend sieht, denkt er an Heil. Er will die Erde erneuern, indem er Menschen erneuert. Der Große will das Kleine erfassen, den einzelnen geplagten Menschen. Er verhindert nicht den Krieg, indem er der Menschheit eine Friedensglocke überstülpt, sondern in dem ein Mensch anfängt kein Schwert mehr in die Hand zu nehmen. Das ist das Große an Gott, dass er an den Urgrund des Schadens geht. Seine hohen Wege, will er mit dir und mir gehen. Er will in uns den Teufelskreis des Elends durchbrechen. Er will uns auf Christus-Wege stellen. Damit entsteht das Große in aller Niedrigkeit. Damit entstehen die Wunder, dass ein schmerzgeplagter, von Krebsgeschwüren durchsetzter Mensch, glaubend und hoffend, ganz bewusst auf sein Ende zugehen kann.
Stehen wir da nicht vor Ehrfurcht still, wenn wir dieses Geheimnis nur erahnen?

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Unverschämte Hoffung 

Es ist ein Traum, wenn alle guten Vorsätze in Erfüllung gehen.
„Der Herr wird aufheben die Schmach seines Volks in allen Landen.“Jes. 25, 8
Was Gott sich vornimmt, das bringt er zu Ende. Allem Widerstand zum Trotz, stimmt bei ihm am Schluss das Ergebnis. Wenn wir uns z. B. für das neue Jahr gewisse Änderungen oder Erneuerungen vornehmen, fragen wir bereits nach 14 Tagen, wird sich da gegenüber dem alten Jahr vieles von dem bisherigen Trott verändern. Voller Hoffnung starten wir in der Silvesternacht ins Neue, verbunden mit allen guten Wünschen und sehen in den Tagen danach, wie Stück um Stück an den Alltäglichkeiten wieder aller Schwung ausgebremst wird. Auf dem Menschen mit seinen Plänen liegt viel Schmach und Schande. Aus anfänglich guter Hoffnung, stellt sich Normalität ein, also Hoffnungslosigkeit. 
Wenn Gott Schmach aufhebt, läuft da etwas grundsätzlich anders. Die Hoffnung, mit der er seine Sache beginnt bleibt. Er hat atemberaubende Pläne, will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen und das mit Menschen, die im dauernd querschießen. Zu all seinen großen Zielen, kommt eine gewaltige Widerstandskraft. Er lässt sich von nichts abhalten, auch wenn die Schuld der ganzen Welt dazwischen kommt. Er überwindet mit Christus die Absackermentalität des Menschen. Christus ist der Hoffnungsverstärker, dass das geschieht, was Gott sich vorgenommen hat. Gott erreicht dadurch alles, was er sich vorgenommen hat. Es steht außer Frage, dass Gottes Jahr gut enden wird.
Mit unserer Schmach zurechtzukommen ist eine Christusfrage. Wo der natürliche Mensch, an den Belastungen des Menschseins immer wieder die Segel streicht und in seiner Intension nachlässt, kommt für den Glaubenden durch Christus, ein immer neuer Hoffnungsimpuls. Da bleibt es nicht bei der anfänglich, einmaligen Hoffnung, die wieder schwächer wird, sondern da erhält Hoffnung einen dauernden Nachschlag. Wo die Widerstände und Lebensschläge kommen, ist dieser Hoffnungsträger in uns, der beatmet, wenn die Luft ausgeht. Wenn Paulus uns Mut macht: Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet, dann wirkt hier genau der Hoffnungsträger. Mit Christus hat Gott den Trott der Hoffnungslosigkeit durchbrochen. Unsere Schmach ist weg. Wir können dadurch alles glauben und Unverschämtes hoffen. „Durch Leiden führst du uns zu Freuden; ja, alles, was du tust ist gut.“
Was soll uns hindern, in dieser fröhlichen Hoffnung, alle Schwächen zu überwinden? 

Eine totale Entlastung

Wo Schuld gesühnt ist, können Menschen gesund werden.

„Führwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.“

Jes. 53,4
Was Jesaja hier auf den Tisch legt ist reines Evangelium. Er beschreibt den leidenden Gottesknecht, mit dem Gott grundlegend das dunkelste Kapitel der Menschheitsgeschichte löst, – Schuld. Schon zu des Propheten Zeit, wurde Schuld vor sich hergeschoben, verdrängt und ignoriert. Dabei ist eigentlich für jeden klar, Schuld schafft Unfrieden und macht Menschen krank. Es kocht nicht nur Herz und Seele, wenn ein Mann mit 59 Jahren bei einem Einbruch in ein Reihenhaus, durch die Brutalität der Einbrecher ums Leben kommt. Es zeigt auch welche Risse Schuld in die Gesellschaft reißt. Selbst die kleine, unscheinbare Schuld im täglichen Miteinander, belastet Familien und Gemeinden. Wer sich des Themas der Schuld annimmt, der kämpft für das befreite Leben. Gott macht hier ganz gründliche Arbeit. Mit dem „Schmerzensmann“ den Jesaja beschreibt, schafft er eine neue Gerechtigkeit. Er wird zurecht gebracht, was aus dem Lot geraten ist. Wo Schuld von Gott und den Menschen trennt, braucht es Christus der verbindet und heilt. Gott macht den Schuldlosen, für uns zur Sünde, um damit eine Wiedergutmachung herzustellen. Wo Gott auf diese Art Schuld bereinigt, entsteht ein Neuanfang. Das Quälende und krank machende ist völlig weg. Mit Christus hat Gott selbst für den Menschen abgebüßt. Christus ist für alle Zeiten der Schuldvernichter. Mit Christus brauchen wir keine Schuld verschieben oder zudecken, sondern können glasklare Verhältnisse schaffen. Das ganze Versteckspiel kann aufhören, bei dem wir besser da stehen wollen als wir sind. Das ist das befreiende und frohmachende des Evangeliums, das von Grund auf zur Sünde veranlagte Menschen, wieder offen mit Gott und untereinander kommunizieren können. Mit Christus ist auch der größte Bock, den ich im Leben geschossen habe weg.
Das prägt jeden Tag. Eigene Schuld kann mich nicht mehr auffressen. Hier werden wir nach Luther zum fröhlichen Sünder. Ich kann wieder aufrecht stehen, egal was da einmal war. Wer solche Barmherzigkeit erfährt, kann auch mit anderen barmherzig umgehen. Da ist der andere nicht selber schuld, wenn er keine Arbeit findet, oder mit manchen Problemen nicht zurechtkommt. Da wird die Charakterschwäche des anderen mich mit in die Verantwortung nehmen. Wo die Schuldfrage geregelt ist, blüht das Miteinander wieder auf.
Wo leben wir als diese Befreiten, die ihren Nächsten mit entlasten?

Jubel nach dem Gewitter 

Wenn sich bei Nacht ein Gewitter ausgetobt hat, beginnt ein unvergleichlich neuer Morgen.

„Herr ich preise dich! Du hast mir gezürnt! Möge dein Zorn sich wenden, dass du mich tröstest.“

Jes. 12, 1
Wo der Zorn sich wendet, beginnt Glückseligkeit. Das tobende Gewitter in der Nacht hat uns vielleicht um den Schlaf gebracht, doch der Morgen danach, wenn die Sonne wieder aufgeht ist wie ein Traum. Dieser gewaltige Umbruch sorgt für eine Stimmung, die jeden Fotografen jubeln lässt. Alles ist so jungfräulich frisch und mit Regenperlen überzogen, die im anbrechenden Licht an Schönheit nicht mehr zu überbieten sind. Der Umbruch vom Zorn, offenbart Gottes größtes Geheimnis. Im Zorn hat sich die ganze Unlust des Menschen gegen Gott aufgeladen und die Welt unter Spannung gesetzt. Wo sich der Zorn entlädt, lässt Gott Noah eine Arche bauen, um Mensch und Tier zu erlösen. Zorn entsteht, wo sich die Liebe nicht mit dem Bösen abfindet. Doch die Entladung die bei Gott stattfindet ist seit Noah nicht die Zerstörung (nie wieder will ich alles Leben auslöschen), sondern die Vergebung. Das ist das Einzigartige, wie Gott mit Zorn umgeht. Er entlädt die Spannung, indem er einen neuen Morgen schafft. Der Schöpfungsmorgen nach dem Zorn heißt Christus. Damit ist der Dampf raus. Durch dieses Model von Versöhnung entkrampft er alles spannungsgeladene Miteinander. Mit Christus hat der Zorn seine zerstörende Kraft verloren und wird zu einem unvergleichlichen Morgen. Wo Gott angefangen hat zu vergeben, begann für die Welt die größte Erneuerung. Vergebung heißt das Zauberwort, das die Schöpfung in die Glückseligkeit führt. Wer vergibt, rechnet nicht mehr an, stapelt keine Spannungen mehr aufeinander, sondern tröstet im Unglück. Mit Christus haben die polternden Nächte ein Ende. Da erwacht ein neuer Morgen in einzigartiger Klarheit und Schönheit.
Weil sich der Zorn gewendet hat, können wir Versöhnung leben. Getröstete brauchen eigene und andere Schuld nicht mehr anhäufen bis der Haufen explodiert, sie entspannen durch ständiges Vergeben. Wo Vergeben zum Lebensprinzip wird, führen wir selbst ein unbelastetes Leben. Das ist unser Glück und Seligkeit. Da sind wir die Befreiten, die nur noch über den neuen Morgen jubeln können. 
Wo brodelt in uns noch das Gewitter, das uns von dieser selig machenden Erfahrung trennt?    

