Lobe lustvoll

Eph. 5, 1-8

Warum landet ein Mensch im Kloster? Weil da irgendwann die Frage war: Was ist für mich jetzt dran? Jeder von uns wusste, er möchte sich nicht mit einem gewöhnlichen Leben zufriedengeben, sondern auf bestmögliche Weise Nachfolge Christi leben. In jungen Jahren fragten wir uns: Gott was hast du mit mir vor? Was ist dein Plan mit mir? Da war die Ahnung oder gar die Erkenntnis: Gott hat mit jedem von uns etwas ganz Bestimmtes vor. Wir glaubten an Führung und Berufung. In uns lebte die Bereitschaft das Bürgerliche loszulassen und alles auf eine Karte zu setzen. Wir haben gebrannt, geglaubt, gehofft und waren bereit alles zu riskieren. Wir sind dazu angetreten, von Gott zu erwarten, dass sein Wort schafft was es sagt. Wir wollten dem Christus Vorbild folgen.

Lassen wir uns von Paulus aufmalen und uns neu erinnern, wozu wir einmal angetreten sind.

1. Wie dein Geist dich täuscht

Früher war es auch in euch dunkel und finster wie bei ihnen; die ein ausschweifendes, schamloses Leben führen oder von Habgier besessen sind; denn solche Menschen beten ihre eigenen Götzen an.

In wundersamer Weise haben wir einen gewaltigen Aufbruch und Neuanfang erlebt. Da knisterte der Segen in der Luft, wo man sich von seinem natürlichen Denken befreite und auf kindliche Weise Gott vertraute. Jeden Tag empfanden wir als Wunder, auf den wir im Freistil mit Palmgesängen antworteten. Wir schwelgten im puren Glück wie lebendig und unmittelbar die Erfahrungen von Glauben waren. Auf allem lag der Zauber des Anfangs, der immer auch in der Auseinandersetzung mit unserer ganzen Menschlichkeit stand. In Lebendigkeit entstanden mehr und mehr Formen, die Abläufe regelten und sichere Strukturen schafften. Aus einem dynamischen System wurde ein gut strukturiertes Zusammenleben mit klaren Ordnungen. Und es ist gut, wenn es in einer Gemeinschaft verbindliche Regeln gibt.

Der Nebeneffekt dabei ist, dass sich der Geist entspannt und erholt, weil er nicht ständig durch irgendetwas Neues herausgefordert wird. Für den menschlichen Geist ist es der pure Stress, wenn er sich immer auf Veränderungen einzustellen hat. Wir sehen das allein an den ständig neuen Anträgen, die es für die Corona-Impfungen gibt. Wo sich jedoch unser Geist nach Ruhe und klaren Regel sehnt, blockiert er damit diesen Impuls des Glaubens, der zu einem neuen Risiko einlädt. Wir schließen praktisch mit dem einen Bestreben das andere aus. Unser Geist will geregelte Bahnen und verfestigt sich in einem festgelegten Denken. Ohne es zu merken, verschließt er sich einem beweglichen, wachstumsorientierten Denken, das der Heilige Geist bewirken will.

Auf einmal lebt man dann in einer geistlichen Gemeinschaft unter rein menschlich geregelten Gesetzmäßigkeiten. Im Laufe der Zeit wird alles immer schwerer, hoffnungsloser und dunkler. Man fühlt sich irgendwann in der Tretmühle, eines alltäglichen, menschlichen Kampfes. Dein Geist sagt dir: Auch der Nachfolgeweg ist ein Kreuzweg und je frömmer, umso schlimmer. Es ist nicht das dynamische Handeln Gottes schwächer geworden, sondern dein Geist, will Chef sein und deine Berufung streitig machen. 

Der Glaube setzt genau hier an. Glaube ringt nach Bildern, um beweglich und lebendig zu bleiben.

2. Du bist ganz anders

Weil ihr Gottes geliebte Kinder seid, sollt ihr in allem seinem Vorbild folgen. Geht liebevoll miteinander um, so wie auch Christus euch seine Liebe erwiesen hat.

Um das lebendig zu halten, wozu wir hier gemeinsam angetreten sind, braucht es lebendige Bilder. Unser ängstlicher Geist, der uns vor Unsicherheiten bewahren will, braucht Vorbilder. Das stärkste Bild, das uns vor Augen stehen kann, wie das Heilige in einem Menschen lebt, ist Christus. Das Bild, das du von Christus hast, bestimmt das Bild, das du von dir selbst und der Welt bekommst. Dabei geht es nicht, Christus auf eine Säule zu stellen und als Säulenheiligen zu verehren. Er will keine Bewunderung, nicht Menschen, die hoch zu ihm aufschauen, sondern Menschen, die ihn verinnerlichen.

