Wie schön wärs doch im Himmel

Text: Offb. 21,1-7

Neulich schrieb ein Freund: Bitte verstehe mich nicht falsch, ich bin froh, dass meine Eltern dieses augenblickliche Drama mit der Pandemie nicht mehr miterleben müssen. Ich selbst stehe unter dem Eindruck, dass es jetzt noch schlimmer ist, als zu Zeiten der DDR. Da konnte man doch noch irgendwo etwas unternehmen, während jetzt werden die Systemrelevanten ausgebeutet und die anderen wissen nicht, wie sie ihre Zeit totschlagen.

Hier schreit die Sehnsucht nach besseren Zeiten, nach einem neuen Himmel. Er drückt eine Sehnsucht aus, nach der sich irgendwo jeder die Hände ausstreckt. Dieses Dasein mit Virus, mit Terror in Nizza und Wien, mit den Erdbeben in der Ägäis mit einem egozentrischen Präsidenten in Belarus, hält doch kein Mensch mehr aus.

Johannes bekommt in diese verkrachte Welt eine verrückte Offenbarung. Wir wollen seinen eindrücklichen Bildern folgen und bedeutsame Wahrheiten enthüllen lassen.

1. Ich will noch nicht sterben

Wer überwindet, der wird…

Willst du etwas für deine Gesundheit tun und morgens um 5 Uhr Waldlauf machen, musst du früher aufstehen und die innere Trägheit überwinden. Willst du ein Haus bauen, brauchst du tragfähige Pläne, wie die Wohnung später einmal aussehen soll und die Bereitschaft, viel Lärm, Dreck und Probleme zu überwinden. Sobald du in irgendeiner Sache etwas erreichen möchtest, musst du Hindernisse überwinden. Überwinden ist ein ganz natürliches Lebensgesetz. Das Getreidekorn muss sogar seine eigene Auflösung überwinden, damit es sich vermehrt. Es sagt uns: Sterben gehört zum Leben. Hört sich nicht gut an und tut auch weh.

Wir haben ein Problem mit dem Überwinden. Vielleicht sogar zwei. Wir wollen zum einen Schmerz vermeiden und uns nicht unnötig anstrengen müssen und zum andern wissen wir gar nicht wo wir hin wollen, dann ist die ganze Welt voller Hindernisse. Somit ist das Leben der meisten voller Not und Elend. Wir haben uns daran gewöhnt das Schwere zu beklagen. Das ganze Leben spielt uns einen Streich, ist ungerecht und die Regierung taugt nichts, alles ist nur ein Drama. Man kann das alles so sehen, weil es so ist.

Doch die Perspektive aus der man solches betrachtet ist die Sicht vor der Schwelle. Wer nicht überwindet bleibt vor dem Unerreichbaren, bleibt vor der Hürde. Wenn Gott sagt: Wer überwindet …, dann will er zum Darüber ansetzen. Er hebt uns den Blick über das Übel. Er will im Alten, durch den Überwindergeist ins Neue mit Christus gelangen. Für Christus heißt Überwinden, ich muss sterben, damit im Geist neues, ewiges Leben real wird. „Ich muss diese Welt verlassen, damit ich euch den Tröster senden kann. Im Überwinden räumt keiner äußere Hindernisse weg, sondern da stirbt mein Schreck vor der Hürde. Wo ich nicht Christus in mir will, wo nicht mein verhaftet sein an diese vergängliche Welt stirbt, ist kein Geist da, der irdisches Chaos überwindet.

2. Der Himmel ist schon da

Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und er wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Er sprach: Siehe, ich mache alles neu!

Was Johannes hier vor Augen steht, ist ein mit Christus erfüllter Mensch. Hier dürfen wir behutsam unsere Vorstellungen von der anderen Welt revidieren. Gott wird bei ihnen wohnen, das ist das Neue. Die neue Welt beginnt nicht irgendwann hinter dem alten Kosmos, wenn das ganze Spektakel hier vorbei ist, sondern er baut seine Hütte in den Menschen. Der Himmel wird gebaut, wo wir zum Christus-Wohnort werden. In mir beginnt das neue Jerusalem.

