Schöpfe aus dem Vollen

Jer. 14, 1-4, 7-9 (Luth 17)

Alles spricht von Klimawandel. Extreme in den Jahreszeiten, mit heißen Sommern und Winter, die keine mehr sind. Überschwemmungen auf der einen Seite, flächendeckende Brände auf der anderen. Nichts scheint mehr geregelt abzulaufen. Umweltbestimmungen regeln, in welchen Städten wir, zu welcher Uhrzeit fahren dürfen. Eine siebzehnjährige Schülerin aus Schweden, macht den vereinten Nationen Stress, zu wenig für den Klimaschutz übrig zu haben. Horrorszenarien werden aufgezeichnet, wie verantwortungslos die Menschheit mit Ressourcen umgeht, so dass wir ab morgen keine Zukunft mehr haben werden. Menschliche Unvernunft macht die Erde kaputt.

Wo die Großen kein Wasser mehr finden und mit leeren Gefäßen zurückkommen, ist Jeremia ein Klimaaktivist von anderem Format.

1. Obdach für dürres Land

Juda liegt jämmerlich da, seine Städte verschmachten. Sie sinken trauernd zu Boden, und Jerusalems Wehklage steigt empor. Die Erde ist rissig, weil es nicht regnet auf das Land. Warum bist du wie einer, der verzagt ist, und wie ein Held, der nicht helfen kann? Ach, HERR, wenn unsre Sünden uns verklagen, so hilf doch um deines Namens willen!

Was für ein jämmerliches Bild, wenn man nach einem heißen Wochenende Montagmorgens ins Blumenhaus kommt und die Hortensien auf dem Boden streifen. Die Blätter sind eingerollt und die großen, runden Blüten zusammengeschrumpelt. Jeder normale Mensch, denkt, jetzt ist alles vorbei, hier ist Hopfen und Malz verloren. Das kann vielleicht noch guten Kompost geben. Doch wenn solch ein Wassersäufer ordentlich in einen Eimer Wasser getaucht wird, kann man schon nach kurzer Zeit ein Aufblühwunder erleben.

Nicht nur Pflanzen oder ganze Landstriche austrocknen aus, wenn es monatelang nicht mehr regnet, sondern auch Menschen verdorren. Wassernot brennt von innen und außen aus. Wüste kann es um uns und in uns geben. Risse im Boden, die existenzbedrohend sind, kann eine einst stürmische Bruderschaft sein, die vor 48 Jahren in frohem Glauben aufgebrochen ist, und nun keine jungen Mitstreiter findet. Zusammenschrumpeln kann die Hoffnung, weil das Altwerden körperliche Grenzen setzt. Der Mut kann ausbrennen, wo staatliche Auflagen das Wirtschaften immer schwerer machen.   Doch ein echter Klimaaktivist wird in der größten Katastrophe aktiv.

Jeremia besinnt sich auf einen außergewöhnlichen Wasserkübel. „Auch wenn wir die Erde selbst ruiniert haben, hilf um deines Namens willen.“ Er denkt an einen bahnbrechenden Namen: Wunderbarer Rat, Kraft Held, Ewig-Vater, Friedefürst. Da ist ein Name, der sich für Wasser verpflichtet hat. Ein Name, der gar nicht anders kann, als dürres Land bewirten. Allein der Name lehrt der Dürre das Fürchten. Jesus ist das Obdach für dürres Land.

Wer in Deutschland keine Wohnung findet und quasi auf der Straße landet, wird von einer Ortsgemeinde aufgefangen, die dazu verpflichtet ist, ihm eine Obdachlosenunterkunft zu stellten. Der Sozialstaat hat sich auf die Fahne geschrieben, dass keiner unter freiem Himmel übernachten muss. Rein juristisch, gibt es keine unversorgten Obdachlosen.

Gott bannt mit Christus das dürre Land. In diesen Namen hat Wüste immer Wasser. Mit Christus beginnt der Klimawandel, der jede schlappe Hortensie wieder aufrichtet.

2. Grüner wird es nicht

Du bist der Trost Israels und sein Nothelfer.