Mit Blumen spielen 

Blumen sind die schönen Worte und Hieroglyphen der Natur, mit denen sie uns andeutet, wie lieb sie uns hat.Johann Wolfgang von Goethe

„Du tränkst die Berge von oben her, du machst das Land voll Früchte, die du schaffest.“Ps. 104, 13

Wohl dem, der mitten im kalten Winter eine Vorstellung einer blühenden Sommerwiese in sich trägt. An dem satten Blühen der Blumen erkennt man, wie Gott die Schöpfung liebt. Er umzingelt uns mit Schönheit. Wir sind in Reichtum und  Schönheit hineingeboren. Gerade die Blumen, deren Lebenszweck es ist, einfach nur schön zu sein und zu blühen, zeigen uns wie gönnerhaft und verschwenderisch Gott mit Leben umgeht. Eigentlich braucht kein Mensch Blumen, weil er von Früchten, Obst und ab und zu von einem guten Steak lebt, doch Gott gibt sie uns als Freudenzugabe. Gott ist kein Pragmatiker, der uns einfach nur mit dem Allernötigsten versorgt, Gott strotzt vor Fülle. Er ernährt und schafft Freude. Wo Gott Berge tränkt und Früchte schafft, ist die Erde randvoll mit Gutem. In den Jahreszeiten tanzt Gott im 4/4 Takt durch die Welt. Alle Existenz lebt aus der menschlichen Arbeit, in der Kombination mit dem was Gott an Segen hineininvestiert. Wenn die Menschen die Erde allein bewirtschaften, können wir sehen, was daraus wird. Alles lebt von Gottes Zugabe. Alles was geschaffen ist, geschieht nicht ohne Gottes Zutun. Selbst der gottloseste Mensch lebt von diesem Segen. Gott erhält die Welt auf Biegen und Brechen. Da ist immer mehr da als der Mensch zerstören kann. Die Erde ist bedingungslos in Segen getränkt. Auch mit einem Atomknopf auf dem Schreibtisch, liegt Gedeih und Verderb nicht in Menschenhand. 
Leben bleibt in sich fruchtbar, weil es aus einem fruchtbaren Schöpfer kommt. Daher sind Glaubende Frucht geprägte Menschen. Wo Gott tränkt, bleibt kein Acker unversorgt. Selbst wenn Menschen Ozonlöcher in den Himmel reißen, hindern sie Gott nicht das Leben zu lieben. Wir sind auch in Dürrezeiten umsorgt und in Katastrophen versorgt. Der Keller ist voller Vorräte, um über harte Zeiten zu kommen. Wo Gott Früchte schafft, ist die Zukunft sicher. Wer mit Blumen spielen kann, lässt niemand am Straßenrand vertrocknen
Wenn wir so umsorgt sind, um was müssen wir uns dann noch Sorgen machen?

