Freu dich über den heiligen Moment

Bruder Theophilos – Text: Jes. 65, 17-19

Wo fangen unsere Probleme an? Passiert es dort, wo eine Regierung eine 2 oder 3 G-Regel beschließt? Dort wo ein Geschäft nicht mehr wie früher läuft? Dort wo eine Behörde für ein Altenheim unerfüllbare Auflagen macht? Wo mir der Arzt eine Krebsdiagnose serviert? Wir alle hoffen auf bessere Zeiten, weil wir meinen, das was heute ist, ist unerträglich und es muss alles anders werden.

Untersuchen wir einfach einmal, wie an diesem Ewigkeitssonntag, ein neuer Himmel und eine neue Erde geschaffen wird.

1. Meistens kommt es anders

Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

Jeder hat Momente, die ihm den letzten Nerv kosten. Es ist zum Weinen, wie innerhalb von knapp zwei Jahren, weltweit im Kampf gegen ein Virus, millionenfach Existenzen bedroht wurden. Die Klöster und Gemeinschaften können ohne Ende klagen, wie wenig Nachwuchs in Aussicht steht. Selbst innerhalb einer Gemeinschaft herrschen oft Zustände, bei denen ich meine, die müssten aber zum Donnerwetter anders werden. Wo wir gehen und stehen, Jammer und Elend. Wir sehnen uns alle nach besseren Verhältnissen. So wie es ist, kann es auf keinen Fall bleiben. Unablässig sehen wir uns aufgefordert, gegen das was gerade ist, anzugehen. Leben ist eben Kampf, sonst nimmt das Weinen und Klagen nie ein Ende. So wie es ist, geht das gar nicht und passt überhaupt nicht in meine Vorstellungen, von dem was richtig und gut ist. Ich streite, für das, was besser werden soll. Weil ich es anders sehe, fühle ich mich herausgefordert.

Selbst die Kreuzzüge damals wurden damals in der besten Absicht geführt, und haben nicht das Heil, sondern das Leid in die Welt gebracht. Wir leiden, weil wir kämpfen. Wir weinen, weil wir es anders haben wollen. Wir sind unglücklich, weil es so wie es ist nicht gut ist. Wir weinen, weil wir einen geliebten Menschen loslassen müssen, wenn er hinausgeht. Wir klagen, wie hart wir unten durchmüssen, wenn wir vor lauter Arbeit nicht wissen, wo anfangen.

Wenn man die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens nicht mehr hören wird, brechen neue Zeiten an, und zwar genau jetzt.

2. Was gerade passiert, ist Schöpfung

Denn siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, dass man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird. Denn siehe, ich erschaffe Jerusalem zur Wonne und sein Volk zur Freude, und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk.

Wer sagt, dass der neue Himmel und die neue Erde, morgen, nächstes Jahr oder in unabsehbarer Zeit kommt? Wo steht, dass wir darauf warten müssen? Wenn Gott schafft, schafft er unmittelbar. Wie sollte ein ewiger Gott auf die Uhr schauen, wann er was macht? Wenn Gott schafft, ist immer Gegenwart. Das Hier und Jetzt ist Gottesgegenwart. Sein Zeitverständnis ist Ewigkeit, ist immer, ist allgegenwärtig, ohne gestern und morgen. Ist dann der jüngste Tag nicht heute? Müssen wir da auf später warten, wo Gott mit seinem Volk fröhlich sein will? Oder will dieses scheinbar zukünftige Gottesereignis nicht genau hier stattfinden?

Wenn Gott sagt, „es werde,“ ist dann Schöpfung nicht andauernd? Ist dann das, was gerade passiert, nicht das ewige Erschaffen Gottes? Bin ich dann nicht zeitlebens dieser einzigartige Erschaffungsprozess der Freude? Alles in meinen Leben erschafft dann diesen neuen Himmel und die neue Erde. Liegt darin nicht das ganze Heil, die umfassende Erlösung, der Christus, der die Welt betritt?