Viktor Frankl würde diese Therapie paradoxe Intension nennen. Es passiert genau das Gegenteil, von dem was wir befürchten. Ausgetrocknet heißt nicht kaputt oder tot, sondern ist die Voraussetzung für ein Frische-Erlebnis. In diesem Namen tritt das Paradoxe ein. Der natürliche Verwelkungsprozess wird gekappt. Dort wo wir trauernd vor jedem Riss im Boden stehen und uns die schlimmsten Befürchtungen vor unserem geistigen Auge ausmalen, greift ein Selbstaktivierungsprogramm der ewigen Welt. Wo der Widerwillen der Menschheit zum Himmel schreit, muss es zwangsweise Erbarmen regnen. Wo die Klagen sich wie Müllberge auftürmen und diejenigen die entsorgen verzweifeln lässt, geht auf der anderen Seite ein Endlager auf.

Für die Politik scheint es wie eine Erlösung, dass die Schwäbische Alb bei Ulm, solch dichte Lehmschichten enthält, die eine sorglose, langfristige Atommüll-Lagerung möglich machen.

Der Nothelfer ist Gottes Antwort auf alle Böcke, die in dieser Welt geschossen werden. Seit es diesen Namen Jesus gibt, kann kein noch so barbarisches Mittel, die Welt in Stücke zerlegen. Die Hoffnung ist von keinem jämmerlich aufgerissenen Boden wegzuradieren.

Auch wenn riesige Städte in Indonesien überflutet werden, quadratkilometerweise fruchtbares Land in Australien verbrennen und Menschen in Syrien sinnlos umgebracht werden, ist die Erde kein hoffnungsloser Fall.

Erlösung hat einen Namen. Erlösung heißt Grünen im Untergang. Christus ist die paradoxe Intension in einer sterbenden Welt. Dieses Wachstum liegt in dem Wort, das nichts braucht, um Chaos in ein Paradies zu verwandeln. Dünger liegt in der Eucharistie, in der Gemeinschaft mit ihm und den Glaubenden. Wo wir auf dürres Land schauen, kann der Glaubende nur Grün sehen.

3. Leben im Widerspruch

Du bist ja doch unter uns, HERR, und wir heißen nach deinem Namen; verlass uns nicht!

Wo uns die Spucke wegbleibt, über dem Mord an einem 7-jährigen Mädchen, lesen wir mehr Zeitung als die Bibel. Wo der Name Jesus an Bedeutung verliert, kocht in uns die Wut über die Ungerechtigkeit der Welt. Die Jammerarien über schwere Probleme, über die kritische Lage, werden dort laut, wo wir unseren Namen vergessen haben.

Wir heißen nach deinem Namen.

Wir heißen – grüner wird es nicht.

Wir heißen – nie endendes Leben.

Wir leben im Widerspruch zu dem, was wir gerade erleben.

Ab sofort lösen sich die Verkrampfungen über eigene und fremde Schuld. Die Namensänderung bedeutet, dass das, was uns niedergerissen hat, ist einfach weg. Weggeben – Vergebung heißt basta aus. Da ist keine Trockenheit, die dir noch die Zunge aus der Kehle drückt. Wir brauchen dem bereits verstorbenen Vater keine Vergehen an uns mehr nachtragen, noch uns von sonstigen Beleidigungen bestimmen lassen. Der alte Dreck ist so weit weg, wie die Risse im Boden verschwunden sind, wenn sie Wasser aufgesaugt haben. Das Elend ist nicht mehr der Rede wert, wenn wir nach seinem Namen heißen. Die Vergehen der Menschen sind kein Grund, mich aufzureiben, sondern durch meinen Namen, habe ich Wasser für dürres Land. Wer nicht von den Dramen des Lebens in Schach gehalten wird, ist frei für den jetzigen Augenblick.

Wir sind wie eine Blumenzwiebel im Frühjahr, die unbeirrt durch matschige Blätter, verdorrte Zweige, der Sonne entgegentreibt. Wer Christ heißt, lebt als unverbesserlicher Lebensentwickler und Grünmacher. Weil wir Kraft Held heißen, können wir gar nicht anders, als in der Dürre zu blühen. In uns will sich mehr Schöpfung durchsetzen, als vertrocknetes Land vernichten kann. Es ist mehr als genug da. Daher lebe völlig unverkrampft.

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