Schmetterlinge im Bauch

Römer 11, 30 – 31

Für manch einen ist das schönste Gefühl auf der Welt, frisch verliebt zu sein. Herzrasen, schweißnasse Hände, Schmetterlinge im Bauch, permanent dieses aufgeregte und glückliche Gefühl, wann immer man an sein Herzblatt denkt. Wie bei allem was im Körper passiert, spielen auch bei “Schmetterlingen im Bauch” biochemische Prozesse eine Rolle. Wusstet ihr, dass das Gefühl verliebt zu sein, rein wissenschaftlich gesehen eine Art Krankheit ist? Die Bereiche im Gehirn, die für unsere Gefühle verantwortlich sind, senden eine hohe Anzahl an sogenannten Botenstoffen (Endorphine) aus. Die Weitergabe der Glückshormone verläuft über Nervenbahnen am Bauchraum. So entsteht das berühmte Magenkribbeln, was wir meist als “Schmetterlinge im Bauch” umschreiben.

Gott hat Schmetterlinge im Bauch.

1. Eine unerklärliche Krankheit

Früher habt ihr Gott nicht gehorcht. Jetzt wollen die Juden nicht glauben, dass Gott jedem Menschen durch Christus barmherzig ist.

Die Geliebten sind krank. Ein ganzes Volk ist krank, Israel. Sie können sich nicht lieben lassen, vor allem, wenn Gott der Liebhaber ist. Selbst Gott nahestehende Menschen können ringsum die Schotten dicht machen und davon laufen. Da ist dieses Volk Israel, das in der Welt vor allen anderen von Gott bevorzugt wurde. Sie waren die Begünstigten. An ihnen sieht man eine farbige Geschichte, wie Gott sich an seinen Geliebten austobt. Eine faszinierende Biografie von auf und ab zwischen Segnungen und Züchtigungen, zwischen Bewahrung und Versagen. Es war das glaubensvolle Hoffen und unerträgliche Warten auf den Tag der Erlösung von einem Jahrhundert zum anderen.

Als die Stunde kommt auf die sie zu gelebt hatten, kneift das Volk und verwirft den Erwarteten. Da ist der heilige Moment des Kairos und er wird nicht ergriffen – einfach ignoriert und abgelehnt. Typisch Mensch! Einfach krank, Gott erhält wieder mal die Abfuhr. Menschliche Arroganz, Unbeweglichkeit und Verschlossenheit, verpassen dem Reich Gottes täglich empfindliche Seitenhiebe. Geschichte ist kein mustergültiges Drehbuch, mit einem klaren roten Faden, schon gar nicht wo es darin um einen Gekreuzigten geht.

So war´s gedacht: Israel müsste „den der da kommt“ erkennen und sich um ihn versammeln. Danach explodiert die gute Botschaft über die ganze Erde und breitet sich flächendeckend aus. Bilderbuchhaft entsteht Gottes Reich. Mit Christus gehört zuerst das auserwählte Volk dazu und dann der Rest der Welt.

Denkste Puppe. Ganz so glatt läuft es selbst für Gott nicht. Wo die einen abriegeln, werden Gottes Pläne zwar durchkreuzt, jedoch nicht aufgehalten. Wo Israel sich krankhaft weigert, macht es den Weg zu den Heiden frei.

2. Das berühmte Kribbeln

Aber weil die Juden Christus ablehnten, hat Gott euch seine Barmherzigkeit erfahren lassen.  

Gott ist verrückt nach dieser kranken Kreatur. Wer richtig verliebt ist, lässt sich nicht so einfach abspeisen. Bei Gott gibt es keinen Schaltkasten, in dem die Sicherung durchbrennen kann. Er ist unschockierbar. Einmal geliebt – immer geliebt. Gott glaubt an das Unmögliche. Er schafft das Unmögliche. Kranke Ablehnung kuriert er mit Christus. Mit Christus hält Gott sich immer eine Türe zum Menschen offen. Er ist da bevor wir überhaupt glaubten und bleibt da, ohne dass wir glauben. Gott wird man nicht mehr los, auch wenn man ihn leugnet oder ihm davonlaufen will. Wo sich die einen weigern, geht sie zu den anderen. Das ist das Prinzip, unter dem Evangelium Geschichte macht. Gott ist bei allem Brennen kein Zwangsvollstrecker, der mit aller Gewalt die ganze Welt christianisiert. Das ist das unfassliche, auch wenn Israel geht, Gottes Verheißung bleibt.

Auch wenn wir nicht glauben, zieht sich Gott nicht zurück und glaubt alles und hofft alles. Sollte Gottes Treue von unserer Untreue abhängen? – niemals. Solange dieses berühmte Kribbeln da ist, bleiben wir geliebte Feinde, damit aus Unglaube Glaube wird. Gottes Geschichte geht weiter, mit uns, ohne uns und gegen uns.

3. Frische Endorphine

 Die Juden wollen nicht glauben, obwohl sie es doch an euch sehen. Aber auch sie sollen schließlich Gottes Barmherzigkeit erfahren.

Barmherzigkeit kommt garantiert zum Ziel. Mit diesen unverdienten Endorphinen erreicht Gott alles, was er sich vorgenommen hat. Barmherzigkeit ist eine vorweggenommene Wahrheit, die Menschen so behandelt, als hätten sie schon die Umkehr vollzogen. Sie sieht schon den Schmetterling, auch wenn sich die Raupe noch durch den Kohl frisst. Die Endorphine des Evangeliums überschütten gerade die, die noch ungehorsam sind.

Erbarmen ist Christusausschüttung. Da wird ein zukünftiges Ereignis zugeschossen. Barmherzigkeit hat nichts mit Schwäche zu tun, die alle Unarten der Menschen erduldet und sich von Auflehnung in den Dreck treten lässt. Barmherzigkeit ist keine Trägheit, die über unhaltbaren Zuständen das Genick einzieht. Sie ist friedfertige Unbeugsamkeit mit Weitblick. Sie sieht den Sünder durch die Brille der Erlösung. Sie ist die grandiose Leistung, das Unvollkommene ins Vollkommene zu versetzen.

Paulus besitzt die Kühnheit, die ganze Weltgeschichte aus der Perspektive des Erbarmens zu sehen. Wenn aller Glaube versagt, die Barmherzigkeit hält aus. Unglauben wird nicht durch Glauben überwunden, sondern mit Gottes Barmherzigkeit. Das ist Gottes kostspielige Art, die Dinge nicht laufen zu lassen, sondern zurückzugewinnen. Lassen wir die Schmetterlinge fliegen. Wir haben für jeden Tag genügend Christus, über den wir uns nur wundern können. Damit haben wir eine große Zukunft, auch wenn alles hoffnungslos aussieht.

Wenn wir unsere Schwierigkeiten als die Raupe im Kohl betrachten, wie könnte dann der Schmetterling aussehen?

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