Das hieße, die Freude liegt ausgerechnet in der Luft, in der ich gerade meine zu ersticken. Wenn alles zur Erschaffung des neuen Himmels und der neuen Erde gehört, dann steht über jeder Krise: „Und alles war sehr gut.“ Wenn Gott schafft, dann ist nichts was geschieht ein Fehler. Solange ich denke, die augenblickliche Lage, die Ereignisse meiner Vergangenheit waren ein Fehler, bin ich der Fehler. Solange ich daran festhalte, dass das was ist und war, hätte nicht sein sollen, sage ich letztlich: Gott macht Mist. Ich akzeptiere nicht diesen Moment, meine Geschichte, die mich zu dem machte, der ich bin.

Zur Erschaffung echter Freude, die das Heil auf die Welt bringt, gib es nur auf dem Kreuzweg, den Jesus gegangen ist. Die Totalhingabe an das ungerechte Urteil, schafft den Durchbruch in die neue Welt.

3. Gib dich allem hin

Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe.

Wo ich Ja sage, zu dem was ist, höre ich auf zu kämpfen. Wo ich in allem Schöpfung erkenne, darf ich die Pandemie persönlich nehmen. Da geht es nicht mehr, wer Recht hat und welche Regierung unmögliche Bestimmungen erlassen hat, und dass ich mir das blöde Virus so schnell wie möglich wegwünsche, sondern um die Frage: Was will dieses verrückte Ding an mir Heiliges erschaffen? „Im Ja zum Willen Gottes, verliert das Leiden seine Macht.“ Ich fange an, in die Gegenwart hineinzusterben.

Stell dir vor, du gibst dich diesem Moment voll hin. Du versuchst nichts aus diesem Moment zu bekommen, sondern gibst dich voll hin. Ich bin der beste, wachste, aufmerksamste, liebvollste Zuhörer, den es überhaupt gibt. Wenn du wirklich da bist, dann bist du erfüllt. Das was wir oft außerhalb der Gegenwart suchen, – oh gestern war sehr schön, oder morgen wird’s besser, ist die ganze Zeit hier.

Der Hauptgrund, weshalb die Menschheit so leidet, ist, weil wir uns weigern in die Gegenwart hineinzusterben. Es stirbt der Teil von mir, der immer weiterwill, der immer mehr will, der es aufregender will. Der will hingegeben werden.  Das ist die Botschaft der Mystiker aller Zeiten: „Leute, es ist bereits hier.“ Stell dir vor, wir sind in diesem Leben, um Erfüllung zu finden. Stell dir vor, es ist möglich, so viel Erfüllung zu finden, dass du an den Punkt kommst, okay, wenn ich irgendwann abgeholt werde, ist das fein, weil ich das gefunden habe, wofür ich gekommen bin. Und dann frage dich einfach, was ist das, wofür ich gekommen bin? Ist es, ein großes Lebenswerk zu hinterlassen? NEIN! Ist es, dass wir gute Menschen werden? NEIN! Ist es, dass wir die Welt retten? Nein Wir sind hier, um zu realisieren, dass etwas in uns, die ganze Zeit erfüllt ist.  Der Teil, der uns die ganze Zeit erzählt, dass uns etwas fehlt und nicht in Ordnung ist, der muss sterben, damit wir hier sein können.

Im Spiel unseres Lebens geht es nur darum, den Schöpfungsimpuls zu erkennen. Der neue Himmel und die neue Erde entstehen in Herzen, die hier ankommen. Ewigkeitssonntag ist das Fest, wenn Christus in mir feiert. Wo ich mich gegen das wehre, was Gott in mir erschaffen will, werde ich kämpfen und leiden. Wo ich an irgendetwas festhalte, bringe ich weiter Weinen und Klagen in die Welt. Wir sind eingeladen, uns allem hinzugeben. Nur wer die Welt mit mildem Auge sieht, wird die großen Zusammenhänge erkennen.

Du bist Licht. Du bist frei. Du bist Freude. Freue dich an dem heiligen Moment, der heute deinen neuen Himmel und neue Erde erschafft.

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