Heute ist der wichtigste Tag

Einen Tag vor deinem Tode kehre um. (Talmud)

„Des Menschen Geist muss davon, und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.“

Ps. 146, 4
Davon müssen, steht über jedem Tag unseres Lebens. Der Mensch lebt im Angesicht des Todes. Und das sieben Tage nach Beginn des neuen Jahres, das mit vielen Plänen und Vorsätzen gestartet ist. Zeit und Tod sind Geschwister. Wer Zeit hat, hat gleichzeitig ihr Ende im Blick. Zeit ist somit ein Geschenk, die nicht in unserer Verfügbarkeit steht. Wo wir Zeit haben, halten wir die wichtigste Gottesgabe in den Händen. Im Tod stehen wir unmittelbar vor dem Zeitgeber. Somit ruht das Leben und Sterben in Gott. So wie wir heute aufstehen und atmen sind wir Beschenkte. In dem jetzigen Augenblick liegt das ganze Glück unseres Lebens, denn keiner weiß, ob er morgen wieder aufstehen wird. Angesichts des davon Müssens, kommt die höchste Brisanz in unsere Heute. Nicht umsonst heißt es: Der Tod ist der allerbeste Lebensratgeber. Und der Talmud schreibt: Einen Tag vor deinem Tode kehre um. Auch darin steckt das tiefe Geheimnis, da keiner weiß, wann sein letzter Tag ist, kehre vorsichtshalber heute um. Komme heute zur Besinnung und stelle das Leben in das was es ist, – Gottesgabe. In dem Augenblick, indem ich das erkenne, werden viele Sorgen, die ich mir um das Morgen mache lächerlich. Wo meine Pläne dahinfliegen, muss ich mich heute fragen, zu was bin ich heute von Gott beschenkt worden. Damit verdichtet sich das Leben. Es konzentriert sich auf das Wesentliche und trennt sich vom Flüchtigen. Angesichts des Todes steigt die Qualität des Lebens. Jeder Augenblick bekommt ein Christus-Gepräge. Da geht es in erster Linie um die Frage, wie entfalten sich das Geschenk und die Gaben Gottes in meinem Leben. Da verwandeln sich meine Pläne in Gottes Ziele. Wo wir uns unserer Endlichkeit bewusst sind, wird die Gegenwart Gottes präsenter.
Bei dieser Verdichtung des Heute, wo der jetzige Moment, der wichtigste im meinem Leben wird, beginnt eine große Abspeckungskur. Da können wir gelassen Ballast ablassen. Da wird plötzlich bisher Wichtiges, völlig belanglos. Da wird meine Zeit zum kostbarsten auf der Welt, die ich nicht mehr mit Sinnlosem verschwenden will. Da fangen wir an, wertwolle Beziehungen zu bauen und belastende zu trennen. Wo wir die Beschenkten und Begnadeten sind, ist heute der wichtigste Tag in unserem Leben.
Was müssen wir über Bord werfen, um den heutigen Tag großartig und gehaltvoll zu gestalten?

Überraschende Begegnung

Wir bringen Christus in das Elend der Welt und wir empfangen ihn daraus.

„Der Herr sprach zu Mose: Ich will ihnen einen Propheten, wie du bist, erwecken aus ihren Brüdern und meine Worte in seinen Mund geben.“5.Mose 18,18

Heute feiert die orthodoxe Kirche Weihnachten. An der Krippe zeigt uns Gott wo wir Jesus finden. Nicht zuerst im Tempel, in irgendwelchen heiligen Hallen, in super aufregenden Events, sondern im Stall. In die Unwirklichkeit dieser Welt hat die Liebe eingeschlagen. Gott ist in der Pampa angekommen. Im letzten Dreckloch, wo ihn keiner vermutet. Oft meinen wir Glaubenden, wir müssen die Begegnung mit Christus schön verklären und auf ein nettes, freundliches Niveau heben. Doch wir begegnen Christus im Elend und der Armseligkeit dieser Welt. Vielleicht gerade unter den Menschen, mit denen wir am liebsten gar nichts zu tun hätten. Christus wird uns erweckt, an den dunkelsten Ecken der Menschheitsgeschichte. Wir begegnen Christus am Kreuz und am offenen Grab auf dem Friedhof. Genau an den unschönen Seiten des Lebens ist Gott angekommen. Die Christusbegegnung hat Gott in die Katastrophen des Lebens gelegt, um deutlich zu machen, die Elenden und Erschlagenen sind seine Zielgruppe. In der schlimmsten Situation unseres Lebens wird Christus geboren. Im dem Unfrieden der Welt, erweckt Gott Worte des Friedens. Dort wo niemand an ihn denk, keiner von ihm redet, die Welt sich von ihrer kältesten Seite zeigt, werden Worte Herzen erwärmen. 
Wenn die Christusgeburt in der dunkelsten Nacht geschieht, wird er uns immer dort begegnen, wo wir nie mit ihm rechnen. So wird die schlimmste Lebenskrise zum Geburtsort. Genau in den Spannungen in der Gemeinde, Familie, im Berufsleben, will es Weihnachten werden. Wir empfangen Christus nicht nur im Sonntagsgottesdienst, sondern erst recht an den Nahtstellen der ungemütlichen Tage. Somit bringen wir nicht nur den Christus in das Elend, wir empfangen ihn, im und aus dem Elend. Da kann an einer unverhofften Stelle Gott durch einen Menschen reden, der gar nicht weiß, dass er zur Gottesstimme geworden ist. Gott ist immer für Überraschungen gut. Da kann bei mir und bei anderen, gerade die Situation unter der wir leiden, Du zum Davonlaufen ist, zur Geburtsstunde Christi werden. 
Welche Worte erweckt Gott gerade aus meinem unangenehmen Stand?  