Er will in Menschen Gestalt gewinnen. Ihm geht es darum, dass wir wie Christus leben, unser menschlicher Geist wie er am Kreuz stirbt und wir wie er im Geist aufersteht. Er lebte in dieser klaren Wirklichkeit Kind Gottes zu sein, wie auch wir Kinder Gottes sind. An ihm dürfen wir uns bewusst machen, dass wir Söhne und Töchter Gottes sind. Wir sind die, zu denen Gott sein bedingungsloses Ja gesprochen hat. Wir dürfen uns vergegenwärtigen, dass wir gegen alle menschliche Ablehnung abgrundtief geliebt sind.

Wo du dich selbst verachtest, wo du von anderen angeklagt wirst, kannst du dir vor Augen malen: Ich bin geliebt. Das macht frei von aller irdischen Anerkennung. Du brauchst nicht mehr recht haben und recht bekommen, weil das recht haben wollen am Kreuz gestorben ist und dennoch Leben nicht auslöschte. Mit diesem Vorbild kannst du lieben, egal was dir zugefügt wird, weil Liebe bleibt. Mit diesem Vorbild kann alles um dich herum sterben und du lebst, weil der Christus in dir nicht sterben kann. Mit diesem Vorbild demonstrierst du deinem Geist, was die wahre Wirklichkeit ist, die über alles natürliche Denken hinausgeht.

Das setzt die größte Liebe frei. Du siehst den Nächsten mit den Augen Christi. Das ist die Liebe, die auf Versager, Gesetzesbrecher, Zöllner und Sünder nicht mit Steinen wirft, sondern sie aus dem Staub aufhebt. Sie feiert das große Abendmahl mit dem Verräter und dem ans Kreuzbringer. Mit diesem Vorbild kommt die Christus-Qualität in alle menschlichen Zerreisproben, die den Geist auf Sparflamme setzen wollen.

3. Du elektrisierst die Welt

Durch Christus ist es licht und hell in euch geworden. Eure Sache ist, Gott zu danken und ihn zu loben.

Egal welch erschütternde Erfahrungen wir in unserer Geschichte gemacht haben, es braucht keine körperliche oder geistige Anstrengung, um wieder von dem getragen zu werden, was anfangs angetrieben hat. Wir brauchen nicht unsere Berufung zurückzukämpfen, nicht verzweifeln, wenn es gerade mal dunkel um uns ist.  Wir können total entspannen. Dein Geist wird in keiner Weise überfordert.

Christus als Vorbild reicht, dass es licht und hell in dir wird. Christus anschauen und verinnerlichen reicht, um eine umwerfende Wirkung auszulösen, da brauchen wir nicht nachzuhelfen. Christus anschauen macht dich zum Christus-Reflektor, ohne dass du etwas machst. In deinem Sein und im Zulassen des Lichtes, wirst du zu Licht und Liebe.

Es ist lediglich ein Schritt, dich von deiner ermüdeten, belasteten Erfahrung in die Christus-Erfahrung zu bringen, die alles elektrisiert. In dem Moment erlebst du dich als ein vom Leben Beschenkter, als ein alles Habender. Da löst sich aller Mangel in dir auf und verwandelt sich in Dankbarkeit. Du wird zu einem lobenden Rückfluss dessen, was dir zugeflossen ist. Hoffnung wird in aller Mutlosigkeit lebendig. Du wirst zu einem lustvollen Lob, das nicht von dir ausgelöst wird, sondern das Christus in dir auslöst.

Wo die Lust zum Loben verstummt, frage dich, was dein Geist anschaut und fokussiert. Wenn du nicht mehr dieses Licht in dir erkennst, wird dir die Verzweiflung nachschleichen. Du führst einen mühsamen Überlebenskampf, wenn du nur auf die menschlichen Katastrophen schaust, die sich vor dir aufbäumen.

Eure Sache ist es, lustvoll zu loben und dich als das Licht zu erkennen, das die Welt elektrisiert. Lass dich nicht von deinem Geist täuschen, der dir etwas anderes weiß machen will. Du bist wirklich unendlich geliebt. Du brauchst weder um Ehre, Recht und Anerkennung zu kämpfen, weil du höchste Anerkennung genießt. Sehe auf den, der dich licht und hell macht. Hab keine Angst vor diesem Vorbild, das deinen Geist lebendig machen will.

Vertraue deinem Ruf. Feiere diese Berufung und lobe lustvoll.

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