Weniger ist alles

Markus 8, 1-9

Kahlschlag beim Kranich, hieß es vergangene Woche in den Wirtschaftsnachrichten. 
Der von der Corona-Krise schwer getroffene Lufthansa-Konzern will noch mehr Stellen als bislang geplant streichen. Außerdem werde eine größere Zahl an Flugzeugen stillgelegt als ursprünglich vorgesehen. Zu wenig Reisende, zu wenig Interesse an Flugverbindung, lassen dem milliardenschweren Unternehmen die Luft ausgehen.
Das nicht genug haben, um leben zu können kennen wir. Er reicht nicht, um die Mitarbeitergehälter zu bezahlen. Zu wenig, um genügend Schulden zu tilgen.

Zu wenig, um 4.000 hungrige Seelen satt zu machen, diese Problem haben die Jünger am heutigen Gott-Vater-Dank-Fest.

1. Zu wenig

2 Mich jammert das Volk, denn sie harren nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen. 4 Seine Jünger antworteten ihm: Woher nehmen wir Brot hier in der Einöde, dass wir sie sättigen?

Gott jammert den Mangel seines Volkes und die Menschen haben ein Problem damit. Er will sich gönnerhaft und großzügig zeigen und die Jünger drehen am Rad: -Womit denn? Jesus will sich über eine hungernde Menge erbarmen, weil er sich sagte: Kurze Andacht lange Wurst. Und die Seinen sagen: Woher nehmen und nicht stehlen? Von nichts kommt nichts.

Zwei krasse Gegensätze:

– Jesus, der nicht nur liebe Worte sagt, sondern dessen Liebe durch den Magen gehen will und Menschen, die nur Steppe, Engpässe und Mangel vor sich sehen.

Da sind Jünger, die in der Gegenwart von Jesus schwarz sehen und voll die Panik schieben. Katastrophenstimmung beim Wundertäter. Drei Tage Intensivseminar beim Meister. Reich Gottes-Jahres-Konferenz vom Feinsten. Feierlicher Gottesdienst mit Jubelchören und an der Basis ist nichts angekommen. Wir predigen und nichts kommt an. Wir feiern ohne Ende mit Christus, erheben uns in heiligen Momenten, doch wenn´s zur Sache geht, ist von dem wunderbaren Glauben nicht mehr viel übrig. Wir nennen uns Nachfolger, sehen uns von Gott berufen und bleiben doch im Verstand hängen. Was wir nicht kennen, was wir uns nicht vorstellen können, geht nicht.

„Lieber Gott bleib´ doch vernünftig und sieh wie die Realität wirklich aussieht.“ 4000 Mann und kein Metro in der Nähe, das geht beim besten Willen nicht, – das ist zu wenig.

2.   Eine unnatürliche Formel

Und er fragte sie: Wie viele Brote habt ihr? Sie sprachen: Sieben. Und er gebot dem Volk, sich auf die Erde zu lagern. Und er nahm die sieben Brote, dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, dass sie sie austeilten.

Jesus klärt die Fakten. Was ist überhaupt da, was haben wir? Okay, 4000 Mann und 7 Brote, das ist für jeden knapp 0, 002 Brote, also nichts. Gut, das ist optimal, das reicht. Also dann mal alle Platz nehmen. Was jetzt passiert, offenbart, dass unser Einmaleins nicht in Gottes Formelsammlung steht.

Wilhelm Busch sagte: „Wer in Glaubenssachen den Verstand befragt, bekommt unchristliche Antworten.“

Nichts ist der Stoff aus dem alles gemacht ist. Am Anfang war Gott und Nichts, das war alles. Am Anfang war dieses eine Wort: Es werde. Aus einer Silbe von Gott, wurde aus dem Nichts Materie. Die Formel: Wort plus Nichts gleich Schöpfung.

Meister Eckehard sagt: „Sobald Gott war, sobald hat er auch die Welt erschaffen. Schöpfung ist hier und jetzt. Sie ist damit ein Vorgang ohne Anfang und Ende.“

Das Wort ist Erschaffungsgewalt, ist heiliger Geist, die von der Christus-Realität durchdrungen ist. Seit dem ersten Atemzug der Welt, ist diese Gewalt für alle Zeiten eine Wirklichkeit, die in jeder Sekunde ein ganzes Universum erschaffen kann. Alle Dinge – sind nichts als unterschiedlich angerührte Gedanken des Geistes. Du, ich, diese Kirche, der Baum hinter dem Haus, die Äcker, die Felder, die ganze Welt haben ihren Ursprung in diesem alles belebenden Geist. Da ist kein Tod, da ist nur Leben. Tod wo ist dein Stachel, Hölle wo ist dein Sieg? Auch der Tod ist das Leben Gottes. Dass etwas sterben könnte, ist für den Mystiker eine Ungeheuerlichkeit (Eckehard). Dieser Geist Gottes ist alles was ist. Alles was ist, ist mit Gott eins, ist andauernde Schöpfung. Nichts von dem was ist, können wir außerhalb von der Wirkung des Geistes betrachten. Wo Nichts ist, ist die ganze Schöpfung.

Jesus nimmt das Nichts was er hat, dankte, bricht das Brot und lässt es austeilen. – Eucharistie. Für ihn ist es völlig normal, dass sich unter danken und teilen Schöpfung manifestiert. Er rechnet in seinem Tun die Wirkungen des Geistes ganz selbstverständlich mit ein. Es ist kein Unterschied ob Gott die ganze Welt erschafft, oder ob er mal 4000 knurrende Mägen satt macht.

3.   Zu viel

Und sie aßen und wurden satt. Und sie sammelten die übrigen Brocken auf, sieben Körbe voll.

Von sieben Broten bleiben sieben Körbe übrig. Also das zigfache vom Einstand. Dieses satt werden hat Jesus nicht nur gepredigt, sondern für alle erfahrbar gemacht. Der Geist erschafft Materie, das ist die höhere Mathematik von Reich Gottes; das ist das natürlichste des Lebens mit Gott. Das ist die Mathematik des Glaubens, die aus dem Nichts alles erschafft. In dieser Schöpfungsformel lebt der Mensch, der im Geist Christi seine Gaben austeilt. Um Welt Gottes, um alles im Leben zu erschaffen, brauchen wir nicht mehr als das, was da ist.

„Dieser Geist fliegt uns nicht von außen irgendwie zu, oder wird uns lehrhaft indoktriniert, sondern wird von innen her erfahren,“ wie Karl Rahner sagt. „In seinem tiefsten Innersten hat der Mensch die Ahnung nicht verloren, dass Reich Gottes in ihm ist. Wer in der Tiefenerfahrung steht, der hat nicht einen Gott: Er ist Kind Gottes, ist aus Gott geboren.“

Wo wir glauben sind wir Schöpfer. Wir glauben an die Wirksamkeit des Geistes, der Christus zum Schöpfer machte und dadurch jede unserer Handlung zu einer Handlung des Schöpfergeistes macht. Zu diesem Erschaffen sind wir am Leben, sind wir berufen. Wir sind dazu berufen, dass unter Danksagung, die Welt satt wird. Mit dem wenigen das wir haben, werden wir im dankbaren Teilen Überfluss schaffen. Wo wir im Wenigen stecken bleiben, wo wir Steppe und Mangel sehen, gilt heute die Einladung unser Rechenart zu überprüfen.

Gott-Vater-Dank will unseren Geist auf Überfluss und Vertrauen ausrichten. Was könnte erschaffen werden, wenn wir das, was hinten und vorne nicht reicht, hingeben würden und den Geist machen lassen?

Sei ein Segnender.

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