Wir sind ein gewaltiges Spiel

Wo einer Geige virtuose Klänge entlockt werden, können die Zuhörer nicht mehr an sich halten.

„Siehe, da ist Gott der Herr! Er kommt gewaltig, und sein Arm wird herrschen.“Jes. 40, 10

Heute bleibt der Stern über Bethlehem stehen. Die Könige sehen etwas, was die Welt noch nicht gesehen hat. Den Herrscher des Himmels und der Erde in einer Krippe. Dieses für uns asoziale Bild, beschreibt Jesaja als gewaltig. Sieh ganz genau hin, weil alles ganz anders ist, wie der Eindruck, den es vermittelt. Dieses unscheinbare Kind wird die Welt bewegen, wie es zuvor noch keinem Menschen gelungen ist. Schon in diesem Stall sangen Hirten und Engelchöre das große Halleluja. Von Jesus geht etwas aus, was alle menschlichen Begegnungen verblassen lässt. Mit ihm entsteht in der klirrenden Menschheit eine Sinfonie. Jesus ist wie der Geigenbogen einer Vanessa Mae oder Anne-Sophie Mutter. Wenn er die Saiten berührt entsteht ein musikalisches Feuerwerk. Die Violine, die von ihrer Konstruktion ein bildschönes Gehäuse hat und von Natur aus einfach nur gut aussieht, ist in sich leblos und stumm. Wenn sie da liegt, ist sie ein Holzkasten, auf den ein paar Saiten gespannt sind. Ein totes, stummes Ding. Doch wenn ein Meister sie mit seinem Bogen berührt, dann tanzt der Konzertsaal. Da entfaltet sich ein atemberaubender Klang, der seine Zuhörer betört. Da summt, tönt und bebt die ganze Umgebung. Da geht Musik durch Mark und Bein. Der Verstand gerät in Ekstase. Der Hörgenuss ist nicht mehr von dieser Welt. Die Resonanzen überschlagen sich, Raum und Zeit ist von Klang erfüllt. Das geschieht, wenn Jesus sein Spiel beginnt. Er klimpert nicht nur bescheiden ein paar Saiten mit dem Finger an, er zieht mit ganzem Schwung die volle Bogenlänge über den zum Singen gedachten Klangkörper. Die Berührungen des Christus, sollen dem an sich toten Menschsein, noch nie dagewesene Klänge entlocken. Das ist das Gewaltige, das wir sehen sollen. Christus will unser Spiel beherrschen, damit für alle Welt sichtbar wird, welch Wunderwerk wir selber sind.
Sehen wir den Stern? Sehen wir den großen Meister, der alles aus uns herausholen will, für ein gewaltiges Spiel?

Von Wellen getragen

Der Glaubende wird nicht seiner Schwachheit erliegen.

„Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.“

Ps. 138, 3
Glaubende sind zu einem überfüllten Leben in Gott berufen. Dadurch leben sie in der Spannung der sichtbaren und unsichtbaren Welt. Sie erleben die ganze Fülle von der großen Kraft Gottes und die ganze Schwachheit des eigenen Menschseins. Zwischen diesen beiden Extremen findet Berufung statt. Bei einem Surfer kann man das faszinierend beobachten. Da kommt eine große Welle, bei der er genau zum richtigen Zeitpunkt auf das Surfbrett aufsteigt, um von der Energie der Welle aufrecht über das Wasser getragen zu werden. Er ist angetrieben von Schwung und Kraft und ist zu einem großartigen Wellenritt aufgebrochen. Wenn er den richtigen Augenblick verpasst, bleibt  er auf dem Brett liegen und paddelt weiter vor sich hin. Er lässt die Wellen über sich brechen, nützt die vorhandene Energie nicht aus und braucht aus sich heraus weit mehr Kraft, um ein kleines Stück voranzukommen. Bei Gott ist ein riesen Kraftpotenzial da, das ständig aktiv ist, um all unser Tun und Treiben zu beflügeln. Gott schickt seine Wellen, von ihm kommen Ströme von Herrlichkeit und wir bleiben oft in der eigenen Belanglosigkeit stecken. Gott hat uns bestimmt, aus seinen Energiequellen zu schöpfen. Wir sind berufen, uns in der Kraft seiner Wellen über uns hinaustragen zu lassen. 

