Du bekommst, was du glaubst

Lukas 2, 25-32 (Luth)

Noch nie erlebten wir so stark, dass nichts bleibt, wie es ist. 2020 ist das Jahr der größten Veränderungen und tiefsten Einschnitte in alles bisher Dagewesene. Selbst unser Weihnachten, war weit weg, von dem, was wir bisher unter dem stimmungsvollen Fest der Liebe kannten. Unsicherheit liegt in der Luft. Wohin kann ich mich bewegen? Mit wem darf ich mich treffen? Das Fest der Freude ist mit viel Wehmut und Erinnerung an bessere Zeiten verbunden. Wir leiden unter diesen Umbrüchen und spüren unweigerlich die Vergänglichkeit des Daseins.

Simeon wartet auch, jedoch hängt er nicht vergangenen Zeiten nach.

1. Warten auf bessere Zeiten

Simeon; ein Mensch, gerecht und gottesfürchtig, der wartete auf den Trost Israels,

 

Warten klingt nach Wartezimmer, Warteschleife gleichbedeutend mit Zeitverschwendung. Wegen Infektionsgefahr bekommt man nicht mal mehr eine Illustrierte, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Warten ist wie abgestellt, bis einer für mich Zeit hat. Willst du bei Paypal die Einschränkung deines Kontos aufheben, wartest du wochenlang, bis ein Mitarbeiter sagt: Es sind nun alle Dokumente da, damit du wieder Zugriff auf dein Geld bekommst. Warten hat den Anschein von Ohnmacht. Du bist irgendwelchen Instanzen, Menschen oder Systemen ausgeliefert. Gewöhnlich hat Warten einen bitteren Beigeschmack.

Der fromme Mann Simeon wartet auch, jedoch ganz anders. Sein Warten ist kein passives Erdulden, von dem, was sich nun mal nicht ändern lässt, sondern es ist Warten voller Feuer. Sein Warten weckt Glanz in seinen Augen. Es ist kein in die Ecke gestelltes Warten, es ist hoffnungsvolles Erwarten. Eine innere Stimme macht ihm auf seine alten Tage klar: Erwarte den Triumph deines Lebens. Er ist offen genug, den Geist zu vernehmen, der in einem jeden Leben rumort und zur tiefsten Erfüllung führen will. Er spürt dem Drang nach, dass alles Leben eine Christus-Sehnsucht in sich trägt. Sein sterblicher Leib erwartet den Tröster. In seinem vergänglichen Dasein will er unbedingt zu diesem Licht durchbrechen.

Diese innere Klarheit lässt keinen Zweifel daran, dies in diesem irdischen Leben zu erfahren. Ich erwarte den Christus in meinem Leben. Hier wartet nicht einer, um ein bisschen Segen zu erhaschen; hier reißt einer den Himmel an sich. Ich zweifle nicht, dass Christus in meine Sterblichkeit kommt. Dahinter steht das geistliche Gesetz, dass dort, wo ich vom Heiligen Geist angerührt, den Christus geistig in Besitz nehme und erwarte, ich ihn in Händen halten werde.

2. Zu Christus geführt

Er kam vom Geist geführt in den Tempel, als die Eltern das Kind Jesus in den Tempel brachten,

Das, was ich erwarte schließt Türen auf. Wo ich nichts erwarte, wo ich für mich nichts geistig in Besitz nehme, wird genau das geschehen, was ich erwarte – nichts. In der Erwartung gehe ich bereits den Schritt auf Erfüllung zu. Dem Erwartenden schiebt sich der Weg unter die Füße. Dieser innere Antrieb führt mich genau dorthin, wo meine Erwartung bereits ist. Wenn du von dem Geist angetrieben bist, kannst du nur in den Tempel geführt werden. Der Geist wird dich nirgends anders hinführen als direkt zu Christus, wie der Stern zur Krippe führt. Wo ich Christus, wo ich das Heil, wo ich den Tröster erwarte, lenkt der Geist die Schritte in die richtige Richtung.

Die Erwartung führt wie Autopilot in die Erfüllung. Christuserwartung kann nur zu Christus führen. Das ist solch ein starkes Lebensgesetz, dass sich das auf alles übertragen lässt. Was ich erwarte, was ich anschaue, bekommt Macht über mich. Jede Berufung ist ein Impuls des Geistes. Wo ich sie mir für mich in Anspruch nehme, beginnt eine neue Führungsgeschichte. Wo Christus fünf Brote und zwei Fische für 5000 Mann hatte, erwartete er, dass alle satt werden und es funktionierte. Der Abraham nahm die Stimme wahr, die ihm im hohen Alter einen Sohn verheißen hat, verinnerlichte diesen Gedanken und bekam den Sohn.

Wozu uns der Geist treibt, das können wir alles erwarten. In dem Moment ist alles möglich, auch wenn die Logik Stirnfalten zieht. Gegen das vom Geist bewirkte Erwarten ist kein Kraut gewachsen. Wenn ich es erwarte, kommt es. Simeon kam ausgerechnet da in den Tempel, als die Eltern ihren Jesus auch brachten.

Zufall? Dummenglück? Nein!

Das ist die Folge von Erwarten. So funktioniert Führung durch den Geist, dass ich mit einem höheren Leitsystem verbunden bin.

3. Ergreife das Vollkommene

 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Jetzt ist die Ausschüttung von dem, was er erwartete. Simeon wird zum Christusträger. Er wird zu dem, was er längst vorher war. Er nimmt das in Besitz, was ihn bisher geprägt hatte. Er war schon der Christusträger, bevor er dieses Kind in den Händen hielt. Sein Leben und sein Sterben waren nur von diesem einen Gedanken geprägt.

Dieses Jesus Kind in seinen Händen, macht sein Leben vollkommen. Er trägt sein eigenes Heil in der Hand. Er selbst ist damit ganz geworden. Sein Leben ist damit stimmig für alle Zeiten. Mit dem Christus in der Hand erfährt er sein vollkommen sein. Es ist die Krönung seines Lebens. Das ist das höchste der Gefühle. Mehr kann man im Leben nicht mehr erreichen. Irdisches Leben kann keine größere Erfüllung erfahren, als diese Einheit mit Christus zu erleben.

Damit sind alle Fragen von Leben und Tod geregelt. Das bringt tiefe Ruhe in alles Vergängliche. Der Friede, der in einem Christusträger aufsteigt, ist das ewige Ruhen in Gott. Mit Christus lebt ein Leben aus dieser Vollkommenheit in aller Unvollkommenheit. Du empfindest dich als sterblicher Mensch, in der ganzen Zerrissenheit des menschlichen Daseins, und gleichzeitig als eine vollkommen in Gott ruhende Existenz.

Simeon hat diesen vollkommenen Frieden gefunden. In diesem vollkommenen Frieden können wir leben. Diesen Frieden kann ein Christusträger erwarten. Dieses Heil will aus unseren Augen in alles Unheil strahlen. Diese Christusträger sind wir an der Schwelle zu einem neuen Jahr.

Du bekommst, was du erwartest.

Du bekommst, was du glaubst.

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