Im Mittelalter brachte der heilige Franziskus, der in seinen nächtlichen Gebeten Christus schaute, dem Christentum eine Renaissance des christlichen Geistes: Er hatte in einer Vision den Auftrag erhalten, das zerfallende Haus der Kirche wieder aufzubauen, als ihr das Wesen der Lehre Jesu verloren gegangen war.

Wo Gott seine Hütte baut, verbessert er nicht die irdischen Lebensumstände, wie es sich der Durchschnittsmensch wünscht. Das Neue, das er baut ist der Christus in meinem Geist. Der Körper besteht aus Fleisch und unterliegt daher den Begrenzungen des Fleisches, wohingegen die aus Gott geborene Seele sich in unbegrenzten Welten bewegt. Dieser Körper ist die Schuluniform die wir tragen, solange wir über diese Welt gehen, bis wir sie nach dem Abitur wieder ablegen. Aber der Geist weiß, dass er Leben ist, das keinen Anfang und kein Ende hat. In uns lebt dieses unendlich göttliche Geheimnis, bei dem wir mit Gott eins sind, ob wir die Schuluniform noch tragen oder nicht.

Der Mensch ist davon überzeugt, dass er in erster Linie Körper sei, obwohl er täglich das Gegenteil erlebt. Jede Nacht im Schlaf, „dem kleinen Tod“, hört er auf, sich mit seinem physischen Körper zu identifizieren und lebt in einer Welt ohne Raum und Zeit. Der Schlaf erinnert uns, was jenseits des Schlafzustandes ist – an die Heimat unserer Seele. Dieses vergängliche Leben wäre unerträglich, gäbe es nicht den unterbewussten Kontakt mit der Seele, der durch den Schlaf ermöglicht wird.

Der Himmel will in uns wohnen, nicht nur im Unterbewussten, sondern im Vollbesitz unser geistigen Kräfte. Diese Hütte will Gott bauen. Die Erde ist ein Ort voller Sorgen und Leiden; das Reich Gottes jedoch, das sich hinter dieser materiellen Ebene befindet, ist eine Hütte der Freiheit und Glückseligkeit, das Irdisches überwindet. Wo Gott wohnt, verändert sich die komplette Wahrnehmung dieser Welt.

3. Trinke dein Erbe

Ich will von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst geben. Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Wir haben das Glück, dass wir nicht mehr dreißig mal schlafen müssen, bis es Weihnachten wird, denn wir haben das Christ-König-Fest. Das Erbe ist ausbezahlt. Der Himmel ist hier. Wir brauchen nicht einmal bis zum nächsten Nachtschlaf warten, sondern können ständig online gehen.

O Seele, du bist nicht der Körper, warum ruhst du nicht allezeit in der Erinnerung, dass du Geist Gottes bist? Ganz nach der Paulus-Frage (1. Kor. 3,16): „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“

Wer erkennt, dass er nicht der sterbliche Körper ist, sondern ein Funke des unendlichen Christus, der lebt in seinem Erbe. Du bist Gottes Kind und somit ein unsterbliches Wesen, in einer sterblichen Welt. Trinke deine Unsterblichkeit, wo das ganze Universum von der Christus-Gegenwart erfüllt ist. Presse aus der vergänglichen Materie, dein unvergängliches himmlische Erbe heraus.

Wer bereit ist, in der übermächtigen Welt, die uns so erdrückend bestimmen will, Gottes Hütte bauen zu lassen, kann sein Christ-König-Fest feiern. Wo du in deiner Welt bleibst, wird dich weiterhin dein Schmerz und Unglück verfolgen. Trinke dein Erbe und tauche in deine Heimat, wo du deinen Ursprung hast. Alle Kinder Gottes sind daher „vom Himmel herabgestiegen“, nicht nur Jesus. Der Himmel kommt nicht irgendwann. Er kommt durch die Hütte, die Gott in dir aufgeschlagen hat in die Welt.

Warte nicht auf bessere Zeiten, sondern trinke das lebendige Wasser, das dir serviert ist.

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