Er will nicht, dass wir nur an der Oberfläche mühsam vor uns hin paddeln. 
Wenn wir Gott anrufen, sensibilisieren wir uns auf den Takt seiner Wellen. Wir konzentrieren uns genau auf die nächste Welle die unmittelbar auf uns zukommt. Dafür brauchen wir nicht lange warten, sie ist bereits im Anmarsch. Von Gott ist die große Kraft da, auf die wir uns in der Talsohle der Welle konzentrieren. Unser Rufen verbindet sich mit der Energie, die gerade auf uns zurollt. Der Glaubende ist ringsum von großer Kraft umgeben. Er hat alles, was Gott ihm in dem Wort und in Christus anbietet. Er ist nicht sich selbst und seiner Schwachheit überlassen. Das was uns am Boden hält ist gering, gegenüber dem, was uns aufrichten will. 
Wo kämpfen wir vergeblich mit eigener Kraft, ohne uns von dieser starken Energiequelle hinaustragen zu lassen?

So herrlich klein sein

Gottes Erwählen ist keine Frage von Ansehen und menschlicher Größe.

„Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat.“

5.Mose 7, 7-8
Gott sucht nicht die Platzhirsche, die Top Ten der Besten, Reichsten und Schönsten. Bei der Vorstellung, von dem was groß ist, gehen die Maßstäbe zwischen Gott und Mensch total auseinander. Für Gott ist das Größte Herrlichkeit. Die Gottesgegenwart, die Raum und Zeit mit Licht und Liebe füllt. Groß ist, wo Gott sich in seiner Schöpfermacht entfalten kann. Wo die ganze Dynamik des Lebens zu spielen beginnt und in einem Menschen Gestalt gewinnt. Groß ist wo Gott ist. Um diese Größe zu entfalten, braucht er ein Menschenmaterial, in das er sich hineininvestieren kann. Die besten Voraussetzungen sind dabei die Geringen, die Kleinen, die Leeren, die ihm nichts vorzuweisen haben. Er nimmt die Gescheiterten, die Zerbrochenen und die Bedeutungslosen. Er bedient sich dafür des Plebs von der Straße. In der Ohnmacht kann er sich als mächtig erweisen. Die Gernegroßen, Privilegierten und Selbermacher sind ihm bei diesem Projekt eher hinderlich. Bei menschlichen Größen ist oft das Gefäß zu voll, um noch mehr eingießen zu können. Gottes Größe beginnt nicht auf der Geburtsstation eines Könighauses. Sie beginnt in Stall und Krippe. Jesu Tod war kein Staatsbegräbnis, sondern die verachteste Hinrichtungsmetode. Gott liebt das Geringe, weil da für ihn der größte Gestaltungsraum ist. Er liebt das was nichts hat, damit er es füllen kann. Für sein Projekt braucht er keine menschliche Vorleistung. Er adelt die Sünder und offenbart, was er damit machen kann.
Das nimmt denen, die noch nicht auf der Titelseite der Bildzeitung abgedruckt waren den Stress. Gott erwählt und liebt, nicht weil wir etwas können oder leisten, sondern einfach weil wir sind. Er nimmt nicht die Perfekten, sondern die für ihn Offenen. Er wählt die unfähig Bereiten, um mit ihnen Großes zu vollbringen. Vor Gott können wir nie das Geringe verachten, weil darin das größte Potenzial liegt. Angesichts der Größe Gottes gibt es keinen menschlichen Ausschuss. Gott lehrt uns viel größer von dem Kleinen und Unwerten zu denken. Es ist nichts so gering, dass nicht daraus Herrlichkeit entstehen würde. Daher keine Angst vor Schwachheit.
Wo glauben wir noch, wir wären für die Sache Gottes nicht ausreichend qualifiziert?