Prost Mahlzeit

Joh. 6, 30-35

Wer gesund leben will, sucht sich die gute Diät. Manch einer sagt: Die Gesundheit liegt im Darm. Also dort, wo mein gutes Essen in Einzelteile zerlegt wird. Denken wir einfach alles einmal vom Darm aus.  „Darm mit Charme“, heißt der Bestseller vor ein paar Jahren. Das schwarze Schaf unter den Organen, das bisher eher ein Schattendasein führte. Übergewicht, Depressionen und Allergien hängen mit einer gestörten Darmflora zusammen. Umgekehrt heißt das: Um mich in meinem Körper wohl zu fühlen und glücklicher zu werden, muss ich meinen Darm pflegen.

Unser heutiger Text will sich mit den Essgewohnheiten der Glaubenden beschäftigen.

1. Weil´s besser schmeckt

Die Bibel spricht sehr lebensfroh von Essen und Trinken. Jesus wird im Gegensatz zu dem asketisch lebenden Täufer, sogar Fresser und Weinsäufer geschimpft (Matth. 11.19). Sicher nicht, weil er ein aushausiges Leben führte, jedoch konnte er die Gaben seines Vaters lebensfroh genießen. Das alttestamentliche Gottesvolk freute sich über das „Fette Mahl“ und Jesus spricht beim verlorenen Sohn, von einem großen Fest mit geschlachteten Ochsen und Mastvieh.

Wir brauchen etwas zu essen. Paulus sagt ganz frei: ich kann beides, satt sein und hungern, weil mir die Liebe Gottes alles bedeutet. Trotzdem spielt er die Fragen der leiblichen Existenz nicht herunter. Menschen verhungern lassen, sie auf den Himmel vertrösten, dafür kann man sich beileibe nicht auf Christus berufen. Hunger ist, wenn es weh tut, wenn etwas mangelt und vor dem Sterben bewahren will.

Wir haben Leben nicht in uns, so dass wir es selbst produzieren können. Wir brauchen Nachschub und den Darm, der diesen in Energie umsetzt. Wir leben aus fremdem Leben. Nicht nur wenn wir unser Schnitzel genießen, sondern auch bei den Früchten. Wir entziehen sie beim Verzehren ihrer Bestimmung, zu reifen und sich zu vermehren. Damit wir leben können, muss anderes sterben. Wenn wir essen, ziehen wir etwas nicht Menschliches in unseren Stoffwechsel ein. Alles, was lebt, muss sterben, früher oder später. Wir brauchen Brot, um weiterleben zu können. Mit dem Brot von heute, gibt uns der Schöpfer einen weiteren Tag Leben dazu.  Gottes ja zum Leben zeigt sich daran, dass er durch Sterben, Leben erhält.

Gottfried Voigt sagt in einer Ethikvorlesung: „Einem Christen schmeckt es besser als anderen Menschen.“ Er kann genießen, weil er diese Zusammenhänge versteht.

Wir brauchen das natürliche Brot.

2. Üppig vegetieren

Menschen richten ihr Leben „artgerecht“ ein. So wie Vögel Nester bauen, gehört zum Menschen Essen, Trinken, Kleidung, Wohnung. Viele leben nur für diese Brotfrage, zur Sicherung ihrer Existenz.

Weil Jesus dem Volk in der Brotvermehrung Nahrung verschafft hat, wollten sie ihn zum König und Ernährungsminister machen. Selbst Glaubende begreifen es schwer, dass Jesus viel mehr will, als nur Wunder vollbringen und die Hungrigen mit Alltäglichem zu versorgen. Es wird richtig zäh, als er klarmacht, dass nach diesem Brot wieder der Hunger einsetzt. Ihm geht es um nachhaltiges Essen, das dauerhaft stillt. Er will nicht nur sattes organisches Leben, er will pralles nie endendes Leben.

Wo Menschen ihr gesichertes Einkommen haben, schickes Haus mit Garten, einen reichlich gedeckten Tisch, haben sie ausgesorgt. Wenn die Schulden weg sind und die Lager voll, können wir uns entspannt zurücklehnen. Jesus sagt: auch wenn alles gut geregelt ist, die Dinge des täglichen Lebens unter Dach und Fach sind, ist das nicht alles. Der wahre Wohlstand ist für Jesus, Leben, das niemals aufhört. Ein heiliges Leben, aus dem Heiliges aufsteigt. Auch wenn man alles erreicht, finanziell frei ist, kann das Wesentliche fehlen. Man kann üppig vegetieren, ohne wirklich zu leben. Richtig leben fängt dort an, wo man nach Vollkommen sein in Gott hungert. Leben beginnt, wo wir zur Antwort auf Gottes Rufen werden. Gemeinschaft mit Gott, macht Menschen menschlich.

Ein bisschen davon haben die Leute in Kapernaum begriffen. Leben kommt nicht aus dieser Welt, sondern vom Brot des Himmels. Ihr Hunger verlangt mehr als das irdische Brot. Und trotzdem liegt ihnen am Brot. Sie suchen die besondere Gabe Gottes, die dauerhaft satt macht. Sie suchen immerwährende Manna, das vom Himmel fällt. Sie konzentrieren sich voll auf das „mehr als Brot“ und merken nicht, dass es um das Brot selbst geht.

Jesus selbst ist die Gabe des Himmels. Das Mannawunder, das sie von ihm erwarten, ereignet sich gerade im Christus, der vor ihnen steht.

3. Pappsatt

»Ich bin das Brot des Lebens«, sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt, wird niemals wieder hungrig sein, und wer an mich glaubt, wird nie wieder Durst haben.  

Ihr wollt Brot, ihr wollt, dass ich euch etwas gebe, ihr wollt mich zum Wundertäter degradieren?  Ich bin das Brot. Ich gebe euch kein Brot, ich bin es, sagt Jesus.

Hier kommt ein gewaltiger Knick in das fromme Ernährungsverständnis. Das „mehr als Brot“, ist keine weitere Produktveredelung, keine Steigerung des bisher servierten, es ist Beziehung. Lebenshunger wird in lebendiger Begegnung mit Christus gestillt. Hier wird kein neues Lebensmittel auf den Markt geworfen, mit dem man christlich lebt, sondern Christus selbst ist dieses Lebensmittel. Ich bin das Brot, ist gleichbedeutend mit, ich bin der Weg, ich bin die Auferstehung und das Leben.

Christus bringt hier nichts, er ist es. Wie das Brot unentbehrlich für den Leib ist, ist Christus unentbehrlich für den Glauben.  Wenn er Brot ist, ist er das bedingungslos. Mein Auto fährt nur mit Super 95 und nicht mit Rapsöl oder Kuhmilch. Der Mensch lebt aus dem Schöpferwort, das ihn erschaffen hat. Er lebt weiter durch das Wort, das in ihn eingeht. Christus will in uns einverleibt werden, dass er in Gottesenergie in uns umgesetzt werden kann.

Leben als Eucharistie. Wo der gekreuzigte Christus in uns verstoffwechselt wird, feiert der Glaube Auferstehung.

Voigt: Gäbe der vom Himmel Gekommene sich nicht in unser gegen Gott verschlossenes Leben hinein, dann wären wir von der Quelle des Lebens abgeschnitten.

Christus will nicht nur mit uns reden, er will in uns verstoffwechselt und umgewandelt werden. Damit haben wir genügend Energie, gegen alle Widerwärtigkeiten anzutreten. Damit haben wir Kraft in Trostlosigkeit aufzustehen und hoffnungsvoll voranzugehen. Damit ist mein Glaube nicht vom Aussterben bedroht. Damit werden wir selbst für andere zur Lebensenergie.

Auf ein sattes Leben. Prost, Mahlzeit!

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